Nr. «S afeäS&Qda i bjiiiiy nm|Mi »W Strnninüi Bti Ml fcÄB TIS Wohl Dir, wenn Du bedenkst, L Dem Glück und Glanz beschieden: Was Du der Armuth schenkst. Das schenkst Du Deinem Friede». Frieda Schanz. Das Fräulein. Roman von E. Vely. (Fortsetzung.) „Meine Kinder sind eigen/' sagte die Alte, die Gesichter und Hände streichelnd, „die gewöhnen sich man schwer an was Fremdes — na ja auch, heute is dies Gesicht da und morgen ein anderes. Es giebt ja doch keine Aehnlichkeit mehr in der Welt, und wenn die armen Würmer die alte Fischern nich hätten, dann wollte ich mal sehen, was aus ihnen würde." Das Treppengeländer war eine Nachbildung desjenigen aus dem Goethehause — Rokokobilder bedeckten die Wände des Corridors int ersten Stock, wo die Wohnräume des Hausherrn und der Hausfrau lagen. Line trat eben von der letzten Stufe herab, als aus dem Schatten des breiten Ganges ein sehr großer Herr kam, sie ansah, stutzte, ein „Ah!" hervorstieß und dann mit schnellem Gruß vorüberging. Es war das Frühstückszimmer, welches vor ihr geöffnet wurde. Auf großen und kleinen, goldglänzenden, geschweiften Consolen standen Porzellanvasen, Teller, Schalen — alle Wände bis zu dem Paneel bedeckend, das aus Spiegelborden und fantastischen Figuren bestand — so hatten die fürstlichen Frauen vergangener Zeiten ihr kostbares Porzellan ausgestellt, so hatte es Frau Ebba Lund in einem Rokoko schlosse gesehen und copirt. Eine Uhr im Porzellangehäuse hatte Marie Antoinette die Stunden angezeigt, der bizarre Kronleuchter war aus einem sürstbischöflichen Palais, in Weiß mit Gold gehaltene Möbel standen umher. — War Frau Ebba Lund guter Laune, so erzählte sie von dem Historischen, machte aus die Unterschiede der Schätze aufmerksam und zeigte ganz genaue Kenntnisse über Gründung, Blüthe und Niedergang der einzelnen Fabriken. „Nun, Fräulein — bereits eingewöhnt?" die Antwort nicht abwartend, hatte sie schon eine zweite Frage: „Die Kinder sind natürlich unartig, und die Fischern bestärkt sie darin — das kenne ich — nun," ein Lächeln, kühl und skeptisch, „wenn sie Zeit haben, sich an Sie zu gewöhnen, wird sich das schon geben! Uebrigens merken Sie sich, daß ich nicht die herkömmliche mütterliche Schwäche besitze, Wunderkinder in den meinigen zu sehen!" „Das halte ich für einen großen Vorzug, gnädige Frau!" Frau Ebba lachte nie laut, zuweilen aber mit einem gurrenden Ton, der an das leise Kosen der Tauben erinnerte. „Sie brauchen mir nichts Angenehmes zu sagen, ich gebe darauf nichts. Ich habe sehr wenig Talent und Neigung, mich mit Kindern zu beschäftigen, ich finde den rechten Ton nicht. Das kommt daher —" sie unterbrach sich, ordnete an den herabfallenden Spitzen ihres Morgenkleides und setzte hinzu: „Sie machen mir Kummer, die Kinder. Daß sie nicht lernen mögen, mag hingehen — ich will keine Gelehrte erziehen — je weniger eine Frau Ernsthaftes weiß, um so besser — die Männer haben uns als tändelnde Wesen ja doch am allerliebsten. Aber sie sind unschön — diese langen Züge, diese großen Nasen und Glieder — Erbtheile vom Vater und leider dazu Anlage, klein zu bleiben, wie ich, Sie sehen, eine schlechte Vertheilung. Bitte, treten Sie doch einmal hier neben mich!" Sie drehte sich dabei einem venezianischen Wandspiegel zu, der eine bizarre Form und eine Umrahmung von buntleuchtenden Glasblumen hatte. Die dunkle Gestalt tauchte gehorsam hinter der kleinen auf, das blasse Gesicht mit dem schwarzen Haar neben dem lebensfrischen mit den goldig flimmernden Fäden — secunden- lang prüften die blauen Augen dies Nebeneinander — dann ein zufriedenes Kopfnicken. „So!" Das seltsame Licht, welches aus Jacquelinens Augen brach, machte Ebba fast stutzig. „Nun, Fräulein von Arabin, was denken Sie eben?" „An das Wort Folie, gnädige Frau!" „Ah — Sie sind so klug, aufrichtig zu sein, das gefällt mir!" Ein paar Sekunden spielten die Finger mit einem Strauß aus frischen Maiblumen, welcher neben dem Theeglase gelegen hatte. „Nun, gut, Sie werden mich öfter in die Theater begleiten —" unwillkürlich blickte Line an ihrem schwarzen Kleide hinab. — „Nein, ich verlange gar nicht, daß Sie das ausziehen — im Gegentheil! — Und über Empfindsamkeiten wissen Sie, müssen sich Menschen, 26*2 die in irgend einer Abhängigkeit leben, Hinwegsetzen. Sie verstehen mich?" „Ja, gnädige Frau — meine Trauer ist auch genügend innerlich." ~ _r Ein großer Porzellanmops war der Fußspitze Ebbas erreichbar, sie strich über den Kopf desselben hin. „Wegen der Folie! — daß Sie das nicht kränkend zu nehmen haben, sagt Ihnen ja Ihr eigener Spiegel — ich glaube ohnedies keiner einzigen Frau die Behauptung, daß sie nicht eitel wäre. Also, ich hasse Farbendisharmonieen und solche der Gesichter — ich mag nichts Unschönes. Auf diese ernste Regelmäßigkeit Ihrer Züge hin habe ich Sie ja engagirt." Line Arabin fühlte sich interessirt. Dies in Reichthum und Lebensgenuß steckende Geschöpf ist von einer Eigenart, die nur aus dem Unbesriedigtsein hervorschießt — glückliche Menschen wachsen sich leicht in die Schablone hinein, dachte sie. „Und noch eins — ich habe der Dienerschaft strengen Befehl gegeben, Sie Fräulein von Arabin anzureden — halten Sie darauf?" „Ich gebe nichts auf das „von", mit dem ich in die Dienstbarkeit gezwungen bin, gnädige Frau!" Ebba warf den Kopf zurück. Sie hatte eine Empfindung, als könne dies schwarze Mädchen ihre Gedanken lesen — und gedacht hatte sie eben, daß es sie amüsiren würde, der geborenen Gräfin Borstrick die Abkömmlingin einer Emigrantenfamilie im Dienste des Hauses Lund zu zeigen. Ebba trug einen weißseidenen, buntgeblümten Schlafrock mit einer Watteaufalte, die wundervollen Haare hingen, nur von einem Bande zusammengehalten, ihr über die Schulter. „Ebba," sagte eine Stimme aus dem Nebenzimmer, während die Thür nur wenig geöffnet wurde, „Herr von Wiesenau fragt, ob Du heute reiten willst?" „Nein." Eine andere Stimme fuhr fort: „Ja, und Wiesenau bittet, der arme Wiesenau, daß er Ihnen dann wenigstens die Hand küssen darf." „Kann nicht gestattet werden!" Ein schmerzliches Ah, nach welchem sich die erste Stimme wieder vernehmen ließ: „Du hast doch aber Jemanden bei Dir, ich hörte sprechen?" „Das neue Fräulein!" „Ah!" Dann trat Herr Conrad Lund ein, die Thür rasch hinter sich zuziehend. Er küßte seiner Frau die Hand, fragte, wie sie geschlafen, und sah dabet nach Jacqueline mit einem fast beleidigenden Erstaunen hinüber — sie erkannte in ihm den Herrn, welcher ihr vorhin begegnet war. Ebba zeigte ihm eine winzige Taffe, die sie gestern erstanden. „Deine Acquisitionen sind immer bewunderungswürdig," sagte er, und seine Blicke suchten wieder die schlanke Mädchengestalt. „Ja, die Kinder," meinte er, „ich habe sie lange nicht gesehen — wie geht es Ihnen eigentlich?" „Sie sind natürlich unfreundlich gegen Fräulein von Arabin!" Sie betonte den Namen auffallend, er verzog den Mund ein wenig. „Das — darf doch nicht geduldet werden — die alte Fischer -" „Ist unentbehrlich, ganz unentbehrlich," fiel die Hausfrau ein, „sie sorgt für das leibliche Wohl, wie es keine Andere thun würde —" Er lachte. „Ich weiß." „Im Uebrigen," mit einer Bewegung nach dem Nebenzimmer, „kann ich Dir die Versicherung geben, daß Du nie schöner, als heute ausgesehen hast, unter Deinen Raritäten," sagte er galant. „Was soll ?" fragte sie über die Achsel hin. „Nun, beweisen, daß ich kein Egoist bin — darf der arme Bursche Dir nicht wenigstens sagen —" „Ich meine, ich war deutlich genug," antwortete die hübsche Frau. Line glaubte, sie sei nun überflüssig, und da sie kerne hinwelkenden Blumen sehen konnte, fragte sie, die Maienglöckchen ergreifend, ob sie nicht für dieselben sorgen dürfe. Ebba nickte. Als jene schon an der Thür war, fügte sie hinzu: , „So liebe ich es, ich glaube, Sie paffen gut hierher — zur rechten Zeit kommen und gehen, das ist die Hauptsache. Und so wenig Menschen verstehen das!" „Na, wo hast Du denn die aufgefunden?" fragte der Hausherr, die Tasse zwischen den langen Fingern hin und her schwenkend. Ebba befreite ihn gelassen von dem Spielzeug. „Ein Zufall hat sie mir in den Weg geführt." „Zufall? ohne Erkundigungen? Und warum ist sie in Trauer?" Ihr war das Gefragtwerden schon lästig. „Mein Gott, damit es vielleicht mehr Eindruck macht — und glaubst Du wirklich, daß diese alleinstehende Mädchen absolut einen Pact mit der Tugend abgeschlossen haben werden? oder daß sie bei den Referenzen Beichte abgelegt haben?" „Es ist doch nicht einerlei, wem man seine Kioder anvertraut," meinte er, die Lippen spitzend, als wolle er pfeifen. „Laß das meine Sorge sein — ja? Bisher hast Du noch nie über die Personalien eines Fräuleins so lange gesprochen, als heute." Ihre seidene Schleppe rauschte über den Teppich auf ihn zu. t . Mit einem lachenden Gesicht trat Conrad Lund ui den Nebenraum, sein Arbeitszimmer. Eine Zeitung in der Hand haltend, lehnte dort in einem Schaukelstuhl Herr Bodo von Wiesenau, der flotteste Reiter der Residenz. „Ein Abfall natürlich — aber komme mit!" tröstete Lund gutmüthig. Der Andere machte eine leichte Grimasse. „Wenn man sich auf einen Morgenritt mit der picantesten Frau Berlins gefreut und dann mit ihrem Manne bon gre mal gre fürlieb nehmen muß, das gehört gerade nicht zu den angenehmsten Dingen," sprach der schöne Bodo innerlich vor sich hin und drehte seinen kühnen Schnurrbart zur feinsten Spitze. Und heute war er in seinem neuen Reitanzug — von Jureit in Frankfurt gebaut, und von dem er absolut noch nicht wußte, wann er bezahlt werden würde — aber der ihn kolossal gut kleidete, was vorerst doch die Hauptsache war. Und den Mann mit der allzeit offenen Börse, welcher die opulentesten Diners hier in dem Bijou von einem Hause gab, und die lustigsten in den fashionablen Restaurants der Stadt, den konnte man nicht schlechter Laune machen. „All right, dearest fellow,“ gab er zuruck. „Ste sollen einmal sehen, wie meine Queen Nelly jetzt geht! — Capital — überstürzen Sie sich nicht — ich will einstweilen hier in die hohe Politik tauchen, zu der man ja verteufelt selten kommt!" Und er gab sich eine bequeme Lage und begann den Artikel vom Neuen. Als Conrad Lund in sein Ankleidezimmer trat, wo ihn der Diener erwartete, lächelte er noch. Sie hatte Recht, Ebba! Seine eigene Bequemlichkeit würde leiden, wenn seine Frau gestattete, daß man ihr eifrig den Hof machte. Darin unterschied sie sich von allen Weltdamen, sie behandelte die Männer mit einer geradezu eisigen Kälte. Sie trieb einen großen Cultus mit ihrer Schönheit, sie ließ das blanke Gold mit kindischer Lust wie Waffertropfen durch die kleinen Finger rinnen — aber, sie gab der Medisance nichts zu reden. ♦ * Frau Ebba Lund war sehr schlechter Laune,- ihr Geburtstag war nahe, und sie wußte wirklich nicht, was sie sich 263 wünschen sollte — es konnte ihr ja nur noch sehr wenig, nur noch das Extravaganteste Freude machen. Was hatte sie nicht Alles schon genossen, — Reisen durch ganz Europa! — Ihr Haus war überfüllt an Kunstschätzen, ihr Schmuck war der einer Prinzessin/ Man pries ihr Familienleben als besonders glücklich, gefällige Freundinnen fanden ihre Kinder engelschön — sie kannte keinen Menschen, der ihr widerspräche, wenn sie ein Urtheil fällte. Sie hatte keine Pflichten, die sie drückten, wie diejenigen Frauen, die in einem Herrscherhause lebten; sie konnte die Etikette abschütteln und ungebunden sein, wenn sie wollte. Und man würde immer noch behaupten, daß sie das gut kleidete. Bah, wie sie diese Heuchelei haßte — wenn sie einmal Jemanden fände, der ihr die Wahrheit sagte, der grob mit ihr wäre — oder der sie liebte — selbstlos, bis zur Vergessenheit — oder wenn sie so lieben könnte — sie —. Das Blut schoß ihr heiß zu Herzen, es klopfte ihr in den Schläfen, eine plötzliche Schwüle nahm ihr den Athem — lächerliche, phantastische Einfälle — .sie war Ebba Lund, die kühle Frau, welche über Allem stand. (Fortsetzung folgt.) Cuba,*) die größte der westindischen Inseln, von den Spaniern Anfangs Juana, dann Ferdinanda und wegen ihrer Schönheit und Fruchtbarkeit die Königin oder Perle der Antillen genannt, zwischen dem Mexikanischen Golf, der Floridastraße, dem Windwärtscanal und der Caribischen See und zwischen 19« 49'—23° 13' nördlich Br. und 74« 10'-84« 55' westlich L. v. Gr-, 1300 Kilometer lang und 40—160 Kilometer breit, mit einem Areal von 112,191 Quadratkilometer (2037,5 Quadratmeter), mit den zugehörigen Inseln (Isla de Pinos (3145 Quadratkilometer), Los Colorados, Romano, Laberinto de doce Leguas u. a.) aber von 118,833 Quadratkilometer (2158 Quadratmeter). Die Küsten, ohne die Buchten und Vorsprünge 3190 Kilometer lang, wovon 1684 auf die Süd- und 1506 auf die Nordküste entfallen, sind theilweise mit Corallen- riffen umsäumt oder auf weite Strecken hin sumpfig, doch hat Cuba 40 gute Häfen, unter denen die von Havana, Matanzas und Santiago die schönsten und geräumigsten sind. Die wichtigsten Caps sind Punta de Maifi im Südost, Cabo de Cruz im Südwest und Cap San Antonio im Nordwest. Ueber die flache, breitscheitelige Landhöhe, welche die Wasserscheide zwischen den nach Norden und nach Süden fließenden Gewässern bildet, steigen vereinzelte, bis über 500 Meter hohe Gebirge empor, die fast sämmtlich von Westen nach Osten streichen. Im äußersten Westen erreicht die Sierra de los Organos im Pan de Gaijabon 600 Meter, weiter östlich steigen die Mornes de l'Escambray im Portrarillo bis zu 1200 Meter an. Im äußersten Südosten erstreckt sich die Sierra Maestra 370 Kilometer weit vom Cabo de Cruz bis zur Maisispitze (Pico de Tarquino 2560 Meter). Im Süden schroff vom Meer ansteigend, fallen diese Alpen Cubas im Norden sanfter nach der fruchtbaren Ebene des Cauto ab. Die geognostischen Verhältnisse von Cuba lassen die Insel als eine Fortsetzung der vom südlichen Mexiko und aus dem Golf von Honduras über die Caymaninseln herüberstreichenden, zum Theil unter dem Meer versunkenen Gebirgskette erscheinen. Der Südabfall der Sierra Maestra besteht aus kristallinischen Schiefern, eigenthümlichen Breccien und Massengesteinen (Granit, Dioriten)- an sie lehnen sich am Nordabhang des Gebirges, bis in die Nähe von Holguin sich er*) Den vorstehenden, gegenüber den kriegerischen Verwickelungen zwischen den Vereinigten Staaten und Spanien zeitgemäßen und interessanten Artikel entnehmen wir mit Erlaubniß der Verlagshandlung der neuen Auflage von Meyers Conversations-Lexikon. In dem Werke besitzt das deutsche Volk einen Schatz, den zu hüten und für die allgemeine Bildung fruchtbar zu machen Jedermann sich zur Pflicht und Ehre rechnen muß. streckend, flachgelagerte, Braunkohlen führende Tertiärablagerungen,- dann folgt ein Syenit- und Serpentinzug, der von lichten, theils dem weißen Jura, theils wegen der Führung von Hippuriten der Kreide zugerechneten Kalksteinen begleitet wird und sich durch die ganze Insel bis Havana erstreckt, allenthalben reich an Kupfererzen, Chromeisen und Gold. Die Nordküste ist von tertiären Kalksteinen umsäumt, aus welchen sich in langen Rücken glaukonitische Kiesekalke, Mergel und Sandsteine, oft reich an Asphalteinlagerungen, hervorheben. Gneis, Talkschiefer und älterer dunkler Kalkstein finden sich auch westlich von Trinidad,- schwarze Thonschiefer und Quarzite von vermuthlich Paläozoischem Alter bilden den westlich von Mantua gelegenen nördlichen Theil der Insel. An Mineralquellen fehlt es nicht, doch werden sie wenig benutzt- auch entbehren sie noch aller comfortabeln Badeeinrichtungen. Von den 150 Flüssen der Insel ist nur ein einziger, der in der Sierra Maestra entspringende Cauto, auf eine größere Strecke (150 Kilometer) schiffbar. Er mündet in den Gran Bajo de Esperanza. Das Klima ist ungesund. Die Monate von Mai bis October (hauptsächlich October) sind regenreich, weniger die übrigen. Regenmenge zu Havana 118 Zentimeter, Jahrestemperatur 25,g«, kältester Monat Januar, 22,2,«, wärmster August, 28,0°, mittlere Jahresextreme 37,8® und 12,9« C. An der Nordostseite ist der Nordostpassat Regenwind. Cuba liegt in der Gegend, wo die westindischen Cyklone, von Osten kommend, nach Nordosten einbiegen. Während vom Juni bis October Havana als eine der gesundesten Städte der Welt angesehen wird, besitzt es im Winter das lieblichste, mildeste Klima. Die Pflanzenwelt Cubas zeigt in den bis zu den Gipfeln der Berge reichenden tropischen Waldungen den dem westindischen Archipel eignen pflanzenphysiognomischen Character mit der Eigentümlichkeit, daß die Fichten hier bis in die heiße Region herabsteigen. In ihren Formen schließt sich die Vegetation derjenigen des Festlandes des tropischen Amerika an. Von den durch den Golfstrom verbreiteten Pflanzen besitzt unter den Antillen Cuba die meisten Arten. Die herrschenden Baumformen mit der Belaubung des Lorbeers oder der Oliven treten in einer besonders mannigfaltigen Mischung der Familien auf. Neben den gewöhnlichen Gruppen der Lauraceen finden sich Vertreter von Sapotaceen, Rubiaceen, Urtikaceen, Guttiferen, Mhrtaceen, Melastomaceen, Tiliaceen, Anonaceen u. A. Palmen sind weniger mannigfaltig. Neben der Fächerpalme Sabal mnbraculifera ist die durch ihre Stammhöhe ausgezeichnete Kohlpalme (Oreodoxa oleracea) zu neunen. In einer Meereshöhe von 1200—2300 Meter beginnen die Farnbäume, an den tiefem Standorten begleitet vom amerikanischen Pisang (Heliconia) und von Bambussen. In den weniger feuchten Gegenden herrschen Leguminosen, Sapindaceen und Terebinthaceen vor. Zu den ansehnlichsten Bäumen gehört der Baumwollbaum (Eriodendron anfrac- tuosum), der ebenso wie die aromatische Mhrtacee Pimenta vulgaris, deren Früchte als Nelkenpfeffer in den Handel kommen, den trocknen Boden bevorzugt und der Mahagonibaum (Swietenia). Groß ist die Menge der Sträucher von der Myrten- und Oleanderform, ebenso sind die Euphor- biaceen reich vertreten (Groton Phyllanthus), im höchsten Theile des Gebirges Erioa-Arten. Lianen und Epiphyten sind gleich mannigfaltig in den feuchten Wäldern wie an trocknen Standorten. Dort herrscht mehr die holzige Liane, hier die weichere Convolvulus-gorm. Unter den Epiphyten ragen hervor Bromeliaceen, Kakteen und Eious-Arten- Epiphytische Orchideen kommen überall vor- Kakteen nur auf den dürren Landstrichen. Bedeutende Veränderung hat die Vegetation durch den Anbau erfahren. Im Westen von Cuba dienen zwei Drittel des Landes der Erzeugung von Culturgewächsen: Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee und Tabak. Der ebenfalls cultivirte Melonenbaum Carica Papaya scheint einheimisch zu sein, vielleicht auch einige in die europäische Cultur übergegangene Kakurbitaceen, wie die Kürbisarten Cucurbita maxima, Pepo und moschata. Für den Welt- - 264 handel sind die Arrowroot liefernden Knollen von Maranta arundinacea wichtig geworden. Die Savannen, welche der Viehzucht ergiebiges Weideland bieten, sind durch Einführung deS Guinea- und ParLgrases (Panicum maximnm und P. molle) verbessert worden. Die Thierwelt Cubas, welche zur westindischen Subregion der neotropischen Region gehört, ist sehr arm an einheimischen größer» Säugethieren. Affen und Hirsche sind eingeführt, ebenso ist der auf Cuba verwilderte Hund ein Nachkomme des eingesührten Hundes. Wirklich einheimische Säugethiere sind eine Reihe zum Theil characreristischer Fledermäuse, ferner eine Art Aguti (Dasy- procta cristata) und andere stattliche baumbewohnende Nager; die merkwürdigste Erscheinung aber bieten zwei zur Gattung Schlitzrüßler (Solenodon) gehörige Insectenfresser, da die Jnsectensresser in Südamerika völlig fehlen und ihre nächsten Verwandten sich in Madagaskar finden. Die Küsten Cubas werden von einer Robbe besucht, die der Mönchsrobbe des Mittelmeeres nahe verwandt ist. Die Vogelwelt setzt sich zusammen theils aus für Cuba charakteristischen Arten, theils aus Arten, die der neotropischen Region eigen sind, theils aus nordamerikanischen Vögeln, die aber auf Cuba zum größten Theil nur Zugvögel sind. Von den Reptilien sind bestimmte Geckonen, Nattern und Riesenschlangen für Cuba und die übrigen Antillen characteristisch, zahlreich sind Schildkröten und von den Amphibien eine Laubfroschgattung. Die Süßwasserfische schließen sich denen Südamerikas an, die sehr zahlreichen Landmollusken dagegen zeigen merkwürdigerweise nähere Beziehungen zu Asien und Afrika. Die Jnsectenwelt zeichnet sich ,durch Retchthum und Pracht, zum Theil auch durch characteristische Formen aus. Die Bevölkerung betrug 1887: 1,631,687 Köpfe (88.‘,600 männlich, 749,087 weiblich), darunter 528,798 Farbige und 44,000 Chinesen. Die indianischen Urbewohner sind längst dem harten Druck erlegen, den die Spanier auf sie ausübten, und die heutige Bevölkerung setzt sich wesentlich aus den seit 1511 eingewanderten Weißen und den seit 1524 als Sclaven eingeführten Negern zusammen. Vollblutneger heißen Morenos, Mulatten Pardos. Nachdem 1872 alle von Sklavinnen gebornen Kinder für frei erklärt worden waren, schaffte man 8. Mai 1880 die Sclaverei gänzlich ab, und zwar ohne den seitherigen Eigenthümern eine Entschädigung zu gewähren. Doch sollten die Neger noch 8 Jahre in einem gewissen Ahbängigkeitsverhältniß zu ihrem frühern Herrn stehen- 1892 wurde auch dies für die letzten 25,000 Neger ausgehoben. Da die freigelassenen Neger wenig Lust zur Arbeit zeigen, hat man chinesische Kulis eingeführt. Unter der weißen Bevölkerung besteht ein wesentlicher Gegensatz. Den auf der Insel gebornen Kreolen ist die spanische Herrschaft tief verhaßt, da sie sich zurückgesetzt und alle Staatsämter und einträglichen Posten in den Händen der Spanier sehen, welche ganz im Geiste der Centralregierung das Land zu eignem Vortheil ausbeuten. Daher die häufigen Erhebungen gegen die Regierung ins Werk gesetzt von einer wachsenden republikanischen Partei, welche Anschluß an die nordamerckanische Union anstrebt. Die römisch-katholische Kirche, bis 1869 die einzig zu Recht bestehende, steht unter dem Erzbischof von Santiago de Cuba und dem Bischof von Havana. In neuester Zeit hat man aber sämmtliche Kirchengüter confiscirt, die Geistlichen zu Staatsbeamten gemacht und andern Confessionen die Bildung von Kirchengemeinden gestattet. Das Unterrichtswesen liegt sehr darnieder. Allerdings hat Havana seine Universität und verschiedene höhere Schulen, aber an Elementarschulen ist Mangel, und selbst unter den Weißen ist die Zahl der Analphabeten sehr groß. Ackerbau ist die Hauptbeschäftigung, doch sind nur 7s/3 Procent der Oberfläche unter Cultur, 27 Procent sind natürliche und künstliche Wiesen, der Rest Wald. Am wichtigsten ist der Anbau von Zuckerrohr, Namentlich in der Vuelta Arriba, dem obern District, an der Nordseite der Insel, in der Region der berühmten rothen Erde, während der District der Vuelta Abajo an der Südseite namentlich Tabak erzeugt. Nächstdem ist Kaffee im östlichen Departement am wichtigsten, auch wird Baumwolle, Cacao und Indigo, Reis an einigen Stellen, Mais aber in ausgedehntem Maß gebaut. Die großen Pflanzungen werden meist in kleinen Parzellen an Pächter vergeben, welche die ganze Rohrernte an eine Centralfabrik abliefern. Einige solcher Fabriken können über 400,000 Centner Zucker im Jahre erzeugen. Auf diese Weise hat sich die nach der Sclavenemancipation und durch die Ausstände heruntergegangene Zuckerprodnction von 623,538 Tonnen in 1888 bis auf 725,000 Tonnen in 1891 gehoben. (Fortsetzung folgt.) Humoristisches. Verunglückte Probe. Onkel: „Neulich hatte ich meinem Neffen einen Hundertmarkschein in ein Studienhest gelegt- hat er den gefunden?" Hauswirthin: „Natürlich! Wie er Nachts heimkam, da hat er den ganzen Studirlisch umgeschmissen, und da ist der Hundertmarkschein heraus gefallen." * * Sicherer Beweis. Ches: „Na, haben Sie das Geld von Müller bekommen?" — Commis: „Leider nein. In der Straße wohnten eine Menge Müllers und keiner wollte uns etwas schuldig sein. Einer warf mich sogar die Treppe hinunter". — Chef: „DaL war der richtige. Gehen Sie sofort wieder zu ihm!" * * Im Gerichtssaal. „Angeklagter, Sie haben den Mann mit Ihrem Bierglas geschlagen!" — „Geschlagen? Keene Idee! Bloß eenen Salamander hab' ich auf ihm jerieben!" * ♦ Ein zweideutiges Versprechen. „Tausend Dank, Herr Nachbar, daß Sie mir mit dieser kleinen Summe aus meiner großen Verlegenheit geholfen haben- nie werde ich Ihnen diese Wohlthat vergessen- ich werde ewig Ihr Schuldner bleiben!" — „Oh, das wollen wir nicht hoffen!" * ch Aus -en Lustigen Blättern. Ein Phlegmatikus. Gattin: „Sieh doch mal, in der zweiten Etage des gegenüberliegenden Hauses brennt es und die Leute scheinen keine Ahnung davon zu haben. Ich werde schnell mal hinüberlaufen!" — „Gatte: Ach, was willst Du da erst hinübergeh'n, laß nur — ich kann ja den Leuten eine Postkarte schreiben!" Literarisches DaS Thierrrich. Bearbeitet vonvr. L. Heck, PaulMatschie, Professor Dr. v. Martens Bruno Dürigen, Dr. Ludwig Staby und E. Krieghoff. Erscheint in 120 Lieferungen zum Preise von je 10 Pfg. und umfaßt ca. 140 Druckbogen mit 1455 Abbildungen und 12 Tafeln in feinstem Farbendruck. Auch zu beziehen in 4 gehefteten tzalbbänden zum Preise von je 3 Mk. oder in 2 hochfeinen Leinenbänden zum Preise von 15 Mk. Verlag von I. Neumann in Neudamm. Von der in Stuttgart im Verlag von Carl Grüninger erscheinenden ,Musikalischen Jugendpost" liegt uns das erste Quartal vor; dasselbe enthielt wieder eine Reihe dem jugendlichen Fassungsvermögen angepaßter belehrender und unterh ltender Artikel, Erzählungen, Humoresken und Märchen, sowie Gedichte mit hübschen Illustrationen, kurzweilige Anecdoten, Räthsel rc. Ferner 24 Seiten Musikbeilagen, bestehend aus melodiösen Clavierstücken, Liedern mit Clavierbegleitung und Duos für Clavier und Violine. stedaction: I. Hermann *11«. »ruck und Verlag der Brühl'schen Universitätr-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen