Das Fräulein. Roman von E. Vely. (Fortsetzung.) „Kind, bedenk' Dich Wohl, alles Geld und alle Vornehmheit bedeuten nichts, wenn man sich nicht innerlich zufrieden fühlt —! Wie im Eltcrnhause kannst Du weiter leben, wenn Du auch einen armen Mann wählst. Ich gebe mein Jawort — wenn auch" eine Gebärde nach der Thür, hinter welcher ihre Mutter weilte, „hierin soll Niemand etwas zu sprechen haben, als Du und ich." Und es war wie ein heiliger Ernst auf seinem Gesichte gewesen. „Ich bin zufrieden, Papa — um die Partie, welche ich mache, wird man mich beneiden. Sehr viel Geld zu sehr vielem Gelde, Du weißt, ich bin nicht romantisch, das liegt nun einmal nicht in mir/ Und dann hatte das Leben begonnen, wie es jetzt war, mit sehr viel Aeußerlichem — und immer nur Aeußerlichem. Es regnete, schwere Tropfen schlugen an die Fenster, der Gang durch den Thiergarten war für Line und ihre Schutzbefohlenen heute kein angenehmer gewesen. „Brr! welch ein Wetter !" machte Frau Ebba — „aber ich habe doch eine Commission für Sie, Fräulein — eine, die Tact bedingt." „Ich steht' zur Verfügung, gnädige Frau!" Ein ganz leises Zucken um die Lippen der Anderen — dieser Versicherung hätte es von der Untergebenen nicht bedurft. „Nehmen Sie eine Droschke und fahren Sie nach der Flottwellstraße — unser Wagen würde dort unnützes Aufsehen erregen." W fei stark, mein Herz! Ertrage still Der Seele tiefes Leid. Denk', daß der Herr es also will, Der fesselt und befreit. Und traf Dich seine Hand auch schwer, In Demuth nimm es an; Er legt auf keine Schulter mehr, Als sie ertragen kann. Halm. Sie hatte mit einem Papierstreifen gespielt, den legte sie jetzt neben die Bilderbücher, welche die große Tischplatte bedeckten. Hier ist eine Adresse: In diese Familie ist heute ein Knabe aus dem Krankenhause zurückgebracht. Seh'n Sie sich die Häuslichkeit dort an, finden Sie heraus, welches die nöthigsten Bedürfnisse sind. Um sehs Uhr wird der Arzt kommen, mit dem sprechen Sie das Fernere, um mir seine Wünsche mitzutheilen." Sie ließ einen prüfenden Blick über die schlanke Gestalt gleiten, neben der Henny stand, das blonde, unschöne Köpfchen an sie geschmiegt. Dieses Mädchen hatte etwas Besonderes, die herbe, kühle Schönheit einer Diana. Bah — nur ein Vergleich freilich, aber Augen, die zu sehen verstanden, die mußten das bemerken. Line richtete sich auf, mechanisch streichelte sie das Kinderhaupt, eine angstvolle Ahnung befiel sie. — Wenn sie durch eine lächerliche Verkettung der Umstände gezwungen war, dem Menschen, der sie so schwer beleidigt hatte, gegenüberzutreten. Nein, keine falsche Empfindsamkeit. Aber der Gedanke war so lebhaft in ihr, daß sie ihn äußerte. „Heißt dieser Arzt — Doctor Hallsberg?" Ebba Lund sah sie überrascht an, dann zog ein feines Roth über ihre Wangen. „Ja — kennen Sie ihn? woher wissen Sie, daß —" „Ich sah neulich, — daß dieser Herr angemeldet wurde," brachte Line hervor, bemüht, die Erregung zu verbergen. Ein kurzer, lachender Laut. „Ach, sehen Sie doch! Obwohl Ihre Augen und Ihr Gesicht eine große Gleichgültigkeit gegen das, was um Sie her vorgeht, zur Schau tragen, wissen Sie ganz genau um Alles. Ja, es ist der Doctor Hallsberg — Wohlthätigkeits- bestrebungen führen ihn zu uns." Und plötzlich kam ihr die Schönheit des Mädchens noch leuchtender, aufdringlicher vor — sie warf den Kopf zurück. Aus dem blassen Gesicht mit den dunklen Augen schien ihr Feindseliges zu blicken, etwas Ueberlegenes. Sie stützte, sich erhebend, die Linke auf die Tischkante und zog Henny mit einer raschen Bewegung an sich. „Und da fällt mir ein," sagte sie langsam, daß ich eigentlich viel mit dem Doctor zu besprechen hätte — ich will selber hinfahren — Fischern," rief sie nach dem Nebenzimmer hin, „sagen Sie doch hinunter, daß man sofort das Coupee anspannen und vorfahren läßt." 282 Sie nahm die Adresse wieder an sich, bot den Kindern flüchtig die Wange, nickte Line zu und verließ das Zimmer. * * * Die nervöse kleine Frau zuckte zusammen unter dem grellen Pfeifen der nahen Eisenbahn — hu! wer hier wohnen müßte, um das immer zu hören! Und diese lärmenden Kinder, die der fein herabsprühende Regen gar nicht in ihren geräuschvollen Spielen störte. Der Diener stand mit einem fragenden Gesicht neben ihr, als meine er, er könne sie nicht allein in das wüst aussehende Haus treten lassen, an dem sie vorgefahren waren. Auf der einen Seite eine Art von Putzgeschäft mit allerhand buntem, billigem Kram, aus der anderen eine Destillation — „Kaffee und guter bürgerlicher Mittagstisch," sagte ein schmutziges Placat. „Hier kann gerollt werden" las man an einem Kellerfenster, an dem anderen „Rosa Vollgold, Damen - Friseurin. Handschuhwäsche." Neben der offenen Hausthür waren Zettel sichtbar, die Schlafstellen anboten. Ebba Lund, den Gesichtsausdruck Walters verstehend, machte eine Handbewegung — nein, hier mußte sie allein gehen, hier konnte das Auftreten eines Dieners in der distinguirten Livree nur beleidigen. Den Saum ihres Kleides ein wenig hochnehmend, trippelte sie über die Steine des Hausflurs hin — Kohlenreste und kleine Wasserlachen hatte sie zu überwinden, auf dem gepflasterten Hof standen Pfützen. Drei Knaben benützten das, um Papierschiffe darauf schwimmen zu lassen. „Hof links, parterre", stand auf ihrem Zettel. Die Jungen sahen sie gar nicht, so sehr beschäftigt waren sie mit ihrem Spiel, aber drüben ans dem nur halb über dem Pflaster emporsteigenden Kellerfenster streckte sich ein Frauenkopf. „Na nu!" schrie eine grelle Stimme dann in die Tiefe zurück, „wer kriegt denn so feinen Besuch?" Und als Ebba Lund eben den Fuß auf die ausgetretene Steintreppe gesetzt, die links in das Hinterhaus führte, gellte es ihr nach: „Werden wohl Henzens sind, bei die is ja's Glück einge- kchrt, seit der Bengel die kleene Schramme gekriegt hat. Na, kiek doch man blos mal Jette, 'nen atlassenen Unterrock hat sie." Erschreckt ließ die Eintretende das Kleid fallen — dicht vor ihr, auf einem oval geschnittenem Stück Pappe stand mit kalligraphischer Schnörkelei geschrieben: „Ludwig Henzen, Dienstmann." Die Fliegen hatten wenig Achtung vor der Kunstschrift gehabt. Frau Ebba klopfte an die Thür, hinter der mit Geschirr geklappert wurde. „Gleich!" rief es zurück, zum Zeichen, das sie gehört worden war. Die Oeffnende stand eine Secunde die Besucherin anblickend,- sie kaute langsam an einem Bissen, welchen sie im Munde gehabt und schüttelte dann den Kopf. „Na, gnädige Frau, hier sind Sie gewiß nicht recht," und dann „wohin soll's denn sein?" „Zu Henzens." „Mit dem Namen stimmt es schon — soll's dem Dienstmann, was mein Maun is, gelten?" „Ihnen auch —" Nun erst schien sich die hagere Frau in das Unerwartete zu finden, sie gab den Weg durch den ersten Raum, die Küche, frei, und deutete auf den nächsten, aus dem Stimmen klangen und woher ein heißer Dunst, ein Gemisch von Kaffeedust und Tabaksrauch drang. „Nämlich, wenn es was Eiliges is heute für den Mann, oder 'ne Arbeit, zu der Sie mich als Arbeitsfrau suchen, denn is es nichts, meine liebe Dame, heute kriegen uns keine zehn Pferde von Hause weg, denn wir feiern 'ne Art von Familienfest!" „En richtiges sag' ich," rief ein untersetzter Mann, der vor dem Kaffeetisch saß und beide Ellbogen auf denselben gestemmi hatte, und drehte sein rothes, rundes Gesicht halb über die Schulter nach der Eintretenden hin. „Denn wenn das kein richtiges is, wenn ich heute hier meinen Jüngsten sitzen habe und er konnte tobt sein, wie 'ne Maus. Und hat uns nich mal Kosten gemacht, für Doctors und Apothekers und noch was Anderes obendrein ins Haus gebracht" — er machte die Bewegung des Geldzählens, „en richtiges Familienfest is es, so gewiß wie ich Ludwig Henzen heiße. Und thut mir sehr leid, aber um diesen Umstand laß ich mich nicht bringen, der is maßgebend, wie die Herren Richter sagen. Denn warum? Die reichen Leute fahren uns unsere Kinder über — ja, dazu sind so arme Würmer da! Todt wie ne Maus, gnädige Frau, konnte dieser Herzensjunge sein!" „Ludwig, steh' doch mal von Deinem Lehnstuhl auf, Henzen komm' doch zu Dir, die Dame is gewiß — ach, gnädige Frau, nehmen Sie's man nich übel, schlichte Leute — ich bin man bloß die Schwester, Kubaitzen heiße ich — aber das seh' ich doch, Sie sind die gute, gnädige Frau selber? — Na, seh'n Sie wohl, Menschenkenntniß is 'ne Sache! Lieber Gott, so'n kleiner Unglücksfall, is ja nun wieder gut — und j-die gnädige Frau wird es ja auch noch immer besser machen — Schwager, steh' doch mal aus Deinem Lehnstuhl auf!" Aber Ebba wehrte ab, als der Dicke mit ungelenken Verbeugungen auf den verlassenen Sitz wies, während die Henzen mit Redegewandtheit die große Ehre pries; sie ging auf den blaffen Jungen zu, der vor einem hochgehäuften Kuchenteller saß. Er hatte auffallend starke, krause, braune Haare. Ueber der rechten Schläfe war eine dünne, helle Stelle und eine rothe Narbe schimmerte — wäre das uicht gewesen, so hätte sie ihm wohl einmal durch die Locke führen mögen. Aber so mußte sie an das warme, rothe Blut denken, welches an jenem Tage herabgeflossen war. Sie beugte sich zu ihm und fragte freundlich: „Nun, bist Du gerne nach Hause gekommen?" „Wenn es immer Kuchen gäbe!" sagte er. Er war ein hübscher, kleiner Bursche mit munteren Augen und der frühreifen Keckheit eines Berliner Kindes, aber blaß und schmächtig. „Ne, Willemchen, ne, seh Einer mal," lachte der Vater, „den giebt es nu doch man bei Familienfesten." „Na, alle Tage kann Einer doch nicht überfahren werden" rief der Knirps. (Fortsetzung folgt.) Tie Lösung des Fluggeheimnisses.*) Während dem 19. Jahrhunderte Errungenschaften gelungen sind, von denen das vorhergegangene 18. nicht die leiseste Ahnung hatte, Errungenschaften, mit denen man rund um den Erdball herum mit einer märchenhaften Ueberwindung von Zeit und Raum, sowohl zu Wasser, als auch zu Land hingelangen kann, wohin man will, während man mittelst Telegraph oder Telephon sich überallhin verständigen kann, scheint das 20. Jahrhundert, in edlem Wetteifer, sich die Aufgabe stellen zu wollen, das Problem der Luftschiffahrt in einer Weise zu lösen, das jeder normale Mensch mit eigenen Kräften im Stande ist, in einem mechanischen Flugapparate — fliegen zu können. Nicht mehr fern dürfte die Zeit sein, wo das mechanisch schwebende Luftschiff kein Lustschloß ist, sondern wo es, als ein Verkehrsmittel souveränster Art, Lasten und Personen mit großer Schnelle durch die Lust tragen wird. Um nun aber diese Aufgabe zu Wege zu bringen, wird nun doch einmal, nach so vielen vergeblichen Versuchen, welche * Aus dem „Praciischen Wegweiser", Würzburg, einer vielseitigen Familienzeitschrift, die Jedermann zu einem Probe-Abonnement (30 Pfg. vierteljährlich) empfohlen werden kann. 283 große Summen Geldes verschlungen, theure Menschenleben gekostet und oft die kühnsten Erwartungen und Hoffnungen begraben haben, der einzige richtige Weg eingeschlagen werden, den mechanischen Flug auf Grund des natürlichen Fluges anzustreben und dem letzteren ein gründliches, Wissenschaft liches Studium zuzuwenden. Und zu diesem Studium hat bereits ein schon viel gelesenes Buch, „Das Flugprincip" betitelt, von Carl Buttenstedt, einen Hauptbeitrag geleistet. In diesem Buche ist vor Allem der Vogelflug nach drei Arten unterschieden/ nämlich: 1. im Schweben oder Segeln — ein Flug ohne Flügelschlag/ 2. in dem Flügelschlagflug — den man bei den Vögeln, welche in der Regel meist die äußeren Flügeltheile schlagend mit nach rückwärts gehender Bewegung — auch Ruverfing nennen könnte/ 3. in dem (nicht unterscheidbaren, zu raschen) Schwirrflug und dem (noch merkbaren) Flatterflug der kleineren Vögel, der bei vielen Vögeln in einen Well en flug übergeht. Wesentlicher aber zu dem Studium des mechanischen Flugs sind die wichtigsten Elemente des Vogelfluges, unter welche vor Allem als Hauptkräfte zu zählen sind: 1. Die unbewußte (passive) Muskelkraft, sowie 2. Der Flügelschlag oder die bewußte (active) Muskelthätigkeit, und 3. Die Schwerkraft des Vogelleibes. Die erstere unbewußte oder passive Kraft ist von der Natur bestimmt, den Vogel auf seinen Schwingen zu tragen, das heißt, sein Körpergewicht zwischen seinen Flügeln hängend zu erhalten. Und diese unbewußte Kraft ist thätig, wenn wir einen Bogel in der Luft sehen, der seine Flügel regungslos ausbreitet. Man dürfte sagen, so wie mit den Füßen auf dem Boden, so steht der Vogel mit seinen ausgebreiteten Schwingen in der Luft, und wenn er mit regungslosen, aus- gebreiteten Flügeln sich aus der Luft auf den Boden herabläßt, dann dienen dieselben ihm gleichsam als Fallschirm und verhindern sein plötzliches Herabfallen. Erst wenn er seine Flügel zur Fortbewegung, wie der Mensch seine Beine zum Gehen, braucht, geht Oie unbewußte Muskelkraft zum Bewußtsein über, und ist erst der Flügelschlag eine bewußte Muskelthätigkeit. Was dann die zweite Hauptkraft des Vogelfluges, die Schwere betrifft, so hat die Natur den sämmtlichen Flug- gcschöpfen eine größere Schwere verliehen, als die Luft hat, und zwar hat sie dieses gerade zur Erleichterung des Fluges so eingerichtet. Merkwürdig ist in dieser Beziehung, daß gerade die größten und schwersten Vögel am schnellsten fliegen können. Die Schwere des Körpers, welche dem Land- und Wasserthiere ein Hemmniß ist, bedeutet gerade beim Vogel den Impuls der Bewegung/ weßhalb sich auch annehmen läßt, daß Schwere Flugkraft bedeutet. Was nun das mechanische Princip des Fluges 6e= trifft, so geht aus den angestellten Beobachtungen u. s. w. hervor: 1. daß der Vogel auch ohne Flugarbeit eine Flugbewegung hat, und 2. daß Flügelschläge nicht nolhwendig sind, um ein Sinken zu verhindern. Denn es scheint, wenn auch keine Flügelarbeit oorkommt, daß doch in dem Körper eine gewisse Arbeit vorgeht, die den Schraubbewegungen des Schwanzes zugeschrieben werden muß. Ferner ruht die vorkommende, mechanische Flugbewegung des Vogels ohne sein Zuthun nicht im Flugkörper, sondern in der Flug fläche seiner Flügel, denn dem Vogel steht auch eine von dem Gebrauche seiner äußeren Flugwerkzeuge unabhängige Schwebefähigkeit zu Gebote. Besonders aber die elastische Spannkraft der Flügelfläche gehört zu den wichtigsten Elementen des Vogelfluges. Dieselbe entsteht, wenn ein Vogel sich mit der ganzen Schwere in seine ausgebreiteten Flügel hängt, und j ohne diese Kraft wird aus dem Fluge nicht das, was er ist, dämlich eine annähernd horizontale, mechanische Bewegung für den Vogel. Diese Spannkraft wird nur durch die Schwerkraft hervorgerufen und ruht in der Spannung des regungslosen Fluges eine arbeitende Kraft, die Buttenstedt die stete Entspannungs-Bewegung nennt. Und hierbei tst das hervorzuheben, daß diese Arbeit reiner Naturkräfte die Grundsäule, der Hauptträger der Flugarbeit, also der eigentliche Flugmotor ist. Weitere Untersuchung über die elastische Spannkraft der Flug fläch en, und die Folge jener zwar mit schrägen Flächen ausgerüsteten Spannkraft ergaben, daß die Vögel befähigt sind, über dieselben sowohl in senkrechten Steigungen ihres Fluges, als im horizontalen Fluge frei verfügen zu können, was Buttenstedt das mechanische Prineip des Fluges nennt. Der Wechsel der Luftsäule unter der Flugfläche ist ein wichtiges Element des Vogelfluges, ist vor Allem'-das noch- wendigste Fallhemmniß. Die Natur läßt in ihrer Weisheit diesen Wechsel der Luftsäulen selbstthätig durch die Zug- Wirkung der Flügelspitzen des Vogels selber vornehmen, indem diese den Vogel ohne sein besonderes Zuthun von einer Luftsäule auf die andere ziehen und zwingt den Vogel durch Schnelligkeit die Lufttheile unter seinen Flügeln ihn tragen zu müssen, während auch jede Luftsäule bestrebt ist, die Vogelflügel mit ihren Spitzen auf die vor ihr lagernden Luftsäule zu schieben. Zu den Hülsskräften des Vogels behufs der Unterhaltung des Fluges zählt man auch die bewußte (active) Muskelthätigkeit/ zu welcher der Flügelschlag, die Bibrationsbewegungen der Schwungfedern, die Schraubenbewegungen des Schwanzes und sie gleichzeitige größere Ausbreitung der Flügel gehören. Auch die steigende Gleitkraft auf schräger Fläche und der in der Flugrichtung strömende Wind sind zu den Hülfs- kräften des Vogelfluges zu zählen/ letzterer jedoch nur insofern als er den Vogel schneller an das Ziel trägt, als wenn er entgegengesetzt wehen würde. Nach der Ausstellung dieser Grundbedingungen des Vogelfluges müssen sich nun auch die mechanischen Hülfsmittel richten, mittelst deren sich der Mensch gleich den Vögeln frei in den Lüften bewegen kann. Gelehrte wie Techniker sind bereits an eifriger Arbeit, um diese mechanischen Hülfsmittel ausfindig zu machen. Der internationale Verein zur rationellen Verwerthung von Erfinder-Patenten in Berlin hat sich gleichfalls dieser Sache bemächtigt, so daß die Lösung des Fluggeheimnisses nur noch eine Frage der Zeit sein wird. Die jetzigen Luftschiffe find ohne Ausnahme der Macht des Windes preisgegeben. Buttenstedts Theorie weist uns dagegen auf einen Weg, auf dem die Einflüsse des Windes und der Schwere — entgegen den bisherigen Theorien — dem Fluge dienstbar gemacht werden. HrrinspZstisches. Sitzen geblieben. Reisender (dem der Zug vor der Nase tavongefahren): „Schnell, Herr Stationschef, schnell einen Spiegel!" — „Ja, wozu denn?" — „Das dumme G'sicht muß i sehn, das ich mach'!" * • ♦ Schwerwiegend. Anna: „Nun weiß ich nicht, soll ich den Mathematiklehrer oder den Geographielehrernehmen?" — Ella: „Nimm den Geographielehrer, der weiß doch wenigstens bei der Hochzeitsrede Bescheid." * * ♦ Galgenhumor. „Können wir Ihnen vor Ihrer Hinrichtung noch einen Wunsch erfüllen?" — Delinquent: „Ick möchte fern erst Gewißheit haben, oh Andree über'n Nordpol jeflogen ts!" - 284 - Die obere dieser No. 1210. No. 1212 No. 1213. No. 1211. was nach der Wintermode erwarten war. Figur. Diese Art Jackets gibt Gelegenheit zu den meisten Variationen, denn die Revers können aus das Verschiedenste umgestaltet werden, und es gilt der Satz: Je eigenartiger, desto moderner. Häufig ist der dazu gehörige Kragen in gleich eigenartiger Form geschnitten oder geschlitzt und findet man ihn gleich oft als Umlegekragen wie als hochstehenden Eine andere bemerkenswerthe Erscheinung sind die durchgängig kurzen Schößchen. Sie sind ganz eng und hinten mit Haken oder auch geschlitzt. Letztere Art Schößchen sind meistens den noch viel getragenen Blonsen- jackets angesetzt. Man hat auf diese Blousenjackets noch immer sehr viel Mühe und Fantasie verwendet, wenngleich man in letzter Saison die Erfahrung machen mußte, daß sie nur für die wenigsten Figuren kleidsam sind. Besonders der überfallende Rücken wirkt oft wenig schön, weshalb man diese Jackets neuerdings mit anliegendem Rücken und nur blou- ftgem Vordertheil angefertigt. Die Ausstattung der Blousenjackets gleicht derjenigen der übrigen und ist hier als bevorzugte Garnitur die Quergarnitur zu bezeichnen, welche in glatt oder wellig auf gesetzter Soutache oder in gleicher Weise angebrachten erhabenen Schnursteppereien besteht. Besonders letztere sind eine nicht zu übersehende Mode- Pelerinen ist mit einemS treifen schwarzen Monses besetzt, welcher auch die Reversklappen deckt. Der Umlegekragen hingegen ist mit Sammt bekleidet. Alle Ränder des Kragens, der Pelerinen, sowie vorn herunter sind mit öfachen Steppreihen verziert. Diese Zusammenstellung von Fagonkragen mit der kurzen Pelerine ist im Großen und Ganzen als characteristisch für die diesjährigen Regenmäntel zu bezeichnen, denn man findet sie in den ver- schiednesten Variationen. Trotz Jackets und Regenmänteln besteht jedoch das Stuartkrageu. , Die geschlossenen Jacken sind größtentheils einfacher gehalten, wenngleich es auch hier an reich soutachirten und besetzten Exemplaren nicht fehlt. Meistens sind sie jedoch mit kleinem Umlegekragen und Revers gearbeitet und ein- ober zweireihig geknöpft. Besonders die einreihig in der Mitte geknöpften Jackets sind sehr viel zu sehen. Alle diese Jackets aber sind nur im Rücken anliegend, vorn dagegen lose, 'der anliegenden Jackets eigentlich Nicht zu Wenn man zur Zeit die Schaufenster der Großstädte betrachtet, so sieht man fast ein getreues Spiegelbild der Farbenpracht, welche der Frühling draußen in der Natur zeigt. Bunte, blumengeschmuckte sommer- hüte, Sommerstoffe und vor allen Dingen Frühjahrseonfeetion aller Art bietet sich in Hellen Farben und neuartigen Ausführungen unserem Blicke dar. Auffallend ist bei Letzteren die außerordentliche Auswahl tn ^ackets jeder Art und Ausführung. Offene und geschlossene, anliegende und lose, einfache und reich garnirte, kurze und lange Jackets, kurz, alle Arten sind vertreten. Arn 8 meisten sieht man die kurzen Jacken mit anliegendem Rücken und losen, offenen Vor- dertheilen mit breiten, fantastisch geformten Revers wie No. 1210 eines veranschaulicht. Die Revers an demselben sind mit schmalen Morieestreisen und Soutache besetzt. Letztere umgibt auch den unteren Rand ringsum und formt die oberste Reihe je in der Mitte des Vordertheils eine kleine, in die Höhe strebende Blouson nachgeahmten Blousenmäntel. Dieselben dürsten allerdings nur an ganz jugendlich schlanken Gestalten hübsch aussehen, weshalb man diese Mäntel auch nach Art von Abbildung No. 1211 umäüdert. Es zeigt dies einen fast anliegenden doppelreihig zu knöpfenden Mantel mit mit Gürtel. Am Hals schließt er mit Umlegekragen und Revers ab, unter denen eine kleine, doppelte Pelerine herabfällt. IrHjahrsnmHeitm in Damen-Meverkleidern, bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationale« Schnittmannfaetnr, DresVen Reichhaltiges Modenalbum und Schuittmusterbnch für 50 Pfg. daselbst erhältlich. «edaction: I. «.: Hermann Elle. Druck und «erlag der «rühl'schen UniverfitätS-Buch. und Steinbruderei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. Cape auch diesen Sommer ) noch zu Recht, wenngleich sein VX Terrain durch die endgültig \ entschiedene Aermelfrage etwas geschmälert worden ist. Aber W die Capes, besonders die duftigen Gebilde aus Chiffon sind ein zu elegantes und dabei _ „ bequemes Toilettenrequisit, als daß man dieser Mode ohne Weiteres entsagen könnte. Und so sieht man denn diese kurzen Kragen aus plissirtem schwarzen Ch-sson in den denkbar verschiedensten Variationen. Die hierbei am meisten wiederkehrende Ausstattung ist diejenige von Perlen. Besonders ganz aus Perlen bestehende Sättel, und schmale, die Ränder umsäumende Perlenbesätze sind sehr beliebt. Eine der hauptsächlichsten Variationen dieser leichten, mehr zum Schmuck dienenden Umhänge besteht in der Verschmelzung des Cape mit dem kurzen Bolerojäckchen, woraus das Bolero- cape entsteht. Abbildung No. 1212 veranschaulicht ein solches aus schwarzer Seide und plissirtem schwarzen Chiffoncrepp bestehend. Das kurze, nur bis zum Taillenschluß reichende Jäckchen ist aus Seide gefertigt und mit Breiten Perlenstreisen garnirt. Die gleichfalls aus Seide bestehenden Ftügelärmel sind mit plissirten Chiffon bedeckt, wodurch das Ganze sein duftiges und elegantes Ansehen erhält. Am Hals schließt das Jäckchen mit einem hohen, spitzenbesetzten ©tuarttragen ab. Diese hochstehenden Halsgarnituren sind übrigens noch ausnahmslos an allen diesen Kragen zu finden und höchstens bann unb wann eine Ausnahme. Dieselben weisen im Großen und Ganzen wenig Veränderungen auf und könnte man höchstens die nur am unteren Rand angesetzten Serpentinevolants als speeielle Neuheit bezeichnen, während Material und Ausstattung die gleichen sind, wie bei den Jackets. Zum Schluß noch einige Worte über die Jackencostüme. Dieselben scheinen noch immer mehr in Aufnahme zu kommen. Die Röcke derselben zeigen durchweg glatten Schnitt und sind höchstens ganz diseret mit Borten garnirt. Die Jacken hingegen weisen sämmtliche auch für Jackets übliche Formen auf. So veranschaulicht unsere Abbildung No. 1213 ein Costüm mit Blousenjack.. Diese ist mit bis in die Taille reichenden Shawlrevers ausgestattet und öffnet sich über einem Chemisett aus Spitzen. Die übrige Ausstattung besteht aus breiten, wellenförmig aufgesetzten Borten, welche an jeder Seite von gleichfarbigem Soutacheschnürchen flankirt sind. Der Rock ist auf gleiche Weise ausgestattet und ist im Uebrigen die Anordnung der Borten auS der Abbildung ersichtlich. Neuheit. _ _ , 1 = Als moderne Farben für Jackets sind in erster Linie Hellgrau, Hellbeige und Schwarz zu bezeichnen und liebt man es, die hellgrauen und sandfarbenen Stoffe mit Weiß zu garniren. Auch die übrigen schon im Winter so außerordentlich beliebt gewesenen Soutache- und Bortenbesätze werden noch immer sehr viel, angewendet. Dieselben breiten sich allerdings nicht mehr über den ganzen Rumpf aus, sondern sind zumeist nur als Kant n- abschlüsse und Nahtverzierungen angebracht. So findet man z. B. tiaupg die seitlichen Nückennähte derartig mit Borten besetzt, welche aber nicht bis ans Armloch reiche», sondern ungefähr auf der Mitte der Schulterblätter mit einem kleinen Motiv abschließen. Auch Kragen und Aufschläge werden viel mit Borten und Applikationen ausgestattet. Auch in Regenmänteln findet man neben den altbewährten Hohen- zollernmänteln einige auffallende Neuheiten. Es sind dies die den russischen 0