L Mu Sonnenstrahl in blauer Luft, ' Was schaffest du für Leben? Zur Wiege wandelst du die Gruft In beinern Wunderweben. Die abgestorb'nen Sträucher blüh'n, Verzagte Knospen springen; O, könnte mit dem ersten Grün Sich auch das Herz verjüngen! Martin Greif. Das Fräulein. Roman von E. Ve ly. (Fortsetzung.) Ebba gab die Adresse eines Blumengeschäftes Unter den Linden an, Walther übermittelte sie pünklich dem Kutscher, schob den Schlag zu und blieb in vorschriftsmäßiger Haltung stehen, bis der Wagen einige Schritte entfernt war. Dann eilte er leichtfüßig zurück, es lag ihm ja ob, die Lichter in den Zimmern den gnädigen Frau zu löschen. Einen mächtigen Strauß der schönsten Rosen hielt Ebba in der Hand, als sie den Laden verließ und die Nummer in der Kleistftraße nannte, wohin der Kutscher jetzt fahren sollte. Der Duft derselben erfüllte den Wagen, zuweilen traf noch ein Hauch davon den Mann auf dem Bock. Sie sah glücklich lächelnd darauf nieder nun fuhr sie in die Freiheit, in das neue Leben. Sie lachte, wenn sie ein Haus sah, in welchem Bekannte wohnten. Welche Gesichter sie alle machen würden, wenn die große Mähr über die Stadt hinflog — Ebba — diese Ebba! einmal herausgeschreckt sein würden aus ihren alltäglichen Redensarten! Wie sie still stehen würden, kopfschüttelnd, athemlos — das hatte Ebba gethan! Und auch Conrad Lund würde zum ersten Mal in seinem Leben aus seiner Ruhe gerathen. Sie meinte, sie sähe ihn jetzt schon an ihrem Schreibtisch stehen, auf welchem der knappste Brief lag, der wohl je bei einer solchen Gelegenheit geschrieben war — erst darauf niederstarrend und dann mit fiebernden Händen in den Fächern des Schreibtisches suchend, wühlend, die blauen und rosa Bändern zer- ! reißend, die Blätter mit den Monogrammen weithin streuend nach Beweisen forschend, nach Liebesbriefen — ah — sie hatte keine geschrieben! Vergebene Mühe, Herr Conrad Lund! Sie hatte sich nie im Kleinen und Halben compromittirt. Was sie that, that sie ganz und so überraschend schnell, daß man den Athem verlor — Die Lichter flammten auf, überall in den Straßen und hinter den Fenstern. Wie viel Glückliche sie wohl jetzt 6e- euchteten in der Riesenstadt? — Ob wohl eine Brust sich so frei fühlte in diesem Augenblick, wie die ihre? — Und doch that sie etwas so Außerordentliches! Nun war das Ziel erreicht - sie gab dem Kutscher ein solch großes Trinkgeld, daß er ihr verblüfft die Hand noch einmal hinhielt, damit sie sich überzeuge. "Es ist recht," nickte sie freundlich hinauf in das häßliche Gesicht mit der gerötheten Nase. i "Ach Jott, wie schön!" sagte ein Zeitungskind, das sich an ihr vorbeidrängte, als sich die Thür öffnete, „so 'ne Blumen." Und, obwohl das mehr Frechheit war als Bewunderung, zog Ebba eine Rose an dem langen Stiel hervor und reichte sie dem Mädchen, das sie ganz verwundert anstarrte. Sie stieg die Treppe hinauf, nur acht Stufen zu der Parterre-Wohnung — so niedrig hauste das Glück, so ohne jede Anstrengung gelangte man hin — Die Vorplatzlhür war offen, ein kleiner Reisekoffer war eben hineingescdoben. Neben demselben stand die Kubaitz und sagte zu dem Portier, welcher ihn gebracht harte: „Na, das ist 'ne Ueberraschung!" „Ach Gott, gnädige Frau!" stieß sie dann hervor. „Ich weiß schon!" Und dann machte sie, ohne die rathlose Haushälterin weiter zu beachten, die nächste nur halbangelchnte Thür auf. Eine stattliche Frauengestalt in dunkler Kleidung stand inmitten des Zimmers, sich in demselben umsehend, das Licht fiel hell auf den grauen, welligen Scheitel und auf ein feines wohlwollendes Gesicht. Die Blumen ihr entgegenhaltend, sagte die junge Frau kindlich demürhjg: „Ich bin Ebba Lund!" „,,O, die schönen Rosen — und das liebliche Gesicht!" erwiderte die Matrone, beide Hände ausstreckend. Langsam führte Ebba sie zu dem tiefen Seffel. „Daß Sie gekommen sind, wie gut, wie unendlich gut ist das!" „Kann eine rechtschaffene Mutter wohl den beiden Wörtern „Lebens glück und Zukunft" für ihren Sohn widerstehen?" iiiuf; ä inö tzatnnsL - 338 wl< km uni die um die das den S möglich wissen —" müssen sich ausruhen ad) beschwichtigte end und halb knieend „Er weiß „Eri" Ebb° * 'T‘%u“"m X verzehrt eh' « Mutter? — mte er uw . ct, öon meiner Hand einen ?J* Statt ae^abt. Datum mußletl Du kommens um L tm ^eluet^Stelle zu „empsau-e— Ju $ratÄ"b?e5 S-* butÄ «*»<•- « * . s}, *rn6e Tbür des Vorderhauses hinter Dröhnend siel die große Ly Straße — wieder Line Arabin zu f« ' (g conrt; — Nicht einmal, und dochnochan mürde sie wandern, hier mehr an den ^««1^ enttong wittoe 1 {o(tte e8 und dort einkehrend, i^agen^^^ hatte es Plötzlich da jetzt sem forL anftarrenben Menschen gewußt, daß sie oben unter den sie ansta mit dem Begreifen ST ^Aest"».-"»-»?.-""»«"' “ Z'ttXbö VÄ'Ä* na«b° einet -st«°»ufet-, M »« °>« °"°«,ie ben W? Wagen der Dampfbahn. Ost hMe^f» einem Maschine entgegen oder nachge / 1 schwebten Gang in die Eisenmasse, die rosig zarte Dunstschleier «b" der schwarzen ' bann gen Himmel steigen zu ' h«- legte? sich weiße, niedere W-lken flatternd u^ Und Plötzlich wußte sie, ^iten Weg nach dem zitternden Füßen gar nich auch den Canal zu machen brauche - »öte > letzten Liebesdienst. blc Etsenbahnstränge um Aber, an der Emve, Klangs amte den sreien Platz zogen, us^ _ if)r entgegen also der sich die Bewegung der Maschine aus der Stirn, keuchenden Besreierm j Gar das Pflaster auf« | Auf der einen Sette der ®’1'®«»’nt eine ftatle Liebe." W« sie. ,,3« »«W« „!® to'U, an« um ble meinige getankt. - Aden lei«! ist e« nicht, dem Uith« bet Wett tentzm ^ mirt „Bah, war wildste mit^Me »i fm* z6,m„. einige Tage reden b KteUe. Ich bin eines Die Großstadt hat noch ander bt begonnen, reichen Mannes Tochter imm r noch, - Brunos 8 seinen Weg durch mrch zu machen, er wr I Ktastst et Ichti-b f w murmelte Frau Anna. «öalick. ohne Connexionen! ”*«7®«» Iah auf bl« »nd-rhäube, »>- W« ««• «UW Ä I n>at. Ich u-tmuthe, e- 'K E^d-üL Mudet," HteTÄSl^^**- , » ffs 1 gx-Xb*■:-* «• w“9- - das war er - Bruno'. * * 616 Ä breitete ble i«n«e Ftau “«■ --»‘U * mich Astest habe - »e« eine st eisige Kindheit, eine st h Hetzen uueud- I und labt « » «W mäh'? Nicht, ff»-8« tÄÄ'S « sTr« “ w*b" mi Ä w», w. -nubl" « 8«« Mua n“&blÄ RameustetwÄuud ble ganze Beegangeuhest." "^ebes «nd mtd) Mutter, seine Mutter, „Kind, , , bttd£e an. Du wirst uns verstehen, meine von diesem Augenvucre « - £ä* S „Das wars also . __ fetne Andeutung ttt ist freilich seltsam, überraschen über« «Wen Briefen - nichts, nichts - kam es oenn i n»i9w IM-«"tiginb WM#„ „ledethatte Ebba. „Es da — wie der Blitzschlag." Und er?" warf die Mutter ein. tteMhe Frau, ein Mßrlgei Mt, - wie -tst.uut und I glücklich et fein "tt^ Et sie E H^llzbetg. I Ä Ä“ 9@le- arUÄ st- hatte M in astet Eile SiärWJtÄ ^L^ Ses8^-tt^ ‘ «J'r.i.n Si» sixts so gut gegen Mich gce «et»»1- StJ1“ ®‘U ein flieg iu ihee ÄÄn» ®- " ”“6 d'eu LuE zum etst-u Wale laut g-u-uu.. ’s« -- M *i ^Lü steelchelte sie da- f*ta.«nb. S-°-^ chst Äb?V®le st fchbu «l gedacht ! - wusii-n Slkvan mit?" st-gl- Ebba st°«enb, fast angstvoll. „ f te Frau Anna und ihre "®'n..ln VÄstnd an' dem uukLblaueu Melde -bba- Ä S °»bhu.e Stau seien, «1S L°'h-stt--u""Be»e-nn- »tesi.e Ebba M. a°Lkul«?m7ht,1elt dielet Labe stltdem Ich bÄS, „1.1. fest Ich 339 gerissen, die Steine zu einer viereckigen Schicht von Menschenhöhe aufgethürmt — dahinter ließ sich warten. Ein Läuten da drüben — „gebt Acht, geht aus dem Wege!" bedeutete fs für die anderen Menschen, für sie lag ein trostreicher Klang darin: „Ich komme, ich befreie Dich!" Wie das Stöhnen und Rutschen zu ihr klang, wie ernst es das eiserne Geschöpf nahm — bah, es würde keine so große Arbeit sein, ein Fall, ein Krachen brechender Knochen — wie lange es währte — Ah, nur kein feierlich letzter Gedanke an die That selber — „Weil ich ausgestoßen bin, mache ich die Thür hinter mir zu! —" Nun — nun! Sie stürzte hinter den Steinen hervor, dicht war das leuchtende Auge neben ihr, feuchter Dampf, ein Fall, ein Schmerz, Nacht!-- (Fortsetzung folgt.) Die schleswigschen Halligen und das Leben anf denselben. Von P. Andresen in Rabenholz, Schleswig. Im schleswigschen Wattenmeer erheben sich neben den größeren Inseln Föhr, Sylt und Amrum eine ganze Anzahl von Jnselbrocken. Kein Deich, keine Düne schützt diese gegen die Fluthen der brausenden Nordsee. Das sind die Halligen. Auf künstlich aufgeworfenen Erdhügeln liegen die Häuser der Halligbewohner. Zur Fluthzeit umspült das Meer diese Erdhügel, die man Werften oder Warften nennt. Man könnte die Wohnungen dann mit Seefahrzeugen vergleichen. Zur Zeit der Ebbe erblicken wir wieder ein ganz anderes Bild. Dann sieht es fast aus, als seien jene Häuser, die vor wenigen Stunden auf hoher See zu schweben schienen, zu vergleichen mit gestrandeten Fahrzeugen, die auf einer Untiefe im Meere festliegen. An stürmischen Herbst- und Wintertagen steigt die Fluth wohl sechs bis acht Meter über die gewöhnliche Höhe. Dann klopfen die Wogen mitunter Einlaß begehrend an die Wohnungen der Menschen. Da ist es schon oftmals vorgekommen, daß die Mauern einstürzten, und daß die Bewohner auf dem Boden ihre Zuflucht suchen mußten. Wan hat sich aber vorgesehen, daß in solchen Fällen das Gebälk nicht mit herunterstürzt. Dasselbe ruht eben nicht auf den Mauern, sondern auf Pfählen, um die das Mauerwerk herumgezogen ist. Das alte Hallighaus ist mit Stroh gedeckt. Ueber der Hausthür des einstöckigen Gebäudes erhebt sich ein steinerner Giebel. An der einen Seite der Hausthür liegen die Wohnstuben, an der anderen Seite die Wirthschastslocalitäten. Dort sind dementsprechend größere Fenster als hier. Alles Holzwerk draußen an dem Hause ist mit dunkelgrüner Farbe gestrichen. Von der Hausthür an führt ein Gang quer durch das Haus. Neben dem Wohnzimmer befindet sich ein größeres Zimmer, Peesel genannt. Betreten wir das Wohnzimmer eines Hallighauses. Der Halligbewohner nennt dasselbe Dönsen. In der der Stubenthür gegenüberliegenden Wand sehen wir hölzerne Thüren, hinter denen sich in Wandnischen die Bettstellen be- sinden. Zwischen diesen beiden Bettstellen hängt in einer Zwischennische die Wanduhr, welche in den meisten Fällen von den Seefahrern aus Holland mitgebracht ist. In einer anderen Nische prunkt hinter Glasthüren das Porzellan- und Silbergeschirr. Mitunter befindet sich diese schrankartige Nische auch über dem alten niedrigen Beilegeofen, der zwischen der Küche und Wohnstube in die Wand hineingemauert ist. Das Holzwerk ist vielfach mit allerlei Bildern und Sprüchen bemalt, zum Beispiel „Wer ein- und ausgeht zu dieser Thür, Derselb' gedenke für und für, Daß unser Heiland Jesus Christ Die rechte Thür zum Himmel ist." In vielen Stuben herrscht die blaue Wandfarbe vor. Geschmückt sind die Wände außerdem mit Bildern, Schiffe u. dgl. vorstellend. Vielfach sind diese bereits sehr alt. Dort unter dem Fenster steht eine Lade, deren Deckel zugleich als Sitzbank dient. Im unteren Theil des davor stehenden großen eichenen Tisches ist ein Schrank. Auch die um den Tisch herumstehenden Stühle sind aus Eichenholz und mit Schnitzwerk versehen. Blau und grün gestrichene Koffer und Kisten, an deren Vorderseite Namen und Jahreszahlen stehen, haben rings an den Wänden ihren Platz. Sie enthalten Bett- und Leinenzeug. Recht viel von diesem zu haben, ist der Stolz der Halligfrau. „Eine Tochter, die nicht viel Leinen mit in die Aussteuer bekommt, weiß nicht, daß sie eine Mutter hat", sagt ein Sprichwort. Zwischen diesen altväterlichen Möbeln erblickt man auch viele Sachen aus aller Herren Ländern. Sie sind von den Seefahrern hierher gebracht. Jedes Stück hat seine eigene Geschichte, an dasselbe knüpft sich manche Tradition. Im Peesel sieht es ganz ähnlich aus. Groß brauchen die Wirthschaftsgebäude nicht zu sein/ denn Ackerbau wird auf den Halligen, wie wir noch sehen werden, nicht getrieben. In diesem Heim lebt die Familie des biederen friesischen Halligbewohners. Alles macht hier den Eindruck des Soliden, Biederen, Sauberen. Aehnlich wie sonst etwa nur in Holland herrscht auf den schleswigschen Halligen die peinlichste Sauberkeit. Ehr. Johannsen schreibt in seinem Halligbuch: „Was man sonst vielleicht nirgends in der Welt findet, das findet man in Holland und auf den schleswigschen Halligen: gescheuerte Ställe, sogar gescheuerte Schweine- und Hühnerställe. Die Reinlichkeit der Halligfrauen scheint ansteckend zu sein. Fremde wollen bemerkt haben, daß Schafe, Rinder, Schweine und Federvieh sich auf den Halligen reiner halten als auf dem Festlande." Klein wie die Häuser ihrer Bewohner sind auch die Halligen selbst. Die nimmer rastende See bröckelt an manchen Stellen ein Stück nach dem anderen fort. I« neuerer Zeit hat aber die Regierung ihr Augenmerk auf die Erhaltung derselben gerichtet und bereits Schritte dafür gethan. Die Größe der Halligen wechselt zwischen 16 und 2000 Morgen. Es giebt 14 Halligen an der schleswigschen Westküste. Da uns die Zahlen der letzten Zählung nicht zur Hand sind, geben wir diejenigen, die im Jahre 1889 festgestellt wurden. Name Werften Häuser Einwohner zahl Haushaltungen In wie vielen Haushaltungen wird gesprochen Schulkinder friesisch plattdeutsch hochdeutsch Hooge. . . 9 47 174 45 29 15 1 17 Langeneß 12 33 162 33 27 5 I 38 Nordmarsch . 6 15 73 17 11 6 — 11 Oland . . Gröde . . 1 3 9 7 31 32 11 10 — 1 6 Appelland . Habel. . . Hamburger 1 2 Habel mit' gerechnet | 7 6 1 — 8 Hallig . . Nordstrandisch 1 1 2 1 — 1 — — Moor . . 4 7 27 7 4 3 — 5 Süderoog Norderoog . 1 1 9 U 1 n b e w o 1 n t — — . Südfall . . Beenshallig . 1 1 2 U 1II - n b e w o I 1 1 n t - II - Zusammen 39 |123 512 123 I 87 33 3 85 Mehrere Halligen: Norderoog, Süderoog, Wangeroog, führen den Zusatz „oog", das bedeutet „Auge", denn die alten Friesen nannten die Halligen Augen des Meeres. Die Bedeutungen der anderen Hallignamen sind: Pland: das alte Land, Langeneß: lange Nase (Kay), Nordmarsch: nördliche Marsch, Gröde: die grünende, Appelland (oder Habel): das obere Land, Hooge: die hohe Hallig, Beenshallig: hie Hallig. 840 arten, bereiten. B-rlag der Brühi'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Kühe und Schafe hat man auf der Hallig; aber Pferde hält man nicht, da man für solche ja doch keinen Gebrauch hat. Dem Fremden erscheinen die Halligen so freudenleer, daß er es nicht begreift, wie die Menschen auf denselben leben können, und doch liebt der Halligbewohner sem Eiland über alles. Wenn er vielleicht auch als Seefahrer viele fremde Länder gesehen hat, io hält es ihn doch nicht draußen, und sicher ist rS, sobald er sich zur Ruhe setzt, kehrt er nach seiner Hallig zurück. (Schluß folgt.) VernMehtes. Die Häuser auf den Werften sind meistens rings an s den Rand derselben gebaut. Auf vielen Wersten findet man i inmitten dieses Häuserkranzes eine Vertiefung, die zum Sammeln und Aufbcwahren des Regen und Schneewassers dient. Denn frisches Wasser birgt die Hallig sonst nicht. Mittelst gemauerter, unterirdischer Röhren leitet man das Wasser aus diesem Behälter in die Nähe des Hauses, woselbst eine Cisterne gemauert ist. Jener Behälter liegt aber trefer als ; diese kleinen. Wenn das Wasser knapper toirb, dann kann er die Cisternen nicht mehr speisen. Alsdann wird mit Hebeln das Wasser unmittelbar aus ihm geschöpft. Außerhalb des Häuserkranzes liegt dann noch ein künstlich angelegter kleiner See, der mit jenem größeren Behälter unterirdisch verbunden, zum Schutz gegen das Meerwasser aber mit Deichen umgeben ist. Die unterirdische Verbindung kann abaekperrt werden. Aus dem See entnommene Wassermengen kann man durch Preßlöcher in jenen Behälter hineinpressen. Sorgsam geht der. Halligbewohner mit dem Süßwasser um. Wenn er befürchtet, daß die salzige See in seine Wasseranstalt hineinfließen kann, dann schöpft er zuerst so bsel Trinkwasser heraus, als er nur fassen kann. Ist nun wirklich Salzwafier in die Wasseranstalt hineingekommen, dann mutz der Halligbewohner dieselbe teer laufen lassen. Zu dem Ende ist unter der Werft ein Abzugssieb. Wie wir bereits bemerkten, findet Ackerbau auf den Halligen nicht statt. Das kann ja schon aus dem Grunde nicht geschehen, weil die Hallig mehrfach von der See überspült wird. Man kann die ganze Hallig ansehen als eine einzige grüne Wiese, rings umsäumt von dem Meere zur Fluthzeit, von den grauen Watten zur Ebbezelt. Mehrfach schlängeln sich durch diese Wiese kleine Bächlein dahin. Dieselben enthalten Salzwasser- denn sie sind eben die Fortsetzungen der Wattenströme. Fluth und Ebbe halten somit auch in die Halligbäche ihren Eingang. Dort sehen wir von Menschenhand gegrabene Gräben. Es sind die Grenzen und zugleich auch die Einfriedigungen der einzelnen Besitzungen. Die ganze Hallig ist bestanden mit kurzem Gras. Dieses gewährt den Rindern und Schafen kräftige und gern genommene Nahrung. Auch wird es zu Heu verarbeitet. Dies hat dieselben guten Eigenschaften, die das Gras hat, und da es zugleich von der Natur bereits gesalzen wird, so kann es auch lange aufbewahrt werden. Zwei besonders merkwürdige Pflanzen hat, die Flora der Inselwelt aufzuweisen. Draußen vor der Hallig, wo andere Pflanzen nicht vorwärts kommen können, wächst der Queller (Salicornia herbacea), eine ebenso merkwürdige als wichtige Pflanze. Sie hat steife, dicke Blätter, die wie Zweige um den Mittelzweig herumstehen. Sie ist deshalb recht widerstandsfähig. Wenn die Fluth ihren Höhepunkt erreicht hat, und der Wasserstand für einen Augenblick zur Ruhe gekommen ist, dann sinken die festen Bestandtheile, die das Wasser mit« brachte, langsam herunter. Da fängt der Queller solche auch von dem zurückfluthenden Wasser in seinen Winkeln auf, wirkt mithin wie ein Sieb. Von jeder Fluth erhalt er etwas, und so erhöht sich allmählich die Stelle um dt- Pflanze. Diese ist also ein Pionier der Landgewinnung. Sobald das Watt nur so hoch ist, daß es nicht mehr regelmäßig überschwemmt wird, dann stellt der Queller sich ein. Dte andere Pflanze nennt der Halligbewohner Süden Plantago maritima). Sie wächst auch an der Küste des Festlandes. Ihre pfriemenförmigen Blätter pflückt man- denn sie lassen sich zu einem sehr schmackhaften Gericht, ähnlich wie die verschiedenen Kohl- des Bene oder Benne (früherer Besitzer) rc. H'^ neben möchten wir noch bemerken, daß ein Dichter Frieslands singt: „Kindlein in des Meeres Wiege, Eilande an der Wellen Brust, Wo Menschen schiffen kalt vorüber. Und wo der Engel wohnt mit Lust. Der Triumph per Ansichtskarte. In Wien fand unlängst eine Ausstellung von Ansichts-Postkarten statt. Dieselbe zählte nicht weniger als sechstausend Ansichtskarten. Der eigentlichen Eröffnung ging eine Begrüßungsansprache des Präsidenten des „Verbandes der österreichischen Papier- und Schreibwaaren-Jntereffenten", welcher die Ausstellung veranstaltet hat, Herrn Karl Schottola, und ein Vortrag des Vieedireetors der Hof- und Staatsdruckerei Herrn Regierungsrathes Georg Fritz, voran. In der ersten Hälfte seiner Ausführungen erklärte Regierungsrath Fritz laut „N. W. Tgbl.", daß die Ansichtskarte seit Langem auf- qehört hat, eine Spielerei zu sein, sie habe vielmehr die Bedeutung eines ernsten Culturobjekts erlangt, eines ernsten Bildungsmittels sür das Volk. Am 1. Juni 1878 toar he Postkarte bereits in allen Culturstaaten eingeführt, ^m Jahre 1886 wurden !•/* Millionen Karten verwendet. Zehn Jahre später, 1896, verbrauchte Cisleithanieu allein HO Millionen und Deutschland 4l0 Millionen. Nun, und aus der Postkarte ist dann die Ansichtskarte entstanden. Der Gedanke der Postkarte mit Abbildung ist im Jahre 1887, also vor elf Jahren, fast gleichzeitig in Oesterreich und Deutschland aufgetaucht. Ursprünglich waren es Geschäftsleute, die ihre Postkarten mit dem Bild ihrer Verkaufshauser u s. w. ausstatteten. Die ersten Ansichtskarten erschienen in Lichtdruck, jetzt giebt es Wohl kein einziges der etwa 30 verschiedenen Verfahren der Vervielfältigung, welches nicht zur Anwendung gelangte. Ja mehr, die Ansichtskarte ist einer der hervorragendsten modernen Industriezweige geworden, an welchem Hunderttausende Maler, Papiererzeuger, Techniker u. s. f. geschäftlich betheiligt sind. Ja, es winkt ihr eine noch gedeihlichere Zukunft, sofern nur die an der Erzeugung der Ansichtskarte beteiligten Kreise die Karten von Banalitäten fernehalten, sie künstlerisch und technisch gleich gediegen Herstellen und sich immer und immer wieder vor Augen halten, daß die Ansichtskarte vor Allem ein Culturmittel sein soll. An der Ausstellung ist Deutschland mit 60 v. H. beteiligt, zunächst kommen die österreichischen Erzeuger. Auch die Schweiz hat ausgestellt. Was wir in der Ausstellung Alles zu sehen bekamen, das ist unendlich schwer zu sagen. Vielleicht kommen wir der Wahrheit am nächsten, wenn wir behaupten, daß die 6000 Karten so ziemlich die ganze Welt im Bilde zur Anschauung bringen. Emen breiten Raum nehmen Hunderte von Kartenalbums ein, die heute einen großen Absatzartikel bilden. Hunrsvistisches. Kindermund. Die kleine Ella (Clavier spielend): „Ach, Mama, hilf mir doch, ich kann mich hier nicht zurechtfinden." - Mutter: „Ja, liebes Kind, ich kann nicht Clavier spielen, ich habe es nicht gelernt." — Die kleine Ella: „Ach, hattest Du nette Eltern!" Modistin (zur alten Kokette): „Diese Feder kleidet : Sie wundervoll! Sie sehen um zehn Jahre jünger aus. — Kokette: „Oh, dann nehmen Sie nur gleich zwei davon. („Jugend.")