Sonntag den 18. Februar BBS \)Xx iQ BM MI M MA^ichte nie den Werth des Menschen '•iwT Schnell nach einer kurzen Stunde! '■'V® Oben sind bewegte Wellen, Doch die Perle liegt am Grunde. O. v Muttersohn. • Roman von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) Wieder nahm er die Kneifzange zur Hand, die er schon vorher so angelegentlich betrachtet hatte, und heftete mit einer Hartnäckigkeit seinen Blick darauf, als ob er etwas besonders Interessantes an dem einfachen Instrument fände. Carl stand seitwärts von seinem Bruder) sein Gesicht hatte sich jäh versärbt, seine Augenbrauen waren ganz dicht nebeneinander gerückt. „Soll das heißen," sagte er mit dumpf grollender Stimme, „daß Du meine Anwesenheit auf Deiner Hochzeit nicht wünschest?" „Aber Carl, ich bitte Dich," beeilte sich Otto zu versichern, „wie kannst Du denken? Ich als Dein Bruder, ich sollte nicht wünschen . . . ? Wer steht mir denn näher als Du und die Eltern?" „Also Dein Schwiegervater?" „Hat er Dir nicht eine Einladung geschickt?" „Freilich, das hat er. Pro forma! Das war er der Familie schuldig. Aber es wäre ihm wahrscheinlich nicht ganz unlieb, wenn ich abschriebe?" Carl sah den Bruder an mit einem Blick, der auf dem Grund seiner Seele lesen sollte. Aber Otto schien mit seinen Augen von dem Werkzeug in seiner Hand nicht loskommen zu können. „Er meinte nur," gab er zurück, während er die Kneifzange wiederholt angelegentlich von allen Seiten betrachtete, „er meinte nur, es wäre Dir vielleicht peinlich, mit dem einen oder anderen der Gäste zusammenzutrcffen. Da ist z. B. Landgerichtsrath Kurth . . ." „Landgerichtsrath Kurth?" „Einer der Räthe der zweiten Strafkammer, die damals . . . damals . . . in Dein . . . Deinem . . ." , Die Worte kamen so langsam und gepreßt aus dem - Munde des Sprechenden, als bereite es ihm eine furchtbare Mühe, sie herauszubringen. Zum Glück nahm ihm Carl die Qual des Weitersprechens ab. „Ich verstehe," fiel er hastig ein, „sage Deinem Schwiegervater, er könne ganz beruhigt sein, ich komme nicht." Otto stieß einen Laut aus, dem nicht genau anzuhören war, ob es ein Seufzer des Bedauerns oder der Erleichterung war. „Aber Deine Frau kommt doch?" fügte er in verbindlichem Tone hinzu. „Nein!" „Aber warum denn nicht? Mutter könnte sie ja abholen und unter ihre Fittiche nehmen." „Nein!" es klang scharf und bestimmt. „Niemand von uns wird Dich und Deinen Schwiegervater compro- mittiren." Otto ließ die Kneifzange auf den Tisch zurückfallen. Es war eine sehr peinliche Empfindung, die sich in seinen zuckenden Mienen ausprägte. „Nun sprichst Du wieder so," stotterte er, „davon ist doch gar nicht die Rede. Mein Schwiegervater meinte ja nur . . . in Deinem Interesse, er glaubt ja nur, daß es Dir selbst unangenehm wäre . . ." Carl winkte mit einer heftigen Bewegung der Hand ab. „Schon gut! Zu entschuldigen brauchst Du Dich nicht." Er drehte sich nach der einen Seite um, ergriff einen schweren Hammer und begann auf ein Stück Zink, das er in den Schraubstock vor sich gezwängt hatte, eifrig loszuschlagen. Otto stand abwartend zur Seite- in dem Läim, den das Hämmern verursachte, konnte er sich nicht verständlich machen. Und doch hätte er noch gern etwas gesagt. Endlich trat er dicht an Carl heran und streckte ihm die Hand entgegen. Carl mußte wohl oder übel zu hämmern aufhören. Er berührte Ottos Hand flüchtig mit seinen Fingerspitzen. „Adieu, Carl!" sagte Otto, „nimm mir meine Offenheit nicht übel. Wenn's nur auf mich ankäme! Du weißt doch, was ich von Dir halte und wie sehr ich Dir zu Dank ver ..." , Carl hatte mit dem Kopf abwehrend geschüttelt. Nun ergriff er wieder seinen Hammer und hämmerte mächtig darauf los. Erst als er die Thür hinter dem Davongehenden in's Schloß fallen hörte, ließ er ab. Er schleuderte den . Leixner. 94 Hammer mit einer Zorn - Geberde auf den Fußboden und murmelte eme heftige Verwünschung vor sich hin. Otto schlich auf der Straße dahin mit der Miene und der Haltung eines Menschen, der eben eine moralische Niederlage erlitten. Wie einem armseligen Schächer war ihm zu Muthe. Er schämte sich vor sich selbst und schalt sich erbärmlich und feig. Warum hatte er seinem Schwiegervater nicht energischer widersprochen? Warum hatte er nicht rundweg abgelehnt, die Mission an Carl zu übernehmen? Die Schatten der Vergangenheit verflüchtigten sich mehr und mehr. Otto war so ganz in seine neue Würde als Gatte und Familienvater — seine Frau hatte ihm einen reizenden gesunden Knaben nach Jahresfrist geschenkt — hineingewachsen, daß er mit dem Otto der früheren Periode wenig oder gar nichts mehr gemein hatte. Er blickte auf seine früheren Lebensjahre zurück, als wären es die eines Anderen. War er verantwortlich für das, was der leichtsinnige junge Mann einst verschuldet? War cs nicht die That eines Wahnsinnigen, der nicht Herr seiner geistigen und seelischen Kräfte gewesen, der sich vom Taumel des Augenblicks hatte hinreißen taffen ? Hatte er, — der reife Mann — nicht die Schuld des leichtfertigen Jünglings längst gesühnt? Auch materiell. Fort endlich mit der Erinnerung an eine Zeit, die er überhaupt nicht mehr begriff, in die er sich gar nicht mehr hinein versetzen konnte. In der reinen Atmosphäre, in der er athmete, war ihm Reinheit des Handelns, Denkens und Empfindens so zur zweiten Natur geworden, daß er überhaupt nicht mehr verstand, wie das hatte geschehen können, was damals geschehen war. Mit der Familie seines Bruders hatte er und seine Familie wenig Umgang. Abgesehen davon, daß sie zwei so ganz verschiedenen socialen Schichten angehörten, legte Carl ein so bärbeißiges, abstoßendes Wesen an den Tag, daß es ganz unmöglich war, einen regelmäßigen Verkehr mit ihm zu unterhalten. Wenn er selbst auch seine Schroffheiten geduldig und ergeben hinnahm, durfte er Constanze, der Ahnungslosen, Schuldlosen zumuthen, Carls Tactlosigkeiten über sich ergehen zu lassen? Zudem .... war es ihm zu verdenken, daß er sich nicht gern dem demüthigen, ihn ous's Tiefste darniederdrückenden Gefühl aussetzte, das ihn jedesmal in Carls Nähe überkam? Was hatte Carl davon? Hatte er einen Vorthetl, geschah ihm etwas Gutes, wenn er — Otto — an seiner Seite im Geheimen mit den quälendsten, marterndsten Empfindungen rang? Seine materielle Hilfe aber wies Carl entschieden nach wie vor zurück und auch sonst legte er seinen und Constanzens Besuchen gegenüber eine Gleichgiltigkeit, ja eine Unfreundlichkeit an den Tag, daß es aufdringlich gewesen wäre, wenn man ihn öfter, als es unumgänglich erschien, hätte aufsuchen wollen. So gewöhnte man sich gegenseitig daran, einander nur an den Festtagen der Familie formelle Glückwunschvisiten abzustatten. Einen desto lebhafteren Verkehr unterhielt das junge Ehepaar mit dem Kammergerichlsrath und deffen Umgangs- kreise. Sie machten in allen dem Kammergerichtsrath befreundeten Familien ihre Besuche und gaben selbst während der Saison die üblichen großen Gesellschaften. Die Herren von Markwald und Wattenfeld hatten sich rasch den veränderten Umständen angepaßt (wenn der Herr Kammergerichtsrath dem Köster trotz alledem seine einzige Tochter zur Frau gab, so brauchte man sich auch nicht so disficil zu zeigen) und hatten bei dem jungen Ehepaar ihre Antrittsvisite gemacht. Aber Otto hatte die Freunde seiner leichtsinnigen Jugendzeit so kühl ausgenommen, daß sie ihre Besuche bald wieder einstellten. Der Kammergerichtsrath war trotz der bescheidenen Herkunft Ottos doch stolz auf seinen Schwiegersohn, der einst ein so glänzendes Asseffor- examen gemacht und der sich auch in seinem neuen Beruf als eine hervorragende Kraft bewies. Trotz der materiellen 5 Vortheile, die Ottos Stellung bot, wollte sich Herr Göring mit dem Berufswechsel seines Schwiegersohnes nicht recht befreunden. Er ließ nicht ab, in Otto zu dringen, seine Stellung aufzugeben und wieder in den Staatsdienst zu treten. Auch die Freunde des Hauses, zum größten Theil selbst Juristen, waren derselben Ansicht, daß es für Otto geradezu Pflicht, seine juristischen Kenntniffe im öffentlichen Jnterefse zu verwerthen. Emern jungen Juristen, der bereits beim Staatsexamen das Jntereffe des Ministers auf sich gelenkt habe, dem könne es gewiß nicht fehlen. Eine Anstellung als Hilfsarbeiter im Ministerium war ihm ja als sogenannter „Gnaden-Asseffor" von vornherein sicher. Auf Otto verfehlten diese wiederholten Reden und Erörterungen ihre Wirkung nicht. Der Ehrgeiz regte sich in ihm und seit ihm ein Kind geboren war, kam noch ein ernstes, drängendes Motiv hinzu, sein Vatergefühl. Schuldete er dem jungen Wesen, für deffen Zukunft er verantwortlich war, nicht eine volle Entfaltung aller ihm innewohnenden Kräfte? War es nicht seine Pflicht, mit Aufbietung der ihm verliehenen Gaben und Kenntniffe das Höchstmögliche zu erreichen, um dereinst seinem Sohn um so wirksamer den Weg ebnen zu können? Und so reichte er beim eines Tages seine Kündigung ein, um nach Ablauf der contractlich festgesetzten Frist sich wieder in den Staatsdienst zu melden. Niemand war glücklicher über diesen Entschluß als Ottos Mutter. Nun sah sie sich am Ziel aller ihrer Wünsche. Keine Mutter auf dem ganzen Erdenrund konnte sich glücklicher schätzen als sie. „Nun, Vater, habe ich recht gehabt?" sagte sie freudestrahlend zu ihrem Mann. „Bereust Du nun, daß Du für ihn bezahlt hast damals ... Du weißt? Hattest Du Dein Geld beffer anlegen können? Ist er nicht ein be- neidenswerther Mann, unser Otto? Eine vornehme Frau, ein reizendes Kind und nun noch ins Ministerium! Thut Dir's nun leid, daß Du ihn hast studiren lassen und daß Du ihn als Referendar erhalten hast, vier lange Jahre?" Und Köster widersprach nicht — nicht mit einer Silbe. Er reichte seiner treuen, klugen Lebensgefährtin die Hand. „Du hast recht gehabt, Mutter . . .," pflichtete er bei. „Du hast weiter gesehen als ich. Wenn's nach mir gegangen wär', dann säße er nun, wenn's hoch gekommen wär', als Bureauvorsteher bei einem Rechtsanwalt. Ja, ja, Dir hat er viel zu danken, Mutter, viel." Und Otto war sich dieser Dankespflicht wohl bewußt. Oft suchte er in Begleitung Constanzes die Eltern in der Rügenerstraße auf und machte der Mutter liebevolle Vor würfe, daß sie sich so selten sehen ließ. Die Mutter pflegte sich dann mit dem weiten Weg und ihrem zunehmenden Alter zu entschuldigen. Der wahre Grund freilich war ein anderer. Wohl zog sie ihr Herz nach ihrem kleinen Enkel, wohl verlangte es sie, sich an dem Glück ihres Lieblingssohnes zu weiden, der schon jetzt fast so vornehm wohnte wie ein Minister. Aber sie fürchtete lästig zu fallen und ihrem Sohne und ihrer Schwiegertochter unbequem zu werden. So zog sie es denn vor, sich still in Gedanken von fern au dem Glück ihres Sohnes zu freuen. Wenn sie aber wirklich einmal die Sehnsucht nach dem Westen trieb, so weilte sie während der ganzen Dauer ihres Besuches, ihrer selbstlosen, bescheidenen Art in dem Kinderzimmer und kein Reden und Bitten konnte sie bewegen, sich in dem prunkvollen Besuchszimmer niederzulaffen. Ihr größter Genuß war es, den kleinen Eberhard — so hieß er nach dem Großvater mütterlicherseits — auf dem Schooße zu halten und in den weichen kindlichen Zügen des Enkels nach Aehnlichkeiten mit dem Sohne zu forschen. Und das Resultat, daß er seinem - Vater „wie aus dem Gesicht geschnitten sei," erweckte jedesmal wehmuthsvoll süße Erinnerungen an Ottos Kindheit in ihr. (Fortsetzung folgt.) 95 Unser tägliches Brod?) Die Muttermilch erhält diejenigen Nährstoffe, mit denen der ins Leben tretende Mensch seinen Organismus aufbaut. Naturgemäß können daher nur diejenigen Nahrungsmittel dem Menschen zuträglich sein, welche in ihrer Zusammensetzung mit der Muttermilch gleichartig sind. Alle Lbrigen Substanzen, sagt Dr. Koppe-Moskau, müssen wir als Fremdkörper ansehen, welche den normalen Lebensprozeß hemmen. Nahrungsmittel mit einem Nährstoff, der annähernd der Muttermilch gleichkommt, nennen wir vollständige Nahrungsmittel. Unser heuriges Brod ist jedoch ein ‘ unvollständiges Nahrungsmittel, und nur reichliche Ergänzungen durch Fleisch und Fett vermögen den Mangel auszugleichen. Wer sich gesund erhalten will, muß neben diesem sast- und kraftlosen Brod Fleisch und Fett genießen. Ist das aber notwendig, so kann das Brod keinen Anspruch auf den Namen Volksnahrungsmittel machen. Wir muffen uns daher nach einem anderen Brod umschauen. Schon in unserem Artikel: „Warum sparen wir nicht?" haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß das Steinmetzbrod nicht nur ein vollwerthiges, schmackhaftes Nahrungsmittel ist, sondern daß wir bei einem allgemeinen Genuß^ desselben 170 Milloneu Mark ersparen würden. Zum steinmetzbrod wird ein auf besondere Art gebeuteltes Mehl aus vollem Korn, das nur von der Strohhülse befreit und durch Wasser gereinigt wird, sonst aber die ganzen fein aufgeschlossenen Nährstoffe des Getreides enthält, verwandt. Pfarrer Kneipp in Wöcishofen erklärte, daß das Steinmetz'sche Kraftmehl- und -Brod ganz dasjenige Mehl und Brod sei, wie er es in allen seinen Schriften und Vorträgen empfohlen habe. Dr. F. Elsner, vereidigter Sachverständiger bei dem Amtsgericht Leipzig, urtheilte über dasselbe folgender- maßen: r...-"35“6 verfahre« des Stephan Steinmetz ist als ein höchst rationelles zu bezeichnen, weil nach diesem nur die unverdauliche, holzige Hülse entfernt wird, die ganze Menge des unter ihr befindlichen Klebers aber dem Mehl erhalten bleibt. Das aus diesem Mehl hergestellte Brod ist nicht nur wohlschmeckend und leicht verdaulich, sondern es enthält auch sämmtliche Nährstoffe des Getreides in einer geradezu idealen Zusammensetzung,- das Gehalt an Eiweißstoffen ist halb so groß, wie im Fleisch. Die Nährwertheinheiten (für Eiweiß- W 5/ für Kohlehydrate = 1) betragen für gewöhn- licheS Brod, «ach der älteren Methode bereitet, mit 7 pCt. Elweißstoffen und 47 PCt. Kohlehydraten (35 + 47 =) d2; föt das nach dem Steinmetz'fchen Verfahren aus drei Theilen Moggen und ein Theil Weizen bereitete Brod (56 -j- 43 =) 90 unh es unterliegt keinem Zweifel, daß bei Verwendung eines sehr stickstoffreichen Getreides ein noch günstigeres Verhältniß heraussprlngen kann. Das Steinmetz'sche Nährbrod ist somit als Jüealbrod der Zukunft zu begrüßen." Diejenigen, die sich für das Enthülsungsverfahren des Erfinders interesfiren, mögen sich an Herrn Stephan Steinmetz ln Leipzig-Gohlis wenden. Wer Steinmetzbrod oder -Mehl^ aus dem sich unter Zusatz von Salz und Fett herrliche Speisen aller Art bereiten lassen, probiren will, lasse fich ein Probepostpacket zum Preise von 1.50 Mark von öEi« E-sinder oder seinen Niederlagen in Leipzig, Sagan, Efiretikon (Schweiz) kommen. Bäckern, Gastwirthen und Kaufleuten rathen wir zur Uebernahine von Niederlagen, da in kurzer Zeit daS Steinmetzbrod und -Mehl bald sehr begehrt sein werden. Aus dem „Practischen Wegweiser", Würzburg, einer sehr empfehlenswerthen Familienzeitschrift ^Abonnement 30 Pfennig viertel - Mrlich.) Gemeinnützige». Eine hübsche grüne Hängelampe. Im Winter ist man immer sehr froh, um jeden, wenn auch kleinen, grünen Zimmerschmuck. Bekannt find nun die verschiedenen Verzierungen, welche man mit Kresse mitten im Winter bildet, grüne Flaschen re. Weniger bekannt sind dagegen die hübschen Verzierungen, die man mit der krausen Gartenkresse bilden kann. Hierzu können die alten Waschschwämme, welche man sonst nicht mehr benützt, verwendet werden. Wenn dieselben vorerst in Milch getaucht und alle größeren Oeffnungen mit etwas Erde und Moos aufgeiüllt, dann mit Samen von krauser Gartenkreffe gespickt und gleichmäßig feucht gehalten werden, überziehen sie sich im warmen Zimmer in wenigen Tagen mit dem schönsten Grün und bilden zierliche Hängelampen. Gießen mit warmem Regen- oder Schneewasser zu jetziger Zeit lohnen unsere Z-mmerpflanzen durch reichlichen Blumenflor. Namentlich die Primeln, Calcolarien und Cinerarien, Cyclamen und andere Winterblüher lieben recht warmes Wasser, daß man kaum die Hand hineinhalten kann. Wenn man kein Regen- oder Schneewasser hat, so thut es auch sonst gewärmtes oder bester, vorher gesottenes und wieder abgekühltes Wasser. Etwas Straßenmist in einem Säckchen in das warme Wasser gelegt, ist natürlich noch besonders vortheilhaft für die Pflanzen, welche üppig wachsen und reichlich blühen, namentlich wenn sie in verhältnißmäßig kleinen Töpfen stehen. Wie kann man spare«. Auf ein von der Familien- zeitschrifr „Bon Haus zu Haus" in Leipzig erlassenes Preis- ausichreiben ging unter Anderen folgende beachtenswerthe Beantwortung seitens einer Abonnentin ein, die durch einen Preis ausgezeichnet wurde. Die Herstellung und Instandhaltung der Garderobe schneidet oft recht empfindlich ins wirthschaftliche Budget, namentlich, wenn man auch nicht gerade hoch- so doch ein bischen modern sein möchte und die Sachen außer dem Hause unfertigen lassen muß. Nun erlernen zwar viele Damen das perseete Kleidermachen in Lehrinstituten und Frauenarbeitsschulen. Aber Wenns drauf und dran kommt, haben sie nicht den Muth, in die um theures Geld erworbenen Stoffe einmal beherzt einzuschneiden, da sie eben kein Selbstvertrauen haben und oft nicht die zuverlässigen Schnittmuster besitzen. Die mefften wissen sehr wohl, welche Ersparniß erzielt wird, wenn man in der Lage ist, seine Garderobe ober doch Hauskleider und gewöhnliche Costüme selbst anzufertigen, bczw. wenigstens zu moderni- siren. Seit einigen Jahren betreiben nun angesichts eines notorischen Bedürfnisses renommirte Firmen in Großstädten die Herstellung und den Versandt von Schnittmodellen zur Anfertigung eleganter und practischer Damen- und Kindergarderobe. Als em sehr vertrauenswürdiges Etablissement dieser Art möchte ich den Leserinnen d. Bl. die Internationale Schnütmanufactur in Dresden-N. empfehlen. Ihre Muster und Modelle zeichnen sich namentlich durch ungemein leichte Verwendbarkeit, modernsten Chic, vorzüglichen Sitz und große Preiswürdigkeit, ja frappante Billigkeit aus. Man erkennt bei ih em Gebrauch sofort, daß es keine Phantasiestücke, — am Zeichentisch erdacht und unerprobt in die Welt gesandt sind, sondern daß sie aus erprobter practischer Arbeit hervorgegangen und sich bewährt haben. Wenn man in Betracht zieht, daß beim Selbstanfertigen von Kleidern mit Hilfe dieser Schnittmuster ganz wesentliche Ersparnisse erzielt werden können, so werden diese noch erhöht dadurch, daß mancher vielleicht schon gebrauchte Stoff, dessen Neuverarbeitung durch die Schneiderin sich nicht lohnt, vielleicht für Hauscostüme oder Krnderkleider noch zweckentsprechend Verwendung findet. Zur genauen Orientirung dient ein reichhaltiges Moden-Album und Schnittmusterbuch, welches von der Schnitimanufactur-Drcsden zum Preise von 50 Pfg. — in Marken — überall hin versendet wird. 96 Moderne Kleidung für kleine Mädchen, bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannfaetur, Dresden. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbnch für 50 Pfg. daselbst erhältlich. Die heutige Mode der Mädchenkleidung läßt eigentlich nichts zu wünschen übrig, denn sie ist gefällig und nett im Aussehen und dabei practisch und bequem. Die Röckchen sind weder zu kurz wie vor Jahren, noch sind sie zu lang wie bei der letztvergangenen vreeu-avr«/-Mode. Die Blousen sind äußerst kleidsam und beengen in keiner Weise und dabei fällt auch jede outrirte Garnitur weg, wie z. B. die großen Aermelpuffen, welche ja oft störend waren, zumal dann, wenn der Kleiderärmel in den Mantelärmel gezwängt wurde. Eigentlich können wir ja überhaupt nicht von einer directen Kindermode reden, denn alle Formen sind im Grunde genommen nur eine Copie der Modeformen Erwachsener. Man Lenke dabei nur an die verschiedenen Blousen- fvrmen: die Kollerblousen, die Blousen mit Mittelfalte und vor Allem die russische Blouse. Alles dies, natürlich entsprechend vereinfacht, bildet auch für Kinder die jetzige Modeform. An Stelle der Epau- lcties, welche für kleinere Kinder sehr wenig kleidsam sind, läßt man die großen Kragen treten, welche durch ihre außerordentliche Formverschiedenheit viel Abwechselung in den Kinderkleidern ermöglichen. Auch die Passenform ist in dieser Beziehung empfehlenswerth, denn auch hierbei läßt sich durch verschiedene Formen und Besätze eine große Variation erzielen. Mod. 1'151. Entweder man wählt eine einfache glatte Passe von abstechendem Stoff und reiht den Oberstoff mit Köpfchen an oder man deckt den Ansatz durch einen entsprechenden Besatz oder man besetzt die ganze Passe. Dann wieder kann man sie in Längs- oder Querfalten ordnen oder man flieht ihr überhaupt eine andere Form, wie rund oder herzförmig. Kurz, mit ein wenig Fantasie können hierbei die größten Verschiedenheiten entstehen, ohne daß der Grundschnitt des Kleides verändert wird. Mod. 1352. Die gewöhnliche, am Hals und im Taillenschluß eingereihte Blouse läßt sich gleichfalls auf's Verschiedenste garniren und sind besonders die Quergarnituren in Form von Fältchen, Stufen, Borten und Besätzen jetzt hochmodern. Auch die einfache Falten- blouse wird für Mädchen immer wieder gern gewählt. Für ganz kleine Kinder bis zu 3 oder 4 Jahren werden zumeist noch immer Hängerformen gewählt, welche ja gleichfalls auf's Verschiedenste ausgestattet werden können. Doch bleibt hierbei das Einfachste das Beste; ein hübscher, praktischer Stoff, sowie ein gut.passender Schnitt sind die vortheil- hasieste Ausstattung. Das obenstehende Kinderfigürchen (Mod. 1351) veranschaulicht ein derartiges Hängerkleidchen für ein zwei- bis dreijähriges Kind. Das Rockiheil ist am unteren Rand mit einem Sammetstreifen verziert und oben an einen geraden Sattel angereiht. Neber die Achseln legen sich Spangen von Sammt, welche an jedem Ende mit einem Zierknops festgehalten erscheinen. Die Falten des Hängertheils können auch im Taillenschluß durch einen Gürtel zusammengehalten werden. Ein speziell für die lieben Klemen vorbehaltenes Faqon ist die Matrosenblouse in ihren verschiedenen Variationen, die mtt vollem Reckt als eine der kleidsamsten Formen für Kinder gilt. Dabei ist es nickt immer nötbig, die ursprüngliche Form beizubehalten, l°n- dern die Zusammenstellung von Matrosenkragen und Blouse kann ganz nach Belieben verändert werden. Hauptsächlich ,st es der Kragen Weicker zu Formveränderungen Gelegenheit bietet. Eine sehr" hübsche Matrosenkragenform zeigt die obenstehende Kindersigur EM Mod. 1353. Mod. ,509. Hauptsache die Eleganz eines der gen zusammengehalten und weiter oben läßt er einen gefalteten Einsatz sichtbar werden. Die Falten der Blouse werden im Taillenschluß durch einen Ledergürtel zusammengehalten. Im Uebiigen vervollständigen Keulenärmel und ein glattes, gefüttertes Röckcken das Kleid. Als neueste Modeform für etwas größere Mädchen ist die oben faltenlose und nur im Taillensckluß eingereihte Blousenform zu nennen, welche ja auch für Erwachsene die letzte Mode darstellt. Man stattet sie für Kinder jedoch immer gern so aus, daß die im großen Ganzen etwas kahl und flach wirkende Grundform der Blouse etwas verdeckt oder auf- gebausckt wird. So ordnet man z. B. die Vordertheile in einige tiefe Querfalten und bringt in der Bütte einen eingereibten Einsatz aus Seide oder abstechendem Stoff an, ober man läßt einen großen Kragen darüber fallen in der Art, wie es Abbildung 1352 zeigt. Am besten läßt sich jedoch diese Blousenform in Verbindung mit einem Koller bringen und ist Figur 1353 No. 1352. Hier ist der Kragen mit bis in die Taille reichenden Enden geschnitten. Diese sind mit einem breiten Spitzeneinsatz besetzt, der sich rings um den Rand des Kragens fortsetzt. Von Brusthöhe an wird er durch drei kleine Verschnürungrößere Mädchen ein einfaches Kleid herstellen, so ist als Vorlage Figur 509 angelegent- lichst zu empfehlen, denn sie stellt eine sehr kleidsame, besonders zur Selbstanfertigung geeignete Blouse dar. Die Blousentheile sind an ein mit Borten besetztes Kollertheil gereiht und ist der vordere Mittelschluß durch eine Längs- salte gedeckt. Kleine Knöpfe bilden noch die übrige^ Ausstattung. Auch für Confirmandinnen würde dieses Modell sicherlich eine sehr kleidsame Form sein. An Herstellungsmaterial für Kinderkleider sind in der Hauptsache glatte oder klein gemusterte Wollstoffe zu nennen und von groß gemusterten Stoffen sind höchstens Karos verwendbar. Die Garnitur und die Machart der Kleidchen sei immer einfach und möglichst ungesucht, denn die Kleinen sind an sich reizend genug, sodaß kostbare Kleider und Toilettenattribute vollständig überflüssig sind. Besonders gber achte 'inan ja auf eine tadellose Bearbeitung und einen dürfen Zuschnitt, denn diese machen in Kinderkleides aus. der beste Beweis dafür. Sie veranschaulicht ein dunkles Wollkleid mit Bordenbesatz. Das Koller besteht aus hellerer, gefalteter Seide uns» ist der Ansatz mit in Bogen gesetzten, mehrfachen Reihen von Borden besetzt. Gleiche Bordenverzierung umrandet die Epauletten. Will man jedoch für ffleboction: «. Echehda. — Druck und «erlag der Brühfschen UniverfitätS-Buck- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.