Tml »M W W < ^etchthum, Macht und'Ehr' allein Werden oft zum Glück nichts nützen, Es ist klar: Zum Glücklichsein Muh man auch Talent besitzen. Der Amtmann von Rapshagen. Criminal-Roman von F. Arnefeld. (Fortsetzung.) Er stand auf. Die Wendung, welche das Gespräch genommen hatte, war ihm nicht angenehm und er suchte es auf diese Weise abzuschneiden. Göbener schien jedoch nicht Lust zu haben, seinen Platz schon jetzt wieder zu räumen,- sich behaglich in seinen Stuhl zurücklehnend, antwortete er: „Sie haben Recht, Herr Amtsrath, wenn ich Ihnen nicht g tr zu ungelegen komme, möchte ich mich bei Ihnen W einem Löffel Suppe zu Gaste bitten. Bin eigentlich gekommen, um einmal zuzusehen, wie es dem lieben Kinde, wollte sagen, Fräulein Meta ginge." „Ganz leidlich, so gut, wie es nach einer so schweren Krankheit nur gehen kann, sie wird allerdings während der kälteren Jahreszeit ein südliches Klima aufsuchen müssen," sagte der Amtsrath, dem es ganz gelegen kam, auf diese Weise die Kunde von der bevorstehenden Abreise in die bekannten Kreise gelangen zu lassen. Amtmann Göbener zog die Augenbrauen in die Höhe und horchte hoch auf. Die Mittheilung kam ihm überraschend. „Freut mich, freut mich," sagte er, die Hände reibend, „fürchtete schon, es möchte nicht wieder gut stehen, da mir der Doctor Stephan Holten nicht weit von hier begegnet ist. Er kam doch wohl von Waldhos?" „Allerdings," erwiderte der Amtsrath und konnte eine leichte Verlegenheit nicht verbergen. „Er macht noch ab und zu einen Besuch, obwohl meine Tochter völlia herae- stellt ist." y ° //Ja, ja, das können die Herren Aerzte nicht lassen, tch mußte nach der Krankheit meiner Frau es dem unserigen auch recht deutlich machen, daß wir ihn nun nicht mehr brauchten! Und nun gar die jungen, unbeschäftigten!" seufzte Göbener und wiegte bedächtig den dicken Kopf. „Wie sind Sie nur dazu gekommen, den Stephan Holten zu nehmen? Habe mich immer darüber gewundert." ' //®6 war ein Zufall, und wir können demselben dankbar i fein; er hat sich als sehr guter, sorgsamer Arzt bewährt," I entgegnete der AmtSrath ohne Zögern, obwohl es ihm nicht ■ 8Qn8 leicht ward, sich so anerkennend über Holten anszu- s sprechen. | //Ein Glück, ein Glück!" murmelte Göbener. „Aber i nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Amtsrath, gewagt ; dleibt s doch, es hätte leicht auch anders kommen können." „Wie so? Wie meinen Sie das?- Doctor Holten ist doch Ihr Verwandter!" fragte der Amtsrath. „Sehr weitläufig, von Seiten meiner Frau," erwiderte Göbener mit einer Handbewegung, die gleichzeitig ablehnend und wegwerfend war. „Aber eben deshalb, weil w:r seine Herkunft kennen, hatten wir Bedenken. Meine Frau wollte sogar herüberkommen und Ihnen zureden, noch einen anderen Arzt zu nehmen, ich wollte es aber nicht zugeben, man durfte Sie, wie die Dinge nun einmal lagen, nicht aufregen «nd stutzig machen." Göbener behielt, während er diese Antwort gab, den Amtsrath recht scharf im Auge und bemerkte mit Genug- thuung, daß sie einen lebhaften Eindruck auf ihn machte. „Was wissen Sie denn von dem Doctor Holten?" fragte er. „Na, er ist der Sohn seines Vaters," antwortete Göbener, „und der hat im Leben nicht viel Seide gesponnen. Ist mit einem ansehnlichen eigenen Vermögen und einer schönen Mitgift seiner Frau bis auf den letzten Pfennig fertig geworden und hat seine Kinder in Hunger und Kummer zurückgelassen." Er entwarf nun ein sehr wenig schmeichelhaftes Bild des verstorbenen Holten und ließ nicht undeutlich merke«, daß selbst dessen Ehrenhaftigkeit in der Gegend, wo er zuletzt gelebt, stark angezweifelt worden war. Dann fügte er hinzu: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. So jung der Stephan noch ist, hat er schon allerlei Stretche und Sutten hinter sich. Er hat, wo er hin kommt, Liebschaften läßt sogar seine Patientinnen nicht in Ruhe —" //Wissen Sie das gewiß?" unterbrach ihn der AmtSrath, der seine Erregung nur noch mühsam zu verberge« vermochte. „Leider, leider!" sagte Göbener mit einer Miene, als lasse er sich nur sehr schwer zur Bestätigung seiner abfällige» Auskunft herbei. „Er läuft jeder Schürze nach, ich habe mich deshalb genöthigt gesehen, mir seine ferneren Besuche 142 Beim Anblick "des Amtmannes malte sich eine unangenehme Ueberraschung auf dem lieblichen Gesichte des junge* Mädchens, das feine Rosa ihre Wangen verwandelte sich i* ein dunkleres Roth, das schnell wieder einer tiefen Blafft Platz machte, die schimmernden Augen schienen tote durch einen plötzlich aufsteigenden Nebel verhüllt. Meta hatte sich seit Stunden in einer großen Aufregung befunden. Sie hatte gehofft, Stephan Holten nach ferner Unterredung mit dem Vater noch zu sprechen und es erschien ihr gar kein gutes Zeichen, daß er fortgefahren war, ohne sie ausgesucht zu haben, und der Amtsrath wieder tn sein Zimmer gegangen war, wo sie ihn nicht stören burftt. Sie hatte sich im Garten an den Blumen zu schaffen gemacht und spähende, sehnsüchtige Blicke zu seinen Fenstern emporgerichtet. Als auch das nichts geholfen, hatte sie sich ei* Herz gefaßt und war zu ihm gegangen, denn es schten ihr ganz unmöglich, bis zum Mittagessen zu warten. Ein ganz leises Lächeln, das ein klein wenig schadenfroh war, glitt über des Amtsraths Züge, als er seine Tochter so betreten in der Thür stehen und auf den unerwartete« Gast schauen sah; Göbener eilte ihr entgegen, ergriff mit seinen plumpen Fäusten ihre schmalen, zarten Kinderhände und schüttelte sie so derb, daß die Rosen zu Bode« fielen. Er hob sie schnell auf und sagte, sich mit dem Rucke* der Hand über die Augen fahrend, als müsse er eine Thrane nichts kommen." , „ , . ,, Es will ja auch Niemand etwas auf sie bringen, lachte"der Amtsrath. Das war nun wieder der alte Göbener, wie er leibte und lebte. Es war nicht unbekannt in der Umgegend, welche Stütze die kränkelnde Frau Göbener an dem jungen Mädchen hatte, und nun stellte er die Sache so hin, als würden ihr Wohlthaten durch hn erwiesen. Meine Frau wollte Anna schon herüber schicken, damit sie Fräulein Meta einmal be uchte, aber das Mädchen ist so schüchtern. Na, sie ist freilich kein Verkehr für Ihre Tochter, sehr einfach und wenig gebildet." „Sie hat Meta sehr gefallen, sie begann der Amtsrath, brach aber plötzlich ab und setzte den Satz tote I unschwer zu erkennen, anders fort, als es zuerst feine Ab- | ficht gewesen war: „Sie wird freilich vor der Abreise | wenig Besuche mehr empfangen können." „Auch Adolf nicht?" fragte Göbener," der arme Junge | würde es schwer überwinden, wenn er nicht Abschied von i ihr nehmen dürfte. Er hat sich während der Krankheit I sehr um sie geängstigt und ist, obwohl er Stephan Holten sonst gar nicht leiden mag, fast täglich zu ihm gelaufen, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen/ Da sparte er freilich den Weg zu uns, sagte der Awtsrath und konnte es nicht verhindern, daß sein Ton eine leichte Gereiztheit verrieth, um dies zu verwischen, fügte er freundlicher, als dies eigentlich sem Wille war, hinzu: „Wenn seine Zeit es erlaubt, so bitte ich ihn, zu kommen, Meta wird ihn gewiß gern sehen." „Er kommt, er kommt, verlassen Sie sich darauf, Herr Amtsrath," versicherte Göbener, „der arme Junge hat wirklich schwer zu arbeiten. Hat's freilich nicht anders haben wollen. Wäre er Landwirth geworden, konnte ich jetzt das Gut abgeben." „Es bringt ja nichts mehr ein," neckte der Amtsrath. „Na, wenn Sie und ich nachgeholfen hätten," begann Göbener mit einem listigen Seitenblick, der Amtsrath fiel ihm jedoch in die Rede: „Lassen wir das, geschehene Dinge find nicht zu andern. Adolf wird auch so seinen Weg machen." „Das wird er, das wird er," stimmte Göbener zu. „Es kann gar nicht mehr lange währen, daß er eine feste Anstellung erhält, dann kann er daran denken, sich den eigenen Herd zu bauen." Der Amtsrath ward der Antwort auf diese für seinen Geschmack doch allzu handgreifliche Anspielung überhoben, denn die Thür öffnete sich und Meta steckte den Kopf mit den goldenen Löckchen zur Thür herein. Sie sah ungemein lieblich aus in dem Kleide von feinem hellgrünem Wollstoff, das sich eng an ihre zarten Formen schmiegte und am Halse durch einen schmalen, weißen Kragen, den eme kleine mit Türkisen und Perlen besetzte Broche zusammenhielt, abgeschlossen war. In der Hand hielt sie zwei dunkelrothe Rosen. zu verbitten und glaubte, Ihnen diese Mittheilung doch '$Ut „Ich danke Ihnen," sagte der Amtsrath finster vor sich niederblickend. „Doctor Holten wird übrigens schwerlich Veranlassung haben, sobald wieder nach Waldhof zu kommen, ka ich die Abreise meiner Tochter möglichst beschleunigen „Desto besser," grinste der Amtmann und Wenzel fUt,T Aie haben aber doch die Schwester des Doctors in Ihrem Hause. gute§/ fleißiges, bescheidenes Geschöpf, ganz die Mutter, sagt meine Frau, die diese in der Jugend gekannt hat, nicht die Spur von Vater und Bruder, erwiderte Göbener und schien ganz warm zu werden. „Sie »iebt sich wirklich Mühe, die Wohlthaten, die wir ihr erweisen, zu verdienen. Nein, nein, auf Anna lasten wir wegwlschen^^^ @ie, liebeg Fräulein Meta, mein Ungeschick. Ach, "ich bin ja glücklich, Sie wiederzusehen und so frisch und munter. Wie wird sich meine Alte freuen, wenn ich ihr das erzähle, sie wäre gern selbst gekommen, aber sie ist gar nicht recht auf dem Posten. Adolf schicke ich m den nächsten Tagen- der Herr Amtsrath hat's erlaubt und ich denke doch, Sie sehen ihn auch gern." Er zwinkerte bei diesen Worten mit den Augen und ließ ein leises Lachen hören. Meta ward blutroth, der Amtsrath zog die Stirn in Falten und sagte kurz : „Gewiß, es hat ja für ihn nie einer besonderen Er- laubniß bedurft, nach Waldhof zu kommen. Aber Sie werden hungrig fein. Meta, der Herr Amtmann speist heute mit uns- willst Du zusehen, ob bald angerichtet werden kann? Meta entfernte sich schneller, als es der Auftrag des i Vaters vielleicht nöthig erscheinen ließ, froh auf diese Weise, I wenn auch nur auf kurze Zeit, von den zudringlichen Freundschaftsbeweisen des Amtmanns befreit zu sem. | Letzterer wandte sich nun damit an den Amtsrath und war noch im vollsten Zuge, als der Diener erschien und die Herren ersuchte, in das Speisezimmer zu kommen. | Göbener ergriff eilfertig Hut und Handschuhe und verließ mit dem Amtsrath, der ihm höflich den Vortritt ließ, | das Zimmer. IX. Fm Speisezimmer war der Tisch einfach, aber sauber und geschmackvoll für drei Personen gedeckt. Eine Schale | mit herrlichen Trauben, Pfirsichen, Birnen und Pflaumen, welche sämmtlich im Obstgarten und an den Spalieren m | Waldhof gezogen waren, bildete das Mittelstuck, duftende | Herbstblumen mit leuchtenden Farben standen rechts und links daneben. Fast gleichzeitig mit ^n beiden Herren trat Meta ein und in dem nächsten Augenblicke brachte auch der Diener schon die kräftig duftende Suppe. „O, o," sagte Göbener, die Safet, mit den Blicken überfliegend, „wie schön das hier ist, eigentlich gejore ich hier gar nicht her, habe kem hochzeitliches Kleid an. Welch^prachtvolles Obst. Ja, solche Herrlichkeit haben wir in Rapshagen nicht." „ „Das kommt ja nur auf Sie an, Herr Amtmann, i mies Wenzel, die Schmeichelei, durch welche nur schlecht . Seh” ter'M ««., $u,M. „ItorW. N>« ®'= ' I «ul R-PShagm »was, MS uns l-id-i I-hll, tue 143 sorgende Hausfrau - wir milff en hier mit der Wirtschafterin fürlieb nehmen." „Wer weiß, wie lange noch!" entgegnete Göbener und bemühte sich, seinem Gesicht einen besorgten Ausdruck zu geben, löffelte dabei aber eifrig die Geflügelsuppe aus und liebäugelte mit dem goldhell funkelnden Rheinwein, mit welchem der Amtsrath sein Glas soeben gefüllt hatte. „Meine Frau hat sich von ihrer schweren Krankheit nie ganz wieder erholen können und ich fürchte —" „Ei, fürchten Sie nichts, sondern hoffen Sie," unterbrach ihn der Amtsrath, der nichts von Krnnkeit und Todesbefürchtungen hören mochte, „trinken wir auf ihre Gesundheit und langes Leben." Er hielt dem Amtmann sein Glas hin; dieser that ihm Bescheid, fügte aber sogleich hinzu: „Auf Fräulein Metas Gesundheit und Wiederherstellung, sowie auf eine glückliche Reise!" Das junge Mädchen stieß mit ihm an, schaute jedoch gleichzeitig recht betroffen auf den Vater, der unruhig auf seinem Stuhl hin- und herrückte, und sagte: „Sie wünschen mir glückliche Reise, Herr Amtmann? Ich habe ja gar nicht die Absicht, Waldhof zu verlassen." Göbener schlug sich auf den Mund und sagte anscheinend sehr betreten: „Ach, habe ich da vorzeitig etwas ausgeschwatzt?" „Nicht eigentlich," erklärte der Amtsrath etwas hastig, „es ist schon länger die Rede davon, daß Meta während des Winters nach dem Süden soll, sie sträubt sich nur dagegen, will mich nicht allein lassen. Heute ist aber endgiltig darüber bestimmt worden." „Ah, kann mir schon denken- der Arzt war hier, bin ihm ja unterwegs begegnet, der schickt das Fräulein fort. Machen die Herren Aerzte gern so, wenn sie mit ihren Patienten nichts mehr anzusangen wissen oder wenn sie nicht eingestehen wollen, daß sie genesen sind," bemerkte der Amtmann lauernd und nahm gleichzeitig eine recht ansehnliche Portion von dem blaugesottenen Karpfen, welchen der Diener ihm anbot. „Sie irren, Herr Amtmann!" rief Meta eifrig und bedeutete durch eine Handbewegung den Diener, daß sie von dieser Schüssel nicht essen wolle. „Doctor Holten schickt mich nicht fort." „Doch, Meta," versetzte der Amtsrath nachdrücklich, „ich habe mich vorher mit ihm darüber verständigt- Du wirst abreisen, sobald Elisabeth Wenzel, an die ich bereits geschrieben habe, im Stande ist, Dich zu begleiten. Ihre Schwester, Frau Münter, habe ich ersucht, während Deiner Abwesenheit in Waldhof zu wohnen und mir Gesellschaft zu leisten, Du brauchst also nicht zu fürchten, daß ich einsam bin." (Fortsetzung folgt.) Hhgieine im Winter.*) Es ist leichter Krankheiten zu verhüten, Als Krankheiten zu heilen. ------- (Nachdruck verboten.) Wer sich seine Gesundheit erhalten will, muß wissen, wie er die Einflüsse fern hält, welche geeignet sind, dieselbe zu zerstören, denn Krankheiten entstehen nur durch auf den Körper einwirkende, schädliche Ursachen, die nach Grad und Character sehr verschieden sein können und zugleich dadurch, daß der Körper für dieselben empfänglich ist. In keiner Zeit ist aber der Mensch zu Krankheiten mehr disponirt als im Winter, weil die Temperaturgegensätze, der Wechsel von der Wärme in die Kälte und umgekehrt, zu schroff und un*) Der „Practische Wegweiser", Würzburg, dem wir diesen Artikel entnehmen, sendet auf Verlangen Probe-Nummern kostenlos an Jedermann. vermittelt ist. Deshalb sind besonders Nasencotarrhe und Brustkrankheiten an der Tagesordnung, und die Redensart von „Erkältung" als einzige Ursache ist überall die gleiche, obwohl sie nicht immer zutrifft. In der Vermittlung und dem Ausgleiche der Temperaturgegensätze liegt der richtige Weg zur Vorbeuge gegen die verschiedenen Winterkrankheiten. Gegen die Kälte schützen wir uns durch wärmere Kleidung und durch Bewegung im Freien. Sobald wir aber das geheizte Zimmer betreten und längere Zeit darin verweilen, wird die warme Kleidung zum Verhängniß, wenn sie nicht abgelegt wird, denn die Körperwärme steigert sich und der darauffolgende Gang ins Freie bringt die Erkältung mit sich. Vielfach schuld daran ist aber die oft sehr hohe und trockene Zimmerwärme. Die Redensart: „Lieber erstickt, als erfroren", scheint bei Vielen sich bewahrheiten zu sollen. Aengstlich wird jede Ritze am Fenster verkittet und der Ofen glüht Tag und Nacht, so daß 20—25 °R gerade keine Seltenheit sind. Von welcher Beschaffenheit die Luft in einem solchen Raume ist, kann man sich denken, wenn man überlegt, daß der Mensch stündlich ungefähr 200 Liter Kohlensäure ausathmet und circa 215 Liter Sauerstoff consumirt. Oft aber verbrauchen mehrere Personen den Sauerstoffgehalt des Lauftraumes in einem Zimmer, mit dem ein Erwachsener kaum genügend für einige Stunden ausreichen kann. Es muß also die ausaeathmete Kohlensäure wiederholt die Lunge passtren und da nicht sämmtliche Luft aus der Lunge ausgeschieden wird, sondern immer eine gewiffe Menge rückständig bleibt (Residualluft), so wird diese allmälig sehr schlecht und wirkt nachtheilig auf die Lunge, das Blut und den ganzen Körper. Der beste Beweis ist die Stubenfarbe, das gelbliche, bleiche Gesicht der Stubenhocker. Wie zutreffend dies ist, beweist folgender Fall, den Prof. Dr. Jäger als Director des Thiergartens in Wien erlebte: Im ersten Winter wurde das große Haus für die südländischen Vögel durch Fenstereinsatz von der äußeren Luft abgeschlossen und geheizt. Der Erfolg war, daß fast die Hälfte seiner Insassen crepirte und der Befund der Leichenöffnung war in den meisten Fällen Schimmelbildung auf der Oberfläche der Lunge und in den, den Vögeln eigen* thümlichen, mit der Lunge in Verbindung stehenden Luftkammern des Körpers. Nun: jede Hausfrau weiß von den Speisen, daß Schimmelbildung auf diesen außerordentlich begünstigt wird, wenn man sie in abgeschlossene Räume, in Kisten, Kästen und Schubladen einsperrt, während sie viel leichter und länger schimmelfrei bleiben, wenn man sie der freien Lust aussetzt Diesen Vergleich machte Prof. Jäger damals sofort, und im darauffolgenden Winter blieb an dem Vogelhaus die Verglasung weg, so daß ganz wie bei den Freiliegeluftkurhallen in den Heilstätten für Lungenkranke die vordere Wand der Käfigräume gegen die freie Luft offen war. Statt zu heizen, wurde reichlicher gefüttert und der Erfolg war, daß die Sterblichkeit in dem Vogelhaus eine kaum nennens- werthe war. Die Menschen gleichen den Brodlaiben- wenn man sie in die Schublade steckt, so verschimmeln sie, und die Tuber- culose ist nur eine besondere Form dieser Verschimmelung, gesund bleiben sie nur in freier Luft. Wir können daraus ersehen, daß frische Luft viel noth- wendiger zur Erhaltung der Gesundheit ist, als Wärme, und es ist deshalb eine unerläßliche Nothwendigkeit, unsere Wohnung täglich zu lüften. Je öfter wir dies thun, desto besser wird es sein. Einige Minuten genügen, um einem mittelgroßen Zimmer genug frische Luft zuzuführen, und reine Luft erwärmt sich auch viel schneller als die verbrauchte. Je mehr wir Heizen und je mehr sich Menschen im Zimmer aufhalten, desto öfter muß die Luft erneuert werden. Zweckentsprechender ist freilich eine ständige Ventilation, welche die permanente Lufterneuerung gestattet. Dadurch würde gleichfals hohe Zimmerwärme vermieden, die im Allgemeinen 15° + R nicht übersteigen soll. Neben 144 dieser spielt die Luftfeuchtigkeit eine gewisse Rolle. Der in der Luft enthaltene Wassergehalt ist dem Menschen sehr zuträglich, am wohlsten suhlen wir uns, wenn derselbe 40 bis 60 Procent beträgt. Steigert sich derselbe, wie z. B. bei nebligem Wetter, dann werden wir eine Brustbeklemmung wahrnehmen und das Athmen ist erschwert. Die nöthige Luftfeuchtigkeit erhalten wir durch das Aufstellen eines Gefäßes mit Waffer auf den Zimmerofen, durch Bespritzen der Zimmerpflanzen oder einen kleinen Springbrunnen. Schlechte Zimmerluft entsteht aber auch durch Staubablagerung auf dem Ofen, den Möbeln, Stubenböden und beim Herausnehmen des Aschenkastens am Ofen. Wo solche Staubwolken durch irgend einen Umstand aufgewirbelt und eingeathmet werden, zeigen sich die schädlichen Wirkungen durch Hustenreiz und chronische Lungencatarrhe, und es ist deshalb das Abstaubcn nur mit nassen Wischtüchern zu handhaben. Halte deshalb so viel als möglich auf gesunde und frische Luft und auf eine gesunde und kräftige Lunge, denn diese ist die beste Schutzwehr gegen Krankheiten, weil durch eine tiefe Athmung in gesunder Luft sie dadurch von den eigenen, unbrauchbar gewordenen Gasen befreit und mit Sauerstoff, dem ureigensten Lebenselemente, versorgt wird. Humoristisches. Aus „Lustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer ! 0 Psg. — Doppelsinnig. Sie: „Hast Du schon gehört, die Tochter der Frau Geheimräthin hat sich im Bade verlobt!" Er: „Das habe ich mir gleich gedacht, daß die mit ihrer Tochter eine Er—holuvgsreise macht/' — Geistreich. Dame: „Wie haben Ihnen denn die Damen in Afrika ge- fallen, Herr Lieutenant?" „O, ganz nette Mädels! Nur 'n bischen schwarz sind sie!" — Entschuldigt. Sie, „Du willst mich so sehr lieben, und dann schreibst Du mir nicht 'mal einen Brief, wenn Du drei Wochen auf Reisen bist!" Er: „Liebes Kind, ich liebe Dich unbeschreiblich!" — Mildernder Umstand. Richter: „Sie haben schon wieder 'mal ein Fahrrad gestohlen!" Angeklagter: „Ja, ich bin halt noch ’n bissel ungeschickt, Herr Richter. Das erste war bereits nach vier Wochen hin!" — Seine Auffassung. Sie: „Du Vater — der feine Kellner war vielleicht beleidigt, weil Du ihm sein Trinkgeld gabst — er macht so ein Gesicht! Er: „Meinst Du? — Aber sehr beleidigt konnte er nicht sein, denn ich gab ihm nur fünf Pfennige." * * * Sonderbarer Trost. Geliebte (außer sich): „Schändlich: Du hast mir die Treue gebrochen, liebst eine Andere! O wie ich die hasse!" —Gelieber: „Tröste Dich, Kind! Set überzeugt — der bleib' ich auch nicht treu!" • * * Bescheiden. Kaufmann (der Nachts einen Einbrecher in seinem Comptoir antrifft): „Dieses Mal will ich noch Gnade für Recht ergehen und Sie laufen lassen!" — Einbrecher: „Danke! Aber dann haben Sie auch die Güte und schenken mir eine neue Hose,- die meinige habe ich beim Einsteigen am Fensterhaken zerrissen!" ♦ * * Ausweg. Hausfrau (zu dem angehenden Dienst- mädch-n): „Was schreibe ich nun in Ihr Buch als Entlassungsgrund? Eigentlich schicke ich Sie doch fort, weil Sie mir jeden Abend einen anderen Soldaten mit in die Küche brachten! — Dienstmädchen: „Na, dann schreiben Sie doch „Verhältnisse halber!" Ein Vocativus. „Aber, Edgar. Du lächelst sa vergnügt bei jeder Dame, die an uns vorübergeht!" — „Nun, warum nicht? Ist sie hübsch, so freue ich mich, daß sie hübsch ist, und ist sie häßlich, so freue ich mich, daß sie nicht meine Frau ist!" * • * Umschrieben. Laura: - Der Postbeamte ist kein Mann für mich — der hat ja schon eine vollständige Glatze! Da wär' mir der Assessor viel lieber!" — Laura: „O, der ist um kein Haar besser!" * Vor den Gerichtsschranken. Vertheidiger: „Der Angeklagte hat freimüthig zugestanden, die Klägerin im Laufe eines lebhaft geführten Zwiegesprächs drei Mal eine Hexe genannt zu haben. Es giebt nun alte und junge Hexen. Die Zauberei der alten Hexen ist längst als Ammenmärchen abgethau. Hingegen aber ist die Zauberei der jungen Hexen kein Märchen und schon mancher leichtfüßige Spötter hat sich aus dem Zauberkreise einer jungen Hexe nicht mehr zu retten vermocht. Da nun die Klägerin, wie der Augenschein lehrt, die Grenze noch nicht erreicht hat, wo die alten Hexen ihren Ausgang nehmen, so kann sie folgerichtig nur den jungen Hexen zugezählt werden, und der Angeklagte hätte ebenso gut sagen können, daß die Klägerin Zauberei trel6e oder kurzweg bezaubernd—" — Klägerin (unterbrechend): „Ich ziehe meinen Strafantrag zurück!" * * • Moderner „Frei"-Handel. „Warum machst Du Deine Verlobung mit Fräulein Leonore noch immer nicht perfect, das Mädchen ist doch schon neunundzwanzig Jahre alt?" — „Ich warte nur, bis sie dreißig Jahre alt wird, dann kann ich doch ihrem Alten gegenüber bezüglich der Mitgift noch viel anspruchsvoller auftreten." * » * „Wen halten Sie für den größten Erfinder der Neuzeit?" fragte eine rrau. — „Meinen Mann", erwiderte stolz die andere.—„Wieso? Mir ist nicht bekannt, daß Ihr Mann je etwas erfunden hat!" — „Na! ich wollte, Sie könnten einmal die Entschuldigungsgründe hören, die er an- sührt, wenn er um zwei Uhr in der Früh' nach Hause kommt." * * * Vertheidiger: „Ich bitte auch als strafmildernd zu berücksichtigen, daß mein Client nur eine kleine Summe gestohlen hat, während in demselben Fach eine mit Banknoten gefüllte Briestasche lag!" — (Angeklagter schluchzt laut.) Vorsitzender: „Warum weinen Sie denn?" — Angeklagter: „Weil ich die Brieftasche nicht bemerkt habe!" * * * Ein Schwerenöther. „Gnädiges Fräulein, darf ich Sie vielleicht begleiten?" — „Aber ich kenne Sie ja nicht!" — „Na, sehen Sie, da ist es eben höchste Zeit, daß Sie mich kennen lernen!" Literarisches Die Lieferungen 25—30 der Neuen Folge von SB. Heimbirrgs Schriften, JIlustrirte Ausgabe enthalten den Haupttheil des Romans „Haus Beetzen", der wohl zu den besten Erzeugnissen der Verfasserin gehört; die ganze Handlung ist einheitlich gehalten und wächst bis zum Schluß heraus aus einem Kern. — In den Lieferungen 28—30 ftnten wir den ersten Theil des Romans „Trotzige Herzen", der an einem kleinen deutschen Fürstenhofe spielt. Das Schloß und die Landschast sind stimmungsvoll, der kleine Hof mit genrebildlicher Wahrheit geschildert. Die zahlreichen, von feinem, künstlerischen Empfinden zeugenden Illustrationen gereichen dieser Sammel-Ausgabe zur ganz besonderen Zierde. Redactiau: L. Scheyda. — Druck »ub »erlag der Brübl'kcken Universitäts-Buck- und Steindruckerei CSittf» & @4f6ba) tn Gießen. s a (i g il C 9 d n g g d si d e: T n bi u bi sc C u bi