tgert ?" :n Kin- gt mit :n ein- lücklich st das sie mir : nicht igt sie, Leute den die nimmt, h geht folgt, s Verhüben, frieden ' //die ? Soll Spreu mein ■ Rück- ühlen! Glück. ''WvKäi Mai IW g von 1,30, it uns //9°/ entlich Zdee!" then!" Post- ie sich Kost- 'g ge- ja so schuld, ie sie >n ihr /Dann einen >as ist acht!" t mich t doch chönes sauer, :r am Ziesel- Aber Acht >rt, sei । einen :n auf inglön-- gehul- .eman- ) wird rechen- icht zu Roben« stümen >ie für opf ohne Herz macht böses Blut; Herz ohne Kopf thut auch nicht gut; Wo Glück und Segen soll gedeihen, Muß Kopf und Herz beisammen sein. Der Mensch hat nichts so eigen, So wohl steht ihm nichts an, Als daß er Treu' erzeigen Und Freundschaft halten kann. Simon Dach. Das Kind der Tänzerin. Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann. (Fortsetzung.) Meine Kühnheit hatte meine Mutter völlig überwältigt) sie versuchte keine Rechtfertigung, sondern brach in Thränen aus. „Die Harmony-Alley klebt Dir noch stark an, Ethel," schluchzte sie. „Ich wünsche eine passende Partie für Dich zu Stande zu bringen und würde dies erfolgreich durchgeführt haben, wenn Du meine Absichten nicht durchkreuzt hättest. Jetzt aber will ich nichts mehr von der Sache wissen. Nur noch Eines!" fuhr sie fort, indem sie ihre Thränen trocknete. „Wann wirst Du mir die Verwaltung Deines Vermögens übertragen? Ich will Antwort auf diese Frage, denn ich bin des langen Wartens müde. Ueberlaß mir die Verwaltung Deines Erbes auf der Stelle!" „Das kann und werde ich nicht," antwortete ich. „W e?!" schrie sie zornig. „Du wagst es, mich so ohne Weiteres bei Seite zu schieben, Elende?" „Ich werde die Controle über mein Vermögen in meinen eigenen Händen behalten," entgegnete ich kalt) „ich bedarf Deiner Hülfe nicht, und damit genug!" „Undankbare Creatur!" versetzte sie mit einem haßerfüllten Blick. „Dann will ich auch nicht länger mit Dir unter einem Dache wohnen! Konnte ich übrigens Besseres von einem Kinde erwarten, das in der Harmony-Alley heranwuchs? Du bist Robert Greylocks echte Tochter) Du hast ganz sein halsstarriges Temperament. Wie ich höre, ist es Deine Absicht, Nan einen Th eil Deines Geldes zu geben, für den Fall, daß Du sie finden solltest. Ich hoffe, Du wirst sie nie, nie finden. Ich wußte, sobald ich Dich sah, daß mit Dir nicht auszukommen sein würde. Nun, Du mußt mir ja doch ein hübsches Jahrgeld aussetzen, ich will mich nach dem schönen Paris begeben und dort den Rest meiner Tage in Frieden verleben. Es wäre mir unerträglich, länger unter einem Dache mit Dir zu verweilen." Gegen diesen Vorschlag hatte ich keine Einwendungen zu erheben. Die Sache wurde ohne Zögern arrangirt. Gerade eine Woche darauf nahmen wir einen kalten Abschied bon einander und trennten uns, um nie wieder zusammenzukommen. Mittlerweile war in keinem Theater, in keinem Ballet des gan;en Landes eine Spur von Nau zu entdecken. Großmutter Serag wurde von der Harmony-Alley nach einer anständigen Behausung geschafft und der Pflege ehrlicher und freundlicher Leute übergeben. Es war meine Absicht, fie für den Rest ihres Lebens mit allem Eomfort zu umgeben) allein der plötzliche Uebergang von Hunger und Entbehrung zu Ueberfluß war mehr als die Alte zu ertragen vermochte.^ Einen Monat nach ihrer Uebersiedelung von der Doclor Vaudine schrieb mir einen Gratulationsbrief — ein sehr höfliches und förmliches Schreiben, das auf mich den Eindruck eines letzten Lebewohls machte. Ich war in einen anderen Kreis versetzt worden, in dem ich seines Mitleids und seiner Güte nicht mehr bedurfte. Von der „Katzen - Herberge" gingen mir keine weiteren Nachrichten mehr zu) eines Tages jedoch, als ich an Tante Pamelas Seile durch die engen Straßen von Blackport fuhr, flog des Doctors Einspänner an unserer Equipage vorbei. Nur einen Moment begegneten sich unsere Blicke. Ich saß, tief in Trauer gekleidet und in schweren Pelz gehüllt, neben Tante Pamela und bot ohne Z-veifel seinen Augen einen merkwürdigen Anblick dar, als ich mich ceremoniös verneigte. Er nahm ebenso ceremoniös den Hut ab. Ein Gefühl des Stolzes — das erste, das ich in meinem neuen Leben empfunden hatte — durchzuckte mich, um im nächsten Augenblick der Wehmuth und dem Schmerze zu weichen. „Du bist so bleich, mein Kind," sagte Tante Pamela besorgt. „Du zitterst) fühlst Du Dich etwa unwohl?" „Es ist die Kälte," stammelre ich, indem ich mich dichter in meinen Pelz hüllte. 31. Capitel. Die Fabrikarbeiterin. Die Monate kamen und schwanden dahin. Ein trüber Herbstabend dämmerte über die geschäftige Stadt Millbridge herein. Die Arbeitsstunden in den großen Wollfabriken waren vorüber, Eine Glocke ertönte, und die Arbeiten 886 — strömten einer Heerde Schafe gleich in die Straß . hinaus. Die ärmliche Kleidung dieser müden Männer und Frauen war mit weißen Wollflocken überschneit, und die Blässe ihrer Gesichter verkündete deutlich, wie unbarmherzig der beständige Aufenthalt in den schwülen Spinnereien ihre Gesundheit untergrub. Einige der Mädchen lachten und plauderten miteinander, neckten die jungen Männer und tauschten Scherze, die nicht immer zarter Natur waren, mit denselben au§; doch unter ihnen war eine, die weder rechts noch links blickte, weder lachte noch scherzte. Obgleich auch eine Arbeiterin, nahm sie doch keinen Antheil an der Heiterkeit ihrer Genossinnen, welche sie an Schönheit weit übertraf. Selbst ihr schäbiges Cattunkleid, ihr alter grauer Shawl und ihr dünner Schleier dienten nur dazu, die reinen Linien ihres Antlitzes und das edle Ebenmaß ihrer Gestalt um so mehr hervorzuheben, je greller sie gegen dieselben abstachen. Ihr grober Strohhut bedeckte eine Fülle von goldenem Haar- durch den verschlossenen Schleier schimmerte eine Haut wie Alabaster und zwei große veilchenblaue Augen voll unaussprechlichem Weh. Wenige Personen in Millbridge begegneten je diesem Mädchen, ohne stehen zu bleiben und ihr nachzublicken. „Sie sind wohl müde, Miß Smith?" sagte eine andere Arbeiterin mit hagerem Gesicht und tiefliegenden Augen, die neben der soeben Beschriebenen einherschritt. „Ja — ein wenig, Lizzie," antwortete die Angeredete. „Gott weiß, es ist ein hartes Leben," seufzte Lizzie mit einem Husten, der ihre dünnen Lungen zu zerreißen schien. „Ich habe den ganzen Tag Blut gespuckt. Ich werde es wohl nicht mehr lange anshalten. Oh!" suhr sie mit einem plötzlichen Anflug von kindlich r Lebhaftigkeit fort, „wissen Sie schon, Miß Smith, daß ein neuer Musiklehrer nach Millbridge gekommen ist? Etliche von den Mädchen haben sich ein wenig Geld erspart- sie wollen zu- sammenschießcn und eine Piano miethen, um in den Abendstunden Unterricht zu nehmen. Ist das nicht prächtig? Wie gern möchte ich mich daran betheiligen! Allein Sie sehen, daß es mir bei meiner Krankheit nicht möglich ist, etwas zu erübrigen- Alles was ich verdiene, reicht knapp hin, um die ewigen Arzneien zu bestreiten." „Arme Lizzie!" sagte Miß Smith mit sanfter Stimme. Das Mädchen bog in eine andere Straße ein. Keine der übrigen Arbeiterinnen sprach mit Miß Smith- sie war bei denselben nicht beliebt. Schon seit zwei Jahren arbeitete sie in einer ter Fabriken und hielt sich mit einer großen Anzahl Manns- und Frauenspersonen in dem großen Kosthaus am Flusse auf, und dennoch war sie immer eine Fremde in Millbridge. Niemand wußte etwas über ihre Vergangenheit- Niemand konnte sich der geringsten Vertrautheit mit ihr rühmen. Sie war artig und höflich gegen Jedermann, wußte aber ihre Mitarbeiterinnen in respectvoller Distanz zu halten. Miß Smith eilte an diesem Abend nicht, wie sonst, nach ihrem Kosthaus zurück, sondern bog mechanisch von der geräuschvollen Straße in einen einsamen Fußpfad ein, der längs des Flusses hinlief. Sobald sie sich von Niemanden mehr beachtet sah, warf sie sich plötzlich in das verdorrte Gras am Ufer, riß Hut und Schleier ab und schob wie eine dem Ersticken nahe Person ihren alten Shawl von den Schultern zurück. „Oh, ihr Götter, warum haltet ihr uns den Kelch der Freuden an die Lippen, nur um uns denselben zu entreißen, ehe wir ihn berührten?" murmelte sie leise vor sich hin. Die Sonne war bereits untergegangen und graue Dämmerung lagerte über dem Fluß und der Stadt. Ein Boot fuhr mit leisem Ruderschlage auf dem Wasser hin. Miß Smith bemerkte dasselbe nicht- sie saß nachdenklich in dem dürren Gras und pflückte ze> streut Halm um Halm aus der Erde. Was war es, das sie endlich aus ihren Träumereien weckte? Das Boot kam zurück und ruderte stromabwärts den Fabriken zu. Durch die abendliche Stille drangen die Worte: „Ich muß morgen gehen, Denham." Es war nur diese nichtssagende Bemerkung, welche sie vernahm, und der Name Denhams, welcher einer der reichsten Fabrikbesitzer der Stadt war, inleressirte sie durchaus nicht. Dennoch sprang sie, wie von einer Natter gebissen, auf. Ihr Gesicht wurde aschfahl- eine Empfindung des Erstickens schnürte ihr die Kehle zusammen. Das Boot fuhr weiter und verschwand hinter einem Weidengebüsch. Welchen merkwürdigen Streich hatte ihre Einbildungskraft ihr gespielt? Welche krankhafte Erregung hatte sich ihrer Sinne bemächtigt? Während sie noch athemlos und wie versteinert dastand, erschien plötzlich ein Mann mit einer Rolle Noten unter dem Arm auf dem Pfade, schritt an Miß Smith vorüber und blickte über die Schultern nach ihr zurück, blieb wie vom Blitze gerührt stehen, stieß einen lauten Schrei aus und stand im nächsten Augenblick keuchend vor ihr, indem er rief: „Mein Gott, Ethel Greylock!" Sie wandte sich rasch um und blickte den Mann an- sie war todtenblaß geworden. „Fürchten Sie sich nicht vor mir!" stammelte der neue Musiklehrer von Millbridge, indem er einen Schritt zurücktrat. „Ich fürchte mich nicht," antwortete sie kalt. „Gott sei Dank!" rief er. „Bei unserer letzten Begegnung war ich wahnsinnig, jetzt aber bin ich im vollen Besitz meiner Sinne. Wie aber kommen Sie hierher, und in dieser Verkleidung?" fügte er hinzu, indem er auf ihr schäbiges Cattunkleid deutete. Sie setzte hastig ihren Hut wieder auf und zog den alten Shawl um ihre Schultern. Es ist keine Verkleidung," antwortete sie. „Ich bin eine Arbeiterin in einer der hiesigen Fabriken und verdiene mir mein Brod dadurch. Mein Name ist nicht Ethel Greylock, sondern einfach Miß Smith." So standen sie einander denn wiederum gegenüber — Arthur Kenyon und das Mädchen, das er einst zu ermorden gesucht hatte. Kenyon sah alt, abgehärmt und heruntergekommen aus. Seine Augen waren blutunterlaufen und seine üppigen Locken bereits stark mit Grau vermischt. „Ich habe von Ihrem Mißgeschick gehört," sagte er mit einem Anflug von Schauder. „Die Sache gelangte in die Zeitungen, für die dergleichen Dinge stets Leckerbissen sind. Mich überraschte die Geschichte nicht sehr, denn ich hatte wohl gewußt, daß Sie nicht Iris Greylocks Tochter sein konnten. Ich war einst der Gatte jener Frau, und wenn sie Ihre wirkliche Mutter gewesen wäre, so hätte ich mich Ihnen, weiß Gott, nie als Anbeter genähert. Sie haben Ihnen die Thür gewiesen — die ganze ehrenwerthe Sippe, mit dem Baronet an der Spitze. Pfui! Eine solche Liebe war des Besitzes nicht Werth, Ethel!" „Ich muß es ablehnen, mich mit Ihnen über mich selbst oder meine früheren Freunde zu unterhalten^" antwortete Miß Smith mit einer stolzen Miene, die ihn an die Tage ihres Glückes und Glanzes erinnerte. „Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß Ihr Anblick mtr in der Seele zuwider ist." Er fühlte sich getroffen. „Sie sind hart," erwiderte er vorwurfsvoll. „Ich verdiene mir jetzt meinen Unterhalt als Musiklehrer. Ich kam vor einigen Tagen nach Millbridge und hatte keine Ahnung, Sie hier zu treffen. Ach, Sie haben mir das feige Attentat, das ich vor zwei Jahren gegen Sie beging, noch nicht vergeben!" Er streckte die Rechte aus, indem er leidenschaftlich fortfuhr: „Dies tft die Hand, die ich damals gegen Sie erhob - ich hätte verdient, daß sie für immer gelähmt worden wäre. Bedenken Sie indessen, daß ich Sie verloren hatte - ein Unglück, das jedem Manne den Verstand rauben konnte. Ich liebte Sie mehr als mein eigenes Leben, und ich war toll — das j meine einzige Entschuldigung. Sicherlich sollten Sie mir vergeben, Ethel, ob auch die ganze Welt mich verdamm e. 387 „Ich verzeihe Ihnen," versetzte sie kalt und streng, „allein Ethel Greylock existirt nicht mehr, und Miß Smith kennt Sie nicht — kann und will Sie nicht kennen." „Das ist eine matte Vergebung," sagte er mit traurigem Lächeln. „Es ist Alles, was ich Ihnen bieten kann." Er trat einen Schritt zurück. „Sie sind erbarmungslos, Ethel. Was soll ich, was kann ich thun, um Ihnen meine Reue zu beweisen und Ihre volle Verzeihung zu gewinnen?" „Verlassen Sie mich und kehren Sie nie wieder zurück! Wagen Sie es nie wieder, sich mir zu nähern! Es lebt keine Person auf Erden, deren Anblick mir so verhaßt ist wie der Ihrige." Er ließ den Kopf hängen. „Sie haben zu befehlen, und mir ziemt es, zu gehorchen," sagte er mit erstickter Stimme, indem er sich umwandte und auf die Stadt zuschritt, ohne auch nur einmal zurückzublicken. Miß Smith verweilte noch eine Zeit lang am Flusse, um nicht auf's Neue mit diesem dunklen Geist aus ihrer Vergangenheit zusammenzutreffen. Als sie keine Gefahr mehr zu befürchten hatte, trat sie den Weg nach ihrem Kosthause an. Der Mond war noch nicht aufgegangen, und die Sterne blickten nur matt am Abendhimmcl. Der schmale Fußpfad war jetzt sehr dunkel und einsam. Nur die Heimchen zirpten im Grase, und die Wellen des Flusses brachen sich mit sanftem Gemurmel am Ufer. Unwillkürlich beschleunigte Miß Smith ihre Schritte. Sie hatte die Hauptstraße beinahe erreicht, als zwei Gestalten langsam von der Fabrik her geschlendert kamen. Es war unmöglich, die Gesichter derselben in der Dunkelheit zu erkennen, allein die rothe Gluth brennender Cigarren verrieth, daß es Männer waren. Als die Beiden auf dem dunklen Pfade an Miß Smith vorüberschritten, traf es sich, daß einer von ihnen sie etwas unsanft berührte. „Um Vergebung!?" sagte er höflich und verschwand dann mit seinem Gefährten in der Dunkelheit. Es war dieselbe Stimme, die sie am Flusse vernommen hatte. Von einem plötzlichen Schrecken überwältigt, lief sie aus Leibeskräften nach dem Kosthause zurück. Das Abend- brod war bereits vorüber, und die übrigen Kostgänger hatten den Tisch verlassen. Sie trank eine Tasse kalten Thee, aß einige Bissen Butterbrod und flog dann nach ihrem eigenen Zimmer hinauf, einer Dachstube, die zum Glück so klein war, daß sie nur für eine einzige Person Raum hatte. Sie zitterte an allen Gliedern, und ihre Augen hatten den Ausdruck eines gehetzten Rehes. Hastig schloß sie die Thür hinter sich zu. Sie mußte gehen, mußte mit dem ersten Morgenzuge Millbridge verlassen — den Platz, an dem sie vor zwei Jahren Arbeit und Obdach gefunden hatte. Wiederum mußte sie in die weite Welt fliehen. Sie öffnete eine Schublade in ihrer Commode. Dort lag das Geld, das sie sich von ihrer Fabrikarbeit erspart hatte) es war nicht viel, doch immerhin genug, um damit nach einem Orte zu reisen und sich dort zu ernähren, bis sich wieder Gelegenheit zur Arbeit bot. Mechanisch machte sie sich daran, ihre Sachen zusammenzupacken. Während sie damit beschäftigt war, vernahm sie in der Stube, die direct unter der ihrigen lag, schallendes Gelächter, hin und wieder von hohlem Husten unterbrochen. Die Fabrikmädchen hatten sich in dem Zimmer der armen Lizzie zu einer Abendunterhaltung versammelt. Sie pflegten dies oft zu thun, doch nie hatte ihr Frohsinn Miß Smiths Ohren so unangenehm berührt wie an diesem Abend. Als dieselbe ihre Vorbereitungen beendigt hatte, löschte sie die Lampe aus, und warf sich angekleidet auf ihr Bett, da sie mit Tagesanbruch abreisen wollte. (Fortsetzung folgt.) Hygienische Winke für alle Brillenbedürftige. Von Dr. Otto Gotthilf. -----— (Nachdruck verboten.) Brillen haben einzig und allein den Zweck, dasjenige zu ersetzen, was dem Auge fehlt. Sie bilden keine eigentlichen Heilmittel, sondern nur allerdings sehr wichtige Hilfsmittel, sie sind gleichsam die Krücken des Auges; denn wie diese die erkrankten Gliedmaßen zum Gehen und Stehen befähigen, so die Brillen das nicht normale Auge zum richtigen Sehen. Da nun aber das Erkennen der verschiedenen Fehler und Erkrankungen des Auges unbedingt große wissenschaftliche Kenntnisse voraussetzt, so erheischt auch die Wahl der für jeden einzelnen Fall paffenden Gläser bedeutende Erfahrung und Sorgfalt. Deshalb sollte ein Brillenbedürftiger nie allein oder nur mit Hilfe des Optikers die Art und Nummer der Gläser sich aussuchen, sondern stets erst einen Arzt zu Rathe ziehen. Brillen müssen eben, wenn sie den Augen wirklich zum Vortheil gereichen sollen, wie Arzneien verschrieben werden. Unzählige Jirthümer, welche sehr oft die Schwächung des Sehvermögens und den gänzlichen Verlust desselben nach sich ziehen, würden dadurch sicher vermieden. Schon durch das lange, ungeregelte Suchen und Probieren beim Optiker werden die Augen in hohem Maße angestrengt. Die Größe der Pupille ändert sich je nach dem Glase,- das Auge muß sich jedem anpassen und es geschieht dann häufig, daß man sich zuletzt nach langem Suchen zu einer Brille entschließt, welche den ermüdeten Augen für den Augenblick zuträglich scheint, die sich aber später, nachdem das Auge ausgeruht, als unzweckmäßig und höchst schädlich erweist. Die Gläser selbst dürfen natürlich, worauf man beim Einkauf wohl achten möge, keine Riffe, Luftblasen, Sprünge und dergleichen haben, da die geringste Unvollkommenheit dieser Art nicht nur den Zweck der Brille vereiteln, sondern auch das Auge wirklicher Gefahr aussetzen würde. Solche Fehler bemerkt man am leichtesten dadurch, daß man das Brillenglas einem Kerzenlicht gegenüber stellt und es in einer Entfernung, welche die ganze Fläche des Glases gleichmäßig erleuchtet, vor dem Auge hin und her bewegt. Auch Schmutzflecke beeinträchtigen die Deutlichkeit der wahrgenommenen Bilder ganz bedeutend, da das auf sie wirkende zerstreute Licht trübe Spectra erzeugt, die sich über die Bilder lagern. Die Brillen sollen deshalb während des Nichtgebrauches immer in passenden Futteralen verwahrt werden. Zu ihrer Reinigung empfiehlt sich feines Linnenzeug. Rohleder hat zwar den Vorzug der Weichheit, doch wird es bei längerem Gebrauch leicht fettig und erfüllt dann nicht mehr seinen Zweck. Als Material für die Brillenfaffung dient am besten mattpolirtes Metall, aber nicht das blendende Gold. Horn und Schildpatt sind zwar leichter, werfen sich aber gern und verändern so die Stellung der Gläser zum Auge. Und gerade diese ist von großer Bedeutung. Die Fassung muß nämlich die Gläser in der Weise fixiren, daß der Mittelpunkt jedes Glases genau dem Mittelpunkt der Hornhaut jedes Auges entspricht. Daher muß das Gestell die Gläser vor den Augen so befestigen, daß, wenn der Kranke gerade vor sich schaut, die Sehoxen seiner beiden Augen genau durch die Mittelpunkte beider Gläser gehen. Steht ein Glas zu hoch (zunächst dem Augenbrauenbogen) und das andere zu tief (zunächst der Wange), so sieht man zunächst doppelt,- nach einiger Zeit suchen sich allerdings die Augen durch gewaltsame Zusammenziehung der betreffenden Muskeln dem widernatürlichen Zustand anzupassen, aber diese mächtige Spannung gereicht den Augen zum Nachtheil. Ferner sollen die Gestelle auch der Gesichtsbildung der Brillenbedürftigen entsprechen. Die Biegung und Gestalt des Nasenbügels muß je nach der Nasenform verschieden sein,- für die niedrigen Nasenrücken sind mehr geradli ige Bügel nöthig, für die hohen mehr nach oben gewölbte, und noch andere für die Nasen ä la Bourbon. Auch müssen im Gestell die Mittelpunkte beider Gläser genau dieselbe Entfernung von einander haben wie die Mittelpunkte der Augen. Welche üble Folgen die - 588 - Vernachlässigung dieser Regel haben kann, schildert Professor Szokalski Wien an folgendem Fall. „Vor Kurzem," sagt er, „behandelte ich einen jungen Studenten, der über heftigen Schwindel, Kopf- und Augenschmerzen klagte, so oft er sich seiner Brille bediente, was mich um so mehr wunderte, da ich ihm selber die Gläser ausgewählt hatte und ganz bestimmt wußte, daß sie vollkommen seiner Sehweite ange messen waren. Nach einer genauen Untersuchung seiner Brille zeigte sich bald, daß die Gläser zu weit voneinander standen- als ich sie zweckmäßiger einsetzen ließ, hörten alle Beschwerden augenblicklich auf." Namentlich beim Kneifer findet sich dieser Fehler am häufigsten, da sich die Entfernung der Gläser von eiander stets ändert, je nachdem man ihn nur oberflächlich auf die Nase setzt oder tiefer herunterdrückt. Dazu kommt noch das häufige Schiefstehen der Kneifer, wodurch leicht ein besonderer Augenfehler, Astigmatismus, erzeugt wird. Die Kurzsichtigen, welche schon in früher Jugend bei Weitem die Mehrzahl aller Augenleidenden bilden, dürfen namentlich nie ohne vorherige ärztliche Untersuchung sich fine Brille anschaffen, weil durch falsch gewählte Gläser ihre Kürzst btigkeit schnell schlimmer wird. Sind die Gläser zu schwach, dann genießen die Patienten nicht den ganzen Vortheil, welchen eine dem Zweck entsprechende Brille ihnen bieten soll, und das schädliche, ermüdende Bestreben, durch Kneifen der Augenlider oder Verengerung der Augenlidspalte besser zu sehen, bleibt wie vorher bestehen,- auch übt das Auge sich leichter in genauer Wahrnehmung und Beurtheilung, wenn die Netzhaut fortwährend klare, scharfe Bilder empfängt. Sind die Gläser zu stark, dann ist der Nachtheil noch viel größer. Durch die übermäßige Anspannung der Augenmuskeln entsteht zunächst heftiger Krampf derselben und später schnell zunehmende Kurzsichtigkeit. Oft ist es überhaupt nicht gleich nöthig, daß Kurzsichtige Brillen tragen. Denn ist das Leiden erst im Entstehen begriffen, so kann cs häufig durch Vermeiden jeglicher Anstrengung des Auges und durch längere Ruhe wieder ganz beseitigt werden. In anderen Fällen wiederum genügt es vollkommen, nur beim Lesen, Schreiben, Arbeiten die Brille zu benutzen, sonst aber die Augen in ihrem natürlichen, ruhenden Zustand zu belassen. Alles dies kann eben nur der Arzt richtig vorschreiben, wie er es bei anderen Krankheiten z. B. mit der Diät thut. Die Augenhhgiene für weitsichttge Brillenträger ist ungefähr die gleiche wie die geschilderte für kurzsichtige. Diese sind besonders vor Lorgnetten und Nasenzwickern zu warnen, denn beim Lesen, Schreiben und dergleichen ist eine regelrechte und stets gleichmäßige S-ellung der Gläser vor den Augen von viel wirksamerem Einfluß, als wenn Kurzsichtige entfernte Gegenstände betrachten. Für diese Patienten ist es aber nicht genug, passende Brillen zu wählen, sondern sie müssen sie auch von Zeit zu Zeit nach den Bedürfnissen des Auges verändern, wenn die Weitsichtigkeit zunimmt, was in vorgerücktem Alter meist geschieht. Die Gläser dürfen dann nur sehr langsam verstärkt werden, weil sonst bald alle Nummern erschöpft sind und eine große Ueberreizung der Augen stattfindet, welche sehr oft mit Erblindung endigt. Beim Augenarzt finden sich fall täglich weitsichtige Personen ein, deren Augen durch den anhaltenden Gebrauch zu scharfer Brillen angegriffen sind. Im Beginn der Krankheit genügt dann meist zu deren Beseitiguitg Ruhe, längeres Ablegen jeder Brille und Umschläge mit kaltem Wasser auf Stirn und Augen. Bedient man sich aber weiter der unzweckmäßigen Brillen, so tritt in der Regel auch bei nur seltener Benutzung fast vollständige Erblindung ein. Dies ist wohl auch die Ursache, weshalb ältere Landleute verhältnißmäßig oft ganz oder saft ganz erblinden. Mau weiß, mit welcher Sorglosigkeit diese in der Auswahl ihrer Brillen zu Werke gehen und daß, wenn sie im späteren Alter weitsichtig werden, sie sich derjenigen Gläser bedienen, die sie als Erbschaft von ihren Großeltern erhielten. Die Grundregel für alle Brilleneandidaten lautet also: Zunächst den Arzt zu Rathe ziehen! Gut gewählte Brillen wirken auf das Auge Vortheilhaft, indem sie dasselbe aus sein normales Verhältniß zurückführen, unpassende und schlecht gewählte dagegen sind für dasselbe höchst nachtheilig und schädlich, indem sie das liebel verschlimmern und meist noch ein bleibendes Augenleiden herbefführen. Es ist eine traurige Erscheinung der heutigen Welt, daß durch Erziehung, Gewohnheit und durch den lächerlichen Geist der Nachahmung mehr als ein Zehntel der Bewohner unserer großen Städte bewogen wird, sich der Brillen zu bedienen und was noch schlimmer ist, es scheint, daß diese Zahl sich immer noch vermehrt, besonders unter der Jngend. Professor Dr. Hermann Cohn fand in Breslau unter den 10,060 Schülern 1007 Kurzsichtige, von denen 107, also zehn Procent, Brillen trugen; aber nur acht Brillen waren von Aerzten verordnet, die übrigen 99 von den Schülern nach Gutdünken gekauft. Zwei hatten sich sogar schärfere Brillen, als ihnen verordnet, angeschafft. Etliche wieder halten sich aus reiner Eitelkeit Lorgnons gekauft; noch andere nahmen schärfere Gläser als sie brauchten, weil ihre Mitschüler, die höhere Grade von Kurzsichtigkeit besaßen, sie wegen der schwachen Gläser verhöhnten. Das sind doch wahrlich traurige und beschämende Verhältnisse! Traurig für die ihre Augen muthwillig ruinirenben Schüler, beschämend für die achtlosen Eltern. Aber auch die Schulbehörden sollten anordnen, daß kein Schüler ohne ärztliche Anweisung eine Brille tragen dürfe. Das Augenlicht ist doch ein zu kostbares Gut, als daß man damit seinen kindischen Scherz treiben oder seine Eitelkeit damit befriedigen sollte. Schiller nennt es eine „edle Himmelsgabe" und der Altmeister der Augenheilkunde, Albrecht von Gräfe, sagt: „Das Auge ist das Organ, welches für die Nahrung unseres Geistes, für die Begründung unserer Weltanschauung und für die Beziehungen der Menschen unter sich einen Einfluß übt, über dessen Umfang sich der in ungeschmälertem Besitz Stehende kaum volle Rechenschaft zu geben vermag. Redner haben das Auge gepriesen, Dichter haben es besungen, aber der volle Werth desselben ist versenkt in das stumme Sehnen Derer, die es einst besessen und dann verloren haben." G-inernnützigcs. Das Bitterwerden der Gurken ist eine Unart, die gerade den feinsten und wohlschmeckendsten Gurkensorten am leichtesten anhaftet. Noch kennt man den Grund des Bitterwerdens nicht. Höchst interessant ist, was der unermüdliche Vorkämpfer auf allen Gebieten praetischen Gartenbaues, Freiherr v. Schilling in Friedrichshafen am Bodensee, in der neuesten Nummer des „Praetischen Rathgebers" über die „Bitterniß" sagt. Vor Allem theilt er am Schluß mit, wie es ihm zu seinem eigenen Erstaunen gelungen ist, aus zwei ihm übersandten total bitteren Prachtgurken der Treibsorte „Delicateß-Sechswochen" den Bitterstoff auszuziehen, nachdem er gefunden, daß dieser Bitterstoff nicht im eigentlichen Zellkörper des Gurkenfleisches, sondern nur im Safte sitzt. Gurkenzüchter und Hausfrauen, denen bittere Gurken schon Kopfzerbrechen gemacht haben, mögen sich die Nummer des „Praetischen Rathgebers" kommen lassen, sie wird gern umsonst verschickt von dem Geschäftsamt in Frankfurt a. O. * ♦ * Tomatpn-Omelettcn. Vier reife Tomaten taucht man schnell in heißes Wasser, zieht ihnen das Häutchen ab und streicht sie durch ein Sieb. An das Püree giebt man drei Kochlöffel Mehl, drei ganze Eftr und eine halbe Obertasse süße Milch, rührt es mit dem nöthigen Salz an und bäckt von dem Teige Omeletten in beliebiger Stärke. Redactisn; ®, Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bietzen-