größere zu Wegweiser", FS-)/ schreibt, räulein (mit theuer!" — Ahnen besser mein Junge, 7 — Junge „Nein, Sie denken bei — Mr. 58.: :er auf den Stelle ein- on ist wohl ierdings; sie t?" — 58.: lnwalt." - /,Jch habe Äugend".) ins): „Na, len Hiersein iße an Tisch >irth: „Ja, )’tt, sondern ' Stuhlfüß' Abschraub'n 'runter und auf Besuch ja gänzlich mir immer chasten und th zieht sich ist die Ur- - „Alte!" r. hmückt; SartßelS. Gießen. 8 W SÄ i I jii !i WMiU i bsÖsHym >as Glück ist eine leichte Dirne Und weilt nicht gern am selben Ort; Sie streicht das Haar Dir von der Stirne Und küßt Dich rasch und flattert fort. Frau Unglück hat im Gegentheile Dich liebefest an's Herz gedrückt; Sie sagt, sie habe keine Eile, Setzt sich zu Dir an's Bett und strickt. H. Heine. Der Majoratsherr. Roman von Nataly v. Eschstruth. (Fortsetzung.) Capitel 16. Lauten Hangen 1 Buben sangen, wunderbare Fröhlichkeit! Und der Himmel wurde blauer und die Seele wurde weit! Märchenhaft vorüber zogen Berg und Burgen, Wald und Au! — Und das Alles sah ich glänzen in dem Äug' der schönsten Frau! Heine. Der Assessor zog abermals den Hut und wandte sich mit bittendem Blick zu P:a und diese begegnete seinem Wunsch mit dem liebenswürdigsten Lächeln. Diesmal nannte sie seinen Namen ganz richtig, ja, sie sagte sogar mit einer gewissen Betonung „Herr Forstassessor Carl Hellmuth!" Er bemerkte es, sein Blick leuchtete auf. Onkel Willibald grüßte in bester Laune von seinem Maulthier herab. Freut mich sehr, Verehrtester! Habe den Vorzug, mich Ihnen ebenfalls bekannt zu machen, Mr. Reginald Luxor! Schwergeprüfter Vater jener schönen Ausreißerin — —" „Pflegevater meinst Du, Onkelchen! Offiziell darfst Du Dich wirklich nicht mit falschen Federn schmücken!" Der Graf lachte ein wenig betroffen, faßte sich aber schnell: „Hexe Du, wollte gern ein wenig mit der großen Tochter renommiren! Na, „Onkel" ist auch eine schöne Würde, nicht wahr, mein bester Assessor? Sie tauschten gewiß sofort mit mir! Aber nun bitte ich dringend, Kinder, helft mir von diesem elenden Marterrosse herab. Ich fühle kaum noch meine Knochen, so hat der Schinder mich durcheinander geschüttelt! Ah, Gott sei Dank, wieder festen Boden unter den Füßen, und Rüdesheim glücklicherweise in Sicht, na, da soll mich Gott bewahren, daß ich noch einmal auf- stetge! Vorwärts, Ihr Mädels, jetzt wollen wir stolz zu Fuß gehen, und Sie, mein Verehrtester Herr Assessor, nehmen Sie nochmals besten Dank, daß Sie sich unserer Lilian so gütig angenommen haben! War ja eine ganz romantische Geschichte mit dem Hans, und ein Desertiren aus Liebe darf nicht bestraft werden. Aber die arme Lilian hat keinen üblen Zauberritt gemacht, kam wohl ganz desolat bei Ihnen an, was?" „Na, das siehst Du doch schon an ihrem Haar!" unterbrach Fränzchen. „Uebrigens mußt Du meinem Freund Hellmuth noch viel inniger danken, denn wenn er unsere Amazone nicht rechtzeitig aufgefangen hätte, hätte Lilian recht unliebsam am Cbausseestaub gerochen!" „Was der Tausend?!" erschrak der Pseudo-Mr. Luxor, mit etwas steifen Beinen an Hellmuths Seite weiter humpelnd und ihn in seiner jovialen Weise schnell in ein Gespräch verwickelnd, während Fränzchen sich abermals an Pias Arm hängte und gemächlich mit ihr den Herren folgte. Sie zog die Cousine näher an sich und blickte mit großen, lebhaften Augen zu ihr empor. „Wie viel Rangen hat er denn?" fragte sie. „Rangen? . . . Wer?!" „Na, da vorne Dein Beschützer im Jägerhut!" „Rangen . . . was meinst Du damit?" stammelte Pia betroffen. „Na, junge Hunde nicht, sondern Kinder, wie sie eben alle Familienväter mehr oder weniger aufzuzählen haben!" Fräulein von Nördlingen blickte starr zu der Sprecherin herab. „Der Assessor . . . verheirathet?!" „Na natürlich, hat er es etwa verheimlicht?" fuhr Fränzchen in flimmernden Aeuglein auf. „Nein . . . gewiß nicht ... im Gegentheil . . ." stotterte Pia vorsichtig: „Aber woher weißt Du denn das?" „Woher wohl! — habe eben meine Beziehungen, und weißt Du, so ein Eseltreiber besitzt Menschenkentniß, der sieht täglich so und so titele Visagen an sich tiorüberziehen, da macht er eben seine Studien!" „Ah, so?! dec Junge hat es tierrathen!" lachte Pta leise, und es war, als athmete sie dabei recht tief und erleichtert auf. „Womit begründete er seine Ansicht?" „Mit den allgemeinen Merkmalen! er hatte den Assessor wohl beobachtet und schloß von seinem ernsten, gesetzten Wesen auf den Familienvater, na — und wie Du ja zu- giebst, nicht mit Unrecht. Es wäre ja auch gar zu toll gewesen, wenn Du mit einem unverheiratheten Jüngling so mutterseelenallein und solo auf der Chaussee herumgebummelt wärest!" 846 Aha! das war wieder der eifersüchtige Klang in der Stimme! Pia wollte scherzend entgegnen, aber ein leises Platschen im Wasser, welches hinter ihnen ertönte, nahm FränzchenS Aufmerksamkeit bereits in Anspruch. Sie schnellte herum uud sah voll höchsten Interesses, daß einer der Eseltreiber sich damit amüsirte, Steine zu sammeln, um auf dem Wasser „Häschen" zu werfen. Das schien just etwas für Fränzchens Geschmack. Ihr Arm, welcher die Cousine so eifersüchtig an sich drückte, lockerte sich merklich und halb rückwärts gehend, beobachtete die Comtesse das Spiel, bis sie schließlich von der Passion übermannt wurde, Pia hastig loßließ und mit wenigen Schritten an der Seite des Eseltreibers stand. „Viel flacher werfen — sonst springt er im Leben nicht!" Der Junge grinzte ein Gemisch von Hochachtung und Vergnügen. „Das ist mal nicht so leicht, wie's aussehen thut!" renommirte er. „Auf drei Würfe kann man nur einen als sicher rechnen! —" Fränzchen hatte die Hände rückwärts zusammen gelegt und lächelte geringschätzig: „Na, noch mal und dann komme ich dran!" „Aber, Kind!" entsetzte sich Pia, und Vater Willibald drehte sich herum, brach jählings sein Gespräch ab und lachte fröhlich vor sich hin: „Na, da muß der Wildfang wieder mitmachen! Natürlich! — Haha — in Lugano war dies „Häschenwerfen" allgemeiner Sport und Francis, welche überhaupt sehr sportlich passionirt ist, hat diesem Vergnügen ehrlich gefröhnt!" Wohlgefällig schmunzelnd versenkte er die Hände in den Taschen seines weiten Beinkleides und trat den Leistungen einen Schritt näher. Der Asiessor benutzte den Augenblick und kehrte an Pias Seite zurück. Man blieb stehen und ergötzte sich an den eifrigen, meist vergeblichen Anstrengungen der Treiber. „Na — nun mal her mit einem Geschoß!" fuhr die Comtesse schließlich voll Ungeduld dazwischen, überflog mit scharfem Blick die umliegenden Steine des Ufergerölls und wählte einen recht flachen, glatt gewaschenen Kiesel. „Hm — gut!" nickte der Papa Beifall. Und Fränzchen bog sich kunstgerecht in der Taille, holte wett und energisch aus, und — hopp — hopp — hopp — saust der Stein über den kräuselnden Wasserspiegel. Ein Hurrah der Treiber und ein unverständliches Grunzen des Grafen belohnte die Leistung. „Brillant, mein gnädiges Fräulein!" nickte auch der Assessor überrascht und dann wandte er sich im Flüsterton an seine Nachbarin. „Es ist ganz merkwürdig, wie Ihre Fräulein Cousine die Sache handhabt! noch nie im Leben sah ich eine Dame, welche derartig, möchte sagen — „jungenhaft" — die Steine wirft! Beobachten Sie einmal! diese Armbewegung ist ausgesprochene Eigenart der Knaben! Fräulein Fränzchen ist die erste junge Dame, welche ich derart werfen sehe!" „Die Kleine ist ja in allen ihren Bewegungen und Manieren leider sehr derb, ich möchte sagen, etwas verwildert! Sie ahmt nach, was ihr imponirt und ob es sich für sie Paßt oder nicht!" „Die Kleine? Ich dächte, Ihre Fräulein Cousine wäre auffallend stramm und groß für ihr Alter!" lächelte Hellmuth. „Das allerdings! es sieht Alles so ungeschickt platschig an ihr aus, und mit dem Diminutivum „klein" will ich auch mehr den Begriff „jung" ausdrücken!" „Ich würde Mr. Luxor sowohl wie seine Tochter nie für Engländer gehalten, — auch Sie nicht, Miß Lilian!" Pia wandte sich sehr weit zur Seite, um einer vorüberschreitenden Winzerin nachzusehen. „Nicht Engländer, — Deutsch-Amerikaner!" verbesserte sie schnell! „Sie wundern sich über unser correetes Deutsch?" „Ich habe das Deutsch nie so fließend und gut von Ausländern sprechen hören!" „Wir verdienen diese Bezeichnung eigentlich auch nicht, denn meine Verwandten leben seit langen Jahren in Deutschland. — Uebrigens," Pia brach kurz ab und trat mit reizend vertraulichem Lächeln einen Schritt näher zu ihm heran: „Ich habe vorhin einen spaßhaften Jrrthum bemerkt! Fränzchen bildet sich ein, in Ihnen einen verheiratheten Mann und Familienvater zu sehen, und wollen wir uns doch den Scherz machen, sie in diesem Glauben zu erhalten I" „Verheiratet, ich?" — Der Assessor lachte leise auf. „Noch vor vier Wochen war es mein sehnlichster Wunsch, und heute möchte ich es als höchstes Glück preisen, daß ich noch frei bin!" „Solche traurige Erfahrungen haben Sie seit jener Zeit an dem ewig Weiblichen gemacht?" Welch ein Blick, der wiederum ihr Auge traf! „Sie mißverstehen mich, mein gnädiges Fräulein! ich preise darum das Glück, „mein Herz noch zu besitzen," weil es mir dadurch noch möglich ist, es rettungslos noch verlieren zu können!" Lauter Jubel unterbrach ihn. Fränzchen hatte ein ganz phänominales Häschen springen lassen und" freute sich selbst über die Kunstleistung so innig, daß sie einen Siegestanz ausführte, welcher den Zuckungen eines Hampelmannes am Bindfaden verzweifelt ähnlich sah. Und dann wurde den stalleslüsternen Eselein das Warten zu langweilig. Sie setzten sich sanftmüthig, aber consequent in Bewegung und nöthigten ihre Gebieter, wohl oder übel des grausamen Spiels genug sein zu lassen und ihnen zu folgen. Fränzchens Wangen glühten, sie sah sehr animirt aus und war vortrefflicher Laune, was dem Assessor besonders zu statten kam. Sie belegte zwar Pias Arm wieder mit Beschlag, commandirte aber den neuen Freund an ihre andere Seite und unterhielt ihn so vortrefflich von den feinen Nüancen des Sportes „Häschen werfen", daß Hellmuth gar nicht dankbar genug für die Belehrung sein konnte. „Haben Sie zu Hause bei sich auch Wasser in der Nähe?" „Leider nur einen kleinen Karpfenteich!" „Genügt ja vollkommen! Wenn Sie also wieder heim kommen, können Sie Ihren Kindern die Sache beibringen. Wieviel Stück haben Sie eigentlich?" „Karpfenteiche?" „Unsinn! Nachwuchs meine ich!" Der Assessor hielt die Hand schattend über die Augen, er schien von der Sonne geblendet und mit dem Meßen zu kämpfen. „In meinem Hause athmen sieben Seelen!" sagte er endlich feierlich. „Donnerwetter! da können Sie ja bald Kegel schieben mit den Rangen," erwiderte Fränzchen und machte ein sehr anerkennendes Gesicht. „Warum haben Sie denn Ihre Frau und die ganze Lämmerheerde nicht mit auf die Reise genommen?" Hellmuth zuckte sehr ernst die Achseln. „Das war ans verschiedenen Gründen absolut unmöglich." Comteßchen blinzte ihn verständnißinnig an: „Aha, weil das Kleingeld nicht langte?" nickte sie mit unumwundester Offenheit, und als der Assessor und Pia in ein schallendes Gelächter ausbrachen und Vater Willibald aus seinem Nachdenken emporfuhr und nach der Ursache forschte, fühlte sein Töchterchen sich sehr geschmeichelt, wie stets, wenn man einen Witz von ihr belachte, wandte sich zu dem Grafen und erzählte ihm die schöne Unterhaltung. „Diese unverdiente Würde lastet entsetzlich auf, wir, mein gnädiges Fräulein!" flüsterte Hellmuth, „muß ich f'e tatsächlich weitertragen?" Pia sah ihn an, noch die volle, frische Erregung des Lachens in dem schönen Antlitz. „Wenn Sie ritterlich sein und mir eine große i Strafpredigt ersparen wollten, thun Sie es, bitte! Tante 547 Luxor huldigt sehr strengen Ansichten, sie würde es höchst unpassend finden, wenn ich mit einem fremden jungen Herrn .allein auf der Landstraße gewandert wäre!" Er neigte das Haupt ein wenig und sah ihr forschend in die Augen. „Noth kennt kein Gebot!" sagte er leise: „Ihre Begegnung mit mir war keine freiwillige Wahl, das Schicksal führte uns zusammen, wie der Sturm zwei Blumenblätter vereinigt, von denen das eine auf dem Berg, das andere fern im Thal entsprossen! Sie in diesem Punkt völlig zu entschuldigen, würde ich Ihrer Frau Tante gegenüber zuversichtlich wagen! — Aber ein anderes! Unsere Reise führt uns denselben Weg! Ich würde es als hohes Glück erachten, dürfte ich mich Ihnen fernerhin anschließen. Würde ich als ur.verheiratheter Mann nicht so sehr auf die freundliche Genehmigung Ihrer Frau Tante zu rechnen haben, wie als würdiger Gatte und Vater?" Pia blickte zu Boden, ihre langen Wimpern lagen wie dunkle Schatten auf den rosigen Wangen, eine reizende Verwirrung bemächtigte sich ihrer. „Fränzchen ist so sehr eifersüchtig beanlagt und würde ärgerlich sein, wenn ich nicht ganz allein zu ihrer Unterhaltung da wäre- — Tante ist leicht von ihr beeinflußt, so daß es jedenfalls ein viel fröhlicheres und harmloseres Verkehren sein würde, wenn jener Grund, welcher eventuell beanstandet werden könnte, wegfiele!" „Ich danke Ihnen," antwortete er mit leuchtenden Augen. „Ich werde Alles thun, um Fräulein Fränzchen gnädtg zu stimmen!" Es lag ein so jubelnder Klang in seiner Stimme, d aß Pia erschrak. Hatte sie recht gethan, ihn zu der kleinen Comödie zu bestimmen? Sie glaubte, er werde die Sache nur als einen heiteren Scherz, als Neckerei für Fränzchen .auffassen, und nun mit einem Mal, ehe sie es selber recht wußte und wollte, hat sie ihm verrathen, daß die kleine List für ihren Verkehr nothwendig sei. Sie gestand ihm unbewußt ein, daß sie bereits die Möglichkeit einer gemeinsamen Reise erwogen hatte! Sie gab es zu, daß sie ihm Hindernisse aus dem Wege räumen und ihm behilflich sein wollte, die kleine Gegnerin Fränzchen zu gewinnen! Das Blut stieg ihr bet diesen Gedanken in die Wangen, sie begriff sich selber nicht! Sie, die stolze, zurückhaltende Pia! War sie von Sinnen, diesen sremden Mann ohne klingenden Namen, ohne hervorragende Stellung, vielleicht ebensowenig bemittelt wie sie selber, in ihre Nähe zu feffeln? — Sie sah und empfand es, daß sie starken Eindruck auf ihn machte, daß es wie Spuk und Zauber über ihn gekommen war, als habe er thatsächlich die Hexe Loreley im Arm gehalten und doch ist sie nicht vernünftig und stolz genug, diesen Zauber so schnell wie möglich zn brechen und ihn ziehen zu lassen, ehe es zu spät ist! Gewiß, sie muß es sein! ^sie hat sich thöricht benommen, sie hat sich momentan hinreißen lassen . . . wovon?! —Wüßte sie es selber nur! — er gefällt ihr so gut, — so gut, wie noch Keiner je zuvor, — es liegt ein Ausdruck in seinem ernsten und doch wieder so liebenswürdigen Gesicht, welcher sie so wunderbar anzieht und fesselt. Sie las es manchmal in Romanen, daß das Auge eines Mannes eine große, räthselhafte Gewalt auf die Mädchenherzen ausüben könne, und sie lachte solcher Phantasterei und glaubte es nicht! und nun stand sie selber vor diesem Räthsel und suchte vergeblich nach seiner Lösung. Es gefiel ihr so gut! — nichts weiter! Es durchrieselte sie so warm und wonnig, wenn er sie ansah, wenn es sein Blick verrieth, daß sie ihn entzücke. — Warum? Es war ihr doch sonst so gleichgültig gewesen, ob sie denn Männern gefiel oder nicht! (Fortsetzung folgt.) Die Nacht vor der Hochzeit. Eriminal-Novellette nach dem Englischen von Wilhelm Thal. ------- (Nachdruck verboten.) KO. Es war im Jahre 1839, als ein reicher, hübscher und wohlhabender Mann Namens Verot nach New-Orleans kam, um dort einen Winter mit Charles Marot-Borderet zu verbringen, dessen Bekanntschaft er in Paris gemacht hatte. Die beiden Männer waren von demselben Alter und auch ihre Neigungen waren ähnlich. Verot war durch Borderets Geist und persönliche Reize gefesselt worden, während Borderets Phantasie durch den wahrhaft magnetischen Reiz, den Verot auf ihn ausübte, im höchsten Grade angeregt worden war. Als Borderet nach einjährigem Aufenthalte Paris verließ, nahm er seinem neuen Freunde das Versprechen ab, er solle nach New-Orleans kommen, um dort einige Monate mit ihm zu verbringen. So kam es, daß Verot im Herbste des Jahres 1839 in New Orleans eintraf und in Borderets Hause in der Bourbon-Street abstieg. Borderet holte ihn am Werft ab und empfing ihn mit der größten Liebenswürdigkeit, doch der junge Pariser merkte sofort, daß mit seinem Freunde eine große Veränderung vor- gegangen war. Zunächst fürchtete er, Borderets Freude bei seiner Ankunft wäre nicht aufrichtig gewesen, bald aber wurde ihm das Geheimniß klar: Borderet war verliebt und sein ganzes Wesen ging in dieser neuen Leidenschaft auf. Fräulein Deschamps war die Tochter eines Malers, dessen Behausung nur wenige Schritte von Borderets Wohnung lag. Erst kürzlich hatte er sie kennen gelernt, hatte sich in sie verliebt und von diesem Augenblicke an machte sie sein ganzes Leben aus. Borderet wünschte eifrig, Verot der Auserwählten seines Herzens vorzustellen und natürlich hegte auch Verot den auf richtigen Wunsch, das schöne, junge Mädchen kennen zu lernen, das ihm sein Freund in den glühendsten Farben malte. In der That hatte Borderet nicht übertrieben, denn ihre Lieblichkeit und Anmuth wie der Reiz ihrer Unterhaltung waren so groß, daß Verot auf den ersten Blick davon bezaubert wurde. Wenn Isabella auf Verot einen tiefen Eindruck machte, so war dies ihr gegenüber auch der Fall. Vom ersten Augenblick an, da sie sich sahen, liebten sie sich glühend, wie Jeder, außer Borderet, deutlich sehen konnte. Bald genug schwärmte Verot im siebenten Himmel der Liebe, während sich Borderet noch immer um das Herz seiner Angebeteten bewarb. Als die Zeit für Verot nahte, nach seiner Heimath zurückzukehren, theilte er eines Morgens seinem Freunde mit, er werde Isabella heirathen und in vierzehn Tagen nach Paris absegeln. Zuerst war Borderet von der Ankündigung wie niedergeschmettert- fast blöde starrte er seinen Freund an, während sein Gesicht eine Todtenblässe überzog. Trotzdem zuckte keine Muskel in seinem Gesicht, auch das Lächeln schwand nicht von seinen fest geschlossenen, dünnen Lippen. Er verstand sich sogar so gut zu beherrschen, daß er seinen Freund vollständig täuschte, denn Verot war auf ein Duell gefaßt gewesen. Um so angenehmer war er überrascht, daß Borderet die Sache so philosophisch aufnahm, denn nach einer ersten Enttäuschung wußte er sich so zu fassen, daß er seinem Freunde die Hand reichte und ihm Glück wünschte. Es war am Abend vor Jsabellens und Verots Hochzeit - Borderet schien bester als je aufgelegt zu sein und saß nun mit seinem Freunde in seinem Bibliothekzimmer, wo er mehrere Flaschen alten Weines hatte auffahren lassen. Obwohl, wie ich bereits bemerkt habe, ihre Geschmacksrichtungen dieselben waren, so konnte man wohl nicht zwei Männer finden, die sich körperlich so unähnlich sahen, als Verot und Borderet. Der Pariser war groß, athletisch, schön, mit blauen Augen und blonden, lockigen Haaren, während der Creole 548 dunkel, untersetzt, schwarzäugig war und den seltenen Magnetismus eines Gesichtes besaß, das gleichzeitig hübsch und doch abstoßend wirkte. Es war spät in der Nacht und die Lampen brannten niedriger, als Borderet sich erhob und sagte: „Mein guter, alter Freund, es wird spät und Sie dürfen morgen an Ihrem Hochzeitstage nicht schläfrig sein. Rauchen Sie noch eine von diesen Cuba-Cigarren und widmen Sie sich dann Ihren Träumen." Mit diesen Worten holte er aus einem kleinen Schränkchen einen elfenbeinernen Kasten, dem er zwei große Cigarren entnahm, die sorgfältig in Staniol eingewickelt waren. Eine derselben händigte er Verot ein und zündete sich selbst die andere an. „Das sind die beiden letzten aus einer Kiste, die mir vor zwei Jahren ein Freund in Havannah schenkte," bemerkte er. Verot hielt die fast schwarze Cigarre unter seine Nase, um ihren Duft einzuathmen, wich aber augenblicklich zurück, denn der Cigarre entströmte ein seltsamer, fast unerträglicher Geruch. „Das hat nichts zu sagen," lachte Borderet mit einem ganz seltsamen Ton, der Verot aufftel. „Wenn Sie sie anzünden, verschwindet der Geruch und der Brand ist ausgezeichnet. Sehen Sie selbst," rief er und Paffte seinem Freunde eine Wolke in's Gesicht,- „riecht sie nicht vorzüglich?" Verot nahm die Cigarre und versuchte sie anzuzünden, doch der entsetzliche Dust, der ihr entströmte, veranlaßte ihn, sie fallen zu lassen. „Das riecht ja entsetzlich," murmelte er, „ich kann es nicht ertragen." „Wie kann man nur so weibisch sein?" bemerkte Borderet und nahm die zur Erde gefallene Cigarre wieder auf, die er seinem Gaste einhändigte. „Rauchen Sie sie nur, es ist ja der letzte Abend, den wir zusammen zubringen." Wieder versuchte der Pariser, die Cigarre anzuzünden, doch es war ihm unmöglich und er warf sie fort, nachdem er ihren unerträglichen Geruch eingeathmet. „Haha," lachte Borderet, „Sie haben weniger Muth, als ich glaubte,- ja, ja, Ihr Pariser seid, wie ich schon oft gesagt, ein degenerirtes Geschlecht." Verot war aufgesprungen und sah jetzt seinem Wirthe fest in's Gesicht. „Diese Cigarre war vergiftet," rief er mit starker Stimme. „O gewiß nicht," entgegnete Borderet, blieb stehen und hob sie auf, um sie zur Nase zu führen. „Das ist aber seltsam," rief er aus, „was hat das nur zu bedeuten?" Die beiden Männer sahen einander forschend in's Auge und langsam, aber deutlich klärte sich die ganze Situation auf. Der Eine merkte, daß sein schändlicher Plan entdeckt worden, der Andere wußte, daß der Tod in jeder Ecke dieses alten Gebäudes auf ihn lauerte. Verot sprach zuerst und fragte in hartem, trockenem Tone: „Wie wollen wir die Sache zum Austrag bringen?" Borderet lachte ironisch auf, zuckte die Achseln und bemerkte dann mit halbem Gähnen: „Ich glaube, das Beste, sie zum Austrag zu bringen, ist, wir gehen zu Bett und schlafen aus." „Schurke, elender Mörder!" rief Verot, zum ersten Male seiner Entrüstung Worte leihend, „Sie werden mir Rede stehen." „O, gewiß, wenn Sie wünschen," entgegnete Borderet ruhig, „mein Fechtsaal ist nur einen Schritt von hier entfernt- folgen Sie mir, wenn Sie sich nicht fürchten." Verot folgte ihm, doch nicht ohne ein seltsames Gefühl der Unsicherheit. Es war ihm, als lauerte eine Verrätherei bei jedem Schritt, den sie durch zwei bis drei dunkle Räume gingen, bis sie in ein kleines, kahles Zimmer ohne Fenster traten. „Sehen Sie her," sagte Borderet, an einer der Wände stehen bleibend, „das sieht nicht wie eine Thür aus, was?" Er drückte auf einen verborgenen Knopf und öffnete eine Art Fensterladen, welcher in ein anderes, zellenartiges Gemach führte, in das ihm Verot folgte. Sie blieben stehen und sahen einander in's Auge, während der Schein einer kleinen Lampe, die Borderet trug, auf ihre todtblaffen Gesichter fiel. „Wir können unfern kleinen Zwist hier zum Austrag bringen, ohne befürchten zu müssen, von Jemandem unterbrochen zu werden. Einer meiner Verwandten, welcher den Sclavenhandel betrieb, pflegte hier die gestohlenen Sclaven unterzubringen, bis sich ihm eine Gelegenheit bot, sie außer Landes zu führen. Niemand außer mir hat von der Existenz dieses Zimmers eine Ahnung." Er lächelte cynisch, schraubte die Lampe in die Höhe und betrachtete die kahlen Wände. Dann schlug er sich vor den Kopf und sagte: „Mein Gott, ich habe ja die Rapiere vergessen, halten Sie, bitte, die Lampe einen Augenblick." Halb mechanisch nahm Verot die Lampe entgegen, doch als er dies that, fiel ihm der Blick auf, mit dem Borderet ihn anstarrte. „Sie fürchten sich doch wohl nicht, einen Augenblick hier stehen zu bleiben, während ich die Rapiere hole?" Er betonte das Wort Furcht ganz besonders und Verot fühlte, wie ihm das Blut zu Kopfe stieg. „Sie werden bald Gelegenheit haben, sich von meinem Muth zu überzeugen," entgegnete er, „doch wenn Sie die Waffen holen, thäten Sie besser, die Lampe mitzunehmen - ich brauche sie hier nicht." „Es ist kein angenehmes Wartezimmer," spöttelte Borderet und ließ sein Auge über die kleine Zelle schweifen. Er rauchte noch immer seine Cigarre und die blauen Ringe stiegen langsam in die feuchte Luft. Dann trat er mehrere Schritte zurück. „Holen Sie die Rapiere, Herr!" versetzte Verot. Borderet ging noch einen Schritt weiter und legte dann mit gehässigem Blick seine Hand auf den schweren Fensterladen. „Sie befehlen, doch ich werde mir Zeit lassen, Ihrem Befehle zu gehorchen," entgegnete er mit mühsam verhaltener Erregung- „wie würde es Ihnen gefallen, in diesem kleinen Boudoir zu warten, bis Ihre Braut Sie abholt?" Wie ein Blitz schoß Verot die Bedeutung dieser Worte durch den Sinn- schon bewegte sich die Thür langsam. So entsetzlich war der Gedanke, daß der starke Pariser für einen Augenblick wie gelähmt dastand. „Gute Nacht für immer, Augustin Verot!" sagte Borderet. „Mögen Ihre Träume recht sanft sein." Noch immer bewegte sich die Thür langsam, die in Wirklichkeit nur ein Theil der Mauer war, die sich in ihren Angeln drehte. Verot ließ die Lampe fallen, welche krachend auf den Steinfliesen zerbrach und dort mit seltsamem phantastischen Lichte weiterbrannte. In demselben Augenblick machte der Pariser mit einem heiseren Schrei einen wilden Satz, bevor er noch von der sich schließenden Thür eingesperrt werden konnte. Wenige Sekunden später wurde ein Körper aufgehoben und fortgeschleudert- derselbe fiel gespenstisch in die Mitte der Zelle und blieb bewegungslos neben der fast ersterbenden Lampe liegen- dann flog die Thür mit dumpfem Knalle zu. Keuchend und athemlos stand Verot einige Augenblicke vor der Zelle, dann stürzte er, wie von Furien gejagt, aus dem Hause. Mehrere Wochen später aber, als Verot mit seiner jungen Frau bereits die Rückreise nach Frankreich angetreten, meldeten die Zeitungen von New-Orleans, daß der reiche Creole Borderet seit einiger Zeit spurlos verschwunden wäre. Redactionr & Gcheyda. Druck uub Verlag der Brühl'schrn UuiversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.