riif’Kj Äffll WWIenn Du Dich selber machst zum Knecht, kSjJT Bedauert Dich Niemand, geht Dir's schlecht- Machst Du Dich aber selbst zuni Herrn, Die Leute sehen es auch nicht gern. Bleibst Du aber, wie Du bist, So sagen sie, daß nichts an Dir ist. Goethe. Muttersohn. Roman von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) Und nun . . . nun stand immer seine Schuld zwischen ihm und jeder Lebensfreude, nun war er sein ganzes Leben lang zur Lüge und Heuchelei verdammt, nun war jede Stunde seines künftigen Lebens eine geheime Marter, eine stille Qual . . . nun war er der Elendesten einer! Ganz darniedergeschmettert sank er in seine Kniee und preßte sein zuckendes Gesicht auf das Polster des Sophas,- seine Verzweiflung machte sich in einem ungestümen Weinen Luft. Er hörte nicht, wie die Thür leise geöffnet wurde. Erst als er eine Hand auf seiner Schulter fühlte, fuhr er erschreckt empor. Seine Mutter stand vor ihm und sah ihn erstaunt, erschreckt an. „Aber was hast Du denn, Ottochen?" rief sie außer sich, als sie seine Thränen sah. „Was ist Dir denn, mein lieber Junge? Heute an Deinem Ehrentage und weinen! Hast Du vielleicht Schulden, Ottochen?" Er konnte dem Drange nicht widerstehen, der ihn zu der Jmmerguten, Jmmermilden zog, die mit ihm fühlte wie kein anderer Mensch auf Erden. Er warf sich an ihre Brust und weinte und schluchzte von Neuem. Sie drückte ihn an sich und tätschelte mit zitternder Hand seinen Kopf,- wie sie es ehemals mit dem weinenden Kinde so oft gethan und mit schmeichelnden, besänftigenden Koseworten redete sie auf ihn ein: So weine doch nicht, Ottochen! Mein lieber, guter Junge! Wir werden's ja bezahlen, wir werden ja Rath schaffen. Nur weine nicht so, mein Liebling, mein lieber, guter Otto !" Der Gedanke durchzuckte ihn, ihr Alles zu sagen, seiner schwer gepreßten Brust Luft zu machen, ihr der alle Zeit zur Nachsicht und Verzeihung Bereiten anzuvertrauen, was ; ihn bedrückte. Aber als er sich nun aufrichtete und in ihr angst verzerrtes Gesicht sah, das in banger Spannung an seinen Lippen hing, da sank ihm der Muth. Nein, nein, er kann es ihr nicht sagen das Furchtbare, Entsetzliche. Es würde die Ahnungslose zerschmettern, tödten. Und so zwang er das Geständniß, ivas ihm auf die Lippen treten wollte, wieder hinab und heuchelte eine unbefangene Miene. „Nichts, nichts ist, Mutter," sagte er, „es ist nur, weil ich so über Alles nachdachte. Und da kam mir der Gedanke, ob es doch nicht am Ende unrecht von mir gewesen, zuzulassen, daß Ihr ... . Du und Vater, meinetwegen so viele Opfer gebracht habt. Und ich weiß nicht, ob ich's Euch mal werde vergelten können. Vielleicht . . . vielleicht wär's doch besser gewesen, wenn Ihr mich nicht hättet studiren lassen, wenn ich ein einfacher Mensch geblieben wär', so wie Carl. Vielleicht wär' das auch für mich besser gewesen, und ich wär' ein glücklicherer Mensch geworden als ich heute bin, und wir Alle wären glücklicher, Mutter!" „Jh, warum nicht gar, — sagte sie und ihr Gesicht erhellte sich mit einem Male und sie lächelte glücklich zu ihm auf, — und wenn's nochmal so viel gekostet hätte! Mir wär's nicht leid, nicht eine Minute! Nein, nein! Deshalb mach Dir nur keine Skrupeln, mein Goldjunge! Das ist ja das höchste Glück für die Eltern, wenn sie ihre Kinder was Rechtes werden lassen können." Auch Vatern reut's nicht, wahrhaftig nicht. Hast Du's gehört, was er vorhin zu mir gesagt hat? Er ist ja so stolz auf Dich, so stolz! Nein, nein! Nun lege Dich nur hin und schlafe Dich nur aus! Es sind ja nur die aufgeregten Nerven bei Dir. Du hast zu viel studirt. So, so! Nun geh' nur in's Bett, mein lieber, mein guter, goldener Junge!" Sie half ihm den Rock und die Weste ausziehen. Dann ging sie hinaus. Aber ein Viertelstündchen später hörte Otto sie leise, auf den Zehen in sein Zimmer zurückschleichen. Er hatte schon die Lampe ausgelöscht und lag im Bett und stellte sich schlafend, als sie sich nun lauschend über ihn beugte. XV. Am anderen Tage in-der Mittagstunde ... die kleine Familie hatte sich eben zu ihrer einfachen Mahlzeit niedergesetzt . . . erschien Helene ganz unvermuthet. Sie war ganz außer Athem, ihr Gesicht war blaß, ihre Mienen verstört. Otto'n durchfuhr ein eisiger Schreck. Eine beklemmende Ahnung stieg in ihm auf. „Ist was passirt? Ist Fritzchen krank?" fragte die Mutter theilnahmsvoll. Die Gefragte schüttelte mit dem 70 was man ihm auf dem Polizeibureau gesagt. Er wagte nicht, den Blick zu der Jammernden und Weinenden zu Morgen will ich hin . . . uach Moabit . . . mit dem Untersuchungsrichter sprechen, — fugte er s-mem Bericht hastig hinzu. — Der wird einen schärferen Bück haben, als die Polizei, der>ird sich überzeugen lassen, daß Carl Frau Köster stand neben ihr, beugte sich zu ihr hinab und bemühtestsich^sie Qnbere Seite und unterstützte die Bemühungen seiner Frau mit allerlei Trostgründen. „Seine Unschuld wird sich Herausstellen. Er kann s ja nicht gewesen sein . . . unmöglich ! Das trau' ich meinem Sohne nicht zu. Es handelt sich ja nur um em paar Tage Untersuchungshaft." Otto konnte den Jammer nicht länger ertragen. Er entfloh in fein Zimmer und hier stand er doch wieder an der Thür und preßte sein Ohr lauschend an das Schlüsselloch. Die Klagen Helene's drangen ihm wie Dolchstöße m das Der; und mehr als einmal legte er die Hand auf die Klinke und der Impuls durchzuckte ihn, hinauszurreten und, der Weinenden zuzurufen: „Tröste Dich, trockne Deine Thranen, I Dein Carl ist unschuldig, ich bin's gewesen, ich! Aber immer im letzten Augenblick versagte ihm der Muth. Es ging über seine Kraft, hier im Angesicht seines Vaters, seiner Mutter sich selbst als Dieb zu bezeichnen. I Morgen vor dem Untersuchungsrichter würde er Alle» ge- I stehen, morgen! * # Helens aber schien für den Trost wenig empfänglich. „Was meinst Du denn, Ottochen?" Wie gelähmt hatte Otto dagesessen, wahrend heiße Fieberschauer seinen Körper durchrannen. Jetzt fuhr er auf UI,b L'L^H^ur Polizei- .stieß er kurz mit heiserer Stimme hervor, während er seine Blicke starr aus den Fußboden heftete, als ob sie sich scheuten, denen der Cr s'Mit diesem Bescheid wurde Otto abgefertigt, und ihm blieb nichts übrig, als sich auf den Rückweg zu machen. Seine Schritte wurden diesmal kleiner als auf dem §™toe9- Ja, sie klebten förmlich an dem Trottoir, als er sich letz der Rüqenerstraße näherte. Was sollte er ihr sagen? E maüe sich ihren Schmerz, ihre Verzweiflung aus. und eine furchtbare Angst vor ihrem Anblick, ein heftiger Widerwillen, seinen Weg fortzusetzen, befiel ihn. Einmal machte er sogar Halt und that°ein° paar Schritte in die. entgegengefttzt Richtung. Aber schließlich kehrte er doch wieder um. Was nützte es ihm, wenn er es hinauszögerte, einmal mußte er ja doch nach Hause gehen und Carls Frau unter die Augen Als er nun oben ankam, stürzte ihm Helene in fiebernder Erwartung entgegen. ' Otto zuckte mit den Achseln und stockend erzählte er, uchlg die Unschuld Ihres Bruders Herausstellen wird, aber vorläufig sind die belastenden Momente so erhebt ch, daß ich eine Haftentlassung mit meiner Berusspfücht nicht vereinbaren könnte. Daß Ihr Bruder am Tage vor der That in Ihrer elterlichen Wohnung war, um eure Summe in der genauen Höhe des gestohlenen Betrages von ^hrxm Vater zu leihen, ist Thatsache." „Ein unglücklicher Zufall," — stöhnte Otto und zog sein Taschentuch, um die feuchte Stirn abzutrocknen. „Nicht minder belastend," fuhr der Richter fort, oyuc von dem Zwi chenruf des jungen Mannes Notiz zu nehmen, „ist der Umstand, daß sich Ihr Bruder gerade zu der Zeit als der Diebstahl geschehen sem mußte, in der Wohnung stirer Eltern befand. Was hatte er da zu thun r Er kam, um die heftigen Worte, die er am Tage zuvor während eines Streites mit dem Vater geäußert, zurückzunehmen." Der Richter lächelte. , m . „Das sieht," sagte er, „sehr nach einem Vorwand aus, den Sie, Herr College, wenn Sie der Sache mehr ob,ecttv gegenüberständen, ebensowenig für stichhaltig haften wurden, wie ich es thue. Ihr Bruder war bei diesem Besuche . . . das geht aus den Aussagen Ihrer Mutter klar hervor . . . auffallend unruhig und hastig. Eine Tasse Kaffee, die lh | von Ihrer Mutter angeboten wurde, schlug er ab und schor Der Untersuchungsrichter hörte den jungen Mann mit wohlwollender Aufmerksamkeit an. Otto schilderte mit warmer Beredsamkeit die Jugend seines Bruders, seinen offenen treuherigen Character, seine Rechtlichkeit und sein V Herr »«,/' W* Bruder ist völlig unschuldig. Ein schweres Unrecht ge- schicht ihm. Das betheuere ich Ihnen, das schwöre ich Ihnen bei Allem, was mir heilig ist." „Ihr warmes Eintreten für Ihren Bruder macht Ihrem Herzen alle Ehre," versetzte der Richter, „und ich Anderen zu begegnen. Helene erhob sogleich ihr Gesicht. Ich danke Dir," Otto sagte sie herzlich. — „®u erweisest mir und Carl einen großen Gefallen. warte M-i'° 3« gS*„;b.6"M im Sauf« d°r M» b,ne ",A- ÄÄ. D-. die Sache bearbeitete, war nicht mehr anwe,end. Otto' Bitte, mit dem Jnhaftirten sprechen zu dürfen, wurdenicht be^ willigt. Am Nachmittag wurde Carl nach Moabit in öa; Unte?suchungsgefängniß überführt und die Angelegenhei dem Untersuchungsrichter übergeben werden. An den möge Kopfe und brach in Thränen aus. Aber es war nur ein momentanes krampfhaftes Ausschluchzen, in de sich d stundenlang verhaltene Aufregung Luft machte Sie brauchte nur ein paar Sekunden, um sich wieder zu fassen. Carl ist seit halb neun Uhr fort und ist noch nicht Zurück," berichtete sie. - „Statt seiner erschienen vorhin zwei Criminalbeamte bei mir und durchsuchten unsere ganze Wohnung." , ,Ktcuc. .... —, „ .. - " Der alte Köster fuhr in die Hohe. . « . ( Sie war auf einen Stuhl, der am Tisch stand, gesunken, „Durchsuchten Eure Wohnung. . wiederholten mit ben Händen verhüllt nnd weinte laut seine zuckenden Lippen. Der große, s d., h I ftnnh neben ihr. beugte sich zu ihr hinab unl am ganzen Körper und seine Augen öffneten sich wett und starnen in sassungslosem Schreck auf Helene. ,,^a, wa^ bat denn das zu bedeuten? . Es kann doch nur wegen der Geschichte sem, m der j er als Zeuge vorgeladen ist," erwiderte Helene, sich die । letzte Spur ihrer Thränen aus den Augeu wischend und sah I bleich, aber gefaßt zu dem Vater hinüber. Ich begreife nicht, wie pe auf diesen wahnsinnigen Gedanken kommen, daß Carl . ." sie schauderte und schlug ihre Hande vor das Gesicht und stöhnte aus tiefster Brust- Du meinst doch nicht . . .?" stammelte der Alte. Daß sie ihn für den Dieb halten," ergänzte Helene, die Hände vom Gesicht sinken lassend. „Freilich muß ich das denken, denn warum sonst wie Hausplchung und warum . er müßte doch längst zurück sein. _ . Sie ließ stch in den ihr zunächst stehenden Stuhl sinken, stemmte die Ellbogen uns den Tisch und stutzte ihren Kopf tU ÖEgrau Köster hatte sich bisher, in stummen Erschrecken ihre Hände ringend, schweigend verhalten, ^etzt wandte sie nach wenigen Minuten machte er sich, ohne das Erwachen ; Ihres Vaters abzuwarten, wieder aus dem Staube. Diese Eile Ihres Bruders gerade an jenem Tage ist mindestens sehr auffallend. Otto stöhnte abermals. War es denn ganz unmöglich, die Voreingenommenheit des Kriminalisten, der den Angeschuldigten von vornherein für einen Verbrecher zu halten schien, zu besiegen? Gab es kein anderes Mittel, dem Unschuldigen Freiheit zu verschaffen, als daß er sich selbst der strafenden Gerechtigkeit überlieferte und seine Zukunft, ja vielleicht sein Leben preisgab? „Der belastende Moment aber/' fuhr der Untersuchungsrichter in seinem überlegenen, belehrenden Ton fort, ohne eine Ahnung von den aufregenden Vorgängen zu haben, die sich in der Brust des jungen Mannes vor ihm abspielten, „der belastende Moment hat sich gestern bei der Haussuchung in der Wohnung Ihres Bruders ergeben. In eitlem Schubfach seines Schreibtisches fand sich ein Corridorschlüffel, ein sogenannter Drücker. Der Schlüssel paßte, wie sofort angestellte Untersuchungen ergaben, weder zu einer der Thüren in der Wohnung Ihres Bruders noch in seinem Geschäftslocal. Ich habe nun die Polizei beauftragt, sich in die Wohnung Ihrer Eltern zu begeben, um zu sehen," der Sprechende erhob sich. Er trat an den Telephonapparat, der sich in einer Ecke des Zimmers befand. „Vielleicht liegt das Resultat der polizeilichen Nachforschungen schon vor," sagte er, sich zu dem ihn in ängstlicher Spannung Beoachtenden zurückwendend. Der Untersuchungsrichter klingelte an und nach ein paar Hin- und Herreden durch den Apparat kehrte er zu seinem Platz zurück. „Es ist, wie ich erwartete," erklärte er mit erhobener Stimme, „der bei Ihrem Bruder gefundene Schlüssel paßt zu der Corridorthür Ihrer Eltern." „Aber das ist doch kein Beweis, daß mein Bruder ein Dieb ist!" rief Otto verzweifelt, während seine Pulse schmerzhaft schlugen und sein Herz im Sturmtact hämmerte. „Ein Beweis nicht," gab der Richter kopfschüttelnd über die Hartnäckigkeit des Assessors zurück, „aber doch ein fast überführender Umstand. Jedenfalls werden Sie nun begreifen, daß ich Ihrem Wunsche, Ihren Bruder aus der Haft zu entlassen, in keinem Fall nachgeben darf." Der Richter nickte, um dem vor ihm Stehenden anzudeuten, daß er die Unterredung zu beendigen wünsche, Otto aber trat dicht an den Tisch heran, hinter dem der Richter saß. Seine Augen glühten wie im Fieber, seine Hände zuckten, sein Athem ging schwer und hastig. „Und doch ist mein Bruder schuldlos," rief er außer sich, „Sie haben einen Unschuldigen in's Gesängniß geworfen. Sein Geschäft geht zu Grunde und seine Frau härmt sich ab, ohne daß er das geringste Unrecht begangen hat. Geben Sie ihn frei und nehmen Sie mich statt seiner in Hast!" Der Richter blickte den Aufgeregten an, als befürchte er, derselbe habe plötzlich den Verstand verloren. Dann schüttelte er lebhaft mißbilligend mit den Kopf. „Sie sollten sich von Ihrer ja begreiflichen Erregtheit nicht so sehr hinreißen lassen, Herr College," sagte er milde tadelnd. — „Ich verstehe ja, daß Ihnen der bedauerliche Vorfall in Ihrer Familie sehr nahe geht, aber immerhin sind Sie doch Jurist und Sie sollten mir nicht mit so . . . so undiscutirbaren Forderungen kommen. Brechen wir von dem Gegenstand ab, der Sie allzusehr aufzuregen scheint Sie erklären mir sonst am Ende noch, ohne auf den Stand, dem Sie angehören, Rücksicht zu nehmen, daß Sie selbst der Thäter sind." Der spottende Sarkasmus, der aus den Worten und den Mienen des ungeduldig gewordenen Richters ■ sprach, wirkte wahrhaft verblüffend auf Otto. Er wußte nicht, wie ihm geschah, als jetzt der Untersuchungsrichter klingelte und dem eintretenden Gericktsdiener befahl, dem Herrn Assessor in seinen Ueberzieher zu helfen. Ehe er noch recht zur Besinnung gelangt war, befand sich der Unglückliche vorder Thür. Zu Hause wollte er sich sogleich auf sein Zimmer flüchten, aber die Mutter, die ihn hatte kommen hören, kam ihm auf dem Corridor entgegen. „Armer Otto!" sagte sie und zog ihn in das Wohnzimmer. „Nimm Dir's nur nicht so zu Herzen, Ottochen. Es wird Dir ja doch nicht schaden in Deiner Karriere ? Oder meinst Du? Die Herren werden Dir's ja nicht anrechnen, wenn's auch Dein Bruder ist. Du kanust ja doch nicht dafür." Wie von einem glühenden Eisen berührt, sprang Otto auf und sich mit Gewalt von seiner Mutter losmacheud, stürzte er hinaus, als wären ihre Worte Peitschenhiebe, die ihn jäh in die Flucht trieben. (Fortsetzung folgt.) Ein Königssprosse. Seit einigen Jahren sind Reisen nach dem Norden, besonders nach Norwegen und Schweden, sehr in Mode gekommen. Es ist dieses eine Mode, der man — im Gegensatz zu so mancher andern — nur eine volle Zustimmung geben kann. Nichts macht das Menschenherz freier, erregt mächüger Gefühl und Phantasie, und stimmt mehr zur Andacht und stummen Unterwerfung unter die unendliche Erhabenheit der Schöpfung als der Anblick der wildromantischen, großartigen Naturschönheiten jener Welt tioit Fjorden, Fjelden, Wasserfällen und Seeen. Mächtig umwehen uns in jenem Nordreich die Fittige von Frau Sage,- der ganze Zauber der altnordischen Göiterwelt, voran Odin dringt auf uns ein und leitet die Gedanken allmählich auf die weltgeschichtlichen Ereignisse, die Wikingerzüge, die Normannenreiche, Gustav Adolf u. s. w. bis zur Neuzeit hin. Wir sehen einen Emporkömmling von Napoleons Gnaden, den auch in der Geschichte Gießens eine Rolle spielenden französischen Marschall Bernadotte im Jahre 1818 den Königsthron einnehmen, welcher eine neue, festgegründete Dynastie schuf und dessen Enkel als König Oökar IL jetzt das Land regiert. Doch er hat, wie wohl nicht allgemein bekannt sein dürfte, einen Nebenbuhler, der ihm zwar die Herrschaft nicht streitig macht, der aber immerhin geeignet ist, auch das Interesse der gelegentlichen Besucher Skandinaviens zu erregen. In der Nähe von Nomsdal, auf dem Wege nach Christiania, liegt in einem Thaleinschnitte Gudbraudsdal, wo sich eine sogenannte „Station" befindet. Es ist dieses ein Gehöft, entsprechend etwa unfern Fuhrhaltereien, in welchen den Reisenden Gelegenheit geboten ist, gegen Vergütung Wagen und Pferde zu mietheu. Der Besitzer dieser „StAion", der He-r der Carioleu, Stolkjärres und Trilles, stammt in directer Linie von dem sagenhaften Harald Harfagar d. h. „Harald Schönhaar" ab. Die Regicrungs- zeir dieses Königs wird von den Chronologisten in die Jahre 860 bis 933 verlegt,- wenn nun auch diese Angaben nur cum grano salis aufzufassen sind, so ist es doch That- sache, daß der alte Ivan Toste, es ist dieses der Eigen- thümer beregter Station und mithin der Königssprosse, in jener Gegend, speciell in seinem Districr volle Würdigung seiner Ansprüche auf den norwegischen Königstitel findet. Ec wird stets als Rathgeber und Vermittler bei Zwist und Streit angerufen und sind seine Angaben und Entscheidungen für die dortige Bevölkerung maßgebender, als die der Beamten, ja selbst als die Meinungen des Königs Oskar. Von welchem Stolze, ich möchte sagen, naiven Stolze, dieser Nachkomme Harald Harsagars beseelt ist, zeigt folgende hübsche Auecdote, deren Wahrheit übrigens verbürgt sein soll. Bei der Durchreise hielt sich König Oskar einst kurze Zeit auf der Station in Gudbraudsdal auf, da trat, währens er - 72 daS Nnfchirren »er Gespanne beobachtete, der alte Ivar auf ihn zu, klopfte ihm gönnerhaft auf die Schulter und meinte: „Ja, ja, mein Alter, wenn Jedem sein Recht widerführe, wäre ich jetzt an Deiner Stelle, und Du wer weiß wo/ Als Beweis seiner königlichen Abstammung besitzt Ivar Toste außer anderen Reliquien vergangener Zeiten und längst entschwundener Herrlichkeit, ein wunderbarschönes, goldenes Tafelgeräth, welches er mit gerechtem Stolze hütet und bewahrt. Weniger maßgebend für seine hohe Abkunft ist ein vorzüglicher Aquavit in seinem wohlgefüllten Keller. Die Vorliebe seiner Nachbarn für jenes Nationalgetränk der Norweger weiß „König Toste" zur Erhöhung seiner Volks thümlichkeit auszubeuten, und so können wir uns leicht vorstellen, daß sein Ansehen unter den Leuten nicht gerade dadurch vermindert wird, daß er hier und da sein Lebens- waffer zu kosten giebt. Seltsamlich muthet den Touristen dieser Alte an, er glaubt in ihm den knorrigen Zweig eines alten Stammes zu erblicken, dessen Wurzeln in längst verronnenen Jahrhunderten liegen, während seine Zweige in die Gegenwart hereinreichen und im Windeswehen flüstern von der Vergänglichkeit alles Gewordenen. Doch bald verfliegt die nachdenkliche Stimmung bei der gastlichen Aufnahme in Gnd- brandsdal, die Geister der Vergangenheit sind bald gebannt und zum Abschied läßt man sich gerne herbei, in den Toast auf den „echten König von Norwegen" einzustimmen: „Min ikol — din skol!“ Frau Ba. Gemeinnütziges. Wie viel Samen venöthige ich ftlt meinen Garten? Die Frage ist, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, für viele Gartenbesitzer ein unlösbares Räthsel, weil ihnen vielfach die Umsicht fehlt. Mancher bestellt Samen in Quantitäten, mit denen er fünf und mehr Jahre reichen würde. Der Samen läßt sich aber nicht Jahre lang aufbewahren, ja viele Sorten sind im zweiten Jahre schon nicht mehr keimfähig. Solche Samenreste liefern dann ein schlechtes Resultat und bringen Aerger und Zeitverluste. _ Nehmen wir aber eine bestimmte Gewichtsmenge, z. B. 1 Gramm Samen einer Sorte, zählen die Körner ob und rechnen, wie viel Pflanzen wir benöthigen, dann können wir annähernd unseren Bedarf feststellen. 1 Gramm Radiessamen hat 100 Körner, davon ab 20 als schlechtkeimende oder verunglückte, bleiben 80, demnach müssen 20 Gramm 20><80----- 1600 brauchbare Körner und ebensoviel Pflanzen liefern. Gurkenkerne gehen ungefähr 40 auf 1 Gramm, Speisekürbis 5, Blumenkohl 250, Wirsing 350,Zwiebel 270, Lauch 370 u. s. w., je nach Größe der Samen. Wer sich auf diese Weise feinen Bedarf ausrechnet, wird viel unnütze Ausgaben ersparen. Es ist dies gewiß keine Kleinigkeitskrämerei, wie es Mancher nennen wird, denn ich weiß dann genau, ob 10 oder 20 Gramm für meinen Bedarf reichen und der ersparte Ueberschuß kann zur Anschaffung von Neuheiten sehr gut verwendet werden. — Mancher steht nur deshalb von deren Ankauf ab, weil er ohnedies so viele (manchmal unnütze) Ausgaben für seinen Garten hat. * * * Gutes Mittel gegen Maul- nnd Klauenseuche. Wenn bei einer Kuh diese Seuche ausgebrochen ist, nehme man zwei Schoppen Essig, eine Hand voll Kochsalz, löse es qut auf und wasche das Maul und die Klauen jeden Tag ein bis zweimal aus. Binnen sechs Tageü wird die Kuh davon befreit sein. Man muß auch immer sorgen, daß die Streu trocken ist. Wenn die Seuche noch nicht ausgebrochen ist und der Landwirth hat Angst, weil sie bei einem Nachbar im Stalle ist, so möge er den Stall gut ausmisteu, auf den SUbactien: 8L «cheydo. — Druck und »erlag der Boden Salz streuen, dann trockene gute Streu darauf thun und sein Vieh wird befreit bleiben. Dieses Mittel hat, so chreibt man dem „Praetischen Wegweiser", Würzburg, mein Vater schon jahrelang an seuchekrankem Vieh angewendet und der Erfolg war immer schnell und gut. GL Sch. * $ * Die Salzsäure als Reinigungsmittel im Haus ftalt. Die Salzsäure ist ein gefährliches Gift, das nur in einem besonders gekennzeichneten und mit Aufschrift versehenen Fläschchen aufbewahrt werden soll. Als Reinigungsmittel, dem kaum ein Fleck oder Unsauberkeit widersteht, st sie jedoch, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, chreibt, unübertrefflich und deshalb auch nicht gut im Haushalt zu entbehren. Da sind Flaschen, denen nichts ihre ursprüngliche Klarheit wiederzugeben vermag. Steinkrüge mit nicht hinwegzufegendem Bodenansatz, Porzellangefäße mit Flecken, welche wie eingebrannt erscheinen u. s. w. Etwas Salzsäure mit ein wenig Wasser verdünnt und Sand bringt unverzüglich alle Flecken und Unsauberkeiten hinweg. Hat sich der unvermeidliche Kesselstein im Wasser- und Theekessel wieder störend angesetzt, so gibt man etwas Salzsäure mit Wasser verdünnt in die verschiedenen Kessel und läßt dies so lange kochen, bis der Kesselstein sich vollständig abgelöst hat. Ist die schöne, weiße Emaille in den beliebten email- lirten Töpfen grau oder schwarz geworden, so gießt man unverdünnte Salzsäure in den Topf, läßt diese heiß, aber nicht kochend werden und scheuert dann den Topf mit Sand aus, worauf die Emaille ihre ursprüngliche Weiße haben wird. Sehr wichtig und vor dem Gebrauch aller dieser gereinigten Gefäße unerläßlich ist es, nach der Reinigung mit Salzsäure stets tüchtig und dies mehrere Male wiederholt mit reinem Wasser nachzuspülen, ja, es dürfte zu empfehlen sein, den Wasser- und Theekessel und die zum Kochen dienenden Emailletöpfe vor ihrer Verwendung auch noch mit Sodawasser auszubrühen. M. Hninsvistisches. Verhinderungsgrund. Doetor: „Nun, hat Ihr Mann die Medicin genommen?" — Frau: „Nein, er kann sie nicht nehmen, weil der Herr Doctor gesagt hat, er soll sie nüchtern nehmen, und das ist er nie." * $ * Modernes Hirathsgesuch. Junger Herr sucht als Lebensgefährtin Dame mit radelloser Vergangenheit. Literarisches Der Ball. Zuverlässiger Führer und Berather für Ballbesucher und Ballgeber. Von I. von Wedell. Verlag von Levy & Müller in Stuttgart. — 170 Seiten Octav. Preis eleg. geb. Mk. 2.50. Für die Jugend giebt es bekanntlich kein größeres Vergnügen als den Tanz, und für viele Herren und Damen wäre dieser Genuß ein geradezu vollendeter, wenn sie mit den zahlreichen, von der Etikette vorgeschriebenen Formalitäten und Gebräuchen vollkommen vertraut wären und sie mit Sicher beit beherrschten. Gerade diesen wird vorliegendes, einzig in seiner Art dastehendes Büchlein sehr willkommen sein, denn es giebt zuverlässige und ausführliche Auskunft über alle den Ball betreffenden Fragen. Von dem Augenblick des Eintreffens der Einladungskarte bis zum letzten Bogenstrich, ja noch weiter hinaus, ist alles, was bei einem Tanzvergnügen zu thun und zu lassen ist, eingehend erörtert, so daß es kaum eine Situation geben dürfte, welche in dem überaus anziehend und unterhaltend geschriebenen Büchlein nicht berücksichtigt wäre. Von ebenso großem practischem Werthe ist das Werk auch für Ballgeber, denen eS eine Menge erprobter Rathschläge an die Hand giebt, rote man in oder außer dem Hause ein Tanzvergnügen zu allgemeiner Zufriedenheit der Geladenen arrangiren kann, welche Vorbereitungen nicht nur für den Tanzsaal, sondern auch für eine gediegene Be- wirthung der Gäste zu treffen sind. Eine wunderhübsche Erzählung, „Ballerinnerungen einer jungen Dame" schließt sich dem praetischen Theile an, und ein Bogen leeres Papier im Anhänge wird Vielen zum Einträgen ihrer eigenen Ballerinnerungen sehr willkommen sein. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. Brühl'schen UniversitätS-Buch-