Donnerstag ben 21. Januar. C-AS 3 A, 1 H 1'10,11® lü MW 8« i i der Jugend schläft, läuft im Alter. Rätoromanisch. Aus der Lebenspraxis rmuth weist man von der Thüre, escheidenheit läßt man vor ihr warten, Schönheit öffnet man sie, ;m Reichthum springt sie auf, Die Macht erbricht sie. O. ®. W. Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) Nun sah er's, Busemus war es, der Alte aus dem Giebelstübchen, der zu ihm getreten war. Der beugte sich über ihn, flüsterte ihm Worte zu, deren Sinn er nicht verstand, aber deren Ton ihm unendlich wohlthat, legte seine kühle Hand ihm auf die brennende Stirn und unter dieser zarten, besänftigenden Berührung schlossen sich seine Augen, und er schlief ein. Aber nur für kurze Zeit fand er die Ruhe; dann tauchten wirre Bilder wieder vor ihm auf, und zuletzt gellte ein furchtbarer Schrei zu ihm her: „Meineid, Meineid im fürchterlichsten Grad!" Die Worte des verzweifelnden, von Geistern gemarterten Königs Richard ließen ihn jäh emporfahren mit bebenden Gliedern. Aber Niemand außer ihm war im Zimmer, zu dem die erste, graue, winterliche Dämmerung sich hereinstahl. Er selbst mußte es gewesen sein, der so furchtbar aufgeschrieen hatte im lastenden Schlaf; er wälzte sich zitternd, in Schweiß gebadet auf dem zerwühlten Lager, gleich dem der ewigen Gerechtigkeit preisgegebenen, zum Untergange verdammten königlichen Verbrecher. Dann stand er auf, kleidete sich mühsam an und ging in sein Bureau, wo er den heute wenig zeitraubenden Dienst rasch und mechanisch erledigte. Nach Hause zurückgekehrt, se^te er sich auf einen Stuhl am Fenster, wo er lange Zeit blieb und hinausstarrte in das feine Schneetreiben, das noch immer andauerte. Endlich rang der Entschluß aus der grübelnden Seele sich los: er wollte mit Frau Ina sprechen, wollte von ihr selbst die Bestätigung dessen hören, was ihm das eben erst geschenkte Glück mit einem Male so jäh zerstört hatte. Das war gewesen, als er mit Martha zusammentraf, und der Anblick ihres frohen, leuchtenden Gesichtes, das so wenig der Stimmung seiner eigenen Seele entsprach, hatte ihn — er wußte selbst nicht, warum — wieder in sein Zimmer zurücktreten lassen. Nachdem er von Neuem lange vor sich hingebrütet hatte, fiel ihm ein, daß er dem Onkel versprochen hatte, zu ihm hinauf zu kommen, und mit dem Eifer muthloser Menschen, die sich selbst gegenüber nach VGxwänden suchen, die Ausführung eines schweren Entschlusses hinauszuschieben, sagte er sich, daß diese Pflicht die nächste und erste sei. Diesmal begegnete ihm Niemand im Corridor draußen, und langsam, müde stieg er die Treppe hinan. Doctor Jaksch saß am Schreibtisch in seinem Studir- zimmer, als der Neffe bei ihm eintrat. Die Sprechstunde war eben vorüber, und er stärkte sich durch ein Caviarbrödchen^ dem ein Glas Sherry beigesellt war, für die weiteren Anstrengungen des Tages. Der Duft einer Cigarre erfüllte das Gemach. „Da bist Du ja!" rief der Doctor dem Eintretenden entgegen. „Ich dachte, Du hättest Deinen alten Onkel ganz vergessen. Habe gestern Abend noch lange auf Dich gewartet. Aber Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, wärest ja in besserer Gesellschaft. Setze Dich- willst Du ein Glas Sherry, eine Cigarre? Nein? Hör' einmal, Du siehst schlecht au5; ein Glas Wein wenigstens solltest Du trinken." „Danke Dir, Onkel; der Wein würde mir nicht helfen." „Was ist denn los? Wirst mir doch nicht krank werden? Oder ist es nicht der Körper, der leidet, sondern wieder einmal das Gemüth? Komm' her, sag' mir's ruhig, Du weißt, Dein Onkel ist auch Dein bester Freund." Zum ersten Male in diesen Stunden der Qual fühlte Georg seinen glühenden Schmerz in Wehmuth und Thräneu sich lösen. Es stieg ihm heiß in die Augen, und das Gesicht gegen das Polster eines Sessels pressend, stöhnte er: „Ich bin unglücklich, unsäglich unglücklich!" Er sah den Blick der kalten Augen nicht, der über ihn dahin ging, er sah das Lächeln nicht, das unter dem aufwärts gebogenen Barte hervorzuckte. Er fühlte nur die Hand, die mit sanfter Berührung sich ihm auf die Schulter legte, hörte nur die weichen Laute der Stimme, die vibrirend zu ihm sprach : „Armer Junge, also ist das Unglück wirklich geschehen? Ich hätte es gern gehindert, und gestern Abend — wahrhaftig, nur darum bin ich noch einmal unten bei Euch eingedrungen und habe mich nicht um die bösen Augen gekümmert, die Du mir machtest." er Die Die Der Vor — 8S — Georg blickte empor. „Also weißt Du?" fragte er. „Mein Gott, ich kann doch sehen! Du hast Dich verliebt in unsere interessante Frau Henninger, hast ihr vielleicht schon von Liebe gesprochen, und nun erfährst Du, daß fie eine Sünde begehen und einen Eid brechen müßte, wenn sie Dich heirathen wollte." „Auch das weißt Du?" „Es ist kein Kunststück, zu wissell, was die ganze Stadt weiß. Wir Aelteren wenigstens, die schon ein paar Jahre länger darin sind, als Du. Die Geschichte hat coloffales Aufsehen gemacht, damals. Jetzt ist eilt wenig Gras darüber gewachsen, aber wenn irgend ein Zufall so eine scheintodte Sache wieder aufweckt, ist sie lebendiger als je. Das weiß man ja aus Erfahrung. Man muß also vermeiden, sie zu wecken." Ich sage mir das Alles, habe es mir in dieser Nacht hundert Mal gesagt, aber ich liebe diese Frau!" „Armer Kerl! Ist die Geschichte wirklich so ernst? Du, das thut mir furchtbar leid, wahrhaftig! Und Vorwürfe muß ich mir nun auch machen, daß ich nicht eher dazwischen gekommen bin. Es ist 'ne verteufelte Sache um ein zu weiches Herz! Im Uebrigen bin ich ja so ziemlich abgebrüht, — Du lieber Gott, ein Arzt! Aber Dir gegenüber, mein lieber Georg, da geht das Gefühl mir immer mit dem Ver stände durch. Wenn ich Dir etwas versagen muß, Dir von irgend einer Sache abrathen, die Du zu Deinem Glücke für nöthig hältst, da sehe ich Dich immer vor mir, wie Du als vierzehnjähriger Junge zu mir gebracht wurdest, als Deine Eltern so rasch nach einander gestorben waren. Die gute Therese, — Du wärest ja ihr ganzes Glück gewesen." Er hielt einen Augenblick inne, als überwältige ihn die Rührung- dann spülte er die Thränen in seiner Kehle mit einem Schluck Sherry hinunter. „Na, wir wollen uns nicht weich machen," fuhr er fort. „Wir haben heute die Stärke nöthig, Du besonders, mein armer Junge. Denn wo Du die Verhältnisse nun kennst, wirst Du Dir ja schon selbst gesagt haben, daß an eine Heirath zwischen Dir und Frau Henninger nicht zu denken ist." „Ist es denn wahr?" Wie ein Schrei der Verzweiflung kamen die Worte von Georgs Munde. „Ob was wahr ist? Die Geschichte mit dem Eid? Selbstverständlich. Ich würde vielleicht daran zweifeln, wenn ich nichts weiter davon wüßte, als das Gerede in der Stadt. Aber ich habe es von ihm selbst. Jawohl, von ihm selbst. Er lebte noch ein paar Tage, nachdem er ihr den Eid abgenommen hatte. In dieser Zwischenzeit habe ich ihn besucht, wie ich es als Hausgenosse öfter tyat. Ich war nicht sein Arzt, aber wir waren befreundet, recht innig befreundet, kann ich wohl sagen. Und da erzählte er mir das Alles. Damals wunderte ich mich, daß er den Verdacht aussprach, sie könnte ihren Schwur vielleicht einmal brechen. Dann sollte ich, — na, lassen wir das ruhen. Aber jetzt sehe ich, daß er in der Beurtheilung ihres Characters recht hatte. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß sie den Eid jetzt überhaupt ableugnen wird." „Das wird sie nicht thun, wenn sie ihn wirklich geschworen hat. Sie ist eine wahre, ehrliche Natur!" „Na ja, bis zu gewissen Grenzen. Aber die Frauenzimmer, — ich kenne mehr von der Sorte als Du. Und Frau Henninger hat, was man mit höflicher Umschreibung einen starken Geist nennt. Die setzt sich über Manches hinweg. Aber wir brauchen uns," fügte er auf eine abwehrende Bewegung seines Neffen hinzu, „ja gar nicht die Köpfe darüber zu zerbrechen, was sie thun oder nicht thun würde- es handelt sich nur darum, was Du selber zu thun hast. Und ich meine, das ist klar." „Ich weiß es, ich sühle es," stöhnte Georg, „und doch suche ich immer wieder nach einem anderen Ausweg." „Die Sache ist leider sehr einfach. Eine Heirath ist absolut ausgeschlossen, Du hast als Ehrenmann also die Pflicht, in Deinem und in ihrem Interesse Dich von ihr zurückzuziehen. Sieh, Georg, es thut mir weh, Dir das sagen zu müssen aber ich kenne Dein zartes Empfinden, Dein stark ausgebildetes Moralgefühl. Es giebt für Dich nur diese eine Möglichkeit. Und ich weiß auch," er senkte die Stimme ge- heimnißvoll, indem er diese Worte sprach, — „daß der Himmel Dich strafen würde, wenn Du seine Gesetze mißachtetest." Georg nickte nur zur Antwort, zu reden vermochte er nicht. Der Doctor aber ergriff seine Hand, und indem er sie leise streichelte, sagte er: „Ich mache sonst nicht viel Aufhebens von meiner Religion und spreche nicht ost von den Dingen, die uns Allen die heiligsten sein sollen. Aber ich habe meinen Gott und habe meine Religion und ich weiß, daß dieser Gott schon auf Erden die Sünde und den Wort- bruch bestraft. Ich selbst habe es erfahren." Er ließ die Hand los, die er gehalten hatte, und stand auf, als treibe eine mächtige Erregung ihn von seinem Sitz empor. „Du hast mich einmal gefragt, warum ich nicht ge= heirathet habe. Damals habe ich Dir nicht geantwortet, heute will ich es Dir sagen- denn mein Schicksal hat große Aehnlichkeit mit Deinem. Auch ich liebte eine Frau, eine Wittwe, und wurde von ihr wieder geliebt. Kein heiliges Versprechen an ihren Gatten stand zwischen uns, aber sie hatte ihm oft gesagt, daß sie niemals einen Anderen nach ihm würde lieben können. Auch das hat dem Himmel als ein Versprechen gegolten. Es war ein Mädchen da aus der ersten Ehe, ein dreizehnjähriges, früh entwickeltes Kind, dos mit leidenschaftlicher Liebe an der Mutter hing und mich mit wüthender Eifersucht verfolgte. Wir achteten nicht darauf in unserer Verblendung - aber eines Tages, als wir im Garten neben dem Hause saßen, jene Frau und ich, und von unserer Liebe sprachen, da belauschte uns das Kind von einem Fenster des Hauses aus und da —" Er machte eine Pause und starrte vor sich hin, als sähe er eine Erscheinung. Dann fuhr er noch leiser fort: „Da stürzte das Kind sich von oben herab auf den Kies des Gartens und blieb zerschmettert liegen, wenige Schritte von uns entfernt. Ich habe die Frau niemals wieder gesehen. Eine Todte steht zwischen uns, wie ein Todter zwischen Dir und dieser anderen Frau." Georg antwortete nicht- mühsam stand er aus mit bleichem, zuckendem Gesicht und ging langsam zur Thür. „Wo willst Du hin?" „Ich weiß nicht. Irgend wohin. Es ist ja gleich." „Aber an der Thür blieb er noch einmal stehen und wandte sich um. „Das Eine sag' mir noch: ist auch da» Andere wahr, was man sich erzählt?" „Welches Andere?" „Daß er, der Todte, gedroht hat, mit etwas Schrecklichem —" „Du meinst, daß er gedroht hat, zurückzukommen, wenn das Gelübde verletzt würde? Mein Gott, es war ja Thor- heit, halbe Fieberphantasie vielleicht, aber wahr ist auch das." „Auch das!" Georg schauderte zusammen- dann ging er langsam, mit den tastenden Schritten eines Nachtwandelnden aus dem Zimmer. Als der Doctor allein war, dehnte er sich und reckte behaglich die Arme, als habe er eine schwere Arbeit hinter sich, mit deren Ausführung er zufrieden sei - dann stürzte er den Rest des Weines hinunter, der in dem Glase geblieben war. Ein ganz leises, gedämpftes Lachen ließ ihn zur Thur des Nebenzimmers hinüberblicken. Geräuschlos hatte sich die Portisre getheilt, und Fräulein Tietjens war hereingetreten. Er lachte gleichfalls, nur lauter und herzlicher, als er sie sah „Hast Du gehört?" fragte er. „Das meiste," gab sie zur Antwort, „ich kam gerade zur rechten Zeit." „Habe ich meine Sache nicht gut gemacht?" „Daß Du ein Schurke bist, weiß ich lauge," gab Pe ruhig zur Antwort, „den Schauspieler in Dir habe ich 9clIte bewundert." 31 zu müssen ark ausge- diese eine stimme ge- /,daß der besetze miß- »ermochte er b indem er nicht viel icht ost von >llen. Aber nd ich Weitz, > den Wort- e, und stand seinem Sitz ich nicht ge- ge antwortet, al hat grotze e Frau, eine Kein heiliger ns, aber sie ren nach ihm nmel als ein da aus der es Kind, das und mich mit icht daraus in >ir im Garten ) von unserer einem Fenster sich hin, a!§ h leiser - fort: auf den Kies lenige Schritte als wieder ge- Lodter zwischen d er aus mit zur Thür. ist ja gleich" mal stehen und : ist attch dar etwa? Schreck- ukommen, wenn s war ja Thorax ist auch das." en; dann ging Nachtwandelnden sich und reckte re Arbeit hinter dann stürzte er je geblieben war. iß ihn zur Thür os hatte sich du lY hereingetreten. als er sie (4 „ich kam gerade rcht?" r lange," gab f' iir habe ich he"" „O ja, ich habe einiges Talent," entgegnete er wohl- gesällig und warf einen Blick in den Spiegel. Aber das Beste war doch die Geschichte mit dem Kinde, das aus dem Fenster springt, was?" Die letzten Spuren der anfänglichen Heiterkeit erloschen plötzlich in Fräulein Tietjens Gesicht, das drohend und finster wurde, als ziehe eine Gewitterwolke darüber hin. „Als Du dies erlogene Kind umbrachtest, hast Du da nicht an ein anderes gedacht?" „Sei still!" „An Dein Kind, an unser Kind?" „Sei still und geh'?" „Ich gehe. Aber der Tag wird noch einmal kommen, au dem es zwischen uns Abrechnung giebt über diese Sache." Er machte eine Bewegung, als wolle er sie zurückhalten, doch besann er sich und ließ sie schweigend hinausgehen. Er blieb allein, warf noch einen Blick auf den Spiegel und zündete sich eine neue Cigarre an. Georg war auf fein Zimmer zurückgekommen, ohne zu wissen, wie; nun saß er dort, bis die frühe Dämmerung sich in Dunkelheit verwandelte und der Abend seinen schwarzen Mantel über die Erde breitete. Ohne Speise, ohne Licht saß der einsame Mann in dem finsteren, niedrigen Zimmer und grübelte vor sich hin, ohne einen Strahl von Hoffnung zu finden. Endlich duldete es ihn nicht länger in dem öden Gemach. Hut und Ueberzieher riß er vom Nagel und eilte hinaus. Auf dem Corridor des Vorderhauses, in der Nähe der Zimmer, in denen er die geliebte Frau vermuthete, ging er ganz leise auf den Zehen, als fürchtete er, sie durch seine Schritte herbeizurufen. Auf der Straße wandte er sich seitwärts, unbelebten Gassen zu, die ihn rasch aus der Stadt hinaus auf den hohen Wall führten. Es hatte zu schneien aufgehört, aber der Schnee lag tief; einzelne Sterne kamen am gereinigten Himmel hervor. Hier auf dem Walle ging um diese Zeit kein Mensch, außer dem einen schmerzvollen Manne. Ganz langsam stieg er die Böschung hinan und ging an den Mauern der Gärten entlang, die zu der Irrenanstalt gehören. Dann immer weiter, der Biegung des Walles nach Süden folgend. Auf der Brücke, der Bischofsmühle gegenüber, blieb er einen Augenblick stehen, aber das Rauschen und Brausen des Wassers drang laut zu ihm empor, machte ihn schaudern und trieb ihn hinweg; nun wieder zum Wall an der anderen Seite der Stadt empor und unter den kahlen, schneebedeckten Bäumen dahin, bis er den Kehrwiederthurm links neben sich in der Tiefe erblickte. Er blieb aufs Neue nachsinnend stehen, und ein jähes Weh durchfuhr fein Herz, als er der schönen Sage gedachte, die ein verirrtes Mädchen durch den Klang der Glocken von diesem Thurm heimführen läßt aus Wildniß und Verderben. Für ihn gab es keine Heimkehr in sein bisheriges Leben! Keine Glocken gab es, die ihm freundlich und tröstlich den Weg zeigten, den er zu wandeln hatte, um Glück und Frieden wiederzufinden. Keine Hoffnung, keine Hilfe, keinen Ausweg aus dem furchtbaren Labyrinth! Nachdem er noch eine Weile Planlos und ziellos umhergeirrt, überkam ihm eine angstvolle Sehnsucht nach Menschen und Licht. Er ging zur Union, der alten Paulinerkirche, die in seltsamer Verkehrung ihres Zweckes zum Restaurant geworden ist. Als er nun aber den gewölbten Raum betrat unb die Stimmen plaudernder, lachender Gäste vernahm, da flüchtete er sich doch vor ihnen in einen einsamen Winkel, wo Niemand ihn störte. Die Speisen, die er sich bringen ließ, berührte er kaum, ein Glas Bier stürzte er eilig hinunter, dann brach er wieder auf und begann mit ermattenden Knieen feine Wanderung aufs Neue, diese aussichtslose Flucht vor den eigenen Gedanken. (Fortsetzung folgt.) Unter den Trümmern von Pompeji. Von Dr. Julius Pasig. (Nachdruck verboten.) Das tragische Geschick von Hereulanum und Pompeji ist genugsam bekannt. Beide Orte, wohlhabende friedliche Städte, unbelastet von dem Schwergewicht politischer Sorgen, an den herrlichen Ufern des Golfes von Neapel, in der Landschaft des glücklichen Campanien, am Fuße des damals bis an seinen Gipfel mit fruchtreichen Feldern angebauten Bergkegels des Vesuv wurden urplötzlich von dem vulkanischen Ausbrüchen dieses Berges verschüttet. Die Katastrophe war am 24. August des Jahres 79 n. Ehr. erfolgt, als eben die schau- und vergnügungslustige Menge ahnungslos im Amphitheater Pompejis versammelt war. Dunkle Nacht, nur von zuckenden vulkanischen Blitzen grauenvoll erleuchtet, verhüllten den ganzen Horizont der Gegend, über welche das Verderben unwiderstehlich hereinbrach. Und als nach drei laugen, bangen Tagen die Sonne die Aschen- und Rauchwolken endlich durchbrochen, waren die Reste des früher im Bürgerkriege halbzerstörten Stabiä, die blühenden Städte Hereulanum und Pompeji und die umliegenden Orte Öplontis unb Teglana vom Erbboben verschwunben, versenkt unb verschüttet in bas bunkle Grab für mehr als achtzehn Jahrhunberte. Der römische Kaiser Titus hatte den Plan, die zerstörten Städte wieder Herstellen zu lassen; er war nur vorübergehend und ohne Erfolg. Hereulanum ist nämlich ungleich tieser verschüttet als Pompeji, es ist fast ganz von einem mächtigen. Lavastrom übeifluthet, der zu einer fetfenfeftea Rinde erstarrt unb auf dem zum größten Theile die heutige Stadt Resina erbaut ist. Pompejis Schicksal war allerdings ein günstigeres, ba es nicht von harten Lavaströmen, fonbern von leichten, lockeren Massen vulkanischer Asche, von Bimsstein, überschüttet war; boch hatten bie an Hereulanum gemachten Erfahrungen auch hier von Versuchen abgeschreckt, unb so gerieth denn alles, was ber Boben unb bie balb auf bemselben wnchernbe Vegetation beckte, in völlige Vergessenheit. Dieser Vergessenheit würbe bie Tobtenstadt erst von der Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zur Mitte bes unsrigen allmählich entrissen; im Jahre 1748 regte sie sich, gleichsam zuerst im Schlafe unter bent Tritte von Bauern, bie beim Brunnengraben auf ihre Trümmer stießen; bann kamen bie Zeiten von Murat, welcher bas verschüttete Pompeji weckte, ein Bonaparte des alten Aegypten. Eins nach dem andern unb im Verlaufe ber Jahre traten nun Privathäuser, bas ganze Herz ber Stabt, das Forum civile (Marktplatz) mit allen umliegenden Gebäuden unb Villen, ber größte Th eil ber Stabtmauer, bie ganze lange sogenannte Gräberstraße, es trat mit einem Worte bas alte Pompeji, wie es einst gewesen, in seinen Trümmern wieber zu Tage. Jetzt liegt es wieber offen unter bem freunblichen Lichte des eampanischen Himmels, ber ihm einst gelächelt. Wir können, bie leichte Luft bes Lebens athmenb, durch seine Straßen wandern, in seine Häuser eintreten unb seine Monumente im Strahle ber glänzenben Sonne betrachten, die Leben unb Freube weckend, die Gedanken an Tob unb Zerstörung aus unsrer Seele verscheucht. Hereulanum ist eine bunkle Gruft, in ber ein ganzes Geschlecht begraben liegt, Pompeji gleicht einet Stadt, die nach einer Feuersbrunst von den Bewohnern verlassen ist. Freilich sind die Gebäude zum größten Theile nur Trümmer; die Tempel, die schönen weiten Säulenhallen, welche die öffentlichen Plätze umgaben, sind unter ber Last ber verschüttenben Massen zusammengebrochen, bie oberen, meist hölzernen Stockwerke von ber Hitze bes glühenden vulkanischen Auswurfes verzehrt, aber dennoch giebt es keine anderen Ruinen, welche so gut erhalten wären, wie diese. Außerdem fand man in ihnen eine solche Menge ber beweglichen Reste bes Lebens, bas in ihnen lebte, wie an keinem andren Orte der W.lt. Des Erhaltenen ist so viel, daß es iSjsfyj^ca 32 Rchaction: A. Scheyda. 1. Apfelthee: 4 Stück Aepfel bester Sorte werden mit der Schale in Scheiben geschnitten, mit kochendem Wasser übergossen, 5 Minuten kochen gelassen, abgekühlt, durchgeseiht, versüßt, kalt getrunken. Ein anderer Apseltrank läßt sich bereiten, wenn man zu den Aepfeln den Säst einer halben Citrone, i/i Tasse gewaschene Rosinen und Corinthen, event. auch noch ein wenig Zimmet — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerer (Pietsch & Schey ) zufügt, das Ganze weichkochrn läßt, dann durchsiebt, versüßt und erkalten läßt. 2. Brotwasser: Schwarzbrot in Scheiben geschnitten und geröstet (oder Brotrinde) in kochendem Wasser */4 Stunde ziehen lassen, durchseihen und mit Zucker versüßen. Wird ebenfalls kalt getrunken und kann mit dem Apseltrank gemischt werden. 3. Gerstenwasser: Gerste mit kochendem Wasser und einigen Citronenscheiben eine Stunde lang auf's Feuer gesetzt, dann durchgegossen und mit Zucker versüßt. 4. Eierwasser: Auf Vt Liter abgekochten und wieder kalt qestellen Wassers unter stetem sorgsamen Umrühren dar Eiweiß eines Eies, dazu 3 Theelössel seinen Zucherd oder Traubenzuckers. 5. Mandelmilch: 60 Gramm geschälte, gewascheneund fein zerriebene süße Mandeln werden mit einem Schoppen Wasser gut gemengt; die Mischung bleibt 2 Stunden lang stehen und wird dann durch ein sauberes (vorher in heißes Wasser getauchtes) Tuch stark durchpreßt und versüßt. Kalt gestellt, hält sich diese Mandelmilch drei Tage. 6. Wie Dr. von Oefele in Neuenahr mittheilt, hat man zur Herstellung von Kefir durchaus keine besondere Hefeari, also keine Kefirkörner nöthig. Es genügt auch, wenn man gewöhnliche Preßhefe mit halbprocentigem Zuckerwasser angerührt eine Zeit lang stehen läßt. Sodann gießt man dai Zuckerwasser ab und nimmt von der Hefe 5 Gramm auf en« Liter Milch gerechnet, während man den Rest der Hefe mit neuem Zuckerwasser anrührt. Zu den 5 Gramm abgenommem- Hefe fügt man 10 Gramm Zucker und eine halbe Tch Milch, läßt dies bei einer Temperatur von 40 Grad 2 Stund-» I stehen, und gibt es, wenn es schäumt, zu einem Liter ausgl- kochter Milch, worin 10 Gramm Zucker aufgelöst find. M dieser Milch füllt man Flaschen zu zwei drittel an und hat na^ 48 Stunden ein Getränk, das gutem Kefir völlig gleich ist; Aus „Gesunde Kinder." kaum möglich ist, dasselbe in Gedanken nicht zu ergänzen, zu verbinden, zu beleben; und dann ist es nicht zerstreut, L wohl an andren Orten, es steht oder liegt (oder lag doch wenigstens bei der Auffindung) an dem Orte seiner Bestimmung, nachbarlich umgeben von Gleichartigem, nicht zusammengetragen und classificiert, wie m einem Museum. Kein Ort der Erde ist daher geeigneter, das antike Leben der Römer zu veranschaulichen, als Pompep, wir Men uns hier mitten in das altrömische Leben hinein versetzt.Sofan ich an dem Eingänge eines hofähnlichen Raumesim der^Mauer eine Steinplatte mit der Inschrift: CAVE CANEM („mmm dich vor dem Hunde in acht"), gleichbedeutend mit unserer modernen Warnung in Gärten u. bergt.: „Achtung Hunde. Die Malereien Pompejis, so hochberühmt nicht nur in der Kunstgeschichte, sondern auch in ihrer neuesten Anwendung aus die Kunstindustrie, sie sind nur geringe Vertreter der I alten Malerkunst, denn sie gehören als Wandmalereien derjenigen untergeordneten Gattung an, welche bei uns etwa die Stubenmaler vertreten. Aber dennoch ist etwas an den Wänden Pompejis haften geblieben, in den meisten Fallen von höchster mustergültiger Vollendung. Die Wandgemälde in den Mittelflächen sind fast die einzige Grundlage unserer Vorstellung von der antiken Malerei nach dem Wesen der Composition, Technik, Form- und Farbengebung, da die Bilder, wie wir sie auf Vasen, Schalen, Trinkgefaßen u. bergt, finden, kaum Schattenrisse der alten Gemälde repräsentieren. Und wie verschieden immerhin ihr Werth sem mag, m der I großen Mehrzahl liegt ein Schatz der anmutigsten Schönheit. Neben der eigentlichen Malerei war in der späteren Römerzeit auch die Mosaikmalerei, d. h. das Compomren von Bildwerken aus farbigen Steinen und Thonstlften , sehr üblich. DaS größte und schönste Mosaikwerk der Art ist die sogenannte Alexanderschlacht, ein überaus kühnes, und dennoch leicht überschauliches Schlachtenbild, das am 14. Oe- tober 1831 in Pompeji entdeckt wurde, und von dem Goethe schrieb' „Mit- und Nachwelt werden nicht hinreichen, solches Wunder der Kunst richtig zu eommentiren, und man wird genöthigt sein, nach ausklärender Betrachtung und Untersuchung immer wieder zur einfachen, reinen Bewurcherung zu- rückzukehren." Und wer schuf dieses Kunstwerk? Die größte Wahrscheinlichkeit spricht für eine Frau, für bte Malerin Helena, Timons Tochter aus Aegypten, von der ausdrücklich berichtet wird, daß sie eine Schlacht bei xSlfu§ eompomr habe. Es ist wahr, unser Gefühl sträubt sich dagegen, einer Frau dieses gewaltige Bild, diese Stärke in der Thiermalerei und des dämonischen Kampfes entfesselter Leidenschaften zuzuschreiben. „Aber wie die Geschichte nicht wenige Frauen vom Geiste der Deborah und Judith kennt, so weist ste auch seltene Malerinnen nach, die den ersten Malern ihrer Zei würdig zur Seite stehen." Einige Getränke für die Krankenstube. „Was darf ich trinken?" — Das ist eine Fruge, die der Arzt am Krankenbett oft zu hören bekommt. Wasser, natürlich! - auch Milch'. — aber der Kranke hat vielleicht eine augenblickliche Abneigung gegen diese beiden Flüssigkeiten, er verlangt Abwechslung. — Hier einige Reeepte: Scheußliche Küchengrausamkeiten beim Schlacht« der Fische. Es ist Sitte, zu Weihnachten und besotAr- in der Fastenzeit Karpfen und andere Fische zu, essen. » Thiere werden nun meist in einer so barbarischen Weist jt Tode gequält, daß sich Hottentoten einer so gräßlichen W Handlung hilfloser, stummer Geschöpfe schämen mußten, viel mehr „eivilisirte und christliche" Menschen! Dre F» werden lebendig geschuppt und ausgeschnitten, den Aalen * lebendig die Haut abgezogen, häufig nachdem man sie m m Schüssel Salz sich hat „matt laufen" lassen. Die so!> Tode gemarterten Thiere werden dann als Festschmaus fa Hauptfest der Christenheit verzehrt! Nicht selten wohnendch empörenden Vorgänge auch die Kinder des Hause- ein treffliches Erziehungsmittel! Und doch ist mchts leich als einen Aal, Karpfen oder anderen Fisch völlig zu bü ben, wenn man ihm mit einem oder mehreren HammerW die Hirnschale zertrümmert. Er ist dann ohne Muhe ° zuhäuten bezw. zu schuppen, zu öffnen ^d zu eM « Auch ist das Fleisch eines so getödteten und gesünder, als das eines langsam unter Qualen endeten. Möchten doch alle Hausfrauen und alle besitzer ihren Köchinnen und Köchen auf s Ernsthaftes bieten, so zu Tode gemarterte Fische auf den > bringen. Wer das nicht thut, macht sich mitschuldig seinem Hause verübten strafwürdigen Grausamkeit.