fwnv ÄL WM mSBB U rühling weckt verzagtes Hoffen, Das in uns verborgen ruht; Was uns auch für Leid betroffen, Rüstig kehrt der alte Muth. Wenn geschwellte Knospen treiben Unverzagt vor unferm Blick, Kann das Herz zurück nicht bleiben Und es sucht verlor'nes Glück. Martin Greis. Das Fräulein. Roman von E. Ve ly. (Fortsetzung.) „Meine Mutter —," sagte Brunos klangvolle Stimme draußen, während beide Frauen aufhorchten, „ja, kann es denn möglich sein?" „Aber Herr Doctor!" Dann riß er die Thür auf, ein helles Leuchten flog über sein Gesicht, als er sie sah, die stumm die Hände nach ihm ausbreitete. Er ließ sich ans Herz drücken, küßte ihre Wangen und Hände, schob sie dann ein wenig von sich ab, als müsse er sich überzeugen, daß sie's auch wirklich und sagte: „Du bist da — das ist die Hauptsache!" „Mein lieber Juuge!" Ebba stand seitwärts neben dem Schreibtisch, der Scene zuschauend. „Die stundenlange Fahrt — Du wirst müde sein!" meinte er. Frau Anna schüttelte den Kopf. „Schon ausgeruht'" und dann blickte sie sich nach Ebba um, „Sie sorgte ja für mich — Ebba!" Seine Lippen schienen das Wort leise nachzusprechen, eine Augen fanden die kleine Gestalt. Das also hatten t)re Zellen bedeutet, die er so zornig in der Hand gehalten. Er sprang auf und eilte zu ihr hin. unt das Kommen meiner Mutter gewußt, gnädige Frau?" a ö ' „ . £ stoar °ine kleine Verschwörung," sie war verlegen und hilflos, und die Worte kamen ihr unsäglich dumm für die Bedeutung dieser Stunde vor, als sie ausgesprochen waren. „Bruno!" sagte Frau Anna bedeutungsvoll und dann trat sie zu dem Paare heran. „Du - Ihr habt mich ge- braucht und da bin ich! Ich hatte mich so eingewickelt in meine Ruhe, in meine Verschollenheit - nun soll ich eine Welle heraus und ich bin auch zufrieden. Ebba steht unter meinem Schutze von jetzt an —." Er sah von Einer zur Andere», ohne den Sinn der Worte verstehen,- Ebbas Augen hingen an seinen Zügen, fast ängstlich forschend, als die Mutter fortfuhr: „Ebba hat d°s V-rhangnißvolle gethan - für Dich, Bruno, für Euer Glück den Wagemuth gehabt, Ihren Gatten zu verlassen -." » Er lich zurück, tiefe Blässe kam in sein Gesicht „Frau Ebba Lund!" rief er mit erstickter Stimme Die alte Frau schien erstaunt, daß sich seine Ergriffenheit und Freude nicht anders äußerte, und Ebba stand da, die Augen noch immer weit offen, aber so bleich, wie er selber, werdend. ',Jch nehme sie mit, Bruno, bis all das Röthiae vorüber ist und Du sie heimholen kannst — als Deine Frau!" „Mutter," seine Zähne schlugen hörbar aufeinander. Da wurde- die Klingel so heftig gerissen, daß sie alle Drei erschreckt auffuhren) dann erklang eine Männerstimme. „Der Herr Doctor — der Herr Doctor!" Die Kubaitz stieß die Thür auf. „Ach, nun gerade jetzt. Und wenn kein Leben mehr drin ist, warum bringen Sie sie denn hierher!" jammerte sie. „Das müssen wir doch erst sehen!" sagte der Dienstmann, dessen rundes Gesicht noch röther leuchtete als seine Mütze. „Dazu sind doch die Doctors da!" Schwere Schritte stampften draußen die Stiegen herauf, man trug eine Last. „Ich bin nu eben man vorgesprungen, damit der Herr Doctor Bescheid weiß. Keine zwanzig Schritte von hier ist es passtrt, an der Dampfbahn," rief der Mann, lebhaft gestikulirend. „Nämlich dazu, was sie wollte, kam es nich — dazu war Ludwig Henzen mit seiner Schnelligkeit da — ein Sprung und am Kragen zurückreißen — dabei ist sie wohl auch noch hart genug hingeschlagen — denn sie hat die Augen noch nicht wieder aufgemacht!" Die Träger erschienen in der Thür, einer ein Arbeiter, der Andere in eleganter Kleidung — vorsichtig setzten sie die Füße weiter — es wurde eine Secunde so still in dem Raume, als hielte der Tod seinen Einzug. Der Kopf der Verunglückten hing tief herab, das Gesicht war halb unter einem Schleier verborgen. „O Gott," stöhnte die Kubaitz und trat zu den beiden — 342 - Frauen. „Und das ist nun mein leibhaftiger Schwager, der uns das ins Haus bringt — gerade in die Freude hinein! Gehen Sie doch man blos in das andere Zimmer, meine Damen, das ist doch nichts für Sie!" „Dorthin!" gebot Bruno, auf das breite Ruhebett deutend. Dann trat er heran, selber Hand anzulegen. Mit raschen Fingern lüftete er den Hut, und dann taumelte er zurück: „Jacqueline!" Die Knie wollten ihm brechen, ein wilder Angstschrei über seine Lippen dringen, dunkele Wolken schoben sich vor seine Blicke. Er betastete das blasse Gesicht, die Hände, richtete den Kopf empor, legte sein Ohr auf die Lippen, die er geküßt, die seine Küsse geduldet, um nach Athemzügen zu lauschen. Aus einer Wunde an der Schläfe rieselte unter dem dunklen Haar das Blut herab. „Nicht wahr, Herr Doctor, tobt is sie nich," sagte der Arbeiter, „das wäre doch gar zu schade für so'n junges Frauenzimmer." Der Dienstmann zuckte die Achseln. „Ich dachte auch erst, es wäre nichts, wie'n heftiger Prall gegen die Steine, als sie sich losriß und mit 'nem lauten Schrei hinschlug. Aber sie liegt so lange still, das kann auch 'n Herzschlag sein, die sind jetzt sozusagen in der Mode." Der fremde Herr strich über sein Haar, den Hut hatte er erst abgenommen, als er von der Bürde befreit war. „Es ist die Frage, ob man Wohl thut, daß man die, welche hinaus wollen, daran verhindert zu gehen," sagte er mit einer tiefen Stimme von dem Thürpfosten her, an den er sich einen Augenblick gelehnt hatte. „Vielleicht haben wir das Recht gar nicht, die Thüren zu verrammeln- die da wird sich gewiß nicht freuen, wenn sie wahrnimmt, daß die süße Gewohnheit des Daseins doch nicht von ihr gewichen ist. Ja, unter Umständen kann solche Erkenntniß ein Herz brechen — die hat ein stolzes in der Brust, das sieht man dem Gesicht an." Er grüßte mit einer Schwenkung des Hutes, sagte dann ganz trocken „Guten Abend!" und war verschwunden. „Ne, ne — tobt boch wohl nich!" flüsterte der Dienstmann und sah den Arbeiter an. Frau Anna gab der Haushälterin die Weisung, die beiden Männer hinaus zu begleiten, dann bot sie mit leiser Stimme dem Sohne ihre Hilfe an. „Bruno, Ebba und ich sind da —" Er antwortete gar nicht, löste das Haar, riß an dem Kleide und hielt der Leblosen scharfe Essenzen unter die Nase. Als die Kubaitz an der Thür war, siegte doch die Neugier über die Furcht — sie warf einen Blick hinüber und schrie dann gellend auf: „Großer Gott, das ist ja Fräulein von Arabin —" „Hinaus!" herrschte der Doctor mit heiserer Stimme. Nun erst kam Leben in Ebbas kleine Gestalt- sie be- , wegte sich langsam vorwärts, blickte auf die Liegende und sagte hohl: „Ja — es ist Jacqueline von Arabin —" Frau Anna wartete die Erlaubniß des Sohnes nicht ab, mit geschickteren Händen half sie die beengende Kleidung öffnen, während er das niederquellende Blut zu stillen suchte. „Wer?" fragte ihr Blick Ebba, nachdem sie voll Theilnahme das schöne, todtesblasse Gesicht betrachtet hatte, und flüsternd setzte sie dann hinzu: „Sie kennen die Unglückliche, die aus dem Leben wollte?" „Jacqueline von Arabin!" sagte Ebba, genau wie vorher, automatenhaft, kerzengerade aufgerichtet, etwas Starres, Erstorbenes, Altes in den sonst so kindlich weichen Zügen. Eine lange Zeit war nichts hörbar, als das Hantiren der Beiden, welche um die Verunglückte beschäftigt waren — die schönen Rosen waren vom Tisch geglitten und lagen auf dem Teppich — von draußen erklang nochmals die Stimme Henzens auf eine letzte Frage der Kubaitz: „Ja, wie ich dazu kam? Na, bei unserem Geschäft da kommt Einem so'n ordentlicher Steinhaufen manchmal wie das schönste Sopha vor — und da saß ich denn auch in der Kleiststraße nach'm Schlummern und nahm's letzte aus meinem Buddel. Und da kam sie denn an — Willst mal seh'n, mit wem die so 'ne kleine Verabredung hat, denke ich da hinter meiner Wand. Aber is nich! Die Dampfbahn kommt angewalzt. Na, Achtung, mir is das immer pläsirlich, wenn das so ohne Pferde herankeucht, denn man hat dann 'ne Art Respect vor dem menschlichen Verstände, der eiserne Pferde laufen lassen kann. „Na, Achtung," muß sie sich dann auch wohl zugerufen haben — aber Henzen war da — und die Rettungsmedaille, die is mir sicher." „Bruno —" die zitternde Hand Frau Annas faßte nach dem Arme des Sohnes, „Bruno, sie hat geathmet, — sieh da, noch einmal — sie lebt." Er richtete sich auf, unb sah der erregten Frau in das Gesicht. „Lohne Dir der Himmel das Wort, Mutter — denn dies Mädchen liebe ich —" Und ein wildes Schluchzen drängte aus seiner Brust. Ganz schwache Athemzüge kamen wirklich über die schmerzverzogenen Lippen. „Großer Gott!" rief Frau Anna Hallsberg und wandte sich zu Ebba Lund, die auch noch nicht eine Bewegung gemacht hatte, „wie — wie soll ich das nur verstehen?" „Es ist wahr," sagte Ebba, auch so hohl, so fremd, „er liebt sie — alles Andere war nur eine — eine kleine Thorheit. Wem passirte die nicht einmal —", aber das Lächeln, welches sie versuchte, gab ihren Zügen eine Verzerrung. Geängstigt sah Frau Anna von der Frau, welche Gatten und Kinder verlassen hatte, auf die, welche einen Selbstmord versucht hatte — zwischen diesen Beiden stand ihr Sohn, ihr Glück, ihr letzter Besitz — „Ich finde nicht durch all das — finde nicht," sagte sie, über ihre Stirn streichend. Ihn rührte das weiße Haar, der traurige Blick. „Gönne ihr Zeit, wieder zu erwachen — und mir zu beichten, liebe Mutter!" bat er. Sie nickte nur. Ebba war's, als müsse sich nun noch etwas ereignen, das sie fortbrächte von der Stelle, von welcher sich freiwillig ihre Füße nicht lösen wollten, wie Blei lag es in ihren Gliedern- sie sah, wie sorgsam Frau Anna half, rieth- sie verstand, daß Lines Blick bei völlig zurückgekehrtem Bewußtsein zuerst sein Antlitz streife. — Sie wußte, daß sie hier jetzt überflüssig wäre — völlig überflüssig, wie — nun, wie am Ende überall im Leben. „O, Mutter, wie gut, daß Du hier bist!" brach es einmal von Brunos Lippen — wer dachte noch von diesen beiden Menschen an sie, welche die Veranlassung gewesen war. Vom Nebenzimmer beugte sich der Kopf der Kubaitz herein: „Gnädige Frau, der Herr Consul!" „So, nun war auch das gekommen, Conrad Lund war ihr nachgeeilt, wie eine trostreiche Nachricht empfand sie das! Nun konnte sie fort aus diesem Raume — langsam, die Füße mehr schiebend, als gehend, bewegte sie sich auf die Thür zu. Da war Frau Anna an ihrer Seite mit demselben milden Lächeln, das sie für die Andere auch gehabt. „Vielleicht bedürfen Sie meiner — vielleicht wird noch Alles gut —" Gut — was für leichtgläubige, phantastische Menschen es doch da draußen in der Provinz gab — gut —! Wenn nicht diese eisige Starre in ihren Gliedern gewesen wäre, hätte sie wirklich wieder lächeln müssen, wie vorhin — nun konnte sie es nicht mehr. Der Consul stand schon in der Mitte des Zimmers, elegant, ruhig, wie immer. „Ist Deine Consultation zu Ende, mein Kind? Ich wollte mir das Vergnügen machen, Dich abzuholen!" sagte er. „Ich bin die Mutter Doctor Hallsbergs," fiel Frau Anna ein, weil Ebba sie gar nicht mehr zu sehen schien. „Außerordentlich erfreut," entgegnete Conrad Lund. „Wie Ihr Herr Sohn Ihnen ähnelt — ein geschickter Arzt — jedenfalls eine Zukunft." (Schluß folgt.) — 348 Es ist Sonntag. Zunächst wird das Vieh gefüttert, dann stellt man das Mittagsbrot auf den Herd und legt ein mäßiges Feuer darunter. Während es nun sich selbst qar kocht, eilt Alles in die kleine Halligkirche. Diese hat keinen Thurm, und sie ist nur wenig größer und höher als eines der Hallighäuser. Eine Glocke ruft die Kirchenbesucher zusammen. Im besten Sonntagsstaat eilt Alles herbei. Bei der kleinen Kirche liegt der ebenfalls nur kleine Friedhof. Treten wir in eine solche Kirche hinein. Statt eines Kron- leuchters hängt das Modell eines vollständig aufgetakelten Schiffes darin. Der Halligprediger, der zugleich auch Küster und Lehrer ist, leitet den Kirchengesang. Es soll auch vor- kommen, daß seine Frau ihm dieses Amt abnimmt. Auf. merksamere Zuhörer als der Halligprediger hat wohl selten ein anderer Geistlicher. Auffallend ist auch das eingehende Verständniß, das die schlichten Halligbewohner für geistliche Sachen besitzen. Die Witwen erheben während des ganzen Gottesdienstes ihr verschleiertes Haupt nicht von der Lehne die sich vor ihrem Kirchensitz befindet. Ist der Gottesdienst beendet, dann legt man den Kirchenstaat ab und zieht sich die «onntagskleidung an. Darauf holt man seine Erbauungsbücher herbei, um in diesen zu lesen. Befindet sich eine Leiche auf der Hallig, so herrscht Landestrauer. Es werden dann nicht weniger als acht Choräle ganz oder theilweise gesungen. Alle Bewohner erscheinen in Trauerkleidern. Man flaggt Halbstock. Dasselbe thun auch die Schiffe, die bei der Hallig liegen. Bei dem Tode eines wohlhabenden Gemeindemitgliedes schenkt man der Kirche gern eine für den Altar bestimmte Wachskerze im Werthe von 18 bis 20 Mark. An diesem ist eine umflorte Tafel, die uns den Namen und Todestag des Verstorbenen nennt. Auch bei den Verlobungen und Hochzeiten herrschen besondere Gebräuche. Es pflegt dieselben Gerichte zu geben wie bei Tauf- und Begräbnißfeierlichkeiten, Rosinenpudding, Anschaffung der nothwendigen Bedürfnisartikel angelegt. Vor Eintritt des Winters muß man sich auf den Halligen genügend verproviantirt haben,- denn im Winter kann man meistens nicht von der, Hallig fortkommen. Kommt der Winter, so stellen auch bald Eis und Schnee sich ein. Das Eis umsäumt die Hallig. Es wird höher n? xÄ A r"? bort A es Risse. Hier sammeln stch die Wasservogel in großer Zahl, denen die Fische zur Nahrung dienen. Aus diesen Rissen steigt oftmals Nebel hervor, in welchem Alles ganz anders erscheint als es ist Daher stammt denn die Redensart: Er macht sich groß wie eine Krähe im Nebel. Oftmals sehen die auf dem Eise herumspazierenden Seevögel wie Menschen aus. Dieses giebt mehrfach zu Verwechslungen und Jrrthümern Anlaß. Viel Eis sieht der Halligbewohner nicht gern, desto °ber große Schneemassen. Der Schnee ist ihm unentbehrlich. Wenn er aufthaut, so füllt er die Wasserwerke auf den Halligen mit Trinkwasser, befeuchtet das Land erfrischt das mit Seewaffer getränkte Land u. s. w. So können wir es denn verstehen, wenn der Halligmann sagt: ,,Em großer Schneeberg bringt große Heudiemen." Wenn die Hallig mit Schnee bedeckt ist, dann lagert auch auf dem Else rings umher der Schnee, so daß man nicht mehr sehen kann, wo die Grenzen der Halligen sind. Die „Butenarbeiten sind beschafft, nur im Hause hat man zu thun. Dort leben jetzt auch die Haussiere mit den Menschen zusammen unter einem Dache. Sie bedürfen und empfangen ganz besondere Pflege. In den übrigen Stunden ruhen aber die Hande der fleißigen Bewohner nicht. Sie spinnen, tricken, weben, mit einem Worte: verarbeiten die Wolle ihrer Schafe. Die Männer verfertigen Fischernetze und andere Sachen. Am Abend macht man sich gegenseitig Be- fiche- Man nennt solche „das Aufsitzen". Fleißig regen ich bei diesen die Hände. Dabei lauscht das Ohr auf Er- zahlungen, Märchen und Sagen, die zugleich mit größter Bereitwilligkeit vorgetragen werden. Flucht man Jw Sommer eine Hallig, so bekommt man JA gliche Personen und Knaben zu sehen- denn die Manner sind fast alle — biS auf wenige alte und kränkliche ftPt8QULb^a?T , ®<“S?d6e Zement, das sie zum Kampfe K ? S°rbert/ ba§ m wenigen Minuten ihre ganze Habe ver chlmgen kann, muß ihnen zum Acker werden, den Ei r,“8 durchpflügt. Das Brot, das ihnen die kleine he.mathliche Scholle nicht liefert: auf dem Wasser muffen es die Männer verdienen. So bleibt es denn den ^auen ub-rlassen, außer der gewöhnlichen Hausarbeit auch dse Feldarbeit zu beschicken. Die Feldarbeit besteht haupt- sachlich m der Heuernte, der Bereitung des Feuerungsmaterials und der Schafschur. Die Heuernte muß so schnell als möglich beschafft werden, Af'TS' ^bar (die See) das abgemähte ®rMaS "" sich ins Weite führt. Ist das Gras abgemäht, bann ist es von der Sonne auch gar bald getrocknet. Jetzt A e “n das Einernten. Pferde sind ja nicht auf der V l0.' <. ®te ..Irauen, Mädchen, ältere Männer und selbst die Kinder müssen Pferdedienste verrichten. Munter kommen sie von der Werfte herunter. Alle tragen ein schneeweißes Bettuch unter dem Arm. Dort soll ein Graben überschritten werden, über den ein mit der Kante nach oben gerichteter Balken gelegt ist. Behende schreiten Alle darüber hin, das junge Volk sogar hüpfend. Auf dem Platze angekommen, wird das Laken ausgebreitet. Im Nu ist es mit Heu vollgepackt und treuzweise an den vier Zipfeln zusammengebunden. Jetzt schwingt jebe Person ihre Last auf den Kopf, stemmt die Arme in dre Serie, und behende, wie man herbei kam, eilt man dem Hause zu. Vor der Hausthür, wo sich in dem S??x 6 m befindet, wird die Last abgeladen, und alsbald eilt Alles wieder hin, neue Bürde herbeizuholen. Am Spätnachmittage und Abend wird dann der Heuberq, der sich hier ansammelte, nach und nach in das Haus qe- raSi'x uttbrätoar durch die Luke hindurch. Ist alles Heu glücklich geborgen, dann ist die Ernte beschafft, und der Halligbewohner ist glücklich. Oftmals schwemmt die Fluth aber einen Theil des Heues fort, und dann sieht es für die Bewohner traurig genug aus. Schließlich'bemerke ich hierzu noch, daß die Heuernte für die genügsamen Bewohner unserer Eilande eine rechte Festzeit ist. Die Gewinnung des Brennmaterials ist auch keine so einfache Sache- denn Holz und.Torf giebt es auf der Hallig nicht. Woher denn die Feuerung? Die Schafe, die den Halligbewohnern Milch, Butter und Käse, alles nothwendige Zugaben zu dem Thee, geben, müssen auch die Feuerung liefern, an der man das Theewaffer kocht. Zu dem Ende ■ «nberr Dünger gesammelt, in große Gruben geworfen, mit Wasser zu einem Brei gerührt, mit Heu und Stroh durchsetzt, in kleine, dem Torf ähnliche Fladen geformt, dann an Mauern, Wälle (um den kleinen Garten) oder an den Abhang der Werfte geworfen und von der Sonne getrocknet. Sie geben dann eine leichte, wenig Wärme bringende Feuerung, mit welcher der Halligmann seine Speise bereiten lassen, seinen Ofen im Winter heizen lassen muß. Das Schaf ist überhaupt auf den Halligen ein ganz und gar unentbehrliches Thier. Es giebt den Bewohnern seine Milch, aus welcher ganz besonders gute Butter und ein weit und breit geschätzter Käse bereitet wird. Durch sein Fleisch ernährt es seinen Herrn. Selbst der Dünger ist, wie wir eben gesehen haben, dem Halligbewohner unentbehrlich. Die Wolle verkauft man auf dem Festlande u:”? aus dem Reste werden mit großem Geschicke viele Wollsachen angefertigt. Der Erlös wird dann für die Die schleswigschen Halligen und das Leben ans denselben. Von P. Afidresen in Rabenholz, Schleswig. (Schluß.) — 844 — Erbsen, Schinken und gesalzenes Fleisch - auf Schaffleisch gekochte Suppe und Reisbrei. Wir haben es versucht, einiges aus dem Leben der Halligbewohner dem Leser vorzuführen. Auf auch nur annähernde Vollständigkeit machen diese Zeilen keinen Anspruch; denn dafür genügt der Rahmen einer solchen kleinen Arbeit nicht. Wir schließen diese Aufzeichnungen mit folgendem Dichterwort: D, komm als Gast einst in ein friesisch Haus Und schau umher in der Bewohner Mitte: Nicht gern eilt dann dein Fuß ins Weite aus, Dich fesselt bald des Volkes fromme Sitte. Und hast Du auch manch' fernes Land geseh'n, Du wirst so gern zu meinen Friesen gehn. (Aus der „Deutschen Rundschau" für Geographie und Statistik, Wien, A. Hartlebens Verlag.) (gemeinnütziges* Warnungstafel. Der Gesundheit schädlich sind: 1. Wein aus gekupferten Weinbergen, vor dessen Ankauf wir wieder, wie im Vorjahr eindringlich warnen. Anhaltender Genuß solchen, schon am Geschmack als kupferhaltig erkennbaren Weins muß zu Vergiftungserscheinungen führen. Leider greift der Unfug des Kupferns immer mehr um sich und wird wohl erst aushören, wenn die Erkrankung der Reben an Kupfervergiftung dem Weingärtner die Augen öffnet. 2. Saccharin und alle saccharinhalt'gen Nahrungsmittel und Getränke, weshalb bereits in mehreren Staaten, z. B. Frankreich, verboten. 3. Gebläuter Zucker. Reiner Zucker schadet nie und nirgends, alle Gesundheitsschädigungen durch Zuckersachen rühren, sofern nicht giftige Farben genommen sind, von dem Waschblau (Ultramarin) her, mit welchem die deutschen Zuckerrübenfabrikanten dem weißen Hut- und Würfelzucker ein besseres Aussehen geben wollen. Man verlange in den Kaufläden, Kaffeehäusern, Gasthäusern u. s w. stets ungebläuten Zucker und weise gebläuten mit Entrüstung zurück. Welche Zuckersorten bläuefrei sind, weiß jeder Kaufmann. 4. Lebens mittel in Stanniol verpackt, ganz besonders Käse, Chokolade u. s. f., von der Polizeibehörde in Algier verboten. 5. Sogenannter denaturirter Spiritus ist nicht nur zu Genußzwecken untauglich, sondern wirkt auch als Brennspiritus durch den Giftbeisatz gesundheitsschädlich, weil luftverpestend. Schneiderei. Eine Neuheit, die jedenfalls eine große Zukunft hat, bringt uns die Weltfirma William Prym in ihren neuen Princeß und Victoria Haken und Oesen. Das Abmessen und Annähen einzelner Haken und Oesen wird dadurch überflüssig. Diese Haken und Oesen bilden eine zusammenhängende Kette, deren Annähen viel Zeit und Mühe erspart, und einen ausgezeichneten, dauerhaften Taillenverschluß unbedingt ergeben muß. • Schuhsohlen macht man in folgender Weise sehr dauerhaft: Man bestreiche die Sohlen des noch vollständig neuen Schuhwerks tüchtig mit Leinöl, lasse sie über Nacht trocknen und wiederhole dann dieses Verfahren so lange, bis das Soblenleder gar kein Oel mehr aussaugt, was acht bis zehn Tage dauert. Dann läßt man die Schuhe noch gut trocknen, ehe man sie in Gebrauch nimmt. Die Sohlen werden so nicht nur sehr dauerhaft, sondern erweisen sich als wasserdicht bei Regenwetter. * ♦ (Ehrenvolle Auszeichnung.) Auf der Rheinischen westfälischen Kochkunst-Ausstellung zu Elberfeld wurde der durch ihre vorzüglichen Producte rühmlichst bekannten Firma Maggi außer dem Diplom zur goldenen Medaille noch ein Ehrenpreis, bestehend in einem schweren silbernen Pokal, verliehen. _____________ Vermischtes. Ein neuer Riefenthurm wird wieder einmal in Amerika geplant, und zwar soll er in Newyork errichtet werden zum Andenken an die Einverleibung der Vorstädte und der Entstehung von „Groß-Newhork". Mit einer Kleinigkeit wollen sich die amerikanischen Ingenieure natürlich nicht abgeben und so soll denn der Niesenthurm eine Höhe von nicht weniger als 526 Metern erhalten, also ein doppelter Gffelthurm werden. Nach dem von Freye entworfenen Plane soll der Thurm ganz aus Stahl gebaut werden und einen zwölfeckigen Querschnitt erhalten, der am Boden einen Durchmesser von etwa 91'/, Metern erhalten soll. An den Thurm soll sich noch der Anbau von vier Pavillons schließen. In der Mitte des Thurmes soll sich eine Spindel befinden, um die eine Art Wendeltreppe gelegt wird von etwa 30'/, Metern im Durchmesser. Auf dieser Spirale soll ein electrischer Wagen verkehren, der die Passagiere nach einer Reise von etwa 4 Kilometern bis zur Spitze des Thurmes bringt. Die mißglückte Operation. Der Ueberzwerch- Christl hockte in einer Ecke im Bahnwirthshaus und stöhnte ein über das andere Mal, daß die Fenster klirrten, vor Zahnweh. Alle erdenklichen Mittel hatte er schon umsonst probirt, des Baders Künste waren an der tiefsitzenden Wurzel gescheitert — kurzum, er war am Verzweifeln. Da kam der Dalken-Nazi herein, ein Heller Kopf- er ließ sich die Sache erzählen, zwinkerte Pfiffig mit den Augen und meinte: „Ich wüßt' Dir schon ein Mittel- aber Kurasch braucht's! Ich hab' in den „Fliegenden Blättern" g'lesen, wie einmal Einer seinen Zahn hinten am Zug an den Puffer an'bunden hat — der Zug is in's Fahren 'kommen und bums dich, war der Zahn heraus!" Der Christl stutzte einen Augenblick. Da fing der Schmerz von Neuem zu bohren an. Er sprang auf — just Pfiff die Locomative draußen zum Abfahren — ein Strick war im Nu um den kranken Zahn gewunden und in der nächsten Minute hatte er ihn fest an den Puffer des letzten Wagens geknüpft. Ein Schnauben, ein Brausen—Anfangs lief Christl mit- da rollten die Räder schneller, der Athem ging ihm aus — Plötzlich ein Krach und Schlag: Christl lag auf der Erde und neben ihm der — Puffer. ' Literarisches. Professor Dr. G. Jägers Monatsbkalt (Verlag von W. Kohlhammer, Stuttgart, jährlich 3Mk.) 1898 Nr 6. In einem Artikel Selbstoergistung gießt Jäger einen Ueberblick über seine Lehre vom Selbstgift. Er ist hierzu veran'aßt durch einen Vortrag auf dem Congreß für innere Medicin in Wiesbaden im April d. I., m dem wieder nur die Forschungen des Franzosen Bouchard Erwähnung gefunden haben, dagegen Jägers ältere Lehren mit Stillschwergen übergangen wurden. Demgegenüber stellt Jäger die Priorität ferner Forschungen fest. Weiter aber vergleicht er Bouchards Lehre und ferne eigene und zeigt, daß die letztere viel umfassender und weitsehender rst. Während Bouchard und seine Schüler bei den auffälligsten Erscheinungen der Selbstvergiftung stehen geblieben sind, hat Jäger nachgewiesen, daß die Selbstgifterzeugung ein allgemeines für alle Lebewesen (ißiere und Pflanzen) gültiges Naturgesetz ist, auf den Unterschied zwischen Erzeugung von Selbstgift uird Selbstarznei (Stoffen, die dem Körper selbst für sich i und auch in feinen Beziehungen zur Mitwelt nützen) aufmerksam gemacht, ! die Selbstgifte als Ursache nicht bloß einzelner auffälliger Erkrankungen, sondern der Verweichlichung, der Disposition für alle möglichen Krank- I beiten erkannt und endlich Vorschläge zu ihrer wirksamen Bekämpfung ' gemacht. Von weiteren Artikeln können wir nur die Ueberschriften anführen: Fuchslunge, das wollene Nachthemd, Seidene Kleider, Normalcravatten, Kupfern der Reben, Metallgift m Nahrungsmitteln, Bismarck über Theorie und Praxis. Den Schluß bildet nebenstehende Warnungstafel. Redaction: E. Burkhardt. - Drnck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Meßen. I > i k si h V tt n 9' ei 9Q