1897. Dienstag bet 28. RLy. i MiiliU WM ZAW sgaij»j UTw ^k^ssWMML iBurnii f öflich im Reden, Züchtig in Geberden, Wahrhaftig im Mund, Treu im Grund, Sein vier Sachen, Die Alles redlich machen. G. v. Buchwald, 1625. Am 22. März 1897. Was tönt so laut, was klingt so hell, Als wenn des Lenzes Stürme sausen? Als wenn vom Berge Quell um Quell Zu Strömen schwellend thalwärts brausen? Mir däucht, ich hör' im stillen Hag Die ersten Vögel wieder singen — Das ist fürwahr der hohe Tag, Den wir so oft voll Lust begingen. Ja, wieder kam der Tag im März, Da aller Freude Knospen sprangen, Und höher schlägt das deutsche Herz Und tiefer röthen sich die Wangen. Der große Kaiser ging dahin, Er schied, doch starb er nicht den Seinen, Die nun mit dankerfülltem Sinn In seinem Namen sich vereinen. Wie wir ihn sahen hehr und mild, So thatenfroh vor wenig Jahren, So wollen wir sein edles Bild Im treuen Herzen uns bewahren. Und ist er auch dem Auge fern, Und kehrt er uns auch nimmer wieder: Sein Leben strahlt, ein lichter Stern, Im reinsten Glanz auf uns hernieder. Wer ward ihm je an Siegen gleich? Wem ward so hoher Ruhm beschieden? Sein Denkmal ist das Deutsche Reich Und Schlachten schlug er für den Frieden. Doch Heller als der stolze Schein, Mit dem der Ruhm sein Haupt umkränzte, Strahlt doch der Thräne Edelstein, Der in dem Blick der Liebe glänzte. Mir däucht, ich hör' im stillen Hag Den ersten Sang der Vögel wieder. — An seines Kaisers Sarkophag Kniet Deutschland im Gebete nieder. — Und wie es muthvoll sich erhebt, Da hallt es brausend durch's Gelände Wie Sturmesgruß, der aufwärts schwebt: „Getreu und furchtlos bis an's Ende!" Gregor Andermann. Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) „Das hat mir gefehlt," sagte er ganz leise, nur zu sich selbst, und als er den Kopf jetzt emporrichtete, sprach eine so finstere, grausame Entschlossenheit aus seinen Zügen, daß auch Busenius erschrak. „Lassen Sie mich mit ihm allein," fügte Neuert seinen unverständlich gemurmelten Worten laut hinzu. Aber nun flammten Busenius' Augen auf. „Ich gehorche keines Menschen Befehlen, und am wenigsten Ihnen, der Sie ein Feind der Menschen und ihrer Gesetze sind." „Die Gesetze sind da, um gebrochen zu werden, und die Menschen sind da, nm zu sterben. Lassen Sie mich allein mit ihm!" „Sie sprechen umsonst, ich bleibe." „Auch Sie sind ein Mensch und können sterben." „Ich weiß es, aber ich weiß auch, daß dies Leben nur ein einziges von Tausenden ist, und daß ein anderes mir — 134 — dafür zu Theil wird, das ich besser anzuwenden hoffe, als diese-." Er hatte seine Stimme zu mächtiger Stärke anschwellen lassen, und umklungen vom Nachhall seiner prophetischen Worte, umwallt von dem langen, faltigen, fremdartigen Gewände, mit einem Leuchten in seinen Augen, das aus einer anderen Welt zu stammen schien, übte er einen so mystischen Zauber aus, daß auch Neuert ihm nicht zu trotzen vermochte. Er hatte das jähe Gefühl, in Gegenwart dieses Mannes nicht ausführen zu können, was er sich vorgesetzt hatte, doch zu feige oder zu stolz, eine bessere Regung einzugestehen, verbarg er sie unter einem chnischen Lachen. „Dann thue ich Ihnen ja noch einen guten Dienst, wenn ich Ihnen möglichst rasch dazu verhelfe, nicht wahr? Und wenn Sie gern mit ihm zusammenbleiben wollen, mit diesem Menschen, der mein Vater war, und dem ich jetzt zum letzten Male sage, daß er ein Hund und ein Schurke ist, so will ich Ihnen dabei nicht im Wege sein. Die Folgen davon kommen auf Sie! Aber machen Sie nicht zu lange, wenn Sie sich noch mit ihm unterhalten wollen." Mit dem letzten Worte war er zur Thür hinaus, die er von außen verschloß. Doctor Jaksch war zu tief in sich versunken, um den leisen Ton des Schlüssels zu vernehmen, und Busenius achtete nicht daraus. Die Beiden waren allein, und für einen Augenblick war es so still im Zimmer, als seren ste schon gestorben. Jaksch war, von Fieberschauern geschüttelt, auf den Stuhl vor dem Tische gesunken, Busenius war stehen geblieben und schaute mit einem ernsten, traurigen Buck auf ihn nieder. Nach einer Weile trat er näher zu ihm, stellte sich ihm zur Seite und sagte in einem Ton, der zu dem Ausdruck in seinen Augen paßte: „Nun sieh mich an!" Jaksch warf mit einer Bewegung des Entsetzens den Kopf zurück uud richtete die brennenden, schmerzenden Augen auf ihn. Er wollte emporsprtngen, aber er sank hilflos auf seinen Stuhl zurück. Da war der Blitz aus der Wolke, die über ihm geschwebt hatte, da war das Verderben, das auf *9n niederfuhr und ihn niederschmetterte. Die zweite der Gestalten, mit denen das Fieber ihn geängstigt hatte, war lebendig geworden und stand leibhaftig vor ihm da. Die Schatten seiner Vergangenheit und seiner Thaten wurden zu vernichten^ ma^tb0“en W°sen, die sich vereinigten, ihn zu Er erkannte den Mann, den er einstmals Freund genannt hatte, den er zum Lohn für Liebe und Sorgfalt betrogen und verrathen hatte, und die ganze Kette dessen, was geschehen war, rollte sich mit rasender Geschwindigkeit in emem einzigen Augenblick noch einmal vor ihm ab. Er fühlte, daß seine Verbrechen offen am Tageslicht da lagen, und daß die Stunde der Vergeltung gekommen war. fpredjen vermochte er nicht, nur ein gurgelnder, häßlicher Laut, als wenn er ersticken müsse, kam aus seiner Kehle. „Erkennst Du mich?" fragte Busenius ebenso milde und traurig wie zuvor. Und jetzt brachte Jaksch mit peinvoller L7"S7^"'7"ü6cr "tet 8iwm- //Ich bin schon lange in Deiner Nähe," fuhr Busenius fort, und seine Stimme wurde noch weicher. „Wenn Du ™ vergangenen Tagen Freundschaft für mich gefühlt hattest, io wäre wohl ein Rest von dieser Empfindung in Dir zurückgeblieben und hätte Dir verrathen, daß ich Dir 2eJ”rar: g/ber Deine Freundschaft war ja nur eine Lüge, JÄ'Ä eme .^ge gewesen ist. Und wenn Dein Dich nicht zu mir führte, Deine Augen konnten mich nicht erkennen. Wir smd einander nur wenig begegnet, und bat miÄ* ? fibte deinem Betrüge behilflich war, nicht ' * meine ,i9“' mi* unh VmtL S ^5°r"L-33etJU0 ?*ar J°ksch zusammengezuckt uud hatte m,t ohnmächtig bittender Bewegung die Hand er- hoben. /Muß ich Dir erst sagen, daß ich Dir vergeben habe?" fragte Busenius. „Ich gebrauche das Wort nicht gern, denn der Mensch hat nichts zu vergeben. Er soll die Thaten der Anderen nicht wägen, er soll sie nur beobachten und als Samen betrachten, der in einem weiteren, kommenden Dasein aufgeht. In die tödtliche Angst und in den Wirbelstrom wild kreisender Gestalten, die in seinem fiebernden Hirn zu bunten Gestalten wurden, die ihn umtanzten, mischte sich unter diesen tröstlichen Worten und unter dem Klang dieser milden Stimme bei Jaksch ein wachsendes, mächtiges Erstaunen. Er hatte die reine Seele des Mannes gekannt, den er seinen Freund hatte nennen dürfen, aber der jetzt vor ihm stand und zu ihm sprach, war doch wieder ein Anderer, ein Wesen höherer Existenz, zu der er emporgedrungen schien über steile, dornige Pfade. Schweigende Verachtung vielleicht hatte er von ihm erwartet für den Fall, daß er seine Thaten entdeckte, nicht diese bescheidene und doch hoheitsvolle Vergebung. „Du vergiebst mir?" fragte er leise, und wenn es eine Stelle in seinem verderbten Herzen gab, die unter all' dem Bösen unberührt und schuldlos geblieben war, wie eine reine, verschüttete Quelle, so wurde sie frei in diesem Augenblick und öffnete sich für eine kurze Zeit dem Lichte, das aus der Seele des anderen in die seine herüberströmte. „Ja, ich vergebe Dir," entgegnete Busenius, „wenn Du das Wort von mir hören willst, das ich nicht sprechen sollte. Sieh, ich bin hergekommen um Deinetwillen,- ich erfuhr von dem, was Du gethau hattest, als ich Deutschland betrat, um der Verkündiger eines Glaubens zu werden, der mich selbst beglückt und erhoben hatte. Mit Schrecken sah ich, wie weit Du schon abwärts getaumelt wärest, und ich kam hierher, zu Dir, in dieses selbe Haus, um Deinen weiteren Weg zu be» obachten und zu sehen, ob es nicht möglich wäre, Dich wieder mit aufwärts zu führen. Denn es ziemt dem Menschen nicht, allein zu streben. Ich habe geduldig die Stunde abgewartet, bis das Leben selbst Dir zeigte, daß Dein frevelhaftes Ringen vergeblich war. Heute ist nun dieser Augenblick gekommen. Alles um Dich her ist zusammengebrochen, und ich darf zu Dir treten und Dir meine Hände entgegenhalten, um Dich emporzureißen aus dem Abgrund. Komm' her zu mir, versuch' es, Dein Leben noch einmal neu zu beginnen." Er hatte die Hände ausgestreckt und blickte fast angstvoll auf Jaksch, als sehe er ihn vor seinen Augen versinken und untergehen. Mit noch eindringlicherem Ton, der aus den Tiefen des Herzens zu dringen schien, fuhr er dann fort: „Du hast ja erfahren, wohin Dein Weg Dich geführt hat,- hier auf dieser Stelle hat vor wenigen Minuten Dein Sohn gestanden, der Dich beschimpfen und verfluchen durfte, ohne daß Du ihm widersprechen konntest. Und auch vor mir wirst Dein Gewissen Dich in diesem Augenblick in den Staub. Komm' her, es ist Zeit! Du bist nicht mehr jung, und wenn jenzals in Deinem Leben eine Stunde war —" Er kam nicht zu Ende. Ein schrecklicher Ton, als fahre ein Wetterstrahl aus dem sternenreichen Frühlingshimmel auf das Haus der Schatten nieder, es zu zerschmettern, gab ihm Antwort und ließ ihn verstummen. Der Boden des Zimmers erbebte und senkte sich, die Wände rissen auseinander, ein Kalkregen fiel von der Decke herab, und eine dichte, graue, erstickende Wolke von Staub qualmte plötzlich empor. In Splitter zerrissen durchflogen die Sheiben der Fenster den Raum, von einem Luftstrom zertrümmert, so gewaltig und urchtbar, einer riesenhaften Meereswelle so ähnlich, daß er oie beiden Männer bei Seite schleuderte und an die wankenden Mauern preßte. Ein Krachen, wie von einer berstenden Gewitterwolke, zerriß die Luft, und wie das Grollen eines Erdbebens dröhnte es nach. Aber der Boden des kleinen Gemaches hielt Stand, die Wände stürzten nicht ein, und Jaksch, der halb zu Boden gesunken war, konnte sich wieder erheben. „Was war das?" tummelte er, nach Athem ringend, beinahe erstickt von dem emporqualmenden Staub, der auch das Licht der Lampe, ms nicht erloschen war, mit einem dichten Schleier umhüllte. „Vielleicht, was wir Menschen den Tod nennen," entgegnete 5 zu dem ' Wand h darüber einen Sc der grau farbige s J°k Fenster । um nun „Sieh d voller V heraus. Lar Boden d ihm hinc um zu hinaus in den f lichem <2 verloren bringen Eir geschehen stürz ge Giebels eine HA stand au rückwärt vom erf in dem die stehc seiner g Balken Buseniu Schutt langsam los in i ein geh thürmte Glieder, herunter ,/S Gottes Last- s uns ret stürzen, bleib' a ja nur ja rette dieser s sie tomi Er Tische i worden, Kopf a wiederh Buseniu hinunter großer allmälic anschwe' den Ga Zuerst den Lus Blick ui schauent Hellen ( beugend die bisk zu sein gegnete Busenius. Er sprach so ruhig wie sonst, und jetzt zu dem Tische herantreteud, der ein paar Schritte von der Wand hinweggeschleudert war, betrachtete er den Streifen darüber mit dem Worte „Excelsior!“ Er hatte sich an der einen Seite von der Mauer gelöst und hing nun inmitten der grauen Staubwolke nieder wie eine goldig-regenbogenfarbige Fahne, die von einem Trauerflor umhüllt ist. Jaksch hatte nicht auf seine Antwort gehört, er war zum Fenster gestürzt, hatte es aufgerissen und hinuntergeschaut, um nun mit einem Schrei des Entsetzens zurückzufahren. „Sieh doch, sieh dort hinaus!" Er wollte es rufen, laut, voller Verzweiflung, aber heiser, fast nur geflüstert kam es heraus. Langsam ging nun auch Busenius zum Fenster- der Boden des Zimmers hatte sich so sehr gesenkt, daß er auf ihm hinabsteigen mußte, wie auf einer sanften Bergeslehne, um zu der Außenwand zu gelangen. Er beugte sich weit hinaus und sah im Schein hin und her wandelnder Lichter in den Fenstern der Nachbarhäuser, was Jaksch mit so tödt- lichem Schrecken erfüllt hatte. Auch er erkannte, daß sie verloren waren, und daß jeder Augenblick ihnen den Tod bringen konnte. Eine furchtbare Explosion, die gerade unter ihren Füßen geschehen sein mußte, hatte die Hälfte des Hauses zum Einsturz gebracht. Vom ersten Geschoß bis zur Mitte des Giebels war es senkrecht auseinander gerissen worden. Die eine Hälfte hatte der gewaltigen Erschütterung getrotzt und stand aufrecht, wenn auch schwer beschädigt da. Der nach rückwärts gelegene Theil der Giebelseite aber war eingestürzt, vom ersten Stockwerk bis unmittelbar unter das kleine Gemach, in dem die Beiden sich befanden- die äußere Langwand allein, die stehen geblieben war, — zum Theil nur im Holzwerk, seiner Füllungen beraubt, — und ein paar feste, senkrechte Balken verzögerten hier den Einsturz. Das Alles erkannte Busenius durch die übelriechenden Wolken von Staub und Schutt hindurch, die noch immer emporqualmten und sich nur langsam verzogen. Er sah, daß ihr kleines Zimmer fast haltlos in der Luft schwebte über dem tiefen Abgrund, in dem ein gewaltiger Berg von Trümmern sich chaotisch empor- thürmte, von zersplittertem Holzwerk überragt, das den Gliedern eines mächtigen Gerippes glich, von dem das Fleisch heruntergerissen war. „Siehst Du's, siehst Du's?" flüsterte Jaksch. „Um Gottes willen, bewege Dich nicht! Wir hängen ja in der Luft- Alles hier unter uns ist fort, auch die Treppen, die uns retten könnten, und jede Erschütterung muß uns hinunterstürzen. Sieh' her, ich setze mich auf diesen Stuhl, und Du bleib' am Fenster dort und beweg' Dich nicht. Es kommt ja nur darauf an, daß wir Zeit gewinnen. Sie werden uns ja retten, nicht wahr? Sie werden uns nicht verlassen in dieser furchtbaren Lage! O ja, ich weiß es, sie kommen, sie kommen, sie kommen!" Er hatte sich auf den Stuhl gekauert, der mit dem Tische zusammen weit in das Zimmer hinein war geschleudert worden, und saß nun da mit niederhängenden Armen, den Kopf auf die Brust geneigt, seine letzten Worte unablässig wiederholend wie ein Gebet oder eine Zauberformel. Busenius war am Fenster stehen geblieben und schaute ruhig hinunter auf das, was weiter geschah. Gerade unter ihm war ein großer Garten, daneben zur Linken die Straße, auf der sich allmälig eine Menschenwoge heranwälzte, mehr und mehr anschwellend, die natürlichen Dämme dnrchbrechend und auch den Garten überfluthend, dessen Gänge und Beete sie füllte. Zuerst war es ziemlich dunkel, denn die Laternen waren durch den Luftdruck erloschen, und der Staubschleier hemmte den Blick noch immer, plötzlich aber sah Busenius, wie die empor- fchauenden Gesichter der Menschen von einem aufzuckenden, Hellen Schimmer übergossen worden, und weiter sich vorbeugend, erkannte er, daß eine neue Gefahr, furchtbarer, als die bisherige, ihnen entstanden sei. Aus dem Schutthaufen zu seinen Füßen züngelte es empor, blau, gelb und roth, auftauchend und wieder verschwindend, wachsend und sich vereinigend, von einem bläulichen Qualm umwallt, den es zerriß und durchleuchtete, das mächtige, mörderische Feuer! Zuerst waren es nur kleine Flammen, die hier und dort so Plötzlich erschienen, als liefen sie über den Trümmerberg hin, dann aber hafteten sie an einzelnen Stellen, schufen sich Luft, griffen nach Nahrung und loderten weit empor. Und über dieser wachsenden Gluth, hoch oben, fast ohne Stütze, schwebte das kleine, halb schon zertrümmerte Gemach mit den beiden, bisher geretteten Menschen. Busenius war jetzt von unten bemerkt worden, und lautes, angstvolles Geschrei zerriß die Luft, während Hunderte von Händen nach oben deuteten, wo die Züge des Mannes am Fenster heller und heller beleuchtet wurden von der rothen, qualmenden Gluth, deren Flammenarme gierig nach seinem Leben griffen. Jaksch hatte von der Erhöhung der Gefahr noch nichts bemerkt- er saß wie zuvor und murmelte wieder und wieder: „Sie kommen, sie kommen!" Nun aber, als das angstvolle Rufen von unten lauter und lauter empordrang, als das Raffeln der Feuerwehrwagen dazwischen tönte und in neuer Erschütterung auch das schwebende Zimmer erbeben ließ, da blickte er auf und sah gerade vor sich an der Wand, wo das „Excelcior!“ niederhing, einen ersten, röthlichen Widerschein der aufzüngelnden Flammen. „Da, an der Wand, — was ist das? Hier das Rothe, was ist das?" stammelte er, und als er, zu Busenius hinüberschauend, erkannte, daß auch dessen Gestalt in einen rothen, leuchtenden Mantel gehüllt schien, da vergaß er die Furcht, sich zu bewegen, und stürzte von Neuem zum Fenster. Jetzt schrie er nicht auf, die Angst erstickte ihn, er sank in die Knie und schlug seine Nägel in die Brüstung. Seine Stimme war kaum mehr vernehmlich, als er nun sprach: „Das ist ja Feuer! Sind denn die Menschen wahnsinnig, daß sie das thun? Sag' ihnen, daß sie toll geworden sind, daß ich es nicht leiden will, hörst Du? Aber nicht wahr, das Alles ist gar nicht da, ich irre mich, weil ich krank bin? Darum bilde ich mir ein, das Feuer zu sehen, hier unter unseren Füßen. Man sieht ja Manches, wenn man Fieber- Hat. Sag' mir, — Du bist ja mein Freund gewesen und wirst mich nicht elend verbrennen lassen — sag' mir, bases kein Feuer ist!" Eine gewaltige Rauchwolke, jetzt graugelb gefärbt, mit losgerissenen Flammen untermischt, die gerade vor dem Fenster in die Luft emporstieg, antwortete ihm, noch bevor Busenius sprach. Der wandte sich langsam ins Zimmer zurück und sah ihn an. „Es ist, was Du sagst, und Deine Hand hat es angezündet!" „Meine Hand? Bist Du toll, bist Du rasend?" „Oder die Hand Deines Sohnes, der durch Dich ge- worden ist, was er war. Das Blut aus Deinen Adern floß auch in seinen, und Du hast keinen Finger gerührt, ihn von dem Wege zurückzuhalten, den er gegangen ist. Durch Deine Schuld ist Alles dies geschehen, und Deine eigene Schuld büßest Du jetzt mit dem Tode." „Was sprichst Du vom Tode? Ich will nicht sterben, — verstehst Du, ich will nicht sterben!" Er war vor ihn hingetreten und schüttelte die geballten Fäuste dicht vor seinem Gesichte. Dann aber, von einer plötzlichen Eingebung getrieben, wandte er sich von ihm hinweg, und stürzte zur Thür, um mit einem neuen, thierischen Laut zurückzufahren, als er fühlte, daß sie verschlossen war. Er fand kein Wort mehr, um sein Entsetzen auszudrücken, er sank wieder auf seinen Stuhl und begann zu weinen, indem er die Hände vor die Augen schlug, um nichts mehr zu sehen, und den Oberkörper hin und her wiegte in seiner wahnsinnigen Angst. Busenius trat zu ihm und berührte ihn leise am Arm. „Du siehst, wohin Du gekommen bist. Es sind die Schatten Deines Lebens, von Dir selbst geschaffen und von Dir selbst heraufbeschworen, die Dich heute zur Verzweiflung treiben. Dieses Schicksal aber, das uns jetzt bedroht, und — 136 — vor dem Du zitterst, ist nur der Schatten dessen, was die gegenwärtige Menschheit sich selbst bereitet — ein Schatten der Zukunft. Für die Anderen ist Umkehr noch möglich, wenn sie erkennen, wohin sie treiben, für Dich ist die Frist verstrichen, wie mir scheint, und Dir bleibt nur eine kurze Zeit noch zur Reue." (Fortsetzung folgt.) Gein-iirirÄtzigeG. Feuchte Wände mit Kautschnkleim radikal trocken zu legen. Bekanntlich ist es sehr schwierig, die Mauern der Häuser, namentlich in den Erdgeschossen, ganz trocken zu erhalten. Gewöhnlich dringt in die Mauern so viel Grundfeuchtigkeit, daß der den Malerfarben beigemengte Leim schimmelt und die Malerei absällt, oder, wenn das Zimmer tapezirt ist, die Tapete sich aufbläht und Flecke erhält. Das beste und zugleich einfachste Mittel, diesen Uebelstand radikal zu beseitigen, ist Kautschukleim (von der chem. Fabrik Busse, Hannover-Linden, aus Gummischläuchen gewonnen). Die Anwendung ist folgende: Die trocken zu legenden Mauern werden zunächst durch Abbürsten und Abreiben gehörig gereinigt, hierauf wird der zuvor durch Erwärmen flüssig gemachte Kautschukleim mittelst einer breiten Bürste in einer gleichmäßigen Schicht, — und zwar 20 bis 30 Centimeter höher, als die Mauer feucht erscheint, — aufgetragen, und auf den Kautschukleim, so lange dieser noch klebrig ist, Papier aufgeklebt, welches sofort fest haftet. Oder aber, man streicht den flüssig gemachten Kautschukleim in einer gleichmäßigen Schicht auf Papier (Tapeten, Kautschukpapier rc.) und beklebt damit die feuchte Wand. Man kann unmittelbar auf dieses Papier Leimfarbe austragen, oder dasselbe mit Tapeten be kleben oder auch mit Gipsmörtel bewerfen. Wenn der Kautschukleim mit der nöthigen Sorgfalt aufgetragen wurde, das heißt, wenn alle Stellen, an denen man Feuchtigkeit bemerkte, damit überdckt sind, so ist die Mauer für alle Zeit trocken gelegt und nie mehr ein Abspringen der Malerei oder Tapeten zu befürchten. Auch Kellerräume kann man in gleicher Weise schützen. Kautschukleim klebt sehr fest auffallen Flächen, einerlei ob von Stein, Glas, Metall oder Holz. * * * Nach der Aussaat im Gemüsegarten bleibt in der Regel von den einzelnen Sämereien mehr oder minder übrig und lassen sich diese Sämereien recht gut im nächsten Jahr noch verwenden, wenn man es versteht, ihnen durch richtige Aufbewahrung die Keimfähigkeit zu erhalten. Zu diesem Zwecke schütte man die verschiedenen Sämereien in kleine Medicinfläschchen, die unverkorkt mit einer Schnur um den Hals in einem kühlen luftigen Raum aufgehängt werden. Verkorkt dürfen die Fläschchen unter keinen Umständen werden, da sonst der Samen erstickt. Zur Kenntlichmachung der Samen klebt man auf jedes Fläschchen ein Stückchen weißes Papier, auf das man den betreffenden Namen schreibt. * * * Kleiderbürsten zu reinigen. Es gibt gewiß noch manche Hausfrau, die gar nicht daran denkt, daß Kleiderbürsten auch einmal der Reinigung bedürfen, und doch ist dies so sehr nöthig wie das Kleiderreinigen. Man sollte sich daher , angewöhnen, wöchentlich einmal die Bürste so lange an einer Tischkante, über welche man ein reines weißes Papier gelegt hat, zu streichen, bis das Papier rein bleibt. Ist die Bürste sehr schmutzig, so kann man sie auch in lauwarmem Seifenwasser reinigen und an der Luft trocknen lassen. * * * Steirischer Lungenbraten. Der Lungenbraten wird entsprechend geschnitten, das Fett etwas entfernt, geklopft, gesalzen und gepfeffert, leicht mit Mehl gestaubt,- hieraus gute Butter zerlassen (nach Belieben kann auch gutes, selbstzerlassenes Schweinefett genommen werden). Die Stücke werden hineingelegt und sehr langsam gedünstet, wo man von Zeit zu Zeit etwas Wasser daran gießt (am Besten Rindsuppe) und etwas guten Weinessig. Wenn es schon ziemlich weich gedünstet ist, kommt dann saurer Rahm dazu, den man dann noch etwas aufdünsten läßt, wobei man dasselbe noch früher etwas staubt und entsprechend Pfeffer und Essig dazu gibt. Zum Dünsten nimmt man auch etwas fein zerhackte Peter- silienwurzel, Zwiebel und sehr wenig Muscatblüthe, zur Rahmsauce etwas Petersilienkraut. Auf diese Weise werden auch Rostbraten gemacht) besonders zu Wild ist dies eine vorzügliche Sauce. * * * Gewöhnliche Spützlein. Man nimmt Mehl in eine Schüssel, nebst etwas Salz, macht daraus mit Eiern und Wasser einen festen Teig und klopft ihn recht. Wenn das Wasser siedet, taucht man das Spatzenbrett darein, thut von dem Teig darauf und schneidet mit einem guten Messer beliebige Streifen oder Stückchen davon ins siedende Wasser. So ost das Brett geleert ist, werden die Spätzlein herausgenommen und mit heißem Wasser abgeschwenkt, damit der Schleim weggeht. Man kann sie entweder trocken, mit Zwiebeln geschmälzt, oder mit Fleischbrühe und Schnittlauch zu Tische geben. * * * Gekochtes Rinvsteisch ä, la poulette. Uebrig gebliebenes Suppenfleisch schneidet man in ziemlich große Würfel, bringt dieselben mit einem Stücke Butter, gehackten Schalotten und Zwiebeln in eine Casserole, streut während des Schmorens ein wenig Mehl darüber und gießt etwas Auflösung von Liebigs Fleischextraet bei. Dann fügt man die üblichen Küchenkräuter sowie etwas Knoblauch hinzu und läßt Alles i/t Stunde dünsten. Nunmehr gießt man die Brühe durch ein Sieb auf das Suppenfleisch, läßt das Gericht abermals eine halbe Stunde leise dünsten, bindet hierauf die Sauce mit zwei Eigelb und fügt schließlich etwas Weinessig und gehackte Petersilie hinzu. * ♦ * Schwavzvrodsuppe. Das feingeschnittene Roggenbrod wird mit siedendem Salzwasier angebrüht, mit etwas Pfeffer und Muskatnuß gewürzt, mit zwei Löffeln heißem Schmalz, m welchem eine feingeschnittene Zwiebel schön gelb geröstet wurde, übergossen, zugedeckt, etwas in der Wärme stehen gelassen und dann aufgetragen. Komische Antwort. „Ach, Sie Aermster, Sie waren schon 'mal ein Jahr als geisteskrank im Irrenhaus? Wie war es denn dort?" — „Ach, da war's zum Verrücktwerden. * * * Eine gute Freundin. Bräutigam: „Nun, «em Liebchen, wem schicken wir denn eigentlich unsere Verlobung - anzeige zuerst?" - Braut: „Meiner Freundin Paula die ärgert sich am meisten!" Kindliche Auffassung. Emmy (zu dem vor dem Exerzierplatz postenstehenden Soldaten): „Du, weshalb s p r Du denn nicht mit?" ♦ * Höhere Bildung. Verwalter: „Der Steinhofbauer hat seiner Toni wohl eine feine Erziehung gegeben Bauer: „Dös will i' meina - das Madel hat sogar Nerven!" ____ Redaction: A. Scheyda. — Druck und 38erlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) IS //Je habe scho nicht geh gewesen, rettet, n machen t „N Denk' a //I verbrenn was gest ihn, wäk aus den damit T wir Der' rettest. Tod zu //I durch di dem ew unvergäi zum Gu //T da untei In und blick Flamme Gewittei von Da erzeugt ruhigen rothen s