Donnerstag den IS. Febmar m 88 pw M Ouiui N w einer kann im leichten Spiel Dieses Lebens Preis erjagen; Fest in's Ange faß' Dein Ziel, Bis die Pulse höher schlagen Und sich Dir an Fuß und Hand Wieder straff die Sehne spannt. Und so rvand're Schritt für Schritt Den Gefahren kühn entgegen; Hoch das Haupt und fest der Tritt Und im Herzen Gottes Segen, Auf der Stirn des Kampfes Schweiß: So gewinnest Du den Preis. I. Sturm. Muttersohn. Roman von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) Nicht am wenigsten wurmte es ihn, daß Otto seit ihrem letzten Zusammensein sich wochenlang nicht mehr sehen ließ. Wie eilig Otto damals davongestürmt war, wie heftig er sich von ihm losgemacht hatte! Wünschte Otto keine allzufreundlichen Beziehungen zu ihm? War der Funke des Mißtrauens auch in des Bruders Seele gefallen? War es nur ein allgemein menschliches Mitleid und Erbarmen gewesen, das man auch dem Elendesten nicht versagt, das Otto damals zu ihm geführt, vielleicht nur die Rücksicht auf Helene, auf den kleinen Fritz? So quälte und marterte er sich selbst ohne eine Ahnung, daß es das böse Gewissen war, das den Bruder so lange von ihm fernhielt. Aber es war eine für beide Theile peinliche und beklemmende Situation. Während auf der einen Seite die Furcht, eine Erneuerung jener aufregungsvollen Scene von neulich heraufzubeschwören, jeden herzlichen Gefühlsausbruch hemmte, nährte in dem anderen Bruder der stillnagende Argwohn, daß Otto an ihm zweifle, eine geheime verschüchternde, verstockende Erbitterung. Mühsam quälte sich die Unterhaltung hin, die sich mit den gleich- giltigsten Gegenständen beschäftigte und ängstlich gerade das Nächstliegende vermied. Erst ganz zum Schluß, während er Miene machte, aufzubrechen, warf Otto scheinbar gleich- müthig die Bemerkung hin: ,,EH' ich's vergesse, wir haben noch miteinander abzurechnen, Carl." „Abzurechnen?" „Na ja. Es ist doch endlich einmal Zeit, daß ich meine Schulden bezahle." „Deine Schulden?" versetzte Carl in der kurzen, rauhen Weise, die ihm nachgerade zur Gewohnheit geworden und mit» der er alles Unerfreuliche von sich abzuwehreu pflegte: „Was gehen mich Deine Schulden an?" „Meine Schulden, die ich seinerzeit bei Dir gemacht habe, Carl." „Bei mir? Ich erinnere mich nicht, daß ich Dir jemals etwas geborgt habe." „So? Die zweihundert Mark, die mir die Mutter einmal vor Jahren geschickt hat und die von Dir herrührten, und die vielen Zwanzigmarkstücke, die Du Dir in all der Zeit . . ." Carl schob den Stuhl, auf den er beide Hände gelegt hatte, mit einer heftigen Geberde von sich und schnitt dem Bruder das Wort ab. „Komm' mir doch damit nicht!" rief er aufbrausend, das sind doch alte Geschichten und Du weißt ganz gut, daß ich Dir das Geld nicht geborgt habe. Hast Du denn Vater und Mutter auch schon ersucht, Dir eine Rechnung aufzustellen, und Du hast ihnen gesagt, Du wirst ihnen nun Alles, was sie an Dich gewandt haben, zurückzahlen mit fünf Procent Zinsen?" „Aber das ist doch etwas ganz anderes," gab Otto erschrocken über des Bruders unbegreifliche Bitterkeit zurück, das sind eben meine Eltern. . . ." „Und ich eben Dein älterer Bruder," unterbrach Carl heftig. „Und als solcher habe ich Dir von meinem Ueberfluß hin und wieder eine Kleinigkeit abgegeben. Ich bin kein Wucherer, der Geld ausleiht. Du weißt das ganz gut und Du hast auch früher gar nicht daran gedacht . . ." „Weil ich nicht in der Lage war." „Erst jetzt fühlst Du plötzlich das Bedürfniß, mit mir abzurechnen. Ich kann mir schon denken, warum." „Einfach, weil ich erst jetzt die Mittel dazu besitze." „Nein, weil Dir das Bewußtsein von mir Geld genommen zu haben, auf einmal peinlich geworden ist. Sag's nur frei heraus!" Otto sah dem aufgeregt Aufundabschreitenden, der sich immermehr in eine zornige Bitterkeit hineinredete, ganz bestürzt in das erhitzte Gesicht." „Aber ich bitte Dich, Carl," suchte er ihn zu begütigen, 86 ei ist doch ganz natürlich, daß ich Dir jetzt, wo ich m der Lage bin, mit Dank daS Vorgestreckte zurückgebe./ Aber der Andere hörte gar nicht auf ihn. Sich mit der nerböfen Empfindlichkeit feines krankhaften Mißtrauens immer mehr in seine falsche Voraussetzung verbeißend, stieß er unter bitterem Auflachen hervor: „Natürlich von so einem, wie ich bin, nimmt man kein Geld. Ich verstehe Dich, wenn Du es auch nicht offen aussprichst. Aber ich brauche Dein Geld nicht, ich will's nicht. Wenn Dir's in der Tasche brennt, dann wirf's doch weg, oder gieb's dem ersten, besten Bettler, der Dir aus der Straße begegnet. Mir aber komm' nicht damit, ich will nichts davon wissen." Und um sich jeder weiteren Auseinandersetzung zu entziehen, eilte er in das Nebenzimmer und schloß hinter sich ab. Vergebens war es, daß Otto klopfte und beschwichtigende Worte durch die Thür ries, der Erbitterte, der überall Mißtrauen und Geringschätzung um sich sah, öffnete nicht. Und so blieb dem Anderen nichts übrig, als vorläufig unverrichteter Sache davon zu gehen. Freilich, sein Wunsch, dem Bruder in irgend einer Weise zu helfen, war jetzt nur noch stärker in ihm als zuvor. Da er sich nicht anders zu helfen wußte, rief er die Vermittelung des Vaters an, der, wie er wußte, den größten Einfluß von Allen auf Carl besaß. . r Der alte Köster war so wie so mit seinem ältesten Sohne unzufrieden. Carls kopfhängerisches, scheues Wesen gefiel ihm ganz und gar nicht. Es war schon länger als einen Monat her, daß Carl sich nicht mehr hatte blicken lassen. Und während er sonst immer, wenn man sich eine Woche lang nicht gesehen hatte, gleich eine Postkarte geschrieben hatte, schien er sich jetzt um seine Verwandten gar nicht mehr kümmern zu wollen. „Seid doch froh, wenn ich Euch nicht belästige," gab Carl kurz angebunden zur Antwort, als ihn der Vater nun eines Abends besuchte und ihm Vorwürse machte. „Belästigen?" fuhr der Alte verletzt auf. „Haben wir Dir gezeigt, daß uns Dein und Deiner Frau Besuch belästigt? Und wenn Du Brummbär Dir nichts aus unserer Gesellschaft machst, Du hast Pflichten gegen Deine Frau, verstehst Du mich! Sieh Dir einmal ihr blasses Gesicht an! Kein Wunder, wenn Du sie wie eine Gefangene hältst. Helene braucht Umgang, Zerstreuung." Carl ließ sein kurzes, bitteres Auflachen hören, das ihm mehr und mehr zur Gewohnheit wurde. „Auf dem Gesundbrunnen wird sie auch 'ne rechte Zerstreuung finden!" „Auf dem Gesundbrunnen? Ja, warum denn auf dem Gesundbrunnen nicht?" In Carls Mienen zuckte es seltsam. Es war wie ein Wetterleuchten, das ein anrückendes Gewitter anzeigt. Plötzlich kehrte er sich mit einer trotzigen Geberde ab. „Ach, laß mich doch mit Deinem Gesundbrunnen zufrieden!" brauste er auf. „Mir ist die ganze Gegend zum Ekel. Eine kleinliche, klatschsüchtige, elende Sippschaft, die da wohnt!" Wäre der alte Köster ein befferer Menschenkenner gewesen, hätte er das, was in der Seele seines unglücklichen Sohnes vorging, besser zu würdigen verstanden, er würde mit Milde auf das Gemüth des Aufgeregten zu wirken versucht haben. So aber erzürnte ihn die für ihn unverständliche Heftigkeit des Sohnes und sein Zorn entzündete sich an dem des Anderen. „Du bist ein alter Grobian . . . bist Du," rief er ärgerlich. „Bei uns sind die Leute nicht schlechter als anderswo. Klatschweiber giebts überall. Wer ein gutes Gewissen hat, der kümmert sich nicht um ihr Geschwätz. Freilich, wenn Du Dich versteckst und verkriechst und gegen die Leute unzugänglich und bei der geringsten Gelegenheit grob bist, dann . > • „Dann? Na, was dann? Sprich's doch aus!" „Dann forderst Du ja das Gerede heraus, dann machst Du einen wahrhaftig selbst noch stutzig." „Stutzig?" brach Carl, nicht mehr im Stande, sich zu beherrschen, los, „sag's doch lieber gleich, daß Du mich im Grunde Deines Herzens auch für den Spitzbuben hältst, wenn mich auch der Richter freigesprochen hat. Ihr Alle haltet mich ja dafür, Otto und Du und . . ." „Aber," vertheidigte sich der Alte erschrocken, „das fällt mir ja gar nicht ein. Hab' ich denn das gesagt? Ich meinte nur . . . überhaupt, warum fängst Du denn davon an?" In Carl drängte das, was er feit Wochen und Monaten in sich hineingeschluckt hatte, einmal zum offenen Ausbruch. „Denkt Ihr, ich merke es nicht," rief er, unfähig sich zu mäßigen und ohne aus den Einwurf des Vaters zu achten, „wenn Jhr's auch nicht offen sagt, in jeder Miene laßt Jhr's mich fühlen. Ich will Ottos Almosen nicht, ich will Euer Mitleid nicht. Ich brauche Euch nicht, ich werde schon allein fertig. Ich verlange ja von Euch nichts, als daß Ihr mich in Ruhe laßt". Auch der alte Köster war nicht von der sanftesten Gemüthsart, auch in ihm fing der Zorn an überzukochen. Daß Carl so hartnäckig Ottos Geld und seine gutgemeinten Ermahnungen zurückwies, erbitterte ihn über die Maßen. Zornig, mit der Faust auf den Tisch schlagend, schrie er zurück: r L _ „Zum Donnerwetter, soll das etwa heißen, daß Du Deinem Vater den Stuhl vor die Thür setzest?^ „Das soll heißen, daß ich mich nicht beleidigen lasse. Stutzig? Zum Henker auch, ich lasse mich nicht in meiner Wohnung verdächtigen." In diesem Augenblick trat Frau Helene ein, die eben von einem Ausgang heimgekehrt war und die schon vor der Thür die streitenden Stimmen gehört hatte. UeberdieS sprach die Situation, in der sie die beiden Männer fand, deutlich genug. Der alte Köster stand mitten im Zimmer, sein Gesicht war dunkelroth, seine Augen blitzten zornig zu dem Sohn hinüber. Carl saß am Tisch, hatte beide Ellenbogen ausgestemmt und sah finster vor sich hin. Helene trat an dem Trotzigen herang, umschlang seine Schulter mit einem Arm und flüsterte ihm ein paar begütigende Worte ins Ohr. Er aber schob sie unsanft von sich. „Laß' mich!" herrschte er sie an. Die Frau drehte sich mit einem Seufzer nach ihrem Schwiegervater herum und winkte ihm beschwichtigend zu. „Ich gehe schon," sagte der alte Mann tief gekränkt und schritt zur Thür. „Ich gehe schon, mit dem ist ja doch nicht zu reden." Als er draußen auf der Straße war und noch einmal im Geiste das eben Erlebte durchging, schüttelte er tut Stillen den Kopf über Carls Empfindlichkeit und Heftigkeit und die Frage stieg in ihm auf: „Hat er nöthig, sich so ganz kopflos und unvernünftig zu geberden, wenn er sein Gewissen rein weiß?" Zum ersten Mal keimte der Zweifel in feiner Seele: „Hätte er es am Ende doch gethan?" XIX. „Warum besucht uns der Herr Köster garnicht mehr?" fragte Constanze Göring ihren Vater. Der Kammergerichtsrath zuckte mit den Achseln. „Ich weiß nicht, Kind " , Nach einer kurzen Pause fügte er ledoch hinzu: „Fret- lich, denken kann ich mir's ja . . . Es geschieht sicherlich aus Zartgefühl, er befürchtet, daß uns sein Besuch nicht mehr angenehm ist." Das junge Mädchen heftete ihre Augen in grenzenlosem Staunen auf ihren Vater. „Ich begreife Dich nicht, Papa. Warum sollte Herr- Köster zu einer so unbegründeten Befürchtung kommen?" 87 Der alte Herr blieb die Antwort eine ganze Weile schuldig. „So ganz unbegründet wäre eine solche Besorgniß nicht," gab er endlich zur Antwort, und als er den Blick von Neuem fragend auf sich gerichtet sah, fügte er, während ein leiser Schatten über sein Gesicht huschte, hinzu: „Es ist eine unangenehme, peinliche Geschichte, die dem jungen Mann Passirt ist." Constanze Göring ließ die Stickerei, mit der sie sich beschäftigt hatte, in ihren Schooß sinken. Das lebhafte Roth, das ihr plötzlich ins Gesicht stieg, bewies ihr tiefes Interesse. „Eine peinliche Geschichte, Papa?" Der Kammergerichtsrath zögerte wieder mit der Antwort^ das Thema schien ihm nichts weniger als angenehm. Endlich begann er: „Ich habe Dir"seinerzeit nichts davon erzählt, denn wozu Dich mit so häßlichen Dingen behelligen. Uebrigens wenn Du die Zeitungsberichte über stattgehabte Gerichtsverhandlungen lesen würdest, so . . ." " „Die lese ich nie," warf des junge Mädchen mit einer Bewegung des Schauderns ein, „da kommen oft so entsetzliche, schreckliche Dinge vor. Aber wie kommst Du denn darauf, Papa, und was hat das mit Herrn Köster zu thun?" Sie erwartete in sichtlich ängstlicher Spannung die Antwort. „Herr Köster," berichtete der Kammergerichtsrath, „mußte in einer häßlichen Diebstahlsgeschichte als Zeuge aussagen. Auf der Anklagebank saß sein Bruder." Ueber des jungen Mädchens freundliche Zeuge lief ein heftiges Erschrecken. „Herrn Kösters Bruder, Papa? Sein wirklicher Bruder?" Der Kammergerichtsrath nickte. „Aber das ist ja furchtbar!" ries Constanze Göring. Ihr Gesicht war ganz blaß geworden. „Und er sitzt . . . sitzt nun im . . .?" „Nein, er wurde freigesprochen." „Frei . . .?" Das junge Mädchen athmete tief auf. Ueber ihr Gesicht glitt ein freudiges Aufleuchten. „Es wurde freigesprochen," fuhr der Kammergerichtsrath fort, „weil die Sache nicht genug aufgeklärt werden konnte. Der Verdacht aber lastet noch heute auf ihm. Und das wirft natürlich auf das Leben seiner Angehörigen einen tiefen Schatten." „Armer, armer Herr Köster!" Es klang wie ein Seufzer, der aus der Tiefe ihrer Brust heraufkam. Aus ihren Mienen war im Nu wieder alle Freude geschwunden. „Und Du glaubst, Papa, daß er deshalb nicht mehr kommt?" Herr Göring bejahte. „Du kannst Dir denken, wie dem feinfühligen, ehr- liebenden jungen Manne zu Muthe sein mag. Es hat ja seiner Zeit als ein ^interessanter Fall in allen Blättern gestanden. Und nicht genug damit, es hat ihm ja die ganze Zukunft verpfuscht, denn der junge Mann, dem seine Begabung und sein ernstes Streben eine glänzende Carriöre in Aussicht stellte, hat für immer . . jedenfalls aus Ehrgefühl, aus übertriebenem Ehrgefühl, meine ich . . . auf den Staatsdienst verzichtet. Denn schließlich, was kann er dafür, selbst wenn sein Bruder unschuldig ist!" „Nicht wahr, Papa?" pflichtete das junge Mädchen mit einem auffallenden Eifer bei, „es ist doch ungerecht, daß er nun darunter zu leiden hat." Der Kammergerichtsrath erwiderte nichts. Er sah nur aufmerksamer als vorher zu seiner Tochter hinüber. Constanze fühlte es, sie senkte erröthend ihr Gesicht. „Möchtest Du, daß er wieder einmal einen unserer Gesellschaftsabende besucht?" fragte er mit stillem Lächeln. Constanze nickte, ohne anfzublicken. „Nun, dann werde ich ihm einfach schreiben." (Fortsetzung folgt.) Diamanten. Bon Dr. N. Polzin. ------- (Rachdruck vrrLotsn.) KO. In der Nähe von Prätoria ist ein reiches Diamantenlager entdeckt worden. So lautete vor kurzer Zeit die lakonische, aber inhaltsschwere Meldung der Blätter. Prätoria, die Hauptstadt der südafrikanischen Republik (Transval), zwischen den Magalins- und Wüwatersbergen landschaftlich schön gelegen, nahm schon seit Entdeckung der dortigen Goldfelder einen gewaltigen Aufschwung, der sich durch die neueste werthvoüe Entdeckung nur noch vergrößern kann. Welch' ein Unterschied zwischen dem klimatisch angenehmen Boersfreistaat und dem unwirthlichen amerikanischen Klondhke, wo man bei eisiger Kälte, bei Mangel an jeglicher Verpflegung der Erde das Gold abringen muß. Die Gewinnung des Diamanten ist weniger beschwerlich als die des Goldes. Er befindet sich unter eisenhaltigen Mineralien, meist in einem älteren Alluvium, das sind Ablagerungen aus Waffermassen oder Flüssen, die noch durch keine festere Gesteinbildung überdeckt wurden. Die ersten Diamanten kamen von Ostindien nach Europa, und bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts waren Ostindien und Borneo die einzigen Fundorte des Diamanten. Im Jahre 1727 entdeckte man in Brasilien große Diamantenfelder, bis im Jahre 1869 Afrika den Haupthandel in Diamanten an sich riß. Im genannten Jahre entdeckte man nämlich zwischen dem Orange- Freistaat (Bouren) und West-Griqualand im südöstlichen Afrika Diamantenlager, die an der Reichhaltigkeit alle anderen überflügelten. Griqualand hat daher von 1870 bis 1880 mehr Diamanten geliefert als Brasilien während 150 Jahren. Seitdem der große französische Chemiker Lavoister, de« die Franzosen im Jahre 1794, kaum fünfzig Jahre alt, guillotinirten, blos weil er einmal Pächter der staatlichen Pulverfabriken gewesen, die sür die damalige Zeit großartige Entdeckung machte, daß der Diamant weiter nichts sei als krystallisirte Kohle, hat man natürlich unzählige Versuche angestellt, den Diamant künstlich darzustellen. Die Kohle oder genauer der Kohlenstoff kommt in der Natur im freien Zustande vor und zwar als Diamant, Graphit und als amorpher Kohlenstoff. Unsere Kohle ist amorpher Kohlenstoff, verunreinigt durch organische Substanzen. Graphit ist das bleigraue, weiße Metall, welches die Masse zu unseren Bleifedern liefert. Das den Diamanten führende Alluvium ist durch Zertrümmerung älterer Gebirge entstanden. Man nimmt an, daß der Blitz, also die Electricität, bei der Zerstörung der Gebirge und bei der Bildung der Diamanten geholfen habe, weil man an jenen Orten, wo die meisten Diamanten gefunden wurden, die sogenannten Blitzröhren entdeckte, das heißt jene eigenthüm- lichen röhrensörmigen Vertiefungen, welche der einschlagende Blitz zu bilden pflegt. Dieser Umstand veranlaßte manchen Gelehrten mit Hilfe der Electricität den Kohlenstoff zum Schmelzen zu bringen. So ließ auch ein französischer Chemiker wochenlang einen starken clectrischen Strom auf Kohlenstoff einwirken und das Ergebniß war Graphit. Vor etwa fünf Jahren hat der Pariser Chemiker Moissou versucht. Diamant aus Zucker darznstellen, der ja bekanntlich aus Kohlenstoff und den Elementen des Wassers besteht. Der Tiegel, in welchem sich Zucker und Eisen befanden, wurde in einem clectrischen Flammenosen einer Gluth von ungefähr dreitausend Grad Celsius, die höchste erreichbare Hitze, ausgesetzt und dann plötzlich in kaltes Wasser gesetzt. So erzielte Moissou eine schnelle Abkühlung, daß die äußere Schicht der geschmolzenen Masse erstarrte, während die innere flüssig blieb, die sich langsam abkühlte. Moissou vermuthete, daß so ein ganz gewaltiger Druck erzeugt würde, der unerläßlich zur Diamantenbildung sei. Nach Zertrümmerung der Massen fanden sich in der That Diamanten vor, aber so winzige Crystalle, daß die IsifttMi öerseltm n»ch nicht die SMcfe esties gewöhnlichen Stecknadelkopfer erreichten. E« scheiterte euch dieser Erfolg wie alle früheren. Der Werth eines Diamanten hängt von seiner Reinheit und seiner Größe ab. Die meisten Diamanten sind farblos, wasserhell; doch giebt eS auch gefärbte, gelbe, braune, selten schwarze, blaue und rosenrothe. Auch diese gefärbten Steine können unter Umständen einen großen Werth haben, wenn ihr Glanz besonders gut ist. Der' Diamant besitzt den höchsten Glanz, den bekannten Diamant- glanz. Ferner hat er eine so starke lichtbrechende Kraft, daß er das schöne, großartige Farbenspiel zeigt, das um so wundervoller ist, je vollkommener farblos-durchsichtig der Stein ist. Die Durchsichtigkeit des Diamanten nennt man „das Wasser" und das Farbenspiel „das Feuer." Das Gewicht, nach welchem der Diamant verkauft wird, ist das „Karat". Das Karat ist gleich 0,205 Gramm oder 205 Milligramm. Brasilien hat Diamanten geliefert bi» zu 200 Karat, Griqualand bis zu 400, doch waren letztere nicht von tadelloser Reinheit. Die größten Diamanten sind: Orlow, der 194»/, Karat besitzt und sich in der Spitze des russischen Scepters befindet. Dann folgt der Kohinoor mit 186 Karat, jetzt im Besitze der englischen Krone. Der Regent mit 136 Karat, im Schatze von Frankreich, soll ein wunderbar reiner Stein sein, man schätzt seinen Werth auf 12 bis 15 Millionen Franken. In früheren Zeiten gab man den Sclaven, welche so glücklich, einen Diamanten von 17 Karat zu finden, die Freiheit und belohnte sie auch reichlich, was die Herren auch sehr gut konnten, da sie ungeheure Summen durch ihre Leute gewannen. So hat beispielsweise die Portugiesische Regierung in den Jahren von 1780 bis 1820 für 550 Millionen Thaler Diamanten gewonnen. Die Krone von Portugal besitzt auch heute noch einen werthvollen Stein au« Brasilien, der 86 Karat hat. Der Diamant hat eine sehr große Härte, aber keine große Festigkeit, er ist vielmehr sehr spröde, so daß er ohne Schwierigkeit zerschlagen und im Stahlmörser zerstoßen werden kann. Da er von keinem anderen zum Schleifen der Edelsteine dienenden Körper geritzt wird, und das ihn ritzende Bor noch seltener und theuerer als das Diamantpulver ist, so wird der Diamant mit seinem eigenen Pulver geschliffen. Man bereitet dieses Pulver im Stahlmörser aus sonst nicht verwendbaren Diamanten und aus den Abfällen, die vom Spalten des Steines herrühren. Bor dem Schleiien wird nämlich häufig dem Diamanten durch Spalten mit dem Stahlmeißel eine regelmäßige Gestalt gegeben. Das Schleifen geschieht wie das Poliren auf einer Scheibe von weichem Stahl, welche sich horizontal mit großer Geschwindigkeit um ihre Achse dreht und auf welche man da» Diamantenpulver mit etwas Olivenöl bringt. Zum Schleifen und Facettiren wird das gröbere, zum Poliren das feinere Pulver genommen. Die Diamanten werden, ein« gekittet in einem Halter, an die Scheibe gedrückt, bald stärker, bald schwächer, wodurch das Schleifen bewerkstelligt wird. Bocher ist der Stein genau gewogen worden und nachher werden Stein und Staub nochmals gewogen, damit keine Unredlichkeiten Vorkommen können. Die großartigsten Diamant-Schleifereien befinden sich in Amsterdam. Die Gestalt, welche den Diamanten durch Schleifen gegeben wird, ist verschieden, doch die gebräuchlichsten sind die Rosetten- und die Brillantenform. Die geschätzteste ist die letztere, und der Brillant wird stets ä jour gefaßt, das heißt, er ist oben und unten frei, so daß der Stein also nur in der Mitte von der Fassung gehalten wird. Der Erfinder der Kunst, Diamanten zu schleifen, war 88 - Ludwig v»n Berguen. Gchvn „im Hechre IM trat et mit seiner Erfindung Herder, die jetzt se vielen Mensche« einen sehr auskömmlichen Verdienst giebt. Gemeinnütziges. Weiße «och «tcht gestrichene Fußböden streicht man, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, folgendermaßen sehr billig und dauerhaft an: Man nimmt die grünen äußeren Schalen von der Welschnuß ab, kocht diese in einem großen Topf, mit sehr viel Soda, ganz weich, dann gibt man das Gekochte in einen Kübel, drückt eS zu Muß, thut noch etwas warmes Wasser daran, seiht die Masse durch und mit dieser sehr dunklen Flüssigkeit wäscht man den weißen Boden ein, läßt ihn trocknen, wiederholt das Einwaschen und läßt ihn wieder gut trocknen. Dann wird der Boden mit gekochtem Leinöl, das warm gehalten werden muß, mit einem wollenen Lappen eingerieben, läßt ihn trocknen und ölt nochmals. Der Boden steht dann auS wie von Eichenholz und tritt sich nicht so ab wie die Oel- farbe. Er muß aber jedes Jahr einmal nachgeölt werden. An die Nußschalenbeize wird nach Gutdünken etwas terra de Siena gerührt. * * * Auch mit geringen Mittel« eine wohlschmeckende und nahrhafte Kost zn biete«, lehren die Haushaltungsschulen, die bereits in einer großen Reihe deutscher Städte ihre segensreiche Wirksamkeit ausüben. Wohlgeschmack und Nahrhaftigkeit, das sind die Grundbedingungen der rationellen Kochkunst, und die Möglichkeit, sie zu erfüllen, hat Liebigs Fleisch -Extraet um ein Wesentliches erleichtert. Es bietet daS Mittel zur Bereitung guter, kräftiger Suppen, während das theuere frische Fleisch gebraten oder gedämpft auf den Tisch kommt, und es verbessert unzählige Speisen, in erster Linie Gemüse und namentlich Hülsenfrüchte im Geschmack und in der Bekömmlichkeit. Zur Verwerthung der Fleischreste, Abfälle, Knochen re. ist es unschätzbar. * * ♦ Schmeichelkätzchen. Guter Rock und glatte, rund- ausgeschnittene Taille von weißem Atlas, der ziemlich kurze Rock mit Katzenköpfen garnirt, die sehr geschickt gemalt und dann in bestimmten Zwischenräumen aus den Rock geheftet werden, die Taille am Aermelausschnitt, wie auch am oberen und unteren Rande mit einem weißen Pelzstreifen garnirt. Von den Schultern hängen schwarze Schwänzchen, ebenso werden rechts und links auf der Schulter je ein kleiner Katzenkopf befestigt. Hände und Füße stecken außer in schwarzen Handschuhen und niedrigen Schuhen, noch in weißen Fellche»/ die ersteren reichen bis z«m Ellenbogen, letztere bis zum Rande des Rockes. Auch die Kopfbedeckung und Maske bilden ein Katzengestcht resp. Katzenköpfchen. ♦ * * Frische Molkensuppe. Frische Molke bringt man aufs Feuer, schneidet ein wenig Weißbrod hinein, rührt etwas Mehl mit süßer Milch an, schüttet es dann hinzu, gibt etwas Salz bei und läßt es kochen. Nun kommt ein Eidotter, etwas Rahm, Zucker und Muskat hinzu. Diese Suppe ist, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, be- onders für Kranke und Genesende sehr zu empfehlen. ♦ * • Berstänbte oder schmutzig gewordene Gyps- figuren oder Reliefs reinigt man am leichtesten, indem man sie mit dickem Kleister überzieht und so lange der frischen Luft aussetzt, bis der Kleister abfällt und allen Staub und Schmutz mitnimmt. Rcdaction! 8L E-h-Yda. — Druck uni «erlag der Brühl'schen vniversttätr-Buch- und Stemdruckerei (Pietsch & Scheyda) m «iejen.