»keltai 6t* 28. «cht*»« ‘säß SKM^^Mß I HWE?ZWEW -LEL^'^ AM W<^Sjll»tIh -^WWW^,,,- ji|||vmftjllf- 8Ut T%a Sie! Sie! — Sie brächten das schon fertig, aber die kleine, sanfte Ursel versteht sich auf io etwas nicht, die ist zu — — —" ,. „Zu weiblich, natürlich! Sprechen Sie es nur ruhig aus' Ich halte es aber süc keine Unweiblichkeit, wenn bte Frau in solch einem Fall zuerst von Liebe spricht." Die Beiden oben im Baum nickten sich energisch zu, ausgesprochen?" , , , . Einen Augenblick sann das junge Mädchen nach, dann entgegnete sie zögernd: „Nein, — das wohl nicht, aber — Entzückt ruhten seine Blicke auf ihrem Gesicht, gar zu lieblich war sie anznschauen in ihrer hülflosen Verlegenheit. Aber dann schlang er Plötzlich auch feinen anderen Arm um thre zarte Gestalt, und ihr tief in die Augen schauend, flüsterte er zärtlich: „Sie heißt nicht Cläre, sondern Ursel, süße, kleine Ursel heißt sie! Herzens-Ursel, wie lieb' ich Dich! Und was erwiderte die kleine Ursel darauf? Sie Im wunderschönen Monat Mai Erzählung von Sühring-Bardey. Freundin anzuhalten." , „Also doch! In der ersten Zelt kam es mir manchmal so vor, aber nachher nicht mehr. - Na, die Geschichte ist doch riesig einfach, wenn er so verrückt ist, dann muß sie, Ursel, eben den Anfang machen und ihm sagen, daß sie thm lehnte mit einem seligen Aufseufzen den Kopf an des Geliebten Brust, — sprechen konnte sie m dem Augenblick nicht. „Meine liebe Ursel," flüsterte mit Thränen in den Augen der „flotte, leichtsinnige" Lieutenant, „wirst Du mir aber auch immer glauben, daß ich Dich unsagbar lieb habe? Glücklich nickte Ursel mit dem Kopf: „jmmer, immer Fritz! Aber was hast Du denn eigentlich an mir lieb r Ich bin doch gar nicht nach Deinem Geschmack. Schelmisch blickten die braunen Augen zu ihm auf. „Ich war ein Dummkopf!" kam es mit großer Energie von Fritz Maltens Lippen, und dann ganz leist: ,/Alles, Alles an Dir hab' ich lieb! Aber am meisten Dein kleines, MWohl Dir, wenn Du stets sagen kannst: ’ ° Was mir auch Gott beschieden — Ich hab' gerungen, hab' gestrebt, Und darin fand ich Frieden. Eines Andern Pein empfinden. Heißet nicht barmherzig sein; Recht barmherzig sein, will heißen: Wenden eines Andern Pein. Logau. weiches, goldiges Herz." , „ .. Dann wurde es still da oben in der alten, ehrwürdigen Kastanie, und man hörte eine ganze Weile nur seitwärts in dem blühenden Fliedergebüsch hübsch zwei Nachtigallen um die Wette singen. Wovon sie sangen? —--3a/ wovon (Schluß.) I anders, als von Lenz und Liebe und Küssen! . rr m t I Da plötzlich fuhren die Beiden im Baum erschrocken auf, Aber plötzlich schien ihm ein besserer Gedanke zu kommen, Da p tzcy ! Y und zwar die von Forken und in wenigen Secunden saß er neben ihr und zog sie m unteL ^ ™ a seine Arme. Oder vielmehr er versuchte, sie an sich zu un Clare^ b(o§, Herr Forken, was ist hier ziehen, denn Ursula, bis m s innerste erschrocken, bog sich, " lo§ lm Hause? Ursula verschwindet zuerst und so weit es der enge Sitz erlaubte, von iym zurück, inde । d) ^^der, der Lieutenant wird mit Ihnen unsichtbar. t Ä daß M WWW “ R X SS, £• ä w »”äM9te St“eta'16 *”* etro,ä l" wenn Du Cläre lieb hast!" TOAf.„ in I Das habe ich schon gemerkt, aber was denn? — Zärtlich und schelmisch zugleich blickte ,Fritz Malten m 'Ä? die erregten, braunen Augen, an deren Wlmpern noch to(t§ wohl Anders, als eine Verlobung! Sie hellen Thränen hingen, dann fragte er. "Du tebe, neme " ' nicht zu einander gelangen. Fritzens U*'I «Xw“ smiM™ SBeiben, - -- mch.,-* aanz erstaunte Antwort. y 6 z(g0? — hab' ich denn wirklich den Namen Clare 450 als wollten sie sagen „jetzt kommen sie in's Feuer", — aber da erklang auch schon wieder Forkens Stimme: „Jawohl, Sie würden in Fräulein Ursulas Stelle dem Lieutenant um den Hals fallen und rufen: zum Donnerwetter! So nimm mich doch, ich hab' Dich ganz abscheulich lieb!" Ein kurzes, hartes Auflachen folgte den Worten, dann einen Augenblick lautlose Stille. Vorsichtig wurden oben in der Kastanie die Zweige auseinander gebogen und zwei blaue und zwei braune Augen schauten gespannt, ja erschrocken auf die Streitenden, — das war denn doch etwas zu arg von Forken! Was würde Cläre darauf erwidern? So etwas nahm sie entschieden nicht ruhig hin! — Da — — jetzt trat sie mit zornfunkelnden Augen dicht vor Forken hin und mit unbändiger Heftigkeit kam es von ihren Lippen: „To? Also Sie meinen, das würde ich thun! Wie kommen Sie dazu, mich so grenzenlos zu beleidigen? Wie können Sie so etwas von mir glauben? — Gab ich Ihnen je ein Recht dazu? — — Habe ich Ihnen denn vielleicht auch nur ein einziges Mal durch Wort oder Blick verrathen, wie ich Sie liebe, — o, wie namenlos!" Plötzlich brach sich ihre Stimme in heißem Ausschluchzen, und beide Hände gegen ihr Gesicht pressend, lehnte sie den Kopf gegen den Stamm der Kastanie. Leise schlossen sich oben die Zweige! — Forken starrte wie versteinert auf die Mädchengestalt vor sich. Dann hob er die Arme, — ließ sie aber langsam wieder sinken. Es war ja nicht möglich, es konnte nicht sein. „Was kann ich dafür, daß ich so ein unausstehliches Frauenzimmer bin!" fuhr Cläre jetzt, kaum verständlich vor Weinen, fort. — „O, wäre ich wie Ursel, am Ende würden Sie mich dann — —" Weiter kam sie nicht, zwei Arme hielten sie plötzlich fest umschlungen, und eine tiefe, bebende Stimme murmelte: „O, Du! Du! Ich habe Dich ja immer geliebt, schon in Berlin. Nur Deine kräftige Redeweise mochte ich nicht. Aber von jetzt an lieb ich auch die- ich weiß ja nun, daß doch ein echtes, süßes Weib dahinter verborgen ist." Mit ungläubigen, seligen Augen sah Cläre zu dem Sprechenden auf. Sie konnte es nicht fassen, was sie da hörte, und halblaut kam es von ihren Lippen: „O, das Glück! das Glück!" — Erst nach einer ganzen Weile fuhr sie fort: „Und ich gab mir schon alle erdenkliche Mühe, mich in Lieutenant Fritz zu verlieben, nur um Dich glauben zu machen, Du seist mir gleichgültig." „Ja, meine Gnädigste, da hätten Sie früher aufstehen müssen!" erscholl plötzlich Fritz Maltens Stimme über ihnen. Entsetzt flogen Cläre und Forken auseinander. Dann aber, als sie das Pärchen dort oben im dichten Laubwerk Arm in Arm entdeckt, jubelten und lachten sich die vier glücklichen Menschenkinder hell entgegen. Papa und Mama Linde wollten erst durchaus Einwendungen machen. Fritz sollte sich zuerst bessern, ein anderes Leben anfangen und dann in einem Jahr wieder anfragen. Als ihr Kind, ihre Ursel, aber mit Thränen in den Augen bat: „Ach, warum, warum ihn erst in Versuchung führen, wieder Schulden zu machen? Ich weiß, wenn ich seine Braut bin, dann bleibt er gut. Und — — und hei- rathen thu ich ihn doch!" Da rief Herr Linde ganz erschrocken: „Mädel! Mädel! läufst uns am Ende noch bei Nacht und Nebel davon! Nein, Kinder, da kommt nur immer gleich her und gebt Euch die Hände. Bleibt gut und glücklich und --vergeßt uns Beiden Alten nicht ganz. Wir haben ja nur das eine Kind." Fest und heilig schwur sich der junge Lieutenant in diesem Augenblick, die Worte seiner kleinen Braut wahr zu machen. Und er hielt seinen Schwur. Als Ursulas Eltern auch von der zweiten Verlobung hörten, war der Jubel groß. — „Unser Worklin ist ja das reine Heirathsbureau!" rief, die Hände zusammenschlagend Frau Linde. — „Und Du, Alte, der Heiratsvermittler!" entgegnete lachend ihr Mann. „Gesteh' es nur ein, Du hattest von Anfang an solche Gedanken! Ich habe es wohl gemerkr." Als einige Tage darauf Cläre und Forken abreisten, gaben sie den Zurückbleibenden das feste Versprechen, sich in zwei Jahren mit Ursel und Fritz — als junge Ehepaare — wieder in Worklin zu treffen, und zwar auch im Mai. Aber es kam anders. Maltens konnten nicht erscheinen, „ein derber Junge war ihnen störend in den Weg gerathen", wie Fritz selbst an Forken schrieb. — Und ein Jahr darauf, saßen Ursel und Fritz in Worklin und warteten auf Forkens, — aber vergebens. Als dann im Sommer die Geburt „eines kräftigen Töchterleins" eintraf, da meinte lachend Herr Linde: „Na, wenn das so fortgeht, dann werden die Alte und ich wohl darüber Hinwegsterben, bevor wir Euch vier hier wieder zusammen sehen!" Aber sie starben nicht darüber hinweg, die lieben Alten! Im nächsten Mai finden wir ras alte Paar und die beiden jungen Paare fröhlich vereint unter der Kastanie im Workliner Park, in und unter deren Zweigen sich damals die vier jungen Herzen gefunden. „Na, wißt Ihr," meinte eben lachend Frau Cläre, ihre Blicke über sich in das grüne Laubwerk richtend, „so viel steht doch fest, die Ursel hat sich damals viel unweiblicher bennommen als ich. Sich so hoch oben im Baum zu verloben, nein, das — —" „Finde ich ganz und gar nicht!" unterbrach sie lachend der junge Ehemann Malten. „Wo sollte sich eine Grasmücke wohl anders verloben, als im Baum? — Ja, freilich, solch ein Unteroffizier, und sei er auch ein noch so niedlicher, der kann sein Liebstes nur auf Erden suchen." „Halt, keine Anspielungen auf Vergangenes!" rief ganz böse jetzt Cläres Mann, „der Unteroffizier wurde zur Disposition gestellt, als ich mir eine Frau nahm. Und als unsere kleine Ursel das Licht der Welt erblickte, da nahm er für immer seinen Abschied." Fest drückte er den Kopf seines Weibes an sich und sah ihr innig in die feucht schimmernden Augen. „Du, Alter," flüsterte jetzt ganz leise, mit einem zärtlichen Blick auf die beiden jungen Paare, Frau Linde, „es war doch die richtige Liebe, die sich damals „im wunderschönen Mai" angesponnen, — bei beiden Paaren." „Und bei uns nicht, Frau? Oder hast Du schon vergessen, in welchem Monat wir uns gefunden?" „Nein, Herzens-Mann! Das vergißt keine richtige Frau, nie und nimmer, und wenn sie hundert Jahr alr würde!" „Nun, guck doch mal einer an!" ertönte da plötzlich nach einer Weile Frau Ursulas helle Stimme in die Stille hinein, „ich glaube wahrhaftig, Papa und Mama haben sich eben auch geküßt! So etwas wirkt wohl ansteckend!" „Bilde Dir ja nichts ein, Du Guckindiewelt Du!" schalt lächelnd der Vater. „Das kommt nicht von Ansteckung, das kommt davon, wenn ein Kind seine Eltern treulos verläßt. Da denken die Alten, sie sind wieder jung geworden, so allein. Und die Flitterwochen kehren wieder, ehe sie sich's versehen. Nicht wahr, Alte?" Der Proletarier unter den Vögeln. Plauderei von F. Clemens. ------- (Nachdruck verboten.) Zwei große Staaten, Canada und die Union, wollen sich verbinden, um gegen einen gemeinsamen Feind Front zu machen. Wer ist dieser Feind? Sind es die Anarchisten oder ist es ein politischer Staat, der ihnen gefährlich zu werden droht? Nein. Der Feind ist Niemand anders als unser alter guter Bekannter, der Sperling, den man jenseits des Oceans für so gefährlich hält, daß man die Diplomatie 451 gegen ihn in's Feld führt, Staatsverträge schließt und Gesetzesvorlagen ausarbeitet. Unser gefiederter Jugeud- bekannter ist förmlich in Anklagezustand versetzt worden, das Urtheil ist gegen ihn ausgefallen und lautet auf Todesstrafe. Beide Staaten berathen über gemeinschaftliche Ausrottungsmaßregeln, auch in England und Frankreich gewinnt die Agitation gegen den Sperling an Boden und Deutschland wird wohl nicht lange hinter diesen Ländern zurückbleiben. Armer Spatz! Da kann man wirklich sagen: Sic transit gloria mundi! 1864 haben ihn die Amerikaner erst bei sich eingeführt und was haben sie sich für Mühe gegeben, ihm das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. In ihren schönsten Promenaden haben sie ihm Wohnungen errichtet, ihn gefüttert und gepflegt. Die Verbreitung des Vogels war denn auch in dem ackerbautreibenden Staate eine enorme, so daß er jetzt, nach etwa 30 Jahren, zu einer unerhörten Landplage geworden ist. Der Zorn gegen ihn ist so groß, daß man ihn am liebsten bis auf das letzte Individuum vernichten oder doch nur einen Sperlingsadam und eine Sper- lingseva übrig lassen und in das Paradies irgend eines Zoologischen Gartens verpflanzen möchte. Und das wäre doch zu arg! Man denke sich nur das Bild einer deutschen Landschaft ohne den lustigen Monsieur Spatz! Grube hat ganz recht, wenn er in seinen Naturbildern sagt: „Ich muß bekennen, daß es mir in einer Gegend, wo gar keine Sperlinge wären, ganz unheimlich zu Muthe sein würde- mir würde ein solcher Ort wie mit einem Bann beladen Vorkommen, darum möchte ich weder auf dem Buntenbock, einem Marktflecken im Harz, noch im Altenburger Dorfe Meusebach wohnen." Letztere Orte liegen nämlich zwischen hohen, bewaldeten Bergen, wo kein Getreidebau betrieben werden kann. Der schlaue Spatz bleibt ihnen daher fern, denn obwohl er dem Menschen überhin folgt, so kann er doch ohne Körnernahrung nicht leben. Wir sagen, er folgt dem Menschen, eigentlich zeigt er sich aber mehr als unzertrennlicher Begleiter des Getreidebaues. Da nun unsere Hauptgetreidearten wahrscheinlich aus dem westlichen Mittelasien stammen, so ist dieser Theil der Erde vermuthlich seine Heimath. Von dort aus wanderte er zuerst nach Afrika, dann nach Spanien, Italien und den Süden Europas. In Deutschland mag es zur Römerzeit wohl noch keine Sperlinge gegeben haben; selbst heutzutage ist er z. B. im Thüringer Walde noch nicht überall zu finden. Als in Sibirien im vorigen Jahrhundert der Getreidebau eingeführt wurde, fand sich auch Meister Spatz ein- bis dahin hatte er dort vollständig gefehlt. Im Norden finden wir ihn ebenfalls bis an die Grenzen des Ackerbaues. Seltsamerweise leitet sich diese ungeheure Verbreitung durchaus nicht etwa aus einer Art Wandertrieb her. Im Gegentheil: unser Sperling ist ein Standvogel in des Wortes verwegenster Bedeutung. Wie ein echter Philister verläßt er während seines Lebens kaum die Stadt oder das Weichbild des Dorfes, worin er das Licht der Welt erblickt. Trotzdem muß er wohl hin und wieder Versuchsretsen, wie es Brehm nennt, unternehmen, denn neu angelegte Dörfer oder neu erbaute Wohnungen werden sofort von ihm besiedelt. Man nennt ihn den Proletarier unter den Vögeln, weil er eben so allgemein — und in der That auch gemein — ist. Schon sein einfaches Federkleid verspricht nicht viel- es zu schildern, hieße Sperlinge nach Deutschland tragen. Sein Gesang ist geradezu unerträglich, seine Geschwätzigkeit furchtbar, umso furchtbarer, weil ihrer in der Regel eine ganze Anzahl zu einem Monstreconcert sich vereinigen, denn der Sperling ist ein geselliger Vogel. Trotz der Kämpfe, welche die eifersüchtigen Männchen miteinander ausfechten und wobei sie ein Geschrei vollführen, als gelte es Tod oder Leben, während kaum einige Federn zum Opfer fallen — bauen sie ihre Nester dicht nebeneinander, gehen gemeinschaftlich auf Nahrung aus und kehren sofort, wenn die Brüteperiode vorüber ist, zu ihrem Stamme zurück. Den Begriff der Proletarier erfüllen sie auch hinsichtlich der Wohnung und Nachkommenschaft. Die ärmsten Leute haben die meisten Kinder und auch der Sperling erfreut sich zahlreicher Spröß- linge, da er bei gutem Wetter schon im März seine Ehe schließt und erst im September zu lieben aufhört. Drei bis vier Bruten mit je fünf bis acht Jungen giebt es in jedem Jahre und man muß den Sperlingen nachrühmen, daß sie zärtliche und sorgsame Eltern sind. Um so weniger leisten sie als Baumeister, denn ihr Nest ist ein höchst lüderliches Machwerk, das zum Unterschiede von Rom an einem einzigen Tage aus lüderlich zusammengeschichteten Papierfetzen, Strohhalmen, Lappen und Federn erbaut wird. Trotzdem ist es im Innern warm und behaglich, und ebenso warme und behagliche Nester errichtet sich der Sperling für den Winter, wo er sogar, wenn er es haben kann, ohne Rücksicht auf Ruß und Schmutz in den warmen Schornsteinen sein Nacht- und Standquartier aufschlägt. Beim Zusammentragen seiner Nahrung geht er ebenso gierig als schlau zu Werke. Mißtrauisch gegen Jedermann und daher schwer zu fangen, zeigt er doch eine große Zudringlichkeit und dabei eine außerordentliche Ungeniertheit gegen solche Menschen und Thiere, von denen er sich keiner Gefahr versieht. Den Vogelscheuchmann kennt er genau und spottet seiner Ohnmacht, den Pferden und Kühen läuft er frech vor den Füßen herum, den Katzen weiß er schlau zu entrinnen. Wer ihn scharf beobachtet, bemerkt, daß er aus der Erfahrung lernt und vor Allem eine erstaunliche Menschen- kenntniß an den Tag legt. So legt ein alter Sperling eine bei weitem größere Vorsicht an den Tag als ein junger; auch im Bau seines Nestes bethätigt er seine Bildungsfähigkeit, indem er sich klug in Oertlichkeit und Umstände zu schicken weiß, wo der junge Vogel noch Fehler und Unterlassungen begeht. „Man muß nicht glauben," sagt Marshall, „daß jede Vogelart eine feste, von der Natur, etwa wie von einer Polizeibehörde vorgeschriebene Bauordnung hat, von der sie nicht abweichen darf- weit gefehlt! Im Gegentheil, die Vögel finden vielfach Veranlassungen, sich wie die Menschen bei dem Construiren ihrer Wohnungen allerlei äußeren Umständen anzupassen. Locale Ereignisse mannigfacher Art können sie zwingen, in ihrer Nistart oft wesentliche Veränderungen eintreten zu lassen. Manche, die sonst gewohnt sind, auf dem Boden im Rasen zu brüten, verlegen auf Wiesen, die im Frühjahr überschwemmt sind, ihre Nester in Sträucher und Bäume." Ein Ziervogel ist allerdings der Sperling nicht und wird er nie sein, ebensowenig ein Stubcnvogel. Jung gefangen läßt er sich indessen leicht zähmen, auch im Winter gefangene alte Vögel halten sich bei geeigneter Abwartung, wenn man sie frei im Zimmer fliegen läßt, und werden sehr zuthunlich. Ich habe wiederholt Sperlinge aufgezogen und gezähmt und viel Vergnügen an ihnen gehabt/ Einer von ihnen, der aus dem Neste gefallen war und von mir aufgefüttert wurde, legte alle seine Sperlingsgewohnheiten ab, gewöhnte sich an den Käfig, an Körnerfutter, vor Allem an Hanf, und fraß mir die Mehlwürmer, die ich ihm jeden Tag als Leckerbissen verabreichte, aus der Hand. Um nun wieder auf die Streitfrage zu kommen, so kann ich in das Todesurtheil der Amerikaner nicht einstimmen. Auch in der gelehrten Welt sind die Meinungen getheilt. Brehm, der ihm früher dus Wort redete, hat sich später auch seinen Gegnern zugesellt. „In den Straßen der Städte," führt dieser treffliche Beobachter aus, „verursacht er allerdings keinen Schaden, weil er sich hier wesentlich vom Abfalle ernährt- auf großen Gütern, Kornspeichern, Getreidefeldern und Gärten dagegen kann er empfindlich schädlich werden, indem er dem Hausgeflügel die Körnernahrung weg- srißt, das gelagerte Getreite brandschatzt und beschmutzt, in den Gärten endlich die Knospen der Obstbäume abbeißt und später auch die Früchte verzehrt. In Gärten und Weinbergen ist er daher nicht zu dulden." Homeyer bezeichnet vor Allem als den Hauptgrund seiner Schädlichkeit, daß er die nützlichen Vögel, namentlich Staare und Meisen, der- dränge und den Sängern den Aufenthalt in von ihm bewohnten Gärten verleide. Nach demselben Forscher beläuft sich der Schaden jedes durchwinternden Sperlingspaares und seiner Jungen auf 2 bis 3 Mk. Schon Buffon ist sein Gegner und bezeichnet ihn als so schädlich und lästig, daß es Wünschenswerth sei, ein Mittel zur Ausrottung des ganzen Geschlechts zu finden. Andere Beobachter gehen mehr die Mittelstraße, indem sie — wie Altum und Landois — behaupten, Nutzen und Schaden wiege sich auf. Und noch Andere nehmen direct für den Angeklagten Partei. So berichtet Martin: „Es ist erstaunlich, welche Mengen Maikäfer zur Frühlingszeit von den Sperlingen gefressen werden. Die harten Flügeldeckel brechen sie los und verzehren dann das Uebrige. Von vier Sperlingspärchen konnte ich im Juni ein ganzes Scheffelmaß (4 Metzen) solcher Flügeldecken zusammenkehren, wobei natürlich alle die fehlten, welche inzwischen vom Wind verweht wurden." Nach einer anderen Berechnung, deren Urheber mir unbekannt ist, trägt ein einziges Sperlingspärchen wöchentlich seinen Jungen unter Anderm über 3000 Raupen zu. Ich selbst habe in der Nähe meiner Wohnung nistende Pärchen so rührig dem Jnsektenfang obliegen sehen, daß die Thierchen verschiedene Male mit den Köpfen gegen meine Fenster flogen, um hinter den Scheiben befindliche Fliegen oder Schnaken zu fangen. Zweifellos richtet der Sperling manchen und sogar beträchtlichen Schaden an. Andererseits ist der Nutzen, den er durch massenhafte Vertilgung von Raupen und Insekten führt, nicht zu unterschätzen. In Gegenden, wo man ihn auszurotten versucht hat, hat sich dies Unterfangen empfindlich bestraft. Und in der That: der Sperling ist der bei weitem häufigste Vogel. Rottete man plötzlich alle Sperlinge aus, so würde sicher die Raupen- und Maikäferplage gewaltig überhandnehmen, so daß ein Schaden entstünde, gegen den der von ihm als Körnerdieb angerichtete wenig in Betracht kommt. Mindestens ist also Vorsicht geboten. Man kann seine Zahl zu vermindern suchen, ihn aber gänzlich vertilgen zu wollen, wäre aus ganz anderen als landschaftlichen Gründen kaum zu empfehlen. Sonst kommen wir ja auf die Sprünge der Sänger jenes schwäbisch-bayerischen Spruches, welcher folgendermaßen lautet: „Alla Thiera muß ma leba laffa, Numma keina Spatza,- Die muß ma verquetsch« und verquitscha, Wo ma ka eina verwitscha." HuMsristisches. Streng militärisch. Ein Rittmeister besaß einen hübschen Angora-Kater. Als er eines Abends nach Hause kam, vermißte er das Thier, das ihm sonst immer gleich zulief. „Wo ist der Kater?" fragt er seinen Burschen. Dieser stellt sich in vorschristsmäßige Positur und erwidert respect- voll: „Melde gehorsamst, Herr Rittmeister, er ist mit einer Civil-Katze spazieren gegangen." * ♦ * Stoßseufzer. Junge Hausfrau: „Gott sei Dank, mit dem Kochen bin ich fertig — wenn's nur auch schon gegessen wär'!" * * _ * Erster Gedanke. Rentier (im Aquarium die verschiedenen Scheerenthiere betrachtend): „Nu, was nutzen denn die Scheeren, wo sie keine Coupons haben!" * * * Boshaft. Zur Strafe für schlechtes Exerziren führte der Herr Wachtmeister Sattegast einen Rekruten über Mittag in eine Kochkunst-Ausstellung! Undiplomatische Frage. Der Sultan: „Sagt's mir nur, Leut'ln, giebt es denn bei Euch zu Hause — man munkelt ja Verschiedenes — nichts zu reformtren, weil Ihr Alle so auf Reformen in der Türkei versessen seid?" * * * Netter Trost. Bräutigam: „Aurora, Du hast ja bei der Trauung kaum das Wort „Ja" aussprechen können." — Braut: „Ich war so verwirrt, Heinrich, das nächste Mal wird's schon besser gehen." * * * Vor der Jagd. Jäger: „Was sagen Sie dazu, meine Herren, der Treiber Michel will nicht mehr kommen. Er sagt, er zöge es vor, von den „zusammengeschossenen" Schmerzensgeldern ein Freudenleben zu führen!" * * * Der luftige Krieg. Er: „Ich möchte wirklich wissen, ob es einen Narren gegeben hat, der Dir die Cour schnitt, ehe Du Dich mit mir verheirathetest?" — Sie: „Ei, ganz gewiß." — Er: „Na, warum hast Du ihn dann nicht geheirathet?" — Sie: „Das hab' ich ja gethan." * * e Optimistische Deutung. Junge Frau (die zum ersten Male gekocht): „Keinen Bissen hat mein Männchen gegessen — nun sag' mir noch Einer, Liebe mache nicht satt!" * * * Beim Appell. Wachtmeister (zu einem Rekruten, an dessen Säbel Rostflecken sind): „Müller, Sie Esel, warum haben Sie Ihren Säbel nicht goputzt? Glauben Sie denn, Sie dienen bei der „Cavalleria rosticana ?!“ * * * Im Jahre 1900. „Sind Sie auch Sammler von Raritäten?" — „Ja, ich sammle Postkarten ohne Ansichten!" Literarisches ließet den „Einfluß des Heirathens auf die Lebensdauer" finden wir in dem soeben erschienenen fünften Heft der „Jllu» strikt«» Welt" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) einen sehr interessanten Artikel von Dr. Otto Gotthilf, in welchem er an der Hand statistischen Materials nachweist, daß die Ehe auf die Erhaltung und Fortdauer des Lebens höchst günstig einwirke. Ja, nach dem französischen Statistiker Devay gewinnt sogar ein Mann, der mit dreißig Jahren heirathet, dadurch an seinem Leben elf Jahre. Wer mit fünfunddreißig Jahren Heirathet, gewinnt acht und wer mit vierzig Jahren heirathet, sechs Jahre. Nach dem fünfzigsten Lebensjahr aber hört dieser Gewinn auf. Hiernach kann ein jeder unserer verheirateten Leser selbst feststellen, wie viel er seither schon an Jahren profitirte, andererseits liegt darin eine freundliche Mahnung an alle noch Unverheiratheten, sich ihren Gewinnantheil an Lebensjahren schleunigst zu sichern. — Aus dem reichen Inhalt des Heftes sei weiter noch ein für Jedermann sehr be- herzigenswerther Artikel über den „Fuß und seine Pflege" von Dr. Hesselbach hervorgehoben, ferner eine Fortsetzung der gern gelesenen „Skizzen aus der Mappe eines Berliner Polizeilieutenants" und „Das Jubiläum der Thüringer Glasindustrie". Auf die schon früher besprochenen beiden großen Romane „Der Ritt um's Glück" von Wilhelm Meyer-Förster und „Unter dem rothen Cardinal" von S. I. Weymann, die sich zu einer von Heft zu Heft spannenderen Lectüre entwickeln, wollen wir hier nur kurz wieder Hinweisen. Prächtig wie immer ist der bildliche Schmuck. Herzig blickt uns „Es Berner Meitschi" von Spangenberg an, timmungsvoll wirken „Studentenabschied" von W. Zehme, ferner „Nach dem Abendläuten" von Sld. Lins und „Vor fünfzig Jahren" von E. Hirschfeld, und gar freundlich berührt uns „Ihre Lieblinge" von H. Salentin, während „Zum Derbyrennen vor hundert Jahren" von R. C. Woodville uns weit zurückliegende Zeiten vor Augen führt und vier Bilder nach Momentaufnahmen den „Besuch deS deutschen Kaiserpaares in St. Petersburg" veranschaulichen. Auch der Humor ist in gewohnter Weise vertreten und ebenso unter den Rubriken „Was giebt es Neues" und „Aus der Küche" viel Nützliches und Wissenswertes der Hausfrau mitgetheilt, während die reichhaltige Spielecke durch allerhand Räthsel für Kurzweil und Unterhaltung bestens sorgt. Bei all' dem Gebotenen kostet das Heft nur 30 Pfg. — wahrlich, man muß sich ragen, wie es möglich ist, all' das für so wenig Geld zu bieten. Redaction: 8L Scheyda. — Druck und Berlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bietzen.