»!-„ IW WWi- «*"shste MKWN WW^ JWa§ ist so Art gewisser Leute: pW? Man spricht von Dem und Diesem heute, Heißt Das nicht schön und Das nicht gut. Und unter lauter Kritisiren, Verdammen, Wägen und Censiren Verbirgt man, daß man — selbst nichts thut! W. Herbert. Der Amtmann von Rapshagen. Criminal-Roman von F. Arn efeld. (Fortsetzung.) Während Adolf Göbener bereitwillig und nicht ohne stolzes Selbstgefühl Bescheid gab, tauschte er auch einen steifen Gruß und nicht gerade freundlichen Blick mit seinem zukünftigen Schwager aus, der sich in eine Ecke des Saales zurückzog. Er behielt indeß Göbener im Auge und dieser wiederum hatte den Platz, welchen er bei Beginn des Con- certes hinter einer Säule einuahm, wohl nicht absichtslos so gewählt, daß er zu dem Amtsrath und dessen Begleiterinnen hinüberschauen konnte. Das Concert begann mit Beethovens Frühlings-Sonate, vorgetragen von dem berühmten Geiger und einer einheimischen Dilettantin, welche wohl auf den Namen Künstlerin Anspruch machen durfte, und mit nicht unberechtigtem Localpatriotismus machte man sich leise darauf aufmerksam, daß sie dem Virtuosen ebenbürtig zur Seite stehe. Ebenso war die Clavierbegleitung zu dem Liederstrauß, der von der Berliner Sängerin jetzt gespendet ward. Auf Susannas Arie aus „Figaros Hochzeit" folgte „Schuberts Wanderer", dem sich das seelenvolle Gedicht „Aennchen von Tharau" anschloß. Adolf Göbeners Blicke waren zwischen der Sängerin und Carola Münter hin und her gewandert und zuletzt auf dieser haften geblieben, die leicht vorgebeugt saß und, ihrer Umgebung entrückt, völlig in das Gehörte aufzugehen schien. Als aber das dritte Lied in seiner einfachen, ergreifenden Weise erklang, war es ihm, als fasse eine Hand nach seinem Herzen und presse es mit schwerem Druck zusammen. Konnte er noch einstimmen in die Worte: „Aennchen von Tharau ist's, die mir gefällt?" Wie aus weiter Ferne hörte er den Beifallssturm, der den Saal durchbrauste, dann tiefes, athemloses Schweigen, man hätte das Fallen einer Nadel hören können. Dec Geiger hatte den Bogen angesetzt und spielte die „Phantasie" von Ernst. Und inmitten dieser weihevollen Stille hatte Adolf Göbener das Gefühl, als nehme die Musik ihn auf ihre Flügel und trage ihn weit, weit fort zu einer von einem strahlenden weißen Lichte erhellten Wiese, auf deren grünem, mit bunten Blumen durchstickten Teppich er sich allein sah mit zwei Frauengestalten: Carola Münter, umflossen von grüner, schillernder Seide und weißen duftigen Spitzen, das reine Oval des Gesichtes umgeben von dem wunderbar glänzenden Haar, das blaue Auge sprühend von Geist und Leben. Daneben aber Anna im schlichten Hauskleide. Das reiche, aber etwas stumpfe Haar glatt gescheitelt und zu einem kunstlosen Flechtenknoten im Nacken verschlungen, die hellbraunen Augen und das sanfte Gesicht mit jenem Ausdruck der Hilflosigkeit und des unbedingten Vertrauens auf ihn gerichtet, der ihn stets so tief gerührt, so unwiderstehlich angezogen hatte! Schwankend, rathlos schaute er von Einer zur Andern. Leise winkend erhob Carola die schlanke weiße Hand, gleichzeitig streckte aber auch Anna, an welcher deutlich die Spuren der Arbeit wahrzunehmen waren, nach ihm aus, und so leicht und zagend ihr Griff war, er fühlte doch, daß sie ihn festhielt, daß jedes Bemühen, sich loszumachen, vergeblich sei. Er stieß einen bangen Seufzer aus, strich über die erhitzte Stirn und schaute wirr, erschrocken um sich. Der Traum war zerronnen gleich einem Nebelgebilde. Da war der menschcngefüllte Saal, da war der Geiger auf dem Podium, der soeben den letzten Bogenstrich that. Einen Augenblick herrschte noch tiefe Stille, dann brach ein Beifall los, so donnernd, so tosend, wie ihn nur der Zusammenklang vieler aufs Tiefste erregten Herzen und Hände hervorzubringen vermag. Adolf Göbener war es aber, als vernehme er das Brausen eines Sturmes, der über das Land dahinfege und Alles mit fortwehe, was er für sein Leben errichtet und aufgebaut hatte. Wohin er die Blicke wandte, überall glaubte er Annas Augen auf sich gerichtet zu sehen, jetzt nicht flehend und schüchtern, sondern finster, trotzig. Er schloß für eine Minute die Augen und blicke wieder auf. Die braunen Augen waren da, nicht in seiner Einbildung, sondern in Wirklichkeit. Sie gehörten Stephan Holten, der sie unverwandt auf ihn gerichtet hielt. 158 Hatte er ihn beobachtet? Hatte er in seiner Seele gelesen? Adolf erschrak heftig, dann richtete er sich entschlossen auf. „Sind wir verantwortlich für die Träume, die uns im Schlaf umgaukeln oder für die, welche sich im Wachen auf uns niedersenken? Einzustehen haben wir nur sür unsere Handlungen, und sie sollen mich da nicht ins Unrecht setzen können, mein Herr Doctor Holten," murmelte er und verließ seinen Platz, denn die Pause hatte begonnen. Er suchte den Amtsrath und seine Damen wieder auf und blieb auch, wie um dem Doctor Holten Trotz zu bieten, den seine Augen dennoch immer wieder suchen mußten, während des zweiten Theils des Concertes, das Schumanns „Traumeswirren", die „Polonaise F-dur" von Chopin und des „Wanderers Nachtlied" von Rubinstein, wie „An den Abendstern" von Schumann brachte, an ihrer Seite. Nach Beendigung des letzteren wollte der Amtsrath ausbrechen, aber ein flehender Blick von Carola bannte ihn wieder auf seinen Sitz. Dem allgemeinen Bitten und Rufen nachgebend, hatte der Geiger noch einmal zum Instrumente gegriffen, und schenkte den dankbar lauschenden Zuhörern noch die Polonaise von Vieuxtemps. „Ein herrlicher Genuß!" flüsterte Frau Münter, als man sich endlich erhob, Adolf zu, „ich hätte kaum geglaubt, daß ein solcher uns in Greifswald zu Theil werden könnte." „Er ist auch selten genug," fügte der Amtsrath hinzu, während Carola schwieg und noch völlig unter dem Eindruck des soeben Gehörten zu stehen schien. „Wir sind Ihnen vielen Dank schuldig, lieber Göbener." „Der gebührt in erster Linie' den Künstlern," erwiderte dieser und fragte, zu Carola gewendet: „Sie sind befriedigt?" „Befriedigt?" wiederholte sie mit einem leuchtenden Blick, „das Wort ist recht arm. Aber ich besitze keins, das meine Empfindungen genügend ausdrückt und hätte ich es, ich würde es nicht anwenden. Der beste Dank scheint mir tiefes, andachtsvolles Schweigen- es wäre mir unmöglich gewesen, einzustimmen in das Beifallklatschen und Rufen der Menge." „Ich glaube doch kaum, daß die Künstler mit diesem stummen Beifall zufrieden sein würden," lachte der Amtsrath, „den Luxus dürfen sich nur einzelne Auserwählte gleich Dir gestatten, Carola. Was bringen Sie den Herrschaften sonst noch für Ovationen, Adolf?" wandte er sich fragend an den Letzteren. „Wir Haben sie zu einem Festmahl eingeladen- es wäre sehr hübsch, wenn Sie sich daran betheiligen wollten," antwortete dieser und schaute bittend von den Damen auf den Amtsrath. . Ehe Letzterer zu antworten vermochte, rief Carola mit einer unnachahmlich reizenden Bewegung der Schultern: „O nein, nein, wenn ich bitten darf. Ich möchte nicht uumittelbar, nachdem die Künstler mich so hoch über mich selbst hinausgehoben, in ihnen die Menschen sehen, die Gefallen finden an Speise und Trank, möchte nicht möglicherweise triviale Redensarten aus ihrem Munde hören." „Eine Würde, eine Höhe entfernte die Vertraulichkeit," spottete der Amtsrath gutmüthig. „Dein Wunsch trifft übrigens mit dem meinigen zusammen, wenn auch aus anderen Gründen, ich möchte mit meinen jungen Pferden keine späte Nachtfahrt machen. Wenn Du also an dem Souper theil- nehmen möchtest, so bist Du überstimmt, Felicitas." Frau Münter erklärte lächelnd, daß sie sich dem Majoritätsbeschluß füge. Man hatte den AuSgang des Saales erreicht- Adolf begleitete die Damen in die Garderobe und war ihnen beim Anlegen der Pelze und Mäntel behilflich, aus deren Umrahmung Carolas Gesicht ihm fremdartig, aber mit einem ganzen neuen Reiz entgegenschaute, und ließ es sich auch nicht nehmen, mit ihnen zu dem ihrer bereits harrenden Schlitten zu gehen, obwohl der Amtsrath ihn wiederholt mahnte, keine Pflicht zu versäumen und zu der Gesellschaft zurückzukehren. Während er die Damen in den Schlitten hob, lud ihn der Amtsrath ein, doch recht bald wieder nach Waldhof zu kommen und Carola fügte hinzu: „Kommen Sie, so lange wir noch die schöne Eisbahn auf dem See haben, wir wollen einen Wettlauf anstellen, auch habe ich eine wahre Sehnsucht, mit Ihnen zu musiciren. Nach dem heutigen Concert hat der Löwe Blut geleckt." Einen Augenblick zögerte Adolf mit der Antwort. Er sah die hellbraunen Augen seiner Braut, sür die er jetzt recht selten Zeit hatte, mit leisem Flehen auf sich gerichtet, nun aber wandte ihm Carola voll das vom Mondlicht beleuchtete, von der Pelzkappe eingerahmte schöne, bleiche Antlitz zu und schnell versprach er: „Ich komme in den nächsten Tagen." Noch ein Händedruck und neidisch verhüllte der dichte Schleier ihr Gesicht. Der Amtsrath, welcher selbst den Schlitten lenkte, knallte mit der Peitsche und der Schlitten fuhr schnell über den mondbegiänzten alterthümlichen Marktplatz. Adolf Goebener schaute ihm nach, bis er um die Ecke verschwunden war. XII. Seit jenen Octobertagen, in welchen Amtsrath Wenzel die Werbung des Doctor Holten so entschieden znrückgewiesen und den Entschluß gefaßt hatte, seine Tochter nach der Riviera zu senden und wo Amtmann Göbener mit Anna Holten in (Stettin gewesen war, um deren Leben bei der „Vorsicht" zu versichern, waren jetzt vier Monate vergangen. Sie hatten auf Waldhof, wie auf Rapshagen mancherlei Veränderungen gebracht. Auf den Brief, welchen Amtsrath Wenzel an seine Cousinen nach Stettin geschrieben hatte, war beinahe umgehend eine Antwort eingegangen. Sie hatte von Elisabeth Wenzel unbedingt zusagend gelautet und Vater und Tochter sehr wohlthuend angemuthet durch die sich darin unverhohlen und unverstellt kundgebende Freude über die Aussicht, in Metas Gesellschaft einen Winter im Süden zubringen zu dürfen. Auch Frau Professor Münter zeigte sich sehr angenehm berührt von dem Gedanken, in dem schönen stillen Waldhof einen Winter verleben und sich ihrem Vetter nützlich machen zu können. Allerdings äußerte sie noch ein Bedenken dabei. Ihre Tochter Carola war nach mehrjähriger Abwesenheit vor einigen Wochen aus Rußland zurückgekehrt. Sie fühlte sich etwas ermüdet und wollte, bevor sie in Deutschland eine neue Thätigkeit begann, sich einige Monate bei der Mutter ausruhen. Gern war sie bereit, die letztere nach Waldhof zu begleiten. Würde sie dem Amtsrath daselbst als Gast genehm sein? Wenzelte willigte mit Freuden in diesen Vorschlag und schon nach Verlauf einer Woche trafen die Damen in Waldhof ein. Sic hatten die einstweilige Auflösung ihres Haushaltes mit einer Schnelligkeit bewirkt, die bei dem Amtsrath ein sehr günstiges Vorurtheil sür ihre Tüchtigkeit erweckte. Meta, welche Carola nie und die älteren Damen nur flüchtig und vor Jahren gesehen hatte, empfing durch das liebevolle, mütterliche Wesen der Frau Professor Münter den besten Eindruck und war mit der einnehmenden Persönlichkeit ihrer Reisegefährtin und Beschützerin wohl zufrieden, wenn sie auch nichts mit ihrer Entfernung von Waldhof auszusöhnen vermochte. Nicht ganz so leicht wurde es ihr, die rechte Fühlung mit der um einige Jahre älteren schönen, weltgewandten Carola zu gewinnen, so liebenswürdig diese ihr auch entgegenkam, unö sie hatte es vorgezogen, ihr übervolles Herz an dem Busen der Frau Professor Münter auszuweinen, statt, was doch eigentlich näher gelegen hätte, deren jugendliche Tochter zur Vertrauten ihrer Liebe und ihres Kummers zu machen. Trotz des Verbotes und der Wachsamkeit des Vaters 159 Gleiche gilt von der etwa 65 Quadratkilometer großen Wirdingharde, welche noch im fünfzehnten Jahrhundert zum Wattenmeer gehörte und heute unter dem Namen Gotteskoog in einer Größe von etwa 80 Quadratkilometern eine der Auch mit Adolf Göbener war Meta im nehmen geschieden. Wenige Tage vor ihrer Abreise war er, lichen Befehl seines Vaters Folge leistend, gekommen, um von ihr Abschied zu nehmen. (Fortsetzung folgt.) fruchtbarsten Gegenden unserer Nordmark bildet, der Christian Albrechtskoog, der Maaßbrügger Koog, der Julianenkoog, der Marienkoog, der Sophien-, Magdalenenkoog u. s. w. sind nur einige bedeutendere Beispiele der zahlreichen Land- war es Meta übrigens gelungen, Stephan Holten vor ihrer | führten. An die deutschen Nordseeküsten scheint die Kunst nf°$ /mmal zu sehen, sie hatte dabei freilich das des Deichbaues merkwürdiger Weise erst mehr als tausend Gefühl, als ob lener absichtlich ein Auge zugedrückt und als Jahre später verpflanzt zu sein. Eine alte Urkunde berichtet, Esanten' to,e £e d-e beiden Damen nannte, sich still- daß im Jahre 1106 holländische Unterthanen aus der Gegend schwelgend zu ihren Verbündeten gemacht hätten. Sie hatte von Utrecht mit dem Ezbischof Friedrich von Bremen einen mit dem Geliebten wiederum das Versprechen unverbrüchlicher Vertrag schlossen, laut welchem ihnen in der Nähe von Treue getauscht und mit ihm verabredet, auf welche Weise Bremen Land und Indigenatsrecht gewährt wurde gegen die sie einander, wenn auch nur spärlich und indirect, Nachricht Verpflichtung ihrerseits, den der Ueberschwemmung ausgeben konnten. I gesetzten Strand durch Deiche zu sichern. Diesen ersten Anbesten Einver- I siedlern folgten weitere, und von diesen wurden nach und nach die Flußmündungen der Elbe, Weser, Ems und Eider dem ausdrück- und späterhin auch der zwischen denselben sich ausdehnende nach Waldhof Strand mit Deichen versehen. Hierdurch wurde dem Fort- I schreiten des Zerstörungswerkes, welches auch die lange Kette der ehemals mit dem Festlande verbundenen ostfriesischen I Inseln vom Hinterlande losgerissen und Tausende von I Quadratkilometern blühenden Landes verschlungen hatte, Der wiedergeivonneneRaub des Meeres. Von Dr. Kurt Rudolf Kreusner. I Wellen ihren Raub wieder streitig zu machen und das Ber- ------ (Nachdruck verboten.) I lorene wieder zu gewinnen. Hierzu eignet sich die Beschaffen- Unermüdlich nagt das Meer in hartnäckiger Minirarbeit I ™f be§ unteJ:9e9an9enen Landes, welches des sogenannte an den Grenzen des festen Landes, die mechanische Gewalt I Wattenmeer bildet, aus mannigfachen Gründen. Diese der Wogen und die chemische lösende Kraft des Wassers I ehemaligen fruchtbaren Marschlandes, welches vor arbeiten an der Verkleinerung und Zertrümmerung des I Jahrhunderten den Wogen zum Opfer fiel, sind nämlich zur Strandes, von welchem jede Ebbe zahllose Theilchen ins ^lut^elt ti,om Meere bedeckt,- bei Mittelwasser und vollends weite Meer hinausführt, wo sie, dem Gesetze der Schwere I ^ur ^bbezeit dagegen liegen die weiten Wattenflächen, welche folgend, zu Boden sinken. Wo die Meeresfluth, wie beispiels- an ben schleswig-holsteinischen Küsten einen Flächenraum von weise an der ganzen Westküste Frankreichs bis Dünkirchen m*! ^-mg-r als 45 bis 50 Quadratmeilen einnehmen, auf einen hohen Felsenwall trifft,, macht sie nur langsame bocken da. Die ungeheuren Massen fester Bestandtheile, Fortschritte, und es gelingt ihr nur mühsam, ihre Buchten cie A°n obengenannten nordwestdeutschen Flüsse tag« in die Felsenkante hineinzuschieben. Viel leichteres Spiel Nordsee zufuhren, werden nun Dank der westöst- hat sie dort, wo flüchtiger Dünensand die Begrenzung bildet I Meeresströmung, die hier vorwiegend herrscht und den und Marschländer, wenn Sturmfluthen die schützende Dünen- constanten Westwinden zum großen Theil gegen die kette einmal durchbrochen haben, zum Raube der Wellen I schleswig-holsteinische Westküste geworfen und so setzen sich werden. Diesen landschaftlichen Character trägt unsere leder Fluth große Mengen des feinen Schlicks, wie man deutsche Nordseeküste, und die Chroniken und Geschichtsbücher diesen Schlamm nennt, auf den Wattflächen ab. Aufgabe wissen zu berichten, wie viel Land hier seit den frühesten I beS Menschen ist es nur, diesem natürlichen Anspülungs- Zeiten des Mittelalters in zahllosen elementaren Katastrophen I k^si- zu Hllfe zu kommen und seine Seßhaftmachung zu vom Meere verschlungen worden ist, wie viel Hunderte I 1°,™'. dlesem Zwecke zieht man senkrecht zur vorblühender Ortschaften verschwunden sind, wie viel Tausende I herrschenden Meeresströmung ein System untereinander fleißiger Menschen ihr Grab in den Wogen gefunden haben, ®™6en'. bte sogenannten Grippeln. Das aus- Jn prähistorischen Zeiten, wo noch eine breite Land- ^schachi-t- Material wird auf die zwischen den Gräben brücke Frankreich mit Eiland verband, lagen die Verhält- S hi," SÄ nisse ungleich günstiger als heute. Ein mächtiger Tünenwall I be ^.e^e bef traben zu steigern. Diese welcher in einem Bogen von nahezu 200 dnitschen^Meilen ki . sich binnen kurzer Zeit mit Schlick, welcher Länge von Dünkirchen bis Kav ©Eaaen ftrpirhf Müht toieber ausgeschachtet und zur Erhöhung der Zwischenstrecken tüflSX nur »«Ä taÄlLÄ.’ ■ Di°'° I-h- A-i-i. wird ragende Kulturland vor den Einbrüchen der Äu b A^ fo ia"9^ fortgesetzt bis die Wattenfläche sich über die sich aber der Atlantische Oeean durck hna me^e^rJs? mtttIere Nuthhöhe erhebt. Strandpflanzen, namentlich die gefiel« de- engN,ch.fr-»j-Mche» Isthmus stue Ä» b ach N' Calabros« .quali«,, Lass.,,,,,II,ra«, und i-elch- er Im -aus, d-> J-irt-uftnd- - »-S-» engsten Stelle 30 Firette» p„n„i i iw v. I Befestigung des neugewonnenen Bodens bei, und wenn Ä dieser -in- bewiss-Höhe über mittlerem Fluthstrande erreicht ruhige Gewässer, als welches wir sie heute kennen Die totrbM"(1?Urc?rJ)e^0"49ett In ba§ 9e9en Hoch- Zerstörung des größten Theiles der Insel Helgoland," dann ££ ÄjefcFÄffen'$ di- Entstehung des Zuydersees, des Dollarts, des Jahdebusens Auf di^e Weise st ^m Lause her fehfen x , Wl - * ÄS® Ä ”, . . diesem Wege durch Deichverbindungen der drei damaligen ererbtr-A neinmal an der von den Vätern Inseln Eidelstedt, Utholm und Everschopp enstanden. Das ererbten Scholle Landes hangt, auch wenn er derselben das ' " - — - - ' zum Leben Nothwendige mit Mühe und Lebensgefahr abtrotzen muß, führt hier seit den ältesten Zeiten einen zähen, oft von Verlusten begleiteten, oft aber auch von schönen Erfolgen gekrönten Kampf mit dem Wassergotte. Die römischen Schriftsteller berichten, daß schon zu Cäsars Zeiten die alten Bataver, welche die Gegenden der heutigen Niederlande bewohnten, zum Schutze gegen die Hochfluthen Dämme auf- 160 erwerbungen, welche hier durch menschlichen Fleiß dem Meere abgerungen worden sind. Während man so an der ganzen Westküste mit Erfolg arbeitete und namentlich an den Buchten und Flußmündungen beträchtliche Landeroberungen machte, vollzog sich der entgegengesetzte Proceß an den dem Festlande vorgelagerten Düneninseln, wie Röm, Sylt, Föhr, Amrum und an den noch viel schutzloseren Halligen/ Langeneß, Oland, Gröde, Habel, Hamburger Hallig, Nordstrandi ch Moor, Nordstrand, Südfall, Pellworm, Hooge, Süderoog, Norderoog und Seesand, sowie an den weit südlicher gelegenen Inseln Helmsand und Buschsand. Das Marschland dieser Halligen wird bei jeder Hoch- fluth vom Meere überspült, und es geht dabei nie ohne mehr oder minder bedeutende Landverluste ab. Mit der totalen Vernichtung dieser Inseln, welche eine Art natürlicher Wellenbrecher für das dahinterliegende Festland bilden, wäre das letztere gänzlich unhaltbar, und man wendet deshalb mit Recht der Erhaltung der Eilande neuerdings die größte Aufmerksamkeit zu. Die größeren dieser Inseln, wie Pellworm und Nordstrand, erfreuen sich eines sicheren Deichschutzes/ auf den kleineren aber ragen bei jeder Hochfluth nur die auf künstlichen 5 bis 6 Meter hohen Hügeln erbauten Häuser und Stallungen aus dem Wasser hervor, und es ist eine Lebensfrage für die ganze schleswig-holsteinische Westküste, daß diese Inseln erhalten werden. Die preußische Regierung, welche eine derselben, die Hamburger Hallig, durch Steinböjchungen vor weiterer Abbröckelung bewahrt und durch einen langen Damm mit dem Festlande verbunden hat, ist auf Grund der Wahrnehmungen, daß hier im Laufe der Jahrzehnte noch eine bedeutende Landerwerbung möglich ist, zu dem Entschlüsse gekommen, ein schon vor Jahren von den namhaftesten Autoritäten empfohlenes Project zu verwirklichen, welches nichts Geringeres bezweckt, als den größten Theil des Wattenmeeres wieder in festes Land zu verwandeln, nachdem sie sich überzeugt hat, daß hier allgemeines Culturinteresse und voraussichtliche Rentabilität in glücklichster Weise zusammentreffen. Man will nämlich die Halligen untereinander und mit dem Festlande durch Dämme verbinden und in den so entstandenen Buchten die Landgewinnung in großem Stile betreiben. Der erste dieser Dämme, jener vom Festlande nach Oland und von da nach Langeneß, ist bereits im Bau begriffen/ demnächst soll die Verbindung von Gröde und Habel mit dem Festlande, sowie diejenige von Norderoog, Hooge, Pellworm und Süderoog untereinander und die Verbindung von Nordstrand und Südfall, sowie Nordstrandisch Moor mit dem Festlande er folgen. Daran soll sich weiter die Verbindung von Föhr und Amrum untereinander und endlich die Verbindung der großen Düneninseln Sylt und Röm mit dem Festlande anschließen. Es ist fürwahr ein großes Ziel, welches der menschlichen Arbeit und Beharrlichkeit damit gesteckt wird; aber es handelt sich um die Gewinnung einer förmlichen kleinen Provinz, wenn, wie es hier der Fall ist, 1500—2000 Quadrat-Kilometer Wattenmeer in anbaufähiges Land umgewandelt werden können. Die Durchführung dieses großen Werkes wird sich mindestens ebenbürtig jenen gewaltigen Anstrengungen zur Seite stellen, welche die Holländer an die Trockenlegung des Zuhdersees zu verwenden im Begriffe stehen, und dieses Ziel deutscher Thätigkeit wird mit weniger Kosten und größerer Sicherheit erreicht werden/ denn beim Zuydersee handelt es sich darum, ein gewaltiges Meerbecken gegen die offene See abzusperren und auszupumpen und das dann 5—6 Meter unter dem Meeresspiegel gelegene Land gegen den Einbruch der See zu vertheidigen, während das an der deutschen Nordseeküste zu gewinnende Land durchweg über dem Meeresniveau liegen wird. Abbildung