lebt, versüßt n geschnitten er i/i Stunde üßen. Wird tränt gemischt m Wasser und Feuer gesetzt, >n und wieder tmrühren dar -inen Zucker» gewaschene und nem Schoppen Stunden lang cher in heiße» versüßt. Kalt theilt, hat man mdere Hefeart, ch, wenn man rckerwasser angießt man da« ramm auf einen t der Hefe mit t abgenommenei ne halbe Tch ; Arad 2 Stunden i rem Liter ausge- elöst sind. Mit an und hat nach ■ völlig gleich ist | unde Kinder." ! ,eyda) in W* >eim Schlacht»« n und besonder, ! zu essen. Die« arischen Weises gräßlichen Minen müßten, mit chen! Die Fish , den Aalen wir! man sie in einet sen. Die so j> Festschmaus bi« ten wohnen diese« s Hauses bei - ist nichts leicht , völlig zu bette ’n Hammerschlägt ; ohne Mühe ® anb zu entblutet isches schmackhastc enter Qualen w und alle Gasch! Ernsthafteste Wf auf den Tisch i mitschuldig der« usamkeit. Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) ES war spät in der Nacht, als er nach immer wiederholtem Zögern in die Nähe seiner Wohnung zurückkam. Aber auch jetzt "konnte er sich noch nicht entschließen, sie zu betretenes war ihm, als müsse er ersticken in dem Raum, der ihm sonst Frieden und Behagen gewährt hatte. Die dunklen Massen der Michaeliskirche zogen ihn an, die mit ihren niedrigen Thürmeer sich breit vor ihm erhob- mehr noch die finsteren Mauern der Irrenanstalt daneben, die eine Welt von Trauer und Elend umschließen. Nicht weit von der Pforte, hinter der so Mancher für .immer verschwunden ist aus den Reihen der Menschen, trat er in den Schatten eines Portals, über dem die Figur eines Bischofs in farbigen Gewändern segnend die Hände erhob. Es war ihm gewesen, als gehe Jemand hinter ihm und er müsse den Rücken sich decken gegen einen unbekannteu Feind. Eng preßte er sich an die Wand und horchte- aber es mußte das Klopfen des Blutes in seinem Ohr gewesen sein, das ihm wie Klang von Menschentritten gewesen war. Alles war still - in feierlichem Schweigen stand die Kirche ihm gegenüber auf der Erhöhung, die sie trägt. So verbrachte er eine Zeit, deren Dauer er nicht abzu- messen vermochte, in seine Ecke gedrückt, in schmerzlichem Sinnen. War dort vielleicht hinter den Mauern der Anstalt das Ziel seines Weges durchs Leben? In dieser Stunde meinte er zu fühlen, wie seine Gedanken sich verwirrten, wie der müde Geist anfing zu schwanken und abzuirren von der geraden Bahn. Und jetzt — gewannen die Wahnvorstellungen sichtbare Gestalt- war es eine Hallueination, die vor ihm sich erhob und lautlos dahinschwebte über den Schnee der winterlichen Erde? Er schloß die Augen, aber als er sie wieder Samstag dea 28. Januar. 1897. W s®3 UW ein Weiser setzt sich hin, Verlorenes zu bejammern, nein, er sucht Mit frischem Muth es wieder einzubringen. Shakespeare. Was einem Menschen Du nicht frei in’S Angesicht Darfst sagen, sag' ihm das auch hinter'm Rücken nicht. Rückert. anfthat, war die Gestalt noch immer zu sehen und hatte den Weg fortgesetzt, den sie begonnen hatte. Es war eine männliche Figur, soviel vermochte er zu erkennen, eher klein als groß, die sich mit vorsichtigen Schritten auf das heilige Gebäude zu bewegte. Neber die eine der niedrigen Treppen, die zu der Kirchenanhöhe emporführen, über die entweihten Leichensteine, die hier von Menschenfüßen getreten werden, glitt sie hinauf, näherte sich der Westseite der Kirche und verschwand in ihrem Schatten. Als würde er von der Erscheinung angezogen, folgte Georg ihr nach, stieg mit leisen Schritten gleich ihr die schneebedeckten Stufen hinan und konnte, sich vorsichtig nähernd, eben noch erblicken, wie sie auf eine kleine, rundbogige Thür in einer Mauer zuschritt, die an das westliche Ende der Kirche sich unmittelbar anschließt. Er wußte, daß hinter jener Mauer der Zugang zu der uralten Krypta sich befindet, die den Sarkophag des heiligen Bernward birgt. Als er noch einmal hinsah, war die Gestalt verschwunden. Ein Geräusch vom Oeffnen der Thür hatte er nicht gehört- werfüllte auch jetzt, nm diese Stunde, auf den Gedanken kommen, die heilige Gruft zu besuchen? Aber die Gestalt war verschwunden, und Georg hätte geglaubt, daß eine Schöpfung seiner Phantasie vor ihm aufgestiegen sei, wenn nicht doch die Spuren von Menschentritten im Schnee, die er beim matten Schein einer fernen Laterne jetzt deutlich zu erkennen meinte, und die zu der kleinen Thür hinüberführten, ihm die Wirklichkeit der Erscheinung bewiesen hätten. Aber was galt es ihm, ob Wirklichkeit, ob nicht? Das rasch erwachte Interesse war eben so schnell wieder erloschen, und von Neuem fühlte er nur noch das bohrende, nagende Weh in seiner wunden Brust um das verlorene Glück. Mit einem schmerzlichen Stöhnen wandte er sich ab, und indem er nun endlich Heimschritt zu seiner öde gewordenen Behausung, nahm er in Gedanken den letzten Abschied von allen Hoffnungen eines sehnsuchtsvollen Herzens. Viertes Capitel. Es giebt im alten Hildesheim ein paar Straßen, so eng, so dunkel und schmal, daß man sich in eine der kleinen italienischen Städte versetzt glaubt. Nur der Schmutz fehlt hier, der dort als nothwendig gilt, das Pflaster ist reinlich, aber darüber erheben sich die Häuser so nahe aneinander, nach oben zu immer mehr über den schmalen Pfad herüber wachsend, daß man von Fenster zu Fenster dem Nachbar die Hand reichen kann, und daß die Katzen, die hier in reichlicher Anzahl hausen, mühelos von einer beite der Straße zur 34 andern hinüber springen. Licht und Luft finden kaum den Weg unter die zu einander geneigten, altersbraunen Gebäude, und auch der Schnee bedeckt hier sparsamer daS Pflaster, wenn ihn der' Wind nicht vom E ngang her mit Gewalt hercintreibt. In einem kleinen, fast nächtlich dunklen Zimmer, das im zweiten Geschoß eines dieser Häuser lag, befanden sich ein Mann und ein Kind. Es war gegen Mittag, aber die beiden Gestalten waren trotzdem nur mühsam zu erkennen; denn die Fensterscheiben, die von denen des Nachbarhauses um Armeslänge kaum entfernt waren, zeigten außer dem Ueberzug von Staub und Schmutz noch einen solchen von dichter, blauer Fliegengaze, der dem geringen Lichte den Eingang noch mehr erschwerte. Der Mann saß unmittelbar am Fenster, mit dem Aus- bessern eines Rohrstuhls beschäftigt, an dem er eifrig flocht. Im Hintergründe des Zimmers, nahe an einem rostbraunen, eisernen Ofen, auf dem ein zugedeckter Topf leises Gebrodel hören ließ, hatte das Mädchen sich auf einen Schemel gekauert und strickte. Nur selten sah der Mann von seiner Arbeit auf; dann aber war es ein Blick der Liebe, der aus seinen runden, rothumränderten Augen zu dem Kinde hinüberflog. Er war ein häßlicher Mensch mit plattem, gewöhnlichem Gesicht, schon ergrauendem, wirrem Haar und Bart, obwohl er kaum vierzig Jahre zählen konnte; die mächtige Zärtlichkeit aber verschönte ihn, die in solchen Augenblicken in seinem Gesicht aufleuchtete. Gekleidet war er sehr ärmlich in einen verschlissenen, braunen Anzug, der ihm zu weit war und nur an Hals und Händen ein wenig schmutzige Wäsche sehen ließ. Eben hatte er wieder zu dem Mädchen hinüber geschaut, als er seine Arbeit für einen Augenblick sinken ließ und mit einem der feinen Rohre leise auf das Holz der Fensterbank klopfte. Hurtig sprang das Kind empor und trat an seine Seite. Und nun begann er mit ihm zu reden, wortlos, ohne Laut, in der hastigen Geberdensprache der Taubstummen. „Hast Du noch keinen Hunger, Hanne?" fragte er. „Nein, Vater; es ist ja noch nicht zwölf/' „Was kochst Du uns. denn Gutes?" „Ein schönes Essen, Weißkohl mit Speck." „Ich rieche es schon. Das riecht gut." „Sehr gut. Und ich weiß auch, wie man es kochen muß. Caroline hat es mir gezeigt." „Du mußt ihr immer dankbar sein, Hanne. Undankbare Menschen hat der liebe Gott nicht lieb." „Ich bin auch nicht undankbar, Vater." Er versank für einen Augenblick in ein finsteres Sinnen, als habe die Erinnerung an eine trübe Erfahrung ihm bittere Gefühle erweckt; aber die Wolke auf seiner Stirn verschwand eilig wieder, sobald er in das freundliche Gesicht seines Kindes sah. Schon hob er die Hand, um die Unterhaltung fortzusetzen, als ein Knarren der Treppe draußen und ein festes Klopfen an der Thür das Mädchen aufhorchen ließ. Der Mann hatte in dem tiefen Schweigen, das ihn für immer umgab, das Nahen des Besuchers nicht bemerkt, das Kind aber machte ihm ein Zeichen, und eilte zur Thür, sie zu öffnen. „Guten Tag, Herr Doctor," sagte die Kleine, als sie den Besucher hatte eintreten lassen, in dem ihr an das Dämmerlicht gewöhntes Auge den Doctor Jaksch sogleich erkannt hatte. Sie sprach höflich und freundlich, aber ein tiefes Unbehagen drückte sich in ihren Zügen aus. Der Doctor achtete nicht darauf; er hatte seine hohe Gestalt bücken müssen, als er in die Thür getreten war, und auch im Zimmer hier berührte sein Kopf beinahe die Decke. Er schaute sich schweigend um in dem finsteren, vom Geruch des auf dem Ofen brodelnden Kohls erfüllten Gelaß, das eher der Behausung wilder Thiere als einer menschlichen Wohnung glich. Ein böses Lächeln zuckte um seinen Mund, als er nun zu dem Kinde sprach. „Ihr habt es hübsch hier, Hanne, was?" „Ja, Herr Doctor." „Und Dir geht es gut, nicht wahr? Wirft ja alle Lage größer und schöner." * „Ja, Herr Doctor." Er lachte laut auf; seine sonst weich abgetönte Stimme war hart und kalt, wenn er so lachte. „Ja, Herr Doctor," wiederholte er. „So ist's recht; nur immer hübsch ja sagen, das ist die Hauptsache für Deinesgleichen. Und nun geh hinaus, ich habe mit Vater zu sprechen." „Ja, Herr Doctor." Eilig, als hätte er ihr ein Geschenk gemacht mit der Erlaubniß zu gehen, verließ sie das Zimmer. Der Doctor trat nun zu dem Taubstummen heran, der sich bei seinem Eintritt erhoben hatte und dicht am Fenster stehen geblieben war. „Guten Tag, Bäsmann," sagte er, indem er nicht laut, aber mit deutlicher Accentuirung sprach und dem Anderen das Gesicht zuwandte, so daß er die Bewegung der Lippen genau verfolgen konnte. Der Taubstumme machte einen Versuch zu sprechen; ein grunzender, unarticulirter Ton kam aus seinem Munde. Nervös schüttelte der Doctor den Kopf. „Nicht Ihre Redeübungen, Bäsmann, das liebe ich nicht. Schreiben Sie, wenn Sie sich mit mir verständigen wollen. Nehmen Sie Ihre Tafel, ich habe Sie Einiges zu fragen." Der Andere gehorchte und nahm von der Wand am Ofen eine Schreibtafel herab, an der mit Bindfaden ein Griffel befestigt war. Der Doctor hatte sich auf den einzigen Stuhl gesetzt, der sich in dem Raume befand, und den der Taubstumme vorhin inne gehabt hatte. So kniete dieser vor der schmalen Fensterbank nieder, auf die er die Schreibtafel stützte. „Achten Sie genau auf meine Worte. Ich komme wieder einmal wegen des Kindes, des Knaben, den ich durch Sie vor zwanzig Jahren bei Ihrer Schwester habe nnterbringen lassen. Haben Sie neuerdings nichts von ihm gehört?" Bäsmann antwortete, ohne die Tafel zu Hilfe zu nehmen, durch ein lebhaftes, nachdrückliches Kopfschütteln. „Der Vater des Kindes, der mein Freund ist," er betonte die Worte noch schärfer, als seine früheren, „wüßte gern etwas über den Knaben, der ja nun herangewachsen sein muß. Es war unverantwortlich damals von Ihrer Schwester, den Burschen fortlaufen zu lassen. Haben Sie denn noch immer nichts über ihn erfahren?" Jetzt begann der Taubstumme zu schreiben, wie er e$ gewohnt war, in einem kurzen, abgerissenen Telegrammstil, der Zeit und Mühe für den Schreibenden und den Wartenden sparen sollte. „Nichts, gar nichts. Nie wieder 'was gehört." „Ob er denn wohl noch lebt?" Leise, mit ein wenig bebender Stimme that der Doctor die Frage. Der Andere aber las ihm die Worte doch von den Lippen und schrieb seine Antwort nieder. „Weiß nicht. Nun vier Jahre." Der Doctor nickte, dann runzelte er die Stirn. „Sie und Ihre Schwester, Sie haben die ganze Schuld. Hätten Sie aufgepaßt, so wäre er nicht fortgelaufen. Auch hätten Sie gewiß etwas erfahren können, wenn Sie sich nur wirklich Mühe gegeben hätten." Er stand auf und nahm seinen Hut. „Ich hätte mir'S denken können, daß es vergeblich war," sagte er mehr zu sich selbst, als zu dem stummen Zuhörer, und ging zur Thür. Noch bevor er sie aber geöffnet hatte, ließ einer der un- articulirten Redeversuche Bäsmanns, ein Ruf, ein Stöhnen ihn stehen bleiben und sich umwenden. Mit geballten Fäusten stand der Taubstumme ihm gegenüber, dann lösten sich die zusammengekrampften Finger, und er begann zu reden mit hastiger, leidenschaftlicher Geberdensprache. Ein spöttisches Kopfschütteln des Doctors erst brachte ihn zur Besinnung. Er griff zur Tafel und schrieb. Der Griffel knirschte auf dem Schiefer unter der eiligen Hand. Dann hielt er dem Doctor das Geschriebene hin; dieser nahm es und las. „Versprochen, Fest versprochen. Damals, als Brief 36 kam. Für Hanne sorgen. Muß heraus. Muß in andere Wohnung. Wird mir hier krank. Stirbt vielleicht. Ver- sprocheu. Versprochen." Der Doctor hatte sich von von ihm abgewaudt, während er las. „Wirst Du mir unbequem?" murmelte er jetzt, und sein Mund verzog sich wie der eines Raubthiers, das die Zähne fletscht. Aber es war nichts mehr davon zu sehen, als er jetzt wieder dicht vor den Taubstummen hintrat und zu ihm sprach, indem er mit einem festen und starren Blick ihm in die Augen sah, von dem er wußte, daß er dadurch eine Macht über andere Menschen auszuüben im Stande sei. „Sie schreiben da von Versprechungen. Haben Sie etwas darüber schriftlich? Sie brauchen mir nicht zu antworten- ich weiß, daß Sie nichts haben. Aber heute sage ich Ihnen dies: Geben Sie sich Mühe. Suchen Sie! Finden Sie die Spur des fortgelaufenen Burschen. Dann soll Alles geschehen, was Sie für Hannchen wünschen." Der Andere zog in lebhafter Erregung die Schultern in die Höhe und erhob die Hände. „Sie können, wenn Sie wollen. Sie haben die einzige Spur, verfolgen Sie die. Und wenn Sie mir ausgefunden haben, was ich wissen will, dann soll etwas für das Mädchen geschehen, dann soll es hier heraus, und wir wollen eine große Dame aus ihm machen." Er brach ab und löste den Blick aus den Augen des Anderen. „Guten Morgen," sagte er dann und wandte sich zum zweiten Male zur Thür. Diesmal ließ der Taubstumme ihn hinausgehen, ohne ihn zurückzuhalten. Bei der Verheißung, daß aus dem bleichen, geliebten Kinde ein gesundes Mädchen, eine große Dame gemacht werden solle, und unter dem fascinirenden Einfluß der starr auf ihn gerichteten Augen war ein freudiges, glückliches Lächeln auf dem gedunsenen, häßlichen, farblosen Gesichte des Taubstummen erschienen. Es verweilte dort auch noch einen Augenblick, nachdem der Doctor gegangen war. Allmälig aber verschwand es und machte dem Ausdruck eines grimmigen Hasses Platz. Er hob seine Arme und schlug die geballten Fäuste gegeneinander, als könne er seinen Feind dazwischen zermalmen. Dann schüttelte er sie gegen ihn in der Luft, und indem er zugleich mit sich selbst zu reden begann in den unverständlichen, gurgelndn Lauten, die seine Sprache waren und wie das Drohen eines gereizten, zornigen Thieres das Zimmer durchhallten, erschien er in der graublauen Dämmerung des finsteren Raumes wie ein böser, rache- verheißender Dämon. Seine Hände aber sanken nieder, und sein thierisches Zürnen verstummte, sobald die Thür sich leise wieder öffnete, und Hannchen hereintrat. Er ging auf sie zu, ergriff ihre Hand und streichelte ihr Haar. Daun begannen seine Finger von Neuem zu sprechen. „Gieb acht, Hannchen, aber sag' es keinem Menschen wieder, was ich Dir heute sage. Hüte Dich vor dem Ma- ne, dem Doctor. Er ist ein schlechter und ein grausamer Mensch. Aber ich bin klüger, als er meint. Was ich nicht höre, das sehe ich. Von den Lippen der Leuten kann ich lesen, auch wenn sie nicht mit mir sprechen. Ich habe Vieles gelesen und weiß Vieles, wovon sie es nicht denken. Und wenn Du groß geworden bist, will ich es Dir sagen." Er hielt inne, die Erregung, die sich seiner von Neuem bemächtigt hatte, verlor sich. Noch einmal streichelte er ihr das glatte Haar, dann sagte er in seiner Zeichensprache: „Komm, Hannchen, jetzt wollen wir essen." Wie dort in dem dunklen, höhlenähnlichen Raum der Taubstumme schreibend vor dem Doctor gekniet hatte, so lag am Nachmittag desselben Tages in einem anderen Zimmer ein Mann vor dem anderen auf den Knieen. Dort war es finster gewesen, und hier war es hell, der Knieende aber hatte sein Gesicht an die Schultern des Anderen gepreßt und blickte hilfesuchend zu ihm üuf. Es war im Giebelstübchen des Herrn Busenius hoch oben im Hause der Schatten. Das Gemach, von der westlichen Außenwand ab hinein gebaut in den unfreundlichen, von Pfosten- und Lattemverk erfüllten dritten Bodenraum, war nur klein, aber das eine Fenster, das sich darin befand, ließ das Licht des Himmels ebenso ungehindert hereinströmen, wie es den Blick hinausschweifen ließ in eine freie und weite Ferne. Kein Haus in der Nachbarschaft reichte heran bis zu der Höhe dieses mächtigen Giebels- tief unten lagen Dächer, Mauern und Gärten. Die Sonne, die sich über den Höhen des Hildesheimer Waldes zur Ruhe niedersenkte, schaute noch voll herein, und ihre Strahlen erfüllten den engen Raum mit einem blassen Licht. (Fortsetzung folgt.) Einiges über die beiden Zwergvögel Deutschlands. (Vortrag in einer Ausschußsitzung des Gießener Thierschutzvereins.) Goldhähnchen und Zaunkönig heißen die beiden Zwerge unserer einheimischen Vogelwelt, über die ich in nachfolgenden wenigen Zeilen einen kurzen Bericht erstatten will. Das Goldhähnchen ist das kleinste europäische Vögelchen, denn seine Länge beträgt nur 8V2 Zentimeter, und es ist an seinem feuergelben Scheitel, den es zuweilen wunderschön entfaltet, so leicht zu erkennen, daß mir eine weitere Beschreibung desselben fast als überflüssig erscheint. Doch will ich noch bemerken, daß es oben auf dem Rücken zeisiggrün, unten am Bauche weißgrau, und der.Schwanz und die weißgefleckten Flügel dunkelgrau sind. Dieses äußerst kleine, allerliebste, höchst bewegliche und in hohem Grade nützliche Vögelchen bleibt während des ganzen Winters bei uns in Deutschland, schlägt seine Wohnung gerne in einem Tannenwalde auf, kommt aber im Frühling, im Herbste, namentlich im Winter öfters in Gesellschaft von Meisen, Baumläufern und Kleibern in unsere Gärten, Obst- selder, Anlagen und setzt da seine überaus nutzbringende Thätigkeit, die der Meise gleichkommt, fort. Vom frühen Morgen bis zum dunkelnden Abend umflattert es die Aeste und Zweige der Bäume, spähet eifrigst nach den engsten Spalten und Ritzen derselben und holt da mit seinem schwachen Schnäbelchen die kleinen, höchst schädlichen Insekten, bei en Larven und Eier in einer unzählbaren Menge heiaus. Auch im Gebüsche setzt es seine Jagd auf benanntes Ungeziefer fort, und man darf mit Recht behaupten, daß es Millionen und abermals Millionen schädliches Ungeziefer auS der Welt schafft, was diesem kleinen Thierchen nur dadurch möglich ist, daß es den ganzen Winter hindurch bei uns verweilt und gerade während dieser Zeit auf das emsigste Ablesen der Kerbthierlarven und bergt von der Natur angewiesen ist. Zum Standquartier zieht das Goldhähnchen, wie ichou oben bemerkt, Nadelholzwälder vor, richiet sich jedoch auch in Laubwäldern und in buschigen, baumreichen Anlagen und Gärten heimathlich ein. Das Nest, welches ich in unserem nahen Philosophenwalde gesehen, hing am Ende langer Aeste sorgfältig unter Laub versteckt. Man kann es mit Recht ein künstliches Nest nennen; es ist kugelrund mit Oeffnung nach oben, ziemlich groß, ist aus Moos, Flechten, Gespinnst gewoben und mit Wolle, Haaren und Federn weich und schön ausgepolstert. Die 7 bis 11 gelbröihlichweißen, fast nur erbsengroßen Eier sind mit grauen Punkten überstreut und sie werden von dem Weibchen in 10 bis 12 Tagen ausgebrütet. Die kleinen, niedlichen Dingerchen im Neste sperren stets die hungrigen Schnäblein auf, und da sie nur von schädlichem Jnsektengeschmeiße ernährt werden können, so tragen denselben die unermüdlichen Alten eine große Menge vvn Kerb.hieib.uten zu, 36 Die Goldhähnchen verdienen gewiß gehegt und durchaus nicht verfolgt zu werden, wie daS leider noch hie und da durch Feinschmecker geschehen soll. Man biete ihnen vielmehr alle Annehmlichkeiten, die sie zum Ansiedeln in der Nähe unserer Städte und Dörfer locken können! Jetzt will ich meinen zweiten Zwerg, den Jedermann, der auch nur ein wenig die Natur beobachtet, gewiß kennt, einer näheren Betrachtung unterziehen. Wer den Zaunkönig, der auch Schneekönig genannt wird, auf Bäumen oder sonst in der Höhe sucht, der wird chn nur selten finden, denn seine Luftreviere sind in der T'efe nahe am Boden. Hier treibt er sein Wesen, hier schlüpft er mit fast, senkrecht gehobenem Schwänze mit einer wahrhaft erstaunlichen Gewandtheit durch die dichtesten Dornhecken, durch Gesträuch und Gestrüpp und geht dabei stets seiner Nahrung nach. Dieselbe besteht in Kerbthieren, deren Larven und Eiernaber ganz besonders nützlich macht er sich durch Vertilgung der gefürchteten, unheimlichen Ohrwürmer, und da er ein Standvogel ist, der diese Arbeit auch im Winter den ganzen Tag über ununterbrochen fortsetzt, so geht daraus von selbst hervor, daß auch mein zweites Zwergvöglein als ein höchst nützliches Thierchen erachtet werden muß. Der kleine Zaunkönig, dem schon die alten Griechen zu Aristoteles Zeiten den Namen Basileus (König), wohl nur in scherzhaftem Sinne, beilegten, weil er seine Reviere, wie schon oben bemerkt, mit so großer Gewandtheit und Sicherheit beherrscht, erfreut uns auch im Winter durch seinen Gesang, denn wenn bei strenger Kälte, bei tiefem Schnee selbst die frechen Gesellen, die Spatzen, unzufrieden, miß- muthig und dabei ihr Gefieder sträubend, stumm auf Zweigen sitzen, dann vernehmen wir wohl von einer niederen Dachfirste herab oder von einem Zaunpfahl her das einfache, hellklingende Liedchen des Schneekönigs, das er so vergnügt und fröhlich erschallen läßt, als ob er von Frühlingsluft und Blüthenduft umgeben wäre, und dies ist doch sicherlich die Ursache der bekannten Redensart: „Er freut sich wie ein Schneekönig." Männchen und Weibchen sind kaum in der Färbung zu unterscheiden- ihr Gefieder ist oben rostbraun, vom Rücken bis zum Schwanzende befinden sich schwärzliche Querbinden - unten sind sie weißlich-rostgrau mit dunkelbraunen Wellen und einigen weißen Punkten unter dem Schwänze. Die Lange derselben beträgt nur etwas über 9 Zentimeter. Kaum aber ist der Wimer von dannen gezogen, so schreitet das liebliche Zaunkönigpärchen oftmals schon Mitte April zum Nestbau, und dazu wählen sie sich nur düstere, versteckte Orte unter faulenden Stämmen und Wurzeln, wie in dichten Dornenhecken, unter Brücken und unter Strohdächern. Männchen und Weibchen bauen etwa 12 bis 14 Tage lang aus verschiedenem Material ein riesig großes, sehr künstliches Nest mit manseähnlichem Eingang, polstern dasselbe mit Federn weich und glatt aus, und das Weibchen legt 6 bis 8, mit rothen Punkten versehene Eier, auS denen nach 12 Tagen die Jungen herauskriechen. Unermüdlich thätig pflegen die Alten ihre zarten Kinder und tragen ihnen eine recht große Menge Insektenlarven zu. Schließlich will ich nun noch bemerken, daß ich glaube, dargethan zu haben, daß meine beiden Zwergvöglein, die man auch die Kolibris Europas nennt, den Schutz aller Menschen verdienen, und ich bitte daher ganz besonders meine verehrten Herren Collegen, freundlichst denselben ihre Aufmerksamkeit zu schenken und ihren Schulkindern das überaus nützliche Thun und Treiben derselben im Haushalte der Natur recht eindringlich vor die Augen zu stellen. Gießen, im Januar 1897. H. Cur schmann, Lehrer i. P. VeimEehtes. Masken-Costitme. Die Lust an Verkleidung und Maskenscherz liegt tief in der menschlichen Natur. Dem Einen bedeutet sie eine Rückkehr zur jugendlichen Fröhlichkeit, dem Anderen das Vertauschen der Maske, deren Tragen das Leben ihm aufnöth!gt, mit einer freigewählten- einem Dritten bereitet es Freude, ein paar Stunden lang mit dem Costüme auch das Gehaben eines Lieblingshelden zur Schau zu tragen. Ein Jeder aber freut sich, aus der Monotonie moderner Farben und Formen in die bunte Welt des Scheins flüchten zu können und unter dem Schutz der Maskenireiheit frohe Abenteuer zu erleben. Jedes Maskenfest gleicht ein wenig dem Feste, zu dem Aschenbrödel eingeladen war. Wenn auch nicht jede Theilnehmerin ihren Prinzen Tausendschön findet, so bleiben ihr doch einige hoffnungsvolle Stunden und eine süße Erinnerung als Gewinn. Diese Bedeutung der Maskenfeste erklärt ihre Beliebtheit- sie sollte auch für den Charaeter der Costüme maßgebend sein. Illusion, holde Täuschung ist die Devise des Festes- deshalb soll bei der Wahl der Costümes Alles vermieden werden, was diese zerstören könnte und vor Allem die Uebereinstimmnng der Maske mit Figur, Individualität, Charaeter-Eigenschaft, Teint und Haarfarbe der Trägerin niemals außer Rücksicht gelassen werden — ein schwarzhaariges Gretchen wäre genau so sinnwidrig und wirkte gerade so störend und zu mißliebigen Bemerkungen herausfordernd, wie eine kleine Heroine, eine stattliche, historische Figur in Miniatur-Ausgabe. Schwere Broeat- stoffe und mächtige Kragen, die Fraise der Maria de Medieis, überhaupt pomphafte und umfängliche Trachten paffen ebensowenig für schwächliche, zarte Frauen, wie sich ein zartes Blumen-Costüme für eine große Gestalt, eine breitschulterige Figur eignen würde. Uebrigens gießt es auch bei der Darstellung von Blumen Manches zu bedenken. Die hohe Sonnenblume, die stolz aufragende Königskerze z. B. beanspruchen andere Figuren, wie das zarte Vergißmeinnicht und das bescheidene Heckenröslein- man wird auch bei Wahl der Stoffe und bei der Art des Anbringens der Blütden auf bereit Eigenarten bedacht fein müssen. Zartblüthige Blümlein dürfen an Costümen nicht massenhaft auf treten, um den Eindruck des Ganzen nicht ungünstig zu gestalten. Es lassen sich bei richtiger Anwendung des Materiales ganz hübsche Erfolge erzielen, soferne der Kostenpunkt nicht gerade die Hauptrolle spielt. Es herrscht nämlich vielerorten die irrige Ansicht, daß sich Costüme aus alten Sachen Herstellen lassen, daß es gar nicht nöthig sei, sich über Art und Charaeter des Vorbildes zum Costüme genauer zu informiren. Wohl lassen sich vorwiegend zu Blumen Costümen ältere Seidenkleider verwenden, da meistens irgend ein duftiges Ueberkleid den Hauptbestandtheil bildet, doch kann dies auch nur infoferne geschehen, als Farbe und Machart mit dem Costüme-Vorbilde in Uebereinftimmung stehen. Neben den vielen Blumen, welche sich auch zu gruppenweisen Verkleidungen vorzüglich eignen, sind es Charaeter-Costüme historischen und Bühnen- Ursprungs, welche erwünschten Stoff zu Masken bieten. Eine Elsa von Brabant aus „Lohengrin", die Nedda aus „Bajazzo", die Santuzza aus der Oper „Cavaleria rusticana“, die „Manon" aus der gleichnamigen Oper sind dankbare Vorbilder zu Masken-Costüme, soferne, wie bereits bemerkt, die Eigenschaften der betreffenden, die Rollen darstellenden Personen nicht in birectem Widerspruche mit den Originalen stehen. Immer kommt es auf die Darstellung eines Costümes an- es giebt reizende Fledermäuse, graziöse Radsahr-Gigerldamen fine de siede und gar nicht unheimlich anmuthende Waldgeister, wenn man es versteht, das Costüme von der picanten Seite zu erfassen, ihm irgend etwas Interessantes abzugewinnen. Aus „Der Moden-Salon", Heft 2. Redaktion: SU Echeyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & »cheyda) in ®if6 tt.