p fH» E ®Oßzel: will, was er kann, Fängt nichts vergeblich an. w Dein Geschenk gieb unverwandt, Daß dies schnell den Freund verbindet; Was Dir schwer ging aus der Hand, Schwer den Weg zum Herzen findet. Das Kind der Tänzerin. Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann. (Fortsetzung.) „Pontius Pilatus" sprang von einer Matte auf, zischte den Eindringling wütheud an und verschwand in einer ent- ,'ernten Ecke^ „Robespiere" spitzte sein eines Ohr, richtete den übriggebliebencn Stumpf seines Schwanzes hoch auf und flüchtete sich, von sämmtlichen „Borgias" gefolgt, unter den Stuhl seiner Herrin. „Beim Himmel!" ries Regnault amüsirt aus. „Was finde ich hier? Eine ganze Legion Katzen, und alle verrückt, wie es scheint!" „Sie sehen hier meine Familie," antwortete Mercy Poole trocken. „Wer behauptet, daß die Katzen keinen Verstand besitzen? Mir scheint, daß dieselben sich vortrefflich auf die Charaetere der Menschen verstehen. Diese Thiere hegen schon auf den ersten Anblick ein Mißtrauen gegen Sie- ihr Benehmen sagt deutlich, daß mit Ihnen etwas los ist." Regnault warf sich in einen Stuhl und erwiderte lachend: „Merkwürdige Geschöpfe! Nun, ich denke, daß mit den Meisten von uns etwas los ist. Doch sagen Sie mir, Frau Wirthin, kennen Sie eine Familie Namens Greylock inBlackport? Es sollen sehr reiche Leute sein, wie ich höre? Polly hatte sich eben erhoben, um sich nach der Küche zu begeben- bei diesen Worten blieb sie jedoch stehen, wandte sich unbemerkt um und machte sich im Zimmer zu schaffen. „Ja," erwiderte Me,ey Poole, indem sie dem Fragenden einen forschenden Blick zuwarf. „Ich kenne die Greylocks. — Sie auch?" Er zog ein Cigarren-Etui aus seiner Tasche, indem er mit nachlässiger Höflichkeit fragte: „Sie gestatten mir wohl, mir einen Glimmstengel anzuzünden?" Dann setzte er mit gleichgültiger Miene hinzu: „Ich habe früher einmal die Bekanntschaft eines oder zwei der Familienmitglieder gemacht." „Der jungen Erbin wohl?" fragte Mercy mit scharfer Betonung. „Nicht doch!" „Dann kennen Sie also den Alten?" „Gott bewahre!" „So ist nur noch die hübsche Wittwe übrig, Robert Greylocks Wittwe." Regnault blies eilte Rauchwolke aus und blickte träumerisch den blauen Ringeln nach, die sich über seinem Kopse hinzogen. „Ja, ich kannte sie, oberflächlich nur, es ist schon Jahre her," entgegnete er; „sie stand damals auf sehr gespannrem Fuße mit ihrem Schwiegervater. Jetzt scheint die Harmonie zwischen den Beiden hergestellt zu sein." „Das Kind versöhnte sie. Die Wittwe bezieht ein schönes Einkommen von dem Alten." „Wirklich? DaS freut mich. War es nicht irgendwo in der Nähe, da ihr Gatte Selbstmord beging?" Mercy Pooles Gesicht nahm einen finsteren Ausdruck an. „Er wurde tobt gefunden," antwortete sie. Regnault entlockte seiner Cigarre einige mächtige Rauchwolken, dann brach er in ein lautes Gelächter aus. „Ich habe alle Ursache, den Burschen in gutem Andenken zu bewahren !" erklärte er; „als ich die Nachricht von seinem Tode erhielt, freute ich mich königlich." „Was?!" rief Mercy Poole. „Ich hatte guten Grund, ihm zu grollen," fuhr der Sänger fort. „Am Mittag des Tages, an welchem er Selbstmord beging, gab er mir die tüchtigste Tracht Prügel, die ich in meinem Leben erhielt." Eine kurze Pause folgte auf dieses offene Geständniß. Plötzlich fuhr Mercy Poole von ihrem Stuhle auf und trat hochaufgerichtet vor Regnault hin. „Er gab Ihnen eine Tracht Prügel an dem Tage, an welchem er starb?" wiederholte sie langsam, indem ihre schwarzen Augen durchbohrend auf dem Sänger hasteten; „und Sie hegten deshalb einen Groll gegen ihn?" „Gewiß!" „Das klingt unheimlich, denn Robert beging nicht Selbstmord — er wurde ermordet." „Wirklich?" erwiderte Regnault in gleichgültigem Tone. „Wer ermordete ihn denn?" „Das weiß Niemand." „Und vermuthlich kümmert sich auch heute Niemand — 388 mehr darum," setzte Regnault hinzu, indem er die Asche von seiner Cigarre abstieß. „O doch," antwortete die Wirthin langsam, „es lebt wenigstens eine Person, die sich selbst jetzt, nach siebzehn Jahren noch, darum kümmert." „Wahrhaftig, dann war Grehlock glücklicher als die meisten seiner Mitmenschen!" rief der Sänger/ „gewöhnlich genügt eine kürzere Zeit, um uns ans der Erinnerung unserer Nächsten und Theuersten zu streichen." Mercy Poole ballte ihre braunen, sehnigen Hände. „Die Stunde wird kommen, da Gottes Gerechtigkeit den Mörder an das Tageslicht bringen wird!" sagte sie dumpf. „Ihr Glaube ist stark," meinte Regnault lachend. „Mord will an's Licht," ist ein Sprüchwort, das sich überlebt hat. In unseren Tagen glaubt Niemand mehr daran. Die Wege der Gerechtigkeit sind jetzt so krumm und verschlungen, daß es schwer ist, die Schuldigen zu erreichen. Der Mörder, welcher siebzehn Jahre lang im Stande war, sich der Gerechtigkeit zu entziehen, müßte geradezu ein Idiot sein, wenn er sich jetzt noch fangen ließe." „Sie haben mir gesagt, wie Sie heißen, Sir," begann Mercy Poole nach einer kurzen Pause von Neuem, „ich habe es aber wieder vergessen." „Regnault ist mein Name." „Er ist mir fremd." „Ohne Zweifel." „Wo waren Sie," fuhr die Wirthin mit flammenden Augen fort," „in der Nacht, als Robert Grehlock starb?" Regnault blickte die Amazone verblüfft an und antwortete dann lachend: „Wollen Sie seinen Tod etwa mir in die Schuhe schieben? Ich war in jener Nacht viele Meilen weit von hier, und obwohl ich Grehlock von ganzem Herzen haßte, erwies sich sein unzeitiges Ende doch als das größte Unglück meines Lebens. „Nein, nein!" fuhr er mit einem Achselzucken fort/ „ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich nicht sein Mörder bin." „Sie weichen meiner Frage aus!" rief Mercy. „Wo waren Sie in der Nacht, als er ermordet wurde?" „Das geht Sie nichts an! Sie zwingen mich, Ihnen eine unhöfliche Antwort zu geben. Allein," sagte er gähnend, indem er seine Cigarre wegwarf, „es ist schon spät, und ich will jetzt zu Bette gehen." „Bleiben Sie!" erwiderte Mercy Poole, „nur noch ein Wort! Wenn die Leute jene dumme Selbstmordgeschichte nicht so leichtgläubig hingenommen hätten, so wäre ein ge- wisser Jemand sofort der That verdächtig gemacht worden, und nichts hätte ihn dann retten können." Regnault hatte durchaus keine Lust, weiter auf den Gegenstand einzugehen, allein der furchtbare Ausdruck ihrer Augen entrang ihm die Frage: „Und wer war das?" „Der Mann, welcher mit Robert Greylocks Weib entfloh." Regnault stieß die Katzen, welche im Wege lagen, bei Seite und schritt der Thüre zu. Ehe er das Zimmer verließ, sagte er noch: „Der arme Teufel! Ohne Zweifel wurde er für diese Thorheit schwer genug bestraft. Er muß indessen ein Tausendkünstler gewesen sein, wenn er den Gatten in Blackport tödtete und zu der gleichen Zeit mit der Frau New-York verließ. Fran Wirthin, es ist klar, daß Sie das Zeug zu einem Detectiv nicht besitzen." Im Hinausgehen winkte er Polly zu, welche ihm auf den Hausflur folgte. „Wissen Sie den Weg nach Grehlock Woods, mein Kind?" fragte er. //Ja." „Ich möchte der jungen Dame dort eine Botschaft zusenden." „Ich will dieselbe überbringen." „Besten Dank, mein Kind! Um Ihretwillen verzeihe ich dem Burschen mit den groben Fäusten — er ist wohl Ihr Liebhaber — der mich vorhin so nnceremoniös angriff." „Er ist nicht mein Liebhaber," erwiderte Polly, oen Kopf schüttelnd. „Nicht? Dann ist er zweifellos übergeschnappt," sagte Regnault lachend. „Morgen früh werde ich Ihnen einen Brief anvertrauen, den Sie jedoch nur Miß Grehlock selbst überliefern müssen, keinem anderen Menschen, verstehen Sie mich? Sie dürfen mir keinen Streich spielen." „Ich würde das ür unter meiner Würde halten, Sir." „Miß Grehlock wird Ihnen ohne Zweifel eine Antwort übergeben. Ich werde morgen im Gasthof bleiben. Sagen Sie Ihrer Herrin keine Silbe davon!" „Ich werde schweigen." Regnault begab sich die Treppe hinauf, und Polly kehrte in das Zimmer zurück, fand aber nur noch die Katzen in demselben. Ihre Herrin war verschwunden. Hinaus nach den alten Salzgruben eilte Mercy Poole beim bleichen Licht des Mondes. Ihre hohe, schwarze Gestalt schien beflügelt. Sie hatte ihren niedrigen Hut tief über das Gesicht gezogen, und ihre sehnigen Hände fuchtelten wild in der Luft umher. Hatte sie den Mörder ihres Geliebten endlich gefunden? Dichte Nebelwolken lagerten sich über die Salzwiesen/ doch hell schienen die Sterne droben am nächtlichen Himmel Sie schlug den oft betretenen Pfad ein, der nach dem Steinhaufen führte, warf sich neben demselben nieder und blieb regungslos, das Gesicht der Erde zugekehrt, dort liegen. Dort stolperte Polly eine oder zwei Stunden später über sie und suchte sie aufzurichten. „Gott sei Dank, daß ich Sie endlich gefunden habe Miß Poole!" rief sie. „Ich habe Sie überall gesucht. Das Küchenmädchen sagte mir, Sie würden wahrscheinlich hier sein/ es fürchtete sich aber, mit mir zu kommen — wegen der Geister." Mercy Poole sprang von der Erde auf, ihr Gesicht war so bleich und gespenstig wie der Nebel, der über der Salzwiese schwebte. „Wer ruft mich?" sagte sie wild. „Ich - Polly." „Und fürchten Sie sich nicht auch vor Geistern?" „Nein/ ich fürchte mich vor nichts," antwortete das Mädchen/ „aber ich konnte nicht schlafen gehen, bis ich Sie in Sicherheit wußte." Mercy Poole blickte auf das liebevolle, besorgte Gesicht des jungen Mädchens nieder und sagte dann gerührt: „Ich danke Ihnen, mein Kind." „Das Gespräch mit jenem Manne hat Sie wohl aufgeregt?" fragte Polly. „Ich wußte, daß er ein schlechter Mensch ist, ich wußte es vom Augenblick an, als er den Gasthof betrat. Aber kommen Sie, Miß Poole, gehen Sie jetzt mit mir nach Hause! Was wollen Sie denn nur an diesem einsamen Platze?" „Mit dem Todten sprechen," antwortete Mercy Poo.e. „Als Sie mich anredeten, glaubte ich seine Stimme zu vernehmen." „Nicht doch!" rief Polly bebend. „Wir können nicht mit den Todten reden, so lange wir selbst am Leben sind." „Meinen Sie? Ich thue es oft. Sehen Sie dieses Steinmonument? Ich errichtete dasselbe mit meinen Händen in mitternächtlicher Stunde zum Andenken an Einen, der auf dem Flecke, auf dem Sie eben stehen, ermordet wurde. Und eine lange, lange Unterredung hatte ich mit ihm, während ich mit der Arbeit beschäftigt war. Ich will Sie aber nicht erschrecken. Reichen Sie mir die Hand, Kind — es schwindelt mir — führen Sie mich nach Hause!" Und ohne ein weiteres Wort zu reden, ergriff sie die Rechte des Mädchens und schritt mit demselben nach der im tiefen Schlummer liegenden Stadt zurück. Polly betrachtete ihre Herrin unterwegs wiederholt mit bekümmerten Blicken und suchte vergebens eine Antwort auf die Frage: „War Mercy Poole, die Wirthin der „Katzen- Herberge," wahnsinnig?" - 83s - 22. Capitel. Alte Bekannte. Zu früher Stunde am folgenden Morgen klopfte eine vom Kopf bis zu den Füßen schwarz gekleidete und dicht verschleierte Frau an die Thür des Poole'schen Gasthofs. Polly öffnete. „Ich wünsche Monsieur Regnault von der „Orpheus- Compagnie" zu sprechen," sagte die Dame, ohne den Schleier zu lüften. „Treten Sie ein, Madame!" antwortete das Mädchen. Als die schwarzgekleidete Frau in den Hausflur trat, bemerkte Polly, daß dieselbe lahm war. Sie führte die Dame in den Parlor und eilte dann die Treppe hinauf, um Regnault zu rufen. Der Gerufene war bereits auf und angekleidet. Als Polly ihm den Wunsch der Dame mitgetheilt hatte, begab er sich die Treppe hinab und erschien vor der Dame, die er unentschlossen in dem Parlor stehend fand. Mit der einen Hand hielt sie sich an einem Stuhl fest, während sie mit der anderen ihr Kleid emporhielt, um sich vor der Berührung mit den Katzen zu hüten. „Madame," sagte er trocken- „wem habe ich diesen unerwarteten Besuch zu verdanken ?" Sie schlug ihren Schleier zurück. Es war Iris Grehlock. „Ah!" sagte Regnault trocken- „als ich Dich gestern Nacht im Concert erblickte, da wußte ich, daß diese Begegnung unvermeidlich war." Die Beiden blickten einander finster an. „Ich kann nicht ruhen," sagte Iris, „bis ich mit Dir gesprochen habe; was führt Dich in diese Stadt, und das unter falschem Namen? Ich glaubte — ich hoffte, daß Du tobt wärest." Regnault drehte die Spitzen seines Schnurrbartes. „Verbindlichsten Dank, Mrs. Greylock. Du haft, wie ich vermuthe, diesen Namen angenommen? So weit ich weiß, ist es jetzt der einzige, den Du rechtmäßig führen kannst. Deine Aufrichtigkeit rührt mich- ich lag, wie Du weißt, in New-Orleans schwer krank am gelben Fieber darnieder, allein ich bin, wie Du siehst, mit dem Leben davongekommen - ich bin nicht so leicht tobt zu machen. Ich kam hierher, um gegen Bezahlung zu singen, und — verzeihe mir — Regnault ist kein angenommener Name - ich habe ihn einfach umgestellt. Du kanntest mich früher als Arthur Regnault Kenhon — jetzt heiße ich Arthur Kenyon Regnault." Iris mußte sich setzen - sie sah bleich und entrüstet aus. „Die Jahre sind fast spurlos an Dir vorübergegangen," sprach sie. „Ich kann Dir dieses Compliment mit Zinsen zurückzahlen," erwiderte er mit einer spöttischen Verbeugung. „Du siehst wahrhaftig kaum fünf Jahr älter aus als an dem Tage, da wir gebrochenen Herzens von einander schieden. Die Zeitungen meldeten mir den traurigen Unfall, welcher der Laufbahn der Ballettänzerin für immer ein Ende machte - allein Mrs. Iris Greylock scheint sich unter den Verwandten ihres tief betrauerten Gatten vortrefflich conservirt zu haben." Iris machte eine ungeduldige Geberde. „Sind wir sicher vor Horchern?" fragte sie. „Ohne Zweifel," antwortete Regnault, „die Wirthin dieses Gasthofs ist zwar ein Original, allein ich glaube nicht, daß sie sich dazu herabläßt, an Schlüssellöchern zu lauschen." „Nun denn," sagte Iris, fest entschlossen, sofort das Schlimmste zu erfahren, „so laß uns zur Sache kommen. Als wir uns in einem gewissen Gerichtssaal im Westen trennten, versprachst Du mir, mich nie wiederzusehen, mich auf keine Weise mehr zu quälen. Und doch bist Du jetzt hier! Was willst Du hier? Suche mir nicht einzureden, daß Du zu keinem anderen Zweck nach Blackport kamst, als um mit einer Concerttruppe zu singen. Ich bin nicht so leicht zu täuschen — sei aufrichtig — bin ich die Unglück- "che, die Dich hierher gezogen hat?" „Du?!" rief Regnault mit höhnischem Lachen! „nein, diese Anziehungskraft besitzest Du längst nicht mehr. Ich wäre leicht zu bewegen, von Dir fort zu fliehen- aber Dir entgegenzueilen? — Nein! Du bist das letzte Geschöpf in Blackport, dem ich zu begegnen wünschte. Nie in meinem Leben fühle ich mich über eine Begegnung mit einem weiblichen Wesen so entsetzt wie gestern Nacht, als ich Dich im Concertsaal erblickte." Iris erröthete vor Zorn und verletzter Eitelkeit. „Sehr schmeichelhaft!" sagte sie. „Du bist arm — Du weißt, daß mein Schwiegervater mir ein hübsches Jahrgeld zukommen läßt- kamst Du etwa hierher, um mir einen Theil meiner Einkünfte abzuverlangen — um durch Drohungen Geld von mir zu erpressen?" „Wie kannst Du nur so etwas glauben? Bin ich nicht von Geburt und Erziehung ein Gentleman? Nur der gemeine Mensch läßt sich herab, ein Weib zu berauben oder zu bedrohen- Du thust mir Unrecht, Schatz?" „Dann lauert also noch etwas Schlimmeres im Hintergrund ? Sprich!" „Ich muß die Beantwortung dieser Frage ablehnen." „Gut- ich kann mir die Antwort selbst geben," sagte Iris. „Du hast Dein eigenes Vermögen schon vor Jahren verschleudert- jetzt suchst Du ein anderes zu ergattern. Du hast noch immer Dein hübsches, jugendliches Aussehen und Deine schöne Stimme, Du bist ein gefährlicher Nebenbuhler, selbst für einen englischen Baronet. Der Magnet, der Dich nach Blackport zog, heißt Miß Greylock, Erbin von Greylock Woods! Hörte ich Dich nicht gestern Abend singen? Weiß ich nicht, daß Deine ganze Gluth und Leidenfchast ihr, und ihr allein galt?" Regnault lehnte sich an die Wand und zuckte die Achseln. „Die Erbin von Grehlock Woods?" wiederholte er langsam. „Meine Liebe, erlaube mir eine Frage. Wer ist jene junge Person?" Sie blickte ihm fest in die Augen und antwortete: „Meine Tochter." „Das ist wohl eine Finte von Dir," entgegnete er mit leisem Spott, „denn Du hast ja keine Tochter. Sie starb in zartester Kindheit." Iris war nicht leicht zu verblüffen- nichtsdestoweniger senkte sie die Augen. „Ich entdeckte die Wahrheit erst nach unserer Trennung," stammelte sie. „Ich — ich fand siejwieder." „In der That!" höhnte Regnault. „Ich gratulire Dir zu dieser glücklichen Entdeckung, die sich wie ein Capitel aus einem Sensationsroman anhört. Dein Genie lag nicht ausschließlich in Deinen hübschen Füßen, meine Theuerste- Du hattest auch einen Kopf, um schlaue Pläne zu schmieden und auszuführen. Du fandest Deine Tochter und mit ihr den Weg zu des alten Grehlock Geldsäcken. Er trägt die junge Dame auf den Händen, wie ich höre. Doch wo und wie fandest Du das Kind, das im Sterben lag, als Du es im Stiche ließest, um — um —" „Vollende Deinen Satz!" sagte Iris bitter. „Sprich die Wahrheit! — Als ich das Kind im Stiche ließ, um einem Manne zu folgen, der fpäter mein böser Dämon wurde." „Keine Vorwürfe, wenn ich bitten darf!" entgegnete Regnault. „Bleiben wir bei Deiner Tochter stehen. Es würde mich außerordentlich interessiren, die Geschichte ihrer Auferstehung von den Tobten zu vernehmen. Ich kann aus eigenem Wissen beschwören, daß Du sie Jahre lang tobt glaubtest und ebenso wenig von ihr wußtest wie ich. Wie vermagst Du diese Lücke in der Zeit auszusüllen?" Iris senkte den Kopf und schwieg. „Ich sehe," fuhr Regnault mit heiserem Lachen fort, „es war nothwendig für Dich, eine Tochter zu haben, um in Grehlock Woods festen Fuß zu fassen. Jene beiden Alten, Dein Schwiegervater und seine Schwester waren leicht zu übertölpeln, nichtwahr? Nun, dieTochter macht DeinemGeschmack alle Ehre, magst Du sie gefunden haben, wo Du willst." (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Gartenarbeit. Die an den Kohlpflanzen sich zeigenden Raupen sollten fleißig abgelesen werden. Bindsalat und Endivien werden zum Bleichen gebunden, beim Carviol, an dem sich Blumen zeigen, werden einige Blätter geknickt und über die Blume gebreitet, oder die Blätter über der Blume zusammen- gebundcn. Frühkartoffeln werden geerntet und das Land zu anderen Culturen verwendet. Reife Samen werden gesammelt und die Gewürzpflanzen zum letzten Mal geschnitten. * * * Wespenstiche können lebensgefährlich werden, wenn solche im Halse während des Schluckens beigebracht werden. Die Fundgrube gibt ein Mittel an, das sofort Leichterung bringt, sobald man spürt, daß man im Munde oder Hals gestochen ist, nehme man einen Theelöffel voll Kochsalz, mit etwas W-sser angefeuchtet, und verschlucke dies langsam. Geschwulst und Schmerzen verschwinden hierbei in kürzester Zeit. Dies einfache Mittel hat schon Manchen vom Tode errettet. * * * Rinderfilet ä la Radziwill. 10 Personen Be- reitnngszeit 3/4 Stunden. — Ein starkes, gut abgelegenes Rinderfilet wird gehäutet, gespickt und in bekannter Weise in längstens einer halben Stunde in Butter saftig gebraten, so daß es beim Tranchiren innen vollkommen« rosig aussieht. Für die Sauce, die dem Gericht den Namen gibt, röstet man 10 Zwiebeln, 100 Gr. rohen Schinken, beides sein würflich geschnitten in 125 Gr. Butter gelblich, fügt drei Löffel Mehl hinzu, rührt dies glatt und füllt nun Liter Rheinwein, eben so viel sehr starke Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extract und Vio Liter Bordeaux Essig aus, 15 Gr. Zucker beisügend. Sobald die Sauce gut verkocht ist, wozu es etwa 20 Minuten bedürfen wird, treibt man sie durch ein Sieb, giebt sie in die gesäuberte Casserole zurück, und schlägt sie mit einem nußgroßen Stück frischer Butter verrührt, mit drei Eigelben schaumig. Sollte sie nicht sogleich angerichtet werden, so ist sie im Wasserbade heiß zu halten. — Das Filet wird geschnitten und mit Kartoffelbeignets umkränzt. VevnEchtes. Die Lyrik auf demZweirad. Unter dieser Ueber- schrift gibt P. v. Schönthan in der „Jugend" einige Umdichtungen: An Minna. (Rach Schiller.) Träum' ich, ist mein Auge trüber, nebelts mir ums Angesicht? Meine Minna fährt vorüber, meine Minna kennt mich nicht? In Gesellschaft ihrer „Brüder" fährt sie noch im Mondenlicht, und am Morgen fährt sie wieder — meine Minna ist es nicht. Ganz dem Sport ist sie ergeben, für den Liebsten sehr fatal! Das nur möcht' ich noch erleben, daß sie hinsällt bald einmal. Ha! wie will ich dann Dich höhnen! Höhnen? Gottbewahre mich! Weinen will ich, bittere Thränen weinen, Minna, über Dich! (Nach Heine.) Anfangs war ich sehr dagegen, und ich glaubt', ich führe nie- und jetzt radl' ich allerwegen, aber fragt mich nur nicht: wie? (Nach Goethe.) Es war ein König in Thule, getreu bis an das Grab, dem sterbend seine Buhle ihr gebrauchtes Zweirad gab. Es ging ihm nichts darüber, er lobt den leichten Lauf- die Augen gingen ihm über, so oft saß er darauf. Freie Kunst. (Nach Uhland.) Fahre, wem ein Rad gegeben, in dem deutschen Radlerwald, das ist Freude, das 340 - I ist Leben, wenn's von allen Rädern schallt. Nicht an wenig I stolze Namen ist die Radfahrkunst gebannt, Räder gibt's für Herrn und Damen überall im deutschen Land. (Nach Heine.) Allnächtlich im Traume seh ich mich aus dem Rad Dich freundlich grüßen, und laut all-heileud stürze ich und liege vor Deinen Füßen! Der Jüngling am Rade. (Nach Schillers „Jüngling am Bache".) Auf dem Rade saß der Knabe, doch er windet keinen Kranz, das erfordert zu viel Hebung, nur ein guter Fahrer kann's. Komm, Geliebte, hab' die Gnade, Horch, die Quelle rieselt klar! Raum ist auf dem kleinsten Tandem üt ein glücklich liebend Paar. Muster eines Geschäftsreisenden. Sens- reisender (zu den Kannibalen): „Und wenn ich nun wirklich gebraten und verspeist werden soll, so bitte ich die Herren, bei dieser Gelegenheit doch auch einmal einen Versuch mit meinem Senf zu machen! Ich reise für Meyer u. Co." * Sie weiß sich zu helfen. „Das Rauschen der See ist köstlich- ich hör' es zu gerne und werde es sehr ver- missen!" — „I, du brauchst mir ja nur ein seidenes Kleid zu schenken, das rauscht auch!" * ge ft gelegtes Gold. Amerikaner haben ausgerechnet, daß das in den Ver. Staaten in Zahnplomben „angelegte" Gold einen Gesammtwerth von 20 Millionen Dollar repräsentirt. * * „I bettle net!" Der Hansenbauer Ihut Aepsel herunter. Da kommt des Schulmeisters Fritz t en vorbei, sieht die Aepsel, die schon im Korbe sind, gar begehrlich an und sagt endlich: „Du, Hansenbauer, hast Du amol schöne Aepsel, aber i' bettle net, sonst werd' i’ zankt!" * Fatal. Junge Frau Morgens beim Frühstück zu ihrem Manne: „Wann bist Du heute Nacht nach Hause gekommen, Hugo?" Mann: „Etwas nach zwölfe!" Frau: „Hm, sonderbar, Guste erzählte vorhin, heute Morgen um 6 Uhr sei Dein Ueberzieher noch hin und hergebaumelt! * * Backfischträume. Eine recht innige glückliche Liebschaft möchte ich haben — und alle Welt müßte mich darum beneiden — und das tiefste Geheimniß sollte e§fern! ♦ * Weiblicher Scha rfsinn. Siebe Mathilde, ich hab mich jetzt fest entschlossen, alle Deine Wünsche zu erfüllen. Du darfst sechs Wochen aufs Land und bekommst eine neue Toilette- auch werde ich Dir wahrscheinlich Rokoko-Möbel str Deinen Salon kaufen!" - „Karl, Karl - was mußt Du wieder Alles angestellt haben!" * * * Die Vertheidigung der Termopylen. Patrouille (meldend): „Herr Oberst, die Türken sind so zahlreich, dal; ihre Geschosse die Sonne verfinstern." Griechischer Ober! ■ „So werden wir im Schatten ausreißen!" * * * Vom Pfarrer Kneipp. Kam da eines Tages za Pfarrer Kneipp ein Student nach beendigter Kur, um za fragen, was er schuldig sei. „Nix", lautete die prompte Antwort, „bin froh, daß Sie mich nicht anpumpt haben. In der Schule. Lehrer (bei Besprechung von Schiller „Wilhelm Tell"): Wie kam es, daß Geßler die „W Gasse" um so viel später erreichte, als Tell?" — Schule • „Seine Uhr war abgelaufen!" Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerci (Pietsch & Scheyda) in C ^2 er th D Roman a „Es was Du s „Seui kW- „Di die größte im Lügen, allein ich Die reizen nennt, hat Iris widerte: „ was ich bi weiß ich E gezogen, i mein frtei oder gar mir den S ich habe m Du correfi ein Liebes: Jetzt sagt Dir i „Nie: gar manch wir Feindi dieser Stu ganze Ang Erbin, die wünscht, । wandernde: