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Sie mochte aus Berthas Mienen erkennen, daß dieser die Wendung, die das Gespräch genommen, keineswegs behage. Die Aufmerksamkeit wurde indessen plötzlich in eine andere Richtung gelenkt. Im lebhaften Gespräche mit dem Geheimrath kam der lupus in fabula, derjenige selbst den Strand entlang geschritten, der feit Tagen den Mittelpunkt des Interesses bildete. „Also — abgemacht — Sie verrathen mich nicht, Herr Geheimrath!" sagte er noch mit halber Stimme und trat an den Strandkorb heran. Die Räthin war noch mit Roth übergossen in dem Gedanken an die eben ausgesprochenen Verdächtigungen gegen den Doetor, Helene empfing ihn mit einem Ausdrucke, als stände der Böse selbst vor ihr, Bertha aber begrüßte ihn mit freudigem „Willkommen," und des Doetors Ausdruck verrieth die heiterste Stimmung. „Endlich," sagte er, „komme ich, mein Wort einzulösen, meine Damen. Morgen sollen Sie mich in meiner Händlereieigenschaft kennen lernen, sofern Sie sich noch einmal, diesmal zu einer kurzen, sturmlosen Fahrt der „Barina" anvertrauen wollen. Des Herrn Geheimraths Zusicherung habe ich schon. „Aber wir müssen doch erst wissen, wohin," unterbrach Frau Bernau. „Sie könnten uns am Ende auf einer Ihrer wüsten Robbeninseln aussetzen!" „Unter Ihren Füßen wird sie zum Paradiese werden, deelamirte er. „Aber Scherz bei Seite, gönnen Sie mir für morgen noch meine Lohengrinrolle und vertrauen sich dem Ungenannten an. Ich glaube, Ihnen Allen versprechen .zu können, daß die Exeursion einen frohen Schluß und ein heiteres Nachspiel haben wird. Also morgen früh */s & am Bahnhofe und um 8 an Bord!" „Abgemacht!" antwortete der Geheimrath trotz der lohenden Blicke seiner Tochter. Die Herren holten sich Stühle heran, man besprach allerhand Details für die Fahrt, Anzug, Zeitdauer und so weiter. Während aber Bertha förmlich eleetrisirt war in dem Gedanken an einen Ausflug in's Unbekannte, blieb Helene fast wortlos. Ihr ernster, fragender Blick traf einmal den Doetor und dann wieder die Cousine. Und die Beiden schienen wieder nur für einander zu existiren, — überboten sich in allerlei Neckereien. Erst als zufällig Herr von Santen das zur Erde gefallene Buch, in welchem die Dame gelesen, aufnahm, nach dem Titel sah und dann erstaunt fragte: „Das lesen Sie? Solch' ernste Tendenz kann so junge Damen anziehen!" erst dann trat auch Helene in die Conversation ein. „Sie sollten das nur auch lesen," sagte sie fast gereizt, „Sie könnten daraus erfehen, daß es auch Männer giebt, die die Frau nicht nur als ein Spielzeug betrachten, ihrer Laune dienend. Und wenn es sich in dem Buche auch nur um Romanfiguren handelt, so kann doch ein Autor so edle Gestalten nur zeichnen, wenn er selbst ein edler, großer Charaeter ist — freilich, die mag's heutzutage selten geben!" Erstaunt und lächelnd sah der Doetor sie an. §,Bravo!" sagte er, den Hut lüftend. „Wer ist denn der gepriesene Verfasser dieses Werkes, das Sie sogar käuflich erstanden haben, wie ich sehe?" Er schlug das Titelblatt noch einmal auf! „Arthur Otto! — Eine unbekannte Größe — wohl einer von den Dutzendschreibern?" Sie nahm ihm rasch das Buch ans der Hand. „Daß Sie einen Schriftsteller nicht lesen, der so in die Tiefen der Menschenseele hineindringt wie Arthur Otto, — das begreife ich, daß Sie aber den Namen eines der beliebtesten und gelesensten modernen Autoren nicht kennen, das —" „Hu, — das ist schrecklich!" sagte der Doetor mit dem dazu gehörigen Gesichtsausdrucke. Man lachte über den Wortkampf und brach dann ans zur Promenade. Mit Schrecken gewahrte Helene, wie der Doetor bald wieder an Berthas Seite ging, bemerkte, daß er geflissentlich einen Vorsprung zu gewinnen suchte. Sie hatte richtig beobachtet, denn während ihr noch das angstvoll schlagende Herz zuflüsterte: „Sie rennt in ihr Verderben, fällt einem Gewissenlosen zum Opfer — rette, a- 194 — rette sie?" während derselben Zeit neigt sich der Doctor der schönen Nachbarin zu und sprach von Hoffnung aus ein sonniges „Morgen," sprach vom Glücke, die herrliche Jungfrau von der Insel entführen zu dürfen, vom beseligenden Gedanken, ihr in Berlin wieder zu begegnen, und vom Nahen der Stunde, in der sich „Alles — Alles wenden werde." Der neckische Ausdruck und das kokette Lächeln verlor sich mehr und mehr aus ihrem Gesichtchen. Nur mit halbem Ohre schien sie dem in lebhafter Erregung Sprechenden zu lauschen. Schon mehrfach hatte sie sich fast ängstlich ihm zugewandt, als wolle sie ihn unterbrechen. Endlich, endlich eine Athempause! „Herr Doctor — ich bin in der peinlichsten Situation, ich muß Ihnen gestehen —" Weiter kam sie nicht. Nicht jetzt, mein gnädiges Fräulein — nein, nicht jetzt. Morgen, morgen soll volle Klarheit zwischen uns eintreten — ein schönes, glückliches Leben, eine sommerhelle Zukunft wird sich vor Ihnen ausbreiten, auf der festen Grundlage der Gegenwart — aus treuer, inniger, großer Liebe aufgebaut! Es wird " „Aber, Herr Doctor, — ich flehe Sie an — hören Sie mich!" „Nein — nur heute noch sehen Sie in mir den Lohen- grin. Schicken Sie mich nicht zurück zum heiligen Gral durch vorzeitige Fragen und Mittheilungen! O, Fräulein Bertha, wird mich das „Morgen" als einen namenlos glücklichen Mann finden, an der Seite der Frau, die ich liebe — über Alles, — die — ?" Er schwieg. Sie hörte seinen beschleunigten Athem, sie hatte das Gefühl, daß seine Augen durchbohrend auf ihr hafteten und wagte nicht zu ihm aufzuschauen. Es begann bereits zu dunkeln. — Sie sah nicht, wie siegessicher, wie überlegen er auf sie niederblickte. Er ging dicht neben ihr, — wortlos. Wenn er in seiner Aufregung —" „Kehren wir um," sagte sie, ohne erst den Gedanken auszudenken. „Kehren wir um!" Und schon eilte sie angstvoll beflügelten Schrittes den Ihrigen entgegen, die weit zurückgeblieben waren. Der Doctor schritt ganz dicht neben ihr. „Morgen," flüsterte er noch einmal in ihr Ohr. „Na — gut, daß Ihr endlich kommt, Ihr Ausreißer," ■ rief schon der Geheimrath, „wir möchten noch einen „Schnitt" Musik haben. Morgen, an Bord, wird's nichts damit fein." Bertha sang heute mit weniger Wärme und weniger Sicherheit wie sonst, Helene begleitete unaufmerksam — nur der Doctor war ganz unverändert. Es war noch nicht zehn, als der Gehetmrath meinte, die jungen Damen wären anscheinend müde, müßten sich für morgen stärken. Kaum aber waren die Beiden im Schlafzimmer angekommen, als auch Plötzlich die Schweigsamkeit ihr Ende nahm. „Ich fahre keinesfalls morgen mit," sagte Helene mit Entschiedenheit, „thut, was Ihr wollt, ich kann's nicht Hindernaber ansehn will ich's auch nicht, — das wäre Mitschuld!" „Liebste Helene — ich bin ja selbst „Denkst Du, ich wäre blind, hätte nicht gesehen, wie Du Dir die Kur hast schneiden lassen von dem leichtsinnigen Menschen — Du?" „Aber mein Herz, ich will ihm ja Alles beichten, — morgen!" Helene sann einen Augenblick. Heimlich, fast angstvoll suchten ihre Blicke die Cüusine, die da so ruhig vor dem Toilettenspiegel ihre Haare ordnete, als ob sie nichts von dem Allen ahne, was ihr bevorstand. — Daß die Grenzen einer harmlosen Neckerei längst überschritten waren — das konnte sie freilich nicht wissen. Mußte sie — Helene — ihr nicht eingestehen, daß sie Berrath geübt, — daß er — jener Abscheuliche — schon Alles wußte und dennoch nicht zurück- fchreckte? Nein, — nur nichts eingestehen! Die Furcht, für mdiscret gehalten zu werden, behielt die Oberhand. „Aber Du versprichst mir, daß es dann sicher geschieht," sagte sie fast zärtlich. „O, ich verspreche Dir Alles! Also Du gehst mit! Es wäre auch zu schade gewesen, wenn die interessante Dampfertour in's Wasser gefallen wäre! Weißt Du — — ich bin eigentlich riesig neugierig, was er uns morgen vormachen wird." Sie plauderten noch lange. Ueber die Neugier wurden alle Bedenken vergessen. Als aber dann endlich Bertha das Licht ausblies, rief ihr Helene zu: „Weißt Du, amüsant muß es doch sein, fo mit dem Feuer zu spielen!" „Ja — mit dem Feuer! Aber morgen, da geht's auf's Wasser, und — ich fürchte mich so ein bischen vor der Seekrankheit — diesmal der moralischen!" VII. Bei herrlichem Wetter steuerte die „Varina" am folgenden Vormittage die Wester-Ems hinauf. Die kleine Gesellschaft — fünf Personen nur — war rechtzeitig an Bord des Dampfers erschienen, den der Doctor für seine Tour gechartert hatte. Die Regierungsräthin war zwar unmittelbar nach dem Eintreffen am Bord an Capitain de Vries mit der Frage nach Ziel und Zweck herangetreten; aber der Capitain versicherte, es sei ihm nur der Kurs SW vorgeschrieben. „Doch nicht nach einer Düneninsel?" „Kann sein," antwortete der Seemann lächelnd. Der Doctor überbot sich in Aufmerksamkeit. In der Cajüte, derselben, in der er einige Tage früher die arme Bertha vom Tode errettete (die Räthin verfehlte nicht, daran zu erinnern), war ein reichhaltiges Büffet eingerichtet. Der Wirth erklärte seinen Gästen die auf See vorkommenden Erscheinungen, machte auf die Seehunde aufmerksam, die ab und zu ihre dunklen Köpfe über dem fast glatten Wasser zeigten, beschrieb die Takelung und Bauart der in Scht kommenden Schiffe und war die personificirte Liebenswürdigkeit. Aber — er war eben liebenswürdig gegen Alle ohne Unterschied. Vergebens suchte Bertha nach einer geeigneten Gelegenheit, dem Doctor das mitzutheilen, was ihr jetzt auf der Seele brannte. — Es ist ja menschlich, daß man das Peinliche, einmal entschlossen, es von sich zu schütteln, nun auch gern möglichst bald von sich wirft. Und dennoch, — sollte sie sich nicht fürchten, dem Manne, der ihr nur Gutes erwiesen, dessen Herz — sie konnte nicht daran zweifeln — ihr stürmisch entgegenschlug, ein vielleicht schmerzliches Leid zuzufügen? Sie hatte ihn getäuscht, hatte ihn über ihre Vergangenheit, über ihre Verhältnisse geflissentlich im Unklaren gelassen. Was würde er sagen, wir würde er's aufnehmen? — Und wie stand er da? Was lag gegen ihn vor? Wer konnte zweifeln an seiner rechtlichen Absicht? Verdiente er, der soviel ältere Mann, so behandelt zu werden? Es stürmte und es arbeitete im Herzen der jungen Dame. Die „Varina" glitt derweilen unaufhaltsam vorwärts. Ein paar Mal war der Curs geändert. Man fuhr jetzt in die Osterems und dann in die Ley. „Wir fahren jetzt in einer Stromvertiefung, einer Priele, zwischen den flachen Watten," erklärte der Doctor. „Drüben am Festlande der Thurm, der über den Deich emporragt, bezeichnet das vorläufige Ziel der Fahrt, — das Hafenstädtchen Greetsyhl." Wohl sahen sich die Gäste erstannt an- aber zu fragen wagte selbst die Regierungsräthin nicht mehr. Langsam lies die beflaggte „Varina" im schmalen Fahrwasser entlang, und dann, unmittelbar von dem Syhl, der Schleuse, welche das Fluthwaffer vom Binnenlande abhält, dem Flusse ~~ der Ley — aber Ausfluß gewährt, fiel der Anker. Balo waren die Gäste ausgebootet und überfchritten den mächtigen Seedeich, von dessen Höhe herab man einen Fernblick aus — M — t, für chieht," t mit! ceffante Du — morgen wurden cha das imüsant geht's Heu vor ilgenben ellschast >rd des our ge- nttelbar mit der Lapitain ben. In der ie arme t, daran t. Der nmenden , die ab : Wasser n Sicht -würdigte ohne Gelegen- auf der as Pein- nun auch -en, dem i - sie Zuschlag, jatte ihn hre Ver- würde er ib er da? an seiner e Mann, en Dame, vorwärts, ii- jetzt in ig, einer : Doctor. en Deich , — bas zu fragen Langsam - entlang, 'e, welche Flusse - zi. Bald mächtigen nblick auf die weite, fruchtbare Ebene hatte, die zum Theil durch i menschlichen Fleiß und schöpferischen Geist im Lause von Jahrhunderten dem Meere abgewonnen wurde. Wohin man sah — reiche Dörfer mit hohen Kirchen, I zahlreiche Gehöfte, umgeben von unvergleichbar üppigen I Aeckern. Dazwischen die glitzernden, geraden Linien der Canäle, von Binnenfahrzeugen belebt, deren schwarzbraune ober weiße Segel jetzt freilich schlaff herniederhingen, denn I im Hellen Sonnenscheine lag die Landschaft, und nur eine I fast unmerkbare Bewegung erfrischte die Luft. Der Doctor freute sich wohl über das stumme Be- I trachten, in dem seine Gäste einen Augenblick verblieben. I Auf ferne, von Viehheerden belebte Wiesen deutend, sagte I er dann: „Hier sehen Sie das Feld meiner landwirthschaft I lichen Thätigkeit — hier ist meine Heimath." Und zur Regierungsräthin gewendet: „Hier bin ich der „Viehhändler". I — Wir haben noch etwa eine Stunde zu fahren bis Horen- I bürg, meinem Sommerheim. Deshalb zu Wagen, damit die I Suppe nicht anbrennt." Ein eleganter Landauer mit zwei starken Braunen bespannt und ein zweiräderiges Gig, — in Ostfriesland nennt man das „Cariol", — harrten der Kommenden. „Alles in Ordnung?" fragte der Doctor den Kutscher. „Best, Mhnherr!" antwortete dieser. „Ich bitte Sie, Herr Geheimrath, mit der Frau Ge- gierungsräthin den Fond einzunehmen, und Sie, Fräulein Helene, als Jüngste, nehmen wohl den Rücksitz. Fräulein Bertha ersuche ich, sich meiner Führung anzuvertrauen." Er half der Dame beim Erklimmen des hohen Cariol, befahl dem Groom, dem „Jungen", der es geleitet, sich zum Kutscher auf den Bock des Landauers zu setzen, und dann ging's im starkem Trabe vorwärts auf der Klinkerchaussee. Das Cariol hatte bald einen beträchtlichen Vorsprung. Der Weg ging durch Greetsyhl, einem wohlhabenden Markt und Handelsplatz, und dann in schnurgerader Richtung auf einen Kirchthurm zu. Der Doctor, der übrigens von allen Begegnenden mit besonderer Höflichkeit gegrüßt wurde, hatte sich bislang scheinbar nur mit seinem Pferde beschäftigt. Jetzt verkürzte er dessen Tempo und wandte sich der Nachbarin zu. Ein tiefes Jncarnat bedeckte plötzlich deren Wangen. Sie fühlte, jetzt sei der Augenblick gekommen. „Das Dorf drüben ist Pilsum," begann der Doctor. „Unmittelbar dahinter liegt Horenburg. Wir haben kaum eine halbe Stunde bis dahin, und in dieser Zeit bitte ich Sie, mir eine Frage zu beantworten, Fräulein Oldekopp, — ein Frage. —" „Herr Doctor, ehe Sie fragen, möchte ich —" „Verzeihen Sie, wenn ich Sie unterbreche, aber ich bitte dringend, mich erst anzuhören, ehe Sie irgend welche Erwägungen eintreten lassen. Fräulein Oldekopp — glauben Sie, daß eine liebenswürdige, kluge, verständnißreiche Frau mit einem Manu von 45 Jahren, — nun, frei heraus, — mit mir ein paar Sommermonate in jedem Jahre hier, auf diesen Flecken Erde glücklich sein kann, vorausgesetzt, daß sie die übrigen zehn Monate in Berlin und auf Reisen mit mir zubringt? — Glauben Sie, daß man ernster Mann sein kann, wenn man auch gelegentlich die heitere Seite des Lebens nach außen kehrt und sich der Studentenzeit erinnert? Glauben Sie —" „Aber ich bitte Sie nochmals dringend, Herr Doctor, mich anzuhören! Es schneidet mir in die Seele —" „Fräulein Bertha, urtheilen Sie nicht vorschnell, erwägen Sie meine Fragen mit voller Würdigung aller Umstände-, und wenn Sie erwogen haben, wenn Sie mir geantwortet Huben, — dann sollen Sie wissen, wer die Frau ist, der mein ganzes Herz gehört, für alle Zeit, — dann sollen Sie selbst beurtheilen, ob —" Mit zunehmender Innigkeit, dann sogar mit einem gewissen Pathos hatte er gesprochen. Sie hatte gefühlt, wie er dabei jede ihrer Mienen beobachtete. Und doch hatte sie nicht ein einziges Mal aufzusehen gewagt. (Schluß folgt.) Die Ernährung der Kinder im schulpflichtigen Alter. Von Dr. Otto Gotthilf. ----— (Nachdruck verboten.) Aus vielerlei Gründen ist es natürlich, daß ein Kind mehr Nahrung bedarf als ein Erwachsener. Das Kind ist noch in der Entwicklung und im Wachsthum begriffen, die einzelnen Organe und Körperteile müssen sich noch vervollkommnen und vergrößern. Beim Erwachsenen ist dies nicht der Fall,- er braucht nur die durch Stoffumsatz und Arbeit verlorenen Substanzen zu ersetzen. Schnell wachsende Kinder von großen Eltern müssen auch reichlicher ernährt werden als kleine. Ein junger Bernhardinerhund ist fast gar nicht satt zu bekommen, während ein junger Dachshund nur wenig Nahrung nöthig hat. Auch die Beweglichkeit und Lebhaftigkeit der Kinder hat auf ihr Nahrungsbedürfniß großen Einfluß. Der Schulknabe, welcher an einem freien Nachmittage mehrere Stunden draußen herumgesprungen und herumgetollt ist, gespielt und sich gebalgt hat, wird zur Abendmahlzeit tüchtigen Hunger mitbringen, während sein vielleicht eben vom Bureau heimkehrender älterer Bruder nur wenig Appetit hat. Er wird aber auch größeren Hunger haben als sein jüngerer Bruder, der den ganzen Nachmittag in der Stube mit Lesen verbracht hat. Darauf müssen die Eltern wohl Rücksicht nehmen und dürfen nicht etwa ungehalten sein über die „Gefräßigkeit" ihres Sprößliugs. Denn solche Lebhaftigkeit, sogar ein gewisser Grad von Uebermuth dabei, ist nicht nur ein ganz natürliches Vorrecht der Jugend, sondern ist auch sehr gesund, weil sie in ganz hervorragendem Maße den Stoffwechsel und die Blutcirkulation anregt und befördert, die Lungen durch Vollathmung kräftigt, die Sinne erfrischt und den Geist belebt. Ein munteres, lebhaftes Kind wird viel weniger von Krankheit ergriffen, und wenn dies der Fall ist, fällt es ihr seltener zum Opfer als ein Stubenfitzer und Ofenhocker. Also mögen sich die Eltern über einen gesegneten Appetit ihrer Kmder nur freuen und diesem in vollem Maße Rechnung tragen, denn eine mangelhafte Ernährung hat die nachtheiligsten Folgen für ihre körperliche Entwicklung und damit für spätere Gesundheit und Lebensdauer. Freilich sind Kinder nun auch öfters geneigt, sich mit einem wahren Heißhunger auf die Speisen zu stürzen und sie fast ungetaut hinunter zu schlingen. Gegen diese Untugend müssen die Eltern energisch einschreiten. Die Verdauung beginnt im Munde mit dem Kauen. Hierdurch werden die Speisen nicht nur zerkleinert, sondern auch mit Speichel benetzt und so für die Lösung durch die Verdauungssäfte des Magens und der Därme vorbereitet. Je sorgfältiger man die Nahrungsmittel kaut, um so leichter werden sie verdaut, um so mehr Nährstoffe kann das Blut ans ihnen entnehmen, um so nahrhafter sind sie. Diese hygienische Auseinandersetzung wird freilich auf die Kinder wenig Eindruck machen - deshalb sollen eben die Eltern bei jeder Mahlzeit ein wachsames Auge auf die Befolgung dieser ersten und wichtigsten Ernährungsregel haben. Zum ordentlichen Zerkauen und Zerkleinern der Speisen gehört aber auch genügend Zeit. Diese sich zu nehmen, muß man die Kinder nötigenfalls zwingen. Sie dürfen Morgens nicht so spät aufstehen, daß sie nachher, um nicht zu spät zur Schule zu kommen, den heißen Kaffee stehend hinuntergießen und das Brot hastig verschlingen miiffen. Nicht minder ungesund ist der Genuß von sehr heißen Speisen, namentlich flüssigen. In den meisten deutschen Familien wird das Mittagsmahl mit einer Suppe eingeleitet. Da ist es nun eine hygienische Untugend und für die hungrigen Kinder eine ISS - ünverantwortliche Geduldprobe, wenn die Suppe so heiß auf den Tisch kommt, daß ohne vieles langathmigeS Pusten fern Söffet genoffen werden kann. Auch soll Mittags möglichst bald nach Eintreffen der Kinder aus der Schule gegessen werden, damit sie einerseits nicht „überhungern" und andrerseits in aller Gemüthsruhe essen können. Mit keineswegs frommen Segenswünschen sür meine ehemaligen Pensionseltern gedenke ich noch der Zeit, wo wir als Schüler meist erst um halb zwei Uhr unser Mittagsmahl erhielten- ein genügendes Kauen und anständiges Essen war dann nicht mehr möglich- hastig wurden die heißen Bissen fast ganz hinuntergeschluckt, und oft nur halb gesättigt ging es im Trabe zur Schule. Von großer Bedeutung bei der Ernährung der Jugend ist die Regelmäßigkeit und Ordnung der Mahlzeiten. Kinder sollten, ebenso wie ältere Leute, fünfmal täglich essen: ein erstes und zweites Frühstück, ein Mittagsmahl, ein Vesperbrot und ein Abendessen. Zum ersten Frühstück, welches, wie schon erwähnt, in voller Ruhe genoffen werden muß, wird am besten süßer Milchkaffee, das heißt viel Milch und wenig (Malz.) Kaffee, Butter und Weißbrod verabreicht. Sind bte Kinder an Thee oder Caeao gewöhnt, so möge man diesen beibehalten - auch kann man mit den Getränken zeitweise abwechseln. Jedenfalls ist es Morgens zur Auffrischung von Geist und Körper sehr angebracht, ein leicht anregendes Ge- nußrnittel wie diese drei zu sich zu nehmen und nicht gleich den Magen mit weichlichen Mehlsuppen zu füllen. Hierzu mögen, wenn es das Wirthschaftsgeld irgend erlaubt, als sehr nahrhafte Stoffe: Zucker, Butterbrot oder Honig gegeben werden. Fleisch aber bleibe ferne vom Frühstückstisch. Das zweite Frühstück, welches die Kinder gut eingewickelt mit in die Schule nehmen, bestehe aus Schwarzbrod mit Butter und womöglich etwas Obst. Auch dies Brot braucht nur ausnahmsweise zur Belohnung 'sür Artigkeit oder an häuslichen Festtagen mit Braten oder Wurst belegt zu werden. Die Gründe hierfür werden wir nachher kennen lernen. Geld zum Selbsteinkauf des Frühstücks für die Unterrichtspause möge man den Kindern nicht mitgeben, denn meistens werden sich diese bann Näschereien, aber keine nahrhafte Sachen kaufen. Sinb Mittags bte Kinber au« der Schule gekommen und haben sich die Hände gewaschen, so muß ihnen eine kräftige, nahrhafte, aber einfache Hausmannskost geboten werden. Suppe, Braten, Gemüse und Kartoffeln sollen dabei die Hauptbestand- theile bilden. Hiervon lasse man die Kinder essen, so viel sie wollen. Auch Obst als Nachtisch ist wegen der den Magen angenehm anregenden Fruchtsäuren empfehlenswerth. Eine zu reichliche und große Auswahl von Speisen ist ungesund, weil sie durch den Wechsel der Gerichte den Appetit immer wieder neu anregt und daher zu Übermäßiger Nahrungsaufnahme und Uebersättigung führt. Dagegen ist eine größere Abwechslung der Gerichte an den verschiedenen Tagen überaus wünschens- werth, aber nicht in der Weise, daß die einzelnen Speisen immer genau an den bestimmten Tagen wiederkehren. Als Getränk diene während des Mittagessens nur Wasser, und auch dies nicht in zu großen Mengen. Bier ist gar nicht zu empfehlen, höchstens bei festlichen Gelegenheiten ein Glas Wein. Nach der Schule, also um halb fünf ober halb sechs Uhr, sollen bie Kinber Milch mit etwas (Malz-) Kaffee trinken und bazu Brot mit Butter ober Honig essen. Abenbs, mindestens eine Stunde vor Schlafengehen, sind leicht verdauliche Milch- und Mehlsuppen, Eier und ein wenig leichte, kalte Fleischspeisen das beste. Als Getränke verabreiche mau im Sommer Buttermilch, süße ober saure Milch, int Winter Thee mit Milch, ober bett größeren Kinbern ein Glas leichtes Bier. Ganz zu verwerfen ist ber in bürgerlichen Familien noch vielfach übliche Kaffeegenuß am Abcnb. Daburch werben die Kinder aufgeregt, schlafen schwer ein, träumen unruhig und stehen am andern Morgen mit matten Gliedern und schläfrigen Sinnen auf. Zu diesem speeiellen Tagesspeisezettel sei noch im allgemeinen folgendes bemerkt^: Unter den Gerichten sollen nicht, wie bei ganz kleinen Kindern, die breiigen Speisen vorherrschen, sondern gerade compacte und feste Speisen müffen in dem Erstarkungsalter die Zähne und Berdauungsorgane zur Thätigkeit und Arbeit anregett, damit sie sür spätere Zeiten gekräftigt werden und nicht frühzeitig erschlaffen. Daher ist z. B. Mittags und Abends Schwarzbrot zweckmäßiger als Weißbrot- die norddeutsche Methode, die Gemüse unversehrt zu lassen, ist beffer als die süddeutsche, sie zu einem Brei zu zerkleinern. Sehr nahrhaft sind alle Hülsenfrüchte und Hirn, sowie alle Fette, unter denen die Butter den ersten Rang einnimmt. Freilich darf man die Kinder nie zu fetten Speisen zwingen. Ueberhaupt soll der oft merkwürdige Widerwille eines Kindes, den es gegen eine bestimmte Speise hat, möglichst berücksichtigt werden- Zwang kann hier sogar schwere Erkrankungen nach sich ziehen. Wir haben vorhin erwähnt, daß Kinder Morgens gar kein Fleisch und Abends nicht viel bekommen sollen. Es tritt nämlich durch zu kräftigen Fleischgenuß eine körperliche Frühreife ein, mit ber die Entwicklung des Geistes bann nicht gleichen Schritt hält. Das Nervensystem wird überernährt, die Sinne werden überreizt, und die Reifezeit des Knaben und Mädchens, welche im Allgemeinen doch erst jenseits der Schule liegt, tritt schon unnatürlich früh auf. Dies hat dann viele körperliche und geistige Nachtheile im Gefolge, auf die wir hier nicht näher eingehen können. Eine gleiche Gefahr liegt auch in dem Genuß von aleoholüchen und alealoidhal- tigen Getränken (starker Kaffee und Thee) und in zu sehr gewürzten Speisen. Wohl soll bie Nahrung durch Würzen schmackhaft gemacht werden, aber dazu sind mehr die inländischen Gewürze (Salz, Zwiebeln, Suppenkräuter), als die scharfen ausländischen (Pfeffer, Zimmet, Vanille, Nelken, Museal) zu verwenden. Daher, ihr Eltern, gewöhnt eure Kinder frühzeitig an einfache und kräftige Hausmannskost, denn nur diese kann ihren Körper wahrhaft kräftigen. Ihr werdet dadurch Gesundheit und Lebensdauer eurer Söhne und Töchter auf feste und unerschütterliche Säulen bauen und ihnen einer unantastbaren Reichthum hinterlassen, ber burch blühenbe Gesundheit und langes Leben, durch Einfachheit der Gewohnheit und Zufriedenheit des Herzens ganz gewiß die ergiebigsten Zinsen tragen wird! Gein-iirnÄtzig-s. Eingehen junger Hühnchen. Die Erfahrung lehrt, daß eine große Anzahl junger Hühnchen weniger in Folge von Ungeziefer, Witterungs- und Fütterungsverhältnissen ein- gehen, als vielmehr durch frühzeitiges, schnelles Wachsthum und damit eintretenbe plötzliche Entkräftung. Man erkennt biete Küken an ben unverhältnißmäßig großen Flügeln, welche sie nicht an sich zu ziehen im Staube sinb, sondern hängen lassen - babei piepen sie unaufhörlich, auch wenn bie Glucke habet ist - suchen, ba sie beftänbtg frieren, mit Vorliebe sonnige Plätze auf und gehen, falls man sich weiter keine Mühe mit ihnen gibt, zu Grunde. Bei einigen beginnt dieses Kränkeln sehr früh, schon in den ersten vierzehn Tagen, bei anderen in ber fünften bis achten Woche. Sehr häufig zeigt sich die K ankheit bei starkknochigen Thieren und Hähnen. Solche Thiere bringe man in einen warmen sonnigen Stall, Mere sie reichlich mit kleingehacktem Fleisch und Ei, eingeroeidjtem Weißbrot, Hanfsamen und trockenem Bruchreis, wobei sie sich nicht allein in kurzer Zeit erholen, sondern sich zu überau großen Thieren heranbilden. Besonders findet man den Uebelstand bei Truthühnern mit ihren starken Knochen un dem unverhältnißmäßig schweren Körper. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Ließen.