-miiiÄ Ml! ■ K ancher stößt und drängt sich weiter, Unbekümmert um das Wie, Ist er aber auf der Leiter, Heißes, der Mann hat Energie. Aber war sein Müh'n vergebens, Weil das Glück ihn hat verfehmt, Jede Regung seines Strebens Nennt die Welt dann unverschämt. Das Fräulein. Roman von E. Ve ly. (Fortsetzung.) Die vorher so sehr belebte Miene der Dame wurde plötzlich starr, sie hüstelte leicht — als jetzt der Diener mit dem Kaffeebrett erschien, rief sie Jacqueline, deren Amt es war, die Taffen zu füllen und zu vertyeilen, zu: „Recht stark für mich, um meine Nerven zu beruhigen, Fräulein von Arabin!" Joachim von Monken trat an den Kaffeetisch, um zu verhindern, daß die junge Dame ihm bedienend entgegenkomme. Die Tasse aus ihrer Hand entgegennehmend, flüsterte er: „Ich habe nichts bei Tische gethan, als darüber nach- gcdacht, welch ein Wechsel der Verhältnisse Sie — so — in dies Haus gebracht!" Sie hob das blasse Gesicht mit den ruhigen Augen zu ihm empor. „Herr von Monken, sollte das so schwer zu errathen sein, nach dem, was sie von uns —" sie stockte, als schmerze es sie, das zu äußern, — „schon gesehen?" Dann flackerte es plötzlich in den Blicken, ihre Züge wurden erregt. „Wenn ich Sie bitte, beschwöre, mir und den Anderen gegenüber nie die Vergangenheit zu berühren, Jenen nichts zu erzählen von dem, was Sie wissen —" Er verbeugte sich chevaleresk. „Wenn Sie es so wollen!" „Ich werde es, mißverstehen Sie mich nicht, als eilte Wohlthat betrachten, wenn Sie — eben der Vergangenheit halber — mich möglichst — ignoriren!" „Sie befehlen es!" dann trat er zurück, kopfschüttelnd, immer noch erregt und interessirt. Es war Zufall, daß Jacqueline dem Hausherrn die ; letzte Tasse bot. „Wissen Sie," sagte er, während drüben die dröhnende j Stimme seines Vaters immer noch von der abenteuerlichen Begegnung mit dem nordischen Monarchen berichtete, „daß ich mir einbilden könnte, es sei etwas, wie eine kleine Vernachlässigung —" „Wie sollte ich dazu kommen?" Er rührte in dem schwarzen Trank. „Wäre auch gänzlich unverdient, gänzlich, denn >as mich betrifft —" ein bedeutungsvolles Lächeln und ein langsames Hervorstoßen der nächsten Worte: „ich zum Beispiel, würde außerordentlich erfreut sein, wenn Sie sich in meinem Hause recht wohl fühlten, mein Fräulein!" „Es ist der Fall — die Kinder haben sich jetzt an mich gewöhnt, Herr Consul." Er beachtete die Antwort nicht. „Sie sind noch jung und haben Ansprüche an das Leben." Ihre Lippen zuckten. „Ich mache sie nicht— in meiner Lage hat man gar kein Recht darauf." „Kein Recht — so jung noch, so schön — ha, von so pieanter Schönheit —" „Herr Consul!" wehrte sie ab. „Das ist erlaubt, zu sagen! wir thun das in der Gesellschaft hundert Mal in einem Athem, mit weit weniger Grund —" fiel er hastig ein. „Ich bin keine Dame der Gesellschaft, ich bin „das Fräulein." Er stand in steifster Haltung. „Wie herbe Sie sind — aber das sind Sie eben, weil es Sie kleidet, Sie wissen das sehr genau! O — mir sind alle diese liebenswürdigen kleinen Künste bekannt, welche sich mit den Worten Koketterie und Flirtation decken, und die wir schwachen Herren der Schöpfung nun einmal so außerordentlich reizvoll finden." „Herr Consul Lund, ich bin unter Ihrem Dache!" „Dafür segne ich bett Zufall, preise den Himmel, was Sie wollen! — Oder den deus ex machina, in diesem Falle meine findige, kleine Frau!" Sie konnte nicht gehen, sie konnte nicht zurückweichen, zwischen Tisch und Wand stand sie — aber sie schwieg jetzt und biß nur trotzig die Lippen auf einander. — Sie fühlte es, dieser Mann nahm ihre Hülflosigkeit auch für gemacht. „Und meine Frau wollte Ihnen ja auch Anfangs eine mehr gesellschaftliche Stelle einräumen, sie liebt die Nüaneen) - 274 ich sah es gern, wenn sie sich von Ihnen begleiten ließ, ich ; gönne Ihnen! die Zerstreuungen in Theater und Concerten j — ja, Sie wissen nicht, welch ein gutes Herz ich habe. Wenn Sie sich erst näher davon überzeugt haben werden, dann!" Er schlürfte sehr langsam den Rest seines Kaffees und hielt ihr die Tasse hin, damit sie dieselbe noch einmal fülle. Seine kalten Finger streiften die ihrigen, ohne daß sie es hindern konnte. „Nämlich, kürzlich finde ich, daß meine gute Ebba Sie ein wenig vernachlässigt. „Was? Seien Sie doch nicht so eigensinnig, das ableugnen zu wollen — obwohl ich zugeben muß, daß diese Miene Sie vortrefflich kleidet. Nun, ich bin bereit, Sie zu entschädigen! Wie ich das meine, fragen Ihre schönen Augen? Es giebt sehr- nette, vertrauliche, kleine Theaterlogen —" „Fräulein von Arabin — die Kinder möchten hinaufgehen!" erklang Ebbas Stimme — Jacqueline konnte vortreten, um die beiden Mädchen zu empfangen, die sich mit erleichterten Mienen zu ihr gesellten. Sie war so einer Antwort an den Hausherrn überhoben, aber auch zugleich der Möglichkeit einer Zurückweisung. Sie sah eben noch, daß Frau Lund durch den Diener eine Karte überreicht wurde und daß dieselbe nickend auf die Thür des Nebenzimmers deutete. Jacquelinens Hände zitterten, als sie hinausschritt- sie war noch blasser als sonst. „Du bist kalt," sagte Henny und legte die schlanke Hand gegen ihre dünne Wange, als sollte ihr da Lebenswärme wiederkehren. „Ein fremder Herr!" flüsterte Lonnh, sich im Hinaufsteigen über das Treppengeländer beugend. „Kein Onkel!'' Line blickte auch hinab. Der, welcher über den seeblauen Teppich der Vorflur schritt, vor dem sich eben die Thür von Frau Ebbas Schreibzimmre öffnete — war Doctor Bruno Hallsberg. Er sah sie nicht — aber ihr n chm der Anblick den Athem. Der auch — der war auch einer von Denen, die e§ zu ihrem Spott machten, ein alleinstehendes, wehrloses Mädchen zu beleidigen. Und von dem hatte es sie mehr geschmerzt, viel mehr als vorhin — Sie sank auf die oberste Stufe der Treppe, sie konnte nicht weiter, ihre Füße versagten ihr den Dienst — dann schlug sie beide Hände vors Gesicht — ein Gefühl der Scham kam über sie, zugleich mit der Erkenntniß: von dem hatte es sie geschmerzt, weil sie wußte, dem würde sie sehr gut sein können. „Nicht weinen, bitte nicht," klang ein dünnes Stimmchen an ihr Ohr, „es thut Lonnh so leid — ach, bitte, nicht weinen!" * H « Ebba trat zu gleicher Zeit durch die andere Thür mit Doctor Hallsberg in das Schreibzimmer — sie blieb eine Sekunde lang, gerade aufgerichtet stehen. Wie alle kleinen Personen trug sie den Kopf hoch, das gab ihr etwas Stolzes, vereint mit dem kühlen Ausdruck der großen, blauen Augen. Der Arzt verbeugte sich stumm, dann machte sie ein paar Schritte auf ihn zu und sagte mit ihrer klaren Stimme: „Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind!" „Bitte, gnädige Fran — ich bin ja Arzt." „Und weisen mich mit dieser Antwort in das große Publikum zurück, nun, das ist ja ihr Recht." Dann senkte sie die Lider mit den langen Wimpern, — er sah den Reiz, welchen dieser Schatten ihrem kindlichen Gesicht verlieh. „Aber bitte," — sie deutete auf den Sitz gegenüber, indem sie selber sich in einen Polsterstuhl gleiten ließ. „Ich — war in der Klinik — nach dem Kinde zu fragen, zum ersten Male in meinem Leben in solch' einem Hause, und ich graute mich — der Gedanke an all das Stöhnen und Seufzen, das darin erklungen, dieser furchtbare Carbolgeruch, der mir auf die Nerven fiel, ich mußte an blanke Messer, an zuckende Körper denken — „Ah," sie schüttelte sich, sichtlich noch in Erinnerung an diesen Eindruck. „Und dann erfuhr ich, baß Sie nicht der behandelnde Arzt dort waren, Sie hatten nur das Kind übergeben." In die kleine Pause, die sie machte, klang keine Gegenäußerung. „Und endlich — was ich auch wissen wollte — war Ihr Name, den Sie mir so eigensinnig vorenthielten —" Bei diesen Worten sah sie ihn voll an, und Alles, was sie unterlassen, auszusprechen, konnte er nun lesen: „Siehst Du, hart warst Du gegen mich und hieltest mich sür die reiche, herzlose Frau — siehst Du, wie sehr Du mir Unrecht thatest? „Sehr viel Zeitopfer — meine Gnädige, und endlich eine ganz unwichtige Namensfeststellung." Ein rother Schein huschte über ihr Gesicht. „Nun, wenn Sie absolut ironisch sein wollen, muß ich auch das hinnehmen —" „Verzeihen Sie," sagte er mit leichtem Schuldbewnßtsein, „ich werde es nicht wieder vergessen, daß ich unter Ihrem Dache bin." „O nein, ich glaube, ich habe cs verdient, daß Sie mich behandelten, wie es neulich geschah — so einfach: herrisch, grob —" „Verzeihen Sie nochmals, das war im Drang der Umstände — da ist auch uns die militärische Kürze geboten, das brutal Befehlende nothwendig, von jeder Secunde Verzug kann die Rettung eines Menschenlebens abhängen —" Er sagte es weich und formvoll. Sie spreizte die fünf Finger der Linken gegen ihn, als wollte sie abwehren. „Und ich begreife auch, daß Sie mich — nicht ernsthaft nehmen, selbst in diesem Augenblick nicht. Vertheidigen kann ich mich nicht. Ich habe meine Almosen gegeben — reichlich, wie die Anderen auch — um die Empfänger habe ich mich nicht gekümmert — ich lasse meine Kinder umsorgen und denke nicht an die, welche unbeschützt sind." Sie hatte einen so weißen, biegsamen Hals, die blonden Haare kräuselten sich unter dem Flechtenansatz zu kleinen willkürlichen Löckchen, und ein zarter, blonder Flaum setzte unter diesen an — gewiß bedeckte er kaum sichtbar den Nacken tief hinab — jetzt hing der sonst so stolz getragene kleine Kopf ein wenig gebeugt. Es war reizend, wie sie sich anklagte — wirklich reizend! „Meine gnädige Frau, ich habe durchaus nicht die Befugnisse eines Richters —" Die Spitze ihres Fußes kam unter dem Kleidersaum hervor und bohrte sich tief in den weichen Teppich ein. „Aber — Aerzte sind Beichtväter — so müssen Sie mich hören." Und freilich, gut zuzuhören war ihr — so gewandt, so zwitschernd mit der süßen Stimme wie ein Vöglein — und nun konnte er für eine kleine Weile den zierlichen Lackschuh sehen — mein Gott, er war doch kein Barbar — grob, einfach grob sollte er gegen sie gewesen sein? Ein ieiser Duft umströmte ihn, wie traulich war es in diesem Raum mit den vielen schimmernden Dingen — zahlreiche nutzlose Sächelchen standen da drüben ans ihrem Schreibtisch, sie behielt eben nur Platz auf demselben, um irgend ein kleines Mllet hinzukritzeln — was hatte sie denn auch jemals mehr zu schreiben? Da war ebenfalls daö Briefchen an ihn entstanden, mit der Bitte zu kommen. „Sehen Sie, Herr Doctor, als Sie neulich mit dem armen Burschen in'meinen Wagen stiegen, da hielt ich das sür aufdringlich und war sehr zornig aus Sie. Es war das erste Mal, daß ich so mit Armuth und Unglück in enge Berührung kam, ich fürchtete mich vor den in den plumpen Schuhen steckenden Füßen, die meine Kniee berührten, und ich haßte Sie, als Sie mich zwangen, hilfreiche Hand anzulegen und —," sehr leise, als versagte ihr fast der Athem, kam das nach: „ich wagte doch nicht — ungehorsam zu sein. Und darüber habe ich nachdenken müssen, als ich heimfuhr — 275 — Und noch öfter — und darum habe ich Sie Wiedersehen wollen." Er stand auf. „Ihr Wunsch ist erfüllt, gnädigste Frau! Der Bär hat sich ziemlich ungelenk in nächster Nähe beim Tanz erwiesen — der Gewaltsmensch wird nun geh'n können, um hinterher aus Ihrem Gedächtniß getilgt zu werden." „Nein, bitte, noch nicht." Er nahm gehorsam seinen Sitz wieder ein. (Fortsetzung folgt.) Eine Walrotzjagd Nansens?) Aus dem Supplemeut zu Nansen: „In Nacht und Eis", geb. 10 Mk. (Mit Genehmigung der Verlagshandlung von F. A. Brockhaus in Leipzig.) Es war Ende August 1895, der Winter stand vor der Thür, und noch immer waren wir über dieses Land so klug wie zuvor. Wir mußten uns zur Ueberwinterung vorbereiten, es blieb uns nichts anderes übrig. Wohl hatten wir eine schwache Hoffnung gehabt, weiter nach Süden vorzudringen, bevor wir uns zum Ueberwintern genöthigt sähen- falls wir auf Franz-Joseph-Land waren, mußten wir dort im Süden die Stelle finden, wo Leigh Smith überwintert hatte. Wir sprachen darüber, und verlockend schwebte uns die Stelle tior; aber das Fahrwasser war durch Eis gesperrt, und die Vernunft sagte uns, daß die Zeit, die uns noch vor dem Winter blieb, nur gerade ausreichte, eine Hütte zu bauen und uns Lebensmittel und Brennmaterial zu verschaffen. So schickten wir uns darein und begannen, uns so gut wir konnten einzurichten. Unter diesen Umständen schien es uns auch, als wäre es das Beste, nach all den Anstrengungen des Vordringens im Treibeise in einer ordentlichen' Hütte ausruhen zu können. Man wird vielleicht glauben, daß wir an diese Ueber- winternng nur voll Verzweiflung und voll düsterer Gedanken gingen. Dem war jedoch nicht so, selbst wenn die Arbeit an der Hütte manchmal ruhte und wir den Blick sehnsüchtig über das Eis nach dem Meere im Süden schickten, nach unserer Heimath, die wir dieses Jahr nicht mehr erreichen sollten. Hoffnung hatten wir stets, um so mehr, da wir sahen, wie gut es sich anließ, nur von Bärenfleisch zu leben. Aber wir lernten, daß Geduld dazu gehörte. Die ganze Reise war von Anfang bis zu Ende eine Schule dieser Tugend. Wie vorher erwähnt, hatten wir im Laufe einer Nacht eine Steinhütte erbaut. Diese nannten wir die „Höhle", und ein elendes Loch war es auch- sie war so niedrig, daß ich darin nur eben sitzen konnte, Nansen aber liegen mußte. Das Zelt und die Segel bildeten das Dach- später bekamen wir dazu Bärenfelle, aber da hatten wir auf dem Dache auch beständig Besuch von Möven, die hackten und schrien und uns fürchterlich ärgerten. In dieser Höhle wohnten wir einen Monat, solange wir an der eigentlichen Winterhütte bauten und des Wintervorraths wegen ans die Jagd gingen. Am 28. August beschlossen wir, Walrosse zu schießen. Aus dem Eise tocy; jetzt jedoch keins zu sehen, .wir mußten *) In diesem Bande, der eine sehr erwünschte Ergänzung von Nansens Werk bildet, berichten zwei Begleiter Nansens mit ebensoviel Freimuth als Geschick über ihre interessanten Erlebnisse auf der denkwürdigen Polarexpedition Nansens. Nordahl, der Eleetriker an Bord, behandelt in seiner Erzählung. „Wir Framleute" die ganze Fahrt des Schiffes durch das unbekannte Polareis. Lieutenant Johansen giebt in seinem Berichte „Nansen und ich auf 86» 14"' eine ebenso spannende wie anschauliche Darstellung der Erlebnisse auf der kühnen Schlittenreise, die er mit Nansen allein unternahm und auf welcher die beiden dem Tode mehr als einmal ins Auge schauten. Jeder Leser von Nansens eigenem Bericht wird dem dritten Band mit derselben Spannung wie das Hauptwerk zu Ende lesen. Die Ausstattung mit Abbildungen und Chromotafeln ist ebenso reich als die des Hauptwerkes, von welchem kürzlich eine neue revidirte Ausgabe erschienen ist. also auf das Wasser hinaus. Bevor wir dahin kamen, erblickten wir zwei Bären, eine Bärin, mit einem Jungen, die am Rande des Eises entlang auf das Land zugingen. Wir nahmen die Flinten und gingen ihnen entgegen, doch als sie ans Ufer kamen, folgten sie diesem den Fjord einwärts nnd den Abhang hinauf. Wir liefen ihnen im Dauerlaufe nach und versteckten uns hinter einem Eisrücken. Die Entfernung war ziemlich groß, aber ich hatte doch das Glück, die Bärin so in die Seite zu treffen, daß die Kugel durch den Brustkorb ging und an der andern Seite wieder herauskam. Sie brüllte wie gewöhnlich, biß nach der Wunde, taumelte ein paar Schritte weiter und stürzte dann hin. Das Junge konnte nicht begreifen, was der Mutter einfiel, daß sie sich hier hinlegte. Als es uns erblickte, eilte es den Abhang hinauf, kehrte aber gleich wieder zurück und legte den Kopf auf den Hals der Mutter, wobei es uns herausfordernd ansah. Nansen gab ihm eine Schrotladung in den Kopf, worauf es auf der Mutter zusammenbrach. Wir häuteten beide ab, ließen sie dort oben und breiteten der Möven wegen die Felle über das Fleisch. Nun zogen wir mit verbundenen Kajaks aus, um ein Walroß zu erbeuten, deren draußen im offenen Wasser genug vorhanden waren. Bald hatten wir eins in Schußweite, und Nansen sandte ihm eine Kugel zu. Es überschlug sich und tauchte unter die Kajaks, während das Wasser wirbelte und wir ans Leibeskräften ruderten, damit die langen Zähne uns nicht das Segeltuch aufschlitzten. Eine Weile danach sahen wir es, anscheinend ganz gesund, wieder. Wir gaben ihm nun jeder zwei bis drei Schüsse in den Kopf- es wandte uns beständig das Maul zu, sodaß wir ihm keinen ordentlichen Schuß von der Seite beibringen konnten, doch verlor es viel Blut. Dabei ging Nansen, als er das Gewehr hin- legen und nach den Radern greifen wollte, unversehens ein Schuß los, die Kugel durchbohrte das Deck und das Vorder- theil, glücklicherweise über der Wasserlinie. Das Walroß tauchte und kam wieder und bekam noch mehrere Schüsse- es athmete immer schwerer, seine Augen wurden matter, und das Wasser färbte sich roth. Eine letzte tödtliche Kugel blies ihm das Lebenslicht aus, dann aber sank es, ehe Nansen Zeit hatte, ihm die Harpune in den Leib zu stoßen. Wir ärgerten uns sehr darüber, daß wir ganz unnütz soviel Munition verschwendet hatten, und ruderten verdrießlich ans Land. Etwas später erschienen im Fjord eine kleine Strecke von uns zwei Walrosse auf der Eiskante. Wir ließen sie sich eine Weile amüsiren, während wir das Fleisch der beiden geschossenen Bären holten- dann gingen wir vorsichtig wie Indianer- einer in den Spuren des andern, auf sie los. Wir hatten weit über das ebene Eis zu gehen- die Walrosse wandten sich bisweilen um, wir standen dann so lange unbeweglich still und kamen unbemerkt ganz dicht an sie heran. Nansen schoß zuerst fcuf das ihm zunächstliegende, welches von diesem einen Schüsse auf der Stelle getödtet wurde. Das andere fuhr aus seinem Schlafe empor, erhielt aber in demselben Augenblick meine Kugel in den weitvorgestreckten Kopf und Nansens nächsten'Schuß ebenfalls. Es war ein Koloß von einem Walrosse - das Blut strömte ihm ans Nase nnd Maul und spritzte weit umher, als das Thier die großen Zähne in das Eis bohrte und wieder ins Wasser zurück wollte. Die dritte Kugel traf endlich an der rechten Stelle, und die unförmliche Fleischmasse blieb regungslos liegen. Nun waren wir obenauf- mit vier Patronen hatten wir zwei Stück bekommen, aber die schwerste Arbeit, das Abziehen, stand uns noch bevor. Wir holten unsere Schlitten, um sie darauf zu transportiren: Nansen meinte, wir sollten die Kajaks auch mitnehmen, und zum Glück thaten wir es. Bevor wir mit dem Abziehen anfingen, begann ein ziemlich starker Südost zu wehen. Der Wind nahm schnell an Heftigkeit zu, sodaß wir fürchteten, das Eis, auf dem wir standen, könnte loSgerissen und wir mit unserer Beute 276 In der guten alten Zeit- Singweise: „Keinen Tropfen im Becher mehr". wohl — aber ich möchte blos wissen, welches von den neuen Mitteln ihn eigentlich curirt hat." — Im Restaurant. Gast. „Also nichts ist da wie Eier und Eierkuchen- wozu rathen Sie mir?" — Kellner: „Hm, Eier würde ich nicht nehmen, die sind gewöhnlich schlecht- nehmen Sie Eierkuchen, da sind keine Eier d'rin!" beanüaen. I Einige Fleischstücke warfen wir in aller Eile noch in die Kajaks, dann ging es fort. Aergerlich sahen wir die Möven sich in den Besitz unserer schönen Beute setzen- auf dem halb abgezogenen Leibe saßen einige dicht beieinander und hackten in das Fleisch, während andere sie mit heiserm Kreischen umkreisten. Das Gesindel kehrte sich nicht an Sturm und Unwetter, sondern war ganz damit zufrieden, in Gesellschaft so vielen Fleisches einen Abstecher aufs Meer hinaus zu machen. „ Es war unsere Absicht, über die Scholle nach dem Rande auf der Windseite zu gehen, nach dem festen Eise, das noch nicht aufgebrochen war, überzusetzen und die Kajaks dann ans Land zu ziehen. Inzwischen wurde der Wind immer heftiger und riß immer mehr kleine Schollen los- | wir konnten im Doppelkajak nicht weiter kommen, sondern mußten uns trennen und Jeder für sich rudern. Festes Eis erreichten wir nicht, es war nun auch nach diesem wett, der Sturm hatte es bis tief hinein ausgebrochen. Das Hauptviertel mit dem Specke mußten wir fahren lassen, worauf sich die Möven sofort darüber hermachten. I Jetzt begann eine schwere Fahrt nach dem Lande, theils im schäumenden Wasser zwischen kleinen Schollen mit dem Schlitten hinten auf dem Kajak, theils auf halbaufgelösten Schollen mit dem Kajak auf dem Schlitten. Wir trieben nach Nordwesten, an unserm Bärenfleische und an der „Höhle" vorbei. Entsetzlich, es sah aus, als sollten, wir noch einmal mit dem verhaßten Treibeise ins Meer hinaus treiben! t Wir hatten endlich nach dem Lande zu eine ziemlich große Strecke offene See und schifften, uns nun zum letzten Male ein. Nansen ruderte voran, ich hinterdrein. Aus Furcht, das Ruder zu verlieren, ruderte ich mit bloßen Händen- die See ging dwars, was für mein Kajak nicht sehr gut war, da es schon unter normalen Verhältnissen nach Backbord hinüber lag, dies jetzt aber noch mehr that, weil das Walroßfleisch und das Gewehr sich im Kajak auf der Leeseite hielten. Nansen sah sich bisweilen um, um sich zu überzeugen, ob ich nachkäme. Es war ein heißes Ringen, aber zu unserer unendlichen Freude sahen wir, daß es, wenn auch nur langsam, dem Lande zuging. Endlich konnten wir uns, erschöpft und durchnäßt, an die feste Eiskante des im Nordwesten der „Höhle" gelegenen Landes klammern und dort keine Eisstückchen abbrechen, um unfern brennenden Durst zu löschen. Das eisfreie User ließ sich am Landeise bequem erreichen. Dort zogen wir die Kajaks aufs Land und rangen unsere Kleider ein wenig aus - dann steckten wir uns in den Sack, aßen Beefsteak von Bärenfleisch und schliefen bald ein, müde und froh, daß wir aus diesem Abenteuer so glücklich davongekommen waren. Hrrnrsristisches. Aus „Lustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer 10 Psg. — Schrecklich. Dame: „Ach, lieber Doctor, ich bin ganz > unglücklich!" — Arzt: „O, das ist sehr bedauerlich, wo fehlt ; es denn?" — Dame: „Ach, schrecklich! Heut' Morgen ließ > ich aus Furcht vor meiner Migräne den Ball absagen, auf j seewärts getrieben werden. Diese Furcht war nur zu wohl , dem ich mich stets so amüsirt habe, und nun habe ich meine Efinhet8 benn kaum hatten wir das erste Walroß zur! Migräne gar nicht einmal bekommen!" - Medizin. Herr: Hülste abgezogen, so merkten wir auch schon, daß wir im „Warum so bedenklich, Herr Doctor? Sie haben Ihren Treiben wa°reL. W sahen, daß wir «st unserer Beute | Patienten ^« Lanzerch Ä '££ nicht fertig werden konnten, hofften aber, das halbe Fell mit dem Specke daran noch zu bergen. Die Messer arbeiteten mit aller Macht in der dicken Haut, wir mußten aber doch auf die Hälfte verzichten und uns mit einem Viertel In der guten alten Zeit Waren zwar die Förstersleut' Muster nicht der Tugend - Doch bierehrlich waren sie, Stellten Ihren Mann und wie! Kraft geschonter Jugend. Als Studenten ihren Durst Löschten sie und völlig Wurst War die Zahl der Seidel - Manche schöne Winternacht Haben kneipend sie durchwacht, War auch leer der Beutel. Auch gestrebt ward hie und da, Aber immer, wenns geschah, Ward drin Maß gehalten - Dadurch ward der Kopf geschont Und's Gehirn, das darin thront, Blieb gesund den Alten. Heut' der jüngste Forstmann hat, 'S ist erschrecklich in der That, Magen schon und Nerven - Ein gehör'ger Umtrunk kann Einen solchen Förstersmann Unter'n Tisch schon werfen. Ganze trinken giebts nicht mehr, Halbe wird schon riesig schwer, Können's nicht vertragen - Junger Wein wirkt alsogleick Wie das schlimmste Teufelszeug Auf den armen Magen. Daran schuld ist offenbar, 's ist unglaublich, aber wahr, Uebermäß'ge Tugend - Denn mit lauter Studium Brachten sie die Zeit herum Ihrer blühenden Jugend. Gingen ja sie auf die Kneip', Tranken niemals sie beileib' Irgend einen Zweiten - Einen Kater mußten ja Bei dem Ernst der Studia Aengstlich sie vermeiden. Lobe mir die alte Zeit, Wo der Forstmann war gescheit Und gehörig zechte - Denn es ist der Förstersmann, Der nichts mehr vertragen kann, Sicher nicht der echte. Ney. Kedaction: I. Hermann «Ile. »ruck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Sch-Yda) in Gießen