Uedürfniß „g, en von ©egtit, Gut bezüglich, Fund b,- einer Sach, ich nimmt), bei liefe nicht kennt, machen. Ist bi, bedarf es b„ cung der Sach, oder die Aufb!- erkunden, so e Polizeibehijch tritt sodann «j ies Jahres nach ach en im Wens ) geht der Fu,j inder kann einen von dem Werts, ndert, von bei rs vom Hundkr- so ist der Finnen. Wer di, nlicht, geht de! 's Phot-oijr^aiJtg H-'Nol i. ÄÄjeö ii "MW Ma! äonn 'iIMm MW W je, deren Eig«,- die Hälfte te- Ligenthümer bet en war. acht hat, so ta nvere Bersehlmz l ihm deS groben eh en, so ist bet seit dem Tagest erhalten hat, würden geeignet icht der Schlch engen, durch die mb zu nehmenden ickforderung uni ts- und Geburti- Furcht erfreuen n man ohne tuen erwirbt man da! herrenlos, wem ihnen bestimmte« m auS, so wird er ihn unner- g aufgibt. t nur eine noh ereffante ßectüre. i nicht mehr im Braut verhalten et Schatz finbet. haben, den auf raph für sich >" kann, trotz Kälte e, ja letzerer en :, oder im Spät igolen oder tiefe! raben achte ma" erbe, das Obere i oben. da) in •ht* Slto er Eilzug fährt das Unglück stets Js&f Von Ost nach West, von West nach Ost; ’i V Das Glück fährt mit der Schneckenpost! Kehr' Dich bei rechter Zeit, So fällt die Karr' nit auf die Seit'. (Kruginschrift.) Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) Fünftes Capitel. Es war am anderen Morgen, und die letzten Patienten hatten die Sprechstunde bei Dr. Jaksch verlassen. Er stand im Begriff, die Thür des Vorzimmers nach dem Corridor hin zu verschließen, als sie ohne Anklopfen rasch geöffnet wurde, und der Schlosser Neuert hereintrat. Der Doctor kannte ihn von Ansehen/ er war ihm mehrfach auf Treppe und Flur begegnet, und da er den Grundsatz hatte, sich mit allen Hausgenossen gut zu stellen, so zeigte er keinen Miß- muth über die Störung. „Kann ich Sie sprechen?" fragte Neuert kurz und sah dem Doctor gerade und kühn in die Augen/ um den Mund aber zeigten sich feine, zuckende Linien, die verriethen, daß er einen heftigen Schmerz nur mit Mühe unterdrückte. „Es ist freilich schon ein wenig spät," gab der Doctor freundlich zur Antwort, „aber für einen Hausgenossen mache ich schon eine Ausnahme. Kommen Sie herein und zeigen Sie mir Ihre Hand/ denn diefHand ist es doch wohl, die ich mir ansehen soll? Warten Sie, ich will eben die Thür hier abschließen, damit uns nicht Jemand über den Hals kommt. So, nun ist Alles in Ordnung, nun wollen wir in mein Zimmer gehen." Als er auch die Verbindungsthür hinter sich zugezogen hatte, und ihnen die angenehm durchwärmte Luft des Arbeitszimmers mit dem anregenden Dufte des bereits eingeschenkten Sherry entgegenkam, hieß er den Schlosser sich setzen und die verletzte Hand aus dem Verbände lösen. Ein einziges, schmerzliches Stöhnen entrang sich den Lippen des jungen Mannes, als er die Binde herabnahm/ dann hielt er dem Doctor wortlos die Hand entgegen. Der warf nur einen kurzen Blick darauf. „Hören Sie/ es war Zeit, daß Sie zu mir kamen," sagte er. „Sie hätten es eher thun sollen. Die Geschichte sieht nicht gut aus, — nicht, daß ich Ihnen Angst machen will. In ein paar Tagen wird Alles wieder in Ordnung sein. Aber Sie hätten sich Schmerzen ersparen können, und das soll man doch eigentlich thun, wo man kann, nicht wahr?" Neuert antwortete nicht/ eine plötzliche Blässe überzog fein Gesicht und der Kopf drohte zurückzusinken, doch besiegte er die Schwäche mit energischer Anstrengung. Rasch trat der Doctor zum Tisch und füllte ein Glas mit Wein/ bann reichte er es dem jungen Arbeiter hin. „Trinken Sie, mein lieber Herr Neuert, — so heißen Sie doch, nicht wahr? Sehen Sie wohl, — ich kenne Sie ganz gut. Trinken Sie das Glas nur aus, es ist ein reiner Wein, der schadet Ihnen nichts. So, jetzt wird Ihnen besser sein. Sie hören wohl schon die lieben Engel im Himmel Pfeifen?" „Danke," sagte Neuert und gab ihm das geleerte Glas zurück. Ein süßes Wohlbehagen erfüllte ihn mit einem Male nach dem Genuß des schweren Weines, er fühlte die Schmerzen weniger und erfreute sich an der schönen Wärme, die so rasch ihm durch die Adern strömte. Nun begann der Doctor die genaue Untersuchung der Wunde vorsichtig, mit behutsamen Händen/ der Geruch von Carbol stieg um ihn auf, als er das Verbandzeug herbeiholte und das verletzte Glied kunstgerecht umhüllte. „Wie haben Sie die Geschichte denn angefangen?" fragte er ans seiner Arbeit heraus. „Ich habe mich gerissen." „Gerissen? Woran?" „An einem Nagel." Lächelnd schwieg der Doctor einen Augenblick, aber der Andere konnte sein Gesicht sehen, und so zeigte sich nichts als heitere Freundlichkeit in dem Lächeln. Plötzlich verlor sich dann dieser Ausdruck, und mit ruhigem Ernste sagte der Arzt voll Nachdruck: „Die Wunde da ist von keinem Nagel. Es ist eine Brandwunde, die durch ein erhitztes Metallstück hervorgerufen ist." „Es ist, wie ich Ihnen gesagt habe," gab Neuert nach einem ganz kurzen Schweigen zur Antwort. „Nein, lieber Freund, das ist nicht wahr." „Doch I" Der Doctor hatte jetzt seine Augen voll auf ihn gerichtet, um die wohlbekannte Macht seines Blickes auch an ihm zu erproben. Aber der Andere schaute ihm ruhig entgegen, 46 ohne mit der Wimper zu zucken, ohne die Lider zu schließen. Und indem die Blicke der Beiden so ineinander hafteten, kam dem Doctor das überraschende, ihn fast betäubende Gefühl, daß er hier einer Natur gegenüberstehe, die der seinen verwandt, von ähnlichen Gaben, vielleicht noch kräftiger und hartnäckiger sei, als die eigene. Er verbarg das Gefühl des Erstaunens und Verdrusses unter einem Lachen. „Sie find ein komischer Bursche/' sagte er mit der bisherigen Freundlichkeit. „Da wollen Sie einem alten Doctor etwas weißmachen. Einem Doctor, der doch von Natur der Freund aller Menschen ist! Wenn ich nur wüßte, warum Sie mir nicht die Wahrheit sagen. Der Schlosser hat mit dem Feuer doch ebensoviel zu thun wie mit dem Nagel. Da haben Sie vielleicht geträumt bei der Arbeit, oder Ihr Mädchen ist vorübergegangen, und Sie haben aus lauter Liebe auf das glühende Eisen gegriffen. Und nun schämen Sie sich, das einzugesteheu. Mein Gott, so was kommt doch vor!" „Ich träume nicht und ich habe kein Mädchen. Das überlasse ich den vornehmen Herren. Bei Ihnen sieht man hier des Nachts doch auch allerlei Herumschleichen." Er hatte langsam begonnen, dann überwältigte ihn der Zorn über der Anspielung des Doctors auf ein Mädchen, das ihm lieb sein könne, die Erinnerung an Marthas frische, anmuthige Jugend, und er sprudelte die letzten Worte hastig hervor. Dr. Jaksch ließ die Augenlider für einen Moment niedersinken, um seinen Blick zu verbergen,- ein Feind also war dieser junge Mensch, ein Spion, der ihm auflauerte und seinem Treiben nachspürte? Gut also, dann hieß es, ihn kennen lernen, ihn beseitigen. Eine Antwort gab er ihm nicht, er that, als habe er die freche Rede überhört/ ruhig beendete er die Arbeit am Verband und richtete sich empor. „So, die Hand wäre in Ordnung," sagte er. „Nein, laufen Sie mir nicht fort. Kommen Sie her und trinken Sie noch ein Glas Wein. Ja, ja, das dürfen Sie als Hausgenosse schon thun." Er goß ihm das Glas von Neuem voll und gab es ihm in die Hand. Ein Kampfesstimmung war über ihn gekommen, ein Gefühl der Lust, sich mit diesem Gegner zu messen, in dem er eine ebenbürtige Naturkraft vermuthete. Sich mit ihm zu messen und ihn zu besiegen, diesen Mann, der seinen Blick ertragen hatte, der ihm die Antwort, die Wahrheit so trotzig verweigerte, der es dann zuletzt gewagt hatte, ihn zu verhöhnen, ihn zu demüthigen, zu knechten, zum Spielzeug seines Willens zu machen, das erschien ihm Plötzlich als ein begehrenswerthes Ziel. Er stieß mit ihm an und trank ihm zu auf gute Besserung seiner verwundeten Hand. Dann schob er einen Sessel herbei, rückte ihn dicht neben den Stuhl des Anderen nnd sagte: „Es ist schade, mein lieber Herr Neuert, daß Sie so gar kein Vertrauen zu mir haben. Widersprechen Sie mir nicht, es tst so. Und ich kann es im Allgemeinen ja auch ganz gut verstehen, aber Sie beurtheilen mich falsch. Sehen Sie, ich bin selbst in meiner Jugend arm gewesen, ein armer Arbeiter, genau wie Sie. Ich habe mich mühsam emporkämpfen müssen und den Wein da kannte ich nicht einmal dem Namen nach. Nein, nein, das Glas müssen Sie noch austrinken! Oder schmeckt er Ihnen nicht?" „O doch, sehr gut. Wer das immer trinken könnte!" „Na, wissen Sie, darin besteht nun nicht gerade das Glück des Menschenlebens. Das sieht Alles nur von Weitem so herrlich aus. Aber, wie gesagt, nachfühlen kann ich es Ihnen schon, daß Sie unzufrieden sind mit Ihrem Loos und gern ein wenig mithelfen möchten die Welt verbessern." Er sagte es auf's Geradewohl, im Vertrauen auf die Unzufriedenheit, die der Menschen Erbtheil. Der Schlosser aber empfand es als unvermuthete Enthüllung seines innersten Fühlens. Er hatte sich geärgert, daß ihm der Ausruf über den Wein entschlüpft war- jetzt fragte er sich verwundert, ob er etwa noch mehr gesagt habe, Worte, deren er sich nicht erinnerte, die seine geheimen Gedanken verrathen hatten. Heiß und rasch durchfloß das Blut ihm die Adern, durch das ungewohnte, starke Getränk und durch das Fieber erhitzt, das die Wunde ihm gebracht hatte, und dar der Doctor mit grausamer Gleichgültigkeit nährte. „Die Welt verbessern, das wäre nicht übel," sagte er und wieder wunderte er sich, daß er die Worte nicht unterdrückte. „Ein schöner Traum," gab der Doctor zur Antwort, „solange man die richtigen, scharfen Mettel nicht anwendet. Wir in der Medicin sind allmälig klüger geworden. Wir haben einen Spruch: „Quod ferrum non sanat, sanat ignis,“ das heißt: „Was das Eisen nicht heilt, das heilt das Feuer. Jawohl, Feuer und Schwert, das ist die einzige Waffe, das ist die einzige Rettung für unsere heutige Welt." Der Schlosser entgegnete nichts, aber mit dem Ausdruck eines dumpfen, freudigen Staunens hielt er die Blicke auf den Mann gerichtet, der so zu ihm sprach. Sollte er hier inmitten von Luxus und Behagen einen Gesinnungsgenossen, einen Helfer entdecken? Aber noch war das lange genährte Mißtrauen zu stark in seiner Seele, noch gab er die Gedanken nicht preis, die er dachte in einsamen Stunden. Dr. Jaksch rückte mit seinem Sessel noch näher zu ihm heran, und seine Stimme klang gedämpft, als er jetzt weiter sprach. „Sehen Sie, mein lieber Neuert, wenn ich Ihnen hier auch jetzt gegenüber sitze als einer von denen, die Sie für Ihre natürlichen Feinde ansehen, ich bin doch gewesen, was Sie sind, und ich habe nicht verlernt, zu fühlen, wie Sie heute fühlen. Es muß anders werden in unserer Welt, und da es im Guten nicht geht, so muß es eben im Schlimmen sein. Nur an muthigen Menschen fehlt es uns heute —" „Die wären schon da!" Neuert hatte es gerufen, wider Willen, von einem Gefühl getrieben, das Jener in ihm aufgestachelt hatte, und das mächtiger war als Vorsicht und Klugheit. „Die Meisten sind feige." „Ich bin es nicht!" Er war aufgesprungen und schlug sich mit der gesunden, geballten Hand auf die Brust. „Und wenn auch, der Einzelne vermag nicht viel. Heutzutage heißt alles Partei! Wer sich keiner Partei anschließt, richtet nichts aus. Das ist das einzige Mittel, das zum Ziel führt. Aber vielleicht haben Sie es ja schon gethan?" Hatte der Arbeiter trotz der Erregung den kalten, lauernden Blick doch bemerkt, den der Doctor nicht hatte unterdrücken können? War etwas in dem Ton der Worte gewesen, das all' sein Mißtrauen mit einem Male wieder erweckt hatte? War seinen Augen das Netz nun plötzlich sichtbar geworden, das ihm um^die Füße gelegt werden sollte? Er schaute den Doctor mit gerunzelter Stirn einen Augenblick drohend an, dann sagte er barsch: „Sie wollen mich auS- holen. Sagen Sie mir, was meine Schuld ist?" Dr. Jaksch lachte laut auf. „Sie haben Temperament, junger Mann. Ein wenig viel, aber das macht nichts- das giebt sich mit den Jahren. Von Ihrer Schuld ist nicht die Rede, Hausgenossen werden ein für allemal gratis behandelt. Sie werden mir die Hand doch wieder zeigen müssen, und ich denke, dann findet sich auch noch einmal ein Viertelstündchen zum Plaudern." „Ich habe nichts auszuschwatzen. Lassen Sie mich hinaus !" „Mein Gott, Sie sollen ja hier nicht eingesperrt werden! Sie müssen noch besser lernen, Ihre Freunde von Ihren Feinden zu unterscheiden. So, jetzt ist die Thür offen. Ich wünsche Ihnen gute Besserung." Er war im Sprechen wieder in das Vorzimmer getreten und hatte die Thür zum Corridor aufgeschlossen. Neuert ging hastig daraus zu; dort aber blieb er, nut sich kämpfend, noch einmal stehen. „Ich danke auch für die Behandlung," sagte er mit rauher, unsicherer Stimme. Ohm sich umzublicken, schritt er hinaus. Der Doctor stand und sah ihm nach, indem er den Bart mit den Fingern in die Höhe wirbelte- Darauf ergrch er den Schlüssel, um die Thür wieder zu verschließen, aber 47 - erhitzt, jctor mit sagte er ht unter« Antwort, anwendet, en. Wir t, 8 nn 3. t das heilt Die einzige ge Welt/' Ausdruck Blicke auf te er hier sgenossen, ! genährte r die Gerden. er zn ihm etzt weiter ich Ihnen i, die Sie h gewesen, Ihlen, wie öftrer Welt, Schlimmen heute —" einem Ge- e, und das und schlug cust. iel. Heutzu- i anschließt, das zum n gethan?" ten, lauern« satte unter- : Worte ge- : wieder er« un Plötzlich erden sollte? :n Augenblick n mich aus- >/' ernperament, nichts - das ist nicht die is behandelt, müssen, und wtelstündchen i Sie mich jerrt werden! e von Ihren x offen. Ich im Sprechen >ie Thür zum blieb er, mit auch für die stimme. Ohne adern er den Darauf ergriff chließen, aber «sch einmal wurde er tu der Ausführung seines Vorhabens gehindert. Ein schüchternes Pochen tönte ihm entgegen, doch öffnete die Thür sich nicht auf fein „Herein". Nach einer kleinen Panse dann wieder das leise Klopfen und dann wieder der Ruf des Doctors, jetzt lauter und ungeduldiger als zuvor. Aber noch immer kam Niemand- Dr. Jaksch murmelte ärgerlich : „Du mußt es drei Mal sagen" und hob die Hand, um zu öffnen, als die Thür von außen sich behutsam auflhat. Es war der Taubstumme, der vor ihm stand. Mit erregten Mienen trat er ein und brachte, während er den Zeigefinger zum Gruße gegen die Stirn erhob, seine Tafel zum Vorschein, die er mit einem schmutzigen Zeitungsblatt umwickelt hatte. Schon zu Hause hatte er ein paar Sätze darauf niedergeschrieben und eifrig hielt er die Schrift nun dem Doctor vor die Augen. „Spur gefunden. Schwester mir heute Brief aus Berlin zugeschickt." Er ließ dem Anderen kaum Zeit, diese Worte zu lesen- so eilfertig begann er nun in seinen Taschen zu suchen, aus deren einer er mit zitternder Hand einen zerknitterten Brief hervorholte. Dr. Jaksch nahm das Schreiben, trat an das Fenster und las. Es war nur ein kurzer Brief, nicht ganz orthographisch, aber flott und sicher geschrieben. „Geehrte Frau Müller! Ich bin ein Freund des jungen Mannes, der früher einmal bei Ihnen aufgezogen worden ist und der dann im Alter von 14 Jahren weglief. Er will nicht selbst an Sie schreiben und deshalb hat er mich beauftragt. Er möchte wissen, ob Sie noch irgend Sachen von ihm im Besitz haben ober ob er sonst auf irgend 'was Anspruch hat. Er hat Geld nöthig, und darum muß ich dies schreiben. Geben Sie Antwort nach Berlin, postlagernd Hauptpostamt unter N. M. 1113." Dr. Jaksch überlegte einen Augenblick, bann stellte er sich so, daß Bäsmann sein Gesicht sehen konnte, unb sagte: „Das ist leiber eine recht schwache Spur. Als erstes Lebenszeichen nach langer Zeit ja immerhin bemerkenswerth, aber boch von zweifelhaftem Nutzen. Vielleicht sogar nur ein Erpressungsversuch von einem Dritten, ber zufällig einmal von der Sache gehört hat, aber selbst nichts Genaues weiß. Wir müssen antworten- ich werde den Bries behalten und die nöthigen Schritte thun bei der Berliner Polizei." Eine große Enttäuschung malte sich auf des Taubstummen Gesicht- hastig griff er zur Tafel und schrieb die Worte: „Dachte, Sie würden sich freuen. Würden zufrieden fein, 'was für Hannchen thun." „Man irrt sich manchmal in Dem, was man denkt, mein lieber Bäsmann," sagte der Doctor mit häßlichem Verziehen des Mundes. „Aber es ist immerhin etwas, warten Sie einmal." Er holte fein Portemonnaie hervor, öffnete es und nahm ein Dreimarkstück heraus, das er einen Augenblick zwischen den Fingern hielt- bann ließ er es wieber heinein- gleiten unb brachte eine einzelne Mark zum Vorschein, die er dem Taubstummen gab. „Kaufen Sie dem Kinde etwas dafür." Zornig über die kärgliche Abschlagszahlung und doch nicht im Stande, das Geschenk zurückzuweisen, griff Bäsmann nach dem Geldstück. Dann nickte er zum Abschied, hob wieder den Finger gegen die Stirn und ging langsam hinaus. Der Doctor verschloß unmittelbar hinter ihm die Thür und lehnte auch die zu seinem Arbeitszimmer an, das er nun wieder betrat. Er setzte sich vor den Schreibtisch, las den Brief noch einmal, bedachtsam, Wort für Wort, um bann bie Schublabe bes Schreibtisches zu offnen, ber er eine verschlossene Mappe entnahm. Ein kleiner Schlüssel, ben er am Schlüsselbunbe trug, paßte bazu, unb als er ben Deckel zurückgeschlagen hatte, lagen alte Briefschaften vor ihm, auch ein paar Bilber zeigten sich zwischen ben gelb geworbenen Blättern. Das eine bieser Bilber nahm er jetzt hervor und betrachtete es lange. Es war die schöne verblichene Photographie, eines Knaben im Alter von drei Jahren etwa, eines Kindes mit großen, dunklen Augen und einem so trotzigen, insteren Ausdruck, wie er in diesem Alter nur selten sich tnbet. Als der Doctor bas Bilb in bie Mappe zurücklegte, 'am ein anberes, das daneben lag, ihm zufällig in die Hand, wch warf er nur einen raschen und scheuen Blick darauf. Es war das Bildniß eines Studenten mit bunter Mütze - ein scharfgeschnittenes, geistvolles unb gutes Gesicht, von einem noch schwachen Barte nur spärlich umrahmt. „Diese verfluchten Schatten!" murmelte ber Doctor - mit einem mißmuthigen Seufzer schob er bie Bilber unter bie Papiere zurück, legte ben heute erhaltenen Brief obendrauf und ver- 'chloß die Mappe. Dann frühstückte er eilig, indem er nur wenig aß, aber ein paar Gläser Wein rasch nach einander trank, hüllte sich tn seinen Pelz und verließ das Zimmer. Im Corridor des ersten Stockwerks blieb er zaudernd stehen- „sie erfährt es noch früh genug," dachte er und warf dabei einen Blick auf die Thür von Fräulein Tietjeus' Zimmer. Er ging rasch vorüber, ohne anzuklopfen, aber die Treppe stieg er noch nicht hinunter, sondern bog nach dem Hinteren Flügel ab und trat bei seinem Neffen ein. (Fortsetzung folgt.) Mira?) Von M. C. Carpenter Meyer. (Nachdruck verboten.) Die Nacht ist herabgesunken. Eine wunderbare, sternenklare Nacht - die glühende Hitze ist einer erquickenden Kühle gewichen, ein lauer Wind fährt über die blühende Pracht und trägt ihren Duft hinaus in unbekannte Weiten, gleißend leuchtet das Mondlicht auf den Wassern und mischt sich mit dem electrischen Licht. Weich und schmeichelnd ertönen die Weisen der Musik im Edengarten von Calcutta. Wagen auf Wagen rollt heran, ein distinguirtes Publikum, Weiße und Eingeborene, die ganze vornehme Welt von Calcutta gibt sich hier allabendlich Rendezvous auf der Esplanade. In der Nähe des Orchesters stehen plaudernd zwei Herren. Des einen, jüngeren Haut ist noch wenig gebräunt vom Klima, Capitän Henricourts Commando nach Indien liegt erst wenige Monate zurück. „Wahrhaftig, Doctor, über eine solche Nacht muß man alle Strapazen Indiens vergessen- was ist eine europäische Frühlingsnacht mit all ihrem Reiz dagegen?" Doctor Dun, dem Indien längst Heimath geworden, zieht gemächlich seinen Schnurrbart durch die wohlgepflegte, schmale Hand: „Allright, Capitän, aber mir erschien auch zuweilen eine Mondnacht am heimischen Strand ganz herrlich und wunderbar. Ungefährdet und ungehindert konnte man im Zauber einer Frühlingsnacht, ein schönes Kind am Arm, einen Seitenpfad wählen, im Schalten der Bäume, fern ab vom Orchester und Licht, auf rosige Lippen einen glühenden Kuß pressen. Hier würden Sie zweifellos den Kuß mit dem Biß einer Cobra bezahlen — gewiß äußerst romantisch — der Teufel aber hole diese Romantik — — — und dann ist cs allerdings um vieles angenehmer, wenn bei einem Spaziergang im Urwald statt ber Eicheln unb Kienäpfel goldleuchtenbe Ananas unb Bananen pflückreif uns winken, während Papageien und Kakadus an Stelle harmloser Meffen und Spechte sich auf den Zweigen wiegen. Weniger berauschend ist es jedoch, wenn man glaubt, auf ein verdorrtes Blatt zu treten unb eine zischenbe Cobra fährt uns entgegen, ober schreienbe Affen bombarbiren wohlgezielt mit Cocosnüssen die Eindringlinge in ihr Revier — —" *) Der Inhalt der Novelletie, so romantisch derselbe auch erscheint, beruht auf Wahrheit. D. R. 48 - heit schlafend. (Schluß folgt.) Gemeinnütziges verständlich. Billa, die sein Fuß sonst nie betreten. Lodtenstille herrschte überall, nach langem Suchen fand er sie endlich hinter einem chweren Vorhang auf einer Ruhebank in berückender Schön- * Die Gewohnheit, im Bett zu lese«, ist weit verbreitet und wird besonders viel im Winter gepflegt, weil man die Behaglichkeit der Bettwärme mit der angenehmen Seetüre verbinden will. Sie ist aber zu verwerfen, weil sie mancherlei Gefahren birgt. Der Schlaf überkommt einen bekanntlich unmerklich, die Lampe bleibt häufig brennen, stört bett Schlaf in solcher Nähe vor den Augen, kohlt zuletzt und der Dunst davon fällt schwer auf den Athem. Vielfach ist schon das Tischchen umgeworfen worden, und ein Brand entstanden, der für den Schlafenden in erster Linie gefährlich wird. Ferner ist die liegende Stellung für die Augen nicht geeignet, die Buchstaben stehen zum Auge und die Lampe zu den Buchstaben in einem ganz schiefen Winkel. Das Lesen strengt durch die Dauer die Augen zu viel an. Kommen noch Nebenumstände dazu, so kann das den Augen sehr gefährlich werden. Ein Fall berichtet von der Erblindung eines Herrn durch das Lesen im Bett. Dte liegende Stellung ist auch deswegen ungünstig, weil durch ste der Kopf und die Augen stärkeren Blutzufluß und somit die Augen auch noch einen Druck von Innen erhalten. Auch werden die Gedanken zur Nachtzeit, wo das Gehirn Ruhe braucht, zu sehr angeregt und das Einschlafen dadurch wie auch durch das Licht widernatürlich verzögert. Als erwärmendes Getränk znr Winterszeit eignet sich nichts besser, als eine Tasse kräftiger Fleischbrühe. Der starken Anregung durch alkoholhaltige Getränke folgt bald Erschlaffung. Thee und Kaffee sind harmloser, wirken aber gleichfalls auf die Nerven. Dagegen Fleischbrühe weist nur gute Eigenschaften auf,- sie stärkt und erquickt zugleich. Und wie leicht und rasch ist sie heutzutage bereitet: In kochendes Wasser ein wenig Fleisch-Extraet gethan (etwa eine Messerspitze voll auf die Tasse gerechnet- Liebigs Fleisch- Extract ist äußerst ausgiebig und daher auch das billigste)- eutsprecheud Salz dazu und, wenn zur Hand, ein Stückchen Butter- das läßt man einmal durchkochen, und dann bietet es eine herrliche Labung für den, der durchfroren in sein Heim zurückkehrt. Auch beim späten Arbeiten an den langen Winterabenden, namentlich bei geistiger Thätigkeit, leistet sie vortreffliche Dienste. * Wie erkennt man, oh Bntter mit Margarine versetzt ist? Die Butter wird eine Nacht hindurch der frischen Luft ausgesetzt - zeigt sie am Morgen eine gleichmäßige gelbe Farbe, so ist sie rein, nimmt man aber weißliche Streifen in der Butter wahr, ist sie mit Margarine versetzt. 1 * * Vier Regeln über die Wahl der Dienstboten. 1. Nimm nie ein Mädchen, welches sich über seine letzte Herrschaft tadelnd ausspricht. Sie wird auch über Dich bei anderen Leuten aussprechen. 2. Nimm nie eine Person, welche Alles zu verstehen vorgiebt. Sie wird wenig ober nichts verstehen. 3. Nimm nie eine, welche vorher ausmachen will, was sie zu thun hat, und was nicht. 4. Verdirb Dir ein gutes Dienstmädchen nicht dadurch, daß Du es zu Deiner ständigen Vertrauten machst. Daß Du sie andererseits gut und freundlich behandeln sollst, ist selbst- * * Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) 'N ®«Wn- Doktor Dun streift lächelnd mit den Augen eine kleine, noch frische Narbe auf des Capitäns Stirn. „Sie sind ein entsetzlicher Realist, Doetor!" Eine kostbare, mit Juwelen gezierte Equipage fährt langsam an den beiden Herren vorüber, zwei Damen, Eingeborene, lehnen im Fond. Die eine, alt, verschrumpst mit Schmuck beladen, die andere, jung und von berauschender, wunderbarer Schönheit. Die Wogencolonne stockt, die Equipage hält dicht vor den betden. Capitän Henrieourts Augen hängen wie gebannt an dem Mävch n, dessen nur von einem Schleier bedecktes Gesicht em Meisterstück der Schöpfung scheint. Einen Augenblick begegnen die glänzenden, schimmernden Sonnenaugen den seinen, ein Etwas liegt darin — noch ein feuriger Blick, der Wagen fährt weiter. „Wer ist sie, Doetor?" Doetor Dun, der stumm das Mienensprel beobachtet, sagt zögernd: „Suchen Sie sich jeden Gedanken an die schöne Mira aus dem Sinn zu schlagen. Sie stammt aus einem Distriete des Südens, ihr Vater ward ein Opfer der Kriege, sie lebt hier bei reichen Hindus, ihren Verwandten. Manch einer schon schaute zu tief in die Märchenaugen des schönen Werkes, doch nur Verderben ward fein Lohn. Man sagt, die Inderin umgibt ein Geheimniß, sie könne wohl Liebe entfachen, aber nicht erwidern." Capitän Henrieourt dachte an den wonmg berauschenden Blick- sie solle nicht lieben können? „Doetor, auf Ehre, dieses schönste Wunder Indiens muß ich erringen und wäre es mit tausend Gefahren verbunden." Wieder ist die Nacht herabgesunken. Milliarden funkelnder Sterne wandeln unentwegt ihre Bahnen. Die Villa Godt liegt tote verzaubert im Mondenschein, alles Leben in ihr scheint erstorben. An die Ballustrade des Balkons gelehnt steht, das Auge sehnsüchtig in die Ferne gerichtet, ein weißgekleidetes, verschleiertes Mädchen, Thränen perlen an ihren Wimpern und fallen auf die blühenden Myrthenbäume herab, das Auge der schönen Mira sucht von fern das Licht, das vom Eden- garten herüberschimmert. Da raschelt es leise, ungesehen erklomm Capitän Henricourt die Balustrade und liegt nun zu ihren Füßen. - Kein Wort vermögen sie sich zu sagen, die Sprache der Hindus ist ihm noch wenig geläufig, doch die allmächtige, weltenbezwingende Sprache der Liebe führt sie zusammen, sie denken nicht, sie fragen nicht, die Augen werben, flehen, bitten, gewähren, die Lippen besiegeln es------— Manch eine Stunde verging so im süßen Liebesgekose, die Leidenschaft Capitän Henrieourts ward inniger, glühender, die schöne Mira aber ward stiller und trauriger von Tag zu Tag. Der getrübte Glanz ihrer Augen sprach von heißen Thränen, bis sie endlich aus wiederholtes Bitten Henrieourts gestand, daß es unmöglich sei ihm anzugehören. Und als er am anderen Tage eilte, fein Lieb in die Arme zu schließen, erwartete ihn eine Dienerin an ihrer Stelle und gab ihm einen Zettel. Lange, lange noch harrte er und wartete auf ein Zeichen, doch nichts regte sich, verzweifelt las er wieder und wieder die Botschaft: „Vergiß mich, mein Fredy, keine Macht der Welt, auch Deine Liebe nicht vermag mich zu retten. Mira." Capitän Henricourt saun und sann. Er hatte nie an die Zukunst gedacht, nur der Gegenwart gelebt- auch au das Geheimniß Miras hatte er nie gedacht, doch selbst ohne dieses würde ihre Familie nie in eine Heirath gewilligt haben. Von ihr lassen konnte er nicht mehr, er mußte sie erringen um jeden Preis. — — — — — — — — Und als die Nacht abermals herabsank, wanderte er wiederum über die Balustrade, doch diesmal hinein in die