«OiiPgK^vlMl UZWOW »grpjiw K etzt, o Herze, oder nimmer Kannst du neu zu hoffen wagen. Scheint dein Wünschen auch beschsoffen. Ist es doch in diesen Tagen, Daß sogar die Tannen sprossen, Fortzugrünen so für immer. Martin Greif. Das Fräulein. Roman von E. Vely. (Fortsetzung.) Line lehnte am Thüipfosten, als wage sie sich nicht weiter in diese schwüle Atmosphäre hinein- es dunkelte schon in dem Zimmer, denn die hohe, graue Wand des Nebenhauses sperrte das Licht früh ab. Eine ungewöhnliche Behaglichkeit bot der Raum sonst aber, und für den Ausputz hatte Olga durch Anbringen bunter Fächer, Stoffe und künstlicher Blumen gesorgt. Eine große Photographie des hübschen Mädchens hing über dem Sopha, und ein Kranz von Schneebällen schlang sich um den Rahmen. „Ich will fort, von Berlin!" stöhnte Jacqueline. „I, solch'n Unverstand!" brummte Walther, der sich den Anschein gab, als sänne er über eine wichtige Frage nach. „Ne — das ist nun man nicht so leicht," fiel die Meyer ein, deren Ton scharf wurde, „wer entschädigt denn mich, sozusagen, wo bleibe ich?" „Na — na!" sagte Walther und machte ein bedeutungsvolles Zeichen, „was das anbctrifft —" //In Schaden kommt Keiner gern und daß die Sache so bald auffliegen sollte, das habe ich auch nicht vermuthet," grollte die häßliche Frau. „Ah —" der Boden wich freilich nicht unter Lines Füßen, der Thürpfosten, an welchem sie lehnte, gab auch nicht nach — aber in ihr stürzte Alles zusammen — der letzte Rest von Glauben, daß sie das Leben weiter tragen könne. „Der Consul?" fragte sie athemlos, „der — hat — wohl —" sie konnte nicht weiter, sie schämte sich, das sie so grenzenlos Demüthigende auszusprechen. „Na, so grün waren Sie wohl denn doch nicht, daß Sie meinen konnten, Ihre paar Pfennige hätten gereicht — ne, ne!" rief die Meyer höhnisch. „Wenn Sie Frau Johann Conrad geworden wären, da hätten Sie über Unsereinen auch was zu sagen gehabt," näselte Walther und kratzte sich hinter den Ohren. „Aber so könnten Sie doch guten Rath annehmen — Noth bricht Eisen!" „Ich habe auch geheult," wiederholte Olga, aber jetzt, jetzt bin ich lustig und lache." Sie warf dem Cousin eine Kußhand zu, „oh, oh," flüsterte der. „Und da fällt mir erst ein," fuhr Walther fort, „daß der junge, schwarze Doctor mich auch mal nach Ihnen gefragt hat. Ist noch nicht lange her. Fiel mir natürltch > nicht ein, zu sagen, was ich wußte. Denn, weß Rock ich i trage, deß Lied ich singe — und über dessen Angelegenheiten : schweige ich. Sie sehen wohl, Matthäi ist noch nicht am i Letzten — gefällt dem Einen seine lange Nase nicht, so vielleicht dem Anderen seine dicke! So verzweifelt, wie jetzt, brauchen Sie immer noch lange nicht auszusehen, liebes Fräulein!" Ueber den blumigen Teppich kam er auf sie zu, katzenartig leise, wie sein Gang in den vornehmen Häusern geworden war — vertraulich und unverschämt lächelnd. Die Meyer fixirte sie mit den stechenden Augen, Olga biß in ein Stück Kuchen und wiegte sich in den Hüften, welche das graue Kleid knapp umspannte. Sie hatte es nur langsam nach und nach fassen können, sie, Line, das einstmals auch lachende, auch fröhliche Geschöpf, daß sich über den Sonnenschein gefreut, an frischer Luft und Blumenduft Freude gehabt hatte — Langsam aber sicher wars bergab gegangen. „Fort — fort!" rief sie und dann riß sie die Börse mit der letzten kleinen Habe hervor und schleuderte sie in das Zimmer- — „da —da! nehmt Alles, was ich besitze—" Und dann war sie draußen, die Treppe hinab, Olga rannte ihr nach, aber sie war schon nicht mehr zu erhaschen — gedankenvoll stand das hübsche Mädchen eine Sekunde am Kopfe der Treppe. Dann verzog sie die Lippen, zuckte die Achseln und ging wieder hinein. „I — bewahre, so'n Gethue!" sagte die Meyer und hob das schäbige Geldtäschchen auf. „Wie viel kann denn drin sein?" Walther wiederholte nochmal seinen Ausspruch von vorhin: Es giebt wahrhaftig Menschen, die nicht in die Welt paffen," und der stille Cousin zog an seinem zierlichen Schnurrbart und flüsterte: „Oh — oh!" 334 Als Walther am Morgen die Thür des Sprechzimmers von Doctor Bruno Hallsberg hinter sich geschlossen hatte — er liebte es, von Zeit 'zu Zeit seiner „einzigen Schwäche", der Sorge für seine Gesundheit nachzukommen und von den Aerzten seiner Herrschaft bald seine Lunge, bald sein Herz untersuchen zu lassen, um jedesmal die Versicherung mitzunehmen, daß er kerngesund sei — stieß er auf die Kubaitz, die sich im Corridor aufhielt. Sie Putzte dem Mohren, der dort stand, immer mit besonderer Sorgfalt das Präsentir- brett, welches zur Aufnahme der Visitenkarten bestimmt war. „Wir sollten uns kennen," sagte der Diener, welcher es liebte, in allen Häusern seine Beziehungen zu haben, „mir ist nämlich wirklich so." Die Frau hatte jetzt nur eine Andeutung von einem Knix, indem sie das Staubtuch dabei schwenkte, und sagte: „Freilich — wie ich doch bei der Frau Consul Lund ge wesen bin! Gott, was für ein schönes Haus und feine Leute! Das muß ja ein unmenschliches Geld gekostet haben." „Wer's hat," machte Walther mit einem Achselzucken. „Und 'ne liebe Dame! Ja, und die Stelle hier bei dem Herrn Doctor habe ich ihr ganz allein zu verdanken." „Sich' mal!" sagte Walther mit gespitzten Lippen und einer Bewegung nach der Thür. „Ne," fiel die Kubaitz ein, „da ist jetzt der alte Herr Müller drin, der geht noch nicht, der hat immer so viel zu klagen, das kenne ich nun schon." „Na, überhaupt," lachte der vornehme Diener, bei so einem einzelnen Herrn, da kann man ganz genau auf die Finger sehen — was?" „Ach, nein," sagte die Frau unschuldig, „ach bewahre." „Nun, was so herumliegt, dafür kann man doch nicht. Und — sie lassen Alles herumliegen, selbst die Liebesbriefe! Das kennt man!" Sie wich einen Schritt wie mit Entrüstung von ihm zurück, „Ne, die kriegt unser Herr Doctor gar nicht." „Ach was, das machen Sie einem Andern vor!" sagte Walther überlegen. „Wo wäre denn auch das Unrecht? Ist keiner Seele Rechenschaft schuldig, so'n einzelner Mann —" „Ich habe mich selber schon gewundert," meinte sie, „aber was wahr ist, muß wahr bleiben. Blos heute, vorhin, da habe ich was gefunden. Es lag auf dem Teppich und war ihm aus den anderen Papieren herausgerutscht — es riecht nämlich so gut, und dickes Papier und ganz vornehm. Und weil ich die Brille nicht hatte und Schrift schwer lesen kann, da weiß ich noch nicht mal, was drin steht." Sie holte ein Briefblatt aus der Tasche. Walther strich über sein glattes Gesicht und sagte galant: „Wenn ich Ihnen helfen k mn." Die Augen der dicken Frau kniffen sich zu schmalen Spalten zusammen — „Eh ich es selber nicht weiß —" „Wie Sie wollen!" Er ließ seine ausgestreckte Hand sinken. „Ne, ne, so war's nicht gemeint," rief sie, sich ängstlich erinnernd, welch' eine Machtstellung er im Hause Lund inne hatte. „Du lieber Gott, was man findet auf dem Teppich —" „Das ist für den Papierkorb oder den Ofen bestimmt." Sie gab ihm jetzt das Blatt und beugte den Hals, wie eine Schildkröte aus dem Tuche, das ihn umschloß, hervor, während er las! „Es bittet Sie, heute Abend nach neun Uhr das Haus nicht zu verlassen, weil eine wichtige Nachricht Sie finden muß, die, deren Schriftzüge Sie kennen." „Ein „E" stand unter den kühn gezogenen Buchstaben, auf das setzte Walther seinen breiten Daumen, dann verzog er die Mundwinkel. „Meine gute Frau, das ist auch nichts, Sie haben Recht, Ihr Herr Doctor ist ein Tugendspiegel." „Hihihi!" lachte die Alte, „wenn doch man nicht — aber Sie müssen das wissen, Sie werden sich wohl auskennen!" , Ich kenne mich aus!" 1 „Das hat weiter nichts zu bedeuten, als daß man ihn j wohl extra rufen wird," sagte Walther mit, überzeugendem Tone, während er das Blatt wieder zusammenfaltete und nach seinem Hut griff. Ais der letzte Patient gegangen war, rief ein Klingelzeichen die Haushälterin in das Zimmer. Der Doctor kramte zwischen seinen Papieren. „Haben Sie nicht einen Brief gefunden?" „Ich, nein!" Ihr fiel ein, daß Walther ihr denselben in der Eile gar nicht zurückgegeben hatte. „Hat sich aber vielleicht in die Papiere verschoben, soll ich mal —" „Nein, nein, schon gut!" und mit ungewohnter Hast 5 suchte er weiter. „Sie können gehen!" „Jh sieh mal —" sagte die Kubaitz zufrieden vor ; sich hin. Nur flüchtig hatte Bruno vorhin die paar Zeilen überflogen —' Welch' wunderliche Grille, daß Ebba sich in solch durchsichtiges Geheimniß hüllte. — „Fastnacht ist vorüber," schrieb er auf ein Blatt und zerriß es wieder. Nein, so durste er nicht entgegnen — es hieß also abwarten--- * * * Nur einer dringenden Nothwendigkeit, hatte Bruno Hallsberg gesagt, würde seine Mutter nachgeben, wenn sie ihr stilles Wittwenheim verließe, um sich in das brausende Lärmen der Großstadt zu begeben. „Nun, dieselbe war da, Ebba Lund hatte sie geschaffen — ein Depeschenwechsel war zwischen ihr und Frau Anna erfolgt, die Worte „Lebensglück" und „Zukunft" hatten ihre Wirkung gethan, in der Thiergartenstraße traf Antwort ein: „Ich komme, werde ihn überraschen!" Ebba Lund hatte einen Gewaltstreich vor, wie war der Tag so lang, bis er fallen konnte! Womit sollte sie die Stunden ausfüllen? Reiten? Als man ihr Pferd heranführte, wandte sie sich auf der Schwelle um. Der Sonnenschein lachte ihr so blendend ins Gesicht und in den Alleen des Thiergartens würde es leben von Reitern und Reiterinnen, und alle kannte sie und sollte sie grüßen. Nein! Sie befahl den Wagen, blieb im Reitkleid und lehnte sich tief in die Kiffen zurück. Es begann grün zu werden, wie hübsch der Schimmer sich über Rasen und Bäume breitete, die Vögel zwitscherten. In der Nähe ihres elterlichen Hauses verlangsamte der Kutscher das Tempo, er wartete wohl auf den Befehl, daß er halten solle, aber sie gab ihn nicht, sie preßte die Lippen zusammen und warf keinen Blick hinüber. Ach, die lächerlichen alten Ahnen da drinnen an den Wänden! Der ganze Groll über ihre freudlose Jugendzeit in der kalten Atmosphäre kam über sie — wäre die anders gewesen, so saß sie heute wohl nicht mit den Gedanken da, hatte noch nicht den Fuß gehoben, um ihn in ein anderes Leben zu setzen, in ein ganz anderes! „Nach Hause!" befahl sie. Als sie dort einen Blick auf die Uhr warf, erstaunte sie, daß es noch so früh war. Sie ließ sich umkleiden, und als sie fertig war, musterte sie sich vom Kopf bis zu den Füßen mit einer Sorgfalt, als gälte es einer besonders großen Toilette und verlangte dann das einfachste Kleid, das sie besaß. Sie ging durch ein paar Räume und blickte sich darin um, als sei sie fremd geworden- in ihrem Schreibzimmer trat sie an den Tisch und zog ein paar Schubladen auf — sie hatte so wenig Briefe aufgehoben, so inhaltsleere während ihres ganzen bisherigen Lebens bekommen — mit spitzen Fingern tippte sie die mit rosa und blauen Seidenbänderu umwundenen Packetchen — von Mimi und Hedwig, Jugendfreundinnen, — man schrieb sich schon lange nicht mehr. Ein paar Zusagen dort von berühmten Leuten, welche auf Einladungen gekommen waren — man hob ja solche Autographen auf. Oh, was that „man" nicht Alles in dieser nachäffenden, schablonenhaften Welt: Alles gleich, denselben Schneider, den Modefriseur, den berühmten Juwelier, dasselbe Parfüm, das gleiche Lächeln, die ewigen Fragen: „Wie gehts!" 2ine dieselbe Art des faden Hofmachens, die gleiche Weise der unoarmherzigeu Verurtheilung. Emmal eine frische, fröhliche, selbständige Ansicht? Unmöglich! Einmal eine befreiende That? Undenkbar! Sie lachte laut und wunderte sich über die eigene Stimme, als sei es ein fremder, nie gehörter Ton, Sie dehnte ihre zierlichen Glieder, als fielen Fesseln davon. — Das Fräulein trat ein, welches sie in allen Zimmern gesucht hatte, ein blondes, blasses, schüchternes Geschöpf. „Befiehlt die gnädige Frau, daß die kleinen Fräulein erst nach Hause kommen, ehe sie zum Großpapa geben?" „Ihre Kinder — ja so! „Nein —sie dürfen gleich nach dort, von der Schule aus." „Sehr wohl, gnädige Frau!" Zu dem alten, derben, formlosen Johann Conrad Lund, dahm gehörten sie, der hatte Freude an ihnen - sie waren sein Blut. Sie hatte ihnen gar nichts mitgegeben, sie liebte sie auch nicht - was sollte fie sich belügen. „An diesem Tage keine Luge!" Als sie in den Speisesaal trat, kam ihr Walther entgegen: „Der Herr Consul hat Nachricht geschickt, daß er einen auswärtigen Freund getroffen hat, mit dem er draußen speisen muß. Er bittet um Entschuldigung bei der gnädigen Frau!" Er bat noch um Entschuldigung, daß er sie dieses tete a tete da überhob. „Es ist gut." „Champagner!" befahl sie und suchte vergebens nach einer Miene des Erstaunens auf dem glatten Gesicht des Dieners, über dieses nie dagewesene Verlangen an einer einsamen Mittagstafel. Sie trank nur das erste Glas, es ein wenig hoch haltend, als bringe sie dasselbe mit einem Trinkspruch einem unsichtbaren Gaste. Sie warf sich, wie gewöhnlich, auf die Couchette, die Füße in dem weichen Pelz vergrabend. Nein, das war zu warm! Sie riß das Fenster auf und sah wieder nach der Uhr — oh, das träge Ticktack — Den Blick ins Leere richtend, stand sie eine Weile, als zähle sie die Schläge oder die ihres Herzens. Eine Droschke fuhr in vorgerückter Nachmittagsstunde an, das war Conrad Lund, der heimkehrte. — Um diese Zeit störte er sie nie, auch heute nicht; auch er würde sich nun mit einem Buche in der Hand niederlegen. Und endlich 'kam der Abend, leuchtendes Roth zitterte drüben über den Bäumen des Thiergartens. Sie glitt geräu chlos nach ihrem Schreibtisch; als gälte e«, leine Zeit zu verlieren, schrieb sie stehend: „Ich geh, weil ich nicht bleiben kann, nicht will! Ebba." Nun die Adresse an ihren Mann, den kleinen goldenen Schreibtischschlüssel hineingeschoben — das war wie eine gute Hausfrau gehandelt, eorreet bis zum letzten Augenblicke. Und nun wieder dies Gliederschütteln, als seien Ketten von den zarten Armen gefallen. Sie befahl Hut und Mantel herabzubringen, gab Walther den Auftrag, eine Droschke zu rufen und verließ, ohne umzuschauen, das Haus. Der Kies des Gartens knirschte unter den Rädern - das war ihr immer ein verhaßtes Geräusch gewesen. Sie würde es nicht wieder hören — (Fortsetzung folgt.) Luncheon. Plauderei von Sylvia. ------- (Nachdruck verboten.) „Bekommen wir denn heute keine Suppe?" fragt der Hausherr unzufrieden, indem sein Blick den zierlich gedeckten überfliegt. Dabei bemerkt er die Tassen, die vor den Platzen stehen, und seine Stirn entwölkt sich. „Aber — zu JKittag pflegt man die Fleischbrühe doch sonst aus Tellern zu essen, kann er sich irotzdem nicht enthalten zu äußern. Seitdem er vor wenigen Minuten ans seinem Bureau heimgekehrt, hat er bereits zum zweiten Mal Gelegenheit, sich über Etwas zu wundern. Das erste Mal geschab es, als man ihn zu Tisch rief — sonst mußte er eine Viertel-, ja oft sogar eine halbe Stunde auf das Essen warten, heute dagegen hatte er gerade Hut und Paletot abgelegt, als das sechsjährige Töchterchen auch schon mit der Meldung eintrat- „Papa, die Mama läßt Dich zu Tisch bitten." Es war rhm das durchaus nicht unangenehm, denn er hatte sich einen tüchtigen Hunger von der Arbeit mitgebracht, außerdem eröffnete das frühzeitige Mittagsmahl auch die erfreuliche Perspective auf ein verlängertes Mittagsschläfchen, aber immerhin seltsam blieb die Sache doch. Wie oft hatte er feine Frau schon freundlich gebeten und streng ermahnt, das Essen recht pünktlich zu ferbiren, worauf sie ihm stets pikirt erwidert, in ihrem Haushalt ginge Alles Pünktlich zu, aber die Hauptmahlzeit des ganzen Tages früher als etwa zwanzig Minuten nach seiner Rückkehr zu geben, wäre unmöglich — v°ll'g unmöglich. Die meisten Speisen ließen sich erst anrichten unmittelbar, bevor sie gegessen würden — wenn man zum Beispiel einen Braten zu früh aus der Pfanne nehme, so betrockene er, eine Sauce hinwieder, die zu lange in an- gerührtem Zustande im Ofen bleibe, laufe zusammen u. s. w. Sofern er sich erlaubte, solchen Behauptungen gegenüber ein paar Worte laut werden zu lassen, bedeutete man ihn mit dem Bemerken, daß er als Mann nichts von wirthschaftlichen Dingen verstünde. Darauf schwieg er denn und ergab sich mit Würde in das Unvermeidliche. Was sollte er auch anders thun? Die theure Galtin mochte am Ende wirklich Recht haben. Aber heute? Wie kam es, daß sie das Unmögliche möglich gemacht? Sollte vielleicht die Zusammensetzung der Mahlzeit so rührend einfach sein, daß — — — Böser Ahnungen voll will er die Tasse zum Munde führen, als seine bessere Hälfte ihm mit liebenswürdigem Lächeln einen Teller mit belegten Brötchen hinreicht. „Toasts?" fragt er lakonisch. Sie schüttelt sanft verneinend das Haupt. „Nein doch — Appetitbrötchcn" " Natürlich! Daß er das auch nicht gleich erkannte i Die niedlichen Broischnitte sind ja mit allem Erdenklichen garmrt! Braten und Schinkelistreifeii, Eierscheiben, saure Gurken, Pilze, Kapern unb Sardellen bilden kunstvolle Sterne auf der butterbestrichenen Oberfläche. „Ah so, die Ueberbleibfel der letzten Mahlzeiten, sozusagen eine gedrängte Wochenübersicht'" denkt das durch vieljährige hausväterliche Praxis gewitzigte Familienoberhaupt restgnirt. Dessenungeachtet munden die Brötchen vortrefflich. Als zweiter Gang folgt eine Schüssel voll Fischsalat mit Mayonnaisensauee. Er ist delicat, aber — kalt, selbstverständlich, Salate sind das ja stets. Mit wachsender Spannung wartet der Pater familias, was dies wunderbare Mittagsmahl ihm wohl weiter bringen wird. Nun, es giebt ja noch Manches — eine Art ungefüllter heißer Pfannkuchen, im Osten „Stapfen" genannt, mit Himbeermarmelade, Brot und Semmel mit Butter, Radieschen und Schweizerküse aber etwas, das den Namen eines richtigen warmen Gerichts verdient, befindet sich nicht darunter. „Ja, sag' in aller Welt, was war das nur für ein sonderbares Menu für ein Mittagessen?" fragt der Hausherr, nachdem er gesättigt aufgestanden ist, die Gattin. „Mittagessen?" wiederholt diese. „Nicht doch, Du irrst, mein Lieber, das war — ein Luncheon." Er blickt sie sprachlos an, unschlüssig, ob er lachen oder schelten soll. „Ja, aber —" beginnt er endlich,- doch sie laßt ihn nicht weiterreden. „Sieh mal —" meint sie schmeichelnd „Du hast doch immer schon darüber geklagt daß Du das Miitagsmahl so rasch herunterschlingen müßtest^ um noch ein Stündchen zum Ruhen zu erübrigen. Da überlegte ich mir denn, daß wir um diese Zeit nach englischer Manier ein Lunchcoli, und Abends, wenn Du nach Hause - M - Brühl',chm Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der kommst, ein Diner einnehmen könnten. Zum Luncheon sind । keine warmen Speisen notwendig, mit Ausnahme einer - Bouillon, die sich, wenn just kein Fleisch vorhanden, aus Liebig'S Fleisch-Extract in wenigen Minuten Herstellen laßt, zumal jetzt, wo die jungen Gemüse so wirksame Behülfe leisten. Statt der übrigen Gänge giebt man Salate, Mayonnaisen, Pasteten, kalten Aufschnitt, Kuchen und Puddings Hie und da, namentlich im Winter, kann man auch etwas Warmes, das keiner langen Bereitungsdauer bedarf, wie I Rühr- oder Setzeier, Bratkartoffeln, Conserven im Bam Marie erhitzt, Omelettes und dergleichen mehr emschreben. Du kannst Dich darauf verlassen, diese «ene Einrichtung hat ihre unleugbaren Vortheile. Um die vollständige getodjte Mahlzeit wirst Du trotzdem nicht betrogen, die kommt Abends an die Reihe. Dann aber hast Du viel mehr Zett, sw recht I behaglich und in Ruhe zu genießen." ,Der Gemahl hat ihr nachdenklich zugchort. „Aber I wenn ich nun einen Gast unangemeldet zum Luncheon mit- bringe — wie dann?" wirst er ein. . . I Der verursacht beim Luncheon viel weniger Schwierigkeiten" als beim Mittagessen, und das eben auki dem einfachen Grunde, weil ich zu dem ersteren alle beliebigen kalten Reste auf den Tisch bringen kann. Reicht das Vorhandene nicht, so lasse ich eine Büchse Sardinen,, Sprotten, eine Sülze oder was ich sonst will, aus dem nächsten Delicateß- | "letzten Ausführungen gaben bei dem Gatten den Ausschlag. Gewisse unliebsame Scenen, verursacht durch das Erscheinen eines Bekannten, den er zufällig auf der Straße getroffen und nach Haufe zur Tafel mitgenommen, kamen ,hm w,tat „,E >.W so Übel zu sein. Also bleiben wir bei dem Luncheon." „Jawohl, bleiben wir dabei", bestätigte freundlichen Blickes die Gattin. Aus dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg. Woher kommt es, daß so viele Eier heim Bebrüten nicht befruchtet werben? Alle Hühner und I Wasservögel brüten zu ebener Erde, in flachen Nestern, auf 1 de° feuchten Boden. Durch das Bebrüten der Eier en steh hier eine sehr feuchte Wärme, durch welche auch die Elhaut innen unter der Schale weich und leicht zerreißbar erhalten wird. Die Folge davon ist, daß die Jungen in größt- möglichster Zahl ausschlüpfen und selten mehr als ein E> un Neste zurückbleibt. Vergleichen wir das Versaht-en vieler Geflügelzüchter, so finden wir oft das S"°de Gegenthell. So theilte mir neulich noch eine Frau mit, daß sie ihre Gans zum Brüten auf den Speicher m nm-mit Stroh ge^ | fütterte Kiste gesetzt hätte. Aus sammtlrchen Eiern kam nicht ein einziges Junge- dagegen fanden-sich sechs voll aus- aebildete Thiere abgestorben tm Ei. Woher dieser Miß- erfolq? Beim Bebrüten fehlte die natürliche feuchte Bodenwärme, die Gihaut wurde hart und für die schwachen ^hierchen unzerreißbar, so daß dieselben im Ei absterben mußten, wett fie* d e Schale nicht durchbrechen konnten. Wieder andere ve.säumen es, die Eier zu reinigen, wenn sie beschmutzt ober gar mit dem Inhalt zerbrochener Eier besudelt sind. Durch Schmutz und den Inhalt zerbrochener Eier werden die Poren der Schale verstopft, so daß die Lustcirculation durch die Schale gestört ist und die Küchlein tm Ei ersticken. Sehr viel trägt zum guten Erfolg auch bei, dte Eier zwei Tage vor dem Ausschlüpsen der Jungen einige Minuten m b nt- wa mes Wasser zu legen, damit die Eihaut, mürbe wird. Wer Vorstehendes genau beachtet, wird nie einen gänzlichen Mißerfolg haben, vorausgesetzt, daß die Brütenn zuverlässig und ungestört ihr Geschäft vollbringt. Hrrinsvistisches. Aus „Lustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin 8^. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer l O Pfg. - Ein - chlauberger. Bekannter: „Wie brachten Sie denn Ihre Frau wieder zum Bewußtsein, nachdem sie Ihnen zum elften Mal in Ohnmacht geiallen war? — Junger Ehemann: „O, sehr einfach- ich flüsterte, ihr zu, sie- hatte sich mit ihrem neuen Kleid in einen Tintenflecken hinetn- gesetzt- da hätten Sie 'mal sehen sollen . . •" Die Hauptsache. Er: „Mary, wach' auf, rasch! Das Haus brennt — bringe das Kind in Sicherheit. ■Sie: „Und mein Bicycle? - Er: „Ist langst draußen, da hab' ich Dir zuerst hinausgeschafft." um güten Radieschenfamen zu ziehen, darf man nicht etwa den Samen von solchen Pflanzen nehmen, welche in den Garten gesäet wurden und auf den Beeten m Samen gingen, weil diese dicht standen oder nicht sämmtlich für dte Küche Verwendung gefunden, denn auf sttche Weise erzielter Samen bringt nur Pflanzen mit schlechten Knollen. Man muß vielmehr, beliebige Anzahl Pflanzen mit ziemlich ausgebildeten Knollen auswählen und diese an eine andere Stelle verpflanzen. Man nimmt hierzu selbstverständlich nur die allerschönsten und erntet bei dieser Weise zwar weniger Samen, doch von guter Oualität. Gegen die lästigen Ameisen erweist sich Seifensiederlauge, mit gestoßenem Zucker vermischt, sehr wirksam, welche Mischung man auf einem Teller an den Ort zu stellen hat, den die Ameisen gern auffuchen. Ein anderes vortreffliches Mittel ist Benzin, das man in die, Ritzen unv Fugen des Kellers gießen muß, um diese hatzlichen Gaste augenblicklich zu lödttn. Nicht weniger gut ist eine Mischung von gleichen Theilen Naphtalin und frischem Jnseetenpnlver, die man im Hause in die von Ameisen bewohnten Fugen und Löcher zu streuen hat. Letzteres Mittel verdient vor Benzin den Vorzug, weil es nicht feuergefährlich ist. Kartoffeln als Retnignngsmittel. Der Abgang der rohen Kartoffeln, die Schale, ist in Stücke geschnitten und mit nicht zu viel Wasser vermischt, das beste Reinigungsmittel für Karaffen und beizt selbst veraltete Flecke aus dem I Glas. Die rohe geriebene Kartoffel, vorher nur gewaschen, nicht abgeschält, giebt ein vorzügliches Präparat zum Waschen von farbigen Wollsachen und Tapisseriearbeiten, die nach zweimaligem Durchwaschen nur mit einem Zusatz von Essig I aespült werden. Zum Scheuern von Blech und Zmn giebt I die in Wasser ausgelaugte Kartoffelschale ein der Pottaschen- I lösung ähnliches Beizmittel. Daß sich Messer mit einer durchgeschnittenen Kartoffel putzen und Stahlfedern durch. I Hineinste-ken in die Knolle vorzüglich reinigen lassen, ist I wohl ziemlich allgemein bekannt. Horngegenstände, wie Löffel, Gabeln, Messer, Kämme- rc dürfen nicht tu hetßes Wasser gelegt werden, sie werden darin weich und verlieren die Form. Sollten derartige Gegenstände durch heißes Wasser verbogen worden sein, so lege man sie einige Minuten in kochendes Wasser, forme sie wieder gerade und belaste sie dann stark, daß sie die gewünschte Form bis zu ihrer Erkaltung beibehalten. Das Schnüren der Schnhe. Um einen Schuh richtig zu chnüren, suche man die Ferse so weit als möglich in den Schuh zurückzudrängen. Man lege zu diesem Zwecke den beschuhien Fuß auf einen Stuhl, welcher vor bemjentgen steht, auf welchem man sitzt. Neber dem Rist zieh- man die Schuhschnüre, so fest als möglich an- sie halten dann den Fuß zurück und verhindern einen Druck an den Zehen. Schnürschuhe müssen bequem um die Knöchel sitzen.