Nr. 105 i Qm! ■Mir Js!/er Acker bringt nicht Frucht allein, pU# Gott muß ihm geben das Gedkih'n. Sprichwort. Felsgarten. Roman von Clara Bücker. (Fortsetzung) Lachend lehnte sich Erder zurück: „Mit dieser Sehnsucht stehen Sie vollkommen auf dem Standpunkt meiner Tochter — erlaube, Ines, Herr Wulsten — erst in reiferen Jahren werden Sie meiner Auffassung sich nähern. Nun, nun, zwei Heißsporne gegen einen Sanftmüthigen, da streiche ich die Segel!" Sie lachten zusammen. Ines klappte den eleganten Jmbißkorb auf und präsentirte nächst dem Vater auch Wulffen ein Besteck. Er erröthete, nahm an und aß mit ihnen,- Ines hielt eben ein Lachsbrödchen in der Schwebe, als sie bemerkte: „Nun haben wir Brod und Salz getheilt, jetzt sind Sie unser." Und sie biß zu. „Das ist mehr, als ich erwarten kann." „Wer so wie Sie über die Kunst spricht, dem muß sie nahe stehen." „So weit es bei einem Dilettanten möglich ist," gab Heinrich niedergedrückt zu. „Erst hören," versetzte sie. „Aber Sie, gnädiges Fräulein?" „Ich bin Papas Tochter." „Ines hat ihre Studien in Paris abgeschlossen. Sie soll in Berlin vor dem Intendanten singen, das heißt pro forma, gehört hat er sie schon, die königliche Oper ist ihr sicher." „Selbstverständlich," sagte Heinrich aus tiefster Ueber- zeugung, die Blicke voll heiligen Bewunderns auf das Götterkind gerichtet) der reichste Glückwunsch hätte nicht so viel aussprechen köunen wie das eine Wort. Ines hob die großen Augen fast schüchtern zu dem Manne voll solch starken und unverborgenen Empfindens. Papa Erder beendigte inzwischen seine Atzung, dann wurde es Zeit, die Siebensachen zusammenzulesen, denn Berlin war bald erreicht." „Schade," sagte Ines, noch einmal Heinrichs Blick suchend. Dieser Blick verursachte ihr Herzklopfen,- soviel ungekünstelte, vornehme Natur hatte sie noch nicht angetroffen. „Nun, nun," erklärte Erder, „man wird doch klüger handeln, als ein ungefährer Zufall, nicht wahr, Herr Wulffen? Glauben Sie, Bewunderer hat man in Unmasse, Verständniß- volle findet man fast nie. In diesem Sinne biete ich Ihnen meinen Verkehr an. Fühlen Sie morgen oder in wenigen Tagen genau wie heute unsere Uebereinstimmung, so suchen Sie uns in unserer Clause auf. Hier ist meine Karte!" „Die uns nach dem Erholungsaufenthalt auf Rügen besonders anheimeln wird," setzte Ines hinzu. Heinrich dankte warm, begleitete die neuen Freunde zu einer Droschke und suchte dann erst sein Junggesellenheim auf. Noch die nächsten Tage fanden ihn als Berauschten. Der bloße Gedanke an die Kneipe widerte ihn an, seitdem er vor dem begnadeten Weibe kniete. Ohne Neid sah er im Concert Vater wie Tochter von den Bewunderern umdrängt, die einen Wall gegen einen einzigen Verständnißvollen bildeten. Ines' Schönheit wirkte an diesem Abend dämonisch. Köstliche schwarze Spitzen über einem goldfarbenen Seiden- ; kleid, Granatblüthen im Haar und an der Brust — Heinrich \ mußte sich zwingen, dem fein poinrirten, meisterhaften Cellospiel ihres Vaters zu folgen. Verstand und Sinne wurden ihm gleichzeitig aufgewühlt, der Schlaf seiner Nächte, die Freudigkeit seines gesunden Daseins waren dahin, die entfesselte Leidenschaft hob sich gewaltig, doch auch majestätisch über seinem Leben, er aber jauchzte ihr zu. In der nächsten Zeit ging er zu Erders. Ein Kammerkätzchen führte ihn durch ein orientalisch eingerichtetes Wartezimmer in einen Salon von düsterer Pracht,- schwere rothe Seide drapirte Möbel, Fenster und Wände, dazwischen standen weißleuchtende Marmorbildwerke. ' Ein Damenzimmer nebenan konnte man Überblicken, es i schimmerte in weißer, zartgeblümter Seide, die noch von den bemalten Porzellanen am Kamin, an der Standuhr und an den Wänden übertroffen wurde. Durch dieses fürstliche Gemach kam Ines, als Erder ihn begrüßte. „Also Wort gehalten," sagte sie, ihn anlächelnd, wie Frauen lächeln, die bezaubern wollen. Ein Schauer fuhr durch seinen Körper, stumm hielt er ! ihre Fingerspitzen und ließ sie wieder entgleiten, der strengen Sitte seines Elternhauses gemäß, nach welcher der Handkuß j allein der verheiratheten Frau gegenüber gestattet war. 418 Ines, an ganz andere Huldigungen gewöhnt, schmiegte sich in einen der rothen Sessel, zupfte am perlglitzernden Tüll ihres Kleides und hörte vorerst dem Gespräche der beiden Herren zu. Diese beschäftigte natürlich das vorgestrige Eoncert. Als indeß Beider Weisheit immer systematischer wurde, sprang sie empor, riß eine Thür auf, die zu einem vollendet eingerichteten Musikzimmer führte, präludirte auf dem Flügel und sang unvermittelt mit eigener Begleitung das Gebet aus dem Freischütz: „Leise, leise, fromme Weise", das ihrer jugendlich schmelzenden, vollen Stimme allerdings bezaubernd lag. Stumm waren ihr die Männer gefolgt. Im Geiste kniete Heinrich vor ihr, küßte er ihren Kleidersaum. Doch kaum verhauchte der letzte Ton, so fuhr sie auch schon herum: „Das, meine Herren, ist Kunst, und ziemt sich unter Künstlern zum Gruße. Alle trockene Rederei bleibe dem tiftelnden Kritiker, für den frei Schaffenden und frei Fühlenden ist sie ungehörig. En avant, Herr Wulfsen. Papa neulich, die Tochter jetzt eben, nun dürfen auch sie nicht länger zögern. Pst, kein Wort! Violine? Natürlich. Dort im Schrank finden Sie Auswahl, warten Sie!" Dabei sprang sie auf einen Rohrstuhl, den sie vorher an jenen Schrank geschoben, und reichte ihm mehrere werthvolle Geigen zu, kleine Geschichten von ihnen mit süßester Stimme plappernd und ziemlich energisch die eben geprüfte in ihr Fach zurückschiebend. „Sie gehen achtlos mit so kostbarem Material um, gnädiges Fräulein," sagte Wulffen endlich. „Bewahre!" sagte sie kalt. „So haben Sie wenig Herz für Ihre Instrumente," wagte er nochmals zu tadeln, während er den klingendreinen Ton einer Amati prüfte. „Bah, ein hölzerner Kasten, gut genug, des Künstlers Seele nachzuzittern. Mein Sclave, sonst nichts." Wulffen hätte kein Mann sein müssen, um diesem glitzernden, verführerischen Mädchen auf solche Worte hin nicht rücksichtslos ins Auge zn sehen: „Sclave? Du, hüte Dich. Ines zitterte unter dem dunklen Blick, indeß Wulffen, von aller Benommenheit befreit — er betete nicht mehr an, er herrschte — sich gefaßt an Erder wandte. „Sie müssen sehr reich sein, Herr Erder, daß Sie solche Schätze häufen können." „Ich nicht," erklärte der Angeredete. „Alles, was Sie hier sehen, rührt von einem begeisterten Kunstkenner her, der mich von Jugend auf gern hatte und in wahnsinniger Vorliebe für mein Künstlerleben überall hin begleitete. Selbst meine Verheirathung konnte ihn nicht verscheuchen, er übertrug im Gegentheil seine Anhänglichkeit auf Ines. Vor zwei Jahren starb er, bald nach meiner Frau, sein Vermögen hatte er wohl selbst überschätzt. Der Rest gehörte Ines — nun, sie ist ihrem alten Großpapa, wie sie den Freund nannte, in der Verschwendung ähnlich geworden. Ehe sie als Künstlerin festen Fuß faßt, wird sie reinen Tisch gemacht haben." „Laß doch die alten Geschichten, Papa, hin ist hin." Damit schüttelte sie ungeduldig ihre Armbänder zurück. „Herr Wulffen soll spielen. In seinem Gesicht liegt viel Musik, die Eure kalten Daten und Erklärungen verschlingen. Bitte." Aehnlich einem verzogenen Kinde schlug sie die Augen bei gesenktem Kopfe zu ihm auf, zog sie das bittende Wort schmollend in die Länge, daß Wulffen bezwungen den Bogen ergriff und sich leicht verneigte. „Ich bin aber kein Künstler, vergessen Sie das nicht." Nachdem der Bogen gestrichen und die verzogenen Saiten gestimmt waren, spielte er eine ernsthafte Suite von Wieniaswski; voll und edel wurde er dem Componisten gerecht, als ihm die Idee kam, der zauberischen, tollen, launischen Ines eins aufzuspielen. Hell klirrten die Saiten, indem er dem Einfall folgte; wie electrtsirt horchten die beiden Hörer auf. Dann ward es ein Jauchzen und Girren, von einem trotzigen Ton durchschnitten, ein erhabenes Einschreiten, von jähen, glänzenden Triolen unterbrochen, ein betäubendes Schmachten, dem sich ein Hymnus auf die Schönheit anschloß, wobei der Träumer sich eigentlich allein fühlte und sein machtvolles Empfinden gleichsam als die Gabe eines Eroberten der Gefeierten zu Füßen legte. Ines schlug die Hände zusammen, als er geendet, und frohlockte laut: „Was sind Sie für ein großer Künstler, Wulffen!" „Sie müßten mir aufs Podium," rief Erder, ihm beide Hände bietend. „Das war die Eingebung eines Genies, nicht wahr? Und hieß?" „Ines," sagte er wie im Traum. Er erschrak so wenig über die Dreistigkeit, wie die beiden Anderen. Hier galt das Enthüllen tiefer Innerlichkeiten für Recht, und Ines' schnellerer Herzschlag entstammte allein dem Triumph, derart gesiegt zu haben. Einige erwartete Gäste kamen herzu, man ließ Wulffen nicht Weggehen. Nach Tisch wurde musicirt, dann war die Zeit der Oper, ihr folgte der Thee. —Stunden, Tage und Wochen rauschten mit solchem allfarbigen Glitzern über diese Künstler dahin. Kam ihnen das plötzliche Besinnen, das Bewußtsein eines Wehs, so schöpften sie daraus den erneuten Gestaltungsdrang und rasten weiter bis zur nächsten Schmerzensstunde. Für Heinrich kamen diese nun täglich, für ihn hießen sie Liebessehnen. So trotzig faßte ihn die Leidenschaft oftmals, daß er rang, als sei ein körperlicher Gegner zu besiegen, aber das Feld behauptete sie immer; zwar ge- demüthigt zum bloßen Drange, die Geliebte nur sehen, nur hören zu können, doch immer fühlbar in seinem flimmernden Blick, den hämmernden Pulsen, dem verworrenen, betäubten Denken. „Plagt Sie der Genius?" pflegte Ines ihn zu fragen, wenn er in dieser Verfassung vor ihre Augen kam. Zuerst scherzte er wohl über sich, bis ihm das Herz immer schwerer ward im Wunsche, von ihr doch verstanden, in seinem harten Ringen gewürdigt zu werden. Ein weicher Blick, ein ernstes Niederschauen, vielleicht ein zaghaftes Schmiegen der Finger mußten ihm ja Balsam werden. Doch nein, er that ihr unrecht. Die von Vielen umworbene Künstlerin muß ihren Ernst, ihre Würde als Innerlichkeit für sich behalten — gewiß, er durfte nichts verlangen, bevor er seine ehrenhaften Absichten nicht erklärt hatte. Damit mehrte sich seine Pein. Wie würde ihr Vater, wie gar seine Mutter darüber denken? Keinem würde recht sein, was seine fiebernde Sehnsucht kaum erwarten und nie, niemals aufgeben konnte. In dieser Stimmung kam er heute zu Erder, dem er jetzt fleißig bei seiner Partitur half. Es wollte nicht so recht gehen, unruhig setzte er ab und begann wieder, bis Erder ihn lächelnd zu Ines nach dem Musikzimmer nebenan schickte. Sie hatte hier geübt. Sonst ließ sie sich gern von ihm begleiten, diesmal sprang sie nervös auf. „Mir ist, ich weiß nicht was," spottete sie zornig und unruhig. „Ist denn Weinen so schwer? Thränen würden mir gewiß helfen." „Thränen? Ines! Glücklich sollst Du sein, die Du Seligkeiten schaffen kannst," stammelte er, nicht fähig, nun sie ebenfalls litt, an sich zu halten; er nahm sie in den Arm und küßte sie mit sich steigernder Gluth. — — „Sie bleiben zum Abend hier, lieber Wulffen! Wir erwarten nur zwei Gäste; ein dünner Mosel liegt auf Eis. Hoffentlich ist Ines in besserer Laune, als Vormittags!" Nun erst fiel ihm ein, daß Ines ihm kein Recht ge- gegeben hatte, die volle Wahrheit zu sagen. So mußte es wenigstens theilweise geschehen. „Ob ich bleiben darf, ist die Frage, Herr Erder. Fräulein Ines und ich schlossen heute einen Bund — herzlichster Freundschaft — ich will es nicht verbergen. Ihre Meinung darüber —" „Ich sah das kommen, lieber Wulffen. Meine Meinung? Ines als Künstlerin — und die Kunst wird ihr kein Feind abstreiten — darf nicht wie ein Pensionsmädchen gehalten werden. Darüber, wie über Ihre Ehrenhaftigkeit keine Vorschriften. Doch ebensowenig darf man sie ihrer Kunst ent- retsen — Blödsinn, was rede ich da! Sie selbst sind hoch begabt, wagen Sie den Sprung in unsere Höhe, mit den paar Vorurtheilen bricht sichs schneller, als mit der ganzen Wesensrichtung." Er balancirte den Bleistift zwischen den weißen, wohlgepflegten Fingern- die andere Hand im eleganten Haar vergraben, sprach er schnell und leicht, für den Entschluß des Anderen gleichsam vorbildlich. Heinrich sann, biß auf die Schnurrbartendchen und sagte endlich: „Lassen Sie mir Zeit, ich muß selbst erst wissen, wie ich meine Mutter auf die Aenderung vorbereite." Erder lächelte unter schonendem Vorbeisehen, ließ die Liebenden eine selige Stunde lang allein und arrangirte einen der tollen kleinen Abende, in denen, die Kunst als geniales Nebenbei, die materiellen Genüsse in ausgesuchtem Geschmack die überschäumende Stimmung freien Künstlerthums erzeugten. Ines' Augen schimmerten Heinrich allein — er fühlte sich auf dem Höhepunkte seines Lebens. Glanz, Schönheit, Liebe, Reichthum, Kunst und Glück — wars nicht zu viel, zu paradiesisch? Beim Fortgehen züngelte bereits die Schlange an ihn heran. „Ein Krösus, dieser Erder," lachte einer der Künstler. „Unsereins kraucht nun wieder in seine Dachspelunke." „Nun, nun," gab spöttisch der Andere hinzu, „er versieht es wohl nur besser, heranzuschaffen, zudem heißt es da wie überall: Wie gewonnen, so zerronnen. Fürstliche Angewohnheiten fürstliche Mittel." Man sah auf Wulffen, sprach noch einiges Alberne und verabschiedete sich dann. — ^Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Die eben beendete Spargelernte ist, wie der „Practische Rathgeber im Obst- und Gartenbau" meldet, in diesem Jahre in Braunschweig nicht gut ausgefallen. Infolge des kalten Wetters, besonders im Mai, war die Ernte so gering, daß die großen Conservenfabriken ihren Bedarf bei Weitem nicht haben decken können und ist zu erwarten, daß die Preise für conservirten Spargel im Winter steigen werden. * * * Schlingrosen, die im Frühjahr gepflanzt wurden, machen erst nach dem Flor einen stärkeren Trieb. Um diesen zu unterstützen und damit den Zweck der raschen Bekleidung einer Wand zu erzielen, sind öftere Dunggüsse zu verabreichen. Die abgeblühten Ro en entfernt man rechtzeitig und schneidet die überflüssigen kleinen Triebe zum größten Theil aus, damit der Saft mehr in die jungen, kräftigen Triebe tritt. Vermischtes. Das Buch im Sprichwort. Ein gutes Buch lobt sich selbst. Wer ein gutes Buch verliert, verliert einen Schatz. Wer ohne Buch will Doctor sein, gehört in die Narrenschul' hinein. Bücher sind stumme Lehrer. Bücher und Harnisch soll man oft gebrauchen. Kein Buch so schlecht, es steckt was gutes drin. Man kann aus jedem Buche etwas lernen. Dicke Bücher und reiche Freunde trösten oft am meisten. Wer die Bücher läßt unversehrt, ist gewiß nicht allzu gelehrt. Neue Bücher, neue Lehrer. Ohn' Bücher studiren, heißt Wasser im Sieb führen. Ohn' Bücher ist böse studiren. Viel Bücher, wenig Lehrer. Wer Bücher machen will und bauen an die Gassen, der muß die Leute reden lassen. In schönen Büchern blättert man gern. Buch macht nicht klug. Bücher machen keine Weisen. Bücher geben keine Handgriffe. Bücher fressen und nicht kauen, ist ungesund. An ein schlechtes Buch macht man keine silbernen Clausuren. Schlechte Bücher lesen und Vogelstellen verdirbt manchen Ge ellen. Wenn in einem Buche ein Fehler ist, so ist er in allen Exemplaren des Buches. Viel Bücher, viel Jrrthum. Große Bücher, große Narren. Je dicker das Buch, je dünner der Geist. Wer alle Bücher ausführt, der wird gar leicht verführt. Bücher machen Narren und Weise, sagte Töffel, und las die Bibel rückwärts. Bücher geben wohl Na enstüber, aber sie thun nicht weh. Aus einem leeren Buche kann man keine Weisheit lesen. Ein böses Buch hat bisweilen einen guten Titel und eine redliche Stirn ein schelmisches Gehirn. Wei emmol im schwarten Bauke is, de kümmt sau lichte nit wieder ruter. Wer Bücher kauft und nicht liest, bei Tische sitzt und nicht ißt, auf die Jagd geht und nicht schießt, ist ein Narr, daß ihrs wißt. Es hat kein Buch so große Blätter, als das Buch: 's kann sein. Es wird kein Buch gemacht, der Neidhart muß es durchfahren. Das große Buch bringt den Pfarrer um (Groß Amt — große Sorge). Das ist ein schönes Buch, sagte der Bauer, und er las Faust's Höllenzwang. Vergoldete Bücher machen aus faulen Studenten keine Doctoren. Sieben alte Bücher Hecken leicht ein neues aus. Man muß das Buch nach seinem Titel nehmen. Man muß das Buch nicht nach dem Titel richten. Man liest eher ein gekauftes. Jahre lehren mehr als Bücher. Summarisch. Dame (zur neuen Köchin): „Ich muß Ihnen gleich zu Anfang bemerken, daß ich drei nicht Sachen vertrage: Rauchfleisch, panirte Schnitzel und — Widerspruch!" * * * Gegenleistung. Bettler (zur Hausfrau, die ihm ein reichliches Mittagsmahl gegeben): „. . . . So, g’freut hat Sie's, daß mir 's Essen so gut geschmeckt hat?! . . . Jetzt mach'» S' aber auch mir a' Freud' und schenk'» S' mir 'was auf an' Schnaps!" Literarisches. § Mit Nr. 40 von „Dies Blatt gehört der Hausfrau!" (Druck und Verlag Friedrich Schirmer, Berlin SW., Neuenburgerstraße 14a) liegt uns die erste Juli-Nummer dieser weitverbreiteten, vielgelesenen Hausfrauenzeitung vor. Die Zeitschrift bietet für den geringen Preis von vierteljährlich 1 Mark 40 Pfennig (zu beziehen durch alle Postanstalten und Buchhandlungen^ neben wirklich guter Unterhaltungslectüre aus der Feder bester Autoren, — gegenwärtig ein Roman von Viktor Blüthgen — werthvolle, die verschiedensten Fraueninteressen streifende Leitartikel, welche aber durchweg einen gemäßigten Standpunkt vertreten. In einer Fülle von größeren Artikeln über Gesundheitspflege, Rechtsbeistand, Pädagogik rc. sowie kleineren Notizen in allen Zweigen der Hauswirthschaft, in Küche, Keller, Hof und Garten rc, wird das Blatt den vielseitigsten Interessen gerecht. Eine unerschöpfliche Fundgrube für fleißige Frauenhände bietet den Damen der Mode- und Handarbeits- theil, wobei jeder neuen Mode Rechnung getragen wird, ohne doch einem excentrischen Geschmack zu huldigen. Außerdem erleichtern monatliche Schnittbogen, sowie die auf Wunsch nur für Papier- und Portokosten von 35 Pfennig gelieferten Schnitte nach Maß wesentlich die Anfertigung der Garderobe; besondere Berücksichtigung findet die Kindergarderobe. Eine interessante illustrirte Beilage „Aus aller Welt — für alle Welt" richtet die Blicke der Hausfrau über die Grenze des Hauses auf die Weltereignisse, während eine besondere Romanbeilage dem erhöhten Lese- bedürfniß entgegenkommt. In den beiden allmonatlichen Gratisbeilagen „Das Blatt der jungen Mädchen" und „Das Blatt der Kinder" findet auch die Jugend ihre Rechnung. So bietet das Blatt jeglichem Familien - mitgliede das, was er braucht: geistige Anregung und materiellen Nutzen durch practische Rathschläge. — 420 — und überaus duftige Garnituren. Nr. 1016. glatt angesetzte Theil hingegen ist so ge- Nr. 121. Nr. 124. Nr. 122, mitsammt dem Gürtel nach links über. Die Modelle, die in unseren Berichten veranschaulicht werden, sind sämmilich ausprobirt und die Schnitte dazu sind, was ein großer Vortheil ist, durch die Int. Schnittmanufactur, Dresden, allen geschätzten Leserinnen um billigsten Preis zugängig. Farben, zarte durchsichtige Stoffe Gaze und Chiffon, Seioenmousselin und leichte Seide, Spitzenstoff und Applicationen, Bortenbesatz und Soutachenäherei, alles dies und noch vieles mehr bietet die Mode in unendlichen Variationen. Doch daneben findet auch das Einfache und Solide die gebührende Beachtung, und besonders bei kühlem Wetter kommen die glatt anliegenden, fast schmucklosen Schneiderkleider voll zur Geltung. Obgleich diese Mode durchaus nicht aus der Neuzeit datirt, so paßt sie sich doch immer wieder der vom Westen herkommenden Tagesmode auf das Beste an; u«d so auch in diesem Jahr. Demnach sind die Aermel fast ganz anschließend, nur die alleroberste Kugel zeigt noch einen kleinen Rest von Erweiterung. Die Röcke fallen sehr schlank von oben bis unten und in einzelnen Fällen Vorderthcil bildet. Obgleich man demnach mit, den Modeneuheiten dieses Jahres zufrieden sein könnte, so taucht doch schon wieder eine andere Kleiderform am Horizont besken besetzt. Unter den anderen Kleiderformen dominirt entschieden die Blousenform mit ihren zahlreichen Variationen. Ist sie doch eine der kleidsamsten Kleiderformen; den Allzuschlanken giebt sie die gewünschte Fülle und die Starken erscheinen darin schlanker. Dabei sind sie nicht schwer herzustellen, denn eine geschickte Hand vermag mit Leichtigkeit ein Blousenarrangement auf ein anliegendes Futter zu ordnen. Diese Arrangements wieder sind so verschiedenartig und vielgestaltig, daß von Einförmigkeit kaum die Rede sein kann. Da find zunächst die glatten oben am Hals beginnenden und im Taillenschluß endigenden einfachen Faltenlagen. Dieselben sind entweder eingereiht oder zeigen sie sogar die moderne Schnittform mit glatt angesetztem, nach unten breit ausfallendem Serpentinvolant. Ganz besonders aber macht sich am modernen Schneiderkleide die Besatzmode geltend, denn sowohl Rock als auch Taille weisen meist eine Garnitur von ausgr setzten Borten Der bald verflossene Frühling hat uns zwar den Sonnenschein und das schöne Wetter zum größten Theil verweigert doch die Mode scheint nichts davon wissen zu wollen, denn in den Schaufenstern und in den Geschäften erscheint Alles, als ob draußen der schönste Lenz wäre. Ueberall leuchtende, frische S,,M * """ " oben dagegegen glatt anliegt. Den oberen Ausschnitt füllt feingefaltete Seide und die Revers sind mit feimr Passe- menterie bedeckt. Das kleine Schößchen wird extra mit dem Gürtel umgebunden und ist rings um den Rand mit schmaler Passementerie ausgestattet. Besonders be- merkenswerth an diesem Costüm ist der Rock. Derselbe hat, wie gewöhnlich, ein ziemlich schmales Vorderblatt. Das Seiten- und des Modehimmels auf. . Es ist diese die Princehform. Allerdings steht noch zu erwarten, auf welche Weise sich dieselbe weiter entwickeln wird, denn sobald eine frühere Mode sich niederholt, kann man sicher sein, daß sie eine Metamorphose durchmacht, welche sie ganz und gar verändert. Fürs erste werden die Princeßkleider so gemacht, daß nur Rücken und Seitentheile in Princeßform geschnitten sind, während die Vorder- theile Blousenform erhalten. Auf diese Weise ist auch nebenstehendes Princeßkleid Modell Nr. 124 arrangirt. Die vorderen Blousentheile erhalten einen Einsatz von Chiffon, welcher an beiden Seiten von breiten, mit Posamenterie bedeckten Revers begrenzt wird. Gleiche Revers decken die Seitennähte des Vorderblattes, das extra unter einem kleinen Gürtel angesetzt wird. Die Hintertheile sind vollständig garniturlos. Der Schluß dieses aparten Kleides geschieht in der vorderen Mitte und backt das Vordertheil des Rockes von der Mitte an, voll wirkt das Stehbündchen und der Gürtel aus schwarzer Tasfetseide. Beide schließen in der Hinteren Mitte unter einer großen Schleife, welche am Gürtel noch lange Enden erhält. . . Ein anderes modernes Blousenarrangement besteht bann, die Blousentheile entweder in der Mitte mit einem abstechendenLängseinsatz zu versehen oder an einen collerartigen Einsatz zu setzen. Den Ansatz deckt dann entweder ein Volant oder er ist verschieden geformt und ausgebogt oder aber er erhält Revers in den verschiedensten Formen ausgesetzt. Eine derartige Blouse veranschaulicht Abbildung Nr. 121.. Es ist dies eine auf festes Futter gearbeitete Blouse, welche nur im Taillenschluß überhängt, oder Litzen, sehr oft auch Besatz von aufgesteppten Atlasblenden auf. Der Schnitt dieser Kleider, besonders der Taillen, bleibt sich fast immer gleich. Es ist dies der sogenannte englische Schnitt mit durchschnittenem Vordertheil und Rücken. Dazu wird die Taille hinten melstens mit einem kleinen gesteiften Frackschößchen gearbeitet. Auf diese Welse ist auch unser Modell Nr. 122 geschnitten. Dasselbe stellt em modernes Schneiderkleid aus steingrünem Covertcoat dar. Dre englische Taille sowie das Vorderblatt des Rockes sind mit dunkleren Borten in großen Ara- in Falten geordnet; oft auch ist Beides angewendet, indem der Theil zwischen den Falten gereiht wird. Ein derartig gereihtes Vordertheil wird meist mit einer passenden Garnitur versehen. Dieselbe besteht entweder in längs und quer gesetzten Stickerei- oder Spitzenstreifen, welche wiederum mit schmalen Bändchen oder Rüschchen abgekantet sind. Häufig sind diese aufgesetzten Quadrate auch so geordnet, daß^sie schräg laufen, also auf der Spitze stehen. Jedenfalls läßt sich dieses Motiv in der verschiedensten Weise verwenden. Eine sehr hübsche Art zeigt Abbildung Nr. 1016. Cs stellt dies ein Helles Waschkleid dar, dessen Vordertheile in drei breite Quetschfalten geordnet sind. Auf diese Falten sind breite Stickereistreisen auf- qesteppt sund die Zwischenräume sind dreimal mit drei Querblenden besetzt Die eckigen Epaulettes bestehen aus Stickerei. Besonders reiz- Bericht üver Sommermoden, bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannsaetnr, Dresden. Reichhaltiaes Modenalbum und Schnittmusterbuch für 50 Pfg. daselbst erhältlich. Hinterblatt hingegen ist so geschnitten, daß es quer, in nach oben aufsteigender Form durchschnitten ist. Der obere Theil ist ziemlich eng und besonders um die Hüften ganz glatt anliegend. Der untere, g«u schnitten daß er am unteren Rand sehr weit ist und in graziöse Falten fällt. Den Ansatz deckt eine breite Posamentenborte. Diese Art Röcke bilden die letzte und auch bte durchgehendste Tagesmode und findet man unter diesen wieder die verschiedensten Variationen. Bald ist der Volant gleichmäßig ringsum angesetzt; bald die Ansatznaht Wellenlinien; dann wieder steigt der Volant von vorn nach hinten auf, und bann wieder läuft er hinten und an den Selten gleichmäßig ringsum und steigt vorn bis zum Gürtel auf; auch sieht man ihn häufig so geschnitten,, daß er in der vorderen Mitte zugleich das JA pa? Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.