so Bl MS K“ M chnurrt Dir stets des Glückes munt're Spule, O, wie wenig lernst Du all' die Zeit! Doch nimmt Dich das Unglück in die Schule — Siehe, — über Rächt bist Du gescheit! Der Amtmann von Rapshagen. Criminal-Roman von F. Arnefeld. (Fortsetzung.) Als er, sobald der Diener das Zimmer verlassen hatte, sich wieder an die Tochter wandte, klang es aber sehr bestimmt: „Gehe auch Du auf Dein Zimmer, Meta." „Vater, es handelt sich um mein Lebensglück!" Die Augen des jungen Mädchens füllten sich mit Thränen. Sie lagen unter zarten, blaugeränderten und von goldig schimmernden Wimpern eingefaßten Lidern, waren nicht sehr groß, aber von einem sehr seltenen Grünblau, das auf einem wie Perlmutter schimmernden Grunde schwamm, und sie hatten in diesem Augenblick einen so rührenden Ausdruck, daß es dem Amtsrath recht schwer ward, seine abweisende Haltung zu bewahren. Nicht unfreundlich, aber fest sagte er: „Glaube mir, mein Kind, es fällt mir nicht leicht, anscheinend hart gegen Dich zu sein, aber Du mußt schon das Vertrauen zu Deinem Vater haben, daß sein fünfzigjähriger Kopf besser zu erwägen vermag, was zu Deinem Glücke dient als Dein zwanzigjähriger." Ohne ihr Zeit zu einer Entgegnung zu geben, verließ er schnell das Zimmer und schloß dessen Thür mit fester Hand. Auf dem Wege vom Speisezimmer bis nach seinem Wohn- und Arbeitszimmer, welcher durch gewölbte, mehrfach gewundene Gänge führte, ging mit dem Amtsrath eine große Veränderung vor. Es schien, als wandele sich plötzlich der zärtliche, be sorgte Vater in den Herrn, der seit vielen Jahren gewohnt war, einer Schaar von Leuten zu gebieten und unweigerlichen Gehorsam zu finden,- in den Mann, der fest und selbstbewußt in den eigenen Schuhen stand und des wohlverdienten Ansehens, das er ringsum im ganzen Kreise und darüber hinaus genoß, mit Stolz, aber ohne Hochmuth, eingedenk war. Straff richtete sich die hohe, kraftvolle Gestalt auf. Die breite, feste Stirn mit dem kurz gehaltenen, leicht ergrauten Haar, die von starken Brauen überwölbten scharfen Augen und die stark gebogene Nase, wie das feste Kinn, zeugten von Dhatkraft, und auch der Mund, um den ein Zug lagerte, der auf Nachgiebigkeit schließen lassen konnte, drückte jetzt unbeugsame Festigkeit aus. Noch eine Minute zögerte er, als müsse er nochmals mit sich zu Rathe gehen, dann legte er die große, kräftige Hand auf den Drücker der schweren, tiefdunklen Eichenthür und trat ein. Das Arbeitszimmer des Amtsraths Wenzel war ein großer, viereckiger Raum mit gewölbter Decke und einer bis zur halben Wandhöhe reichenden glänzend gebahnten Täfelung aus Eichenholz, die ebenso tief nachgedunkelt war wie die massiv eichenen Thüren und Umrahmungen der Fenster, von denen zwei nach dem Park und zwei nach dem Schloßhof gingen. Der übrige Theil war hellgrau getüncht und hatte nur einen einzigen Bilderschmuck, das Brustbild der verstorbenen Gattin des Amtsraths im weißen Kleide, mit einer Rose im Haar, das im vergoldeten Rahmen über dem mit schwarzem Leder überzogenen, gradlehnigen, allem Anschein nach recht harten, unbequemen Sopha hing. Einige sehr schöne Geweihe, vom Amtsrath eigenhändig erbeutet, zeugten von dessen Jagdliebhaberei, auf die auch ein wohlgefüllter Gewehrschrank deutete, welcher in der einen Ecke, gegenüber dem alterthümlichen Ofen aus weißen blaubemalten Kacheln stand. Außerdem waren die Wände bedeckt von Speeialkarten der Provinz und der Kreise, Repositorien und Wandbrettern, angefüllt mit mächtigen Folianten, Aetenheften, Büchern und Zeitschriften, meist land- und forstwissenschaftlichen Inhalts, Getreide- und Wollproben und dergleichen. Aehnliche Dinge lagen und standen auf dem vor dem Sopha befindlichen viereckigen Tisch. In der tiefen Nische eines der nach dem Schloßhof gehenden Fenster stand der sehr breite Schreibtisch mit Rohrgeflecht, davor breitete sich ein großes, glänzendes Fell auf dem braungebeizten Fußboden aus, sonst war im Zimmer kern Teppich vorhanden. In diesem schmucklosen Raum, der außerdem nur noch einige Rohrstühle und einen eisernen Geldschrank enthielt, erledigte der Amtsrath alle auf die Verwaltung der Domäne bezüglichen Angelegenheiten und empfing diejenigen Personen, welche lediglich in Geschäften zu ihm kamen, sowie solche, deren Besuch er von Anfang an einen rein geschäftlichen Character zu geben wünschte. 130 Doctor Holten war bisher noch niemals in diesem Zimmer ausgenommen worden, und wäre er besser mit den Gewohnheiten des Hausherrn vertraut gewesen, so hätte schon der Umstand, daß er hierher gewiesen worden war, recht niederschlagend auf seine Hoffnungen wirken müssen. Bei seinem Eintritt fand der Amtsrath den jungen Mann an einem der nach dem Park gehenden Fenster stehen, anscheinend verloren in den reizvollen Anblick, welchen die mit reichem, mannigfaltigen Farbenschmuck des Herbstes prangenden Bäume boten. Sobald Holten das Oeffnen der Thür vernahm, drehte er sich um und kam dem Amtsrath einige Schritte entgegen. Beide Männer begrüßten sich in sehr artiger, verbindlicher Weise, dennoch hatten ihre Blicke einen Ausdruck, wie ihn zwei Gegner haben mögen, welche sich mustern, bevor sie einen Waffengang beginnen, bestrebt, die schwache Seite des Anderen zu erspähen. „Sie haben in so liebenswürdiger Weise an mich geschrieben und sich so überaus freigebig gegen mich erwiesen, Herr Amtsrath," begann Doctor Stephan Holten mit einer artigen Verbeugung, aber Wenzel ließ ihn nicht weiter reden, sondern fiel ihm mit einer ablehnenden Handbewegung ins Wort: „O, ich bitte Sie, Herr Doctor, lassen wir das, es ist wirklich gar nicht der Rede werth." „Doch, doch," erwiderte Stephan Holten sehr lebhaft und ließ sich in den in der Nähe des Fensters stehenden Stuhl nieder, den Wenzel ihm geboten hatte, während er selbst ihm gegenüber Platz nahm. „Ich bin herausgefahren, um Ihnen meine Antwort .und meinen Dank persönlich zu bringen." „Das ist wirklich zu viel, Herr Doctor," entgegnete freundlich, aber trotzdem unverkennbar abweisend, der Amtsrath. „Ihre Zeit ist kostbar, Sie hätten sie mir nicht opfern sollen,- ein paar Zeilen würden genügt haben." Doctor Haltens Stirn röthete sich wie in aufsteigendem Unmuth, er kämpfte ihn aber schnell nieder. „Soll das so viel heißen, daß Ihnen meine ferneren Besuche unerwünscht sind, Herr Amtsrath?" fragte er traurig, aber ohne eine Spur von Gereiztheit im Ton und schante Wenzel geradeaus mit den treuherzigen, klaren Augen an, welche in Farbe und Schnitt sehr viel Aehnlichkeit mit denen seiner Schwester Anna hatten. Er glich überhaupt Anna sehr, nur waren seine Züge scharf und ausgeprägt, die ihrigen dagegen weich und un- besttmmt,- Mund und Kinn drückten, umgeben von einem braunen Bart, bet ihm Bestimmtheit und Willenskraft aus, während auf dem Gesichte seiner Schwester Schüchternheit und eine bis zur Schwäche gehende Hingebung und Opferfreudigkeit sehr deutlich zu lesen stand. Auch war Stephan Holten groß, kräftig, breitschulterig, Anna dagegen zierlich und nicht über Mittelgröße. Durch Doctor Haltens unumwundene Frage, welche Amtsrach Wenzel nicht erwartet haben mochte, wurde er offenbar in Verlegenheit gesetzt, wußte sich jedoch schnell zu fassen. Obwohl Landwirth, war er ein Mann von durchaus guten Umgangsformen und liebte es, auch unangenehme Dinge in möglichst gefälliger Weise abzuthun. Nach ganz kurzem Zögern erwiderte er, eine directe Antwort vermeidend : „Meine Tochter ist dank Ihnen völlig wieder her- gestellt —" „Und bedarf keines Arztes mehr," fiel Doctor Stephan Holten ihm in die Rede. „Das weiß ich, Herr Amtsrath. So klein mein Verdienst daran ist —" „Ich weiß sehr wohl zu würdigen, was Sie für uns gethan haben, und werde Ihnen stets meine aufrichtige Dankbarkeit bewahren." Um Haltens Mund zuckte es bitter. „Sie haben sie mir bereits so überreich zu erkennen gegeben." „O, Herr Doctor, mit Geld läßt eine solche Schuld sich nicht abtragen," sagte der Amtsrath nun doch wärmer als es in seiner Absicht gelegen hatte, und Holten rief ausstehend: „Meinen Sie das im Ernst, Herr Amtsrath? Meinen Sie wirklich, Sie hätten gegen mich eine Dankesschuld, welche Geld nicht zu tilgen vermag? Wenn ich nun gekommen wäre, eine solche einzufordern?" „Herr Doctor Holten!" Der Amtsrath, der sich ebenfalls schnell erhob, rief diese Worte mit großem Befremden. Schon aber hatten sich Ton und Haltnng des jungen Arztes vollständig verändert. Beinahe demüthig fuhr er fort: „Nicht so! Nein, Herr Amtsrath, Sie schulden mir keinen Dank. Was ich gethan habe, war meine Pflicht als Arzt, der seinen Lohn einzig und allein im Gelingen seiner Bemühungen finden soll. That ich vielleicht etwas darüber, so ist es geschehen, weil ich in Ihrer Tochter bald mehr sah als eine geduldige und interessante Patientin, weil sie mir theuer ward mit jedem Besuche, den ich an ihrem Krankenbette machte, weil ich mir die Geliebte, die Braut, die Gattm retten wollte!" „Herr Doctor!" Der Amtsrath wollte den jungen Mann unterbrechen, der jetzt hoch aufgerichtet, mit leuchtenden Augen und kräftig arbeitender Brust vor ihm stand, er bat jedoch: „Lassen Sie mich ausreden, Herr Amtsrath! Meta — Ihre Tochter ist genesen! Sie ist dem Leben wiedergegeben und hat den Wunsch, dieses Leben mir zu schenken. Unsere Herzen haben sich gefunden. Wir —" „Nicht weiter, Herr Doctor!" gebot ihm jetzt der Amtsrath in strengem Ton und fügte mit gefurchter Stirn hinzu: „Halten Sie cs für angemeffen, daß ein Arzt den unumschränkten Verkehr mit seiner Patientin, deren Schwäche, deren gesteigerte Eindrucksfähigkeit benutzt, um in einer solchen Weise auf sie einzuwirken?" Des jungen Doctors Stirn verfinsterte sich; unmuthig und beschämt schaute er zu Boden, hob aber seine Augen bald wieder und antwortete freimüthig: „Ihr Vorwurf ist nicht unberechtigt, Herr Amtsrath, und trotzdem darf ich mich davon freisprechen. Ich habe nicht künstlich auf Meta eingewirkt, habe nicht die Schwäche der Genesenden zu meinen Gunsten benutzt. Unsere Seelen haben sich gefunden, ohne jeden Zwang hat sie mich erwählt, wie ich sie." Amtsrath Wenzel lächelte fein und spöttisch. „Ich zweifle nicht daran, daß Sie dieses Glaubens sind und daß auch Meta es sich einbildet!" „Einbildet!" wiederholte im Tone aufrichtigen Schmerzes der Doctor. „Sie halten Metas Liebe zu mir für Einbildung ?" „Verzeihen Sie mir, Herr Doctor, nichts liegt mir | ferner, als Sie verletzen oder Ihnen wehe thun zu wollen," i erwiderte jetzt wieder freundlicher der Amtsrath. „Aber ich kann es Ihnen nicht verhehlen, ich halte diese sogenannte Liebe meiner Tochter allerdings für Einbildung oder sagen wir meinetwegen auch Schwärmerei. Sie verwechselt Dankbarkeit mit Liebe."-- „Woraus schließen Sie das?" „Und woraus schließen Sie das Gegentheil?" fragte der Amtsrath. Nach kurzem Nachdenken setzte er hinzu: „Ich will Ihnen die Gründe für meine Auffassung sagen, obgleich dies eigentlich überflüssig ist. Meta hat von Kindheit an eine Zuneigung zu einem Nachbarssohn gehabt- ich habe den jungen Mann immer als künftigen Schwiegersohn betrachtet und kann nicht glauben, daß sie ihren Sinn so schnell hätte ändern können." „Doch, doch! Was ist Kinderfreundschaft gegen die ‘ Liebe reifer Menschen! Der Mond muß erbleichen, wenn die Sonne aufgeht!" rief Doctor Holten enthusiastisch. 131 Ohne sich durch das ironische Lächeln des älteren Herrn irre machen zu lassen, ergriff er dessen Hand und fuhr fort: „Herr Amtsrath, ich bin mich voll und ganz der Tragweite des Schrittes bewußt, den ich heute bei Ihnen gethan habe. Ich bin ein ganz armer, noch wenig beschäftigter Arzt, es war nur ein glücklicher Zufall, dem ich es verdanke, an das Krankenbett Ihrer Tochter gerufen worden zu sein. Mir haften sogar von meinen Studienjahren noch einige Schulden an und ich erlaube mir, um das einzige Kind eines reichen, angesehenen Mannes zu werden. Glauben Sie mir, der Entschluß ist mir nicht leicht geworden. Man nimmt nicht gern den Anschein der Habgier, der Mitgiftjägerei auf sich. Gern hätte ich gewartet bis ich Ihrer Tochter eine bessere, gesicherte Zukunft bieten kann, auf die ich bestimmt rechnen zu können glaube. Aber sollten, konnten wir bis dahin unsere Liebe geheim vor Ihnen halten? Konnten und wollten wir auch es vermeiden, uns zu schreiben und uns zu sehen, wo wir hier so nahe bei einander leben?" Er holte tief Athem und schwieg einen Augenblick, ohne daß Wenzel Miene machte, etwas dazu zu sagen. Leiser fuhr er fort: „Es gab für uns nur zwei Möglichkeiten: Entweder mußte ich Greifswald verlassen und an einem anderen Orte mein Heil versuchen, das gleichbedeutend war mit dem Verzicht auf die Früchte jahrelanger Mühe und Arbeit, oder ich mußte ehrlich und offen vor Sie hintreten und unser Schicksal in Ihre Hände legen. Wir haben den letzteren Ausweg gewählt. Seien Sie uns nun ein milder Richter." Nicht ohne Rührung hatte der Amtsrath dieser Auseinandersetzung zugehört. Er antwortete auch nicht sogleich, sondern blickte einige Minuten nachdenklich, wie mit einem Entschlüsse ringend vor sich hin, dann aber schaute er Holten fest ins Gesicht. „Es aie6t noch eine dritte Möglichkeit", sagte er ruhig und völlig beherrscht: „Meta wird sich auf einige Zeit entfernen." „Herr Amtsrath!" „Ich kann meine Einwilligung nicht geben," sprach Wenzel weiter, ohne den flehenden Ausruf zu beachten. „Aus mehr als einem Grunde sehe ich mich dazu außer Stande. Metas Gesundheit bedarf der Kräftigung- sie mag für den Winter mit einer geeigneten Begleitung, für die ich sorgen werde, nach dem Süden gehen." „Als Arzt halte ich diese Maßregel zwar nicht für erforderlich, wenn Sie aber so bestimmen —" „Ja, das thue ich." „Aber sie kann nicht immer fortbleiben. Wenn sie zurückkehrt?" „Darin werden wir weiter sehen," erwiderte der Amtsrath achselzuckend. „Und rauben Sie mir alle Hoffnung?" „Die Hoffnung kann man keinen Menschen rauben so lange er lebt," erwiderte Wenzel ausweichend, dann aber fügte er sehr entschieden hinzu: „Noch eins, Herr Doctor, ich fordere Ihr Ehrenwort, daß Sie, so lange Meta fern von der Heimath weilt, nicht an sie schreiben, ihr auf keine Weise Nachricht von sich zukommen lassen und auch keinen Versuch machen wollen, solche von ihr zu erhalten." Doctor Holten stieß einen tiefen Seufzer aus und sagte dem Amtsrath wehmüthig ins Auge schauend: „Ist das nicht doch recht hart, Herr Amtsrath?" „Ich denke es ist nur folgerichtig," war die frostige Entgegnung. Der Ton, in welchem sie ertheilt ward, sowie die sie begleitende Bewegung zeigten Holten zu deutlich, daß der Amtsrath die Unterredung als beendet anzusehen wünschte als daß er den Versuch hätte machen dürfen, sie noch weiter fortzusetzen. Er empfahl sich und Wenzel trieb die Höflichkeit so weit, ihn bis nach dem Schloßhof, wo sein Wagen wartete, zu begleiten. VI. „Escortirt!" murmelte der junge Arzt, während der Kutscher den kleinen offenen Wagen in die breite Linden- Allee lenkte, welche vom Waldhof nach der Chaussee führte. Kein Gruß, kein Wort mit Meta soll ihm vergönnt sein. Trotzalledem war er ihrer gewiß. „Und legt ihr zwischen mich und sie auch Land und Meer und Hügel, gestrenge Herrn, ihr trennt uns nie, die Lieb', die Lieb' hat Flügel!" sang er zuerst ganz leise, dann aber in seinem Enthusiasmus lauter, so daß der biedere Pommer auf dem Kutschersitz sich umwandte, ganz erstaunt, was denn wohl in seinen Herrn Doctor gefahren sein möge. Jetzt ließ sich das knarrende Rädergerassel schwerer Lastwagen, Peitschenknallen und der Zuruf der Fuhrleute vernehmen. Eine lange Reihe hochbepackter Wagen kamen von den Feldern her und fuhren der Domaine zu. Sie brachten Kartoffeln und Rüben, die auf den Feldern eingeheimst worden waren, in die Vorrathshäuser von Waldhof. Das kleine Gefährt des Doctors mußte etwas abseits biegen, um die schweren Wagen vorüberzulassen. Der Anblick der kräftigen, wohlgenährten Pferde, des tadellosen Geschirrs, . der gut im Stande befindlichen Wagen und der reichen Frucht, die sie bargen, machte auf Stephan Holten einen niederschlagenden Eindruck. (Fortsetzung folgt.) GsHNsinnrrtzigKS. Was ist der beste Strauch für eine Hecke. Nach vielfäliiger Erfahrung der schwedische Bocksdorn. Der gedeiht und wächst sogar da noch, wo z. B. der Weißdorn nicht mehr fortkommt. Das ist ein Vortheil, daß der Bocks- dorn also auch mit dem schlechtesten und dem geringsten Boden noch vorlieb nimmt. Weitere Vortheile: In ein paar Jahren steht eine dichte Hecke da, die Niemand durchläßt und fast keine Pflege mehr erfordert- in Sandboden hält eine solche Hecke die Sandwehungen auf- kein Thier wagt sich an den Bocksdorn, erstens wegen seines Geschmackes (daher der Name Bocksdorn), zweitens wegen der langen Stacheln. * * * Schwarzwurzeln werden in gutem Boden bei einjähriger Cultur am besten und schönsten, also im Frühjahr sehr zeitig gesäet und vom Herbste an bis zum nächsten Frühjahre geerntet und zwar möglichst immer frisch vom Beete weg in der Küche verbraucht. Bei zweijähriger Cultur findet die Aussaat immer erst im August statt. Die Pflanzen entwickeln sich noch im Herbst, überwintern im Boden und haben dann im nächsten Jahre etwas Vorsprung- sie schießen aber reichlicher in Blüthe und werden dann nicht so schön. * * * Die Cultur der Schwarzwurzel«. Der Anbau der Schwarzwurzel, die bekanntlich ein vorzügliches und gesundes Wintergemüse bildet, findet in manchen Gegenden gar nicht, in anderen nur vereinzelt statt, und doch ist er so überaus empfehlenswerth. Zeitig im Frühjahr, Februar, März, sobald es die aufgethaute Erde erlaubt, legt oder sät man die Samen in Reihen von 20—30 (Zentimeter Entfernung. Die Saat darf ja nicht zu dicht sein- es genügt, je ein Same auf 5—7 (Zentimeter im Abstand zu legen. Ein Behacken wird den Sommer mehrmals vorgenommen- Gießen ist überflüssig, dagegen werden etwa erscheinende Blüthen abgekneift. Die Ernte kann dann vom November ab erfolgen und bis zum April fortgesetzt werden. Dieses ist aber nur dort möglich, wo das Zufrieren des Bodens durch eine Schutzdecke verhütet werden äS 182 — kann. Die frisch aus der Erde gehobenen Wurzeln sind schmackhafter als die im Sand oder in der Erdmiethe auf- bewahrten, doch wird die letztere Aufbewahrungsmethode der Bequemlichkeit halber vorgezogen und zwar in der Weise, daß beim Einräumen im Herbst die Schwarzwurzeln zuletzt an die Reihe kommen. * * * Zwiebelsarnen recht bald säen. Bei zu spät gemachten Aussaaten werden die Zwiebeln vielmals nicht gut reif und taugen dann nicht zur Winteraufbewahrung; man muß Zwiebelsamen deshalb möglichst frühzeitig aussäen, sobald es Ausgang Winters oder im Frühjahr im Garten trocken geworden ist. • * * Durch Aussaat von Kresse in flache, mit Wasserabzug versehene Holzkästen, die wir hell am Küchenfenster hinstellen, können wir jetzt eine willkommene Zuthat zu Kartoffelsalaten bereiten., • * * Zur Gemüsecnltur. Sämmtliche Gemüsearten verlangen außer Stickstoff und Phosphorsäure sehr viel reines Kali. Bekanntlich wirkt eine reiche und besonders frische Stallmist-Düngung auf viele Gemüsepflanzen mehr nachtheilig,- es empfiehlt sich deshalb, nur eine halbe Stallmist- Düngung zu geben und zugleich die fehlenden Nährstoffe, besonders Phosphorsäure und Kali in Form künstlicher Dünger aufzubringen. Die Phosphorsäure wird zweckmäßigst in 3 Centnern Thomasschlacke zugeführt/ das Kali dagegen, falls solches nicht im Herbst in Form von 3 Centnern Kainit geschehen kann, in einem reichen concentrirten Kalisalze gegeben, und -zwar in einer Gabe von 1 Centner salpetersaures Kali. — Ueberhaupt aber sollte man namentlich für die feinen Gemüse nur sogenannte concentrirte Salze verwenden, als phosphorsaures und salpetersaures Kali. Da diese Salze schädliche Bestandtheile nicht enthalten, können sie im Garten zu jeder Zeit als Kopfdünger oder auch als Düngerguß mit bestem Erfolge angewandt werden. * * • Eine vorzügliche Düngermischung für alle Gartengewächse, Blumen und Topfpflanzen ist folgende: 70 Pfund Thomasmehl werden mit 30 Pfund Kalisalpeter gemischt, und von dieser Mischung pro Stock oder Blume 5 Gramm auf jeden Liter Erde 1—2 Mal im Frühjahr und Sommer angewandt. — Im freien Lande genügen von dieser Mischung auf jeden Quadratmeter 40 Gramm, zwei Mal im Jahr gegeben. * * * Von Johannisbeeren, Stachelbeeren und dergleichen mache man jetzt etwa 20 Centimeter lange Stecklinge, welche mit scharfem Messer glatt unter einem Auge geschnitten werden. Diese binde man in Bündchen und schlage sie wie die Edelreiser ein, um sie im März auf ein gut gegrabenes Beet bis an das oberste Auge schräg einzeln in die stets feucht zu haltende Erde stecken zu können, wo sie bald Wurzeln machen. * * * Roseucultur. Hochstämmige Rosen müssen beim Pflanzen gut beschnitten werden, höchstens auf 3—5 Augen. Auch pflanze man sie nie tiefer, wie sie gestanden haben. Niedrige Rosen können eher etwas tiefer gepflanzt werden, da bei ihnen an der Veredlungsstelle sich gerne Wurzeln bilden. Nach dem Pflanzen empfiehlt es sich, die Hochstämme sogleich in die Erde zu legen und die Krone erst bei trüber Witterung nach fünfzehn Tagen bis drei Wochen aus der Erde zu heben. Schadhafte Gummischuhe ohne fremde Hülfe zu repariren, soll auf folgende Art und Weise leicht ausführbar sein. Man trenne von einem Stück Kautschuk einen für die beschädigte Stelle erforderlich großen Rüster ab; beschneide diesen mit einem recht scharfen, naß gemachten Meffer derart, daß er sich nach dem Rande zu an allen Seiten spitz abflacht,- bestreiche nun die schadhafte Stelle des Schuhes, sowie den Rüster vermittels eines Pinsels mit Terpentinöl, nachdem die betreffenden Stellen vorher ordentlich gesäubert und getrocknet worden sind; lege endlich die mit diesem Oele betupften Stellen aufeinander und setze sie etwa 24 Stunden lang einem mäßigen Drucke aus, die Reparatur ist damit beendet. Dauernd zusammenkitten kann man Gummi mit Gummi nur mit flüssigem Gummi, welcher in Gummifabriken erhältlich ist. * * e Brandflecke«, die durch zu yeitzes Bügel« entstanden, ohne daß die Fasern zerstört sind, bestreicht man mit in Wasser aufgelöstem Borax und bügelt dann die Stelle trocken. Oder man bestreiche den Fleck mit einem Brei aus Thonerde, Zucker, Stärke, Gummi und Waffer und lasse ihn trocknen. Hrnnsvistisches. Vorsichtig. Professor Dusler (der auf der Straße einen Bekannten trifft): „Sie sehen ja so verstimmt aus, Herr Müller?" — Müller: „Ja, denken Sie, ich habe gestern in einer Droschke meine Brieftasche mit hundert Mark Inhalt liegen lassen. Das Geld ist so gut wie verloren!" — Dusler: „Dergleichen könnte mir nicht passiren. Wenn ich etwas in einer Droschke liegen lasse, merke ich mir immer die Nummer." * * * Theures Erkennungszeichen. (Aus dem Briefe des Studiosus Bummel an seinen Onkel.) „ . . Es freut mich unendlich, lieber Onkel, daß Du mich am nächsten Montag besuchen willst — ich werde pünktlichst am Bahnhofe sein. Da wir uns aber noch nie gesehen, so bitte ich Dich, als Erkennungszeichen einen Hundertmarkschein in der rechten Hand zu halten'" (Flieg. Bl.) * * • Gemüthlich. „So, so, Sie wollen also die Wohnung miethen?" Haben Sie Kinder?" „Nein, Herb Hauswtrth." „Haben Sie Hunde?" „Nein." „Eine Nähmaschine?" „Nein, aber ich habe einen alten Theekessel, der singt zuweilen, Wenns Wasser kocht — hoffentlich genirt Sie das nicht!" * * * Heimgeschickt. Student (nach einer Zänkerei mit seiner jüngeren Schwester): „Du bist überhaupt ein ganz naseweises, dummes Ding!" — Backfisch: „Und ich wette doch, daß ich noch eher meinen „Doctor" mache als Du!" * » Ein Schmeichler. Dienstmädchen (beim Bäcker): „Na, Ihre Semmeln werden alle Tage kleiner." —Bäcker: „Für Ihren kleinen Mund sind sie noch immer viel zu groß, Fräulein." * * ♦ Ein Grobian. „Wollen Sie mir aus mein ehrliches Gesicht etwas geben?" -- „Ja, a Watsch'n!" — * * » Am Billetschalter: „Nach Neuendorf!" — „Retour?" — „Nee, erst hin I" Redactian: M. — Druck uab Verlag der Brühl'sche» vui»erfitSls-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in Gießen.