t Muttersohn. Roman von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) Nun war ein so stattlicher, tüchtiger Mann aus dem einst so zarten, schwächlichen Kinde geworden. Möchte doch auch der kleine Eberhard es seinem Vater dereinst gleichthun! Mit Carl und seiner Frau unterhielten die alten Kösters ebenfalls keinen regen Verkehr. Die Spannung zwischen Carl und seinem Vater war immer noch nicht behoben. Der Verdacht, der sich dem alten Köster nach seiner einstigen stürmischen Unterredung mit Carl in die Seele gesenkt, trieb weitere Wurzeln in ihm. Und wenn er auch nicht offen davon sprach, das in ihm entfachte Mißtrauen bewirkte doch, daß er dem Sohn nicht mehr mit der Herzlichkeit gegenübertreten konnte wie ehemals. Materiell ging es Carl gerade nicht schlecht. Sein Fleiß und seine Geschicklichkeit errangen auch in der neuen Branche Erfolg. Zudem verursachte der kleine Haushalt nur geringe Ausgaben. Helene und er hatten fast gar keinen Verkehr und lebten bescheiden für sich und ihren Knaben. Wenn auch in dem Stadttheil, in dem er nun seit Jahren wohnte, Niemand von seinem Unglück zu wissen, wenn auch über die unglückselige Geschichte längst Gras gewachsen schien, so war doch eine unüberwindliche Scheu und Befangenheit in ihm zurückgeblieben, die ihm den gemüth- lichen Verkehr mit seinen Bekannten von früher und die Anknüpfung neuer Beziehungen erschwerten und fast unmöglich machten. Dennoch regte sich in neuerer Zeit immer lebhafter der Wunsch in ihm, an die Vergangenheit vor jenen traurigen Tagen, die sein Leben aus dem Gleichgewicht gebracht hatten, wieder anzuknüpfen, sein Patent zu ver- werthen und den Meteor-Brenner von seinem verbor genen Dasein auf dem Zeichenpapier zu erlösen. Auch sein Bater- as ist das alte Lied und Leid, Daß Dir Erkenntniß erst gedeiht, Wenn Muth und Kraft verrauchen. Die Jugend kann, das Alter weiß; Du kaufst nur um des Lebens Preis Die Kunst, das Leben recht zu brauchen. Geibel. gefühl und eine gewisse Eifersucht auf Ottos Erfolge waren starke Antriebe, die seine Thatkraft und Unternehmungslust anspornten. Sollte er sich von seinem jüngeren Bruder überflügeln lassen? Es verlangte ihn, zu zeigen, daß man auch, ohne studirt zu haben, zu Wohlhabenheit und Ansehen gelangen konnte. Die Frage war nur, wie er sich das nöthige Capital beschaffen sollte, um die Fabrikation des Meteor-Brenners in Erfolg versprechender Weise beginnen zu können. Sich das Geld auf private Weise von Verwandten oder Bekannten zu leihen, war in seiner Lage von vornherein ausgeschlossen. Ebensowenig konnte er sich mit dem Gedanken befreunden, nach seiner früheren Erfahrung, einen Geschäftstheilhaber zu suchen. Der bloße Gedanke, daß es dabei nicht ohne nähere Erkundigungen bezüglich seiner geschäftlichen und privaten Verhältnisse und seiner Vergangenheit abgehen würde, bereitete ihm ein peinliches Frösteln. Zudem würde er, wie sich sein Wesen und sein Character im Laufe der letzten Jahre gestaltet hatte, mit einem Fremde als Com- pagnon kaum mehr auskommen können. So viel er auch über diesen Punkt nachdachte, ihm blieb nur eins: sich an einen gewerbsmäßigen Geldverleiher zu wenden und ohne sich in seiner freien Verfügung irgendwie beschränken zu lassen, gegen Zinsen und vielleicht einen Antheil am Gewinn ein Capital aufzunehmen. Das war freilich leichter gedacht als gethan. Wohl enthielten die Jnseratentheile der Berliner Blätter eine ganze Anzahl von Adressen solcher Geldleute, aber die Ansprüche derselben waren in der Regel so unverschämt hoch, daß die Unterhandlungen sich immer sehr bald zerschlugen. Eines Tages machte Carl noch einen weiteren Versuch bei einem Geldmann in der Taubenstraße. Dec Mann, Namens Holzapfel, zeigte sich entgegenkommender als die früheren von Carl besuchten Capitalisten; er erklärte sich im Princip bereit, ein Capital von sechstausend Mark vorzuschießen gegen sechs Procent jährlicher Zinsen und einen Gewinnantheil von zehn Procent, falls sich die betreffenden Verhältnisse, deren Prüfung sich der Geldverleiher vorbehielt, als solid und aussichtsvoll Herausstellen würden. Als nun aber im weiteren Verlaufe der Verhandlungen Carl Papiere vorlegte, aus denen der Geldmann den genauen Namen seines Besuchers ersah, nahm das Gespräch plötzlich eine überraschende Wendung. „Köster? Köster?" sagte er und nahm eine nachdenkliche Miene an. „Wenn ich nicht irre, habe ich schon einmal mit einem Herrn gleichen Namens Geschäfte gemacht." 98 „Möglich," entgegnete Carl gleichgiltig, „es mögen außer unserer Familie noch mehr Köster in Berlin wohnen." „Ganz recht," fiel jetzt Herr Holzapfel ein mit der freudigen Gegnugthuung eines Menschen, der endlich gefunden hat, wonach er suchte, „ganz recht! Jetzt erinnere ich mich: er war ein junger Mann, der seinen Familiennamen genau so schrieb wie Sie den Ihren,- ein junger Jurist, ein Referendar, der am Kammergericht arbeitete." Carl blickte unangenehm überrascht auf. Das konnte nur Otto gewesen sein. Na ja, der machte ja damals allenthalben Schulden. Er war noch mit sich im Unklaren, ob er sich als Bruder des leichtsinnigen Schuldenmachers bekennen sollte oder nicht, als der Geldmann schon wieder das Wort nahm. Mit dem eitlen Vergnügen eines Schwätzers, der sich etwas auf sein gutes Gedächtniß einbildet, fuhr er fort: „Ja, ja, ich erinnere mich genau, obgleich es mindestens drei Jahre her sind. Es war ein schmächtiger, junger Mann, einen halben Kopf größer als Sie. Ein leichtsinniges Tuch und ein schlechter Zahler. Dreimal habe ich prolongiren müssen. Ich gab wahrhaftig das Geld schon verloren. Da ... am letzten . . . kurz vor seinem Assessorexamen, kommt der Mensch auf mein Bureau gestürzt und zählte mir — Sie können sich meine Freude denken . . . vier . . . oder es waren es drei . . . nein, es waren doch viertausend Mark, baar auf den Tisch." „Viertausend Mark?" wiederholt Carl mechanisch und sicht den Geldmann aus weitgeöffneten Augen an. Der Mann, der den starren, großen Blick seines Besuchers für einen Ausdruck des Zweifels hält, entgegnet mit heftiger Bestimmtheit: „Viertausend Mark! Wenn ich Ihnen sage .... ich kann mich doch auf mein Gedächtniß verlassen. Sie glauben mir nicht? Ich werd's Ihnen schwarz auf weiß beweisen." Der Mann wendet sich zu seinem Schreibtisch und zieht ein Schubfach heraus, aus oem er ein großes Geschäftsbuch hervorlangt. Carl folgt allen seinen Bewegungen mit Blicken, die ein starkes Interesse widerspiegeln. In seinem Hirn überstürzen sich die Gedanken. Sollte es wirklich Otto gewesen sein! Viertausend Mark! Wie hatte er die bezahlen können? Oder handelte es sich um jene dreitausend Mark Wechselschulden, von denen der Vater die Hälfte bezahlt hat, während die andere Hälfte von Herrn von Markwald, Ottos Freund, beigesteuert worden ist? Er nimmt den Geldmann fest in's Auge und strengt sein Gedächtniß an. Auf den Namen des Wucherers, der damals im elterlichen Hause erschien, kann er sich freilich nicht mehr besinnen, doch soviel er sich zu erinnern vermag, hat der Mann da vor ihm nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem Geldverleiher von damals. Herr Holzapfel läßt einen freudigen Ausruf hören, dem die Wort folgen: //Ich sagt' es Ihnen ja: viertausend Mark. Otto Köster, Kammergerichtsreferendar, Hollmannstraße 21, zahlte mir am vierten April achtzehnhundert . . ." Eine heftige Bewegung seines Besuchers veranlaßt Herrn Holzapfel, sich zu unterbrechen. Carl ist auf seine Füße gesprungen,- in der vorübergebeugten Haltung seines Oberkörpers, in der alle Muskeln gespannt sind, in dem Funkeln seiner Augen und in dem Vibriren seiner Mienen malt sich die tiefste innere !Be- wegung. „Am vierten April!" Das Datum hat sich fest in sein Gedächtniß gegraben. Wie oft ist nicht von diesem Tage die Rede gewesen während jenes Prozesses, den er als Angeklagter-über sich hat ergehen lassen müssen. „Wie sagen Sie," stößt er mit einer eigenthümlichen, heiseren, fast versagenden Stimme heraus, „am vierten April achtzehnhundertneunzig hat Ihnen mein Bruder viertausend Mark gezahlt?" Der Gefragte sieht mit einem kurzen Seitenblick von dem Blatte auf, auf dem sein Finger noch immer die in Rede stehende Stelle festhält. „Also doch Ihr Bruder," sagt er freundlich lächelnd, „nein, sehen Sie mal an! Uebrigens Ihr Vater muß ein famoser alter Herr gewesen sein, daß er Ihrem Bruder damals die viertausend Mark so auf einen Ruck gegeben hat. Warum wenden Sie sich denn nicht an Ihren Herrn Vater?" Carl lehnt sich weit über den Zahltisch herüber, seine glühenden Augen heften sich fest auf das Buch vor dem Geldverleiher, können jedoch bestimmte Zahlen nicht unterscheiden. Seine Brust athmet hörbar, seine Finger zucken, in seinem ganzen Wesen prägt sich eine ungestüme Erregung aus. Am 4. April 1890. Das war der Tag des Diebstahls, der ihm ... zur Last gelegt worden. Und an diesem Tage zahlte Otto viertausend Mark! Wo hatte Otto das Geld her, wo? Ein Gedanke durchblitzt den wie im Fieberdelirium Zusammenschauernden, ein Gedanke, bet dem ihm fast der Herzschlag stockt. Viertausend Mark fehlten aus Vaters Geldtasche! Viertausend Mark betrug Ottos Schuld, die an demselben vierten April bezahlt worden ist. Die Gedanken und Vorstellungen durchkreuzen sich in tollem Durcheinander in seinem Hirn. Ist er denn wahnsinnig geworden? Er greift sich mit den beiden Händen an die Stirn, als möchte er seine Gedanken zusammenhalten. Herr Holzapfel, den das lange Stillschweigen seines Besuchers befremdet, erhebt forschend sein Gesicht. „Aber was haben Sie denn?" ruft er erstaunt. „Sie sind ja leichenblaß! Sie zittern ja am ganzen Körper! Ist Ihnen denn nicht wohl?" Carl macht nur eine abwehrende Bewegung mit der Hand.? „Sind Sie ganz sicher," stößt er hervor, „daß mein Bruder Ihnen am vierten April viertausend Mark bezahlt hat?" „Aber natürlich," antwortet der 'Geldverleiher beleidigt und pocht mit der Hand auf das vor ihm liegende Buch, „denken Sie denn, man führt seine Geschäftsbücher zum Spaß?" Carl greift nach seinem Hut. Der Boden brennt ihm unter den Füßen. Er will volle Gewißheit haben. Herrn Holzapfels Erstaunen wächst. „Ja, wo wollen Sie denn nun hin?" sagt er. „Was haben Sie denn? Wie steht es denn mit unserem Geschäft?" Carl sieht den Geldmann betroffen, verständnißlos an. Den Grund seines Hierseins scheint er total vergessen zu haben. Was will der Mann von ihm? Ja so! Er erinnert sich. „Ich komme wieder," giebt er hastig, gurgelnden Tones zurück. Damit stürmt er in unaufhaltsamer Eile davon. (Fortsetzung folgt.) Die Mitgift. Novelette von Michel Triveley. ——- (Nachdruck verboten.) Jacques Morel, der sich mit allem ihm innewohnenden Muthe gewappnet hatte, klingelte an der Thür des Vater Rigal. Der alte Herr öffnete selbst. Sobald er Jacques bemerkt, ließ er eine Art Knurren vernehmen, seine Augenbrauen zogen sich zusammen, und sein kleines Auge schleuderte einen Zornesblick. „Wie! Du bists schon wieder?" „Aber . . . Herr Rigal ..." „Ich glaube Dir doch bereits gesagt zu haben, daß ich Dich nicht mehr empfangen will . . . Doch da Du nun einmal hier bist, so komm nur herein. 99 Die Thür öffnete sich gerade soweit, daß Jacques eintreten konnte- als er sich im Speisesaal befand, setzte Herr Rigal sich und forderte den Besucher auf, dasselbe zu thun. „Na! sprich!" begann der alte Herr. „Aber ich sage Dir im Voraus: mein Entschluß hat sich seit neulich nicht geändert, wenn Du Dir die fünfzigtausend Francs nicht verschafft hast, die ich verlange . . ." „Aber Sie wissen doch, Herr Rigal, daß das bei dreißigtaulend Francs, die ich in meiner Stellung monatlich verdiene, nicht möglich ist . . „In diesem Fall, mein Freund . . ." Rigal erhob sich bereits, um Jacques zu verabschieden - doch dieser blieb trotzdem sitzen und sagte in bittendem Tone: „Haben Sie wenigstens die Güte mich anzuhören ... Wenn Sie wüßten, Herr Rigal, wie unglücklich ich bin! Der Alte unterbrach ihn: „Geschwätz! Du liebst meine Tochter, sagst Du . . . Das st Dein Recht . . . Sie liebt Dich auch, sagt sie . . . Sie daran zu hindern, habe ich nicht mehr die Macht . . . Doch in Eure Heirath willigen, das ist etwas anderes . . . Das wäre wahrhaftig sehr bequem, wenn man keinen Pfennig besitzt, die Tochter eines braven Mannes zu heirathen, der sich dreißig Jahre lang gequält hat, um sich etwas zurückzulegen! ... Ich gebe Emma fünfzigtausend Francs Mitgift, bringe Du dieselbe Summe mit in die Ehe, und alles ist erledigt ... im anderen Falle . . ." „Aber, Herr Rigal . . ." „Es giebt kein „Aber . . ." Die Mitgabe der beiden Gatten soll im Contract gleich sein . . . So, ich habe gesyrochen, und wenn Du mir jetzt das Vergnügen machen willst . . ." Jacques mußte sich als besiegt erklären. Bevor er sich entfernte, konnte er doch nicht umhin, einen letzten Blick auf dieses Zimmer zu werfen, das er nicht mehr betreten zu dürfen glaubte. Wie viel glückliche Stunden hatte er darin verlebt! Schon in seiner Kindheit hatte er hier als Flurnachbar mit Emma gespielt. Daun waren die kleinen Kameraden große Freunde geworden- ein zartes Gefühl hatte sich in ihr Herz eingeschlichen . . . endlich hatten sie sich verstanden und sich eines Abends, als sie einen Augenblick allein waren, ihre gegenseitige Liebe erklärt. Allerdings hatten sie die Schwierigkeiten vorausgesehen, die sich ihrer Liebe entgegenstellen würde. Sie kannten recht wohl die Ansichten des Alten und seine unerbittliche Härte in Geldangelegenheiten- aber sie hatten gehofft, seinen Widerstand schließlich besiegen zu können. „Nun mein Freund, wenn Du so gut sein willst" sagte Rigal noch einmal . . . „Ich gehe, Herr Rigal, ich gehe, versetzte Jacques, gleichsam wie aus einem Traume auffahrend, wandte sich aber irrthümlich dem Comptoir des Alten zu. „Na, wo willst Du denn hin? Hier gehts doch nicht hinaus?" „Ach, Pardon!" „Na, geh' nur, das macht nichts, Du kommst hier auch hinaus!" Und Rigal fügte, ein höhnisches Lachen ausstoßend, hinzu: „Das ist der Weg für die Kunden, die ich hinaus- begleite." <^> Das Zimmer, das Jacques jetzt durchschritt, war mit einem Schreibtisch, über dem sich Cartons mit Scripturen befanden, einem Geldschrank und einigen Stühlen ausgestattet. Als der junge Mann den Geldschrank beim Vorübergehen unwillkürlich mit den Blicken streifte, bemerkte der Alte kichernd: „Siehst Du, so was mußt Du Dir anschaffen, aber mit guten Werthpapieren ausgefüllt!" Dann schloß er die Thür hinter dem armen Jacques, stopfte sich seine Pfeife und blies, vergnügt vor sich hinschmunzelnd, große Rauchwolken in die Luft. * * * * Es war Jacques nicht gelungen, Emma einmal wiederzusehen. Tagtäglich wanderte er an dem Hause auf und ab, indem er auf eine zufällige Begegnung mit dem jungen Mädchen hoffte, doch vergebens. Schließlich suchte er seinen Freund Jean Bernau auf und bat ihn um Rath, was er thun sollte. „Ach sieh da! welcher Zufall führt Dich denn her? fragte Bernau, als er Jacques erblickte . . . tritt nur näher! Du triffst es gerade gut! Wir sind eben mit einigen Kameraden dabei, den Tisch klopfen zu lassen." „Aber . . ." „Komm nur! komm!" Jacques trat in ein fast ganz dunkles Zimmer, in dem ein halbes Dutzend junger Leute auf das Erscheinen des Geistes zu warten schien. „Du beschäftigst Dich also ernsthaft mit diesen Dingen? fragte Jacques seinen Freund. „Allerdings . . . Sehr ernsthaft ... Du weißt, ich glaube an diese Wissenschaft . . ." „Nun ich will Dich bei Deinen Experimenten nicht stören ... Ich werde wiederkommen, denn ich habe mit Dir zu sprechen . . ." „Das thut nichts . . . Sage, was Du wünschest, die Herren werden die Sitzung ohne mich fortsetzen . . ." Bernau führte seinen Freund in ein anderes Zimmer, um ungestört mit ihm reden zu können. „Nun! was soll ich thun?" fragte ihn Jacques, nachdem er ihm seinen Liebesroman eingehend erzählt hatte. „Dir die fünfzigtausend Francs verschaffen, die Dir fehlen?" „Wenn Du mir weiter nichts zu sagen hast ... Da war cs wahrhaftig nicht der Mühe werth, Dir erst etwas zu erzählen? . . . Und für den Augenblick handelt es sich für mich nicht einmal darum, Emma zu heirathen, sondern von ihr Nachricht zu erhalten ... Ist sie überhaupt noch in Paris? hat ihr Vater sie nicht, um jede Annäherung zwischen uns zu verhindern, zu irgend einer Verwandten in die Provinz geschickt?" „Nun, ich verspreche Dir, ich werde das Alles erfahren ... ich werde mein Möglichstes thun . . . und einen Schlachtplan entwerfen. Fasse Dich inzwischen in Geduld. Sobald ich Dir etwas Interessantes mitzutheilen habe, werde ich Dich benachrichtigen . . ." „Und wie gedenkst Du zu Werke zu gehen!" „Bernau nahm die Miene eines Jnspirirten an, deutete mit dem Finger nach dem Zimmer, in dem die spiritistischen Experimente abgehrlten wurden, und sagte: „Ich werde den Geist befragen!" „Wenn Du Dich über mich lustig machen willst . . „Ich mich über Dich lustig machen! . . . Nun Du sollst sehen!" * * * Zwei Monate waren seit jenem Tage vergangen, und Jacques hatte nichts weiter von seinem Freunde gehört. Vergeblich hatte er oftmals an dessen Thür geklopft. Der Portier wiederholte ihm stets dasselbe: „Herr Bernau ist nicht zu Hause!" Er hatte ihm auch wenigstens zehnmal geschrieben, und zwar dringendere Briefe, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten. „Ich kann mir schon denken, wie es steht", dachte der arme Kerl, „meine Sache langweilte ihn, und er hat mich aufgegeben . . . Das ist der Lohn für die Freundschaft, die ich für ihn hegte ... Ich hätte mir das Nöthigste abgedarbt, um ihm zu helfen! . . . Auch von der Freundschaft habe ich nicht mehr zu erwarten, als von der Liebe! Nun kehrte sich sein Groll gegen Emma, denn auch über sie hatte er sich zu beklagen. So überwacht sie auch war, konnte sie nicht wenigstens die Zeit finden, ihm einmal zu schreiben? Mußte er Angesichts dieses andauernden - 100 - Druck mld Berlag der Br LH lachen UuiversttätS-Buch- und Stemdruckerci (Pietsch & Scheyda) in ließen. Ntdactianr T. Scheyda. — «schweigens nicht anneymen, daß das Herz des jungen Mädchens sich von ihm gewendet hatte! Vielleicht hatte sogar ein glücklicherer und vermögenderer Nebenbuhler seine Stelle etn0t