Muttersohn. Hernan von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) XVI. Die nächsten Tage waren für Otto ein unablässiges Ringen und Kämpfen mit sich. Er war fast den ganzen Tag unterwegs. Es litt ihn nicht zu Hause. Die Reden des Vaters und der Mutter brachten ihn dem Wahnsinn nahe. Es verging kein Tag, an dem er nicht den Weg nach Moabit zurückgelegt hätte. Stundenlang schritt er vor dem Justizpalast auf und ab. Hundertmal rief er sich zu: „Erbärmlicher Feigling! Warum zögerst Du, Deine selbstverständliche Pflicht zu thun, das, was doch kein Mensch, kein Gott von Dir nehmen kann?!" Aber immer wieder verschob er es auf den nächsten Tag. Konnte sich nicht irgend etwas Unvorhergesehenes ereignen? Mußte sich nicht dem Untersuchungsrichter im Verlaufe der weiteren Vernehmungen die Ueberzeugung aufzwingen, daß Carl unschuldig war? Ja, gewiß, nur ein paar Tage noch und Carl würde seine Freiheit wiedererlangen. Er aber, Otto, würde es sich sein ganzes Leben angelegen sein lassen, den Bruder zu entschädigen für das, was er um seinetwillen gelitten. Für ihn selbst handelte es sich ja um nichts weniger als um Tod und Leben. Wieder und wieder malte er sich die Scene aus, wie sie sich gestalten müßte, wenn er sich abermals beim Untersuchungsrichter melden ließ, um sich selbst zu denunciren. Wie ihn der Richter für ungläubig anhören und ihn womöglich für nicht recht bei Sinnen halten würde und wie er dann, sobald er sich überzeugt haben würde, daß nicht Wahnsinn, sondern Reue aus ihm spreche, den Befehl zu seiner Jnhafrirung geben würde. Dann schloß man ihn in Samstag dm S Fsdmm 'M ieles kaufen, was entbehrlich, Ist bedenklich, ja gefährlich, Früher schrankenlos im Kaufen, Wirst Du, wenn die Fonds verlaufen, Unentbehrliches vermiffen Und wohl gar verkaufen müssen. K. Gpeckbacher. die Zelle und die schimpfliche Anklage gegen ihn wurde erhoben. Die Gerichtsreporter würden den interessanten Fall in den Zeitungen breittreten mit offener, voller Namensnennung. Und alle College» lasen es. Markwald und Wattenfeld und der Kammergerichtsrath Göring las es und theilte es voll Abscheu und Grauen seiner Tochter mit. Und dann fand die öffentliche Gerichtsverhandlnng statt und er saß auf der Anklagebank, den neugierigen, höhnischen verachtungsvollen Blicken seiner ehemaligen Berufsgenoffen preisgegeben. Nein, nein! Viel lieber sterben! Am vierten Tage regnete es in Strömen vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Wie all' die Tage vorher irrte Otto auch heute trotz des Unwetters stundenlang auf der Siraße umher. Mehr als einmal kam ihm der Gedanke, Carl in seiner Zelle aufzusuchen. Aber er wagte doch nicht, den Gedanken auszuführen, denn er hatte das bestimmte Gefühl, daß er sich Auge in Auge mit dem unschuldig Eingekerkerten verrathen würde. Ebensowenig brachte er es über sich, Helenen entgegenzutreten. Jedes ihrer Worte, jeder ihrer Blicke bei ihrem letzten Zusammüisein war ihm ein Stich in's Herz gewesen. Zähneklappernd, fröstelnd, ganz und gar durchnäßt, schritt er in der Dämmerung vor dem Justizpalaft auf und ab. Vergeblich hatte er wieder ein Dutzend Mal angesetzt, den entscheidenden Schritt in das Bureau des Untersuchungsrichters zu thun. Nun war's zu spät für heute. Das Bureau war geschloffen. Wieder lag eine schlaflose Nacht vor ihm voll folternder Selbstvorwürfe, voll unerträglicher seelischer Marter und Qualen. Wie erbärmlich, wie verab- scheuungswerth, verächtlich er sich selbst vorkam! Das Beste war, er machte ein Ende und warf ein Leben von sich, das ihm nur noch zur Qual war. Tief und tiefer nistete sich der Gedanke in ihm ein, und als er am Abend zu Hause a"-langte, hatte er seinen Entschluß gefaßt. Ja, tobten wollte er sich, nachdem er zuvor ein offenes Geständniß niedergeschrieben hatte. Neben seinem gewaltsamen Tode würden die Wechsel über viertausend Mark, die er eingelöst hatte und die er in seiner Commode verwahrte, ein voll- giltiger Beweis für seine Schuld und Carls Schuldlosigkeit sein. Aber er hatte erst die Anfangszeilen geschrieben, als ihn eine so große körperliche Schwäche befiel, daß er nicht fähig war, seine Arbeit fortzusetzen. Die Feder entfiel seinen zitternden Händen und seufzend sagte er sich, daß er heute nicht im Stande sein würde, den Brief an den Untersuchungsrichter zu vollenden. Von Minute zu Minute wurde ihm elender zu Muthe, ein Schüttelfrost stellte sich ein 74 und beraubte ihn der Herrschaft seiner Glieder. Mit Mühe entkleidete er sich und halb ohnmächtig sank er in sein Bett. Am anderen Morgen erwachte er in starker Fiebergluth. Er hatte noch so viel Bewußtsein, sich aus dem Bett zu erheben und strauchelnd, sich an den Stühlen forttastend zum Tisch zu begeben, um den daraufliegenden, angefangenen Brief zu vernichten. Als seine Mutter eine Viertelstunde später in sein Zimmer trat, lag Otto bewußtlos auf dem Fußboden. Eine starke Erkältung in Verbindung mit den körperlichen Strapazen und seelischen Leiden der letzten Wochen brachten ein hitziges Fieber zum Ausbruch. Die aufopfernde Pflege seiner Mutter stellte den Kranken in vierzehn Tagen soweit her, daß er wieder das Bett verlassen konnte. Freilich schwach und elend war er immer noch in solchem Grade, daß er sich nur mit Hülfe Anderer im Zimmer umherbewegen konnte. Mit völliger körperlicher Ermattung und Abspannung ging Hand in Hand eine starke geistige und seelische Erschlaffung, die jedes auf einen bestimmten Gegenstand gerichtete Denken und jede lebhaftere Empfindung ausschloß. Der Reconvalescent brachte die nächsten Tage in einem stumpfen, willenlosen Hindämmern zu. Erst mit seiner zunehmenden Kräftigung regte sich die Erinnerung wieder deutlich in ihm und wieder machten sich in seiner Brust die quälenden seelischen Kämpfe geltend, in denen die Krankheit nur eine Pause hatte eintreten lassen. Die Frage nach dem Schicksal Carls, nach dem Resultat der gegen ihn eingeleiteten Untersuchung schwebte ihm unaufhörlich auf den Lippen, ohne daß er es gewagt, sie laut auszusprechen. Er zitterte bei dem Gedanken, daß bereits das Urtheil über Carl gesprochen sein könnte. Doch nein . . . nein, das war ja nicht möglich. Man hätte es ihm sicherlich mitge- theilt. Aber Niemand, weder der Vater noch die Mutter berührten die peinliche Angelegenheit auch nur mit einer Silbe. Eines Morgens ... es war ungefähr eine Woche vergangen — rüstete sich Frau Köster zu einer ganz ungewöhnlichen Stunde zum Ausgehen. Es war früh am jVormittag zu einer Zeit, in der sonst ihre Haushaltungsgeschäfte sie ganz in Anspruch nahmen. Daß es sich um keinen kurzen Ausgang zu wirthschaftlichen Zwecken handelte, sah Otto schon aus der Lonntagskleidung, die seine Mutter angelegt hatte. Dazu kam die stille Ernst- heit, die sich doch, so sehr sie sich auch offenbar bestrebte, sie zu unterdrücken, in ihren hastigen, unruhigen Bewegungen und durch die.ungewöhnliche Röthe ihres Gesichtes verrieth. „Wo willst Du denn hin, Mutter?" fragte Otto, aufmerksam werdend. Eine deutliche Verlegenheit zuckte in den Mienen der alten Frau. „Ich ... o ... ich will nur mal 'n bischen ausgehen, Ottochen", gab sie lächelnd zurück. „So früh gehst Du doch sonst nicht, Mutter?" „Ja, weißt Du, ich habe eben 'n bischen was zu besorgen," sagte Frau Köster und drehte dem sie argwöhnisch Beobachtenden den Rücken zu. „Und dazu machst Du Dich so fein . . .?" fragte Otto weiter, und sein Argwohn, daß es sich um irgend etwas handele, das ihm verborgen bleiben sollte, wuchs in Folge ihres sonderbaren Verhaltens von Minute zu Minute. Die alte Frau lachte, aber es war ein sonderbares, trockenes Lachen und etwas Gezwungenes lag in dem Schcrzton, den sie anschlug. „Fein? Du spaßt wohl blos, Ottochen. Mein altes Caschemirkleid und fein? Ich trage es nun schon ins fünfte Jahr. Vater will mir 'n neues kaufen und da muß ich's nun schon mit Gewalt zerreißen. Ich und fein? Ach du meine Güte! Du mußt wissen, Ottochen, ich will ... ja, nach der Markthalle will ich, nach der Centralmarkthalle am Alexanderplatz. Da kauft man am besten ein in der ganzen Stadt. Ein bischen weit ist es ja und wenn ich nicht Pünktlich zu Mittag zurück bin, auf'm Herd in der Küche steht ein Töpfchen Caeao und 'n paar Eier liegen auf'm Küchentisch, die kochst Du Dir, Ottochen, ich will mich sputen. Adieu!" Damit war sie, noch ehe Otto ein Wort der Gegenrede gefunden, in auffallender Hast zur Thür hinaus. Grübelnd blickte ihr der Zurückgebliebene nach. Was hatte das zu bedeuten? Was konnte es nur sein, das man ihm so geflissentlich verheimlichte? Eine heftige Unruhe beschlich den Einsamen. Gewiß handelte es sich um Carl! Ja, nur um Carl konnte es sich handeln! Warum hatte man ihm so lange nichs über sein — des Bruders — Schicksal mitgetheilt? Stand es schlecht um ihn? Stachelnde Selbstvorwürfe wurden in dem Stöhnenden laut. Warum war er zu feig gewesen, nach Carl zu fragen? .....War es eine neue Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter, derentwegen Mutter zu so ungewöhnlicher Zeit das Haus verließ? Oder stand gar Verhandlungstermin an? Unruhevoll ging der Einsame im Zimmer hin und her. Er trat an die Commode und kramte in allen Schubfächern herum. Nichts, nichts! Auch im Schlafzimmer der Eltern nichts zu finden, das ihm hätte Ausschluß geben können. Natürlich, wenn es sich um einen Termin handelte, so würden die Eltern die Vorladung nicht offen Herumliegen lassen. Die hatte die Mutter sicherlich vorsorglich eingesteckt oder gar vernichtet. Aber mußte nicht auch für ihn eine Vorladung gekommen sein? Gewiß! doch ebenso gewiß war, daß ihn der Vater in solchem Fall mit Krankheit entschuldigt hätte. Das Alles fuhr dem ruhelos in der Wohnung Umherstöbernden im Verlauf weniger Minuten durch den Kopf. Seine Aufregung wuchs von Secunde zu Secunde. Seine erhitzte Phantasie'malte sich die einzelnen Phasen der Gerichtsverhandlung aus- während der schuldlos Angeklagte einem entehrenden Urtheil entgegenging, saß er, der eigentliche Thäter, hier in ruhiger Sicherheit. Nein . . . nein! Hatte er so lange gezaudert, nun durfte er nicht mehr zögern, die Unschuld seines Bruders an den Tag zu bringen. Ohne weitere Ueberlegung stürzte der Aufgeregte hinaus auf den Flur. Die Nachbarin würde es wissen. Er zog die Klingel einmal, er zog sie zum zweiten und dritten Male. Aber Alles blieb still. Auch hier Niemand zu Hause! Ec lauschte eine ganze Weile auf dem Flur, ob die Nachbarin nicht zurückkommen würde. Vergebens! Und nun zurück in die Wohnung. Mit zuckenden Händen kleidete er sich an. Gewißheit mußte er haben, Gewißheit! Unten auf der Straße rief er die erste Droschke an, die ihm begegnete. Er fühlte keine Schwäche, nicht die geringste Spur der kaum überstandenen Krankheit mehr. Der energische Wille, der seine Muskeln straffte und seine Nerven anspannte, hielt ihn aufrecht. „Moabit . . . Criminalgericht!" rief er dem Droschkenkutscher zu, und warf sich in den Wagen, während ihm das Fieber der Erwartung in den Adern glühte. Draußen wandte er sich an den Pförtner, der sich am Eingänge des Gerichtsgebäudes aufhielt. „In welchem Zimmer wird die Sache Köster verhandelt?" fragte er, als ob er seiner Lache sicher wäre. Der Beamte trat in seine kleine Loge und blickte in die Liste der für den ganzen Tag angesetzten Termine. „Zimmer dreiundzwanzig, zweiter Stock, zehn Uhr!" beschied er in gleichgiltigem Geschäftston. „Danke!" stieß Otto heiser heraus und wandte sich schnell ab, um nicht die glühende Röthe, die ihm ins Gesicht schoß, sehen zu lassen. Also doch! Seine Ahnung hatte ihn nicht betrogen. Er mußte sich gegen die Mauer lehnen, da ihn ein plötzlicher Schwindel befiel. Sein Herzschlag war so ungestüm, daß er glaubte, ersticken zu müssen. Aber nun raffte er sich doch mit Aufbietung aller Willenskraft auf. Elf Uhr! Er hatte keine Zeit mehr zu verlieren. Vor der Thür des Verhandlungszimmers mußte er noch einmal Halt machen. Er war ganz athemlos, weniger von dem Gange, als von der furchtbaren Aufregung. Ein heftiger, verzweifelter Kampf entspann sich noch einmal in seiner Brust. Nun that er einen tiefen Athemzug und trat ein. Der enge Zuschauerraum war dicht gefüllt. Otto hatte Mühe, einen Blick nach dem durch eine Barriere abgetrennten Raum zu gewinnen, in dem die Verhandlung stattfand. Eine heftige Erschütterung durchfuhr den Spähenden. Sein Blick hatte den Bruder getroffen, der auf der Anklagebank saß. Wie sehr die kurze Ha4 ihn mitgenommen hatte! Seine Wangen hatten die Rundung verloren und zeigten eine blasse, fahle Färbung. Seine Augen aber sahen mit ihrem alten treuherzigen, offenen, gutmüthigen Ausdruck um sich. Es war das Bewußtsein der Schuldlosigkeit, die feste Zuversicht, daß die Verhandlung nur mit dem Freispruch endigen konnte, die aus ihm sprach. Und da auf der Bank der Zeugen saßen neben einigen anderen Personen der Vater und die Mutter. Und da . . . auf einem Stuhl, gerade gegenüber dem Richtertisch, hatte die Frau des Angeklagten ihren Platz. Nur mit einem kurzen Blick streifte Otto das Antlitz Helenens, in das die tiefsten Seelenleiden ihre sichtbaren Spuren gegraben. Todtenblässe lagerte auf dem Gesicht, das sonst einen ruhigen, gefaßten Ausdruck trug. Unwillkürlich duckte sich der verstohlen Spähende. Es war ihm, als drückten sich scharfe Stacheln in sein zuckendes Herz. Wie sehr hatte er sich an ihr und an ihm verschuldigt, wie schwer! Niemand hatte seinen Eintritt bemerkt, die Köpfe der vor ihm Stehenden deckten ihn gegen alle Blicke aus dem Nachbarraum. Es dauerte mehrere Minuten, bis er sich so weit gefaßt hatte, daß er dem Gange der Verhandlungen folgen konnte. Eben wurde eine ärmlich gekleidete Frau als Zeugin aufgerufen. Otto erkannte die Flurnachbarin aus der Rügenerstraße. Kurz und bestimmt waren die Fragen, die der Vorsitzende an sie richtete, aber ebenso weitschweifig und unbestimmt waren die Antworten. Ob die Zengin an dem fraglichen Tage irgendwelch verdächtiges Geräusch auf dem Treppenflur gehört oder irgend ein verdächtiges Individuum gesehen habe? Sie erinnerte sich nicht, aber es könnte ja sein, daß sich ein Bettler oder sonst ein Vagabund eingeschiichen habe. Mein Gott, man würde ja von dem Gesindel förmlich überlaufen. Ob sie bemerkt habe, daß ihre Nachbarin, Frau Köster, zuweilen die Corridorthür hinter sich offen ließ, wenn sie gelegentlich zu einem Einkäufe auf kurze Zeit ihre Wohnung verließ? Nicht daß sie wüßte, aber ausgeschlossen sei es ja doch nicht. Man achte doch nicht immer auf die Thüren der Nachbarn. Ob sie den Angeklagten näher kenne? So ziemlich ja. Man habe ja jahrelang zusammen in einem Stockwerk gewohnt. Näheren Verkehr hätte sie zwar mit der Familie nicht unterhalten. Welche Ansicht sie über seinen Character habe? Mein Gott, was sollte sie darauf antworten. Aeußer- lich hätte ja Carl Köster immer einen anständigen Eindruck auf sie gemacht. Freilich, ins Herz könnte man ja Niemand sehen. Aus der Zeugin war nichts Bestimmtes und Klares herauszubekommen. Ihre Aussagen waren alle so eingerichtet, daß sie immer im Nachsatz den Inhalt des Vordersatzes zurücknahm. Der Vorsitzende hieß sie bald abtreten und rief Köster, den Vater, auf. Zuvor ließ er jedoch Frau Köster auf den glur hinausgehen. (Fortsetzung folgt.) 75 ■- Der Werth richtiger Athmung für unsere Gesundheit. Gelehrte und Menschenfreunde haben sich bereits mit mehr oder minder Geschick befleißigt, uns über die unbestreitbare Thatsache aufzuklären, daß die meisten und gefährlichsten Krankheiten durch mangelhafte Athmungsrhätigkeit entstehen Wir nennen hier Männer vom Rufe eines Dr. Niemeyer, der leider durch frühen Tod aus seiner fruchtbringenden Thätigkeit abberufen ward, eines Gerdts Rikli, Dr. von Hartungen u. A. We igen aber dürfte es gegeben sein, in so überzeugender Weise diese gewaltigen, lebenswahren Lehrsätze der Natur cimnt breiten Publikum darzulegen, als Director Heinrich Simons, dessen Lehrbuch der Athmungs- kunde einen Glanzpunkt in der Fachliteratur unserer Tage bildet, und einen mächtigen Vorsprung vor ähnlichen Erscheinungen schon in seiner klaren, allgemein verständlichen Abfassung besitzt. Director Simons hat nach langjährigen Versuchen am eigenen Körper, sowie bei zahlreichen anderen Leidenden ganz überraschende Erfolge mit seiner Athmungscur erzielt, und in dem oben genannten Lehrbuch seine Methode in solch' kerniger, Jedermann leicht faßlichen Weise dargelegt, daß dieses Buch bei Schwachen und Kranken Muth und geradezu Begeisterung erweckt. Er weist in seinem Buche nach, wie gerade durch mangelhafte Athmungsthätigkeit nicht nur in der Lunge, sondern in allen Theilen des Körpers Schwächen entstehen, sich Krankheitsstoffe ausammeln, und hierdurch Krankheiten auftreten, deren Ursachen den meisten Menschen unerklärlich sind. So .heißt es denn u A.: Was ist Leben? Leben ist Stoffwechsel, welcher aber erst d.urch die vermittelnde Wirkung der Athmung zustande kommen kann. Durch die Athmung nehmen wir die atmosphärische Luft, bezw. deren Quintessenz, den Sauerstoff in unseren Körper auf. Ohne Aufnahme von Sauerstoff einerseits und Abgabe von Kohlensäure (dem dabei entstehenden Verbrennungsproducte) andererseits, ist das Leben überhaupt nicht möglich. Betrachten wir zunächst die Lunge, dieses Hauptorgan der Athmung und deren Thätigkeit. Das Gerüst der Lunge, welches den größten Theil des Brustraumes aussüllt, ist d e Luftröhre mit ihren zahlreichen Verästelungen, an denen sich die Lungen- oder Lustbläschen befinden, ähnlich den Trauten am Rebstock. Die Zahl dreser Bläschen hat man auf ungefähr 1800 Millionen, die Gesammtfläche des Lungcnblutsees, in dem sich der Stoffwechsel, der Gasaustausch, die Erneuerung des Blutes vollzieht, nach Dr. Oidmann auf 14 000 Quadratsuß geschätzt. Jedes Blutkörperchen, welches sich in unserem Körper befindet, Passirt die Lunge oder den.Lungenblutsee zweimal in der Minute, d h. es kommt als verbrauchtes, also schlechtes, kohlensäurehaltiges an, wird durch den eingeathmetcn Sauerstoff wieder hergestcllt und zu neuer Lcbensthätigkeit geeignet gemacht. Hat man nun schlechte Luft oder doch nicht genügend gute eingeathmet, so ist es selbstveistäudlich, daß die Reinigung und Neubelebung^nur