rief: „Das 7 Mama?" fuhr fort: er, jetzt ist :en jkönnen, zu wundern, das junge msschließlich lzte und in i verabschie- )edanken an Hause Alles ) der Küche einen Hand e, sie war ihr Antlitz, is geöffnet, aire betrat en, die mit dachte, die, :rzen liebte, er kam und rorher sollst in Stöhnen i/z iuhr sie | id vergessen iche Qualen Erst dann enn ich auch ! heirathest." ; ne, „Justin , wie eine rathet Dich, stich werden, heirathen." ce Schwester §, während r habe den den Händen icklicherweise vurde durch echen hören ite sich bei gerade noch der Flasche | ^glückliche !" Justin Dich 1 Vater um llso von ihr Zustin hatte rief sie ver- ier hatte sie n starb eine i EichtN. Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) Seine Stimme war noch leiser und heiserer geworden, und jetzt kam ein Stöhnen über seine Lippen, als wenn er einen großen körperlichen Schmerz empfände. „Ich habe es mir doch nicht so schwer gedacht, es Dir zu sagen," fuhr er kaum mehr vernehmlich fort. „Ich hatte gehofft, es würde mir Erleichterung bringen, aber nun fühle ich erst, wie die ganze Last meiner That auf meine Seele fällt. Du mußt mich verdammen, Du Gute, Du Rechtschaffene." — Seine Worte erstickten in Thränen, die er nicht mehr zurückhalten konnte. Frau Ina machte eine Bewegung, als wollte sie ihn trösten und besänftigen, aber ein Schauder überlief sie, und sie vermochte es nicht, ihn zu berühren. Sich gewaltsam fassend, begann er von Neuem: „Ich habe den Todtenschein gefälscht, der nöthig war, um die versicherte Summe zu erheben. In Amerika läßt sich so etwas machen, man nimmt es dort nicht so genau mit einem Menschenleben. Auch war ich Arzt im Hause des deutschen Consuls, der den Schein zu bestätigen hatte. Ich genoß sein Vertrauen, und er unterschrieb auf meine Aussage hin ohne Ueberlegung und Prüfung. Auch die Versicherungsgesellschaft war keine der sorgfältigsten, sie hatte ohne Anstand auf diesen Todtenschein hin die große Summe ausgezahlt. Eine directe Benachrichtigung des Newyorker Bankiers haben wir gleichfalls zu Hintertreiben gewußt, und damit war unser Plan ausgeführt und geglückt." „Aber er, er selbst, — der Kranke, der Betrogene?" „Ich habe den Zeitpunkt für jene Fälschung so gewählt, daß er gerade in der Reconvalescenz war. Ein Klimawechsel, den ich im Interesse seiner Gesundheit ihm vorschlug, war ihm willkommen, und so reiste er an demselben Tage ab, von dem ich den falschen Schein datirte. Die Krankheit hatte ihn so verändert, daß ich ihn nicht wiedererkannte, wenn ich an den Menschen von ehemals dachte- er konnte für tobt und begraben gelten, wie wir es wollten," Samsta- de« 2-. Keßnmr, »HÜ jg ancher, der vor der Welt als ein Heiliger gilt, würde, auf der Waage der Tugend gewogen, in der Luft schweben. „Wenn er es nun aber erfuhr, wenn er Verdach schöpfte?" „Die Gefahr war nicht groß. Er lebte in dem Glauben, daß die Zahlungen in Deutschland selbst weiter geleistet würden, und er hatte die Absicht, nie wieder zurückzukommen. Aber selbst wenn es geschehen wäre, wenn er Alles entdeckt hätte, — sieh, das ist das Abscheulichste von Allem, und der Gedanke daran hat mir zuerst die Augen über meine eigene That geöffnet. Wenn er Alles entdeckt hätte, er würde niemals einen Mann ins Verderben gestürzt haben, den er einmal seinen Freund genannt hatte. Auf seine Güte, auf seinen Edelmuth war in letzter Linie der Plan gegründet, und das ist es, was ich dem Anderen und mir selbst niemals verzeihen kann, was ich niemals büßen kann durch alles Elend, das über mich gekommen ist!" Frau Henninger schaute, in tiefes Nachdenken verloren, vor sich hin, sie hatte die Unterlippe zwischen die Zähne gepreßt und hielt die Augen starr auf eine abgerissene Cocus- blüthe gerichtet, die am Boden lag. Dann hob sie den Kopf empor, sah ihrem Bruder voll und ernst ins Gesicht und sagte: „Nur dann hat die Reue Werth, wenn sie zur That werden kann. Das ist nun das nächste für uns: wieder gut zu machen, was Du gefehlt hast." „Wie kann das geschehen?" „Zuerst muß der Gesellschaft das Geld ersetzt werden, das ihr durch Betrug genommen ist." „Das Geld?" Woher soll ich es nehmen?" „Von mir." „Ina!" „Ich habe wenig Werth darauf gelegt, daß ich reich war nach der Schätzung der Welt. Heute zum erstenmale danke ich Gott dafür aus vollem Herzen." „Es ist eine große Summe." „Es ist fast Alles, was ich besitze, wenn ich sie gebe. Aber ich thue es heute noch, sobald Du mir sagst, wem Du sie schuldest. Ich kann arbeiten um meinen Lebensunterhalt, und ich habe genügend gesehen, daß Geld und Glück zwei verschiedene Dinge sind. Das Eine gebe ich nun fort und das Andere werde ich vielleicht niemals besitzen." Ein Leuszer hab ihre Brust und machte sie für einen Augenblick verstummen, dann fuhr sie fort: „Auch ich habe den Namen getragen, den Du besudelt hast! Es ist der ehrliche Name unserer guten Eltern, er muß wieder rein sein vor unserem Gewissen." „Das ist Wahnsinn, Ina! Und selbst wenn ich es zugeben wollte, — bedenke, daß nur ein kleiner Theil des 94 erschlichenen Gelder auf mich gefallen ist. Ein erbärmlich kleiner Theil, Du kqnnst es mir glauben. Er hat versucht, auch den mir oorzuenthalten, bis ich den Rest meines Besitzes zusammenraffte und herüberkam. Es war das letzte Mal, daß ich hier, war, und Du fandest mich sehr verändert." „Ich danke dem Himmel für jedes Goldstück, das der Schurke Dir vorenthalten hat! Aber wenn Du mir seinen Namen nicht sagst, wenn Du mir die Möglichkeit nicht giebst, ihn zur Rechenschaft zu ziehen und ihn selbst zum Ersatz zu zwingen, dann bleibt die Sache dieselbe, und wir Beiden, Du und ich, wir haften für die volle, die ganze Summe. Sag' mir den Namen, sag' mir Alles, was Du weißt!" „Ich kann es nicht, Ina!" „Du kannst es, Du mußt es! Sieh', von heute ab werde ich das Gefühl haben, daß kein Pfennig von meinem Vermögen noch mir gehört, daß ich selbst von gestohlenem Gelde lebe, wenn Du mir nicht hilfst, mich von dieser Gewiffensnoth zu befreien, die Du mir aufgebürdet hast!" „Du zerbrichst mir bad Herz! O, daß ich niemals hierher gekommen wäre! Sieh' doch, versteh' es doch, daß ich's nicht kann uud darf. Soll ich zu aller Schuld auch noch den Wortbruch auf mich laden?" Ina zuckte zusammen unter diesem Wort, als falle ein schwerer Hammer auf sie nieder. Der Wortbruch! Da war es wieder, das Gespenst, das ihr Leben beängstigt hatte in diesem letzten Winter des Schmerzes. Ein Wortbruch lastete schon auf ihr selbst und hatte ihr bitteres Leid in Fülle gebracht. Sie hatte sich die Seele frei gerungen, aber unter welchen Qualen und welcher Noth! Sollte sie vom Bruder fordern, daß er ein gleiches Elend, dessen Gefühl mit plötzlicher Gewalt in diesem Augenblick sich ihr erneuerte, um ihretwillen erdulden solle? Sie rang die Hände in hilfloser Verzweiflung, ein lautes Schluchzen, wie ein Ruf um Rettung aus dieser Pein kam aus ihrer Brust, und sich an die gebrechliche Gestalt des Bruders anklammernd, flüsterte sie wilde, unverständliche, von Thränen erstickte Worte, bis mit einem Male der Mann zusammenfahrend einen halblauten Schrei ausstieß und sie weit von sich hinwegschob. Die Thür nach der Straße zu hatte sich geöffnet, und eine hohe, dunkle Gestalt war hereingetreten, vor der Inas Bruder in jähem Erschrecken bis zum Ausgang der Durchfahrt zum Hofe zurückwich. Dort stand er, vom scheidenden Lichte noch klar beleuchtet, und starrte den Eintretenden an mit weit geöffneten Augen. Der hatte gleichfalls einen Moment gestutzt, jetzt aber begrüßte er Frau Henninger mit höflichem Gruß, den sie schweigend erwiderte- sie wußte, daß Worte vergeblich waren, denn sie hatte Bäsmann, den Taubstummen, rasch erkannt. Er wollte an ihnen vorübergehen, als er, den Blick auf Inas Bruder heftend, plötzlich Halt machte. Eine rasche Veränderung ging in seinem Gesichte vor- seine Augen begannen drohend zu funkeln, er hob die Hände zu hastiger Geberdensvrache, und aus dem weitgeöffneten Munde drangen häßliche, unverständliche Laute. Und als verkörpere sich in dieser unheimlichen Gestalt seine Schuld und sein Gewissen, so bebte der kranke Mann zusammen, flüchtete, sich an der Wand entlang schiebend, vor ihr dem Ausgang zu, um dann mit einem raschen Sprunge die Thür zu gewinnen und in dem Regenschleier draußen zu verschwinden. Ein Lebewohl zu sagen, war er gekommen- ohne das Wort gesprochen zu haben, war er gegangen. Ina eilte ihm nach bis zum Ausgang und schickte sich an, ihm weiter zu folgen- aber sie sah ihn fliehen mit einer Hast, die es ihr unmöglich machte, ihn einzuholen, und auch der Gedanke an die Begegnung, deren Zeugin sie eben ge- gewesen war, hemmte ihr den Fuß. Mit einem Seufzer trat sie zurück, schritt in den helleren Hof hinaus und stellte sich dem Taubstummen gegenüber, indem sie mit dem Finger auf ihre Lippen zeigte, damit er ihre Bewegung verfolge. „Kennen Sie diesen Mann?" fragte sie leise, langsam, mit sorgfältiger Betonung jeder Silbe. BäSmann nickte ein paar Mal lebhaft und ballte die Fäuste. „Gehen Sie jetzt," fuhr Frau Henninger fort mit einem Blick auf die Korbflechterei, die der Taubstumme trug. „Bringen Sie Ihre Arbeit ins Haus. Dann kommen Sie wieder und gehen Sie mit mir. Wollen Sie?" . Die stumme Bejahung war noch lebhafter als die vorige. Mit eiligen Schritten ging Bäsmann über den Hof, während Frau Henninger unter die Wölbung zurücktrat. Hier stand sie und wartete und blickte in schmerzlichem Sinnen auf die Stelle, wo sie ihren Bruder — sie fühlte und wußte es — zum letzten Mal in diesem Leben gesehen hatte. In diesem Leben, das ihn weiter, unwiderbringlicher von ihr getrennt hatte, als der Tod es jemals vermochte. * * * Am selben Abend und um dieselbe Stunde saß auf einer der alten, zerfallenen Mauern, die den Gipfel des Felsens von Monaco umziehen, die Gestalt eines Mannes. Eine gewaltige Fluth von Licht wogte rings um ihn Herbie Sonne neigte sich erst zum Gipfel bes Täte de chien, hinter bem sie verschwinden mußte. Der Duft von Blüthen unb Pflanzen, beren Namen er nicht zu nennen gewußt hätte, stieg zu bem einsamen Manne empor und umspielte seine Stirn. Er blickte unverwandt in die Ferne, zu dem verblassenden, dunstigen Streifen hinüber, wo Meer und Himmel sich zu berühren schienen. Seine Lippen bewegten sich leise, als halte er Zwiesprache mit Gestalten, die um ihn waren, und die nur er erblickte. So saß er lange Zeit auf dem riesenhaften, felsigen Thron, den die Natur in das Meer hinausgeschoben hat. Endlich riß er den Blick von der Ferne los und ließ ihn an den grauen, zerklüfteten Steinwänden abwärts gleiten. Durch das wilde Gestrüpp von Cactus und Aloe hindurch bis zum Meere, das wie ein gewaltiger blauer Mantel sich um bett Fuß bes Felsens legte, von weißem Schaum, wie von einem Hermelinstreifen umsäumt. Das Geräusch ber Branbung tönte kaum mehr herauf, bie schimmernbe Fläche bes Meeres erschien so ruhig unb sanft wie bie milbe Fluth bes Lichtes barüber her. Stumm nickte ber Mann vor sich hin, unb ein Ausbruck des Friedens kam in sein Gesicht, das von Seelenkämpfen erzählte. Dann zog er behutsam, mit einem Blick zur Seite und mit flüchtigem Erröthen vor sich selbst, ein beschriebenes Heft hervor, in das er sich nun vertiefte. Seine Wangen färbten sich roth, während er las, aber der Ausdruck des Friedens verstärkte sich. „Wenn es möglich wäre!" sagte er leise und warf einen Blick zum Himmel empor, der hier so gnadenvoll niederschaute. Dann, als er das letzte Blatt umgewandt hatte, ließ er das Heft wieder sinken- seine Gedanken durchmaßen noch einmal die Zeit, die ihn gelehrt hatte, dies zu schreiben. Er dachte des qualvollen Winters, des qualvollen Scheidens, des Beginns dieser Reise, die er so arm an Hoffnungen angetreten, und die bann hoch eine Heilwirkung an ihm geübt hatte, bie ihm selbst kaum erklärlich war. Ina hatte recht gehabt trotz alledem! Der Mensch ist zu klein, um sich der besänftigenden Kraft einer großen Natur zu entziehen, wenn er empfänglich genug ist, sie zu fühlen. Bei der Fahrt über den Gotthardt war dies erlösende Gefühl zum ersten Mal über ihn gekommen. Bis dahin war er gefahren, fast ohne zu hören und zu sehen, ganz eingesponnen in das dichte Netz des Schmerzes. Nun aber, während er in der Nacht hinüberfuhr über den kühnen Felsenweg, und die Berge um ihn emporstiegen, riesenhaft, schwarz wie dunkle Kolosse vor dem sternenhellen, mattleuchtenden Himmel sich erhebend — da hatte zum ersten Mal das Gefühl der Befreiung sich in ihm geregt, er hatte der Worte gedenken müssen, die Busenius zu ihm gesprochen hatte: „Sehen Sie nach den Sternen! Und er hatte zu Sternen und Bergen emporgeblickt, unablässig, unermüdet, mit dankerfülltem Herzen. Tage des Rückfalls war gekommen, schmerzerfüllt, öde, und hoffnungslos. Aber die Sonne Italiens hatte auf ihn 85 niedergeschaut, und er hatte zuletzt empfinden gelernt, daß auch für ihn eine Sonne schien. Das Glück, das höchste, köstlichste, herrlichste, war unwiderbringlich dahin, aber im tiefsten Herzen regte sich leise die Frage: „War das ganze Leben nun ausgelöscht nnd vorbei?" Und seltsam, — auf diese Fragen schienen Gestalten ihm Antwort geben zu wollen, die in der Einsamkeit sich zu ihm gesellten, schattenhaft und verschwommen zuerst, dann klarer und schärfer, deutlich zu unterscheiden. Er sah sie und hörte sie, und ein Verlangen ergriff ihn, sie zu halten, nicht wieder von sich zu lassen. Und eines Tages saß er vor dem Papier, die Feder flog darüber hin, er wollte versuchen, die freundliche Geister zu fesseln, die trostvoll zu ihm gesprochen hatten. Sollte ihm endlich zum Segen werden, was er so oft als Fluch seines Lebens empfunden hatte? Sollte dies Ringen und Arbeiten einer unermüdlichen Phantasie, diese Empfindlichkeit gegen die Außenwelt, das Nachhallen und Widerklingen in seinem Innern doch zuletzt noch eine Kraft bedeuten, die ihn über Andere erhob? Sollte er jetzt nach so langer Zeit eine göttliche Stimme in seiner Brust verstehen lernen, die ihm den Weg zur Selbstbefreiung, vielleicht zur Größe zeigte? So fragte und forschte er, um dann wieder Fragen und Forschen bei Seite zu schieben und unterzutauchen in die Arbeit, in eine freie, schöne, selbstgewählte, begeisternde Arbeit. Er schrieb und schrieb, und Blatt gesellte sich zum Blatt. Als aber die Frühlingssonne Italiens mit sommerlicher Kraft zu strahlen begann, da lag das Manuscript vollendet, abgeschlossen vor ihm: sein erstes Werk, sein erster Roman! Jetzt eben hatte er die letzten Capitel noch einmal gelesen, hier hoben im Angesichte des blauen Himmels, der Zinnen, Mauern und Thürmchen des alten Felsennestes, der duftenden Wildniß rothblühender Geranien. Er faltete die Papiere zusammen, barg sie wieder in der Tasche seines Rockes und erhob sich von seinem Sitz. „Ein Dichter?" murmelte er leise vor sich hin im Tone zaghafter Frage. Dann aber hob und reckte sich seine Gestalt, er öffnete seine Augen weit, und indem er die leuchtende Welt umher mit einem einzigen Blicke umfaßte — diese weithin ausgespannte Kette von Buchten und Vorgebirgen, an deren äußerstem, fast schon zum Schatten gewordenem die weißen Häuser von Bordighera gleich reinen, vom Meere herangespülten Perlen lagen — diese marmorgleißende Sündenwelt von Monte Carlo, deren Blut und Schmach die allmächtige Sonne doch mit einem einzigen Lächeln auslöscht, um nur den Stempel unvergänglicher Schönheit zurückzulaffen, — indem er das Alles mit einem Blitzen des Auges sich gleichsam unterjochte und zu eigen machte, sprach er noch einmal ein ähnliches Wort wie zuvor, aber lauter, freudiger und stolzer: „Vielleicht doch ein Dichter!" Zehntes Capitel. „Jawoll, jawoll, das is man einemal einem Dichter," sagte Caroline zu der in ihrer Küche versammelten Gesellschaft und legte ein Buch aus der Hand, dessen letzte Seite sie eben vorgelesen hatte. Sie meinte mit dem Dichter aber nicht ihren „lieben Assessor", wie sie ihn mit Rücksicht auf ihre eigenen Empfindungen und die ihrer Herrin für ihn zu nennen pflegte. Sie meinte Hans Herrig, den Schöpfer des Lutherfestspiels, das — einmal Mode geworden — auch in die alte, katholische Bischofsstadt seinen Weg gefunden hatte und von der protestantischen Einwohnerschaft mit Eifer zur Aufführung vorbereitet wurde. Jetzt eben hatte Caroline, die für das religiös künstlerische Ereigniß in Heller Begeisterung war, ihren Genossen das Spiel von Anfang bis zu Ende vorgelesen, mit langsam - feierlichem Pathos, nur hie und da mit einigen Veränderungen, die sie der deutschen Sprache schuldig zu sein glaubte. Der Kutscher Ferdinand hatte zuweilen gegähnt, was Caroline im Eifer des Lesens zum Glück übersehen hatte - sonst würde dieser erneute Beweis von Bildungsmangel die noch immer nicht festgesetzte Hochzeit des alternden Paares wieder in's Unendliche verschoben haben. Um so eifriger hatte das Stubenmädchen, obwohl es katholisch war, zugehört und mit ihren weitgeöffneten Fischaugen die Leserin ange- chaut, deren wohlgemeinte Warnung: „Deinem Papste geht es dich aber schlecht", sie von der Theilnahme an dem ungewöhnlichen Kunstgenüsse nicht hatte zurückhalten können. Der Diener, der nun schon als Johannens erklärter Bräutigam galt, hatte sich die Zeit damit vertrieben, sie ab und zu in die Arme zu kneifen, während das kleine Hannchen mit einem Ausdruck so reiner Begeisterung auf dem gerötheten Gesichte dasaß, als wäre die Welt rings um sie her versunken. Es war vielleicht die erste Probe von Poesie, die in die Armuth und Abgeschlossenheit ihres Lebens hineindrang, und Herrigs erzwungene Volksthümlichkeit mochte ihr wie die echte, reine Sprache des Herzens in's Ohr klingen. Drei Personen befanden sich außerdem noch in der Küche. Aus der dämmerigen Ecke zur Rechten der Thür schauten die fröhlichen Gesichter von Martha Wernicke und Fritz Köhler herüber und nickten der Leserin jetzt einen freundlichen Dank. Seit jenem Abend im Athletenclub, als Martha ihrer Mutter so nachdrücklich ihr Wohlgefallen an dem Geliebten betheuert hatte, galten sie in der Familie für Stillverlobte, und wenn ihr Bund noch nicht war veröffentlicht worden, so erklärte sich das aus der Rücksicht auf die noch schwebende Untersuchung über die Vorfälle jenes Abends. Marthas Vater war dem fleißigen und braven Gesellen, der obendrein einmal ein ganz hübsches Vermögen zu erwarten hatte, wohlgeneigt, aber mit der Scheu des biederen Bürgers vor Allem, was mit den Gerichten in Verbindung steht, erklärte er: „An sich habe ich gegen den Schwiegersohn nichts einzuwenden, aber zuerst muß die Geschichte von damals untersucht werden, und er muß frei ausgehen. Einem Menschen, der gesessen hat, gebe ich meine Tochter nicht." Köhler lächelte schweigend über die Besorgniß des Alten, da sein gutes Gewissen ihm sagte, daß er in der Nothwehr gehandelt habe, und betrachtete das geliebte Mädchen im Stillen bereits als sein Eigenthum. Sie protestirte lachend dagegen und erklärte, daß sie nun nimmer einen Todtschläger zum Manne nehmen könne, während die heimlichen Küsse und das Aufstrahlen ihrer Augen bei seinem Anblick die Rede ihres Mundes straften. Sie sah ihn noch immer vor sich, wie er an jenem Abend dagestanden hatte, eine leuchtende Siegsriedsgestalt, den hingestreckten Gegner zu seinen Füßen, und in ihrer Seele wohnte nur noch der eine Wunsch, diese Gestalt an ihrem Herzen halten zu dürfen, ganz nahe, ganz fest und für immer! Bald mußte sich's ja entscheiden, bald mußte Neuert, von dessen allmäliger, langsamer Besserung sie mit Spannung hörten, vernehmungsfähig sein, und dann — dann durfte sie glücklich werden! Eine Frauengestalt, noch neu in diesem Kreise, saß unweit von ihnen, dicht an das kleine Hannchen geschmiegt. Es war die Schwester Bäsmanns, aus der Ferne herbeigerufen durch die unerwartete Glücksnachricht von jener Erbschaft, die sie mit ihrem Bruder zusammen gemacht hatte. Sie saß gekrümmt, mit gebeugtem Kopf, als hätte die Last des Lebens sie vor der Zeit niedergedrückt. Körper und Gesicht waren von auffallender Magerkeit, eine gelbe, pergamentähnliche Haut spannte sich über die vortretenden Knochen. Dicke Schattenstriche liefen ihr von den Augenwinkeln schräg über die Backen, graues Haar legte sich glatt um die eingefallene Stirn. Die hellblauen Augen aber, die mit einem Ausdruck von Hilflosigkeit und Güte blickten, erwarben ihr Mitleid und Neigung. Ein Einfaches, schwarzes Kleid sollte die Trauer um den Verstorbenen ausdrücken, dessen Tod ihr doch nur glückbringend gewesen war. Während der Vorlesung hatte sie häufig geweint und auch jetzt führte sie das Taschentuch noch einmal an die Augen. „Weshalb weinen Sie man bloß, Frau Müller?" fragte Caroline halb verwundert, halb stolz auf die Wirkung ihres Vortrages, zu ihr hinüberblickend. „Ach, ich habe so viel an meine Mutter selig denken müssen," gab Frau Müller mit kläglicher Stimme zur Antwort. In 96 - welcher Beziehung ihre Mutter selig zu Luther gestanden hatte, erklärte sie nicht, aber Caroline war befriedigt. An Stoff zur Unterhaltung fehlte es an diesem Abend nicht. Die bevorstehende Aufführung beschäftigte alle Geister, und wenn auch nur Martha und Köhler mit kleinen Rollen bedacht worden waren, so hatte doch Caroline es durchzusetzen gewußt, daß sie mit Ferdinand Elster und dem Diener zusammen als „Volk" mitwirken durfte. (Fortsetzung folgt.) Gemeinnützig-». Ein „Schellfisch-Kochbuch" mit fünfzig practisch erprobten Kochrecepten, sowohl überaus feine Gerichte für die Tafeln begüterter Herrschaften, wie einfache schmackhafte Speisen für den bürgerlichen Tisch enthaltend, ist von Elise Hannemann, Vorsteherin der Kochlehrschule des Lette- Vereins in Berlin, herausgegeben worden (Verlag der Hofbuchhandlung von W. Moeser in Berlin). Die Verfasserin, eine Autorität auf ihrem Gebiete, schreibt auch in diesem Specialwerke bei den verschiedensten Recepten die Anwendung von Liebigs Fleisch - Extract vor, und bestätigt somit auf's Neue den altbewährten Erfahrungssatz, daß als Zusatz zu Suppen, Saucen, Ragouts und bergt, das Fleisch - Extract der Compagnie Liebig eine ganz ausgezeichnete,. den Wohlgeschmack wesentlich fördernde Würze bietet, die nicht nur bei Fleischspeisen, sondern auch bei vielen Fischgerichten vortrefflich zur Geltung kommt. * * * Zwei Gebäcke zur Fastnachtszeit. Muzen: Nachdem der ganze Inhalt von 5 bis 6 Eiern gut verrührt xtourbe, gibt man unter weiterem bestänbigen Rühren vor und nach so viel feinstes Weizenmehl hinzu, bis ein Teig entsteht, ber sich ausrollen läßt. Den Teig legt man auf ein mit Mehl bestaubtes Backbrett und rollt ihn möglichst dünn aus. Alsdann schneidet man mittelst eines Backrädchens das Ausgerollte in längliche viereckige Stücke, etwa von der Größe einer mittelgroßen Hand. Diese Stücke werden nun in gutem Fett, etwa in Butter und Schweineschmalz, gebacken oder vielmehr gekocht / sie müffen dabei blaßgelb bleiben. Beim Herausnehmen bestreut man sie mit Staubzucker und besprengt sie mit Rosen- waffer. — Muzenmandeln: In einem Liter kochender Milch mit etwas Salz und abgeriebener Citronenschale rührt man vor und nach so viel Weizenmehl hinein, bis eine steife Masse entsteht, die sich vom Topfe ablöst. Diese legt man auf ein Backbrett und formt mittelst eines Löffels kleinere oder eidicke Klößchen, kocht dieselben, wie das vorhergenannte Gebäck, in Fett gar und bestreut sie ebenfalls mit Zucker oder mit einem Gemisch von Zucker und Zimmet. — Im Allgemeinen bemerken wir: Zu allen Gebäcken, die in Fett gekocht werden, gehört ein passender, nicht zu kleiner Topf. Man nehme das Fett ziemlich reichlich/ es backt sich dann besser und die Gebäcke werden schöner und wohlschmeckender. Zudem findet das erübrigte Fett ja stets wieder seine Verwendung. Bei einem kleinen Zusatz von frischem Fett kann zum zweitenmal in dem erübrigten gebacken werden, das sich auch bei der Zubereitung gewöhnlicher Gemüse verwenden läßt. * * * Erdäpselkrapfen. Erdäpfel werden in Salzwasser gekocht, auf ein Sieb gelegt, damit das Wasser ablause, durch das Sieb gedrückt und mit Milch und Butter über dem Feuer zu Schaum weißgerührt. Nachdem sie ausgekühlt sind, wird eine in Würfel geschnittene, geröstete Semmel und Salz hinzugethan, auf einen Nudelteig Häufchen gelegt, ausgeschnitten und in Butter gebacken, mit dem Löffel herausgenommen und heiß aufgetragen. Kervtlsltppe. Man wäscht und hackt zwei Hand voll Kerbel und eine Hand voll Petersilie und dämpft dies in Butter/ unterdessen bringt man ein und ein viertel Liter Wasser mit einem Löffel voll Butter zum Kochen, gibt das Gedämpfte dazu, kocht und verklopft die Suppe tüchtig, würzt sie mit zwei Eidottern und etwas saurem Rahm ab. * * * Kalbgrik. Lunge und Herz eines Kalbes werden in mäßig große Stücke geschnitten. In einer Pfanne werden zwei Löffel Speckwürfel erhitzt, die Fleischstücke mit Salz, Pfeffer, gehackten Zwiebeln hineingethan, heißes Wasser dazu gegossen und das Ganze eine und eine halbe Stunde über mäßigem Feuer gekocht. Man kann das Fleisch auch mit Zugabe von Suppengewürz weich sieden und dann mit einer weißen Sauce abkochen. Die Brühe, in der das Fleisch gekocht wurde, kann man sehr gut für eine Suppe verwenden. * * * Welcher Boden und Dünger eignet fich zur Rofenenltnrf Jeder Gartenboden, der nahrhaft und tiefgründig ist/ mittelschwerer, etwas lehmiger, gut gelockerter, selbst mit kleinem Steingeröll untermischter Boden paßt ihr am Besten. Ein schwerer Lehm- oder Thonboden muß mit Sand oder Kalk untermischt werden/ leichten Sandböden gibt man Kompost oder Stalldünger. Bet kleineren Gartenpflanzungen fällt die Erdmischung kaum in Betracht, dagegen wird man bei Anlage von Rosenschulen besser thun, eine entsprechende Bodenart zu wählen, als eine Erdmischung vorzunehmen. Der zweckmäßigste Dünger bleibt der Stallmist. Im Herbst kann derselbe in ziemlich frischem Zustande untergebracht werden, oder aber man bedeckt, was besonders bei Neupflanzungen sehr vortheihaft wirkt, im Frühjahr die Erdoberfläche mit demselben. Dadurch verhütet man das Austrocknen der Erde und führt beim jeweiligen Gießen die düngenden Stoffe allmälig den Wurzeln zu. Beim Verwenden von Abtritt-, Hühner- und Taubenmist sei man vorsichtig, denn derselbe würde, im Uebermaß angewendet, die Wurzeln zerstören. Man dünge hauptsächlich im Frühjahr, oder im Sommer vor oder während des Regens/ lieber viel Mal und nie zu viel. * * * Um Feuer zu beleve». Ein vorzügliches Mittel, um mattes Feuer zu kräftigen, Hellem Ausbrennen oder um verlöschende Kohlen wieder in Gluth zu bringen, ist ein wenig Kolophonium, und sollte daher jede Hausfrau von diesem billigen, leicht aufzubewahrenden Materiale immer einen kleinen Vorrath halten. Ein nußgroßes Stückchen in die vergehende Gluth geworfen reicht hin, um in wenigen Secunden alle Kohlen in hohe Gluth zu setzen / das Kolophonium schmilzt und ergießt sich dabei über das glimmende Feuerungsmaterial dergestalt, daß Flammen in kürzester Zeit zunehmen und dann sich geraume Zeit kräftig erhalten. Literarisches Von dem nationalen Prachtwerk: Kaiser Wilhelm der Gratze, De«tsch»a«dS Rettrr «nd Riicher, von Dr. Adolf Zehlicke, Berlin, Verlag von Louis Abel, Sebastionstraße 29, Preis 50 Pfg>, liegt jetzt die dritte Lieferung vor, welche gleichfalls reich mit Doppel- und Vollbildern illustrirt ist. Auf fünf Bogen Text entwickelt der Verfasser die Entstehung und Bedeutung des preußischen Staates von der Urzeit bis zur Katastrophe 1806. Er weist nach den neuesten Forschungen nach, daß die Ahnen Kaiser Wilhelms nur in der weiblichen Linie von den Hohenzollern abstammen, aber in männlicher Linie aus die alten Frankenherzöge, deren Ahnherr Karl der Große war, zurückzuführen sind, daß die kaiserliche Familie also das älteste Dynastengeschlecht Europas ist. Wohl in keinem Werke ist bisher so anschaulich und so energisch der deutschnationale Standpunkt vertreten und die Verdienste der Hohenzollern um das deutsche Volk geschildert. Es ist daher dasselbe ganz besonders allen Deutschgesinnten angelegentlich« jetzt, wo sich Alles zur der großen Centenarfeier Kaiser Wilhelms rüstet, zu empfehlen. Redaction: A, Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße«.