Donnerstag den 25. ßlademier. ß 1897. - St. 188 ich'NSMEin.^ UtüerhMmNdlall jmti lGießmerAisteizer Benmü-AHeiger). > W KnIechMna-ibkU jnm MeßenerAn;eiger BmmlAnzeizer) il M ■!$; 1 G । BBS Illi R ffj>nhäcff-k« Rückert. (Fortsetzung.) nach den und »W Sj MW at Dir ein Stoß von ungefähr Wto Dein Kartenhaus zerrüttet, Gott sei gedankt, es war nicht schwer, Es hat Dich nicht verschüttet. Und steht Dir neu zu bau'n der Sinn? Da sind die alten Karten! Es stecken noch viel Häuser d'rin, Die nur des Bauers warten. sich durch ihn die Reise amüsant und wechselretch gestalten, — ebenso wie er den Genuß dankbar empfinden wird, diese schöne Natur im Kreise heiterer Menschen zu schauen. Harmlos! ganz harmlos! sie müssen sich Beide ruhig kommen und ruhig gehen sehen — und so wird es auch sein. Pia athmete hoch auf und streicht mit der Hand über die Stirn, als wolle sie Alles wegwischen, was die gefährliche Rheinluft ihr an thörichtem Empfinden eingeblasen hat. Nun sieht sie klar und ist einig mit sich, das wird ihr die alte Ruhe und kühle Gelassenheit zurückgeben. . — Weiter nichts. „ Nein, — nicht sentimentmal werden; es wäre lächerlich. Mit frohem Herzen will sie seine Gesellschaft genießen und Der Majoratsherr Roman von Nataly v. Eschstruth. „Und im Strome, da tauchet die Nix aus dem Grund, Und hast du ihr Lächeln gesehen, Und sang dir die Lurley mit bleichem Mund, Mein Sohn, so ist eS geschehen!" Fränzchen blieb lachend stehen und winkte übermüthig dem Schiffchen hinüber, Hellmuth aber wandte jählings Kopf und blickte Pia an. Sie zuckte zusammen — wieder, doch wieder allen guten Vorsätzen zum Trotz bei ihnen von dem Strom Laut — dich bethört der und Graus." Ja. Bethört! — das nicht die kosend weiche Luft, um bezaubert die Seele, — wallte es heiß nach ihrem Herzen. Was flimmert und flirrt vor ihren Blicken? Ist eS doch vielleicht die süße, lichte, schwüle Luft . . . Wagenrollen ertönt hinter ihnen in der Ferne, sie athmet erleichtert auf. , „ Tante Johanna! — Nun kann sie vielleicht allzu große Ermüdung vorschützen und die letzte kleine Strecke bis Rüdes- heim fahren. Dann ist sie einer Unterhaltung mit ihm enthoben und sein Blick kann sie nicht mehr verfolgen wie bisher. Wie er mit Fränzchen plaudert und lacht! Welch ein Wohlklang in der sonoren Stimme. Er scheint sich in der That sehr zu bemühen, die Kleine für sich zu gewinnen, und das Backfischchen strahlt vor Vergnügen über diesen ersten Verehrer. Es wird nicht lange dauern, dann hängt sie sich in ihrer ungenirten Weise an seinen Arm und Onkel Willibald, der sonst so vornehm denkende Mann, wird absolut nichts bei diesem Benehmen finden, wie er ja Alles gutheißt, was der Uebermuth seiner Einzigen in Scene setzt! Der Assessor hat gefragt, ob die Kleine viel an die amerikanische Heimath zurückdenkt, und ob sie dieselbe sehr geliebt hat. Und nun beginnt Fränzchen in einer Art und Weise aufzuschneiden, die geradezu unerhört ist. Alle Abenteuer des Lederstrumpfes und sonstiger Jndianerliteratur verarbeitet sie voll kühner Phantasie als eigene Erlebniffe, und der unnatürliche Vater geht schmunzelnd Und als er sie im Arm gehalten und Auge in Auge ruhte im ersten Sehen, da hatte sie das Gefühl, das dunkle, ahnungsvolle gehabt: — Du kennst ihn! wer ist es aber ? er ist Dir nicht fremd und doch weißt Du seinen Namen nicht! „Zieh nicht an den Rhein — zieh nicht an den Rhein, mein Sohn, ich rathe Dir gut!" klang es abermals dicht herüber: „Dich bezaubert der Schein — Entzücken saßt dich ist es, nicht der blinkende Strom, nicht der Hall und Schall rings- man bildet es sich lediglich ein, daß man am Rhein etwas ganz Besonderes erleben muß, und diese Einbildung bethört die Menschen und laßt sie Gespenster am Hellen Tage sehen! . . Gehört sie auch zu den sentimentalen, blerchsuchtigen Mädchen, welche sich in Empfindungen und Schwärmereien hineinzwingen, welche ihnen im Grunde genommen ganz fern liegen, welche nur krankhaft sind? Die Willensstärke, kühlherzige Pia, welche sich noch für keinen Mann begeistert, wird diesem traditionellen Rheinzauber gewiß nicht zum Opfer fallen. Sie reißt mit energischer Hand die Dunstschleier entzwei und sieht — sieht einen jungen, eleganten liebenswürdigen Mann, welcher ihr gefällt und mit welchem sie gern plaudert. SgBwH1!; 550 - zur Seite und lacht heimlich in fich hinein, daß seine eorpx- lente kleine Gestalt schüttelt!" Ob der Assessor diese himmelschreienden Lügengeschichten glaubt? — Er thut so, — wohl auch aus kluger Höflichkeit. Hier und da, wenn Fränzchen es gar zu bunt treibt, zittern die Spitzen seines Schnurrbarts wie unter verhaltenem Lachen. Im großen Ganzen scheim er sich aber himmlisch zu amüsiren, denn das Backfischchen ist animirter, wie je, und ihre drastische, drollige Art und Weise wirkt auch auf ihn im hohen Grade erheiternd. Sie scheint sich geradezu Mühe zu geben, ihn an ihrer Seite zu fesseln und bestens zu unterhalten, und jetzt wird sich das Thema auf Jagdgeschichten hinüberspielen. Fränzchens Augen blitzen auf, — und in seiner Lebhaftigkeit sieht das häßliche Gesicht beinahe hübsch aus. Sie verspricht ihm, unglaubliche Jagdabenteuer aus den Prairien und Urwäldern zu erzählen, und derweil sie sich anscheinend auf bluttriefende Büffel-, Bären- und Antilopen- Massenmorde besinnt und präparirt, muß er ihr von den Hirschjagden und Sauhatzen der heimathlichen Gebirgswälder berichten. „Wie viel Hirsche haben Sie schon zur Strecke gebracht?" Er nennt eine Zahl, welche ihr zu imponiren scheint. „Und wie viele Sauen?" Abermals scheint sie mit seiner Antwort zufrieden. „Sie schießen wohl sehr gut?" „Ich schmeichle mir wenigstens, nicht gerade schlecht zu schießen!" „Famos- — wir passen ja großartig zusammen! Ich schieße nämlich auch wie das Donnerwetter und für mein Leben gern! Wissen Sie was? wenn wir jetzt nach Rüdes- heim kommen, haben wir ja massig Zeit, — und lange Promenaden machen wir heute doch nicht mehr! da sehen wir zu, daß uns der Hotelwirth einen kleinen Scheibenstand einrichtet und uns irgend ein paar Schießprügel zur Stelle schafft, und dann knallen wir mal um die Wette drauf los! — Ja? einverstanden?" Er ist entzückt, und Fränzchen jodelt vor Freude so kräftig los, daß die Grethe erschreckt einen kleinen Satz zur Seite macht. „Esel du! wenn man Dich mit Deinem Vatersnamen nennt, hast Du es redlich verdient!" wendet sich Comteßchen nach dem nervösen Grauschimmel zurück, und die beiden Herren belachen den Witz nach Gebühr. „Lilian, legst Du Dich in Rüdesheim erst eine Weile zum Ausruhen hin, oder kommst Du mit uns auf den Scheibenstand?" fragt die Kleine plötzlich, sich an die schweigsame Freundin, welche einen Schritt hinter ihr geht, wendend. Es deucht Pia, als liege keine allzu dringende Aufforderung in dem Klang ihrer Stimme. „Natürlich muß Ihre Fräulein Cousine zugegen sein!" fällt Hellmuth hastig ein: „Wir müssen doch kritisches Publikum haben und wenn wir uns mal wegen eines Meisterschusses zanken sollten, bedürfen wir eines unparteiischen Schiedsrichters!" „Kann ja zur Nöth auch Papa sein!" „Traust Du mir kein Urtheil zu?" Das Backfischchen wirft eine Kußhand zurück: „Ich thäte Dich erwürgen, wenn Du etwa nicht mir, sondern dem Assessor Recht gäbest!" „Dann überlaß ich Dir diesen Ehrenposten, Onkel!" „Danke schön, will schon mit der Hexe fertig werden!" „Unbesorgt, mein gnädiges Fräulein, ich bin überzeugt, daß Fräulein Francis mir jeden Zug neidlos gönnt und Ihr Urtheil sogar in diesem Sinne beeinflussen wird!" Fränzchen schneidet eine kleine Grimasse, Hellmuth aber fährt scherzend fort, sich abermals an Pia wendend: „Oder machen Sie uns etwa Concurrenz und betheiligen sich selber an dem Preisschießen?" Fräulein von Nördlingen sieht beinahe erschrocken aus. „Nein!" antwortet sie kurz, „ich habe noch nie ein Gewehr oder eine Pistole in der Hand gehabt!" Er macht eine heftige Bewegung mit dem Kopf, als wolle er sagen: „Bravo! ich freue mich dessen!" Und Fränzchen nickt ebenfalls wohlwollend und sagt: „Wozu auch? Schießgewehre sind kein Spielzeug für Mädchen!" Lautes Gelächter. „Und das sagen Sie, gute Schützin, die doch selber eine junge Dame ist?" Die Kleine lacht auch, aber ein wenig verlegen und ihr Blick huscht momentan zu dem Vater hinüber, der Graf aber hat es nicht gehört, er ist stehen geblieben und erwartet den heranrollenden Wagen. „Unsinn! ist ja bei mir etwas ganz Anderes!" sagt sie mit wegwerfender Geste. „Sehen Sie mich an und dann die Lilian! Sehe ich aus, wie ein zartes Jungferchen? An mir verwilderter Range ist nichts mehr zu verderben, ich sehe ja doch nicht danach ous, als ob ich bei lebenden Bildern einen Engel stellen könne, aber Lilian, was ist die gold- weiß-rosige Lilian gegen mich schwarze Hexe für ein Zuckerpüppchen! In mich wird sich nie ein Mann verlieben!" „Aber, mein gnädiges Fräulein, wie können Sie uns Männern einen so schlechten Geschmack zutrauen?" Das Backfischchen warf übermüthig den Kopf zurück und lachte, daß die weißen Zähne blinkten: „Wenn Sie noch keine Frau hätten, würden Sie sich etwa in mich verlieben?" „Fränzchen!" Der Asseffor machte einen tiefen Diener und legte die Hand auf das Herz. „Fraglos! allen Rivalen zum Trotz!" „Ach, Sie reizender Mensch!" beinahe hätte sie ihn in ihrem tollen Jubel umarmt, glücklicherweise unterbrach Tante Johannas Ankunft die kleine Scene. Fränzchen stürmte der Mutter entgegen und stellte ihren „neuen Freund" vor, mit übersprudelnder Lebhaftigkeit alles Geschehene erzählend. Pia stand schweigend bei Seite. Sie hatte sich über Fränzchen geärgert; zu solchen Naivetäten war sie denn doch zu alt. Tante Johanna wandte sich voll Bedauern an sie: „Arme Lilian, dieser Dauerritt hat Dich sicherlich sehr angestrengt, willst Du nicht lieber einsteigen und mit mir fahren?" Pia senkte das Köpfchen, sie sah den Assessor nicht an und athmete schwer und tief. Dann blickte sie sehr ruhig auf und antwortete: „Danke tausend Mal, liebe Tante, das Gehen ist mehr sehr angenehm, mit Deiner gütigen Erlaubniß bleibe ich zu Fuß!" Capitel 17. Nun wandt' ich im Dämmerlicht blühender Bäume, Ich fasse der Nachtigall Jubel uud Schmerz — Ich zähle die Sterne! ich wache und träume, — Ein schwebender Stern ist mein seliges Herz! Alfred Meißner. Darf ich etwa Euer Gnaden S' nächste Mal zum Schießen laden? Er gönnt doch Andern was, Mosje? Nun er kommt doch? he, he, he? Freischütz. Man hatte Rüdesheim erreicht und war in der „Krone" abgestiegen. Kammerfrau und Diener besorgten das Gepäck und die kleine Gesellschaft trennte sich, um kurze Zeit auf den Zimmern der Ruhe zu Pflegen. Mrs. Luxor war sehr erfreut, die Wohnung ganz nach ihrem Geschmack zu finden. Auf die Schlafzimmer legte sie besonderen Werth. Sie mußten groß und luftig und durch eine Thüre verbunden sein, in dem einen schlief sie und Fränzchen, in dem anderen ihr Gatte. Pia wohnte zur anderen Seite des kleinen Salons, welchen der Wirth schnell Herrichten ließ, da die Herrschaften nicht an der WirthSmfel - 561 - soupire» und auch sonstige Mahlzeiten apart servirt haben wollten. Kränzchen empfand durchaus nicht das Bedürfniß nach Ruhe und schloß sofort Freundschaft mit dem Wirth, welcher mit größtem Vergnügen bereit war, einen kleinen Scheibenstand im Rebengang arrangiren zu lassen. „Es ist noch früh in der Saison und trotz des köstlichen Wetters der Verkehr noch nicht sehr lebhaft, da können die Herrschaften unbeschadet ein wenig Pistole oder Teschin schießen. Ich will für alles Nöthige sorgen und dem gnädigen Fräulein Bescheid sagen lassen!" Das Backfischchen fand es jedoch bedeutend amüsanter, die Vorbereitungen persönlich zu überwachen, und oft verkündeten Helle Lachsalven aus dem noch laublosen Rebengang, daß Kellner und Hausknecht ganz entzückt von den Bemerkungen der jungen Amerikanerin waren. Nach kaum einer Viertelstunde erscholl unter den Fenstern Hellmuths die eigenartig rauhe Stimme Fränzchens: „Herr Assesior! — Assessor Hellmuth!" „Sie befehlen, mein gnädiges Fräulein!" „Die Scheibe ist fertig! Es kann losgehen!" „Charmant — ich stehe zur Verfügung!" Die Kleine rieb sich glückselig die Hände und trabte auf ihren hackenlosen, hellledernen Schuhen nach dem Rebengang zurück. Der Graf hatte sich behaglich in einen Sessel gesetzt, rauchte eine Cigarre und wartete des Beginnens. Kellner und Hausknecht wurden als Sicherheitswachen ausgestellt, und dann erschien Hellmuth und das Schießen begann. Ganz überrascht blickte der Assessor auf seine originelle Partnerin, welche die Waffe mit außerordentlichem Geschick handhabte und lud. „Fangen Sie mal an!" gebot sie, „es ist mir lieb, Ihnen erst ein wenig auf den Zahn zu fühlen!" Hellmuth warf noch einen Schritt zurück, Miß Lilian kam noch nicht. Gleichmüthg hob er das Teschin, zielte kurz und drückte ab. „Hm . . . eine Neune ... na, macht sich für den Anfang!" lobte Kränzchen gönnerhaft und dann hob sie ihrerseits die Waffe, kniff mit einer spaßhaften Grimasse das linke Auge zu, zielte sehr ruhig und scharf und schoß. „Alle Achtung!" „Na, was hat der Racker getroffen?" forschte der Vater, sichtlich sehr stolz und dennoch, ohne den Kopf zn drehen, im Bambussessel liegen bleibend. Der Assessor kam hastigen Schrittes von der Scheibe zurück: „Elf! Es ist fabelhaft! Hut ab, mein gnädiges Fräulein!" Fränzchen trabte an seiner Seite, sie sah sehr ärgerlich aus. „Eine Schande! Jammervoll! Die Schweinerei! Elfe! Was will elfe besagen, noch 'mal her mit dem Schießprügel . . . da soll doch!" Sie schoß abermals, und voll lebhaften Interesses eilten Beide zur Scheibe. „Hurrah! Centrum!" „Es ist enorm, welche Sicherheit Sie haben, Miß Francis! Ich bin ja ganz starr!" Das Backfischchen zuckte gelassen die Achseln und doch flimmerten die dunklen Aeuglein vor Freude. „Nu los! Jetzt kommen Sie wieder an die Ramme!" Eine gewisse Erregung hatte Hellmuth ergriffen, sein Jägerblut wallte auf. Diesmal sah er nicht hinter sich, sondern nahm sich ernsthaft zusammen. Ein schwacher Knall, ein kleines blaukräuselndes Wölkchen, und dann flog Fränzchen mit ihren grotesken, ungraziösen Bewegungen über den Kies und der Assessor folgte eiligen Schrittes. Die Kleine erwartete ihn, legte militärisch grüßend die Hand an die Schläfe und stand stramm: „Gut gebrüllt, Löwe!" „Centrum?" „Mitten hinein! Famos!" Der Jägersmann freute sich, als habe er einen Meisterschuß um den Königspreis gethan- es wäre ihm greulich gewesen, sich vor diesem Mädel zu blamiren. Fränzchen strich ungenirt die Hände an dem eleganten Lodenkleid ab und rief lebhaft: „Und nun zeichnen wir an! und wer bei zwölf Schüssen die meisten Ringe hast, ist König?" „Respective Königin!" „Bon,- — es liegt eine Krone im tiefen Rhein, gezaubert aus Gold und Edelstein!" sang sie mit kühnen Gesten und schassirte zum Scheibenstand zurück. „Er hat auch Centrum, Papa! Jetzt wird es Ehrensache, — wir schießen wett!" Ein unverständiges Murmeln und Grunzen; der Pseudo Mr. Luxor nickte nur in bester Laune mit dem dicken Kopf und rauchte weiter. „Und wer zumeist trifft in's schwarze Bund, Den krönt man in Aachen zu selbiger Stund!" improvisirte der Assessor lachend, griff hastig nach der Waffe und lud. Fränzchens Passionen hatten etwas Ansteckendes, ein heißer Kampf um die Königswürde entbrannte. Beide schossen gut, — sehr gut sogar, und jeder hohe Treffer steigerte den Eifer. Hellmuth hatte noch nie eine Dame so ausgezeichnet schießen sehen- er selber galt daheim für einen ausgezeichneten, sicheren Schützen, aber neben Francis Luxor hatte er große Mühe, sich zu behaupten. „Haben Sie Ihre Studien mit Pulver und Blei auch in den Steppen und Urwäldern gemacht?" fragte er mit gerötheter Stirn, und das Backfischchen machte hinter ihrem soeben abgegebenen Schuß eine Geste her, wie ein Kegelschieber, welcher der Kugel noch par distance nachhelfen will. ,/Das versteht sich, immer vom Gaul hernnter, und wehe! wenn man dem Herrn Grisly-Bär nur die Nase kratzte! Donner ja! weißt Du noch, Vater, wie wir einmal mit den Sioux-Indianern nach dem Blackriver geritten waren, um die verdeiwelten Bestien aufzuspüren?" Der Papa horchte auf. „Nee — weiß ich nicht mehr, aber erzähl' mal, wie's war!" sagte er und paffte schmunzelnd dicke Wolken. „Heute Abend — jetzt ist keine Zeit! Wenn wir dann zur Erholung sitzen . . . nicht wahr, Alterchen, den Rüdesheimer kosten wir doch energisch?" und ohne Antwort abzuwarten, sprang sie abermals mit langen Sätzen davon, dem Assessor wieder ein Centrum zu notiren. (Fortsetzung folgt.) Gsrnsiirnntzig-s. Billige», gesahr- unv geruchloses Nachtlicht. Man streut um den Docht eines brennenden Stearinlichtes eine Schicht feinen Salzes. Hierdurch wird die Flamme bedeutend eingeschränkt, brennt also sparsam, erhellt aber doch das Zimmer in genügender Weise. Die Art Beleuchtung ist besonders für Kinderschlafzimmer sehr zu empfehlen- 'sie ist billiger, gefahr- und geruchloser als die der Lampen. • * Salon-Tischläufer. Von hoher Eleganz ist ein Tischläufer von ecrüfarbenem Erbsentüll. Hierzu ist ein 135 Ctm. 37 Ctm. breiter Stofftheil erforderlich, dessen Randseiten mit gleichfarbiger oder fliederfarbener Waschseide zu spitzen L-m- guetten ausgenäht werden. Die weitere Verzierung bilden zwei große Phantasie Blüthendolden, die von be den Schmalseiten des Läufers der Mitte zustrcben. Bei Ausführung der Stickerei wird das mit Tinte auf starkes Papier gezeichnete Muster dem Erbstüll untergeheftet. Die Stiele und Blätter werden im Stiel- und Blattstich mit Waschseide mit 2 bis 3 Nüancen Olive gearbeitet, während die sternförmigen Relief- blüthen aus schmalem sternförmigem Rococobändcken hergestellt werden. Letzteres wird durch eine Tapifferienadel mit langem - 562 — Ohr geleitet und durch die Löcher des Tüllstoffes gezogen. Jeder Stich bringt ein Blättchen zur Erscheinung, welchem mit Hilfe der Nadel die entsprechende Form zu geben ist, da daS Bändchen sich beim Durchziehen etwas zu winden pflegt. Kleine, weiße oder gelbliche Crystallperlen füllen die Blüthenkelche. * Entfernung von Eisen- und Tintenflecke« ans Marmorplatten. Man gießt auf 15 Gramm Spießglanzbutter (Chlorantimon) und 30 Gramm Oxalsäure fast % Liter Wasser und läßt es sich völlig auflösen. Hierauf thut man soviel Mehl dazu, daß ein dünner Brei entsteht und trägt denselben mit einem Pinsel auf die vorher gut mit heißem Wasser gereinigte Platte. Zuletzt belegt man die Oberfläche mit Löschpapier, das man einige Stunden lang öfters anfeuchtet. * * * Um weitzseidene Kleider, Hüte, Bänder vor dem Gelbwerden zn schützen. Zu diesem Zwecke färbt man dünnen Baumwollstoff mit gutem Neublau, wie man solches zum Bläuen der Wäsche benutzt, und schlägt die zu schützenden wetßseidenen Stoffe, und zwar ohne den blaugefärbten Mull vorher zu plätten hinein, sodaß sie völlig eingehüllt sind, schlägt sodann noch ein anderes dichteres, Weißes oder auch farbiges Tuch darum und verwahrt das Ganze in einem möglichst luftdicht schließenden Schrank oder Kasten. * * * Ueberkrusteter Brechspargel. (Bereitungsdauer 30 Minuten. 4 Personen.) Der Inhalt einer Kg.-Dose Brechspargel wird erhitzt. — Jndeß röstet man 50 Gramm würfelig geschnittenen Schinken und eine ebenso zertheilte Zwiebel in 50 Gramm Butter hellgelb, verkocht dies mit i/4 Liter süßer Sahne oder Milch und 1/8 Liter Spargelwaffer, in dem man 5 Gramm Liebigs Fleisch-Extract löste, zu dicker Sauce, würzt sie mit Salz, Pfeffer und 4 Löffeln geriebenem Parmesankäse und streicht sie durch. — Mit dieser Sauce wird der abgetropfte Brechspargel abwechselnd in eine vorgerichtete Backform geschichtet, zuletzt mit geriebener Semmel bestreut, mit brauner Butter beträufelt und 10 Minuten in einen heißen Bratofen gestellt. * * » Große Bohnen (dicke Puff- oder Saubohnen). (Bereitungsdauer 30 Minuten. 4 Personen). Die Dose mit 1 Kilo jungen großen Bohnen darf erst kurz vor dem Gebrauch geöffnet werden, damit die Bohnen nicht dunkel anlaufen. — Man schüttet sie in siedendes Salzwaffer, dem man eine Tasse Milch zusetzt, läßt sie aufwallen und thut sie sofort in die fertige Sauce, in der sie durchgeschwenkt werden, worauf man sie sogleich anrichtet. — Zur Sauce löst man 6 Gramm Liebigs Fleisch-Extract in knapp Liter kochendem Wasser, brät 50 Gramm würfelig geschnittenen Speck hellgelb, thut eine geriebene Zwiebel und 35 Gramm Mehl hinein, schwitzt beides gar und rührt nun langsam die Bouillon dazu, daß eine sämige Sauce entsteht. Man würzt sie mit gewiegter Petersilie und nach Gefallen auch noch mit Bohnenkraut, sowie etwas Pfeffer. * * Vorzüglicher Tafelsenf. 1/i Kilo gestoßenes Senfpulver, ein halbes Liter guten, weißen Weines sowie eine Messerspitze gestoßene Gewürznelken läßt man zusammen auf gelindem Feuer sieden. Alsdann bringt man ein kleines Stück Zucker hinzu, rührt dabei um und läßt das Ganze noch einmal gut aufkochen. Will man süßen Senf erhalten, so verkocht man ein halbes Liter guten Weingeist mit einem 1i4 Kilo Zucker und fügt in lauwarmem Zustande 125 Gramm Senfmehl, halb gelbes, halb braunes dazu. * * Salat aus Resten von Fleisch, Braten, Schinken. Die zur Verfügung stehenden Fleischreste zerschneide in kleine Stückchen und vermenge mit ihnen fein zertheilte Sardellen, füge hinzu Zwiebel nach Belieben, ein Stückchen Apfel und eine halbe Essiggurke fein zerschnitten. Das Ganze wird mit Essig und Oel, etwas saurem Rahm, Pfeffer und Salz als Salat angemacht. Mit einiger Sorgfalt bereitet, ergibt sich eine ganz vorzügliche Zuspeise, insbesondere für Kartoffeln, aber auch zu Fleischspeisen. Hrrrnsvistisehes. Schwierige Arbeit. Erster Herr (im Theater): „Entschuldigen Sie, aber würden Sie nicht Ihre Gemahlin bitten, den Hut abzunehmen? Ich bitte sehr! Ich kann absolut nichts sehen." — Zweiter: „Ich thäte Ihnen sehr gern den Gefallen, aber es geht leider nicht, wir wohnen außerhalb der Stadt und müffen heute noch nach Hause." — Erster: „Was hat das damit zu thun?" — Zweiter: „Das hat sehr viel damit zu thun,- unser Zug geht zwanzig Minuten nach Schluß der Vorstellung und sie braucht über eine Stunde, um sich den Hut aufzusetzen." * * * Sonderbare Ursache. Eine große Actienziegelei ist total abgebrannt. Ein Detective zieht in der Umgegend Erkundigungen über die mögliche Ursache des Brandes e n und fragt einen alten Bauern, ob er glaube, daß böswillige Brandstiftung — etwa aus Rache — vorliege. Bauer: „Nee, nee, Brandstiftung nicht, nee!" — Detective: „Vielleicht nur fahrlässige?" — Bauer: „Glaub ich »ich, nee — das liegt anders — ja —" — Detective: „Meinen Sie? Nun?" — Bauer: „Ja, wissen S' — aber 's bleibt unter uns —" — Detective: „Gewiß!" — Bauer (flüsternd): „Der Lehm war alle!" * * * Trübe Ahnung. Köchin: „Madam, mein Grenadier ist zum Gefreiten avanciert." — Hausfrau: „Na, hoffentlich ist sein Appetit nicht mitavancirt!" * ♦ * Frauenbosheit. Hausherr: „Wen geben wir der alten Kokette Wanda bei unserem Souper zum Tischnachbar?" — Gattin: „Den Amtsrichter — dem hat sie gestern, als sie als Zeugin vorgeladen war, ihr Alter nennen müffen!" * * * Gemüthlich. Fremder: „Kann ich die Rechnung jetzt haben?" — Wirth: „Gewiß . . . Sie können aber auch bis morgen warten . . . vielleicht fällt mir noch was ein!" Meine Sterne. Vor vielen Hunderten von Jahren, Da suchte aus den ewigen Sternen Der Mensch sein Schicksal zu erfahren. Nicht niehr rote einst in jenen fernen, Vergang'nen Zeiten herrscht der Glaube An diese Deutung aus den Sternen! Und doch! — Schau' ich den Himmel an, Der Sterne ewigen Lauf und Bild, So überkommt mich süßes Ahnen, Durch meine Seele zieht es mild! Die Sterne sprechen zu den Menschen: „Der durch Jahrtausende uns führt, „Er ist auch Euer Gott und Vater, „Er ist's, der über Euch regiert!" Und noch giebt es für mich zwei Sterne, Aus deren Strahl mein Schicksal spricht! Sie sind für mich gar nicht so ferne. Doch ach, sie leuchten mir noch nicht! August Gotthard. Redaetüuu S. Schehda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Gcheyda) in Sießen.