\5 Kg fflpr frSvigmjlii WVIWW^^M iMMR ^SEM on jedem Gelds, das Du ausgegeben, ®ere(t)lte Dir im stillen Weiterwandern: Wieviel hat es genützet meinem Leben? Und wieviel Freude schuf ich damit Andern? Anna Nitschke. Auf manche Seelenwunde Legt Sorge den Verband, Ein Arzt mit barschem Munde, — Doch feiner Handl Frieda Schanz. Der Amtmann von Rapshagen. Criminal-Roman von F. Arnefeld. (Fortsetzung.) „Hast Du gefürchtet, ich könnte Dich zu einer Heirath mit Adolf Göbener zwingen?" fragte der Amtsrath halb im Scherze und war verwundert, als die Tochter sich aufrichtete und sehr ernst sagte: „Nein, nein Vater, denn zu einer Heirath wider Willen würde ich mich nie zwingen lassen, hier ist meines Erachtens die Grenze für den kindlichen Gehorsam. Ich ehre, ich liebe Dich, ich werde nichts thun, wozu Du mir nicht Deine Zustimmung giebst und sollte ich darüber zu Grunde gehen, aber einen Mann heirathen, den ich nicht liebe, das kannst Du mir nicht befehlen." Sie war aufgesprungen und stand jetzt schlank und hochaufgerichtet vor dem Amtsrath, der sie staunend betrachtete. War denn das noch seine fügsame, anschmiegende Tochter, die er immer noch wie ein Kind betrachtet hatte? Er gewahrte erst jetzt, daß sie während der Krankheit gewachsen sein mußte,- das runde Gesicht war länger geworden, die Züge hatten ein festeres Gepräge bekommen, die grünblauen Augen glichen jetzt einem tiefen, uneraründ- lichen Bergsee. Der Amlsrath konnte sich nicht verhehlen, daß eine große Wandlung unter seinen Augen und von ihm unbemerkt mit dem jungen Mädchen vorgegangen war und nun erschien ihm auch ihre Liebe zu Stephan Holten Plötzlich in einem anderen Licht. Das war doch wohl keine solche Backfischschwärmerei, die dem ersten neuen Eindruck weicht, sondern i e‘ne ^efere Reigung. Ließ sich dagegen durch eine Trennung l von etlichen Monaten etwas ausrichten? Er hatte jedoch die Reise einmal beschlossen, der Brief an die Cousinen war unterwegs, Göbener, der gern Neuigkeiten erzählte, wenn er nicht fürchtete, Nachtheil dadurch zu haben, trug die Nachricht gewiß schon in der Nachbarschaft umher- es mußte dabei bleiben. Er wollte sich, so lange er noch irgend einen Ausweg sah, gegen Holten als Schwiegersohn wehren. „Ein paar Minuten herrschte Schweigen zwischen Vater und Tochter, dann sagte der Amtsrath: „Ich werde Dir nie einen Gatten aufdrinqen, Meta, 1 ich will Dein Glück —" „Und das liegt in Stephan Hottens Händen," fiel sie schnell ein. „Vater, sei gütig, sei barmherzig!" „Still, Kind," sagte er, mit der Hand winkend und zog sie wieder neben sich auf das Svpha. „Du bist noch sehr jung, bist soeben erst von schwerer Krankheit genesen, rch würde jetzt meine Einwilligung zu einer Verlobung nicht geben, hätte ich gegen den Bewerber auch keinerlei Bedenken. Ich verlange vor allen Dingen, daß Du Dich meinen Anordnungen fügst, mit Elisabeth Wenzel nach Cannes reisest und dort Deiner Gesundheit lebst." „Und wenn ich zurückkomme!"--rief sie, freudig aufblickend. „Ich gebe Dir kein Versprechen, mache Dir keine Aussicht, daß ich je einwilligen werde," versetzte der Amtsrath sehr ernst, „sondern bitte D:ch, betrachte die Angelegenheit als erledigt." „Das kann ich nicht!" „Laß Zeit vergehen, Meta, ich glaube, das wird für Dich, wie für mich zuächst das Beste sein." Sie unterdrückte die ausquellend-n Thränen. „Sei es so, wie Du es bestimmst, mein lieber Vater," sagte sie, seine Hand küssend. „Ich unterwerfe mich der Prüfungszeit, sie wird unsere Liebe nur stärken." Der Amtsrath küßte sie auf die Stirn uud verließ das Zimmer. Es war ihm, als ob er an seiner Tochter soeben eine neue Bekanntschaft gemacht habe. — Während dessen fuhr der Amtmann Göbener die Chaussee entlang, seine beiden Gäule nur zuweilen durch einen Zuruf zu einer etwas schnelleren Gangart antreibend, es ihnen aber im Ganzen überlassend, in welchem Tempo sie den Wagen fortbewegen wollten. Er hatte es sich nicht allein an des Amtsraths Tisch wohl sein lassen, sondern ! auch den Pferden ein reichliches Mahl aus den Krippen in - 186 Waldhof bereitet und hütete sich wohl, sie über Gebühr ] anzustrengen. Während er scharf die zu beiden L>eiten des Weges liegenden, zum Theil schon frisch bestellten Felder, musterte und keine Nachlässigkeit seinem prüfenden Auge entging, überdachte er noch einmal seine Unterhaltung mit dem Amtsrath und dessen Tochter, und war mit deren Ergebmß itufxicbctte „Der Bursch, der Stephan, hat sich heute einen Korb vom Amtsrath geholt, das hab' ich ihm ja angesehen, als ich ihm begegnete. Machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Wenzel schickt die Kleine nur fort, um sie auf andere Gedanken zu bringen, ist ein so weichherziger Narr und wirft das Geld zum Fenster hinaus, statt ordentlich dazwischen zu fahren. Wundert mich übrigens, daß er dem verzogenen Dinge etwas abschlagen kann!" fuhr er fort, „und man kann sich bei ihm noch darauf gefaßt machen, daß sie ihn herumkriegt. Wenigstens hab' ich ihm aber ordentlich eingeheizt und dem Stephan einen hübschen Denk- zettel gegeben. Wäre nicht übel, wenn solcher Hungerleider daher kommen und das reichste Mädchen aus der ganzen Gegend wegschnappen sollte." ~ „Hü, hü, Blässe! Ihr schlaft wohl em? Habt in Waldhof gar zu gut gefüttert!" schaltete er, mit der Pntsche knallend, ein und fügte in seinem Selbstgespräch hinzu: „Adolf soll in diesen Tagen hinüber und ordentlich Abschied nehmen. Man weiß nicht, wie noch Alles kommt. Ich hab' zwar die Dummheit mit der Anna zugegeben, aber verlobt ist ja nicht verheirathet, und eigentlich sind sie nicht einmal richtig verlobt. Ich werd's Allen noch einmal einschärfen, daß kein Mensch was davon°erfährt. Auch der Doctor darf nichts wissen. War ein Meisterstreich, daß ich ihm das Haus verboten habe." „Ja, mit dem alten Göbener nimmt’8 so leicht Keiner auf!" lachte er sehr wohlgefällig vor sich hin. „Nun, Herr Doctor, wie steht es, wie ist die Untersuchung ausgefallen?" fragte Herr Brenner, der erste Beamte der in Stettin befindlichen Filiale der Lebensversicherungsgesellschaft „Vorsicht", den soeben in das an der „Großen Lastadie" belegene Bureau tretenden Vertrauensarzt Doctor Köppen. „Wenn der jungen Dame nicht ein besonderer Uuglücks- fall zustößt, kann sie hundert Jahre alt werden," erwiderte der Gefragte, ein älterer Herr mit grauem, buschigen Haar, einem rothen, gutmüthigen Gesicht und Hellen, lustig in die Welt schauenden Augen. „Habe selten einen so normal gebauten Körper gesehen, eine wahre Freude." „Wirklich, wirklich?" versetzte der Beamte kühl, „Sie sind ja ganz Feuer und Flamme. Und Sie haben gründlich untersucht?" „Aber, Herr Brenner!" rief der Arzt mit gekrankter Miene, „wie können Sie nur einen solchen Zweifel laut werden lassen? Sämmtliche Organe durch und durch gesund." „Ich zweifle keinen Augenblick an Ihren Worten, lieber Doctor," sagte Herr Brenner begütigend, „muß aber gestehen, daß ich ein solches Ergebniß der Untersuchung kaum erwartet habe." „Aber warum? Ist Ihnen das junge Mädchen wie eine Schwindsuchscandidatin vorgekommen?" scherzte der Doctor. „Das nicht,- es ereignet sich aber doch selten, daß man das Leben eines jungen Mädchens versichert, und überdies mit einer so hohen Summe." „Wie hoch soll sie sich belaufen?" „Hunderttausend Mark!" „Alle Achtung!" lachte Doctor Köppen, „da lohnte es sich ja, der Erbe zu sein. Ich würde freilich den Heimfall nicht erleben." „Dürften auch sonst zu spät kommen, die Police bleibt in festen Händen," sagte hinzutretend ein zweiter Herr, bet bisher schreibend an seinem Pult gestanden, von der Unterhaltung aber kein Wort verloren hatte. „Sie haben nun doch keine Bedenken mehr gegen den Abschluß der Versicherung, Herr Brenner?" wandte er sich an den Letzteren, der achselzuckend antwortete: „Ich darf solche nicht mehr haben. Es ist Alles in Ordnung, und dennoch —" Der hagere Mann mit dem glatt anliegenden Haar und dem bartlosen, graubleichen Gesichte, ließ hier eine vielsagende Pause eintreten und sah mit den scharfen, dunklen Augen nachdenklich vor sich hin. „Was hat es denn mit dieser Versicherung für eine besondere Bewandtniß, wenn ich es erfahren darf?" fragte der Doctor. „Sie dürfen es erfahren, es ist mir lieb, wenn ich Ihre Ansicht höre," antwortete Brenner und fügte auf ein abmahnendes Zeichen seines College« hinzu: „Lassen Sie mich machen, Herr Ringleb, Doctor Köppen ist ein Vertrauensmann, er hat noch nie aus der Schule geschwatzt." .Die drei Herren nahmen auf Lehnsesseln, welche um einen im Hintergründe des geräumigen, gut ausgestatteten Bureaus befindlichen runden Tisch aufgestellt waren, Platz, und Brenner berichtete mit gedämpfter Stimme, nachdem er einen vorsichtigen Blick durch die Glasthür nach den im Nebenraum beschäftigten Schreibern geworfen hatte: „Der Gutsbesitzer, Amtmann Daniel Göbener auf Rapshagen bei Greifswald, versichert das Leben seiner künftigen Schwiegertochter, des Fräulein Anna Holten, zu Gunsten seines Sohnes oder vielmehr zu seinen eigenen Gunsten, da er die Polic in Händen behält." „Das ist in der That ein wenig sonderbar," bemerkte der Arzt. „Es sieht nur auf den ersten Blick so aus," nahm Ringleb, ein noch jugendlicher, sehr sorgfältig gekleideter Mann, das Wort, „Amtmann Göbener ist ein schwerreicher Mann, wir haben die genauesten Erkundigungen eingezogen. Er genießt allgemeines Ansehen —" „Das heißt, man kann ihm nichts Böses nachsagen, schildert ihn aber als geizig und habsüchtig!" fiel Brenner ein. „Und doch will er jedes Jahr eine so ansehnliche Summe ausgeben, um ein kerngesundes junges Mädchen zu versichern. Das will mir nicht recht stimmen!" rief der Doctor. „Ganz meine Ansicht!" nickte Brenner. „Aber, Herr Doctor, Sie müssen doch am besten wissen, daß der Tod oft genug die Jungen und Kerngesunden mit fortnimmt und an den Krüppeln und Siechen vorübergeht'/ wandte Ringleb ein. „Da haben Sie leider Recht!" gab Doctor Köppen seufzend zu. „Wir wollen wünschen, daß das liebe, schüchterne Ding ein recht langes Leben habe. Bringt sie ihrem zukünftigen Gatten denn sonst noch einen Brautschatz zu? Sieht eigentlich nicht danach aus." „Nicht einen rothen Pfennig!" rief Rmgleb eifrig. „Sie ist ganz arm." , „Dann kann es mit dem Geiz des Alten doch nicht so schlimm sein," meinte der Doctor. „Er scheint ja ganz zufrieden mit der Schwiegertochter." „Er will nur als vorsichtiger Mann ihr Leben versichern, damit seine Enkel doch auch einmal mütterliches Vermögen haben," sagte Brenner mit einem gewissen Ingrimm und warf den Bleistift, mit dem er geschrieben hatte, aus den Tisch. „Auch ein Standpunkt," lachte der Doctor. „Es laßt sich eigentlich nichts dagegen einwenden." „Sie würden also die Versicherung abschließen? fragte Brenner. , r „Ich wüßte nicht, warum ich eS nicht thun sollte. „Da hören Sie es, Herr Brenner, wir dürfen nicht Schwierigkeiten erheben, wo keine find!" sagte Ringleb eindringlich. „Der alte Göbener ist ein seltsamer Kauz. ibi - Wollte man bei jedem Geschäft so bedenklich sein, es käme gar keins zu Stande." „Sie haben ja Recht," nickte Brenner,- „lassen Sie die Formulare ausfüllen- der Amtmann und das Fräulein werden wohl bald hier sein." Doctor Köppen empfahl sich- Brenner kehrte an sein Pult zurück- Ringleb ging in das Nebenzimmer, um einem der Schreiber die erforderliche Anweisung zu geben, und kurze Zeit herrschte tiefe Stille in dem Bureau. Man vernahm nichts als das Kritzeln der Feder, die Brenner sehr schnell über die Seiten des Folianten gleiten ließ, und das Summen einer großen Fliege, welche sich vor der heute recht kühlen Luft in den erwärmten Raum geflüchtet hatte. Es währte indeß nicht lange, so öffnete sich die vom Hausflur aus in das im Erdgeschoß befindliche Bureau führende Thüre und die Erwarteten traten ein. Amtmann Göbener war, wie bei dem Besuche beim Amtsrath Wenzel, in seinen langen blauen Tuchrock gekleidet, hatte aber heute einen, allerdings etwas altmodischen, aber glatt gebürsteten schwarzen Cylinderhut auf dem Kopfe - eine schwere goldene Kette schaukelte sich auf der geblümten, schwarzgrundigen, seidenen Weste, Kragen und Manschetten seines Hemdes waren stark gesteift und blendend weiß. Er hatte eine wundervolle, wohlwollende Miene aufgesteckt und war nicht ohne Erfolg bemüht, einen guten Eindruck zu machen. Besser gelang dies allerdings noch seiner Begleiterin, obwohl es ihr gar nicht darum zu thun und sie in der denkbar einfachsten Weise angezogen war. Ein glattes dunkelbraunes Kleid, ohne jeden Aufputz, ward von' einer schwarzen Ripsjacke, die vornherunter fest zugeknüpft war, bis über die Hüften bedeckt, die Hände steckten in grauen, nicht allzu gut sitzenden Glacehandschuhen, denen man es ansah, daß sie schon länger dienten, ebenso wie der Schirm, den sie in der Hand hielt. Auf dem Kopfe hatte sie einen kleinen schwarzen Filzhut mit blauen Bandschleifen, unter welchem die schweren braunen Flechten hervorsahen. Die Reise nach Stettin, zu welcher sie Göbener in seiner kurzen, bestimmten Weise aufgesordert hatte, etwa acht Tage später, nachdem er in ebenso überraschender Art seine Einwilligung zu ihrer künftigen Verheirathung mit seinem Sohn gegeben, war ein großes Ereigniß im Leben des jungen Mädchens und weniger auf Rapshagen. Machte Göbener selbst auch zuweilen Reisen nach Stettin, Berlin und Hamburg, sowie häufig Ausfahrten in die Umgegend, um seine Geschäfte zu besorgen, so war es doch niemals vorgekommen, daß er auf jene Frau und Töchter mitgenommen hatte, und auch hinsichtlich der nachbarlichen Ausflüge hatte er sie immer sehr beschränkt. Im weiteren Sinne huldigte er noch dem alten Sprichworts: „Die Frau und der Ofen gehören in's Ort." „Umsomehr fühlte sich Frau Göbener erregt, daß ihr Liebling nun von ihrem Gatten einer solchen Auszeichnung gewürdigt ward uud mußte sich wohl oder übel mit seiner Erklärung zufrieden geben, daß er seine bestimmten Gründe für diese Anordnung habe. Anna selbst fragte gar nicht nach den Ursachen. Seit Göbener seine Einwilligung zu ihrer Verbindung mit dem Geliebten gegeben hatte, erschien er ihr wie eine Art Vorsehung, deren Beschlüssen sie sich blindlings zu unterwerfen habe, von der ihr nur Gutes und Heilsames kommen könne, selbst wenn sie das nicht einzusehen vermochte. Sie hatte übrigens keine Veranlassung, sich allzu sehr in der Selbstverleugnung und Ergebung zu üben, denn Göbener war während der Reise von einer Liebenswürdigkeit, wie sie sie noch nie an ihm wahrgenommen hatte und befand sich sogar in der Gebelaune. Selbstverständlich fuhren sie in der dritten Klaffe der Eisenbahn und nahmen in einem Gasthof zweiten oder dritten Ranges Quartier, Göbener aber ließ gute und reichliche Mahlzeiten auftragen, ging mit ihr spazieren, zeigte ihr den Hafen und hatte seinen Spaß an ihrem Staunen über die vielen Schiff-, welche dort lagen, ließ sich sogar mit ihr in einem Boote von ein paar wettergebräunten Schiffern ein Stück hinausrudern. „Denke, mein Töchterchen, daß Alles zu Deinem und Adolfs Besten geschieht," hatte er ihr, die Wange streichelnd, gesagt, als er sie zu Doctor Köppen geführt, der im Bureau der „Vorsicht" als Vertrauensarzt bezeichnet war, als er sich dort eingestellt, um die schriftlich angeknüpftcn Verhandlungen zum Abschluß zu bringen. Die Ausnahme, welche er daselbst gefunden, hatte ihm nicht sehr gefallen wollen und er bereute beinahe, nicht nach Berlin gefahren zu sein, wo die Angelegenheit sich wohl ohne,. alle Umstände abgewickelt haben würde. (Fortsetzung folgt.) Die Kunst, schön zu bleiben. ------- (Nachdruck verboten.) Alle Diejenigen, so schreibt das „Neue Wiener Journal", welche Gelegenheit hatten, Adelina Patti in letzter Zeit zu sehen, waren überrascht von der Jugendlichkeit und Frische der Diva. Die Sängerin, die heute beinahe fünfundfünfzig Jahre zählt, macht den Eindruck einer Frau von kaum dreißig Jahren, und alle Welt fragt erstaunt: Wie war es möglich, daß eine Frau, wie Adelina Patti, die Jahrzehnte hindurch den Körper und Geist aufreibenden Beruf einer reisenden Gesangsvirtuosin ausgeübt, sich so jugendlich erhalten hat? Ein englischer Interviewer hat das interessante Geheimniß gelüftet und erzählt Folgendes: Um schön zu bleiben, muß man das günstige Temperament der Patti mitbringen, das sich nichts nahegehen läßt, jede Aufregung fernhält und das ganze Dasein auf eine gleichmäßige, stille Fröhlichkeit gestimmt hat. Ferner muß man diesem Zwecke entsprechend seine ganze Lebensweise einrichten, deren peinliche Regelmäßigkeit eine unerläßliche Voraussetzung und weit werthvoller als alle kosmetischen Hilfsmittel ist Darum hat Adelina auch immer nach der Uhr gelebt und selbst das Geringfügigste der ewigen Frage untergeordnet, wie es ihrer Schönheit bekommen könnte. Sie erhebt sich des Morgens um neun Uhr, taucht unverzüglich in ihr Bad und nimmt dann das erste Frühstück, das aus klarer Hühnersuppe und etwas Gemüse besteht. Manchmal wird ein Ei oder Frucht: Aepfel, Trauben oder Pflaumen — anderes Obst ist als schönheitsgefährlich verpönt — hinzugefügt. Nach dem Frühstück überläßt sie sich den Händen ihrer Newyorker Masseuse, die ihr nach einer besonderen Methode Gesicht und Hals knetet. Die Gesichtspflege ist natürlich der wichtigste Theil der Toilette, und die Patti wendet auf sie dieselben reiflich erprobten Grundsätze an wie die Prinzessin von Wales, mit der sie in fortwährendem Gedankenaustausch über diesen Gegenstand steht, und die sich bekanntlich ebenso jung zu erhalten wußte. Diese Grundsätze lassen außer der Massage nur noch Einreibungen mit gewissen Oelen zu, deren Recept die Diva nur sehr wenigen Auserwählten mittheilt. Die Einreibung nimmt sie selber vor. Ueberhaupt darf, die amerikanische Masseuse ausgenommen, Niemand sie berühren, so zahlreich ihre weibliche Dienerschaft auch ist. Nicht einmal frisiren läßt sie sich, und während ihrer Bühnenlaufbahn zog sich so mancher Zwischenact zum Verdruffe des Publikums ungebührlich in die Länge, weil sie selbst im Theater nicht von der Regel abwich, sich das Haar selber zurechtzumachen. Doch sehen wir, wie die Patti den Tag weiter verbringt und für ihre Schönheit sorgt, was für sie ein- und dasselbe ist. Sie „luncht" um halb Eins: Bouillon, Austern oder einen Fisch, Salat, ein bischen grünes Gemüse und Milch. Nach der Mahlzeit eine Tasse Coca oder ein Glas Sect. Nie kommt ein gewürztes Gericht oder eine Sauce auf den Tisch, auch um sieben Uhr Abends zur Hauptmahl- 152 zeit nicht, die aus einer legirten Suppe, kaum gebratenem j Rindfleisch und wiederum frischen Gemüsen besteht. Den Beschluß macht gezuckerter Reis oder ein süßer Käse oder Cr^me. Eis nimmt sie nie, der Stimme wegen- Rothwein nie, des Teints wegen. Ebensowenig kommen Brod und Wasser über ihre Lippen. Hingegen trinkt sie an den Tagen, wo sie singt, einige Schluck Kaffee hinter den Coulrssen. Täglich und in größeren Mengen genoß sie den Kaffee nur, wenn sie sich durch eine neue Rolle oder ein etwas forcirtes Gast'piel erschöpft suhlte. Dann nahm sie wie Voltaire, Balzac nnd Napoleon zu diesem Neroenwecker Zuflucht, um gegen den unzeitigen Schlaf anzukämpfen. Das ist auch eines ihrer Talenten Sie schläft nach Bedarf und Laune, wie, wo und wie lange sie will, zu Hause, unterwegs, rm Waggon, im Freien, in ihrer Theatergarderobe, am ltebsten naiürlich in ihrem Schlafzimmer, dessen Fenster den Tag über sperrangelweit offen und des Nachts hermetisch geschlossen sein muffen. Beim Schlafengehen und beim Auf- ft et) en benetzt sie sich Hals und Nacken mit Alkohol. Ste behauptet, daß sie es dieser Hebung verdanke, nie von einem Schnupfen heimgesucht worden zu sein. Fügen mir hinzu, daß sie weder reitet, noch rudert, noch radelt, noch sonst einen Sport treibt. Ein einstündiger Spaziergang oder eine halbe Stunde Billard genügen ihr als tägliche Bewegung vollauf. Und damit sind auch alle kosmetischen Geheimnisse Adelina Pattis enthüllt. Sie bestehen, wie man sieht, mehr in unverrückbaren Lebensgewohn- heiien als in irgendwelchen Zaubereien. Doll man znm Esten trinken? Zu dieser Frage äußert sich Geheimer Rath Professor Dr. Ewald in der Zeitschrift für Krankenpflege folgendermaßen: So lange beim Trinken gewisse durch Erfahrung gegebene und individuell etwas verschiedene Grenzen innegehalten werden, schadet das Trinken nicht nur nichts, sondern es erleichtet, wenn es deffen bedürfen sollte, diesen so wichtigen Act, der sich bei Manchem zum Höhepunkt des Daseins gestaltet. Manche Leute vertilgen jahraus jahrein ihr Maß Bier oder ihre Flasche Wein zu Tisch, ohne den mindesten Schaden für ihre Verdauung zu verspüren. Wo dagegen die Function des Magens, sei es in chemischer, sei es in motorischer Hinsicht geschwächt oder gar aufgehoben ist, muß das Trinken ad libitum aufhören. Wenn es sich übrigens nicht um eine Magenerweiterung oder um eine „Trockenkur" handelt, kann man dem Kranken immerhin kleine Mengen Flüssigkeit gestatten- denn durch Zufuhr des gewöhnten Getränkes wird der Magenthätigkeit eine recht große Anregung gegeben. Die zuweilen geschmähte Sitte, die Mahlzeit mit der Suppe zu beginnen, ist durchaus berechtigt. Die Temperatur des Getränkes soll aber nicht zu kalt sein. Im Allgemeinen ist der Schoppen - nicht der verwerfliche Frühschoppen — am Anfang, während oder nach dem Effen nicht schädlich. * • Die Kettenhnnde. Die alte berechtigte Klage über die meist schwer vernachlässigte Pflege der Kettenhunde ans dem Lande wird bei den Thierschutz-Vereinen in neuester Zeit dringend erneuert. Der Kettenhund, der, wie jedes andere Thier, den Hang zur Freiheit in sich trägt, muß wie ein gefesselter Verbrecher Jahr aus Jahr ein am Hosthor liegen. Die Hütte, welche ihrem Zwecke nach den Hund gegen die Unbilden der Witterung schützen soll, ist nicht selten in dem übelsten Zustande, meist aber unreinlich, daß der Aufenthalt darin dem Hunde furchtbare Qualen verursacht. Dazu kommt, daß der Hund, weil angekettet, sich seiner natürlichen Bedürfnisse nur in der Nähe der Hütte entledigen kann — eine höchst widerliche Sache für ein von der Natur mit solchem Reinlichkeitssinn ausgestattetes Thier, wie der Hund. Bei einer Umschau ist leicht festzustellen, daß die Kettenhunde meist voll Ungeziefer sind, bei Hitze selten frisches Wasser haben, daß der Saufnapf und die Freßschüssel häufig sehr unreinlich gehalten werden, ferner daß in Bezug auf Fütterung und Tränkung viele Vernachlässigungen vorkommen. — Daß die Kettenhunde oft äußerst bissig sind, ist wahrlich kein Wunder- auch das nicht, daß die Tollwuth schon häufig bei Kettenhunden ausgebrochen ist- die meisten tollen Hunde kommen bekanntlich vom Lande nach der Stadt. Wie oft hört man beim Aufenthalte auf dem Lande die meist vom Rheumatismus geplagten Kettenhunde heulen. Die Landleute sind es nicht anders gewöhnt, aber der fühlende Fremde fragt mit Entrüstung, ob diese alte vom Vater auf den Sohn immer wieder verebte Rücksichtslosigkeit so fort gehen soll? Hier muß endlich Wandel geschaffen werden. Das Loos der Zughunde ist gewiß nicht beneidenswcrth, aber die Kettenhunde sind noch viel schlimmer daran. Die Plage der Zughunde sieht man auf den Straßen, aber die Leiden des Kettenhundes bemerkt selten Jemand und deshalb kümmert sich Niemand darum. Wir bitten insbesondere die Einsichtigen auf dem Lande, dahin zu wirken, daß in der Behandlung dieser armen Thiere mehr Men chlichkeit und mehr Einsicht Platz greife. Humoristisches. Berliner Lehrjungen-Humor. Erster Lehrling: „Du Fritze, gestern ist mein Meester mit fünf Flaschen Bier die Treppe runter gefallen und hat keene davon zerbrochen." Zweiter Lehrling: „Wie ist denn das möglich?" — Erster Lehrling: „Ja weeßte, er trug sie inwendig." ♦ * * Unbegreiflich. Sonntagsjäger: „Je mehr ich auf die Jagd gehe, desto unbegreiflicher wird es mir —" — Treiber: „Daß Sie nichts treffen, nicht wahr?" — Sonntagsjäger: „Nein, sondern daß es Völker gegeben haben soll, die von der Jagd lebten." * * * Angenehme Aussicht. Hausknecht (der zusieht, wie ein Fremder, den er auf sein Zimmer geführt hat, zuerst unter das Bett leuchtet): „Drunten sind keine, Herr, aber d'rin!" * * * Vom Kasernenhof. Unteroffizier: „Lehmann, machen Sie doch wenigstens einen Versuch, daß Ihre Visage einem Gesicht ähnlich sieht!" * * * Unteroffizier: „So ein Fanlpelz wie dieser Lehmann ist mir noch nie vorgekommen! Kerl, ich glaube, Ihnen ist's schon zu viel, daß Sie sich mit dem Erdball mitbewegen müssen!" * * Unteroffizier (zum Rekruten mit krummen Beinen, als dieser schlecht marschirt): „Lümmel, infamer, die krummen Beene hast de, damit Du se kerzenjrade machst, verstanden?" * * * Competent: Hauptmann: „Compagnie — stillgestanden! — Wer von Euch mir eine gute Köchin empfehlen kann, der trete vor!" • * * $ Die Juristin. Rechtsanwalts Gattin (im Ehezwist): „Versuche nur nicht erst, Alphons, Dich zu vertheidigen! Dich bringst Du bei mir doch nicht durch!" Pitbadtan Ä. Echeyds. — Druck und Verlag d«r Brühl'schtn UuiversitStS-Buch« und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ®ie|tn.