M n Mz2Q inUrtdwiöfr i MiliD w MM X • ,kA" ----^ '1- '.X/j unst, die kehrt sich nach dem Glücke; Geld und Reichthum, das zerstäubt- Schönheit läßt uns bald zurücke; Ein getreues Herze bleibt. Mir ist wohl bei höchstem Schmerze, Denn ich weiß ein treues Herze. Paul Fleming. Felsgarten. Roman von Clara Bücker. (Fortsetzung) Er trat der Fragerin nichtsdestoweniger näher und — stutzte. Freiwillig wollte das Mädchen ihn grüßen, als auch sie zauderte und nur gemessen den Kopf neigte. „Ist störe doch Wohl?" „Sie nehmen mir die Frage ab," versetzte Heinrich, „denn eben legte ihr Vater mir nahe, fürs Erste hier zu bleiben, Fräulein Hilde?" „Ach nein," lächelte sie nun, wobei ein Zug um ihren Mund huschte, der ihm zu denken gab, „ist Papa Ihr Hiersein recht, ist es mir sogar billig." Damit zog sie sich hinter diesen Papa zurück, ihm alles Andere überlassend. „Du siehst Dich gänzlich gebunden, Heinrich, Vater wie Tochter wissen nichts einzuwenden. Und nun will ich Dir Dein Zimmer zeigen, damit Du Deine Sachen unterbringst, dann setzen wir uns zu Tisch." Der Landrath ging voran, Hilde blieb zurück, daß Heinrich sich noch einmal nach ihr umwandte. Sie schritt gerade durch das Zimmer nach einer anderen Thür, er erhielt das volle Bild ihrer anmuthigen, schlanken Glieder im dunkelblauen, weißgepunkteten Sommerkleide, wie es Ines' Zofe nicht einmal angezogen hätte. Schlicht und züchtig fiel es um sie her, nahm der Gurt es über den Hüften zusammen, ließ es allein den edel getragenen Hals etwas frei. Sanft geneigt trug sie den feinen ernsten Kopf, der mit seinem knospenhast jungen Gesicht eine Studie für sich blieb. Bedeutend älter als Ines schien das Mädchen hier noch ganz und gar unberührt, auch nicht ein Hauch der rauhen Welt konnte dieser Ahnungslosigkeit bisher nahe getreten sein. So wollte auch er es nicht. Kein Blick sollte ihr den gewaltigen Eindruck verrathen, den ihre außergewöhnliche Art ihm machte. Der, dem sie einst gehören würde, durfte allein genießen, was in ihrer Seele lebte. In seinem Zimmer hielt er hastige Umschau. Dunkel polirte Möbel nur zum Gebrauch, dunkel bezogene Sophas, Decken wie Teppiche nur spärlich vertreten, aber solche Schlichtheit schien hier am rechten Ort. Tauchlitz holte seinen Gast zu Tisch ab. Diesmal grüßte Hilde ihn sicherer; jedenfalls fühlte sie sich als Hausfrau. Ihr Vater saß vor seinem Teller still und gelassen, wie vorhin im Arbeitszimmer, kaum hob er den Blick, obwohl er mäßig aß, ja, sicher nicht einmal wußte, was er eben genoß. Hilde indeß, von einnehmender Anmuth bei dieser materiellen Beschäftigung, besaß das Feingefühl der unbekümmerten Jugend für jeden Bissen und äußerte es in kurzen Bemerkungen. „Die Suppe hat Kraft, Papa, die solltest Du auseffen," oder „der Braten ist saftig, von reinstem Fleischgeschmack, probire doch — laß lieber die wässerigen Kirschen. Eine Kartoffel, ja? Sie haben einen guten Erdgeschmack." Umfangreicher als diese kleinen Anpreisungen war die Speisenfolge auch nicht, wie denn das Porzellan sammt den Bestecks eben gerade anständig und wohlgeformt anmutheten. Und dennoch besaß Alles einen Anstrich, eine Art, die Heinrich betroffen machte, so sehr berührte sie sein Innerstes. „Sie sind gewiß eine andere Mannigfaltigkeit gewöhnt," wandte Hilde sich an ihn, „ach, und da fällt mir ein, wenn die Tante aus Mecklenburg sich hier aufhielt, aß sie gern Emmenthaler und Pumpernickel zum Kaffee; Beides sollen Sie nicht entbehren." Sie eilte selbst, seine Annerkennung ließ sie erröthen. Nach Tisch zog Tauchlitz sich zurück, die beiden jungen Leute blieben allein. „Papa muß etwas ruhen. Er ist gar nicht kräftig, deshalb müssen wir für Einhaltung seiner Gewohnheiten sorgen. Wollen wir durch den Garten gehen?" Wie sie war, noch immer im punktirten Hauskleidchett, schritt sie neben ihm durch den erst zartgrün belaubten Garten, dessen Rasenplätze nur Rosenstämme trugen. Sie blühten noch nicht, der Flieder am Zaun hatte erst dicke Knospen angesetzt. Hier und da waren einzelne Zweigspitzen I sorgsam von weißem Mull umhüllt, Raupennester und Puppen 430 zu Mützen, deren Falter Papa für seine SamMungen abfange und in möglichst natürlicher Freiheit sich entwickeln lasse, erklärte Hilde. Heinrich bog eine solche Zweigspitze herunter und betrachtete sie voll Interesse,- doch sah er schneller nach Hilde, als sie wohl angenommen hatte, denn er begegnete einem dunkel forschenden Blick. Sie jedoch wandte den Kopf und sprach weiter wie bisher. „Unsere Sammlungen sind hübsch und reichhaltig, hätten Sie Interesse dafür? Ich sehe sie ganz gern, habe aber kein Geschick, sie anzulegen- hierbei'war meine ver- heirathete Schwester viel mehr Papas rechte Hand." „Sie sehen eigentlich nicht so ungeduldig aus," antwortete er. „Ungeduldig? Daran liegt es kaum. Nur die Laune, all dieses tobte Zeug aufzusparen geht mir ab, mich drängt, es eher, zu gestalten, neu zu schaffen." Sie setzte sich auf eine niedrige Bank, nahm ihr Kleid an sich und sah mit einem kindlich gütigen Lächeln einladend zu ihm auf. Es zog ihn neben sie. Mit ihrem Schirm malte sie gedankenverloren allerlei Figuren in den Kies, wischte sie mit der schmalen Fußspitze aus und kritzelte von Neuem, bis er fragte: „Was thun Sie da?" „Nichts," antwortete sie hastig und unterließ die Spielerei. Er aber fragte weiter: „Sie folgen diesem Triebe zu gestalten, neu zu schaffen?" „So schwach ist er nicht, daß er sich unterdrücken oder abweisen ließe, zumal wir einsam oder doch einfömig leben," lenkte sie schnell ab. „Aber Sie sind so lange Jahre am Ort, Sie müßten bekannt und umdrängt sein, Fräulein Hilde/, „Papas Ueberdruß an den Menschen rächt sich an uns noch." „Ihre Schulzeit spielte sich sogar hier ab, Damen^halten auch nach ihr zusammen." „Ach, meine Schulzeit! Zwei Mal gelang es mir, Freundschaft zu schließen — aber das kann Sie ja nur langweilen." Heinrich sah sie voll Interesse an. „Das glauben Sie selbst nicht! Zwei Mal also? Und beide Freundschaften endigten bereits?" „Ach," sagte sie und sah zur Seite, als erhoffe sie von außen her recht sehnsüchtig eine Störung. „Es ging mir ähnlich," fuhr er nun dringend fort, „und Sie scheinen mich ebenfalls meiden zu wollen." „Nein," rief sie auffahrend, „das thu' ich gewiß nicht. „Wenn Sie es denn hären wollen: Eine der thörichten Seelen, die sich mir einmal näherten, war die Tochter einer sehr reichen Gemüsehändlerin. Sie wollte ihrem einzigen Kinde zukommen lassen, was sie selbst entbehren mußte: Bildung. Ich habe das Mädchen niemals lachen sehen,- obwohl gut veranlagt, studirte sie förmlich, vergrub sich in ihre Bücher und litt Höllenqualen unter den Tactlosigkeiten ihrer rohen Familie." „Ich war die Einzige, zu der sie darüber sprach, und ich tröstete sie ganz nach der Schablone, daß es doch immer die Ihrigen seien, brave, rechtliche Menschen dazu, die äußerlichen Formalitäten seien wahrlich keine Thräne werth. Auf diese Rede hin verließ sie mich und nichts konnte sie bewegen, mir jemals wieder zu kommen. Sie starb in ihrem achtzehnten Jahre, ihre Mutter ließ ihr ein herrliches Denkmal, eine trauernde Jugend am Grabe errichten." „Und die zweite Freundin?" fragte er nachdenklich. „Meine zweite Freundin kam als Waise hierher. Ihre Eltern waren kurz hintereinander gestorben — ich glaube in drei Tagen. Verwandte theilten sich in die Aufnahme der drei Kinder. Die Aelteste kam zu einem Prediger, von dem aus sie sich der Krankenpflege zuwandte. Der Zweite, ein Sohn, bildete sich in Kiel zum Maschinenbaufach aus, und die Dritte, ein keckes Ding wie ich, lernbegierig und unW frieden mit unser weichlichen Weiblichkeit, gleich mir, hungerte sich hier bei einem Onkel durch. ,/Jch sehe sie noch vor mir. Einmal riß sie, wüthend über unser zimperliches Mädchendasein, ein altes Rappier von der Wand-Decoration ihres Onkels, fuchtelte damit umher, und schwur, sie würde als Junge sich eine Welt unterworfen haben. Ich sah sie dabei ebenso zustimmend an, denn mit vierzehn Jahren ist man noch gläubig und unzufrieden mit der stillen Mädchenhaftigkeit." „Unzufrieden mit Ihrer Weiblichkeit?" betonte Heinrich erstaunt. Scheu wich sie ihm aus und erzählte desto eifriger weiter: „Bald darauf wurde meine liebe wilde Hummel ebenfalls zu ihrem Onkel Prediger hin verlangt,- von da an änderten ihre Briefe sich zusehends. Eines Tages schrieb sie mir ausführlich über die Entdeckung ihrer theuren Pfleger kurz vor ihrer Einsegnung. Danach hatten ihre freisinnigen Eltern die Kinder nicht taufen lassen, deshalb seien sie, die Schwester von achtzehn, sie von fünfzehn Jahren, nun erst getauft worden; sie hätten einen sehr feierlichen Act gehabt, zu dem sie ihre schwarzen Einsegnungskleider, mit Schleifen geziert, getragen." „Ich antwortete entrüstet, ob sie während des feierlichen Actes einmal an ihre Heimgegangenen Eltern und deren Wünsche gedacht hätte." „Von einem unreifen Ding wie ich war, mochten solche Worte höchst vermessen klingen, aber ich konnte nun einmal nicht anders. Nie wieder erhielt ich eine Nachricht von ihr." „Seitdem hat es Keine mehr mit meiner Freundschaft versuchen wollen." „Sie vermißten das auch nicht?" „Oh doch. „Aber es giebt so viel Sehnsüchten im Leben, da behält man auch diese." Hildes Blick streifte ihn gedankenvoll. „Eigentümlich, daß ich Ihnen dies Alles erzähle. Wie sind wir da nur hinein gerathen?" „Das ist für mich ebenfalls wunderbar und weist entschieden auf einige Freundlichkeit, nein, sagen wir nur Freundschaft, hin. Oder könnte Sie irgend etwas davon zurückschrecken?" „Bewahre," sagte sie selbstvergessen. „Dann würden Sie mir auch von Ihrem Schaffen erzählen?" Erstaunt sah Hilde ihn an, ein Ausdruck erhellte ihre Züge, als lächele sie im Leben zum ersten Mal. „Das behielten Sie? Richtig, unser Gespräch ging davon aus. Immer von mir selbst erzählen? Nein, Sie müssen es errathen." „Abgemacht," erwiderte er nur und folgte ihr ins HauS, denn Papa werde ausgewacht sein, da müßten sie sich rüsten, Irmgard zu besuchen, sonst fühle sie sich wieder einmal vernachlässigt. Irmgard, richtig, das war die Aelteste. Sie mochte seit ungefähr neun Jahren verheirathet sein mit einem Philologen, er entsann sich, daß seine Mutter zur Hochzeit hierher reiste, indeß er in der Abiturientenprüfung steckte. //Ist sie glücklich verheirathet?" fragte er aus diesem Nachdenken heraus. „Selbst sehen," antwortete sie. Eben trat Tauchlitz in die Glasthür, die nach dem Garten hinein über einen kleinen Altan fortführte und durch die Hilde gleich darauf merklich erleichtert verschwand, während ihr Vater Heinrich auredete. „Nimmst Du den Garten auch nicht zu sehr unter Deine landwirthschaftliche Kritik, Heinrich? Ich bin kein strenger Erzieher- Natur hilf, ist mein erster Grundsatz bei den Bäumen wie bei den Menschen, ja, ich bin empört über jede Hand, die niederhält. Maß halten sollten unsere Gärtner wie unsere Erzieher mit ihren eigenen Absichten, dann brauchten sie nicht so viel zu klagen." 431 „Worüber, Snkel?" fragte Heinrich. „Ueber Euren stetigen landwirthschaftlichen Rückgang, der gar nicht vorhanden wäre, verlanget Ihr nicht Unvernünftiges von der immer mehr bedrängten Natur. Genau wie bei der Erziehung über das Schwinden aller Ideale gejammert wird. Wer läßt die heutige Jugend sich so weit durchringen, eigene Ideale zu erlangen? Kein gewissenhafter Erzieher und keine Erziehung. Die Leutchen sind von allem Aufgedrungenen so matt, daß sie ihre Studienzeit für den einzigen Aufschwung ihres Lebens betrachteten. Und die Mädchen, die Frauen? Ich empfinde Mitleid mit der Welt, Heinrich/' Der sah sinnend auf den grauhaarigen Mann, mit dem die Welt jedenfalls Mitleid haben würde. „Wurdest Du glücklich nach Deiner Auffassung, Onkel?" Dabei betraten sie das Eßzimmer wieder und setzten sich einander gegenüber. „Glücklich? Mit solchen Voraussetzungen habe ich abgeschlossen." „Zogen Deine Kinder Dich nicht von Deinem Unglück ab?" „Kinder! Die haben ihre eigene Art und wachsen in ihr eigenes Leben hinein. Allerdings vergaß ich unter ihrem zärtlichem Schmiegen für eine Stunde mitunter den Schmerz." „Wir gehen nachher zu Irmgard, Du wirst sie begrüßen wollen, nicht wahr? Mache Dich auf einen neuen Eindruck gefaßt,- in nichts gleicht sie der verschlossenen Hilde, und ich bin stolz auf diese Verschiedenheit, die mir eine von mir unbeeinflußte Entwickelung angekündigt." „Den Töchtern mag Deine Ansicht segensreich gewesen sein," erwog Heinrich, „denn von außen her ist das Weib freier, als wir, weder die Schablone unserer Schulen noch Beruf oder Kameradschaft zwängen ihre Persönlichkeit ein." (Fortsetzung folgt.) Was ist Gehirn- und Herzschlag? Von Dr. Robert Schultze. ------- (Nachdruck verboten.) Eine der häufigsten Ursachen des unerwarteten Todes ist der sogenannte blutige Hirnschlagfluß oder die Apoplexie. Man versteht darunter den Tod, welcher durch Blutaustritt in die Schädelhöhle in Folge von Berstung eines Blutgefäßes bewirkt wird. Es ist dies eine Todesart, die vorzugsweise im vorgerückteren Alter vorkommt und mit den Jahren an Häufigkeit zunimmt. Man unterscheidet zwei Formen des blutigen Hirnschlagflusses, je nachdem die Berstung des betreffenden Blutgefäßes außerhalb des Gehirns, nämlich in den Hirnhäuten, oder im Gehirne selbst erfolgt. Im ersteren Falle ergießt sich das austretende Blut zwischen die das Gehirn einhüllenden Hirnhäute. Dadurch wird dieses von der Oberfläche aus zusammengepreßt, und es werden bei seiner Weichheit und zarten Struetur seine Functionen natürlich um so rascher beeinträchtigt und schließlich aufgehoben, je größer das Gesäß war, aus welchem sich das Blut entleerte. Auch der Umstand ist von wesentlichem Einfluß, ob eine Vene oder eine Arterie geborsten war, da im letzten Falle das Blut unter einem viel größeren Drucke ausströmt und mit jedem Herzschlage sich stoßweise entleert. Die Ursache der Berstung liegt in einzelnen Fällen in einer Geburt aus bestehenben abnormen Zartheit und Dünn- wandigkeit der betreffenden Blutgefäße,- dann kann der Tod schon in jungen Jahren erfolgen, indem ein solches Gefäß dem z. B. während eines Hustenanfalles oder während einer Körperanstrengung vermehrten Blutdrucke nicht mehr zu widerstehen vermag und einreißt. In der Regel liegt aber der Berstung eine erworbene Erkrankung der Gefäße zu Grunde, wodurch eine abnorme Brüchigkeit ihrer Wände bedingt wird. Bei dieser Art des Gehirnschlagflusscs tritt der Tod meist in wenigen Augenblicken ein, selten erst nach längerer Zeit. Letztere Fälle sind es dann, die mitunter für Vergiftungen, besonders mit narkotischen Stoffen, z. B. Opium oder Morphium, gehalten werden, weil keine einseitigen Lähmungserscheinungen vorhanden sind, wie dieses beim gewöhnlichen Schlagfluß fast immer der Fall ist, und weil dabei Erscheinungen eintreten, die jener Betäubung sehr ähnlich sind, welche die Vergiftung mit narkotischen Stoffen characterisirt. Bet der zweiten, ungleich häufigeren Form des blutigen Hirnschlagflusses, erfolgt die Berstung eines Blutgefäßes im Gehirne selbst. In der Regel liegt dieselbe Erkrankung der Gefäßwände zu Grunde wie bei der anderen Art, insbesondere tritt sehr häufig eine Bildung winziger Ausweitungen an den die Hirnsubstanz ernährenden Arterienästchen ein. Das Blut dringt aus dem geborstenen Gefäßrohr mit der Kraft des vollen Blutdruckes stoßweise hervor, zertrümmert ausgedehnte Gebiete der Hirnsubstanz, wodurch eine mitunter faustgroße Höhle in letzterer sich bildet, die mit ausgetretenem, rasch gerinnendem Blute gefüllt ist und deren Wandungen aus zerwühltem Hirngewebe bestehen. Der häufigste Sitz des Blutergusses ist die eine oder andere Großhirnhälfte, aus welcher die wichtigsten, unsere Muskelbewegung vermittelnden Nervenzüge entspringen. Daher ist Lähmung eine der ersten Erscheinungen bei diesem gewöhnlichen Hirnschlagfluß, und zwar betrifft sie stets die der blutenden Gehirnhälfte entgegengesetzte Körperseite, weil die genannten Nervenzüge, bevor sie ins Rückenmark und von dort zu den Gliedmaßen übergehen, im sogenannten Hirnknoten eine Kreuzung erfahren. Da nun durch die Masse des ausgetretenen Blutes gleichzeitig auch die unverletzt gebliebenen Partien des Gehirns zusammengepreßt werden und dadurch in demselben eine plötzliche Kreislaufsstörung bedingt wird, so pflegen noch viele andere, den „Schlaganfall" zusammensetzenden Erscheinungen, insbesondere Bewußtlosigkeit, einzutreten. Ganz besonders schnell erfolgt der Tod, wenn der vorhin erwähnte fHirnknoten Sitz des Blutergusses bildet, weil in die'em Gebilde die Centren der lebenswichtigsten Nervenapparate, nämlich für die Athembewegungen und den Blutkreislauf enthalten sind, weshalb dasselbe von FlourenS sehr bezeichnend Noeud vital oder „Lebensknoten" genannt worden ist. Eine dritte Form des Hirnschlagfluffes ist folgende: Bei Entzündungen der Herzklappen wird bisweilen daselbst ein Gerinnsel oder Gewebsstückchen abgelöst, vom Blutstrome mit fortgerissen, und setzt sich dann in einer Hirnarterie fest, wodurch diese plötzlich verstopft wird. Geschieht dies in demjenigen Hirntheile, von welchem die Bewegungsnerven der entgegengesetzten Körperhälfte ausgehen, so werden die gleichen Lähmungserscheinungen eiNtreten wie im vorigen Falle, dagegen jene Erscheinungen, welche von der Zusammenpressung des Gehirns herrühren, werden nicht entwickelt sein. Deshalb gehen solche Schlaganfälle verhältnißmäßig bester vorüber als die gewöhnlichen, so daß manche Personen innerhalb weniger Jahre wiederholt „vom Schlage getroffen werden" und sich doch immer wieder erholen. Die bei Weitem häufigste Ursache des plötzlichen TodeS ist die Herzlähmung, b. h. der mehr oder weniger plötzliche Stillstand des Herzens. Diese wird meist herbeigeführt durch krankhafte Veränderungen der Herzwände und durch Klappenfehler. Aber auch abnorme Fettbildung am Herzen behindert theils mechanisch die Herzbewegung, theils führt dieselbe, da das Fett auch zwischen den Muskelfasern sich entwickelt, zu einer Compression und zu allmählichem Schwunde derselben, wodurch dann Unregelmäßigkeit der Herzbewegung, Herzklopfen, Kurzathmigkeit u. s. w. zu Stande kommen und schließlich auch plötzlicher Herzstillstand herbeigeführt werden kann. Bei sehr vielen Erwachsenen bildet sich dadurch ein „Herzfehler" aus, daß die Arterien, welche das Herzfleisch mit Blut der- 482 sorgen, erkranken. Namentlich sind es Gewebswucherungen, welche sowohl den inneren Hohlraum gewaltig verengern, als auch einen Zerfall der Gefäßwände bewirken. Hieran schließt sich dann noch eine Verkalkung der Arterien. Somit wird die Ernährung des Herzfleisches immer mehr beeinträchtigt, und die davon Betroffenen fangen dann an, über den „kurzen Athem", nach Herzklopfen und körperlichen Anstrengungen, über leichte Ermüdung und Neigung zu sogenannten Congestionen zu klagen. Tritt nun irgend eine Gelegenheits- Ursache ein, so stellt das Herz Plötzlich und unerwartet seine Thäügkeit ein. Daher stürzen viele solcher Leute während einer anstrengenden Arbeit, beim Heben schwerer Lasten, beim Treppensteigen u. s. w. zusammen. Auch der Tod während gewisser natürlicher Verrichtungen ist nicht selten. Auffallend häufig tritt der Herzschlag während der Verdauung ein, d. h. kurz nach einer besonders reichlichen Mahlzeit, so daß es keinem Zweifel unterliegt, daß auch in den größeren Ansprüchen, welche durch die Verdauung an die Herzthätigkeit gestellt werden, ein Moment erblickt werden muß, welches die Lähmung eines kranken Herzens herbeizuführen vermag. Auch heftige Gemüthsaffecte können ein Gleiches bewirken, denn bei ihnen wird das Gefäßsystem und das Herz in sehr lebhafter Weise in Mitleidenschaft gezogen, wie das hinreichend zu erkennen ist an dem Blaßwerden des Gesichtes bei Schreck, der Röthung bei Freude, sowie an den Veränderungen des Tempos des Herz'chlages. Es ist also der plötzliche Tod aus Freude, Schreck oder schwerem Leid keine bloße Erfindung der Dichter, sondern eine Thatsache. Kommen solche Fälle zur Obduction, so findet sich fast stets ein in der erwähnten Weise degenerirtes Herz, und es ist zweifellos, daß die betreffenden heftigen Gemüthsaffecte auf den Stillstand desselben von wesentlichem Einfluß gewesen sind. Daher ist eine gewisse Vorsicht bei Mittheilung erschütternder Ereignisse, insbesondere an Kranke, entschieden angezeigt. Aus der Volkslitteratur der Eingeborenen in den deutschen Colonien. Die nachfolgenden Sprichwörter der Ewhe-Neger in Togo sind von Herrn R. Prietze ausgezeichnet und im Original und mit Jnterlinear-Uebersetzung in meiner Zeitschrift für afrikanische Sprachen veröffentlicht: 1. Eine Hand knickt keine Laus (Einigkeit macht stark). 2. Die Fliege frißt des Hundes Ohr nach und nach auf (Petit ä petit l’oiseau fait son nid). 3. Niemand nimmt das Dach seines Hauses, um eine fremde Hütte zu decken (Jeder ist sich selbst der Nächste). 4. Die Ameise sprach: Wenn wir zusammen sind, können wir dem Grashüpfer das Bein ausheben (Einigkeit macht stark). 5. Ein müßiger Mund spricht von den Angelegenheiten ünderer Leute. 6. Ein Friedensstifter muß ruhig bleiben, sonst macht er den Streit noch schlimmer. 7. Eine Mutter wird nicht (dauernd) böse,' hat sie eben mit der einen Hand ihr Kind ge chlagen, gleich liebkost sie es mit der andern. 8. Auch mit zehn Bund Brennholz kann man einen Stein weder kochen noch in Brand setzen (d. h. ein tüchtiger Mann fügt sich keiner Ueberzahl. 9. Eine kleine Katze fängt kleine Mäuse (d. h. Jeder nach seinen Kräften). 10. Krummes Holz hinterläßt krumme Asche (der Apfel fällt nicht weit vom Stamme). 11. Eine (schlechte) Palmnuß verdirbt alle Palmnüsse (ein räudiges Schaf u. s. w.). 12. Ein Auge kann nicht zugleich in zwei Flaschen sehen (in China sagt man ähnlich: Ein Mann kann nicht auf zwei Schiffen stehen). 13. Ein alter Leopard ändert seine Streifen (auf dem Felle) nicht. 14. Manchen Strom habe ich durchquert, und keiner riß mich fort; da faßte mich eine Feldquelle nahe der Heimath (d. h. man entgeht manchmal den großen Gefahren und erliegt den kleinen). 15. Viel Fleisch verdirbt die Suppe nicht. 16. Die Lüge tödtet den Menschen. 17. Besser eine Schlumpe nehmen als unverheirathet bleiben. 18. Auf beiden Füßen kann man nicht hinken. 19. Die Zunge zerbricht Häuser. 20. Ein alter Papagei lernt nicht mehr sprechen. (Was Hänschen nicht lernt u. s. w.). 21. Ein Kind, das nie andere Länder gesehen hat, spricht: Nur meine Mutter versteht gut zu kochen. 22. Täglich eine Mauskeule ist besser als auf einmal eine Rindskeule (und dann weiter nichts). 53. Kauris (d. h. Geld) machen den Mann. 24. Weißt du dem Buckligen zu schmeicheln, kannst du ihm den Buckel streicheln. 25. Eine Ziege mit abgeschnittenem Ohr kann ihr Kind nicht lehren (d. h. wer es selber an sich fehlen läßt, kann andern keine moralischen Vorschriften machen). (Deutsche Colonialztg.) GEsinnütziges. Eine für Rosensreunde sehr interessante Preisaufgabe veröffentlicht der „practische Rathgeber im Obst- und Garten« bau": einen alle drei Jahre wiederkehrenden Preis von 1000 Mark für die beste deutsche Rosenneuzüchtung, die noch nicht in den Handel gebracht ist. Zunächst soll der Preis im Jahre 1900 verliehen werden. Findet sich kein geeigneter Bewerber, erhöht sich der Preis für das nächste Mal auf 2000 Mark. Die Neuzüchtung bleibt volles Eigen- thum des Züchters und wird farbig im „practischen Rath- geber" abgebildet. Wer sich für die näheren Bedingungen interessirt, lasse sich die neueste Nummer des „practischen Rathgebers im Obst- und Gartenbau" kommen, sie wird auf Wunsch umsonst zugeschickt von dem Geschäftsamt in Frankfurt a. Oder. * » * Das Häufeln der Kartoffel muß sorgfältig aus- geführt werden. Geschieht es nachlässig, so daß in der Mitte eine tiefe Rille verbleibt, der Kartoffelbusch innerhalb der Triebe eine Mulde aufweist, so könnte es allerdings unterlassen werden, weil dann diese schwachen, stark durchlüfteten Kämmchen derartig austrocknen, daß eine verstärkte Stolonen- btldung nicht stattfindet. Der Häufelpflug hat regelrecht geschlossene Kämme zu formen. Manche Landwirthe fürchten dabei das Bedecken der Pflänzchen mit Erde. Wenn dasselbe im Großen und Ganzen vermieden werden soll, fo schadet dasselbe doch nie in dem Maße, wie das angeführte Behäufeln. Der Tairsendftttz kann, wo er in Massen auftritt, ähnlich den Schnecken großen Schaden anrichten, weil er sich hauptsächlich an den keimenden Samen und zarten Sämlingspflanzen, an weichschaligen Melonen und Gurken, dann auch an Aprikosen, Erdbeeren und anderen Früchten vergreift, diese anfrißt und dadurch verdirbt. Das Wegfangen ist ziemlich schwierig. Durch Auslegen ziemlich frisch ausgehöhlter Möhren, Kohlrabi, Gurken und Kürbisse ist es theil- wcise möglich. Doch müssen die Fangstücke frisch sein und Morgens und Abends nachgesehen werden. Wer Kröten im Garten hält, hat die besten Fänger für dieses Ungeziefer. W*act(on: 8. Burkhardt. — Druck und B-rlag der Brühl'schen UnürerfitStt-Buch- und Gtemdruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.