MrM«ß Im 21 Gr-tElrr Thh «M M VMWL LLUU-^LSSLQ.„^. ■! Hm MWb auch aus der Mode ffSS- Kam Begeisterung, Bleibt sie doch das Schönste Und erhält Dich jung; Hätte auch der Winter Dir in’§ Haar geschneit, Drinnen im Gemüthe Lenzesfrisch es matt. Im wunderschönen Monat Mai. Erzählung von Sühring-Bardey. ------- (Nachdruck verboten.) Ein lachender, wonniger Maitag war es. Ueberall Blüthenduft und Vogelgezwitscher, und Mutter Sonne blickte so warm und goldig, als freue sie sich der Frühliugspracht dort unten. Einer ihrer Strahlen lugte neugierig durch die offenen Fenster des großen Gutshauses zu Worklin und blieb jetzt wohlgefällig auf einem blonden Mädchenscheitel ruhen. Ob er die Besitzerin desselben auch für ein Frühlingsblümchen hielt? — wer weiß es! Verzeihlich wäre der Jrr- thum freilich gewesen. Denn man konnte die kleine Ursula mit ihren siebzehn Jahren, der zarten Figur und dem Gesichtchen wie Milch und Blut, von dem die großen, braunen Augen gar merkwürdig abstachen, wohl mit einem jener Frühlingskinder da draußen vergleichen. In der Rechten hielt das junge Mädchen eine kleine grüne Brause, emsig die Blumen auf den Fensterbrettern mit derselben begießend. Schon mehrere Male hatte sie den langen, schweren, blonden Zopf über die Schuber zurückgeworfen. Als aber der Attentäter immer wieder bei jeder ihrer Bewegungen nach vorn fiel, wandte sie sich plötzlich dem Innern des Zimmers zu, ärgerlich ausrufend: „Nein, Papa und Mama, wißt Ihr, ich schneide mir meinen Zopf ab! Er ist mir überall im Wege, nnd wenn ich ihn aufstecke, bekomme ich Kopfweh. Ich schneide ihn ab und trage meine Haare wie Cläre Brandt!" „Daraus wird nichts, mein Dirn," war die gelassene Entgegnung des Hausherrn, welcher eine Cigarre rauchend am Kaffeetisch saß. Ihm gegenüber strickte seine kleine, zierliche Frau so emsig, als habe sie mindestens sechs Jungen zu versorgen — und Ursula war doch ihr Einziges! „Das paßt sich wohl für ein flotte Berlinerin," fuhr Herr Linde fort, „wie Deine Freundin, aber nicht für so ein biederes, kleines Fräulein aus Hinterpommern. Und dann" — ein schelmisches Lächeln zuckte über sein Gesicht — „wenn Du mit kurzen Haaren auf Deinem Lieblingsplatz in der Kastanie sitzest, wirst Du noch mehr Gefahr laufen, hinunterzufallen. So kannst Du Dich doch wenigstens mit Deinem Zopf festbinden, oder er hält Dich zum Mindesten beim Stürzen auf." Leise stellte das Töchterlein die Brause nieder, und zu dem Vater eilend, drückte sie einen innigen Kuß auf dessen kahlen Kopf. Dann meinte sie: „Ja, spotte nur über meinen Zopf, Du hast es gut mit Deiner Glatze. Ach, wenn ich doch auch eine hätte!" „Nun höre aber auf, Mädel!" rief ganz entsetzt der Vater. „Und im Uebrigen, meiner Haare wegen beruhige Dich nur, die wachsen mächtig in letzter Zeit. Nicht wahr, Alte?" Mit komiscb ernstem Gesichtsausdruck blickte er fragend zu seiner Frau hinüber. Die Angeredete ließ für einen Augenblick die klappernden Stricknadeln ruhen, nnd zärtlich zu Mann und Tochter aufsehend, erwiderte sie: „Alter, Alter, das hast Du mich schon vor zehn Jahren gefragt." Plötzlich erschien der Postbote am offenen Fenster und übereichte Ursula durch dasselbe ein Packet Zeitungen und Briese. „Hier, Papa, Alles für Dich. Aber nein, da ist auch einer für mich, von Cläre! Ob sie wohl kommen wird?" Kurze Zeit herrschte tiefe Stille im Zimmer, alle drei waren mit Lesen beschäftigt. — „Sie kommt! sie kommt!" unterbrach Ursula jubelnd zuerst das Schweigen. „Heute in acht Tagen! O, wie ich mich freue!" Jetzt hatte auch Herr Linde seine Briefe durchflogen, und den letzten noch in der Hand haltend, sagte er: „Na, da kommt ja genug Leben in die Bude. Fritz Malten meldet sich nämlich auch an und zwar schon zu heute. Er bittet, seinen dreiwöchentlichen Urlaub hier bei uns verbringen zu dürfen. Es paßt Dir doch, kleine Frau?" „Gewiß, gewiß, warum wohl nicht?" war die freudige Entgegnung. „Nein, der Fritz! Da bin ich doch wirklich gespannt, wie der aussieht. Er muß ungefähr sechsundzwanzig Jahre sein." „Wißt Ihr was," ertönte plötzlich Ursulas Stimme dazwischen. „Vetter Fritz muß Cläre heirathen, das wird brillant!" „Gleich Heirathsprojecte, wie alle Frauenzimmer," rief lachend der Hausherr, „solltest lieber hingehen und dem Johann sagen, daß er mein Pferd sattelt." Als sich dann aber die Thür hinter Ursula geschlossen, fuhr er in etwas 438 —*■* leiserem Ton zu seiner Frau gewandt, fort: „Menn der Fritz nur nicht an unsere Ursel denkt." — Ganz erstaunt blickte Frau Linde zu dem Sprechenden auf: „Aber, Mann, sie ist ja noch das reine Kind!" „Ach was, Kind! Kind hin, Kind her, darnach fragen die Herren Lieutenants nicht, wenn das Kind nur Geld hat. Sie wird ja auch mit jedem Jahr älter. Wodurch ich noch besonders auf diesen Gegenstand gekommen bin, ist Folgendes. Als ich den alten Malten im vorigen Jahr auf der lernt) wirtschaftlichen Ausstellung traf, meinte er: „Der Junge, der Fritz macht mir Sorge; ich möchte, daß er eine nette, gute Frau fände!" — Ja, ja, mögen nette Sorgen sein! Schulden, Liebeleien!--Na, Alte, brauchst nicht gleich ein so bitter ernstes Gesicht aufzusetzen," unterbrach er sich dann Plötzlich, „noch haben wir das Mädel ja! Und merken wir Unrath, wird der Lieutenant an die Luft gesetzt." „Und ich glaube auch wirklich," meinte schon wieder beruhigt Frau Linde, „unser Kind denkt noch gar nicht an so etwas. Siebzehn Jahre!" — „Na, na, Alte!" Schelmisch drohte der Mann mit dem Finger. „Wieviel Sommer zähltest Du denn, als wir uns im Mondenschein in Eurem Garten trafen?" Lächelnd nickte die Gefragte mit dem Kopf. „Ja, ja, Du hast recht. Als wir heiratheten, war ich achtzehn Jahre, --und erst nach zehn Jahren kam unsere Ursel an. Weißt Du noch? Erst der Schreck, und dann die Freude!" „Aber die Freude war schließlich doch größer als der Schreck, nicht?" Zärtlich glitt die Hand des Mannes über den glatten Scheitel seines Weibes. „Doch da ist mein Pferd! Adieu, adieu! Um vier Uhr kann der Fritz hier sein, für einen Wagen zur Abholung sorge ich." In einem Rauchcoupe zweiter Klasse saß Lieutenant Fritz Malten, oder vielmehr lag Lieutenant Fritz Malten auf dem Rücksitz ausgestreckt und verfolgte — eine Cigarre im Munde — mit großem Interesse die blauen Ringe, die er kunstgerecht in die Luft sandte. Er war, was die Welt „einen hübschen Kerl" nennt. Er hatte dichtes, lockiges, blondes Haar, ausdrucksvolle, blaue Augen, einen langen, blonden Schnurrbart, und wenn er den Mund öffnete, wie augenblicklich bei einem herzhaften Gähnen, kamen zwei Reihen herrlicher, gesunder Zähne zum Vorschein, denen man es ansah, daß noch kein Zahnarzt mit ihnen in nähere Berührung gekommen war. Jetzt hielt der Zug. Der junge Mann machte Miene sich zu erheben, verharrte aber doch in seiner bequemen Lage. Wozu auch aufstehen! Es war ja nichts los auf solcher kleinen Station, man bekam nicht einmal ein anständiges Glas Bier! Und mit einem leisen Seufzer zündete er sich eine frische Cigarre an. Da plötzlich wurde die Thür auf- gerissen. „Ach! ein neuer Fahrgast," dachte ärgerlich der Lieutenant, „da muß ich mich doch am Ende ein wenig erheben." — Bevor er aber sein Vorhaben ausführen konnte, wurde er am Arm ergriffen und eine Stimme rief: „Fritz! Malten! Bist Du es wirklich? Nein, wie mich das freut, kann ich garnicht sagen!" Mit einem Ruck stand der Angeredete auf den Füßen —: „Forken! wo kommst Du her?" Einen Augenblick hielten sich Beide an den Schultern und sahen sich glücklich in die Augen, dann entgegnete der mit „Forken" Angeredete: „Ich komme von meinen Eltern und will zu meinem Schwager, der hier in der Nähe ein Gut hat. Ich möchte mir die Landwirthschaft ein wenig genauer betrachten- wer weiß, was man noch thut! Denn mit dem Wiedereintritt in mein Regiment wird es doch nichts." „Armer Junge Du," meinte in weichem Tone der Lieutenant, „geht es noch immer so schlecht mit Deinen Füßen? Das thut mir zu leid." „Nicht bedauern, Fritz! Du weißt doch, das soll nicht gut sein." Ein wehmüthiges Lächeln huschte über das Gesicht des Sprechenden. „And am Ende giebt es doch auch noch ein größeres Unglück, als so ein bischen Podagra. Im Winter war es ja leidlich, aber mit den Frühlingsstürmen begann es auch wieder in meinen Füßen zu rumoren. — Doch das ist langweilig, laß' uns lieber von Dir reden. Wohin willst Du eigentlich? — Aber wie siehst Du mir denn nur eigentlich aus!" Ein prüfender Blick überflog die Gestalt des Freundes. „So elegant, ja, sogar höllisch elegant! Dieser feine, hellgraue Sommeranzug steht Dir fast noch besser als Deine Uniform. — Aber so sprich, st rede doch, Fritz! — Menschenkind, Du gehst doch wohl nicht auf Freierssüßen?" „Ja, ja, alter Freund, es ist so," kam es mit einem Seufzer von des Lieutenants Lippen. Dann setzte er wie schuldbewußt hinzu: „ich muß wohl, es will mir ja Keiner mehr was pumpen, und was das Schlimmste ist, mein Alter am allerwenigsten." „Aber Fritz, warum schreibst Du mir das nicht, ich habe Dir doch oft genug — —" „Nein, Carl," unterbrach der Lieutenant abwehrend den Freund, „ich habe gerade genug bei Dir auf dem Kerbholz stehen. Nein, nein, gieb Dir keine Mühe, ich nehme keinen Heller mehr von Dir." „Nun, aufdrängen will ich Dir mein Geld nicht," war die ein wenig empfindlich klingende Antwort Carl Forkens, „aber wer ist denn die Glückliche, die die Ehre haben soll, Deine Schulden zu bezahlen? Kennst Du sie schon?" „Nein, das ist es ja eben, keine Ahnung! Eine entfernte Cousine, ein steinreiches Mädel. Wir haben fast nie mit der Familie verkehrt, nur unsere Väter trafen sich häufig. Na, und mein Alter hat mich dann auf den reizenden Gedanken gebracht. Sie soll übrigens ein reizendes Mädchen sein, und ich bin ja in dieser Beziehung auch nicht so schwer zufrieden zu stellen. Nur drei Bedingungen mache ich, sonst kann von Heirathen überhaupt keine Rede sein: reich, brünett, große, hübsche Erscheinung! — Nur nicht eine jener Puppen, bei denen man Gefahr läuft, ihnen durch einen gesunden Händedruck die Glieder zu verrenken, oder deren Knochen man bei einer herzhaften Umarmung knacken hört, nein —" „Um des Himmels willen, höre blos aus," unterbrach ihn lachend der Freund, „da thätest Du ja besser, Du hei- rathetest so ein Kraftweib von irgend einer Specialitätenbühne, da hättest Du Derartiges nicht zu befürchten." Nun lachten Beide herzlich. Dann fuhr Forken in ernstem Ton fort: „Aber Fritz, etwas gut sein mußt Du ihr doch auch, sonst wird es ja ein Höllenleben für Dich, so an ein Weib geschmiedet zu sein —" „Ach was, Unsinn," rief lachend Fritz Malten dazwischen, „wer läßt sich denn auch gleich mit seiner Zukünftigen zu- sammenlöthen! Ich gedenke sehr ein besonderer Theil für mich zu bleiben." „Na, laß' uns nicht darüber streiten, Fritz, hoffentlich kommt die Liebe noch bei Dir, Du kennst sie ja noch garnicht. Es wurde Dir ja sonst nicht so schwer, zu lieben, warum da nun gerade bei Deiner Frau eine Ausnahme machen!" „Du, Du!" warnte der Lieutenant mit komisch ernstem Gesichtsausdruck, „keine Anspielungen! Ich habe alle meine Schiffe hinter mir verbrannt." „Riecht auch mächtig sengerig," entgegnete hell auflacheud Carl Forken, „wird wohl ein ganzer Berg Briefe und Bilder gewesen sein. Aber da Pfeift der Zug schon, ich muß hier aussteigen, wie ist Deine Adresse?" „Schon aussteigen? Ai-, wie schade! Adressire: Herrn Linde, Rittergut Worklin." „Worklin! das ist ja herrlich, nach dort ist es ja von hier nur eine halbe Stunde mit der Bahn. Da mußt Du mich auf Deiner Rückreise besuchen. Das Gut meines Schwaqers heißt Klein-Muchow." „Oder Du, Carl, kommst nach Worklin und siehst Dir meine Zukünftige an. Na, wollen sehen, so oder so, auf Wiedersehen bestimmt, adieu!" „Adieu, adieu, Fritz!" Der Sprechende stand schon draußen. „Und laß mich bald wissen, ob blond oder braun, ob groß oder klein." 439 — „Kann garnicht erst in Frage kommen! Groß und dunkel ist sie, das liegt bei ihnen in der Familie." Noch einmal schüttelten sich die Freunde herzlich die Hände, dann setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Zwei Stunden später finden wir den Lieutenant in Worklin am Kaffeetisch wieder, ihm gegenüber Cousine Ursel. Noch immer konnte er sich nicht von dem Schrecken erholen, der ihn vorhin durchzuckt, als das junge Mädchen das Thee- brett mit Taffen in den Händen das Zimmer betreten hatte. Im ersten Augenblick war ihm überhaupt garnicht der Gedanke gekommen, daß das die Cousine sein könne. Erst die Worte des Onkels „hier ist unsere Ursel!" hatten ihn fast entsetzt auf das zierliche, blonde Geschöpf blicken lassen, das in dem leichten, hellblauen Sommerkleide mehr einer jener schlanken, bläulichen Libellen da draußen glich, als einem Menschenkinde von Fleisch und Blut. — Und als sie ihm dann mit einem herzlichen „Guten Tag, Vetter" die Hand gereicht hatte, da war ihm leise seufzend die Unterhaltung mit dem Freunde eingefallen. Ja, hier durfte man sich keinen festen Händedruck erlauben. Und zaghaft, fast ängstlich hatte er die kleine, winzige Hand für einen Augenblick in seiner breiten, kräftigen gehalten. „Nun, Fritz, wie ist es?" meinte Herr Linde nach dem Kaffee. „Reitest Du ein wenig mit mir zu Felde, oder soll Ursel Dir unseren Park und, so weit es Dich interessirt, die Ställe zeigen?" Einen Augenblick zögerte Fritz Malten mit der Antwort. Im Grunde war er stets mehr dafür, den Damen Gesellschaft zu leisten. Aber nein, nein, er wollte nichts mit einem so zerbrechlichen, blonden Geschöpf zu thun haben, gleich am ersten Tag wollte er ihr zeigen, daß sie nicht nach seinem Gelchmack sei. Nein, dieser lange, blonde Zopf! Fast mv ästhetisch! Immer hatte ihm nur der hünenhafte, dunkle Vater vorgeschwebt; daß das Kind auch nach der Mutter geartet sein könnte, die er erst heute kennen gelernt, daran hatte er keine Minute gedacht. Ja, warum hatte sie sich auch so garnicht nach dem Vater gerichtet! „Nun, Fritz?" mahnte die Stimme des Onkels, „Du bleibst wohl lieber hier? Brauchst Dich nicht zu geniren, mir einen Korb zu geben, wir können ja ein anderes Mal —" „Nein, Onkel, ich komme mit, ich reite leidenschaftlich gerne!" Und ohne noch einen einzigen Blick auf die Cousine zu werfen, folgte er dem Hausherrn. Am Abend dieses ersten Tages schrieb Fritz Malten, als er sich auf sein Zimmer zurückgezogen, an seinen Freund Forken wie folgt: „Carl! Carl! Wie kann das Schicksal einen Menschen nur so zum besten haben!! Sie ist schauerlich blond! Und eine Figur — nein Earl, eine Figur! Ich dachte wirklich, ich sollte aus den Rücken fallen. Du warst doch früher einmal mit mir in einer Glasspinnerei, weißt Du noch? Nun, eine Figur wie aus Glas gesponnen, hat sie, man mag in ihrer Gegenwart gar nicht mal an einen gesunden Händedruck denken. Das Einzige zum Ansehen an der ganzen, kleinen Person, sind zwei große, braune Augen. Und dennoch kommt man in Versuchung, sich zu ärgern, daß diese Augen nicht blau sind, richtig wasserblau. Das würde besser zu dem impertinenten Goldblond passen. Im ersten Augenblick glaubte ich, sie reiche mir lange nicht bis zur Schulter, aber als wir uns nebeneinander stellten, — auf Wunsch des Onkels! Mir ist es völlig gleichgültig, ob sie mir bis zur Degenkoppel oder bis an die Herzgegend reicht, denn in letzteres hinein wird sie doch nie und nimmer gelangen trotz Gold und Goldeswerth (diesmal meine ich nicht den Zopf!) — also, wie wir uns nebeneinander stellten, überragte ich diese Grasmücke doch nur um einen guten Kopf. Aber wozu erzähle ich Dir dies Eigentlich Alles! Höchst langweilig! Onkel und Tante sind ja sehr freundlich gegen mich, und es gefällt mir sonst ja auch wunderschön hier, aber unter diesen Umständen werde ich doch wohl schwerlich länger als ein paar Tage bleiben. — Drei Wochen? Unmöglich ! Das hieße Zeitvergeudung. Vielleicht komme ich von hier aus auf einen Tag zu Dir. ! Adieu! Nun mußt Du am Ende doch noch einmal pumpen — Deinem alten Fritz." Hätte Carl Forken ein paar Tage nach Empfang dieses Briefes einen Blick in den Workliner Park werfen können, er würde ganz erstaunt den Kopf geschüttelt haben. Da wandelten Lieutenant Fritz und Cousine Ursel in der größten Eintracht nebeneinander her und hatten es so emsig mit Reden, Zuhören und sich gegenseitig in die blauen und die braunen Augen zu schauen, daß sie all den warmen Frühlingszauber um sich herum kaum zu bemerken schienen. „Ursel, der Onkel sagte ja vorhin, Du solltest mir Deinen Lieblingsplatz zeigen. Wo ist der?" Leise auflachend entgegnete das junge Mädchen: „Nein, Vetter Fritz, den kann ich Dir nicht zeigen. Es hätte auch gar keinen Zweck, da dort nur Raum für eine Person ist. Oder die zweite müßte eben so schmal sein wie ich." //Ja, ja, Cousinchen, Du bist mächtig zierlich," wie leichtes Bedauern klang es aus seiner Stimme. „Daß Du aber auch so gar nichts von Deinem Vater hast! Ich hatte fest geglaubt, Du müßtest gerade so aussehen wie er." „Aha, Vetter, daher also am ersten Tage Dein entsetztes Gesicht, als ich in's Zimmer trat! Warte nur, ich habe es wohl bemerkt." Schelmisch drohte sie ihm mit dem Finger, fuhr dann aber gleich darauf in ernstem Tone fort: „Du sagst, ich habe nichts von Papa? Das habe ich doch. Seine Augen habe ich, das sagt Mama so oft." Und ganz erregt blickten diese Augen jetzt zum Vetter auf, als solle er sich von der Wahrheit des Gesagten überzeugen. //Ja, ja, die hast Du vom Onkel," bestätigte lächelnd Fritz Malten, aber sie passen gar nicht zu Deinem Haar. Blau müssen sie sein, ganz blau." Ursula schwieg und sah vor sich nieder, während sich in ihrem jungen Herzen ein ganz klein wenig Trauer regte. Der Vetter zeigte doch auch zu offen, daß sie ihm so gar nicht gefiel. — Aber nun hob sie schon wieder den Kopf und begann von Neuem: „In den nächsten Tagen kommt eine Freundin von mir, paß' nur auf, die wird Dir gefallen. Große, schöne Figur, ganz dunkelblaue Augen und kurzes, schwarzes, lockiges Haar." „konnerwetter! Ganz nach meinem Geschmack!" entfuhr es unwillkürlich den Lippen des Lieutenants. Aber seine Aeußerung that ihm sofort leid, als er auf die blonde, zierliche Gestalt an seiner Seite blickte. Sie mußte seine Worte ja empfinden, — und im Grunde war sie doch auch ein liebliches, kleines Menschenkind. Nur schade, schade, daß sie so gar keine Aehnllchkeit mit seinem weiblichen Ideal hatte. Aber er mußte ihr irgend etwas Gutes sagen, sie schaute ja ganz betrübt drein, und ihren langen, blonden Zopf ergreifend, meinte er freundlich: „Wie gesponnenes Gold, Cousinchen!" „Ja, wenn's nur Gold wäre, dann würde Papa am Ende erlauben, daß ich ihn abschnitte, aber —" „Um des Himmelswillen! Nicht abschneiden," unterbrach sie ganz entsetzt Fritz Malten, „das wäre ja Sünde!" „Ach was, Sünde!" Ordentlich ärgerlich klang Ursulas Stimme. Ewig muß ich mich über den Zopf ärgern, überall ist er mir im Wege! Und wenn er noch braun wäre!" erschrocken hielt sie inne, der Vetter mußte ja denken, sie habe diesen Wunsch seinetwegen. „Ursula! Ursula!" ertönte da plötzlich der Mutter Stimme vom Hause her. Froh, so der Verlegenheit zu entrinnen, wollte Ursula mit einem kurzen „Entschuldige einen Augenblick, Vetter!" dem Rufe folgen. Aber sie saß fest, der Vetter hielt sie am Zopf zurück. (Fortsetzung folgt.) 440 GeineinnrWses. Für die Kleinen. Können die schwarzen, fetten Samenkörner der Sonnenblume nicht an die Hühner verfüttert werden, so bittet Eure Eltern, daß sie Euch nach Abzug der für die nächstjährige Aussaat bestimmten Körner den Rest geben. Ihr schneidet dann die reifen Sonnenblumen an langen Stielen ab und hängt sie an einem trockenen, luftigen Orte auf. Kommt nun der strenge Winter, in dem unsere Sänger in Feld und Wald oft bittere Noth leiden, so knüpft Ihr hier und da so einen großen Teller an die Aeste der Bäume oder steckt die langen harten Stiele in den Schneehaufen. Ihr werdet hell auflachen, wenn Ihr dem drolligen Treiben zuseht, wie sich die hungrigen Vögelchen um den Leckerbissen streiten. Stolz dürft Ihr aber dann auch sein, zum Schutze der armen Vögel etwas gethan zu haben. * * • Gummi zu erweichen. Gummiringe, wie man sie au Fruchteinmachgläsern gebraucht, werden häufig hart und brüchig. Man kann sie aber weich machen, wenn man sie in Ammoniakwasser (em Theil Ammoniak auf zwei Theile Wasser) legt. Manchmal brauchen die Ringe in diesem Bade nicht länger wie 5 Minuten liegen zu bleiben. Meistens ist aber eine halbe Stunde nöthig, um ihnen ihre frühere Elasticität wieder zu geben. * * * Will man Buntstickereien waschen, so nimmt man l/i oder ’/2 Pfund mit Wasser vermischte Weizenkleie und läßt die Wäschestücke mehrere Stunden darin langsam kochen. Dann gießt man die Brühe sorgfältig durch ein Leinensäckchen, kühlt dieselbe ab und wäscht in der kalten Lauge die Stickereien. Zweimaliges Durchwaschen sowie Nachspülen in klarem Wasser ist nothwendig. * * * Kaninchenbraten. Zu den verschiedenartigen Braten sind die großen Sorten, d. h. belgische, lothringer re. Riesenkaninchen, am passendsten. Der Rücken des ausgeweideten, zerlegten und gereinigten Kaninchens wird wie beim Hasen gespickt und mit Speckscheiben belegt. Dann streut man etwas Salz darüber, legt den Braten in die heiße Pfanne, worin reichlich Butter oder Speckscheiben gelb gemacht sind, und giebt einen Löffel Senf hinzu. Sobald der Braten weich ist und dunkelgelb erscheint, welches nach einer Stunde etwa erfolgt, gießt man eine halbe Taffe saure Sahne oder saure Milch darüber und läßt ihn noch 10 Minuten braten, nimmt dann den Braten heraus und ebnet die Sauce mit etwas Kartoffelmehl. * * * Weistbrob-Pastetchen. 10 Personen. Bereitungszeit eine Stunde. — Man reibt von runden, nicht zu kleinen Weißbrödchen oder Knüttelchen die braune Rinde ab, schneidet die obere Hälfte ziemlich flach ab, entfernt die Krume der unteren größeren Theile und weicht diese ein wenig in mit Ei gequirlter Milch. Dann füllt man sie nach Belieben mit einer Farce, für die man verschiedene Bratenreste verwandte, oder mit Steinpilzen, die man mit etwas Petersilie, Eßdragon, Pimpinelle, einer kleinen geriebenen Chalotte, einer Scheibe gewiegten Schinken, einem Ei, einem halben Theelöffel Liebigs Fleisch-Extract nebst einem Glase Portwein verrührt und weich gedämpft hat. (Bei frischen Pilzen schneidet man die Köpfe und wiegt die Reste.) Die Oberfläche dieser gefüllten Semmel-Pastetchen beträufelt man mit zerlassener Krebsbutter, streut geriebene Semmel über, die man mit etwas Citronensast anfeuchten kann, und bäckt sie in einer Viertelstunde im mäßigwarmen Ofen. HrrmovrstZsehes. Aus „Lustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Abonnement 1,30 Mk. vierteljährlich. Einzelnummer 10 Pfg. — Auf Leben und Tod. Jung-Moses: //Ich sag' Euch, Tateleben, Mammeleben, gebt Ihr mir nicht 's Sarahleben, nehm' ich mir 's Leben!" Rechnung eines Delicateßwaarengeschäfts an den Lieutenant Jenachdem: Mai 1. 6 Flaschen Sect, 2 Gänseleberpasteten . 50,— Mk. „ 5. Eine Torte an Frl. Isolde Springer, Tänzerin.........10,— „ „10. 1 Kalbsbraten, 3 Flaschen Bordeaux . 15,— „ 17. 2 Salamiwürste, 1 Flasche Mosel . . 4,— „ „ 23. Eine Torte an Frl. Bumke, Nähterin . 3,— „ „ 27. 1 Leberwurst, 3 Flaschen Bier . . . 1,— „ „ 31. 2 Matjesheringe, 1 Flasche Bier . . 0,50 „ 83,50 Mk. Chef (zu einem Vater, der seinen Sohn in die Lehre geben will): „Hat Ihr Sohn auch Sprachkenntnisse?" — Vater: „Nu gennß, er verstaiht vier Sprachen!" — Chef: „Io, welche denn?" — Vater: „Daitsch, jüdisch, jüdisch- daitsch und — dailsch-jüdisch!" * * * Die neue Mode. Junge Frau: „Denke Dir nur, Heinrich, mein neuer Hut ist mir heute weggeweht worden und von einem Omnibusse und zwei Droschken überfahren worden." — Gatte: „Dann willst Du wohl wieder einen neuen Hut haben?" — Junge Frau: „Nein, denke Dir, ich brachte ihn zur Putzmacherin und durch das Ueberfahren hat der Hut eine neue, ganz reizende Form bekommen." * * * Deutlicher Wink. Unteroffizier (zum Rekruten, der einen eben erhaltenen Schinken und Würste auspackt): „Nanu, Mudicke, woher wissen denn Ihre Eltern auf einmal, daß heute mein Geburtstag ist?" * * * Im Geschäftseifer. Sie: „Hast De gelesen, Moritz, der Baron Goldstein hat gegeben hundert Mark für Ob dachlose?" — Er: „Wie haißt hundert Mark! Hab' ich gestern erst gegeben fünftausend Mark für Terkenlose!" * * * Der Grund. Wirthin: „Was ist denn eigentlich der Grund, daß Sie von mir sortziehen wollen?" — Chambregarnist : „Den Grund will ich Ihnen gern nennen, das ist der Kaffecgrund, den Sie mir immer als Kaffee vorsetzen." Literarisches Eine neue Bewegung im Frauenleben beginnt jedesmal, wenn die Herbstmoden, wie jetzt eben wieder, zur Herrschaft gelangen, und die Frage: „Was ist kleidsam? Was ist chic?" führt meist zu langen und erregten Debatten. Eine allein zutreffende Antwort darauf giebt das in Modesachen tonangebende Weltmodenblatt „Große Moden- welt" mit bunter Fächervignette, Verlag von John Henry Schwerin, Berlins. 35, welches nicht nur Pariser, sondern auch Berliner, Wiener und Londoner Moden mit geschmackvoller Auswahl in herrlichen Moden- Genrebildern zur Darstellung bringt. In der That giebt es kaum ein anderes Modenblatt der Welt, welches wie „Große Modenwelt" mit bunter Fächervignette für nur 1 Mk. vierteljährlich eine solche Fülle an Text und Bildern bietet und zwar von Moden, Belletristik (mit vornehmen Bildern, auch humoristischen), Schnittmusterbogen (doppelseitig, zu jeder 14tägigen Nummer), mehrfigürlichen Stahlstich-Colorits, Muster- srisuren, großen Extra-Handarbeiten-Beilagen, Hausfrauen-Zeitung re. re. Die „Große Modenwelt" mit bunter Fächervignette — man achte genau auf den Titel — erscheint in ea. 200,000 Auflage und in mehreren Sprachen, und nehmen Abonnements alle Buchhandlungen und Postanstalten entgegen. Gratis-Probenummern bei ersteren und durch den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35. Redaetion: SL Scheyda. Drück und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.