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(Fortsetzung.) .... "Da Ihre Projecte nicht zum Glücke Ihrer Enkelin Pchren konnten, so ist es am besten, daß Sie sich dieselben aus dem Sinne schlagen," sagte der Baronet traurig. ' „Das ist leichter gesagt als gethan!" rief Godfrey Grehlock, indem er in zorniger Aufregung auf und ab ging. Frankreich verstehen sie sich besser auf dergleichen Dinge, «im Himmel, ich kann es nicht begreifen! Hat die Thörin Ihnen einen Grund angegeben, warum sie Ihre Hand lluZIchlug?" /Feinen. Es ist indessen klar, daß ich nicht so glücklich °en Weg zu ihrem Herzen zu finden." »Und Sie wollen jetzt nach England zurückkehren ?" , Sir Gervase schüttelte den Kopf. „Nicht augenblicklich. "ge meiner Freunde, die mit mir kamen, haben sich nach v611 °uf die Büffeljagd begeben. Ich werde fh ihnen anschließen und ihr Wanderleben eine Zeit lang heuen Später — wahrscheinlich im Herbst — werde ich b,E Heimreise antreten." ■ endigten Godfrey Greylocks Pläne, feine Enkelin Em Baronet zu vermählen und auf diese Weise den berbiub bem amerikanischen Zweig der Familie zu » ®lne halbe Stunde darauf sah Ethel eine Kutsche die m 11,6115 $^ee hinab rollen, und sie wußte nun, daß der » °1,E1 sarl war. Sie hatte ihn zum letzten Mal gesehen, sein Qn,~. E fte ihm und er ihr nur noch eine Erinnerung na» 6ble^ am Fenster stehen, blickte dem Fuhrwerk ba8^be unter den Bäumen verschwand. Plötzlich öffnete eine Dienerin die Thür und sagte:. | g^ier ist eine Person von der „Katzen - Herberge", welche Sie zu sprechen wünscht." 8 ' eLa)e .. r^^et,,to“nbte sich rasch um und erblickte ein schwächliches, ärmlich gekleidetes Wesen mit einem einfachen schwarzen Shawl und einem gewöhnlichen Strohhut, der eine Fülle von üppigen, glanzend schwarzen Flechten bedeckte. W 8 ' n,2816?“11”1 die Mädchen einander von Angesicht zu Aligeficht gegenüber. Wenigstens eine von den Beiden tUrl rle?ec9t ®ie blickte mit feuchten Augen auf das . schone Geschöpf vor ihr, sie gedachte des Geheimnisses, das e,9eiten JBru|t verschlossen lag, eines Geheimnisses, von dem die Andere nicht die geringste Ahnung hatte, unb bringen"^ föUm aBorte finben/ um ihre Botschaft hervorzu- BML« S KL Die Erbin von Greylocks Woods wechselte die Farbe >zhre weißen, mit Juwelen bedeckten Finger begegneten den braunen der Ueberbringerin, um den Brief V Empfang zu nehmen. ri 9 Mit athemloser Hast riß sie das Couvert auf und las folgende Zeilen: „Geliebte meines Herzens! Ich habe die Umgegend von Blackport studirt unb weist letzt genügenb Bescheid. Heute Abend punkt acht Ubr werde ich Dich bei dem Steinhaufen neben den alten Salz- gruben erwarten. Erfülle Deinen Schwur und verlast Alle' die Dir lieb und Iheuer sind, um dem Manne zu folgen' der Dich mehr als sein eigenes Leben liebt. 8 ' Regnault." Ethel zerknitterte den Brief in der Hand unb sank aus ben nächsten Stuhl. „Er hat einen unheilverkünbenben Ort zum Stelldichein gewählt," war ihr erster Gedanke. „Die alten Salzgruben — heute Nacht — um 8Ubr'" murmelte sie laut vor sich hin. Vielleicht hatte sie Pollvs Gegenwart vergessen,- vielleicht auch hielt sie dieser einfach!» A?ii^eii"6"0^ iEDe Glicht überflüssig. „Großer Gott, ilvLJv 1H11 UCl • ® 8 SS; Miß°Grchl°ock 6I,E6 fte[)en ’mb dickte mit Besorgniß auf Ethel kam endlich wieder zu sich, sah die Ueberbringerin 346 des Briefes vor sich stehen und stammelte: „Eine Antwort — ja Sie müssen dem Herrn eine Antwort überbringen." Wie im Traume schritt sie auf einen mit Perlmutter eingelegten Secretär aus Ebenholz zu, setzte sich und schrieb hastig die vier Worte: „Ich werde dort sein." „Bringen Sie dies dem Herrn in den Gasthof," sagte sie, indem sie Polly das Billet übergab. Sodann nahm sie eine Banknote aus ihrer Börse und setzte freundlich hinzu: „Nehmen Sie das für Ihre Mühe!" Ethel Greylock war stets gütig und freigebig gegen ihre Untergebenen. Selbst den Dienstboten im Hause trug sie ihre Wünsche stets bittend, nie befehlend vor, und ungewöhnliche Dienstleistungen ließ sie nie unbelohnt — ein Zug, der ihr die Zuneigung des gesammten Dienstpersonals in Greylock Woods gewonnen hatte. Sie wollte Polly das Geld durchaus aufdrängen. , Diese aber weigerte sich entschieden. Ihre Erinnerung zauberte ihr zwei kleiue Kinder vor Augen, die im Sturm und Regen auf deu Straßen einer großen Stadt betteln gingen "und hohe, steile Treppen miteinander emporstiegen, das kleinere Mädchen stets von dem größeren beschützt und verrheidigt, und wie sie dann zum Lohn für ihre Tagesmühen mit Flüchen und Püffen von einer alten Hexe empfangen wurden und endlich auf dem harten Dielenboden einer Dachkammer in inniger Umarmung einschliefen. Jener längst entschwundenen Tage gedachte das größere der beiden Bettelkinder, als es in dem luxuriösen Prunkgemach vor dem kleineren stand, das, in Seide gekleidet und mit Juwelen bedeckt, bezaubernd aussah. Jener unvergeßlichen Tage gedachte Polly, als ihre verlorene, Jahre lang so tief beweinte und nun so plötzlich wiedergefundene Nan ihr den unbedeutenden Botendienst so huldvoll und herablassend bezahlen wollte. „Nein, Miß Greylock, um's Himmels willen, nein!" rief sie aus. „Ich kann Ihr Geld nicht annehmen — es würde mir die Finger verbrennen — es würde mir das Herz brechen. Nein, nein, nöthigen Sie mich nicht! Es schmerzt mich, daß Sie so niedergeschlagen sind — es thut mir weh, Kummer in Ihren Zügen zu lesen! Glauben Sie — daß ich Ihnen irgendwie von Nutzen sein könnte? Oh, wie gern würde ich Ihnen zu Diensten sein!" Der ernste, leidenschaftliche Ton, mit dem diese Worte gesprochen würden, überraschte und rührte Ethel. Sie schüttelte indessen den Kopf und sagte: „Sie sind sehr freundlich, mein gutes Mädchen, allein mir ist nicht zu helfen." Diese Worte entschlüpften ihr unwillkürlich. „Wo haben wir uns schon getroffen? Ihr Gesicht" kommt mir merkwürdig bekannt vor." „Ich diene in der „Katzenherberge," antwortete Polly. „Ach ja, ich erinnere mich jetzt," sagte Ethel lächelnd. „Sie nähten eines Morgens mitten unter den Katzen, als ich auf einem Spazierritt vor dem Fenster des Gasthofs Halt mache. Wie ist Ihr Name?" „Polly." „Darf ich Ihnen vertrauen, Polly? Es ist von größter Wichtigkeit, daß Niemand erfährt, daß Sie mir einen Brief überbracht haben. Ich käme in große Gefahr, wenn es entdeckt würde. Können Sie ein Geheimniß bewahren?" Ein trauriges Lächeln umspielte Pollys hübschen geformten Mund. „Ja, Miß Greylock, ich kann ein Geheimniß bewahren. Lieber wollte ich meine rechte Hand, opfern, als irgend Jemanden verrathen, daß ich diesen Morgen bei Ihnen war." „Ich danke Ihnen. Ihr Gesicht sagt mir, daß Sie zuverlässig sind. Wir sehen uns vielleicht, wieder, Polly. Und nun, guten Morgen!" Polly war von der anmuthigen Erbin huldvoll entlassen. Mit der Botschaft an Regnault in der Hand flog sie aus dem Hause, die Tannen-Allee hinab und nach der „Katzen-Herberge" zurück. „Gott sei Dank! Sie hat Alles vergessen!" seufzte sie unterwegs vor sich hin. „Zwar schien irgend ein Zug meines Gesichtes eine dunkle Erinnerung wachrufen zu wollen, allein das Bild aus längst vergangener Zeit trat nicht vor ihre Seele. Sie soll auch nie etwas erfahren! Lieber wollte ich mir die Zunge ausreißen, als ihr das Geheimniß offenbaren!" Sie erreichte den Gasthof, übergab Regnault, der ungeduldig wartete, Ethels Billet und begab sich dann ruhig und schweigsam, aber mit einem festen Entschluß im Herzen, an ihr Tagewerk. Mittlerweile war die Kutsche, die den Baronet nach dem Bahnhof von Blackport gebracht hatte, wieder leer nach Greylock Woods zurückgekehrt. Ethel sah sie zurückkommen und begab sich dann mit einem erzwungenen Lächeln auf den Lippen in den Speisesaal, um mit ihrem Großvater, Tante Pamela und Doctor Vandine, der an diesem Tage eine Einladung nach Greylock Woods erhalten hatte, das Gabelfrühstück einzunehmen. Godfrey Greylock blickte seine Enkelin streng und finster an. Sie war blaß und nervös, und ihre schönen Augen waren eingesunken. Trotz seinesZornes und seiner getäuschten Erwartungen regte sich bei ihrem Anblick etwas wie Mitleid in ihm. Sicherlich, dachte er, würde sie bei der ersten günstigen Gelegenheit zu ihm kommen und ihm ihr Herz eröffnen. Sie konnte ihrem Großvater, der sie so zärtlich liebte, doch unmöglich etwas verheimlichen. So glaubte er, allein er täuschte sich. Während der Mahlzeit ging es ziemlich einsilbig her. Doctor Dick und Miß Pamela hielten die Unterhaltung nur nothdürftig im Flusse. In der Gegenwart des Mädchens, das er so hoffnungslos liebte, fühlte sich der Doctor beklommen und verlegen; sein Gesicht hatte einen bekümmerten und niedergeschlagenen Ausdruck. Das strahlende Antlitz mit den prächtigen, anmuthigen Augen und den goldenen Locken auf der anderen Seite des Tisches machte noch immer sein Gehirn wirbeln und sein Herz pochen. Dennoch rang er tapfer mit seinem Kummer und that sein Bestes, um den grimmen Dämon des Schweigens von der Tafel zu verjagen. Godfrey Greylock und Ethel unterstützten ihn hierin nur wenig- Miß Pamela aber wagte es, offen auf den Gegenstand zu kommen, an den Jedermann im Geheimen dachte. „Es ist mir unbegreiflich," begann sie, „wie Sir Gerüche so plötzlich uns und der Civilisation den Rücken wenden konnte, um sich nach dem Lande der Büffeln und wilden Indianer zu begeben." „Ueber Geschmackssachen läßt sich nicht rechten, Pamela," antwortete Godfrey Greylock trocken. „Wir Alle haben unsere Schrullen." „Skalpiren die westlichen Wilden englische Edelleuie nicht ebenso geschickt wie schlichte amerikanische Bürger?" „Ohne Zweifel, wenn sie Gelegenheit dazu haben." „Dann fürchte ich, daß Sir Gervases Adelstitel bald auf den nächsten Verwandten übergehen wird." „Unsinn! Er versprach, im Herbst nach dem Osten zurückzukehren." „Mir kommt es vor, als ob seine plötzliche Abreise für Keines von uns sehr schmeichelhaft wäre. Was meinst Du, Ethel?" Diese blickte auf und beantwortete die Frage ihrer Tante mit erzwungenem Humor. „Ich bewundere den abenteuerlichen Geist des Baronets- aus solchem Stoff sind Helden gemacht. Gräme Dich nicht um ihn, Tante Pamela, er ist vollkommen im Stande, sich vor Gefahren zu schützen." Als man sich vom Tische erhob, näherte Godfrey Greh- lock sich seiner Enkelin und flüsterte ihr leise zu: „Hast Du mir etwas zu sagen, mein Kind?" Ethel wurde noch blässer, als sie bereits war- allein sie schüttelte den Kopf und erwiderte: . „Nein, Großpapa!" Sein wollte sich Ethe Wittags welche da die Abrei Sie ,A was Du Der Tag Thorheit Mann ai hat er a davon sp geschlage In Es war ihrem H der „Ka aber au verstieß, Jntrigu verabsch theilen blicken i „C den Ba seiner S unseren nach E geweser über u die Gö- Du roi verschu S Zimm! zu- Li für F c / viellei wenn meine uns i lich, - Ethel die ' liebt ihm Verb' gefo! oft 1 setze, lich, froh noch anv- Glider ihre Uh, ein. — 347 — Sein Zorn entbrannte aus's Neue gegen sic. Sie wollte sich ihm also nicht anvertrauen. Ethel speiste an diesem Tage in der Rosen-Villa zu Mittags Dort harrte ihrer eine neue Prüfung. Iris, welche das Herrenhaus nicht aus den Augen verlor, hatte die Abreise des Baronets bereits erfahren. Sie nahm Ethel in's Gebet, sobald diese sich gesetzt hatte. „O, Du thörichtes Kind!" rief sie aus. „Ich weiß, was Du gethan hast; Du brauchst es mir nicht erst zu sagen. Der Tag wird kommen, und zwar bald, da Du Deine Thorheit bitter bereuen wirst. Wie konntest Du nur diesen Mann ausschlagen? Ist Dein Großvater nicht wüthend?" „Ich fürchte, er ist es," seufzte das Mädchen- „bis jetzt hat er aber noch nichts gesagt. Doch laß uns nicht Wetter davon sprechen, Mama- ich bin heute krank und niedergeschlagen." Iris zartes Gesicht sah besorgt und bekümmert aus. Es war ihr zu Muthe, als ob ein Damoklesschwert über ihrem Haupte schwebe. Sie hatte zwar mit dem Mann in der „Katzen-Herberge" einen Vertrag abgeschossen- was sollte aber aus ihr werden, wenn Godfrey Greylock sein Enkelin verstieß, was er ohne Zweifel thun würde, falls er deren Jntrigue mit Regnault entdeckte? Die von ihm so sehr verabscheute Mutter würde sicherlich das Schicksal des Kindes theilen müssen. Gefahren drohten ihr, wohin sie auch blicken mochte. „Ethel! Ethel!" begann sie von Neuem, „hättest Du den Baron geheirathet, so wäre Alles gut geworden. Von seiner Liebe geschützt und seinen Namen tragend, hättest Du unseren Feinden trotzen können. Ich wäre dann mit Dir nach England gegangen, wo ich vor — vor — Allem sicher gewesen wäre. Jetzt aber stehen wir allein und müssen über uns ergehen lassen, was das Schicksal versügt. „Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit." Du warst sicher wahnsinnig, als Du Sir Gervase Greylock verschmähtest." Hannah Johnson, die in diesem Augenblick durch das Zimmer schritt, warf der jungen Erbin einen boshaften Blick zu- Letztere bemerkte indessen die übermüthigeDienerin nicht. „Mama," sagte sie ernst, „ich verstehe Dich nicht. Was für Feinde haben wir denn? Wen haben wir zu fürchten?" Iris erröthete und antwortete gereizt: „Jeder Mensch hat seine Feinde, wenn er es auch vielleicht nicht weiß. Es ist einzig und allein Deine Schuld, wenn wir aus Greylock Woods verstoßen werden. Ich habe meine Karten gut gespielt- ich fürchte aber sehr, Du wirst uns Alle verderben." „Du bist sehr hart gegen mich. Es war mir unmöglich, Sir Gervase Greylock zu heirathen." „Blindes, thörichtes Mädchen!" „Ja, Mama, das bin ich und noch mehr," erwiderte Ethel traurig. „Ich denke aber, Du übertreibst die Gefahr, die Dir durch meine Handlungsweise droht. Großpapa liebt mich - er ist nicht der rachsüchtige Mann, den Du in ihm erblickst. Er wird Dich nicht entgelten lassen, was ich verbrochen habe." „Das wird sich zeigen. Du bist zwar Deinem Kopfe gefolgt, aber Du wirst noch die Erfahrung machen, daß es oft theuer zu stehen kommt, seinen eigenen Willen durchzusetzen, namentlich in Liebesangelegenheiten." Iris war während der Mahlzeit mürrisch und verdrießlich, und Ethel verließ die Rosen-Villa zu früher Stunde, froh, dieser Mutter zu entkommen, für die sie weder Liebe noch Achtung empfand, und der sie noch nie ein Geheimniß anvertraut hatte. Es dämmerte bereits, als sie das Herrenhaus erreichte. Glücklicher Weise speiste Godfrey Greylock heute bei einem der Badegäste von Blackport. Ethel begab sich sofort nach ihrem eigenen Zimmer, da nur noch wenige Minuten an acht Uhr fehlten. Sie öffnete ihren Kleiderschrank und nahm einen einfachen grauen Mantel, sowie einen Hut und Schleier von der gleichen Farbe heraus, steckte jedoch weder Geld noch Werthsachen zu sich. Dann ergriff sie einen Bleistift und Papier, um zu schreiben, stand einen Augenblick unentschlossen und legte dann die Dinge wieder hin. Nein, sie wollte denen, die ihr bisher die Nächsten und Theuersten waren, keine Zeile hinterlassen. Die Alabaster-Uhr auf dem Kamingesims verkündete die achte Stunde. War es die Freude, die Leidenschaft der Liebe, was sie erbeben und von Kops bis zu den Füßen erbeben machte? Regnault hatte sie gerufen, und sie mußte gehen, um den Schwur zu erfüllen, den sie mehrere Wochen vorher in der Scheidestunde unter den Bäumen des Schulgartens gethan hatte. Draußen aus dem Corridor hörte sie Miß Pamela der alten Hopkins Befehle ertheilen. Sie stand still und lauschte, bis die beiden Stimmen verhallt waren, dann flog sie rasch und geräuschlos die Treppe hinab und zum Hause hinaus. 24. Capitel. An den Salzgruben. Der Abend war windig und bewölkt. Doch war es noch hell genug, um Ethel den Weg erkennen zu lassen, als sie die Allee hinab eilte und in die Landstraße einbog. Sie schlug direct den Weg nach dem Steinhaufen ein. Ihre größte Besorgniß war, daß sie der zurückkehrenden Equipage ihres Großvaters begegnen möchte- allein das Schicksal begünstigte sie, und sie traf aus kein lebendes Wesen. Rasch bog sie von der Landstraße in den schmalen Fußpfad ein und eilte festen Schrittes zu den alten Salzgruben hinab. Dort stand er, an den Steinhaufen gelehnt, den Mercy Pooles Hände dem Andenken ihres ungetreuen tobten Liebhabers errichtet hatten. Ja, es war seine schöne, schlanke Gestalt, in der wohlbekannten Haltung eines Bühnenhelden. Seine dunklen Augen blickten nach allen Richtungen umher. Um sich die Zeit zu vertreiben, hatte er sich eine Cigarre angezündet, welche wie ein Stern durch die Dunkelheit glühte. Als Ethel sich näherte, warf Regnault die Cigarre weg und eilte ihr entgegen. Im nächsten Augenblick zog er sie in seine Arme, er drückte sie stürmisch an sein Herz und bedeckte ihr bleiches Gesicht mit Küssen. „Mein Engel, Du kommst spät!" rief er vorwurfsvoll. „Ich fing schon an zu glauben, daß auch Du Dich vor Geistern fürchtetest." Sie erwiderte seine Liebkosungen nicht- kalt und regungslos wie eine Statue nahm sie dieselben entgegen. „Warum wähltest Du diesen Ort zu einer Zusammenkunft ?" stammelte sie, indem sie schaudernd auf das steinerne Monument, die alten Salzgruben und die Marschwiesen blickte, über welche das Zwielicht wie ein Leichentuch sich gelagert hatte. „Es ist eine böse Vorbedeutung. Weißt Du, was sich hier vor vielen Jahren zugetragen hat?" „Jawohl," antwortete Regnault. „Ich habe mich den ganzen Tag in der „Katzen-Herberge" ausgehalten und dort die ganze Geschichte vernommen. Du bist aber doch nicht abergläubisch, Geliebte? Ich wählte diesen Ort, weil wir hier vor einer Ueberraschung ziemlich sicher sind- wie ich höre, meiden die Leute von Blackport diesen Fleck wie Pestilenz. Du kannst doch nicht glauben, daß Deines Vaters Geist Dir oder irgend Einem, welcher Dir theuer ist, ein Leid zufügen würde? Die Lebenden sind es, nicht die Todten, die wir zu fürchten haben. Warum liefst Du gestern Abend so bald vom Concert weg? Als Du verschwunden warst, wich die Seele aus meinem Gesang." Der Wind fuhr pfeifend und stöhnend über die Marschwiesen hin. Von fern her tönte der melancholische Wellenschlag des Meeres, und von Zeit zu Zeit sprühte der Regen auf die Erde nieder. Die zunehmende Dunkelheit und die Ungunst der Elemente schienen nichts Gutes zu weissagen. 848 „Mama wurde in Folge der Hitze ohnmächtig und mußte hinausgetragen werden; ich folgte ihr," antwortete Ethel mit matter Stimme. (Fortsetzung folgt.) Schnelltrauungen auf Helgoland. Vor Kurzem hieß es, so schreibt das „Neue Wiener Tageblatt", durch die Vereinigung Helgolands mit Denschland sei den Helgoländer Trauungen ein Ende gemacht mordendem ist aber nicht so, denn die preußische Regierung hat den Helgoländern die Ausübung ihres „alten Rechtes" bis zum Jahre 1913 bestätigt. Wer von dieser Concession Gebrauch machen will, thut am besten, wenn er sich mit dem Herrn Pastor Schröder, der die Trauungen vornimmt, vorher in Verbindung setzt und diesem die Geburtsscheine einsendet, c cntuell wenn er noch nicht 25 Jahre alt ist, auch die nr'ariell beglaubigte Einwilligung der Eltern und den Tag der Ankunft mittheilt. Dann sind alle kleinen Formalitäten, be allenfalls noch nöthig sind, schon vorher erledigt und der Ankunftstag kann zu gleicher Zeit auch der Hochzeitstag sein. Pastor Schröder ist ein weltgewandter, liebenswürdiger Herr, der keine unnützen Fragen thut und nicht sieht, was er nicht sehen will. In freundlicher Weise theilt er dem Brautpaar mit, daß alles bereits vorbereitet sei und daß er, sobald jenes vor dem Herrn Assessor, der es um 5 Uhr erwarte, den Schwur abgelegt habe, daß keines von ihnen verwittwet oder geschieden oder bereits verheirathet sei, bereit wäre, die Trauung vorzunehmen. Braut und Bräutigam machen sich also mit noch von der Seekrankheit schwankenden Schritten nach dem Sitze der Regierung auf, die stramm und schneidig von einem preußischen Assessor verwaltet wird. Dort wird ihnen zuerst von einem Secretär die etwas verfängliche Frage vorgelegt, aus welchem Grunde, da beide doch nicht orts- angehörig wären, die Trauung hier stattfinden soll. Wenn der Bräutigam über die unerwartete Frage verlegen sein und nicht gleich eine Antwort finden sollte, wird die zweite Frage hinzugefügt, daß der Grund ohne Zweifel wohl der sei, durch den Umstand, daß hier das Aufgebot fortfiele, Zeit ersparen zu wollen. Da der Bräutigam in der Regel diesen Grund bestätigt, wird er zu Protokoll gegeben, der Herr Assessor erscheint, nimmt Beiden den Schwur, wie er vorstehend erwähnt wurde, ab und das Brautpaar geht mit dem Schein, der die Erlaubniß zur Trauung enthält, zu dem Herrn Pastor zurück. Die nothwendigen zwei Zeugen haben sich inzwischen bei diesem bereits e »gesunden. Jetzt sind alle Formalitäten erfüllt. Der Herr Pastor hat den Schein in Empfang genommen und kündigt an, daß nun gleich die Trauung stattfinden wird. Während er sich entfernt, um seinen Talar anzuziehen, werden auf einem kleinen Hausaltar die Lichter angebrannt. Bald erscheint der Herr Pastor in seiner Amtsrobe wieder und schreitet an den Altar, langsam tritt das Brautpaar vor ihn hin, gefolgt von den Zeugen. Die Traurede beginnt. Mit einer herzlichen Ansprache legt der Priester die Hände der Liebenden ineinander, von Beider Lippen ertönt das „Ja" und die Ehe ist nun ebenso unwiderruflich und bindend geschlossen, als wäre es vor dem trockensten Standesbeamten in Berlin mit den allernmhwendigsten Worten geschehen. Nachdem der Trauschein in Empfang genommen ist und der Herr Pastor und die Zeugen gratulirt haben, tritt das neuvermählte Paar wieder in die frische Meeresluft hinaus. Vom Thurm der St. N.kolaskirche schlägt es gerade 6 Uhr. Zwei Stunden sind erst seit der Ankunft auf Helgoland verflossen. Bei ihrem Wirth erwartet die Neuvermählten das Hochzeitsmahl, dessen Menu im Sommer oft sehr reichhaltig ist, im Winter dagegen, da alles Fleisch vom Land- bezogen werden muß und in Folge dessen die Auswahl nur gering ist, regelmäßig aus Filet Beefsteak mit grünen Bohnen und einer Flasche Rothwein besteht, der, weil er aus Frankreich unverzollt hereinkommt, sehr gut und nicht theuer ist. Da das Boot schon früh um 7 Uhr nach dem Schiff übersetzt, so klopft der pünktliche Wirth bereits um 6 Uhr und nachdem noch schnell eine Taffe Kaffee eingenommen und die Rechnung bezahlt ist, befinden sich bald nach 7 Uhr die neugebackenen Eheleute schon wieder auf dem Schiff und können, wenn sie in Cuxhaven rechtzeitig den Anschluß erreichen, in der nächsten Nacht schon wieder in Berlin sein. So finden heute im Großen und Ganzen die Schnelltrauungen auf Helgoland statt, von denen alljährlich durchschnittlich ungefähr sechszig vollzogen werden. Die Kosten, auf die sich eine solche Trauung beläuft, betragen die runde Summe von 200 Mark. Rechnet man für Reise, Logis und sonstige Nebenausgaben noch einmal mindestens 200 Mark hinzu, so kommen 400 Mark heraus, die eine Brautfahrt nach Helgoland kostet. Genreinnntzig-S. Durch die Zeitungen lief vor einigen Wochen die beunruhigende Nachricht, daß unseren Kitfchhäumen in diesem Jahre eineEpidemie drohe, indem der bekannte Pilz Monilia stellenweise so massenhaft austräte, daß die Kirschbäume daran einzugehen drohen. Auf Veranlassung der Redaction spricht sich in der neuesten Nummer des praktischen Rathgebers der bekannte Professor Dr. Paul Sorauer über diese Monilia- Epidemie aus, und zwar im Allgemeinen beruhigend. Er weist nach, daß an dem massenhaften Auftreten des in jedem Jahre und an allen Obstsorten vorhandenen Pilzes Monilia die nasse Witterung schuld sei und daß man dieses epidemische Auftreten in jedem nassen Jahre beobachtet habe. Die Nummer des praktischen Rathgebers mit dem betreffenden Aufsatze des Herrn Professor Sorauer wird Interessenten gern auf Verlangen umsonst zugeschickt von der Verlagsbuchhandlung Trowitzsch & Sohn in Frankfurt a. O. * * * „Nicht nut auf das Gericht kommt es att, sondern auch auf die Sauce", das ungefähr ist der Sinn eines altfranzösischen Sprüchwortes, in dem sich eine tiefe Küchenweisheit birgt. Die Franzosen, auf dem Gebiet der verfeinerten Kochkost dereinst die Lehrmeister der civilisirten Welt, excelliren bekanntlich in der Herstellung ausgezeichneter Saucen, und der Hauptbestandtheil einer jeden Sauce ist die Kraft, das weiß jede Hausfrau. Darüber täuscht kein Gewürz oder sonstiger Zusatz hinweg. Kraft und Wohlgeschmack verbürgt die Hinzufügung einer kleinen Menge des echten Liebig's Fleisch-Extracts, und dies gewährt zugleich das Mittel, um eine etwa zu flau gerathene Sauce sofort dem Gaumen munden zu lassen. Dies so schnell anwendbare Hilfsmittel sollte daher in keiner Küche fehlen. * * * Fleifchknchen. 10 Personen. Bereitungszeit 2 Stunden. Zu diesem sehr pikant schmeckenden Gericht verwendet man die verschiedensten Bratenreste, wiegt sie mit einer in kräftiger Bouillon aus Liebig's Fleisch-Extract gekochten kleinen Kalbsleber, einer Kalbsmilch, 100 Gramm Fray-Bentos-Zunge, 60 Gramm Luftspeck, 10 Champignons und einigen Trüffeln ein. Das Ganze verrührt man mit drei Löffeln Sahne, drei Eiern, Salz, Pfeffer, ein wenig Muskatblüthe, dem erforderlichen eingeweichten und ausgedrückten Weißbrot zu einer einen Farce, füllt sie in eine mit Speckscheiben ausgelegte glatte Form, bedeckt sie oben ebenfalls mit Speck und bäckt den Fleischkuchen bei.mäßiger Ofenhitze eine Stunde. — Behutsam gestürzt, entfernt man den Speck und reicht dazu eine braune Champignon-Sauce. Redaction: A. Scheyda. — Druck und «erlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerci (Pietsch & Scheyda) in Gießen.