Der Majoratsherr. Roman von Nataly v. Eschstruth. (Fortsetz«,,.) Und wenn schwarze Schatten dazwischen treten wollen, die Eltern? — Tante Johanna und Fränzchen? Wenn der Freier ihnen nicht reich genug und vornehm scheint für die schöne Erbin von sechzehn Ahnen? Wird Carl Hellmuth ihren Eltern einen Schwiegersohn wie den Majoratsherrn von Niedeck ersetzen? — Pia preßt die Lippen zusammen und hebt voll stolzer, herber Entschlossenheit das Haupt: „Ja, denn Carl Hellmuth wird ihr Kind glücklich machen!" Horch . . . eine Nachtigall hebt vor dem Fenster drunten ihr süßeS Liebeslied an! Wie oft hat Pia solchem Klang gelauscht, ruhig, heitern, kühlen Herzens, verständnißloS. Heute faßt und begreift sie den Jubel und Schmerz, welcher die kleine Brust zu zersprengen droht. Langsam tritt sie an das Fenster. Der Mond taucht die ganze Gegend in Silberglanz und: ruhig hin fließet der Rhein . . . Sie athmet in tiefen, wonnigen Zügen die frische Nachtluft und blickt voll schwärmerischer Sehnsucht nach den Bergen hinaus, wo feine, weiße Nebel wie wallender Duft um die Ruinen wehen. Sie ahnt nicht, wie reizend ihr mondbeschienenes Antlitz, das lächelnde, liebverklärte, aussteht. Sie sieht nicht, wie eine hohe dunkle Männergestalt jählings einen Schritt aus dem Schatten Vortritt, als wolle sie voll leidenschaftlichen Entzückens die Arme zu der Geliebten heben. Die jung erschlossenen Fliederdolden duften schwül — und die Flußwellen rauschen leise, träumerisch gegen das Ufer. Nr. 140. s i'rMi m ahre Liebe weiß immer das rechte Wort, Wahre Güte ist immer am rechten Ort, Wahre Freude kommt immer zur rechten Zeit, Wahre Größe hat immer Gelegenheit. Frieda Schanz. Capitel 18. Jetzt wird es Frühling! Der Himmel ist blau. Die Wege sind trocken, die Lüfte sind lau — Jetzt kommt der Frühling I Die Vöglein im Wald Zwitschern und locken ihr Weibchen wohl bald! Jetzt wird es Frühling, die Bäume schlagen [au8 Und ich bring meint’ Schätzer! ein’ Veilchenstrauß. Schwäbisches Lied. Obwohl man auf dem Dampfschiff für den nächstfolgenden Tag Regen prophezeit hatte, stieg die Sonne dennoch voll strahlender Pracht hinter den Bergen empor, und der Rhein glitzerte mit eiligen Wellen dahin wie ein Strom geschmolzenen Goldes. Pia ward durch besonders lebhaftes Sprechen und Rufen auf dem Corridor geweckt. Leises Lachen und Flüstern folgte und dann hörte sie die Stimme des Hausmädchens, welche einem Reisenden entschuldigend zuflüsterle: „Das hat gewiß die kleine Amerikanerin gethan, die macht ja gern mal einen Scherz!" Einen Scherz, welchen Fränzchen in Scene gesetzt hatte? Pia konnte sich eines gelinden Schreckens nicht erwehren. Was hatte der kleine Unband wieder verbrochen? Sie sah nach der Uhr, es war noch ziemlich früh, nebenan in dem kleinen Salon hörte sie Tante Johannas Kammerfrau hantiren. „Dorette!" Die Thür ward ein wenig geöffnet und die Alte schaute vorsichtig herein. „Haben das gnädige Fräulein gerufen?!" „Ja, Dorette. Was ist für ein Lärm im Corridor, was hat Comtesse pepirt?" Die Gefragte lachte ebenso entzückt und nachsichtig, wie die verblendeten Eltern. „Ach, der alte Witz, gnädiges Fräulein! Sie hat nur die Stiefel und Schuhe vor den Zimmern vertauscht!" „Meine auch?" „Gewiß, aber die hatte sie glücklicherweise nur dem Herrn Assessor hingestellt!" Fräulein von Nördlingen ward dunkelroth: „Sie haben sie hoffentlich wieder zurückgeholt, ehe Herr Hellmuth erwachte?" Die Alte schüttelte lachend den Kopf. „So ein Jägersmann ist bei Zeiten aus den Federn, gnädiges Fräulein, ich kam aber dazu, wie er die Schühchen in der Hand hielt und sie anstarrte wie ein Wunder, und konnte den Jrrthum gleich aufklären! Was doch ein junger Herr leicht begeistert ist! Du meine Zeit, wenn ich an sein Gesicht denke! Grad, als wenn ein Katholischer eine Reliquie sieht und anbetend auf die Knie sinken möchte!" „Verzeihen, Herr Assessor, die Schuhe gehören Miß Lilian!" sage ich. „Miß Lilian?" „Ja, sie hat das wahre Kinderfüßchen! nickte ich, weil ich ihm ansehe, daß er das auch denkt." „Aber, Dorette!" „Miß Lilian!" wiederholt er nur leise und hält die Schühchen in der Hand und streichelt mit der anderen darüber hin, so recht behutsam und andächtig. „Dürft ich Wohl bitten?" sage ich höflich. „Gleich, gleich," sagte er hastig und bekommt einen ganz rothen Kopf: „Ich behalte sie als Unterpfand, bis ich die meinen habe und dann stelle ich sie selber hin!" sagt's, lacht mich freundlich an und klapp ist die Thüre zu!" „Und meine Schuhe?!" „Die nahm er mit, gnädiges Fräulein!" „Um Gotteswillen, ich muß . . ." Die Alte machte eine beruhigende Handbewegung. „Sie stehen schon längst wieder an ihrem Platz! soll ich sie hereinholen?" „Ja, bitte, sogleich!" Dorette eilte zur Thür, öffnete sie, neigte sich und stieß einen Laut der Ueberraschung aus: „I, das nenne ich aber galant!" lachte sie, die Schühchen mit spitzen Fingern anfassend und herzutragend! „Darum hat er sie in Haft behalten! — hm — ... das muß ich sagen, ein höflicher Herr!" Sie hielt der jungen Dame die zierliche Fußbekleidung entgegen, und eine Woge süßen Duftes strömte zu Pia empor. Die Schuhe waren bis zum Rand mit blühenden Veilchen gefüllt. Regungslos, ohne ein Wort zu sagen, hielt Fräulein von Nördlingen die reizende Ueberraschung in der Hand. „O, wie liebenswürdig," flüsterte sie halb erstickt. „Aber es ist mir dennoch peinlich, liebe Dorette, ich bitte Sie inständigst, sagen Sie zu Niemand, auch zu Comtesse kein Wort darüber, es würde mir sehr fatal sein!" „I, wo werde ich wohl, gnädiges Fräulein!" schmunzelte die Alte beruhigend: „Wenn ein Herr mal solch einen Frühlingsgruß schickt! das braucht ja nicht gleich an die große Glocke gehängt zu werden. Nein, da seien Sie nur ganz beruhigt. — Darf ich dem gnädigen Fräulein bei der Toilette behilflich sein? Frau Gräfin haben noch nicht geschellt!" Danke, Dorette, es ist noch so früh ... ich möchte noch ein Viertelstündchen warten . . ." „Ei versteht sich! Bitte, rufen Sie mich aber später, wenn das gnädige Fräulein Hilfe brauchen!" Sie ging, und Pia wartete voll Ungeduld, bis sich die Thüre hinter ihr geschloffen. Und als sie allein war, drückte sie Augen und Lippen auf die Veilchen und athmete lächelnd den süßen Duft! Von ihm! . . . Welch ein Träumen mit offenen Augen! und welch süße rätselhafte Scheu und Bangigkeit! Sie sehnt sich nach einem Blick aus seinem Auge und zittert dennoch vor dem Wiedersehen! Wenn sie ihm doch entfliehen könnte! Was soll sie sagen, wenn er ihr gegenübersteht? Ihre unglückselige Beanlagung, welche es ihr seit jeher so schwer gemacht, sich zu beherrschen oder gar zu verstellen! Wenn sie nur nicht so lebhaft erröthen wollte! Wenn nur ihre Blicke sie nicht verrathen möchten! Der Gedanke, daß er ihr Empfinden und Fühlen durchschauen könnte, ist unerträglich! Sie würde vergehen vor Scham und Verlegenheit! Nein, sie kann und darf ihn nicht wieder sehen, um Alles nicht! Vielleicht läßt es sich ermöglichen. Wenn sie zum Niederwald - Denkmal fahren, müssen sie sich ja von ihm trennen. Trennen! —wie weh ihr das Herz bei diesem Gedanken ' thut, trennen! in wenig Stunden vielleicht schon, ohne daß ihre Wege jemals wieder zusammenführen! Wie die Veilchen so betäubend duften, wie sie die Köpfchen gegen ihre heiße Wange neigen! Der Duft ist die Sprache der Blumen, — was wollen diese ihr so dringlich und leidenschaftlich zuflüstern? hat auch er sie vielleicht an die Lippen gedrückt, ehe er sie zum trauten Gruß gesandt? Ein süßer Schauer durchfliegt sie. Nun weiß und versteht sie, was die Veilchen ihr sagen wollen. — Sie neigt das Haupt zurück und schließt die Augen, sie schläft und träumt dennoch einen unbeschreiblich holden Traum. — Eine Stimme läßt sie aufschrecken. Drunten vor dem Fenster erklingt Fränzchens unverkennbares Organ. „Assessor! Affefforchen! — zum Kuckuck noch eins, schlafen Sie etwa noch?" Und dann klingt ein Fenster. „Grüß Euch Gott, Frau Königin!" scherzt er: „Haben Sie schon Befehle für mich?" „Und ob! ich langweile mich! wie die Marmotten schlafen sie noch bei uns! Allein darf ich nicht fort und mit Friedrich durch Rüdesheim zu bummeln, ist weiß Gott kein aufregendes Vergnügen! Was thun Sie? Haben Sie sich schon rastrt? Haben Sie schon gebreakfastet? Na, dann raus mit der wilden Katze! Kommen Sie runter, wir bummeln zusammen!" Ein unterdrücktes Lachen. „Aber mein gnädiges Fräulein, fragen Sie bitte zuvor Ihre Frau Mama!" „Unsinn! Glauben Sie, daß Mutter Sie für gefährlich hält? Sie mit Ihren sieben Kindern? Jrrthum, sanfte Negerraffe. — Also los!" Wieder ein sonores Lachen. „Wie wär's, wenn wir uns ein wenig im „Häschenwerfen" übten? hier vor den Fenstern eignet sich der Fluß brillant dazu!" „Ich möchte lieber mit Ihnen auf die Brömserburg!" „Das geht nicht, Miß Francis — wirklich nicht!" „Mein Gott, so kommen Sie doch nur, ich will ja das Entrse berappen!" „Nun schallte ein unauslöschliches Gelächter durch den frischen Maienmorgen! und wohl oder übel — Pia lachte mit. Gleichzeitig rührte sie heftig die Klingel und Dorette trat eilig ein. „Dorette, bitte melden Sie mal dem Herren Grafen, daß Comtesse Fränzchen allein vor dem Hause ist, und den Assessor zu einem Spaziergang auffordert I" Die Alte sah gar nicht so entsetzt aus, wie Pia erwartete. Sie lächelte nur gelassen: „Das wäre ja nicht so schlimm! der Assessor ist ein feiner Herr, und als Amerikanerin ist es mit der Comtesse nicht so ängstlich!" — Aber sie eilte dennoch davon, das Ereigniß bei den Herrschaften zu rapportiren. „Unglaublich," schüttelte Pia den Kopf. „Ich habe noch nie eine derartig harmlose Erziehung einer jungen Dame — einer Gräfin gar! — erlebt; und sie steht mit den Ansichten ihrer Eltern in so grellem Widerspruch. Tante Johanna, die vornehmste, weiblichste und decenteste Frau, welche man sich denken kann, Onkel Willibald, der Strengdenkende, in allen anderen Dingen so peinlich correcte Aristokrar, welchem alles Unpassende ein Greuel ist, — und Fränzchen gegenüber? — räthselhaft!" * * * Die Equipage stand bereit, welche Mr. Luxor für die Niederwaldsfahrt bestellt hatte. Dorette und Friedrich besorgten das Gepäck direct nach Aßmannshausen und hatten Befehl erhalten, die Herrschaft gegen Abend am Kurhaus des kleinen Quellbades zu erwarten. Pia stand an Tante Johannas Seite neben dem Wagen und erwartete den Onkel, Fränzchen und Hellmuth, welche langsam von dem Flußufer herzu wandelten. Sie sah einen Schein bleicher aus, wie sonst. 559 Die Trennung von dem jungen Forstmann, welche ihr zuvor wie eine Erlösung erschien, stand Plötzlich wie ein Gespenst vor ihrer Seele. Scheiden! Wer weiß, ob er ihnen folgt, ob sie sich noch einmal zusammenfinden! Fränzchens Launen und Einfälle sind unberechenbar, — sie wünscht gleich Tante Johanna längere Zeit in Aßmanns- hausen und seiner idealen Kuranstalt Aufenthalt zu nehmen, während der Assessor von seinem knappen Urlaub abhängt, und genöthigt ist, die Reise nach Möglichkeit zu beschleunigen. Vielleicht wandert er nur im flüchtigen Schauen in Aßmannshausen hindurch und dann sind ihre Wege getrennt für immerdar. — Man sagt, die Männer erachten oft nur als kleine Episode, was einem Mädchen das Lebensschicksal bedeutet und wie oft hört man nicht von der Ungebundenheit und Leichtlebigkeit, welche den meisten Herren auf der Reise eigen ist! Man schließt flüchtig Bekanntschaften und Freundschaften, um sie ebenso flüchtig, fast noch schneller zu vergessen! Pias Herz thut weh bei diesem Gedanken. Lachend und scherzend nahen die drei. Fränzchen strahlt vor Vergnügen. „Wo haben Sie denn Ihr Gepäck, Amico?" frägt sie just, als sie sich auf Hörweite genähert. „Es steht fix und fertig in meinem Zimmer und wandert heute Nachmittag Per Schiff weiter mit mir nach Aßmannshausen. „Na, Sie kommen doch mit uns auf den Niederwald?" frägt die Kleine überrascht. //Ich hoffe Sie droben anzutreffen, wenn ich mit dem Zug komme!" „Mit dem Zug wollen Tie —?" Sie starrt ihn an, als verstehe sie nicht recht. „Allerdings, Miß Francis, — mit der Bergbahn herauf und wieder hierher zurück, das ist die einzige Möglichkeit/ Ihnen rechtzeitig nach Aßmannshausen zu folgen — und trotzdem noch das Denkmal sehen zu können." „Na, so ein Unfug?" erbost sich das Backstschchen. „Wozu haben wir denn einen Wagen?" Hellmuth lacht. „Der Wagen weist nur vier Plätze auf, ungnädigste kleine Königin!" „So? — und mein Platz — der Kutscherbock?" „Um Alles in der Welt — mein gnädiges Fräulein!" Ganz erschrocken ist der Assessor zurückgewichen. Fränzchen faßt ihn ungenirt am Arm und zieht ihn triumphirend zu dem Wagen heran. „Mama, sag's ihm mal, befiehl's ihm mal! er will nicht mit! und ohne ihn fahre ich auch nicht! oder ich will auch mit ihm per Bahn nach dem Denkmal und Abends mit dem Schiff nach Aßmannshausen! Er ist mein Freund! ich liebe ihn geradezn! und ich habe an der ganzen Reise keinen Spaß mehr, wenn er nicht von A bis Z bei uns bleibt, da ist doch noch Platz im Wagen — den muß er nehmen!" „Gewiß, bester Herr Asseffor!" lächelte die Gräfin in ihrer gewinnend liebenswürdigen Weise. „Ich muß gestehen, daß ich mich selber sehr freuen würde, in Ihrer Begleitung die Fahrt zu machen! Fränzchens ganze Laune würde unwiederbringlich dahin sein, wenn sie ihren neuerworbenen Freund scheiden sehen müßte!" „Versteht sich, Sie fahren mit uns!" schnitt Papa Willibald dem jungen Forstmann jede Erwiderung ab: „Friedrich besorgt Ihr Gepäck mit dem unseren an Ort und Stelle, und unser Wildfang hier verhilft uns Allen zu einer sehr vergnügten Fahrt! Das Schicksal hat Sie nun einmal zu unserem Reisegefährten gemacht und ich finde, es hat selten ein so schlaues und sympathisches Spiel getrieben! Also bitte! — Friedrich! — Holen Sie das Gepäck des Herrn Affessors ab und bringen Sie es mit nach Aßmannshausen!" Hellmuths aufleuchtender Blick hatte Pia getroffen, stumme Glückseligkeit strahlte auf beider Angesicht/ dann neigte sich der Assessor mit verbindlichsten Worten über die Hand der Gräfin, sie voll dankbarer Verehrung an die Lippen zu ziehen. Ein kurzes Hin und Her. Fränzchen stand stolz und siegesbewußt und klimperte mit der Hand in der Rocktasche, woselbst eine Ansammlung blanker Rheinkiesel auf Vorrath lagerte und sich durch einen unförmigen Auswuchs an dem Kleiderrock bemerklich machte. Dann eilte Hellmuth mit Friedrich in das Hotel zurück, seine Angelegenheiten vor dieser beschleunigten Abreise zu regeln. Pias lächelndes Antlitz schien in Rosengluth getaucht. Sie trat neben die Cousine, legte den Arm in einer Aufwallung dankbarster und zärtlichster Empfindung um die ungeschickte, dicke Taille des Backfischchens und sah ihr mit strahlendem Blick in die Augen. „Welch ein herrlicher Morgen, Fränzchen! Wir werden eine unvergeßliche Fahrt haben!" sagte sie leise. Comteßchen war beinahe verblüfft über die freiwillige Zärtlichkeit der sonst so kühlen jungen Dame. Sie lachte, daß die weißen Zähne blinkten, faßte mit beiden Händen jählings das Köpfchen der Sprechenden und küßte sie stürmisch ab. „Piachen," flüsterte sie, „Dich und den Asseffor, Euch Beide liebe ich, aber Dich doch am allermeisten!" Fräulein von Nördlingen drohte ihr schelmisch mit dem Finger. „Na, na! es ist ein Segen, daß Herr Hellmuth verheirathet ist, sonst erlebten wir noch eine Verlobung am Rhein!" Fränzchen starrte sie einen Augenblick überrascht an, dann drückte sie beide Fäuste vor den Mund und pruschtete in unbändigem Gelächter los. Mit voller Wucht warf sie sich an die Brust der kleinen gebrechlichen Mama, welche diesem Anprall kaum Stand halten konnte. „Mütterchen! Muttelinchen! ich soll mich mit dem Assessor verloben, sagt sie!" klang es beinahe johlend vor Uebermuth von ihren Lippen. Die Gräfin ward wieder ein klein wenig verlegen und wehrte dem Töchterlein energisch ab. „Bist Du denn ganz von Sinnen, kleiner Unband!" schalt sie. „Allerdings ist ja der Gedanke, daß Du Dich verloben solltest, ein ungeheuer komischer!" Fränzchen schnellt zurück. „Oha!" sagte sie beinahe gekränkt. „Ich verlobe mich sobald sobald, o, Du sollst schon sehen, wann und mit wem ich mich verlobe!" Zwischen Pias Brauen senkte sich eine feine Linie. „Ist Dir der Herr Hellmuth nicht vornehm genug, daß Du so über eine Verlobung mit ihm spottest?" Fränzchens große Augen blickten sie beinahe verständniß- los an. „Nicht vornehm genug? — mir? — ich finde ihn zum Auffressen nett, und jedes Mädchen könnte sich zu so einem Mann nur gratuliren, wenn er man bloß noch zu haben wäre! — nee, süße Lilian, auf alles Andere pfeife ich 'was! Wenn die sechzehn Ahnen sich glücklicherweise dazu finden, na, dann habe ich auch nichts dagegen, und das thun sie, hurrah, das thun sie!" „Franziska, laß Pia los! Du sollst sie nicht immer mit Deinen Zärtlichkeiten belästigen!" schalt Tante Johanna nervös und unterbrach dadurch eine erneute stürmische Liebkosung. Fränzchen trat mit seltsamem Lächeln gehorsam zurück. „Weil wir nun gerade beim Heirathen sind, möchte ich sie nun noch etwas fragen!" „Thorheit! Deine Fragen sind sehr kindisch!" „Na bon — fragen wir also kindisch: Pia, muß Dein Mann 'mal sehr hübsch sein?" Die Gefragte lächelte, ihr Blick schweifte wie in träumerischen Gedanken weithin über den sonnefunkelndeu Fluß. (Fortsetzung folgt.) 56Ö ^nnrsvistisches Redacti-n: L. Scheyda. — Druck imd «erlag der Br-ühl'scheu wüverfitäts.Buch» und Steindruckerei (Pietsch & S ch ey da) in «ießm. 3ttcternüffe. 250 Gramm gestoßener Zucker wird mit drei Eiern 1/i Stunde gerührt, dann mit 50 Gramm fettt geschnittenem Citronat, 250 Gramm feinem Mehl mit Vs Messerspitze Hirschhornsalz versetzt gut zusammengearbeitet. Nun formt man kleine Kügelchen, zieht sie nach oben spitz und bäckt sie auf einem mit Wachs bestrichenen Blech schön gelb. * * * Glasuren auf Baumcoufeet. Rothe Glasur. Man rühre 140 Gramm Staubzucker mit zwei Eiweiß recht dick an und gibt einige Tropfen in Wasser aufgelöste Cochenille darunter. Blaue Glasur erhält man, wenn man die gleiche Menge Zucker und Eiweiß mit Veilchensaft anrührt. Zu grüner Glasur verwendet man Spinatsaft und zu gelber gibt man Safran, in warmem Wasser aufgelöst. „Schi ob er And Franz „Nam „®arj Sie b ihr der Ge muth sein? „Auch das heutzutage führen, toel nahe Mode Ein l stummen, gegen die S Hut in die Jubelschrei, Leuten noch „Kind im gleichen nebst dem \ „Schr, und Beide brannte eir Kutscherbock energisch, d junge Dam, Rührende Dankbarkeit. „Meinen wärmsten, ewigen Dank, Doctor! Ich bin auf immer Ihr Schuldner!" rief ein junger Mann aus, der auf einen New-Yorker Arzt zugestürmt war und diesem die Hand gedrückt hatte. „Sie haben mein Leben gerettet!" — Arzt: „Ich kann mich aber nicht besinnen, Sie behandelt zu haben!" — Junger Mann: „Behandelt haben Sie mich allerdings nicht, aber ich war im Begriff, vor lauter Armuth Selbstmord zu begehen, als mein Onkel starb und mir 10,000 Lstrl. hinterließ. Den haben Sie behandelt und ohne Sie würde er vielleicht noch heute leben." Mütterliche Aufmunterung. „Ach Gott, Mama, der Herr Assessor tanzt schrecklich schlecht- bei diesem Walzer hat er mich dreimal auf die kleine Zehe getreten." — „Aber bedenke, Bertha, der Herr Assessor wäre halt eine sehr gute Partie, da ließe sich schon ein Hühnerauge zudrücken!" * * * Immer zerstreut. Vetter (Nachmittags 5 Uhr im Winter): „Nun muß ich aber fort in die Gemeinderaths- Ditzung." — Professor: „Schlafen Sie wohl, lieber Herr Vetter!" Bei der Ziegcnfütterung muß auf eine Eigenschaft der Ziege Rücksicht genommen werden. Die Ziege ist nämlich ein sehr wählerisches Thier; sie will nicht von einerlei viel, sondern von vielerlei immer etwas haben. Versuche haben ergeben, daß, wenn man einer Ziege mehrerlei vorlegt, z. B. Grummet, Heu, Luzerne, Esparsette, trockenes Laub, Haferstroh rc., sie an jedes Häufchen herangeht und von Allem etwas frißt. Das berücksichtige man doch bei der Ziegenfütterung. Man gebe also der Ziege nicht einerlei, sondern mehrerlei Futter, aber von Allem nicht viel. Sie wird stets das so aufgesteckte mit großem Appetit verzehren und wird Nichts herunterreißen und in den Mist treten. Gerade ihre angeborene Naschhaftigkeit und ihr wählerisches Wesen suche man zu befriedigen, eventuell zu berücksichtigen. * * * ttm gute Resultate zu erziele«, sind bei der Ziegenzucht hauptsächlich folgende Punkte zu beachten: 1) Man züchte nur mit anerkannt guten Milchthieren. 2) Man ziehe nur hornlose Zicklein gut auf- je mehr Milch und je länger sie Milch erhalten, um so bessere Nutzthiere geben sie später. 3) In Bezirken oder wenigstens in Gemeinden züchte man möglichst gleichfarbige Thiere. * * * Die Zimmerpalmen im Winter. Ein fleißiges Begießen ist im Winter unbedingt erforderlich und zwar mit I lauwarmem Wasser - im Untersatzteller darf man aber kein Wasser stehen lassen. Wenn man das Begießen nur ein Mal übersieht, werden die Spitzen der Palme langsam dürr, und die Blätter sterben ab. Düngen und Versetzen im Winter wirkt schädlich ein. Häufig sind die Palmen mit Schildläusen behaftet- solche Pflanzen müssen mit Schwamm und starkem Schmierseifenwasser abgewaichen werden, damit nicht durch die Läuse braune Flecken entstehen. * * Behandlung der Alpenveilchen. Man stelle die Alpenveilchen möglichst nahe ans Fenster, in nicht zu stark geheiztem Zimmer auf und lasse es vor Allem nicht an reichlichem Begießen fehlen, damit den in voller Entwicklung stehenden Pflanzen die Kraft nicht fehlt, ihre Knospen groß zu ziehen, reichliche und große Blüthen hervorzubringen. Uebergroße Wärme läßt auch Blattläuse entstehen, welche der Pflanze sehr nachtheilig sind. * * • Azalccncullur. Will man Azaleen treiben, so ist dafür im November die beste Zeit. Das Treiben selbst ist sehr einfach, die Temperatur, in welche die schon etwas angetriebenen Azaleen gestellt werden, soll im Anfang 12 bis 15 Grad R. betragen, welche dann nach und nach auf 16 bis 18 Grad R. erhöht wird. Hierbei hat man sehr auf reichlich Licht, sorgfältige Begießung und besonders auch auf sorgfältige Bespritzung zu achten, da besonders die gezeichneten Blumen sehr leicht in Fäulniß übergehen, wenn sie zu viel Feuchtigkeit von oben erhalten, auch an trüben Tagen ist nicht zu spritzen. Im Allgemeinen bringen die Azaleen in der Zeit während des Treibens an den Seiten der Knospen viel- | fach Triebe hervor, welche, da sie eine Schweifung der Blumeü Hervorrufen, entfernt werde» müssen, am Besten schon während der Entstehung. * * * Gliscnlcbkuchc«. 250 Gramm rohe Mandeln mit 500 Gramm Zucker gestoßen, 40 Gramm Citronat, 2 Loth (35 Gramm) Zimmt, etwas Nelken, fein Gewürz (Muskat- blüthe, Cordemonne), 1 Citrone, 19 Gramm Ammonium, 100 Gramm Mehl, 10 Eiweiß zu Schnee, das Ganze wird unter den steifen Schnee gemengt, bleistiftdick auf Oblaten gestrichen, mit Nonpareille bestreut und bei ziemlicher Hitze braun gebacken, heiß aus dem Ofen mit Aracglasur glasirt. Gemeinnütziger. Eonservirimg de- eingebrachte« Gemüse- in den Kellern. Bor Allem eifrige Lüftung und Entfernung aller faulenden Blätter. Gemüse, welches im Sand eingeschlageu ist, und welk werden will, wird leicht begossen. Wintersalat, überhaupt Wtntergemüse, wird bei herrschender schneeloser Kälte mit Fichtenreisig bedeckt. Wo solches fehlt, kann anderes grobes Stroh oder Reisig verwendet werden, das man durch aufgelegte Latten oder Baumpfähle oder dergleichen beschwert, damit es vom Winde nicht entführt werden kann. Werthlose Gedanken. Jack: „Du Ethel! Einen Shilling gäb' ich dafür, wenn ich Deine Gedanken wüßte!" Ethel: „Die sind gar nicht so viel werth!" — Jack: „Wirklich?" — Ethel: „Nein! Ich hab' ja nur an Dich gedacht!" * * * Nach und nach. A.: „Du verkehrst in der Familie Müller?" — B.: „Nicht nur das, ich bin sogar sterblich in deren einzige Tochter, Fräulein Ella, verliebt! Siehst Du das Medaillon? Darin sind ihre Haare!" — A.: „Hat fie Dir die geschenkt?" — B.: „Das nicht, aber ich habe sie so nach und nach in der Suppe gefunden!"