gfcffiß «SS TCTbTO iw selbst in Eurer leben wir ja kühl ließ, ent- Heinrich lachte durch die zusammengebissenen Zähne, reckte den Kopf und sah aus unruhigen Augen den Bruder bezeichnend an: „Quälen, ja! Aber deshalb tausche ich doch nicht mit Str!" Franz lachte, daß das Sopha knackte. ,-Jn Deinen Studienjahren warst Du anders, Heine. Da ging Dir die Großstadt viel lieblicher ein —, Bier, Musik sammt der holden Weiblichkeit behexten Dich, Du stecktest in einer steten Urfidelitas." Diesmal! Ein Hamlet ins Mecklenburgische übertragen! Kann ich Dir denn nicht helfen, Jung' ?" , Heinrich hatte sich gesetzt. Stumm m sich versunken Felsgarten. Roman von Clara Sütter. saß er eine Weile. Dann hob er den Kopf. „Du sollst es wissen, rathen oder helfen kann mir Keiner. Bei meiner Abreise im Herbst traf ich auf der Eisenbahn mit einem Herrn und seiner Tochter zusammen. Eine Anknüpfung war sofort gesunden, die Musik gab sie. Er ist Künstler, Professor Erder — Du hast r "ri Garnison gewiß von ihm gehört?" „Natürlich. Ganz bei den Kalmücken auch nicht." „Was sein etwas theatralisches Wesen kühl ließ, entflammte die Tochter bis zur Verzückung. Etwas Schöneres hast Du in Deinem Leben noch nicht gesehen, Franz!" „Drei oder vier Mal habe ich das auch schon bei Bekanntschaften gedacht. Aber weiter." „Die Musik brachte uns immer näher. Ines besitzt eine bcthörende Stimme, ist für die Oper ausgebildet, sieht in die glänzendste Zukunft. Und sie erkennt auch meine Begabung und schwört darauf, einen Künstler aus mir zu machen." „Erst soll sie man was werden," sagte Franz. Heinrich antwortete nicht. Er starrte geradeaus und behielt trotzdem noch funkelnde Lichter im Blick. „Daß Du es weißt: Ich wollte meinen Jugeudschwüren untreu werden, ich wollte der Musik, der ich von Kindheit an nachgehangen habe, ganz mich ergeben. Und Ines gehörte mein ganzes Herz. Ich galt als ihr Verlobter. Meine Reife hierher sollte mir Eure Zustimmung sichern. Da — am letzten Abend — nach allerlei Wust und Schwall führt mich Erder in sein Schlafzimmer vor ein großes Gemälde. Seine Frau, Ines' Mutter, vor mehreren Jahren gestorben. „Sie begreifen, lieber Wulffen —" Ob ich begriff, haha! " Franz stand auf. Seinen Rockkragen loshakend, kam er langsam näher. (Fortsetzung) VI. Franz gehorchte. Er lagerte sich auf das Sopha, ein Bein über den nächsten Stuhlsitz, und betrachtete Heinrich von der Seite, der erregt, zerfahren und unruhig im Zimmer umher hing. Wie lange lag der in der Mauser! ^za, die Sag' mal," begann er endlich, „fühlst Du Dich in der alten lieben Krähenhütte hier denn gar nicht mehr wohl, „Wohl!" rief Heinrich. „Als ob man dafür Übte!" Das heißt also, Du fühlst Dich hier nicht wohl Deine Geologie und Mistkunde in Berlin war wohl interessanter?" ,8 „Himmel noch mal, bin ich für Dich Wetter nichts, als Bauer? Merkst Du nicht, daß es in mir wüst aussieht, daß ich nirgend, nicht einmal bei den altgewohnten patzest/ meine Sinne in Ruhe zusammenbringe? Laß gefälligst Dem souveränes Lachen!" o , r, -. , „Heining, Du dauerst mich, stets hast Du mehr Empfindungen, als Dein Verstand meistern kann — ich richt mir das Leben anders ein. Stürmt es trotz alles Vergnügt- seins wirklich in mir, probire ich die erste Stativ», das hecht, ich braue mit Gleichgesinnten eine Bowle - Reeepte kannst Du haben. Steckt irgend ein schwarzbraunes Magdlem hinter — gegen blonde bin ich gefeit — ist die Sache ch einfacher. Sieg und Rückzug, Kur immer glücklich. V)as Du Dich dagegen quälst!" Wch weiß es nicht, was es wohl ist, Das mir zu Herzen geht, Seh' ich das erste Sommergras Vorn Schnitter hingemäht. Wohl sprießt das neue bald ihm nach, Und Sommer bleibts noch lang, Doch wird mir gar so trüb dabei, Hör' ich der Sichel Klang. , MarUn Greis. 426 „Heinrich," rief er leise. „Du bist neugierig, wen ich sah? Du sollst es erfahren — Tante Tauchlitz wars!" „O!" Franz war wie versteinert. „Ein unglücklicher Zufall, gewiß", fuhr Heinrich fort, „aber es liegt, da Ines von Allem wußte, eine Perfidie darin, daß ich es nicht eher erfuhr. Es ist mir das ein Fleck auf ihrem Bilde, es macht mir den Treubruch an Felsgarten und nun auch an Euch rein unmöglich. Nun, ich zu Dir gesprochen habe, weiß ich es klar und — ich bin noch rathloser " „Vor Allem laß Dir Zeit, Heine. Ist der Vorhang nun einmal zerrissen, so wirst Du auch nach und nach die ganze volle Wahrheiten erkennen. Ist das Mädchen wirklich Dein Glück, so würden Mama wie Onkel Dir nicht unmenschliche Opfer zumuthen. Aber erst sieh genauer hin! Du bist ein zart empfindender Mensch — Treu und Glauben wiegen bei solchen auf den Effect angewiesenen Leuten viel zu leicht, Du aber kannst ohne Beides nicht bestehen." „Das ift's ja nicht allein," antwortete Heinrich eintönig und matt, „auf mich war die ganze Freundsch-ft und Liebe gar nicht einmal gemünzt! Ihr mütterliches Erbtheil soll ich ihr verschaffen, Tauchlitz soll herausgeben, was seine frühere Gattin vor Jahren nicht mitgenommen hatte, was ihr und nun ihnen gesetzlich zukommt." Franz murmelte einen Fluch unter zornigem Auf- und Abschreiten. Heinrich stand entschlossen auf. „Ich muß ihr mein Wort halten, und es muß auch hier einen Weg geben. Onkel Tauchlitz hat uns von jeher als Philosoph gegolten, vielleicht beweißt er es jetzt." „Du willst diese Dame heirathen, falls sie die Aussteuer von Tauchlitz erhält?" fragte Franz athemlos. Heinrich lachte. „Keinen Pfennig darf sie mir anrühren, dem Herrn Papa allein kommt solch' Entgelt zu. Hätte ich sie aus diesen Verhältnissen heraus! Ihre Kunst freilich —" Franz zuckte die Achseln, unterdrückte jedoch die dazu gehörigen Bemerkungen, desto eifriger griff er den ersten Gedanken auf. „Zu Onkel Tauchlitz zu reisen, das ist kein übler Gedanke, Heine. Obwohl wir ihn kaum noch kennen. Zur Einsegnung der Töchter wie zu Irmgards Hochzeit ist ja Mama allerdings gefahren, aber allein." „Desto besser," sagte Heinrich, „er braucht mich gar nicht zu kennen, um Erders Sache richtig zu entscheiden." „Willst Du Dich ihm so weit anvertrauen?" „Ich will Zeit gewinnen. In ihr soll sich auch Ines' Beständigkeit erweisen, an der ich zumeist zweifle." Er sprach mit knirschenden Zähnen. Franz empfand Mitleid mit solchem Schmerz, deshalb brach er die Unterredung ab. Zu Frau Wulffen äußerte er: „Heine hat allerlei Sorgen, die für eine Frau nicht taugen, Muttchen- laß ihn zu Onkel Tauchlitz fahren, ihn verlangt danach." So wurde der Einfall beschlossene Sache. Heinrich kündigte sich bei dem pensionirten Landrath an, bekam eine freundliche Entgegnung und dampfte ab zur Genugthuung Frau Wulffens, die fest überzeugt war, wenn Einer rathen könne, sei es Tauchlitz, und zur Erleichterung Franzens, dem ein Kummer in seiner Nähe ärgstes Mißbehagen verursachte. Ungeachtet seines Grames konnte Heinrich sich nicht verleugnen. Er schrieb an Erder, daß er in seinem Interesse zu Tauchlitz reise. Für Ines fügte er ein Briefchen zärtlicher Grüße bei. Erder antwortete ihm, hocherfreut über seine Ritterlichkeit, die für ein schutzloses Mädchen eintrete, von Ines dagegen traf kein Wort ein. Briefe seien ihr entsetzlich, solch' papiernes Surrogat für das Leben mache sie nur traurig, bestellte der Vater von ihr. Heinrich schwieg von jetzt an. Seine Ankunft in G., der hübschen Stadt vieler Pensionäre, rüttelte Wulffen, der sich gefaßt und niedergedrückt zugleich fühlte, ein wenig auf. Draußen an der parkähnlichen, romantischen Promenade vor einem kleinen Landhause hielt seine Droschke. Aus der Balkonthür, deren zierliche Freitreppe sich einladend bis zum Gitter des Vorgärtchens erstreckte, trat ihm der Onkel entgegen. Grau, ganz grau geworden — die schlanke Gestalt gebeugt und die großen, klugen Augen im verschlossenen, ruhigen Gesicht mit nach innen gerichtetem Blick. Ein seltsamer Gegensatz zu Erder, der das Leben m;t seinen Genüssen an sich zwang — mußten echte, ganze Menschen in dieser Welt aussehen wie der Onkel? Ich will nichts von ihr, sie lasse mich in Ruhe — das sprach jede Miene, jede seiner Bewegungen. „Guten Tag, Heinrich," sagte er. „Eben will ich Deiner Mutter dankbar nachreden, daß sie Dich schickt, da merke ich, daß Du nicht aussiehst wie Einer, der sich noch schicken läßt." Diese Rede wurde von einem stetigen Blick begleitet, den Heinrich als durchdringend empfand. Sofort fühlte er, hier durfte er nichts verheimlichen, volle Wahrheit war er diesem Manne in erster Stunde schuldig." „Sei mir indeß vor allen Dingen willkommen," fuhr Tauchlitz fort, da Heinrich nicht gleich ein Wort der Enr gegnung fand. „Hier hinein, bitte. So, nun mach' es Dir bequem- ich wollte Dich zuerst für mich allein haben, geben erst die Mädchen ihre Neugierde dazu, giebt es bloß Teuselsspuk." „Mama befindet sich wohl? Und Onkel Wulffen auch? Die Beiden halten sich in der steten Sehnsucht zum Anderen ewig jung — das heißt, ich meine die Mutter nach Deinem Vater und Onkel Wulffen nach ihr, Du verstehst mich. Man wird alt, verläßt die Sehnsucht Einen. Das siehst Du an mir, Heine." „Du machst jetzt ein Gesicht, als könntest Du mir mein jähes Altwerden nachfühlen - hast Du darin Erfahrung ?" fragte Tauchlitz. „Ja, Onkel. Erfahrungen, den Deinen ähnlich, so ähnlich, daß ich eben zu Dir kam," sagte er, nur von der Nothwendigkeit des Mittheilens vor diesem Frager gedrängt. „Sprich nur," antwortete Tauchlitz ruhig. Er saß vornüber geneigt, Heinrich konnte unbeobachtet erzählen. Nicht leidenschaftlich wie vor Franz, .kalt sachlich berichtete er die Erlebnisse des letzten halben Jahres, nur halb fühlend, wie sehr sein zurückgedrängtes Empfinden den Hörer ergreifen mußte. Er verschwieg nichts, obwohl er sich innerlich wand unter der Qual, die Gattin dieses Mannes erwähnen zu müssen. Der rührte sich nicht, als es geschehen war. „Wieder sie!" sagte er bloß. Still hörte er das Ende mit an. „Höre, Heinrich," versetzte er darauf, „in Deinem Leben wird sich dasselbe abspielen, wie in meinem. Das Weib wird Dich ebenfalls vernichten, denn unsere Gesinnung ist etwas, was ihre Tigernaturen reizt — genug." „Daß ich nicht reich bin, weißt Du- daß ich das Vermögen meiner Tochter — die Aelteste besitzt das ihrige schon — nicht ohne Grund schmälern lasse, wird Dir verständlich ein. Bleibe daher, bis ich mich entschieden habe, Du verlierst draußen nicht viel/ „So denke ich ebenfalls," gab der junge Mann zu. Kaum wußte er, was er sprach. Der Aeltere mußte ihm Aehnliches ablesen, er lenkte das Gespräch wieder in die ruhigere Bahn durch Fragen nach der Familie, nach seinen Studien. „Darf ich denn nun endlich guten Tag sagen, Papa?" fragte da eine weiche Altstimme von der Thür her. „Nur näher, Hilde. Wenn zwei ernste Männer im 427 Austausch ihres Denkens fütb, ift der Störenfried immer am nächsten," entgegnete Tauchlitz. Wulfsen sah die Fragerin eintreten. Vorher hätte er beinahe den Ausdruck des Onkels be- Lächelt, er als vom Tcufelsspuk der Mädchen sprach, denn die Zauber, an welche er gewöhnt war, ahnte der gute Landrath nicht einmal. Das schlichte Haus, dies bürgerliche Arbeitszimmer hier würden den Rahmen bilden zu einer Vetterschaft, wie sie sich gehörte — aber Teufelsspuk? (Fortsetzung folgt.) Singen ist gesund! Von Dr. Hans Fröhlich. ------- (Nachdruck verboten.) Singen übt auf den menschlichen Körper einen durchaus »günstigen Einfluß aus, der von größerer Bedeutung ist, als Man wohl allgemein annimmt. Namentlich die Alhmung und das dieselbe bewirkende höchst wichtige Organ, die Lunge, wird in sehr segenreicher Weise beeinflußt. Das läßt sich sogar zahlenmäßig beweisen. Beim gewöhnlichen Ein- und Äusathmen wird immer nur ein ganz geringer Theil, ungefähr V7, der in den Lungen vorhandenen Luft erneuert; erst angestrengte recht tiefe Athmung z. B. beim Bergsteigen, bewirkt einen ausgiebigeren Luftwechsel. Man kann die Lungenventilation gewissermaßen mit der Lüftung eines Zimmers vergleichen. Lüftet man nur ganz oberflächlich, indem man vielleicht nur einen Fensterflügel ein wenig öffnet, dann wird die schlechte Binnenluft nie so vollständig und schnell durch reine Außenluft ersetzt, als wenn man alle Fenster öffnet. Die in der Lunge verbleibende Luft ist aber mit giftigen Gasen (Kohlensäure) vermengt und daher für den Organismus sehr schädlich, während eine recht ausgiebige Lungenventilation bei tiefem Vollathmen den Geweben den so nöthigen Sauerstoff in reichlichem Maße zuführt. Durch wiederholte Uebung recht tiefer Ein- und Ausathmung kann man auch die Fassungskraft der Lungen, also die Luftmenge vermehren, welche die Lungen beim Athmen aufzunehmen vermögen. In dieser Beziehung dürfte es aber kaum ein zweckmäßigeres Verfahren geben, als methodische Gesangsübungen, durch welche nicht nur die Fassungskraft der Lungen vergrößert wird, sondern durch welche auch gleichzeitig für die ausgiebigste Entleerung der schlechten Luft aus den Lungen gesorgt ist. Bei richtigem Singen wird nicht eher von Neuem geathmet, als bis der alte Luftvorrath auch gehörig verbraucht ist. Eine wie große Bedeutung die Wissenschaft dem Fassungsvermögen der Lungen zuerkennt, geht daraus hervor, daß sie derselben die Bezeichnung „vitale", d. h. zum Leben »nothwendige, gegeben hat. Sie beträgt bei den meisten Menschen ungefähr 3200 Cubikcentimeter; Sänger dagegen vermögen nach Dr. Barth durchschnittlich über 5000, Sängerinnen über 4000 Cubikcentimeter Luft mit einem Athem- zuge zu entleeren. Der Tenorist Dr. Gunz war sogar im Stande, ein ganzes Lied aus Schumanns Dichterliebe: „Die Mose, die Lilie" in einem Athem zu singen. Den größten Nachtheil bei der gewöhnlichen oberflächlichen Athmung haben die Lungenspitzen. Wie bei einer nur oberflächlichen Zimmerventilation, — um bei dem vorigen Vergleiche zu bleiben, — die alte schlechte Luft hauptsächlich in den Ecken und unter Möbeln sich halten wird, so tritt auch in den äußersten Lungenspitzen die geringste Lufterneuerung ein, allmählich wird nur noch wenig oder gar kein mährender und kräftigender Sauerstoff mehr zugeführt, die Gewebe werden gegen Krankheitskeime widerstandslos. Daher haben gerade dort die meisten Erkrankungen der Lunge ihren Ursprung, vom einfachsten Spitzenkatarrh bis zur schwersten Tuberkulose. Nur tiefe Athemzüge schaffen auch eine gründliche Lüftung der Lungenspitzen, der gefährlichsten Brutstätte der Tuberkelbazillen. Hiernach müßten also Berufssänger Hegen tuberkulöse Erkrankungen so gut wie gefeit sein. Und in der Thai haben dies die bedeutendsten und erfahrensten Specialärzte, wie Professor B. Fränkel, Moritz Schmidt, Felix Semon, auf briefliche Anfrage dem vorhin erwähnten Dr. Barth versichert. Durch das tiefe Athmen beim Singen wird den Lungen auch bedeutend mehr Blut zugeführt, und „die gesteigerte Blutfüllung eines Organes ist eins der wirksamsten Schutz- und Heilmittel der Tuberkulose." Wenn die Lungen durch tiefere Athmung mehr Sauerstoff in sich aufnehmen, so wird natürlich auch das Blut bedeutend verbessert. Für wen aber wäre dies von größerem Vortheil als für die vielen blutarmen und bleichsüchtigen Mädchen? Daher ist gerade diesen ein regelrechter Gesangsunterricht sehr zu empfehlen und namentlich dem vielen Clavierspielcn bedeutend vorzuziehen. Freilich darf die Brust nie durch beengende Kleidung in der vollen freien Athmung behindert werden. Da durch vertieftes Athmen der Kreislauf beschleunigt und die Blutbahnen erweitert werden, so bildet Singen auch ein besonderes Kräftigungsmittel des Herzmuskels. Professor Kronecker und Henricius erklären diese regelmäßige tiefe Athmung birect als „eine heilvolle Massage des Herzens". Die gesteigerte Lungenventilation hat Sanitätsrath Niemeyer als die „Schürerin der Säftekochung" bezeichnet. Sie bewirkt eben eine Beschleunigung des Blutstromes, Erhöhung des gesammten Stoffwechsels, und somit Steigerung des Nahrungsbedürfnisses. Daher befinden sich fast alle Sänger und Sängerinnen in gutem Ernährungszustände, und jeder Sängw bestätigt, daß mit dem Beginne consequent durchgeführter und andauernder Gesangsübungen auch der Appetit zunimmt. Dr. Niemeyer sagt: „Vom Singen wird man nicht nur stark, sogar dick", und illnstrirt dies durch folgendes Beispiel: „Vor nunmehr zehn Jahren verkehrte bei mir unter Anderen die zwanzigjährige Sängerin Fräulein M., jetzt eine auf zweiten Großstadt- und ersten Provinzstadtbühnen angesehene Sopranistin, damals aber noch unbeachtet, stellenlos und offenbar in dürftigsten Verhältnissen lebend. Ohne ihr sonst irgend wie nahezutreten, konnte man ihren damaligen Habitus dreist als „halbverhungert" bezeichnen und ihr Gewicht auf höchstens 90 Pfund an chlagen, wogegen ihre Kehle wohlgemuth die reinsten Töne perlte. Rascher auch, als sie damals gehofft, verwirklichte sich die Vorhersage, mit welcher ich sie bei gutem Muthe zu erhalten suchte, daß der Klang ihrer Stimmbänder ihr bald auch Metallklang landesüblicher Münze in den Schooß werfen würde, und als ich sie letzthin, nach etwa fünfjähriger Panse, erst auf einem hiesigen Operntheaterzettel und nachher persönlich wieder entdeckte, würde ich sie unvorbereitet schwerlich wieder erkannt haben: eine geradezu junonische Figur von der Formenfülle unserer Germania-Statuen und darum auf der Bühne stattliche Elsa im Lohengrin! „Das hat mit ihrem Singen" die mittlerweile zu sorgenfreier Lage und besserer Verpflegung gelangte Lebensgewohnheit der „Selbstventilation" gethan, die allerdings, so lange man so gut wie nichts „zu beißen und zu brechen" hat, nicht augenfällig anschlagen kann. Der Gewichtsunterschied zwischen jetzt und damals dürfte, schlecht gerechnet, volle 100 Pfund betragen!" Die mit dem Singen verbundenen ausgiebigen Zwerchfell- und Bauchwandbewegungen üben rein mechanisch auch einen we entlichen Einfluß auf die Thätigkeit der Verdauungsorgane ans. Sie bilden gewissermaßen eine natürliche Massage. Vorwiegend leidet nun das weibliche Geschlecht an Verdauungsstörungen, da bei ihm die Zwerchfellathmung an und für sich schwächer ist, und was von natürlicher Bewegungsfähigkeit übrig geblieben, noch durch ein beengendes Corfett lahm gelegt wird. Aber auch bei Männern mit sitzender Lebensweise werden die Verdauungsorgane in ihrer Thätigkeit behindert, woraus sich leicht Blut- und Gallenstauungen entwickeln. In allen diesen Fällen ist zur Vorbeugung und Heilung regelmäßiges Singen sehr vor- theilhaft. Uebung der Athmung bildet zugleich Uebung der — 428 Gemeinnütziges Jäten, letztere. * Gesangsathmung des Halses und die Wirbelsäule Zur Ernte ves Beereno-stes. Himbeeren müssen bei der Abnahme vollständig reif sein und sofort verbraucht werden: sie halten sich nicht. — Von Johannis- und Stachelbeeren müssen die sür die Tafel bestimmten Früchte ebenfalls aus dem Strauche völlig ausreifen. — Es sei noch daran erinnert, daß den unreif gepflückten Früchten nicht nur der Wohlgeschmack der reifen vollständig fehlt, sondern daß die ersteren auch der Gesundheit viel weniger zuträglich sind, als * Um Johannis nnv Stachelbeeren zn versenden, packt man dieselben in Kisten, die man an den Innenseiten mit Papier beschlägt. Auf den Boden kommt eine Lage Packmaterial (Papier chnitzel, Holzwolle), darauf ein Blatt Papier, hierauf dann je zwischen zwei Lagen Obst ein Bogen Papier, am Schlüsse wieder eine Lage Holzwolle. Das überragende Packpapier wird über das Packmaterial gefaltet, der Deckel scharf aufgelegt, genagelt und umreift. Sonderbare Frage. Richter (zu dem Zeugen m einer Proceßsache): „Sind Sie mit den Parteien verwandt oder verschwägert?" — Der Zeuge verweigert lächelnd die Antwort. — Richter: „Ich frage Sie, ob Sie mit dm Parteien verwandt oder verschwägert sind? — Der Zeuge verharrt bei seinem Stillschweigen und lächelt werter. Richter (zornig): „Wollen Sie jetzt antworten odermchtf Sind Sie mit den Parteien verwandt oder verschwägert -' Zeuge (mit freundlichem Grinsen): „Aber, Herr Amtsrichter, das ist ja gar nicht möglich. Der Kläger ist ja der F^ und die Beklagte die Ortskrankenkasse in Rixdorf. __ schätzten Eigenschaften. Da die Frische derselben die Hauptsache ist, so soll man die Früchte stütz Morgens pflücken und im Laufe des Tages genießen. Die auf den Markt gebrachten Kirschen sind -ehr ost nicht reif, daher auch nicht aut. Die Fruchtreife ist zu erkennen, wenn die Haut ne ihr eigenthümliche Farbe angenommen hat, sehr glanzend wird, und wenn sich der Stein leicht vom Stiele lost. * Der Mais (Zea japonica) ist bei uns wohl als land- wirthschastliche Futterpflanze bekannt, weniger ober gar ruckst als Gemüse. In Italien, Ungarn und Amerika bilden die unausgereiften halbmilchigen Körner ein Gemüse, welches den grünen Erbsen im Aussehen und Geschmack ehr nahe steht und einen großen Nährwerth hat. Selbst in Wien findet man den Tafelmais auf der Speisekarte eines leben fernen Hotels und in den österreichischen Curorten ist er ein von den dort weilenden Ungarn, vielbegehrter Artikel wahrend der Saison. Es eignen sich dazu nicht die gewöhnlichen Maissorten, sondern man hat sogenannte Speisemais, die m den Maisländern speeiell für diesen Zweck "^gewählt und cultivirt werden. Die amerikanischen Conservenfabriken suhren den Mais (Hot cotn) in Blechbüchsen sür den Wmter „au naturelle" wie grüne Erbsen. In Ungarn kocht man die aus den Hüllen gelösten schneeweißen Maiskolben einfach m Salzwasser und verzehrt sie dann. Auch , mit Butter, Sa z. und Pfeffer werden sie zubereitet. Ber uns kommt ev natürlich erst darauf an, der Sache Geschmack abzugewinnen. Arveitskalender sür den Monat Juli. Gießen, Behacken und Neubepflanzen abgeernteter Beete bilden die vorwiegende Beichästigung im Gemüsegarten. Rapontlka, Krauskohl, Kohlrabi, Salat, Endivie und Winterrettige werden angesäet. Sommerzwiebel, Knoblauch und Perllauch können theilweise schon ausgehoben werden. Bei den Blumenkohlpflanzen bricht man die Blätter ein, um das Gelbwerden und Ausschießen der Rosen zu verhindern. Von Salat-, diversen Kohlarten, Möhren-, Sellerie-, Petersiel-, Rettig- und Selleriesamenpflanzen sammelt man die reifen Samen und hängt sie in Säcken frei an einem lustigen Orte auf. Den Gurken- und Kürbisbeeten muß öfters durch flüssigen Dünger genügend Nahrung zugesührt werden. Humoristisches. Aus „Lustige Welt", Verlag von Georg E. Nagels Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer 10 Pfg> __ Unverfroren. „Hören Sie mal, Sie hätten nur meinen Schirm doch schon lange wiederbringen können. — c>a, aber es regnet doch immerwährend. — Ausrede. "Frau: „Den Hasen willst Du geschossen haben? Der ist a schon ganz alt." Mann: „Na - 's giebt dock auch alte Len/' _ Modern. Onkel, was ist ein Fußgänger? Jemand, der Scandal macht, wenn er von einem Radfahrer umgerannt wird." - Muster-Familie. Mama (an der Kammerthür): „Erna, Erna — aufstehen! — Ich brn schon srisirt, Mimi trainirt sich bereits seit zwei Stunden zum Wettradeln, Siegfried ist eben vom Commers heim, der gute Papa hat die ganze Wäsche aufgehängt und Du liegst noch im Bette. - Schäm' Dich!" - Der Knallprotz. „Else, schau' nicht immer auf die Bühne- die Leute glauben sonst, wir sind wegen dem Stück im Theater." — Vorsichtig. Junge Frau: „Wenn Sie dem jungen Menschen die Kiste tragen Helsen, können Sie sich ein Mittagessen verdienen/' i Bettler: „Wat Ham Se denn gekocht, Madameken? I * * , Casernenblüthe. Sergeant (zu einem jungen Schriftsteller): „Einjähriger, Sie bewegen noch den rechten Arm. Merken Sie sich: Nach „stillgestanden werden keine Feuilletons mehr aus dem Aermel geschüttelt!" ch. Beim Kirschenpflücken sollte man darauf halten, daß immer nur ganz reife Kirschen vom Baume genommen werden, fcTnn nur vollständig reife Kirschen besitzen die an^hnen^ge- Körperhälfte. Regelmäßiges Singen bildet also eine körperliche Uebung von höchst segenreichem Einfluß auf Gesundheit und Wohlbefinden. Unbewußt hat dies die Menschheit von Alters her gesühlt. Daher die gehobene Stimmung, das körperliche Wohlbehagen, die fröhliche Laune, welche sich des Singenden bemächtigt. Auch die Marschlieder dienen nicht allein der Unterhaltung, sie erhöhen zugleich die Marschsähigkeit, steigern die körperliche Spannkraft und Leistungsfähigkeit. Kurz und gut, auch der Hygieniker stimmt mit Freuden dem Dichterwort bei: Singe, wem Gesang gegeben! Athmungsmuskulatur. Bei ausgiebiger wird aber säst die gesammte Muskulatur Rumpfes in Anspruch genommen. Auch wird gestreckt, und immer nimmt man beim tiefen Athmen instinctiv eine gerade Haltung ein. Krumm stehende Sanger und Sängerinnen sicht man nie. So bildet Singen Juglerch eine Muskelgymnastik, welche einen wesentlichen Thest der geiammten Körpermuskulatur kräftigt. Ungenügende Athem- beweguugen führen auch zu frühzeitiger Verknöcherung der Rippenknorpel und verursachen dann durch den Mangel derselben an Elasticität die Athembeschwerden des Alters. Durch regelmäßiges Singen wird aber die Elastieltat der Rippen- knorpel erhöht und der Brustkasten dauernd erweitert. Dadurch entsteht nebst der Geradehaltung des Körpers auch eine in künstlerischem Sinne schöne, volle Form der oberen