Das Fräulein. Roman von E. Vely. (Schluß.) Ebbas Arme hingen schlaff am Körper herunter. „Du weißt es ja, warum ich hierher gekommen bin," sagte sie, als habe das kurze Zwiegespräch der Anderen nicht stattgefunden, „aber ich kann es ebenso gut noch einmal aussprechen: Ich kam, weil ich dem Doctor sagen wollte: ich habe Dich lieb, ich will Alles Deinethalben verlassen. — Er aber — sieh, er hat eine Andere lieb. Und so ist es eben ein Mißverständniß gewesen." Der schöne Mund zog sich zusammen, dann schloß er sich fest. „Aber Ebba," sagte der Consul, so ruhig wie zuvor, „wozu all diese Erörterungen? Ich verlange sie gar nicht von Dir — wir können über die ganze Sache hinweggehen" — „zur Tagesordnung"; diese herkömmliche Redensart wollte ihm wirklich dazwischengleiten. „Ich werde Dir niemals Vorwürfe machen." „Vorwürfe?" sie schien zu wachsen. „Du könntest das ja nicht — durch Dich bin ich so geworden — durch Dich!" So hatte er sie doch noch nicht gesehen; für ihn lag ein Charme in dem sonderbaren Benehmen. „Das ist nun mal der Gang der Dinge — in der Ehe. Man muß Nachsicht üben, auch einmal mit den Launen und plötzlichen Capriccn einer Frau —" Donnerstag den 9. Juni. 1898. p» ls ich ini Thau die Rose brach, i Schien auch ihr Duft dahin; Nun quillt er wieder allgemach Und träumend athiw ich ihn. Und immer trunk'ner strömt vermehrt Ihr herrlicher Geruch, Als weile, ihr zurückgekehrt, Die Seele zu Besuch. Was wohlig nur der Sinn empfand, Dringt als ein Hauch zur Brust, Wie uns eilt Glück erst, da es schwand, Vollkommen wird bewußt. Martin Greif. Sie verschränkte die Arme über der Brust, als decke sie eine Leere in derselben zu. „Ich wollte besser werden, gut — das ist mißlungen." „Mein armes, armes Kind!" rief Frau Anna schmerzerfüllt. „Sie sind sehr gütig, gnädige Frau," sagte der Consul, „aber — ein Roman, der nicht über die Capitelüberfchrifr hinausgeht, der hat noch keine Gefahr für den Leser. — Wenn ich auch gestehen muß, daß die plötzliche romantische Anwandlung meiner kleinen Frau mich — was ich nicht gedacht hätte — eifersüchtig gemacht hat. Bonne cliance, Ebba! Vielleicht gelange ich noch zur Liebe! „Nein!" sagte sie kurz. Er bot ihr, mit stummer Verbeugung gegen die Matrone, den Arm; sie legte ihre Hand hinein und schritt mit ihm hinaus. Da war noch das Gesicht der Kubaitz, die kleine, knixende Gestalt, — und hinter der anderen Thür rief Bruno Line Arabin ins Leben zurück, in eines voller Liebe und Wärme, eines, wie sie es nie gekannt. Da stand Walther, so unterwürsig wie immer am Wagenschlag — das waren die gewohnten Kissen, auf denen man besser saß, wie in einer Droschke. Der Consul gab den Befehl, erst noch einen Umweg durch den Thiergarten zu machen. Warum? Ah, die gute Luft, die kühlte ab, möglicher Weise war es ihm doch warm geworden bei seiner äußerlichen Kühle. „Ja, nun rollte der Wagen dahin. Ja, das Leben! ein langes, langes Leben! Wie bequem der Wagen war — sie hatte in eine Droschke steigen wollen, die so langsam dahin trottete. Mit diesem Manne mußte sie nun weiter dieReise fortsetzen — sie konnte auch lang werden. Daß er nicht sprach, empfand sie wie eine Wohlthat. Lichter, Häuser, Bäume — da oben über den Damm rollte ein Eisenbahnzug; ob die Leute wohl noch Erwartung kannten, die er dahin führte? In ihrem Leben war keine mehr — wohl einzelne Stationen, die ein bischen von einander abwichen, aber stets das Weitergleiten von einem Tage zum anderen. Es kam vor, daß sich Menschen vor solch einen rollenden Zug warfen, dann stand die Lebensmaschine Plötzlich still. Sonderbar, daß Line Arabin das auch gewollt hatte; es müßte übrigens ein häßlicher Tod sein — das Krachen, Quetschen; Umherspritzen des rothen, lebenswarmen Blutes. Bah — ihr Blut war kalt — sie hieß die kühle Frau Ebba. — Geld und Preise in China. zu spät. Ihre Augen strahlten. „Weiht, Du, was ich that?" flüsterte sie. Er zog sie stürmisch an sich und hielt di: beiden Hände fest, welche sie vor das Gesicht schlagen wollte- dann noch eine Pause und dann sagte sie: „So mmm mich. * * * „Seine Mutter!" sie wollte beschämt den Kopf abwenden. „Ich weiß Alles! er fragt nicht, was Du glaubst, ^Das waren Bruno zu viele Worte. „Jacqueline! rief er. „Dann — Er that einen Griff in die Westentasche. „Vielleicht giebt dies Blatt Aufschluß!" Und nun saßen sie, umgeben von dem alten Apparat, da wieder ganz friedlich im Wagen. Er, Walther, hatte: gefunden, daß das stille Beilegen noch überall das Beste gewesen war - und aus dieser Familienangelegenheit wurde ibm ia auch wieder ein reicher Gewinn blühen — Da, hinter ihm wurde der Schlag aufgerissen, es sprang Jemand heraus — eilte in raschem Lauf quer über den Rasen, zwischen den Bäumen — Als der Wagen hielt und er mit dem Konsul nachrannte, hyrtxn sie von Weitem ein klatschendes, dumpfes Geräusch „Großer Gott!" schrie der Erstere. Dann standen sie am Wasser, noch eimge zuckende Wellen da unten auf dem blinkenden Spiegel — Hilfe, Hilfe!" riefen sie jetzt Beide heiser durch das Dunkel hin. Bis man kam, forschen, suchen konnte, war s Ja, so eine Station! Joachim von Monken zum | Beispiel! Wenn sie ihn wirklich erhörte, was wurde sie chm | dann sagen: „Aus Langeweile — auch nichts, als Langeweile." Es überlief sie, nein, auch das ist nicht den Zeitaufwand von fünf Minuten werth. Zwei bleiche Gesichter schienen da m der Dunkelheit aufzutauchen — Lonny nnd Henny, ihre Kinder. Für | manche Frauen soll das Wort einen süßen Klang haben, i Auch deretwillen ist's die lange, lange Reise nicht werth. — Großmutter Karin würde ihnen so viel von den heldenhaften Ahnen erzählen und der alte Johann Konrad kauft solch prächtige Spielsachen. , .. Die, welche sie verlassen hat — die zreh n Wohl in die j Provinz, die Junge an der Seite der Alten — die hat eine so weiche, liebkosende Art, über das Haar zu streichen, und sie, Ebba Lund, wird eines Tages in ihrem kostbaren Frühstückszimmer sitzen, und ein Zeitungsblatt wird vor sie hingelegt werden, und darin liest sie die Anzeige von der Vermählung. „In der Provinz niedergelassen — da hat er dem verscheuchten Vogel ein warmes Rest gebaut - Sie muß zurück in die Villa, sie wird den Kies des Gartens wieder unter den Wagenrädern knirschen hören — o, unerträgliches Geräusch, und nun noch eine Biegung unv dann dringt es an ihr Ohr — Walther saß mit untergeschlagenen Armen aus dem Bock neben dem Kutscher, er dachte, daß ein ereigmßreicher Tag war - ja, die Luft that ihm auch gut - er athmete sie mit vollen Zügen. Bei einem gewandten Diener ist es mit dem Jnstinct, wie bei einem Frauenzimmer — er wußte, daß da auf dem Tisch ein Brief liegen mußte, und er brachte ihn dem Herrn. So aufgeregt hatte er denselben doch noch nicht qesehen, als wie er ihn in das Zimmer rief, wo die Schubladen des Schreibtisches offen standen und ihr Inhalt durchwühlt war. — „Keinen Anhalt" —" hörte er ihn sagen, und dann kurz, unvorsichtig, forschend: „Walther — wohin ist meine Frau gefahren?" „Unter die Linden — und dann — Es wird sich bald als eine unabweisliche Forderung Herausstellen, daß China von Grund aus eine Reform seines Geldwesens vornimmt, denn die gegenwärtigen Zustande sind für einen lebhaften Handelsverkehr gänzlich ungeeignet und werden daher in kurzer Zeit völlig unhaltbar sein. Es ist ein Verdienst der großartigen von der Handelskammer in Lyon nach China entsandten Forschungsmission, diese bisher noch recht lückenhaft bekannten Verhältniffe aufgedeckt zu haben. Ein Mitglied dieser Handelsmission Namens Sculsort hielt vor einigm Wochen vor der volkswirthschaftltchen Gesellschaft in Lyon inen Vortrag über Geld und Preise in China, den wir in Anbetracht der Bedeutsamkeit des Gegenstandes wenigstens in den Grundzügen wiedergeben wollen. Das eigentliche Courantgeld besteht im Innern des himmlischen Reiches weder aus Geld noch aus Silber, vielmehr au schließlich aus Kupfer oder richtiger Bronze in Form kleiner durchlöcherter Scheiben, die von den Chinesen Tongtsien, von den Engländern cash und von den Franzosen saxöguss genannt ^werden. Diese Kupfermünze könnten als Geldeinheil [ genommen werden, wenn nicht die Zerrissenheit der chinesischen Verhältnisse auch dies unmöglich machte, denn ;e nach der Zeit und dem Orte hat das Geldstück ein anderes Gewicht, andere Größe, anderes Aussehen und sogar einen andern Namen. In Peking wird es nach der B°rschrlst im Gewich>.e von 4 Gramm, einem Durchmesser von 22 bis 23 Milli meter und in einer Mischung geprägt, die mif 1000 TMe aus 545 Theilen Küpser, 363 Zink, zum Rest aus Elsen, Blei, Kiesel u. s. w. besteht. Da die gegenwärtig inChina ausgebeuteten Kupferminen nicht mehr sehr ertragfähig sind, I und ihre Ausnutzung kaiserliches Monopol ist, so ist der Kupfermangel für industrielle Zwecke in China so groß, daß es ein gutes Geschäft wäre, die Sapeken emzuschmelzen, was -b-° „I-tzlich Itt. WM[t 0011 -Iw» >/, PIkimig, und mm Iran sich denken, daß -m größeres B-.miig-n, in di-stn MiinM ° " aam hübsches Gewicht ausmachen muß. Das Loch in der Mitte dient zum Auffädeln der Geldstücke zu einem sogenanten „Strang" (chinesisch Tiao). Ein Strang hat gewöhnlich I 1000 Sapeken, wiegt also durchschnittlich 8 Pfund, an manchen Orten aber hat ein Strang nur 500 Stück oder weniger. Die Zahl der im Umlauf befindlichen Sapeken ist eine ganz ungeheure und doch herrscht gegenwärtig Mangel daran, da der Handelswerth der Münze ein so geringer ist. Das ; Leben im Innern Chinas ist nicht theuer, trotzdem erhalt ein Kuli als Tagelohn wenigstens 100 Sapeken (also etwa ' I drei Mark, was doch für den Durchschnitt unwahrscheinlich 1 hoch ist), und der Werth einer Mtethe, einer Ernte und größerer Werthobjecte beziffert sich immer auf Hunderte von 1 Strängen. Das Kupsergeld genügt also für größere Geschäfte durchaus nicht, man hat zum Silber greifen müffttt. Die Silberverhältniffe zeigen nun beinahe eine ebensolch Verwirrung wie der chinesische Kalender. Man muß unterscheiden zwischen Silbermetall, Silber-Rechnungsm^ Einheiten) und wirklich gemünztem Silber. Zunächst ist da» Silber in Form kleiner Barren oder Stangen im Umlauf, die die chinesische Bezeichnung Saizee führen, was eigentlich so viel bedeutet wie „reine Seide". Es ist in der That reines, feines Silber, aber wieder sehr verschieden ingom und Gewicht. Die Provinz Yünnan, letzt im französischen Ein- flußaebiet, hat z. B. viereckige Silberbarren "tt emmi Vorsprung an jedem Ende und mit einem Gewicht vvn 200 Gramm. Die reiche Provinz Szetschuan hat Silberbarren von 400 Gramm Die dunklen Augen voll aufschlagend, blickte Jacqueline beim Morgengrauen um sich „Wo bin ich? Zwei weiche Arme umschlangen sie. „Bei Deiner, bet Brunos Mutter, geliebtes Kind! Nein, nichts sagen geduldig zuhören! Ich habe auch um den Besitz meines Gatten kämpfen und leiden müssen. Er war em Jude, ich aus streng katholischem Hause! Ich weiß, was Verzweiflung 347 Gewicht in der Form eines halben Eies, und eine andere Provinz am linken Ufer des Blauen Flusses führt qar Srlberklumpen im Gewicht von 2 Kilogramm die die Form von kleinen Schuhen haben. Der Verkehr mit diesen Silberbarren giebt Gelegenheit zum großartigsten Schwindel, denn das Gewicht stimmt immer nur annähernd, obgleich die Barren einen Stempel tragen. Daher ist es rathsam, eine Summe, die in solchen Barren ausgezahlt wird, immer sofort nachzuwiegen. Jeder richtige chinesische Handelsmann, »- erzählt Sculfort, trägt beständig in den weiten Aermeln seines Kleides eine Waage mit sich, und wenn er noch gewitzigter ist, deren zwei, die eine zum Einkauf und die Ändere zum Verkauf,- die zum Einkauf wiegt natürlich immer zu reichlich, die andere immer zu wenig. Das Gewicht und demgemäß der Werth der Silberbarren wird in Taels ausgedrückt, und ein Tael ist für China die Rechnungsmünze etwa wie in England das Pfund. Selbstverständlich giebt es in China wieder mehrere verschiedene Taels. Das gewöhnliche Handelstael ist 35,7 Gramm Silber, die Mandarinen zählen ihrem Rang entsprechend nach einem Tael, das V Procent schwerer ist, und die Kaufleute in Canton haben wieder ein 8 Procent schwereres. Das den Europäern am besten bekannte Zoll-Tael wurde durch den Vertrag von 1858 festgelegt und hat 37,8 Gramm, es war früher etwa 7 Mark werth, heute nur etwa 3,20 Mark. Das Tael wird wieder eingetheilt in 10 Tsien, dieses in 10 Fen (Candarin), dieses wieder in 10 Li. Ein Li wird gewöhnlich als gleichwerthiq mit der Sapeke betrachtet, obgleisch zwischen Silber- und Bronzegeld kein bestimmter Zusammenhang besteht. Da das Silber viel mehr im Preise gesunken ist als die Bronze, für ein Tael im Jahre 1896 nur noch 1200 Sapeken gegen 1500 im Jahre 1896 und 1600 im Jahre 1876. Was nun geprägtes Geld betrifft, so scheint ts früher in China Gold- und Silbermünzen gegeben zu haben, sie sind aber schon seit Jahrhunderten aufgegeben worden, wahrscheinlich wegen zu arger Fälschungen. In den Zähren 1838 und 1844 versuchte man von Amoy aus eine Art Silber-Piaster oder Dollar in Umlauf zu setzen (etwa gleich 70/i00 eines £ae[), aber auch diese Münze hatte keinen Erfolg, weil sich reines Silber zu schnell abnutzt. Das einzige gemünzte Geld, mit dem sich der chinesische Handel hat befreunden können, sind ausländische Geldstücke gewesen namentlich spanische und mexikanische Piaster, die indische Rupie, der Handelsdollar der Vereinigten Staaten und das japanische Yen. 1866 richteten die Engländer in Hongkong eine schöne Münzwerkstatt ein und prägten dort für China einen neuen Dollar mit Untereinheiten in 50, 20, 10 und 5 Cents- stäcken. Im Ganzen wurden noch nicht 3 Millionen Dollar ÄUsgegeben, denn die Chinesen wiesen den Hongkong-Dollar zurück, die Münze wurde ohne Sang und Klang geschlossen "Nd die Werkzeuge nach Japan verkauft. Ein ähnliches Schicksal wird wohl der britische Dollar erleiden, der seit dem 2. Februar 1895 in Bombay geprägt wird und 1895/96 in über 3 Millionen und 1896/97 in über 6 Millionen Stück ausgegeben wurde. Der französische indochinesische Piaster vom Jahre 1884 kommt oft nach China hinein, aber meist tst es die erste Sorge derer, die ihn erhalten, ihn einzu- > schmelzen, wenn sein Metallwerth den des japanischen S)ett übersteigt. Seit 1895 wird er in Folge dessen in einem geringem Gewicht geprägt. Daß die Schöpfung einer nationalen Münze in China eine der größten Nothwendigkeiten ist, wird nach diesen Ausführungen wohl Niemand mehr bereiten, man hat auch schon Versuche dazu gemacht. Seit 1890 besteht eine Münze in Canton und später folgten solche in Tientsin, Nanking u. s. w., aber der dort geprägte Dollar oder „Drachen" ist noch immer den Münzsammlern Lesser bekannt als den Kaufleuten, obgleich jährlich wohl für einige Millionen Taels Münzen geprägt werden. Natürlich k bie Münzverwaltungen von Anfang an der Betrügerei beschuldigt worden. Zum Schluß wendet sich Sculfortt noch gegen zwei weitverbreitete Jrrthümer,- der in China aufgespeicherte Silbervorrath ist lange nicht so groß wie gewöhnlich dargestellt wird (31/, bis 4 Milliarden). Das Silber läuft hauptsächlich an den Küsten und den Berührungsgebieten mit dem europäischen Handel um, auf dem Lande dagegen ist es selten, und man begnügt sich dort mit Küpser oder auch mit Opium als Zahlungsmittel. Ferner ist der Silberwerth entgegen den bimetallistischen Behauptungen auch in China sehr gesunken, und die Preise haben sich dementsprechend überall erhöht, und zwar um nicht weniger als 62,5 Procent. Ein Wink an die Hausfrauen. Für die Hausfrauen ist jetzt eine schlimme Zeit. Sie haben große Plage mit dem unentbehrlichsten Bestandtheil des Mittagstisches: mit den Kartoffeln. Die alten sind zumeist schlecht, die neuen sind noch nicht billig genug. Aber warum sind die alten Kartoffeln so schlecht? Und was kann man thun, um sich für das nächste Jahr vor ,ben Unannehmlich- feiten zu bewahren, die mit dem Schlechtwerden verbunden sind? Darauf antwortet der „Berl. Volksztg." ein Fachmann: Die im letzten Jahre wieder stark aufgetretene Fäulniß und schlechte Oualität vieler Kartoffelsorten läßt es angezeigt erscheinen, auf ein seit langen Jahren in der Praxis bewährtes, einfaches und billiges Verfahren hinzuweisen, das nachgeahmt zu werden verdient. Es besteht zunächst in der Auswahl der Kartoffeln für den Haushalt auf Grund des specifischen Gewichts. Dieses wird in der Praxis auf einfache Weise durch eine Salzlösung ermittelt. Salzwasser ist bekanntlich tragsähiger als Süßwasser. Wirft mau eine Kartoffel in Süßwasser (gewöhnliches Leitungs-oder Brunnenwasser), so wird sie darin auf den Grund sinken. Fügt mau dem Wasser genügend Salz zu, so hebt sich die Kartoffel an die Oberfläche des Wassers. Je specifisch schwerer, also mehlreicher nun eine Kartoffel ift, desto mehr «atz muß man dem Wasser zufügen, um sie zum Heben zu bringen. Mit mehreren größeren Behältern von verschiebens starken Salzlösungen kann man jede Kartoffelsorte nach ihrem verschiedenen Mehlgehalt schnell und leicht ganz genau sortireu, wie sie im Haushalt verschieden gewünscht und gebraucht wird. Man erhält dadurch Kartoffeln die sich gleichmäßig kochen, von denen also nicht einzelne schon geplatzt sind, während andere noch hart bleiben. Willman z. B. eine Kartoffelsorte nach ihrem specifischen Gewicht, also nach ihrem Mehlgehalt in drei Sorten theilen, so wirft man, um zunächst die Stärke der Salzlösung zu gewinnen etwa 15 Kartoffeln in einen größeren Behälter mit Wasser und fügt dem Wasser so viel Salz zu, bis sich 10 Kartoffeln an die Oberfläche des Wassers gehoben haben. Die auf dem Grunde liegenden sind die specifisch schwersten, die mehl- reichsten. Die oben schwimmenden, leichteren 10 Kartoffeln wirft man nun in einen zweiten größeren Behälter mit Wasser und fügt dem Wasser wieder so viel Salz zu, bis sich fünf Kartoffeln wieder an die Oberfläche des Wassers gehoben haben. Durch die so gewonnenen verschieden starken Salzlösungen theilt man nun die Kartoffeln nach ihrem Mehl- gehalt in drei Sorten, indem man sie erst in die erstere stärkere Salzlösung wirft, wo man die auf den Grund sinkenden mehlreichsten erhält, und dann die in der ersten Lösung oben schwimmenden in die zweite schwächere Lösung. Hier scheiden sich dann weiter die beiden geringeren Sorten aus. Sind die Kartoffeln aus dem Salzwasser herausgenommen, so spült man sie mit Süßwasser ab; dann läßt man das Wasser ablaufen und sie wieder lufttrocken werden. Es empfiehlt sich, die Kartoffeln, die im Haushalt zum Gebrauch ohnedies abgespült werden, vorher schmutzfrei abzuwaschen. Besonders wichtig ist die Aufbewahrung der Kartoffeln. Es wird hierzu die Einbettung derselben in trockenen Torfmull empfohlen, die in folgender Weise geschieht. Man - 348 - schüttet den Torfmull im Keller je nach der Feuchtigkeits beschaffenheit des Kellers bis höchstens 10 Zentimeter hoch auf und die Kartoffeln darauf, zwischen welche, etwa in der Mitte der Höhe der geschütteten Kartoffeln, hier und da ein kleiner Haufen Torfmull gestreut wird. Der ganze Haufe wird mit einer ebenso starken Torsmullschicht abgedeckt,- auch zwischen Kellerwand und Kartoffeln muß eine Jsolirschicht von Torfmull aufgeschüttet werden. Werden Kartoffeln im Keller in Fässern und Kisten aufbewahrt, was jedenfalls das Beste ist, so genügt es, auf den Boden der Gesäße, an die Seiten und obenauf eine halb so starke Torfmullschicht zu legen. Beim Einlegen der Kartoffeln wird dann und wann eine Hand voll Torfmull zwischen sie gestreut. Daß die so aufbewahrten Kartoffeln den Einflüssen von Licht, Feuchtigkeit und Temperaturwechsel entzogen werden, ist zweifellos, und weil der Torfmull alle Feuchtigkeit aufsaugt, wird ein Faulen oder Keimen der neuen Kartoffeln verhindert. Sie werden sich also auch ein wenig verändern und können im Haushalt bis zum Erscheinen der neuen Kartoffeln wie frisch geerntete verwendet werden. Auf solche Weise, d. h. durch Auswahl der specifisch schwersten Kartoffeln und durch deren Aufbewahrung in einem Torfmullbett vermag sich jede Hausfrau ohne weiteren Kostenaufwand als den für das Salz zur Lösung für die Gewichtsbestimmung und für das geringe Quantum billigen Torfmulls ihren Kartoffelvorrath bis zur neuen Ernte vorzüglich im Geschmack zu erhalten. Ter Torfmull, der im Sommer nur an der Luft wieder getrocknet zu werden braucht, kann jedes Jahr wieder gebraucht werden. Um einen Anhalt für den Ankauf von guten Kartoffeln zu haben, ist das Mittel der specifischen Gewichtsbestimmung auch hier zu empfehlen, und es ist anzn- rathen, nur solche Kartoffeln für den Winterbedarf zu kaufen, die sich von jeder Sorte als specifisch schwererweisen. Aber selbst unreife Frühkartoffeln sind int Torfmull längere Zeit gut und schmackhaft zu erhalten. Viele von den Kartoffeln, die jetzt als „neue" verkauft werden, sind vorjährige Kartoffeln, die in Torfmull aufbewahrt worden sind! Gleichzeitig ist die Aufbewahrung des Obstes und gut geräucherter Fleisch- waaren in trockenem Torfmull sehr zu empfehlen. Aus- gewähltes gutes Obst wird in offenen Kisten oder Fässern folgendermaßen aufbewahrt: auf den Boden schüttet man eine dünne, höchstens drei Zentimeter starke Torfmullschicht, worauf dann eine Schicht möglichst gleich großes Obst gelegt wird. Zwischen und auf das Obst wird dann wieder in ganz dünner Schicht Torfmull gestreut und so schichtweise sortgelegt, und oben ebenfalls mit einer dünnen Schicht abgedeckt. Gute reife, aber nicht zu reife Pflaumen kann man birect vom Baum gepflückt und in einen Steintopf mit ganz dünnem, feinem Torfmull schichtweise gelegt bis nach Weihnachten frisch und gut erhalten, ebenso Weintrauben. Zu viel Torfmull darf man bei Obst nicht nehmen, da sonst die Früchte zu trocken liegen und leicht welken. Geräucherte Wurst und Schinken halten sich mit Torfmull, in ein offenes Gefäß gelegt, ganz vorzüglich. Die ersten Hülfsleistnngen bei Vergiftungen. Von Dr. Otto Gotthilf. —----- (Nachdruck verboten.) Selbstverständlich wird man bei jeder Vergiftung, mag sie mit oder ohne Absicht geschehen sein, sofort zum nächsten Arzt schicken. Aber die Zeit bis zur Ankunft desselben ist zu kostbar, als daß man sie unbenützt lassen dürste, in ihr entscheidet sich gerade sehr ost die Frage: Tod ober Leben? Schnelles Eingreifen eines Laien kann ben Vergifteten häufig noch retten, während schon einige Minuten später alle ärztliche Kunst nichts mehr vermag. Zunächst entsage man dem Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen thörichten, viel verbreiteten Glauben, daß man zu jedem Gifte das betreffende Gegengift kennen und zur Stelle haben müsse. Das ist ebenso unnöthig wie unmöglich. Die erste und wichtigste Ausgabe ist vielmehr stets: Entfernung des Giftes aus dem Körper! Da nun Gifte am häufigsten in den Magen kommen, von wo sie bann erst in die Lymphe und das Blut übergehen, so wird eine schnelle und möglichst vollständige Entleerung des Magens besonders oft in Frage kommen. Bei vielen Arten von Vergiftungen wird schon von der Natur selbst diese Heilmethode eingeleitet, indem alsbald Erbrechen eintritt. In den meisten Fällen genügt dies aber keineswegs, um den Magen von seinem schädlichen Inhalte zu Befreien,, sondern man muß auf künstliche Weise, z. B. mit einer Feder ober bem Finger im Halse nachhelfen. Niemals aber barf bas Erbrechen burch ölige ober fettige Substanzen ober durch Trinkenlaffen von warmem Wasser hervorgerufen werden, denn durch Erwärmen der Magenschleimhaut werden viele Gifte leichter in den Organismus aufgenommen (reforbirt). Ein besonders empsehlenswerthes Brechmittel ist gutes Senfpulver,'. 8 bis 10 Gramm davon werden in einem Glas Wasser umgerührt. Bei Bewußtlosen ist die Lagerung des Kopfes so vorzunehmen, daß ein Hineingelangen des Erbrochenen in die Luftwege unmöglich wird, weil sonst sofort Erstickung eintreten kann. Also muß der Kopf vornüber gebeugt sein, mit dem Munde nach unten. In zweiter Reihe muß das Bestreben dahin gehen, die durch das Gift gestörten Functionen einzelner Organe ober des gelammten Körpers durch geeignete Mittel wieder in Ordnung zu bringen. Da gilt e» denn zunächst die oft schnell eintretende Herzschwäche zu beseitigen, indem man den Herzmuskel reizt. Erstaunlich schnell wirken heiße Umschläge auf die Herzgegend: heiße Wafferumschläge, heiße Sandkiffen ober heiße Breiumschläge, die die Wärme länger festhalten. Diese Maßnahmen sind aber nur zu treffen, wenn die Herzthätigkeit sehr verlangsamt ober kaum wahrnehmbar ist. Gewarnt sei besonders vor der viel geübten Methode, bei Bewußtlosigkeit Ammoniak riechen zu lassen Dadurch schließt sich einen Moment die Stimmritze, die Einathmung. setzt aus, und dies kann in einem solchen Zustande schon höchst verhängnißvoll werden. Das sins im Allgemeinen die wichtigsten Vorkehrungen, die von jedem Laien bis zur Ankunft des Arztes möglichst schnell getroffen werden können. Nirgends wird von dem Helfenden mehr Geistesgegenwart und sofortiges Handeln verlangt als hier. Aber es winkt auch ein hoher Preis: handelt es sich doch um die Rettung eines Menschenlebens! Hnnisvistisches. Ein schwieriger Fall. Doctor Beiling sitzt Abends bei seiner Frau im Familienzimmer, als ihm das Dienstmädchen eine Karte überreicht. — Doctor Beiling (leise für sich lesend): „Lieber Eollege, komm' gleich herum ins Easö an der Ecke. Doctor Scholler und ich warten auf einen dritten Mann zum Scat." (Laut.) „Hm, Hm! Liebes Kind, Du mußt entschuldigen, daß ich Dich allein lasse. Ein sehr schwieriger Fall jedenfalls — es sind schon zwei Zollegen da!" ♦ * ♦ In der Sammelwuth. Bankier (zu seiner Fran): „Denk Der, Sarah — der Zassier is mer dorchgegangen nach Amerika!" — Tochter: „Nu, — vielleicht schickt er Ansichtskarten!" * • ♦ Sicher. Neuer Miether (Musiker): „Ist denn die Wohnung auch sicher? Ich besitze werthvolle Instrumente!" — Hausfrau: „Ei versteht sich! Uns passirt nichts — mein Mann steht ja unter Polizei-Aufsicht!" Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.