1898. LLZLL «Kjra ij/nH ewähr sich Jeder im Vertrau'», Doch Jeder traue Jedem nicht! Nicht in die Brust laß' Jeden schan'n, Doch Jedem frei in's Angesicht. Bald hat bei Keinem rechten Werth Ein Schatz, der offen allerwärts. Reich Jedem freundlich Deine Hand, Doch Ausermählten gieb Dein Herz! Emil Rittershaus. Muttersohn. Roman von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) „Wissen Sie, lieber Köster," sagte er mit einer unendlich überlegenen Miene, „Sie haben doch manchmal furchtbar spießbürgerliche Ansichten. Sie thun ja gerade, als wenn man von Ihnen verlangte, Sie sollten sich dem Teufel verschreiben. Ich kenne doch einigermaßen Welt und Leben und nehme für mich auch in Anspruch, Gentleman zu sein, aber ich bedenke mich nicht einen Augenbtick querzuschreiben. Ueberhaupt eine famose Einrichtung solch ein Wechsel. Seien Sie kein Rauhbein, Köster!" Der Tadel des Collegen verfehlte nicht seinen Eindruck auf den Andern. Nichts war ihm so fatal, als unter seinen Collegen als philiströs zu gelten. , ,/Aber wenn . . . wenn man den Wechsel nachher nicht einlösen kann?" wandte er schüchtern ein. Der Gigerl lächelte. „Sehr einfach, dann prolongirt man." „Und wenn man dann wieder nicht bezahlen kann?" „Dann prolongirt man noch einmal. Man prolongirt so lange, bis man eben in der Lage ist, einlösen zu können." „Seien Sie doch kein solch Philister, Köster!" Ottos Widerstand war gebrochen. Wenn die Sache so bequem war! Zudem brauchte er dringend Geld. Neue Handschuhe thaten ihm Noth, ebenso neue Eravatten, neue Hemdenkragen und längst war ein Chapeau-CIaque das Ziel seiner Wünsche. Was konnte ihm denn passiren? Das Spießbürgerliche haftete ihm wirklich noch allzusehr an. Die übertrieben strengen, beschränkten Ansichten seines Vaters konnten doch für ihn nicht immer und ewig maßgebend sein. „Na, Köster?" „Meinetwegen. Ich komme mit." Herr von Markwald belohnte seinen Collegen mit einem wohlthuenden Schlag auf die Schulter. „Werde mit der Zeit noch einen ganz Patenten Kerl aus Ihnen machen, Köster." IV. Das Wechselgeschäft war erledigt. Otto schwamm förmlich tm Geld. Er konnte nun einmal aus dem Vollen leben und brauchte nicht zu „kneifen", wenn einer der Collegen eine kleine Weinkneiperei bei Kempinski oder den Besuch eines Cafe chantant oder sonst eine lustige Sache vorschlug. Fatal war es ihm, daß er in der Nacht dann immer noch den weiten Wegnach der Rügener Straße hatte, während die anderen Herren sämmtlich im Centrum der Stadt oder in der Nähe desselben ihre Wohnungen hatten. Noch verdrießlicher war ihm die Fopperei, Deren Gegenstand er im Kreise der Collegen geworden, nachdem Herr von Markwald eines Tages von seinem Besuch in ter Rügener Straße erzählte und bei der Schilderung der Miethskaserne und des ganzen Stadttheils mit dicken Farben aufgetragen hatte. „ //Wie . . ., in der Rügener Straße wohnen Sie?" rief Wattenfeld, der seiner Ironie wegen unter den Collegen gesürchtet war. „Wo ist denn das? Liegt denn das über» Haupt noch in Berlin?" „Freilich," lachte Grünow. „Wenn ich nicht irre, gehört die Rügener Straße zum Stadttheil Gesundbrunnen." Worauf Wattenfeld mit seinem spöttischen Sarkasmus ...: „Gesundbrunnen? Ach so! Da draußen im höchsten Norden, wo die Civilisation aufhört und Reinickendorf anfängt. Giebt es denn da schon Pferdebahnen? Wie? Wirklich? Alle Achtung!" Und Markwald hatte mit seiner Schnarrstimme dazwischen gerufen: „Miserable Gegend! Begreife nicht, wie 'n anständiger Mensch überhaupt da wohnen kann." Otto hatte sich im ersten Moment furchtbar geärgert, bei ruhigerem Nachdenken aber hatte er dem Collegen seine höhnische Bemerkung gar nicht verübeln können. Es war wirklich eine ganz schauderhafte Gegend. So furchtbar ärmlich und öde und trist! Wenn man aus dem Innern der Stadt mit seinem blendenden eleetrischen Licht, seinen großartigen Läden und dem ganzen interessanten, abwechslungsreichen Weltstadttreiben, in die halbdunkle, stille Seitenstraße des Gesundbrunnenviertels kam, dann wehte einen förmlich der Hauch der Aermlichkeit an. Keine Droschken, keine Münchener Bierpaläste, keine Coneerthäuser, kein Theater, nur nüchterne, häßliche Miethskasernen, kleine, schmutzige — 18 — Der zu danken. „ t . Es war doch wirklich sehr heb von ihm, daß er ber Eltern wegen ferne Freunde vernachlässigte und den weiten Weg nach der häßlichen Rügener Straße nicht scheute. Trotzdem geschah es, als die ersten Monate vorüber waren, daß Otto ab und zu einen Sonntag vergeblich aus sich warten ließ. Frau Köster empfand es jedesmal aus's schmerzlichste. Der ganze Tag war ihr verdorben, und sie war in beständiger Aufregung und in beständiger Bewegung. Bald spähte sie aus dem Feaster auf die Straße hinaus, bald schlich sie nach dem Treppenflur, um zu lauschen. Wenn er dann den nächsten Sonntag wirklich erschien, war sie glücklich und dachte nicht daran, ihm irgendwelche Borwürfe zu machen. „Du hattest gewiß eine wichtige Abhaltung, Ottochen, „Aber^Otto," f..♦*..**.**..■ ----- u — u---„ >,. über diesen unvermuthet heftigen Aubruch. Und mit einer zärtlich begütigenden Geberde nach seiner Hand fassend, setzte sie hinzu: „Freilich, es ist ja ein Bischen weit und wenn Du willst, können wir ja 'n Bischen näher nach der Stadt ziehen." Doch der Erregte machte eine Geberde des Zweifels. > ' „Aus dem Norden kommt Ihr ja doch mcht heraus. Das kriegt Vater im ganzen Leben nicht fertig. Der schwärmt für seinen Gesundbrunnen. Aber ich hasse die Gegend, mir ist sie in tiefster Seele zuwider. Sie hindert mich am Fortkommen. Ich brauche lebhafteren Verkehr mit meinen College«, mit anderen gebildeten Menschen. Das bin ich mir und meinem Berufe schuldig. Nachher kommt das Assessorexamen. Ich habe mich schon mit Markwald verabredet, wir wollen uns zusammen vorbereiten. Aber wie kann ich das machen, wenn er in der Hollmannstraße wohnt, dicht am Kammergericht, und ich zwei stunden davon in der Rügener Straße. Hier muß ich hinaus, Mutter, das sage ich Dir, sonst geh' ich zu Grunde." Frau Köster machte gar keine weiteren Einwendungen. Seine Worte überzeugten sie vollständig und noch mehr sein Wesen. Mein Gott, man sah es ihm ja an, daß ihm der weite Weg jeden Tag nicht bekam. Und auch darin hatte er recht, der arme Junge, er brauchte mehr gebildeten Umgang. Läden und ordinäre Destillationen. Man mußte wirklich hier I Und von dieser Ueberzeugung durchdrungen, lag sie ihrem dvauüen Zweifeln in Berlin zu sein. Wie einen das I Mann tagtäglich m den Ohren. Otto muffe fort, er muffe draußen jwettein, tn 5U unter allen Umständen ein Zimmer in der Stadt haben, tn D^AMick der vernachlässigten, schlecht gepflasterten der Nähe des Kammergerichts, und seines Freundes, des Straßen, der ärmlich gekleideten Menschen, die einem hier Herrn von Markwald. Nbin*“F*"-Änw gta. .f hns finThfrioel Vtlasier der Rügener Straße setzte. I Mit den Kosten Ware das gar Nicht so schlimm, wie es aus mÄ StonleU Se M "ibToin Mer gor«, be« erst-« Blick au-säh-, S-ft-r soll- mir 6 ob« en, »«s "" Er achtete und ehrte feine Elter« gewiß mb würde kehrte« j« io spater Nachts«,,de nicht mehr unb m«n (Sune SfÄTSÄ FX ÄttSft * kle schm mit SZÄM d°°°° -- ««« « "Ä 6S M m“iS dnmBk*Ä ffitoung, i« bie er sich Immer mehr sonstige überflüssige Ausgabe °"»-ibe« Die H-«P.I-che bineinarbeitete, machte ihn verdrießlich, launisch und nervös, sei doch, daß aus dem Knaben einmal etwas Rechtes würde. _ , Ottochen fragte sie eines Tages, als sie Beide I hoher, vornehmer Stellung zu besitzen, habe man dann a"------" p;eae i* uicht den halben Tag auf der Straße?" I Ruhe zum Arbeiten blieb. mtoeinete6 er gereijt. „Bin ich nicht immer unterroegs Ws,er gab schließlich «ach, wenn auch se«sj«d unb Misch« dem Sammer,ericht unb 3f‘ tS a„6. gr hatte sich ein Zimmer i« ber * N Mi. dem Omnibus l ÄÄÄ5S warss.’rÄ'x '>ä ballewWeibern die nach Fisch und Käse duften, und zwischen des Sonntags kam er und mit froher Genugthuung nahm - - • — *■ *■- —k. -i-— I gxjstfa belebte Antlitz zu fehen und seinen Worten zu lauschen. Ihre Phantasie fühlte sich dann jedesmal auf's Lebhafteste angeregt und schwelgte in genußvoller Ausmalung der Zukunft, die ihren Sohn gewiß einmal in den höchsten Stellungen des Staates sehen würde. Sie unterließ es auch nicht, ihm jedesmal ein Zehnmarkstück, das sie im Laufe der Woche, zum Theil vom Wirthschaftsgeld abgeknapst, zum Theil mit Maschinennähen verdient harte, verstohlen zuzustecken und ihm für den freundlichen Besuch in den herzlichsten Ausdrücken oder Ihn chlie erkr ohn sich Nei sie glei wei Mal -bild O -ihn ihn bre St den M Lus sre vol Ao Ich jak -El vo UN O dr wo S I A -gi G A 5 ffc ft f> d u ii Ä t e t s ( t 1 n i 19 ober vielleicht warst Du nicht ganz wohl," entschuldigte sie Ihn jedesmal selbst. Als er aber einmal zwei Sonntage hintereinander aus- Äieb, gerieth sie in lebhafte Besorgniß. Gewiß war er erkrankt und lag nun einsam und verlassen in seinem Zimmer ohne alle Pflege. Es hätte nicht viel gefehlt, so hätte sie sich noch an demselben Abend auf den Weg nach der Neuenburgerstraße gemacht. Der Vater und Carl mußten sie fast mit Gewalt zuriickhalten. Aber am nächsten Tage, gleich nach dem Mittagbrod, trat sie klopfenden Herzens die weite Reise per Omnibus und Pferdebahn an. Unterwegs malte sie sich aufgeregten Geistes allerlei düstere Phantasie- öilder. Wenn ihm nur nicht irgend ein Unglück passirt war! Q Gott! O Gott! Endlich langte sie an. Sie war überglücklich, als sie Ihn gesund und munter antraf. Zwei Freunde waren bei ihm: Herr von Markwald und College Wattenseld. Die drei Herren saßen bei einem fröhlichen Seat,- auf den Stühlen neben ihnen standen schäumende Gläser und auf dem Tisch paradirte ein gewaltiger Krug voll dunklen Münchener Bieres. Die alte Frau platzte wie eine Bombe in die kleine lustige Gesellschaft. Otto machte ein nichts weniger als erfreutes Gesicht. Aber in ihrer Aufregung entging ihr das vollständig. Die hellen Freudenthränen standen ihr in den Angen und sie herzte und küßte ihn, als sei er eben einer schweren Gefahr entronnen oder als hätte sie ihn nach jahrelanger Trennung Plötzlich wiedergefunden. Wattenfeld und Markwald standen bei Seite. Der Erstere schnitt ein ironisch gerührtes Gesicht, während Herr von Markwald sein Monoele aus dem Ange genommen hatte und angelegentlich mit seinem Taschentuch herumputzte. Auf Ottos Wangen flammte eine glühende Röthe. Eine peinliche Pause entstand, und der alten Frau drängte sich auf einmal das Bewußtsein auf, daß ihr Besuch von den jungen Leuten am Ende als eine unwillkommene Störung empfunden wurde. -/Ich gehe schon," sagte sie gleichsam entschuldigend zu Markwald und Wattenseld. „Lassen Sie sich nicht stören! Ich bin ja nur froh, daß Ottochen noch gesund ist." Sie machte wirklich Miene, sich wieder zu verabschieden. Aber Herr von Markwald protestirte höflich: „Nein, nein, gnädige Frau. Wir wollen Sie gewiß nicht vertreiben. Gestatten Sie, daß wir uns zurückziehen. Habe die Ehre! Adieu, Köster! Also heute Abend . . . . bei . . äh, . . . Dingsda!" Und ohne ihren weiteren Bitten, zu bleiben, Gehör zu 'schenken, griff er nach Hut, Ueberzieher und Stock, und stampfte, von Wattenfeld gefolgt, davon. Im Grunde ihres Herzens war Frau Köster eigentlich froh, ^daß die Herren gegangen. Es war das erste Mal, daß sie bei Otto war und es wäre doch sehr ärgerlich gewesen, wenn sie wieder hätte zehen müssen, ohne sich gehörig in seinem Zimmer umgesehen zu haben. Wie hübsch, wie elegant es bet ihm aussah! Vom Bett sah man gar nichts, das stand im Alkoven, der mit breiten Portisren verdeckt war. Mehr als bis zur Hälfte war das große Zimmer mit einem weichen Teppich belegt. Divan und Fauteuils waren von dunkelrothem Seidenplüsch. In der Nähe des Fensters stand ein moderner Diplomaten-Schreibtisch. Freilich, so gut hatte er es in der Rügener Straße nicht gehabt und sie konnte ihm eigentlich gar nicht verdenken, daß er sich hier wohler und behaglicher fühlte. Sie drehte sich lebhaft nach Otto herum, in der Absicht, diesem Gedanken Ausdruck zu geben/ aber das Wort blieb ähr in der Kehle stecken. Was hatte er nur? Seine Stirn war gerunzelt und er blickce finster vor sich hin. (Fortsetzung folgt.) Eine cause celebre in der schwedischen Gesellschaft. Aus Stockholm schreibt man: Eine Tragödie, deren Einzelheiten dem Scharfsinn des erfahrensten Psychologen unlösbare Räthsel darbieten dürften, hat seit einigen Wochen die schwedische Presse in eine ans Hysterische grenzende Aufregung versetzt. Es handelt sich um ein Familiendrama, in dem mehrere Vertreter des angesehensten schwedischen Hochadels eine bedauernswerthe Rolle spielen sollten. Die Vorgeschichte reicht um mehrere Jahre zurück und entwickelt in ihrem Verlauf eine ganze Romanfolge sensationeller Effeete, in der Familienhaß, weibliche Jntrigue, Perversität und Verbrechen um den Vorrang streiten. Es war am 14. De- eember 1895, als auf dem alten Adelssitze Broxvik in Oestergötland der Kgl. Kammerherr Taube von Block nach längerem Krankenlager verstarb. Etwa ein halbes Jahr später tauchten Gerüchte auf, denen zufolge der Verschiedene keineswegs eines natürlichen Todes gestorben, sondern einem heimtückischen Mordanschlage seitens seiner eigenen Gattin, Baronin Betzy Taube, zum Opfer gefallen sei. Die fraglichen Gerüchte wurden durch die bestimmt gehaltenen Aussagen mehrerer Dienstboten sowie eines Fräuleins v. Fägersköld, die als Braut des künftigen Majoratserben im Taube'schen Schlosse weilte, bestätigt. Die Mörderin sollte in der Weise zu Werke gegangen sein, daß sie ihrem kranken Gatten fortlaufende Dosen von Sublimat in die Medicin mischte, deren Einwirkung schließlich den Tod des Barons v. Taube zur Folge hatte. Auf Betreiben feiner Verlobten veranlaßte der junge Majoratsherr Evert v. Taube die nachträgliche Obduetion der Leiche, bei welcher Gelegenheit thatsächlich das Vorhandensein von Arsenik und Sublimat constatirt wurde. Polizei und Gericht nahmen nunmehr die Sache in nähere Untersuchung. Die Verdachtsmomente gegen die Gattin des verstorbenen Kammerherrn, der man neben extremer Bigotterie großen Geiz und ein geradezu- unnnatürliches Haßgefühl gegen ihren Mann und den einzigen Sohn vorwarf, häuften sich derart, daß der Staatsadvocat ihre Verurteilung wegen Giftmordes beantragte. Schon die Voruntersuchung gestaltete sich äußerst sensationell, indem sich einer der Belastungszeugen aus Furcht vor weiteren Aussagen ertränkte und mehrere andere in die verwickeltsten Widersprüche geriethen. Das K. Medicinaleollegium, in der Angelegenheit befragt, gab sein Gutachten dahin ab, daß die Vergiftung nur in der Weise erfolgt sein könne, daß dem kranken Kammerherrn das verderbliche Sublimat erst in den letzten Stadien seiner Krankheit beigebracht wurde/ andernfalls hätte der überwachende Arzt die unverkennbaren Anzeichen des Giftes weit früher wahrnehmen müssen. Neben dem Curialverfahren arrangirten die einander gegenüberstehenden Parteien ein weit angelegtes Jntriguenspiel, das durch geschickt ausgespielte Indizien-Beweise die öffentliche Meinung bald zu Gunsten der angeklagten Baronin Taube, bald zu Gunsten der Hauptbelastungszeugin, Fräulein Helga v. Fägerskjöld, beeinflussen sollte. Thatsächlich fehlte es nicht an Stimmen, die das ganze Gerichtsverfahren als einen gehässigen Feldzug des Fräuleins v. Fägersskjöld bezeichneten. Es wurde bekannt, daß letztere mit dem verstorbenen Kammerherrn vor ihrer Verlobung Beziehungen unterhalten habe, für deren Intimität ein lebender Beweis vorhanden ist. Ueberdies hat sich Fräulein von Fägerskjöld seit Kindesbeinen durch einen krankhaften Hang zur Kabale bemerklich gemacht. Das langwierige Gerichtsverfahren stand bereits vor seinem Abschlüsse, als zu Ende des vorigen Monats ein neues Ereigniß den Dingen eine völlig neue Wendung gab. Fräulein v. Fägerskjöld, die in Stockholm Aufenthalt genommen hatte, erhielt am 29. November, d. h. dem Tage vor der entscheidenden Hauptverhandlung in dem schwebenden Processe, ein anonymes Schreiben, in dem sie zu einem wichtigen Rendezvous nach einer entlegenen Vorstadtstraße Stockholms i l t i i' il a G d 8 8; u ik Ä z> ei hi E p' er di bl toi at D T en zw da O bei ha sch Gk hes Wi übi zär sie tot( ziel Zw Da schn ®e< mtd mei bin das veri tote woh in ! sage Seii Wes weit recht — 29 — Bratwurst. dellenbutter, hinzu, kocht Fleischstücke Tafel. * * einqeladen wurde. Der Briesschreiber, hieß es, hätte ihr , bedeutsame Eröffnungen in der Mordaffaire zu machen. Auf Anrathcn ihres Rechtsbeistandes begab sich Fraulein v Fägerskjöld in Begleitung ihrer Wirthsleute wirklich zu dem Stelldichein, das auf 9 Uhr Abends anberaumt war. Um ein unauffälliges Zusammentreffen mtt dem mystischen Briefschreiber zu ermöglichen, blieb das genannte Ehepaar in einer Querstraße zurück, während Fräulein v. Fagerskiöld den bezeichneten Platz vor einem Neubaugerüste aufiuchte. Als die Wirthsleute nach Verlauf einer halben Stunde sich dem Rendezvous-Ort näherten, lag Fräulein v. Fägerstiold ohnmächtig aus mehrere» tiefen Kopfwunden blutend auf dem Gangsteige. Von dem Attentäter war nichts mehr zu sehen und zu hören. Die Verwundete wurde sofort in beste Pflege genommen und die Detectiv-Siation von dem Geschehenen verständigt. Während letztere die weiteren Nachforschungen mit allem Eifer emleitete, traf von dem Landgericht in Norrköping die Mittheilung ein, daß dort em Brief mit der Unterschrift Fräulein v. Fägerskjölds emge- qanqen sei, in welchem letztere sich selbst als Urheberin des Giftmordes am Kammerhern v Taube bezichtigte und des Weiteren die Absicht kundgab, durch Selbstmord aus dem Leben zu scheiden. Der Brief war kurz vor dem Stockholmer Ueberfall zur Post gegeben und stellte anscheinend eine geschickte Fälschung der Fägerskjöld'schen Handschrift dar. Einzelne Theile des Textes waren mit Bleistift verzeichnet und dann mit Tinte nachgezogen, wie wenn der Verfasser die Absicht befolgt habe, alle graphologischen Nuancen möglichst getreu nachzubilden. Man kann sich Vorsteven, welches Aussehen durch dieses Zusammentreffen mystischer Umstände hervorgerufen wurde. Allgemein herrschte die I Ansicht, daß der Norrköpinger Brief und das Stockholmer I Ereiqniß einen gewissenlosen Machtstreich der Taube schen ! Familie darstellten, um den Mordverdacht auf Fräulem v. Fägerskjöld zu lenken. Die Sensation in der Stockholmer Gesellschaft und nicht minder im Schoße des Gerichts sollte jedoch ihren Gipfel erreichen, als Fräulein Helga v. Fägerskjöld nach einigen Tagen durch das Kreuzverhör des Chefs der Criminalpolizei derart in die Enge getrieben wurde, daß sie offen eingestand, nicht nur den Uriasbrief nach Norr- | köpinq verfaßt, sondern auch das Stockholmer Attentat selbst | in Scene gesetzt zu haben, - alles in der Absicht, die Richter von der Gefährlichkeit der Taube'schen Jntriguen zu überzeugen. Natürlich wurde die Verbrecherin alsbald in Hast genommen und ihre Ueberführung in das Löns- ! aefängniß zu Norrköping angeordnet. Angesichts dieser @nb I Hüllungen, bemerkt ein Stockholmer Blatt, hat sich tn dem Charakter des jetzt hinter Schloß und Riegel sitzenden Fräuleins v. Fägerskjöld ein wahrer Abgrund von mora- | lischer Verkommenheit geoffenbart. Wie kam das junge j Mädchen, das durch Namen und gesellschaftliche Stellung | mit den ersten Familien des Königsreichs in Berührung stand, dazu, einem Manne das mörderische Gift beizubringen, als bereits der Tod seine ehernen Runen in die Wangen des Kranken gezeichnet, — einem Manne, zu dem sie selbst die intimstem Beziehungen unterhalten! Welchen Grund, fragt man weiter, hatte die Verbrecherin später, nachdem sie die Verlobte des Majoratserben geworden, daß sie gegen ihre künftige Schwiegermutter mit den wahnwitzigsten Bezichti- qungen hervortrat, wodurch sie sich neben Anderem der Gefahr aussetzte, die Zuneigung ihres Bräutigams wieder .n verlieren. Und dann schließlich die raffinirt ausgedachte Jnscemrung eines gewaltthätigen „Uebersalles", dessen moralischer Eindruck die Schlinge, in der die verdächtige Baronin Taube sich befand, vollends zuziehen sollte.. Für eine derartige Handlungsweise giebt es nur zwei erklärende Grundlagen: entweder bietet die endlich im eigenen Netz ge- sanaene Verbrecherin ein Beispiel extrementarteter Hysterie bar _ und dann wäre zur Beurtheilung ihres Thuns nicht R-dacti-n: 8L Schryda. - Druck und »erlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruck-re. (Pretsch & Scheyda) m ®te8‘n> der Richter, sondern der Psychiater am Platze — oder aber ihr sittlicher Vorstellungskreis bewegt sich auf einem Niveau, wo das Gelüst zum Verbrechen als ein Bedürsniß der aanzen, pervers verdorbenen Gefühlsrichtung anzusehen ist. Im letzteren Falle träte der Gegensatz zu der hohen, gesellschaftlichen Bildung der Verbrecherin in einem geradezu grausamen Mißverhältniß ans Tageslicht. GeinernnAtziges. Rothe Rüben als Gemüse. Die gewaschenen, weichgekochten, geschälten Rüben werden gröblich geschnitten, und mit einem, in Butter gebräunten Löffel Mehl, einer Taffe saurer Sahne, einer Prise Salz und etlichen Gewurz- körnern eine halbe Stunde gedämpft, während dessen man wiederholt einige Löffel starker Bouillon aus Liebigs Flersch- Extract zufüvt. Man giebt dies in Deutschland wemg bekannte, sehr geschmackvolle Gemüse zu Rindfleisch oder Gedämpftes Rumpsteak. Von dem Nieren- oder Schwanzstück einesdreibis vier Tage geschlachtetenOchsen werden etwa zwei Ctm. dicke Scheiben im Gewicht von zusammen zwei Kilo geschnitten, diese geklopft, auf beiden Seiten in Butter braun gebraten und mit soviel Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extract überfüllt, daß sie davon bedeckt sind, auch fügt man einen gehäuften Theelöffel Senf, etwas Pfeffer, Salz und eine Prise Cayenne hinzu. Nach einmaligem, raschen Auskochen der Sauce stellt man die gut zugedeckte Casserole seitwärts, so daß die Steaks langsam dampsen. Inzwischen schwitzt man in hellbrauner Butter zwölf kleine Zwiebelchen, ebenso viele Champignons und klein geschnittencv Wurzelwerk gelb, thut Alles zu den Steaks, verdickt die Brühe mit einem Löffel Schwitzmehl, fügt em Stuck Sarden Saft einer Citrone und ein Glas Portwein die Sauce damit auf und giebt die tranchirten mit kleinen gebratenen Kartoffeln garnirt zur Hrrrnoristisches. Aus „Lustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer 10 Pfg. — Nicht anders denkbar. „Härn Se, Herr Haubd- mann, Sie sein also ooch aus Drüsen?" „Allerdings aber woher wissen Sie das?" „Na, Se harn sich ja ins Fremdenbuch als Haubdmann a. D. eingeschrieben." — Gedankensplitter. Mancher, der zu schwarz sieht, geht zu einer jener dunklen Existenzen, die sich Hellseher nennen, und laßt sich etwas weiß machen. — Giebst Du jedem Menschen das, was er für sein höchstes Glück hält, und sragst Du ihn nach einiger Zeit, ob er nun glücklich sei, er wird mit dem Kopse schütteln. — Thue Recht und scheue Niemand, heißt es wohl, aber die Leute thun lieber Unrecht und scheuen erst recht Niemanden. — Aus der Sprechstunde. Arzt: „Haben Sie Schlaf?" Kranker: „Ja!" Arzt: „Haben Sie Appetit?" Kranker: „Ach ja — wenn Sie vielleicht etwas zu essen da haben?" — Gut gegeben. „Gnädiges Fräulein sitzen so allein, so ganz ohne Schutz hier 'n den öden Anlagen — darf ich mich Ihnen anschließen? „Aber, mein Herr, tote kann ein Mann furchtsam sein? Freundliches Entgegenkommen. (In der Buchhandlung.) „Ich möchte Kants „Kritik der reinen Vernunft!' — „Bedauere, „Kritik der reinen Vernunft" ist leider nicht vorräthig! . . Kann ich Ihnen vielleicht mit „Wahnsinn ober | Verbrechen" dienen?" <6 A I „weil i das t i eine i ihn e Wie । Lippe vor s „diese ihnen Haftei spreni vor s drießl nimm hättef schlag höchst ihr st bis a stuhl ohne