pW gt W iWWLL W MW rllQg^j fmmmir, Jjj d IQ M® ÄH1 fließt Freude, ^K#f’ Die Tugend giebt Ruh'; ©riim wähle sie beide Und glücklich bist Du. Auch der Neicbthuiii ist eine Kraft, So gut wie Weisheit und Stärke. Kann werden nicht minder ehrenhast, Verwendet zum Menschheitswerke. Rückert. Das Fräulein. Roman von E. Ve ly. (Fortsetzung.) Endlich hatte Ebba doch auf die stets wiederkehrende Frage ihres Gatten: „Was wünschst Du Dir zum Geburtstage, kleine Frau?" eine Antwort gehabt. Sie harte ihm die Kinderhand auf den Arm gelegt, als sie von der ereigniß reichen Ausfahrt heimgekehrt war, und ihn bittend angesehen: „Ich wünsche nur, daß unser Name nicht in den Polizeibericht kommt — und daß Du den Kutscher nicht zur Rede stellst — ich bin allein daran schuld." Dann erst hatte sie Alles erzählt. Und Conrad Lund war zufrieden gewesen, es ereignete sich so selten, daß er seiner kleinen, überlegenen Frau tmponiren konnte. „Oh, sei unbesorgt! Es braucht Dich nichts nervös zu machen. Und Nißmann ist wirklich ein so ausgezeichneter Kutscher, daß es mir leid thun sollte, ihn verlieren zu müssen — schweigen wir also einstweilen ganz darüber. Und wenn er citirt wird, nun, da bekommt er ein Schmerzensgeld, das ist selbstverständlich — der kleine Kerl, der ihm unter die Räder gelaufen ist, natürlich auch." „O — das gieb in meine Hände," fiel sie eifrig ein. „Sieh mal, barmherzige Schwester spielen? Na, ist mir auch recht!" Und damit war die Sache abgethan. Nebenher fand sie aber auch noch auf ihrem Geburstagstisch eine Reihe grauer Perlen von großem Werthe. Man hatte die kostbaren Blumenarrangements, Bäume und Sträuße in dem Musikzimmer aufstellen lassen — das war ein schier betäubender Dust, in den hinunter die Amoretten lachten, welche sich da an der Decke mit Emblemen der tönenden Kunst schleppten — bei den Gratulanten hatte sich die schöne Hausfrau aber mit einer Migräne entschuldigen lassen >ind die geborene Gräfin Borstrick gebeten, an ihrer Stelle Empfang zu halten. Diese bewegte sich denn auch zwischen dem duftenden Flieder, den schimmerden Rosen, den köstlichen Orchideen hin und her, huldvoll und herablassend lächelnd. Es Ivar nur ein kleines Familiendiner, das den Tag feierte. Johann Conrad Lund'führte an solchen Tagen die geborene Gräfin, Herr Meyerling seine Tochter zu Tisch, auch die Kinder und das Fräulein durften erscheinen. Line hatte es verstanden, sich die Kinderherzen zu gewinnen,- die magern, blassen Dinger wichen nicht von ihrer Seite. Einen Gast hatte die Mutter der Hausfrau aber doch eingeschmuggelt, den Vetter derselben, Baron Joachim von Monken, als zur Familie gehörend. Er war ein flotter Husarenoffizier und wußte allemal etwas von Heiterkeit und Lebensfreude in jede Gesellschaft zu tragen — und der gewesenen Gräfin Borstrick war er eine Stütze unter all den Bürgerlichen, zu welchen sie herabgestiegen. Sein Veilchenstrauß war sehr bescheiden. Er lachte aber dazu mit einer Geste auf sich: „Ein armer Lieutenant giebt, wie der Schelm, immer mehr, als er hat." Im Schreibzimmer Ebbas hatte er dann einigen Familienfragen der gnädigen Frau Tante Stand halten müssen, nach unserer lieben Cousine Ulrike, den Vettern sechsten Grades und ihren Sippen und sich sehr manirlich dabei benommen, obwohl er kühn aufs Gerathewohl geantwortet hatte, denn in ihm war der Familiensinn nicht sehr rege entwickelt. — So trat er erst ins Wohngemach, als der Diener „die Tafel servirt" meldete. Jacqueline stand mit den Kindern an der Hand seitwärts, um den Hausherrn und den Gast den Anderen erst folgen zu lassen, als Joachim Monken sie gewahrte. Sein Fuß stockte, ein Ausruf des Erstaunens entfuhr seinen Lippen und er ließ Conrad Lunds Arm los, um zu ihr zu eilen. „Fräulein von Arabin? Ja, ist es denn möglich, hier?" „Wie Sie sehen —" Er verbeugte sich, um ihr seinen Arm anzubieten. Aber Sie tragen Trauer?" „Um — meinen armen Vater, Herr Baron!" „Oh — meine Theilnahme! Aber nun — darf ich bitten?" Sie machte eine verneinende Bewegung und hielt die Hände der Kinder fest. „Ich danke Ihnen." 270 Er sah bestürzt auf den Wirth, der die Meine Scene beobachtet hatte. „Kleines, unerwartetes Wiedersehen gefeiert? was? Geht nirgends wunderlicher zu, als in der Welt — o, bitte — von meiner Seite —" Das Andere wurde durch ein verständnißvolles Lächeln ergänzt. „Sie irren, Herr Lund — Fräulein von Arabin —" aber sein Einwurf verklang unbemerkt. „Ja, bitte, da an die Seite meiner Frau — so, das arrangirt sich doch vortrefflich." Monkens lebhafte Augen hefteten sich häufig auf Linens vornehmes Gesicht, das zwischen denen der Kinder auftauchte — ohne daß ihre Blicke den feinigen begegneten. Nur für die beiden kleinen Mädchen schien sie da zu sein, auch richtete Niemand von den Anderen das Wort an sie. Wie kommt Jacqueline von Arabin in diese abhängige Stellung? Der Gedanke wollte Jochim gar nicht verlassen. Bei großen Festlichkeiten in Münster hatte er sie zuerst gesehen, sie wurde damals von Frau von Rhena, einer weitläufigen Verwandten von ihm, einer alten, liebenswürdig vornehmen Dame, chaperonnirt. Sie war so jung, lebenslustig und schön — und er wollte ihr absolut glaubhaft machen, daß er eine Art von Vetter von ihr sei — zwanzigsten Grades, wenn sie es nicht anders wollte, aber immerhin doch verwandt durch die beiderseitigen Beziehungen zu Frau von Rhena. — Wenigstens bemerkt, nicht von ihr zu übersehen zu werden, der man allseitig soviel huldigte, das war sein eifrigstes Bestreben gewesen. Und welch eine elegante Erscheinung war ihr Vater noch, etwas Grandseigneur, was ihm so gut stand. In den Herrengruppen nannte man ihn beziehungsvoll den „tollen Arabin" — toll sollte er's getrieben haben; die Weiber, das Spiel, und dabei eine vertrauensselige Unkenntniß in Geldsachen. — Mein Gott, wie so viele Andere auch! Joachim war in Gefahr gewesen, sich ernstlich an jenem Abend zu verlieben; gut, daß die gnädige Tante Rhena ihm so ganz absichtslos erzählt hatte, wie Jacqueline Eigenschaften habe, die ganz unschätzbar seien, und daß sie einen reichen Manu unfehlbar glücklich machen müsse — daß aber ein Lieutenant, der nicht einmal die Caution stellen könne, gut thue, sich nicht abzusehr die Flügel zu versengen. Er hatte einen kleinen Strauß, den Jacqueline achtlos liegen ließ, unter seine Uniform geschmuggelt — er war damals wirklich noch zu sentimentalen Streichen geneigt. Und in einem sonnenhellen Februar, einige Jahre später hatte er Vater und Tochter wieder gesehen, in Monaco, wohin ihn Prinz Balduin mit den immer vollen Taschen und der ewigen Reiselust geschleppt hatte. „Ueber Wasser" war der Chevalier, wie man Herrn von Arabin dort nannte, wohl dem Aeußeren nach noch, aber er war damals doch schon so weit gekommen, Bekanntschaften mit Reisenden zu suchen, um ihnen von seinem Spielsystem zu sprechen, mit dem er eines Tages unfehlbar die Bank sprengen müsse — und sie einstweilen zu Halbpart einzuladen — wobei sie das Risiko tragen mußte. Und nun hier — Jacqueline! —! Auch Frau Ebba Lund war zerstreut. Erstaunt hatte vorhin ihre Mutter über das einfache, dunkle Wollkleid hingesehen, in dem sie erschienen war, und ihr guter Vater, der Chef des Hauses Meyerling & Co., versuchte vergebens, sie mit den Schilderungen der Unannehmlichkeiten zu unterhalten, welche die Streiks der Bergleute dem Hause gebracht. Ein einzig Mal geschah es, daß Jacquelinens Augen denen des Hausherrn begegneten. Ein eigentümlicher Blick war's, ein sonderbares Lächeln —sie wandte sich rasch wieder zu Sonnt), die einen kleine n Seufzer der Langenweile aus- gestoßen hatte: „Fräulein, es ist lustiger, wenn wir im Kinderzimmer essen," wurde ihr dann vertrauensvoll mit« getheilt. Schneller, als sonst, erhob sich Frau Ebba — die Kinder trippelten vor, der Großmama, um ihr die Hand zu küssen, die Erwachsenen reichten einander die Fingerspitzen mit dem üblichen „Gesegnete Mahlzeit," Jacqueline stand vor einem der Panneaus, die den Speisesaal zierten. Aber diesmal wurde sie entdeckt. „Mein liebes Fräulein von Arabin," sagte die Stimme Johann Conrad Lunds, und seine breite, fleischige Hand — eine, die sich in der Jugend recht ausgearbeitet haben mußte, streckte sich ihr entgegen — „ich glaube, wir haben einander noch nicht gesegnete Mahlzeit gewünscht. Und, daß Sie es mir gönnen, recht von Herzen, daß es mir heute gut geschmeckt hat, das darf ich doch wohl glauben?" Sie versicherte ihn mit einem Anflug von Lächeln dieser Thatsache. „Sehen Sie, mit dem Gutschmecken," fuhr der Graukopf fort, „das ist so eine eigene Bewandtniß. Zu Hause, da habe ich «Ja auch wahrhaftig das Beste und Theuerste — ich kann sagen, sowie es nur etwas giebt, so ist es auf meinem Tische. Das kann ich ja! Aber das Alleinessen — das ift's! Ein Wörtchen gehört doch auch dazu, das man sprechen will, ober ein freundliches Gesicht. Sehen Sie mal wie heute — da ist Ebba, hübsch und blond, das gefällt mir und da sind Sie, so schwarz und ein bischen fremdartig — das gefällt auch — aber so allein —" Er tippte dabei mit dem Zeigefinger ganz leise gegen ihren Oberarm. „Sie könnten ja doch öfter Ihre Kinder um sich sehen —" sagte sie stockend und sich bann selber unterbrechend, weil sie ihre Worte nicht bedacht hatte. „Ach nein," erwiderte er mit gutmütiger Bescheidenheit, „das paßt doch wenig zusammen — ich bin noch nach der alten Mode — und Jung und Alt — aber, wissen Sie was, die beiden kleinen Mädchen könnten Sie schon mal zum Mittagessen nach dem Großpapa Lund begleiten und dann plaudern wir miteinander, ich erzähle Ihnen dann auch, durch was für ’ne harte Schule der alte Johann Conrad gegangen ist — ja, das war nicht immer so wie heute." Er zog mit der Fingerspitze den Umriß eines Scaldaro nach, der, mit Mandelblüthen gefüllt, auf dem Stillleben zu erblicken war. „Nun haben mir ein paar Freunde den Rath gegeben, mir eine ältliche vornehme Dame zur Repräsentation, wie sie es nennen, zu nehmen. Das wäre doch aber auch nichts für mich. Von der Vornehmheit," mit einem humoristischen Lächeln, „haben wir genug in der Familie und bann — will ich ein altes Gesicht sehen, brauch ich nur in bie Spiegel zu gucken, die sie mtr, weiß Gott, gerade genug in meinem Hause angebracht haben. Ne — ne!" Und mit äußerstem Behagen ruhte dabei sein Blick auf der biegsamen Gestalt des ernsten Mädchens. „Herr Vater," erklang die Stimme der Mutter der Hausfrau, „Herr Vater, man behauptet hier soeben, Sic hätten eine sehr originelle Begegnung mit Sr. Majestät dem König von Schweden gehabt. „Papa," damit war ihr Mann gemeint „Dein Gedächtuiß ist bereits auf das Be- trübcnbfte im Abnchmen; sonst hättest Du boch die Details behalten müssen — Seine Majestät hätte die Gnade gehabt, Ihnen die Hand zu drücken — war das vielleicht bei einer Audienz? Konnten Sie sich mit Ihren Verbindungen dem Lande meiner Ahnen irgendwie nützlich machen? — Ich brenne wirklich, zu hören —" Breitspurig folgte der alte Herr ihr zu der Gruppe, welche sie für einen Augenblick verlassen hatte. „Ne, lieber Papa," sagte er, „so vornehm war die Geschichte nicht — ’ne Audienz, meine beste Mama Meyerling, habe ich bei keinem Polentaten gehabt. Wüßte auch gar nicht, wie ich mich dabei zu benehmen hätte mit meinem alten, arbeitskrummen Rücken. Aber die Sache verhielt sich so: Mit dem Handgeben hat es seine Richtigkeit. Nämlich, als ich noch ein ganz gewöhnlicher Zimmergeselle in Wiesbaden war — du flieber Gott, meine schlechtesten Zeiten 271 Wvren das lange nichts denn ich war gesund und lustig und fragte, was kostet die Welt —" (Fortsetzung folgt.) Cuba. (Schluß.) 2>ie_ Zuchtlosigkeit und Macht dieser Banden war so -groß, daß Dulce, der sie in Schranken zu halten suchte, im Herbst 1869 von ihnen gewaltsam nach Europa zurückgeschickt wurde. Sein Nachfolger ward Callero de Rodas, welcher aber gegen die unter der Führung von Cespedes und Quesada stehenden Insurgenten (gegen 30,000 Mann stark) nichts ausrichtete und 1870 den Oberbefehl dem General Balmaseda abtrat, der selbst wieder 1872 durch Jos« de la Concha abgelöst wurde. Die spanische Regierung ergriff feine entschiedenen Maßregeln zur Hebung der Uebelstände- der Antrag, welchen Castelar zu Madrid in den Cortes auf gänzliche Aufhebung der Sclaverei stellte, wurde abgewiesen. Der Kampf nahm einen immer wildern Character an, zumal als im December 1871 die spanische Regierung erklärte, daß sie vom 15. Januar 1872 an keinen Pardon mehr er- theilen werde. Die innere Verwirrung in Spanien unter- stützte der Aufstand. Dazu kam ein neuer Consliet mit Nordamerika, das nach dem Bürgerkrieg seine Annexions- piäne wieder aufnahm und das Auslaufen von Flibustierschiffen mit Waffen und Freiwilligen nach Cuba geschehen ließ. Eins dieser Schiffe, der Virginias, wurde am 31. October 1873 von den Spaniern aufgegriffen und 50 Leute von der Bemannung übereilt erschossen. Doch gelang es Spanien durch die Convention von Washington, 19. November, einem Kriege vorzubeugen. Erst nach Beendigung des Cirlisten- aufstandes in Spanien 1879 war es der Regierung möglich, größere Streitkräfte nach Cuba za senden und dem Aufstand 1878, allerdings mit einem Verlust von im ganzen 70,000 Mann und einem Aufwand von 70 Millionen Dollars, ein Ende zu machen. Der neue Generalcapitän Martinez Campos versprach den Cubanern wichtige Zugeständnisse vermochte jedoch, als er 1879 selbst an die Spitze der spanischen Regierung trat, die Cortes nicht zur Bewilligung aller dieser Zugeständnisse zu bewegen, so daß die Ursachen dec Unzufriedenheit der Cubaner noch nicht beseitigt sind. Die Aufhebung der Sclaverei, welche am 8. Mai 1880 ohne Ent. schädigung erfolgte, trug dazu bei, den Grundbesitz zu erschüttern. Die Einführung der spanischen Verfassung 13. April 1884 konnte für diese Schäden keinen Ersatz bieten. Nach neuesten Angaben betrugen Areal und Bevölkerung der Insel vor dem Aufstand: Provinzen Qu.-Kilo- meter Einwohner Einw. auf IQn.-Kilom Matanzas .... 8250 300000 37 -Habana..... 8450 480000 57 Puerto Principe (Cama- gney)..... 30950 72000 2,Z Santa Clara (Las Villas) 22280 360000 16,2 Pcnar del Rio . . . 44450 320000 7,2 -Santiago de Kuba (Departaments Oriental) 34400 230000 6,7 zusammen 118830 1762000 14,8 Von den Einwohnern waren 1,228,000 Weiße, 490,000 Neger und Mulatten, 44,000 Chinefen u. a. Die beiden größten Städte waren Habanua mit 250,000 und Matauzas mit 60,000 Einwohner. Die nach dem Aufstande von 1868—1878 mühsam und unter großen Opfern hergestellte Ruhe auf der Insel hatte keinen langen Bestand, da trotz der Einführung der spanischen Verfassung (1884) die Mißstände sortdauerten: die Ausschließung der Eingeboruen von allen einträglichen und einflußreichen Aemtern, die Ausbürdung der Kosten des letzten Aufstandes zu Lasten der Insel und der ungerechte Zolltarif, nach dem allen spanischen Maaren zollfreie Einfuhr in Cuba gewährt wurde, die cubanischen Erzeugnisse in Spanien aber Zoll zu entrichten hatten. Dazu kam das Sinken des Zucker- preises in Folge der europäischen Concurrenz, durch das viele Pflanzer ruinirt wurden. Endlich wurde von Flüchtlingen, die in den Vereinigten Staaten Schutz gefunden hatten, die Unzufriedenheit genährt. Diese letztem erstrebten die völlige Losreißung Cubas von Spanien und die Errichtung einer selbständigen Republik ober die Vereinigung mit der Union. Auf der Insel selbst war die Partei der Autonomisten vorherrschend, welche Selbständigkeit der Verwaltung forderte. Die spanische Regierung versäumte es, diese rechtzeitig zufriedenzustellen, und so brach der Aufstand im Februar 1895 aus. Der Generalgouverneur Calleja verhängte 26. Februar den Belagerungszustand über die ganze Insel und bat um Verstärkung der Truppen. Nachdem in Madrid eine Ministerkrisis überwunden war, wurde Anfang April der Marschall Martinez Campos wieder nach Cuba entsandt, eine Anleihe von den Cortes genehmigt und die Zahl der nach Cuba geschickten Truppen auf 60,000 Mann erhöht. Der Aufstand war besonders im Osten der Insel gefährlich und wurde durch Sendungen von Freiwilligen und Waffen ans Nordamerika unterstützt. Die Anführer, zu einem großen Theil Mulatten und Neger (die bedeutendsten Führer waren Maximo Gomez und Macco), führten den Krieg in barbarischer Weise, plünderten die Ortschaften, tödteten auch friedliche Einwohner, verbrannten die Pflanzungen und sprengten Eisenbahnzüge in die Luft. Anfang 1896 drangen sie auch in den Westen der Insel vor und bedrohten die Hauptstadt Havana. Daß der durch die spanische Finanz- noth verschuldete Mangel an Cavallerie und die Verheerungen des gelben Fiebers Martinez Campos an durchgreifenden Erfolgen gehindert hatten, wurde in Spanien nicht beachtet und 16. Januar 1896 General Weyler zum Befehlshaber der Truppen in Cuba ernannt. Dieser traf die strengsten Maßregeln, verbot, um auf die Einwohner einen Druck zu üben, die Ernte auf den Feldern und suchte die Aufständischen wenigstens aus den westlichen Provinzen zu vertreiben. Aber obwohl die Zahl der nach Cuba gesandten Verstärkungen schließlich 200,000 Mann betrug, von denen über die Hälfte den Wunden oder Krankheiten erlag, erreichte Weyler keinen durchgreifenden Erfolg. Die Vereinigten Staaten thaten nichts Ernstliches, um die Unterstützung des Aufstandes von ihrem Gebiet aus zu verhindern, ja sie drohten sogar, wegen der Schädigung ihrer Handelsbeziehungen, mit ihrer Einmischung. Als nach der Ermordung Canovas 1897 das konservative Ministerium in Spanien zurücktrat und Sagasta ein liberales bildete, entschloß sich dieses zu einer Aenderung des Systems. Weyler wurde abberufen und durch General Blanco ersetzt und im November 1897 der Insel Autonomie gewährt: neben dem von Spanien zu ernennenden Generalgouverneur sollten ein Ministerium und ein aus zwei Kammern bestehendes Parlament die Rechte der Insel vertreten- in der Zollfrage wurde Cuba Gleichberechtigung zu- gestanden. Das neue aus Kubanern bestehende Ministerium wurde am 1. Januar 1898 eingesetzt. Hängenelken. Von Arthur Achleitner. ------- (Nachdruck verboten.) Hängenelken vorm Fenster zu haben, ist meine Passion; der Anblick voller rothglühender, lang herunterhängender Nelken bringt mein Herz in Bewegung und erzeugt eine vor keinem Opfer zurückschreckende Habsucht, die mich schon viel Geld gekostet hat. Locken gar gelbe Nelken von der „Gräd" (Altane) eines Bauernhauses im Gebirge herunter, dann 272 qiebtS kein Halten mehr, der Blumenstock muß mein lern, mein um jeden Preis. Mir dieser Nelken-Leidenschaft kann man was erleben. Mit Kind und Kegel, Frau, Dienstboten und meinen Hunden sommerfrischelte ich, vor einigen Jahren in der weinberühmten Klause bei Kufstein. Eines Tages ward der Tatzelwurm, jenes Bergwirthshaus am südlichen Ausläufer des Wendelstein, wo Ludwig Steub, Völk und Scheffel einsam fröhlich zu poculiren pflegten, besuch! und mancher Schoppen zum Gedächtniß dieses unsterblichen Triumvirats geleert. Auf dem Heimwege entdeckte ich an einem abseits gelegenen Bauernhause bei Oberaudorf einen Stock herrlich blühender gelber Hängenelken, und Weib und Kinder waren vergessen: ein Feilschen begann, wie es auf dem Münchener Victualienmarkt nicht intensiver inscenirt werden kann. Sechs Reichsmark bot ich, die pfiffige Bäuerin forderte das Doppelte und log, daß ihr ohnehin fünfzehn Mark von einer Sommerfrischpartie geboten worden sei. Verzweiflung packt mich, die gelben Nelken sind zu schön, aber fünfzehn Mark ist zu viel. Als Cavallerist weiß ich, daß beim Pferdehandel alles erlaubt ist, so lange der Käufer nichts merkt,- die Nutzanwendung auf einen Nelkenhandel liegt nahe. Blitzähnlich fiel mir das — Viehgewährleistungsgesetz und bie Reblaus ein, und nun ward der Nelkenbäuerin zugesetzt, daß ihr Hören und Sehen verging. Der Nelkenstock wurde untersucht und das Ergebniß lautete zur völligen Verblüffung der Bäuerin: 1. hat der Stock Würmer, 2. ist er von der Reblaus behaftet und 3. muß die Verkäuferin nach § 120 des Viehgewährleistungsgesetzes für jeden Schaden aufkommen, was annähernd zwanzig Mark Rückvergütung betragen kann, falls die Würmer und Reblaus Unheil stiften. Die „Reblaus" wirkte Wunder: ich erhielt den Nelkenstock für acht Mark, und im Trab sprang ich über Kiefersfelden zur Grenze. Am österreichischen Zollamt gebot mir der Finanzwachaufseher so wildfremd und rauh „Halt!", als hätte ich den Grünen noch niemals mit Cigarren regalirt. Meine Frau war einer Ohnmacht nahe, schreckensbleich standen meine beiden Kinder, unheildrohend stellte sich mein Bernhardinerhund vor dem Zöllner auf und der Dackel machte Anstalten, des Aufsehers ärarische Beinkleider des Näheren auf ihre Haltbarkeit zu untersuchen. Da ich den Blumentopf halten mußte, konnte ich den Fanghund nicht -urückreißen — eine heillose Situation. Gottlob gehorchte °Leo" auf den Pfiff, doch blieb der Hund angriffsbereit. "Was wollen S' denn um Himmelswillen? Wir haben nichts Steuerbares! Kennen S' mich denn nimmer? Ich wohne in der Klause rc.!" „Alles recht! Aber mit dem Blumentopf dürfen S nicht über die Grenze!" „Wegen der „Reblaus!" schnarrte der Oesterreicher. „Waaas?!" ->ch war fassungslos. Daß die Nemesis mich so schnell ereilen sollte, daraus war ich nicht vorbereitet. Alles Reden war vergeblich. Die gelben Hängenelken bayerischer Abkunft mußten zurückbleiben. Der Oesterreicher belehrte mich in meiner zollgesetzlichen Unerfahrenheit, daß das k. oster rcichische Nebenzollamt nicht competent sei, die Einfuhr von Pflanzen mit Wurzeln im Landwege zu gestatten. „Aber, so erklärte der freundliche Zöllner, „wenn Sie mit der Bahn nach Kufstein fahren und von dort zu Fuß in die Klause gehen, können Sie die Nelken anstandslos mitnehmen!" Ich brüllte vor Vergnügen und glaube, es haben selbst meine Hunde mitgelacht. Doch der Oesterreicher ließ sich nicht irre machen, und der bayerische Zollverwalter bestätigte dessen Behauptung mit dem Hinweise, daß eben blos die Hauptzollämter die Pflanzeneinfuhr gestatten können. Kufstein sei Hauptzollstation, und da Ziernelken kaum von Rebläusen inficirt sind, dürste mir gestattet werden, meinen Nelkenstock über die Grenze zu bringen. Sofort fragte ich, ob ich denn auf der bevorstehenden Heimreise den gleichen, aus Bayern stammenden Blumenstock nach München mitnehmen dürfe? „Wenn Sie in Kufstein die Bahn benutzen, ja! Hier dürfen Sie nicht über die bayerische Grenze, denn wir sind nicht competent dazu!" Wir unterdrückten einen weiteren Lachanfall, um uns keine Beamtenbeleidigung zuzuziehcn. Meine Familie überschritt die Grenze und war in fünf Minuten in der Klauseich aber trollte, den Blumentopf sorgsam tragend, zum Bahnhof in Kiefersfeldern, wartete dort zwei Stunden und fuhr mit meinem Pflanzenkleinod die vier Kilometer lange Strecke nach Kufstein. Kein Mensch kümmerte sich an der Douane um mich und meine Nelken, anstandslos konnte ich passiren, unv im Triumph schleppte ich den Blumentopf die Halbstunde Weges hinaus zur Klause an der Grenze. Mit Burgunder feierten wir Abends das Ereigniß, und alles lachte vergnügt, selbst die zum Dämmerschoppen erschienenen Zöllner schmunzelten mit Auf das Wohl der Reblaus wurde getrunken, ja ein ahnungsvoller Bahnbeamter wollte ein Prosit auf die mit der Reblaus verwandte Perronsperre ausbringen, was aber damals als unmöglich abgelehnt wurde. Heute wissen wir, daß eine solche Verwandtschaft thatsächlich existirt . . . Wenige Tage darauf erfolgte die Abreise nach München recte zuerst gesetzmäßig nach Kufstein. 10 Kolli Gepäcks fünf Personen, zwei Hunde, drei Hutschachteln und vier Töpfe Hängenelkcn, ein hübscher Auszug, der allenthalben Aufsehen erregte. Ich und das Dienstmädchen schleppten die Nelkenstöcke und schwitzten pro patria. Dank der liebenswürdigen Hilfe bayerischer Zoll- und Bahnbeamter ward die ganze Familie, die Hunde und die Nelken in einem Coupee untergebracht. Nach der Versicherung meiner Frau soll ich mich als veritabler Rabenvater gezeigt haben, indem ich mich um gar nichts, als um meine Nelken, die die besten Plätze erhielten, gekümmert hätte. Das ist möglich- gewiß ist, daß ich in Rosenheim weder Bier noch Würstel holle, um nur ja meine Nelken beaugapfeln zu können. Meine Ausregung wuchs, je mehr sich der Zug dem Münchener Centralbahnhof näherte. Wie wird die Aus- waggonirung vor sich gehen? Der ungeberdige große Bernhardiner muß an der Leine geführt werden, sonst setzt es was ab, dito der lebhafte Dackel. Hunde führen und Nelken tragen kann der Mensch aber nicht gleicher Zeit, da der homo sapiens nur zwei Hände hat. Drei, vier Gepäckträger stürmten heran: unser Coupe schien Lohn zu verheißen. „Leo" faßte den eisten königlich bayerischen Focchini, nun war die Frage, wer die Hunde führt, entschieden: ich packte die rabiaten Thiere an den Leinen, band die Nelken den Trägern auf die Seele, und halbgezogen von den sreiheitsdurstigen Hunden verschwand ich im Menschengedränge. E n Wagen brachte meine Familie wieder nach Hause, ein kleiner Möbelwagen folgte mit den Nelken und dem Gepäck nach. Die Hunde wurden sofort in ihrer Kammer im verstaubten Heim versorgt, dann stürmte ich die Treppe hinab, die Nelken zu empfangen. Allmächtiger! Nicht ein Zweig war ganz abgebrochen, geknickt jedes Zweiglein, die Blüthen welk, Alles coput! Der Kehrichtwagcn führte am nächsten Morgen meine Nelken davon ... Wenn mich meine Frau ärgern will, dann fragt sie heute, ob ich nicht Hängenelken Heimbringen wolle. H r» m o r i st i s ch e s. Galgenhumor. „Sag', Männchen, ist die Schrift- stellerei eigentl'ch ein dankbares Geschäft?" — „£) ja, ich kriege wenigstens alles, was ich schreibe, mit Dank zurück." Rtdaction: I. B.: Hermann