Das Kind der Tänzerin. Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann. (Fortsetzung.) Eine kurze Pause entstand. Robert näherte sich seiner Gattin und fuhr mit liebevollem Tone fort: „Es sind genug der bitteren Worte gefallen — laß uns Frieden schließen — wir sind ja Mann und Weib — nur der Tod kann uns scheiden. Warum verbittern wir einander das Leben? Sei wieder gut, liebes Weibchen — es wird dann besser werden — Du wirst es nicht zu bereuen haben, die Meine geworden zu sein." Eine Veränderung ging in dem zürnenden Gesichtchen der Tänzerin vor. Robert sah so schön, so hingebend aus, es lag etwas so Sympathisches in dem Klang seiner Stimmeseine tiefblauen Augen blickten sie mit so unendlicher Zärtlichkeit an, daß das Eis, welches sich um ihr Herz gelegt, plötzlich zu schmelzen begann. Ein mattes Lächeln spielte um ihre Lippen- schon war sie im Begriff, sich in die Arme des Gatten zu werfen, als die Stubenthür plötzlich aufging. Der struppige Kopf der Hausmagd blickte herein. //Für Mrs. Greylock!" rief sie mit gellender (Stimme; />mit Mr. Kenyons Empfehlung- sein Diener hat es gebracht." Mit diesen Worten wollte die Unglücksbotin ihrer Herrin ein aus den theuersten Blumen gebundenes kostbares Bouquet reichen. Unheilvoller hätte nichts sein können. Der Engel des Friedens, dem es fast schon gelungen war, eine Versöhnung zwischen den beiden Gatten herbeizuführen, schwebte mit verhülltem Antlitz wieder davon. Sobald Robert Greylock des Bouquets ansichtig wurde, 1887. Mmersiag tat 29. Rai. S 8 -» r^grnbäcH' f Ct j »>«'i beste Will' ist Gottes Will', Auf diesem ruht man sanft und still; 'M« Da gieb Dich allzeit frisch hinein. Begehre nichts, als nur allein Was Gott gefällt. Paul Gerhardt. Wem vor dem Unglück bangt und graut, Eh' ihm das Glück entfloh, Wer immer in die Zukunft schaut, Wird nie von Herzen froh. stieß er einen Fluch aus und riß die Blumen aus den Händen der Magd. Indem er dies that, fiel ein glänzender Gegenstand aus der duftenden Tiefe. Es war ein goldenes Armband in Gestalt einer Schlange mit Augen von Diamanten. ,„O, wie herrlich!" rief Iris, indem sie auf ihren Gatten zustürzte. „Gieb her, Robert- es ist ja für mich!" Robert schleuderte die Blumen auf den Boden und stampfte mit den Füßen darauf. Die zarten Kinder Floras hauchten unter seinen wüthenden Tritten ihr unschuldvolles Leben aus. Während er dabei mit der einen Hand sich Iris vom Leibe hielt, hob er mit der andern das Armband empor und rief mit donnernder Stimme: „So weit ist es also schon gekommen?! — Du nimmst von einem Manne wie Kenyon so kostbare Geschenke an? Zurück! Eher wollte ich Deine Hand im Feuer verbrennen, als diese seine Juwelen berühren sehen! Er soll das glänzende Ding zurückerhalten und vabei eine Lection bekommen, die er nicht sobald vergessen wird!" Dahin war die weiche Stimmung, welche die Tänzerin für einen Moment beherrscht hatte- mit wuthbebender Stimme rief sie: „Wie kannst Du es wagen, Robert?! Das Armband wurde mir geschickt, und ich will es haben! Du hast kein Recht, es mir vorzuenthalten. Wann hast Du mir Blumen oder Diamanten gegeben?" Auf einen zornigen Blick von Greylock entfernte sich die struppige Magd, wie sehr sie auch gewünscht hätte, Zeugin des Ausganges dieser Scene sein zu können. In ihren Augen war Iris ein reizendes junges Wesen, das viel von der Tyrannei eines eifersüchtigen Gatten zu leiden hqM. „Sie ist indessen Mannes genug für ihn," dachte sie, indem sie außen vor der Thür stehen blieb um zu horchen. „Er hat alle Hände voll zu thun, wenn er sie im Schach halten will." Als Robert sich mit seiner Gattin allein sah, nahm sein Gesicht einen Ausdruck an, den Iris noch nie auf demselben bemerkt hatte. „Wann ich Dir Blumen oder Diamanten gegeben habe?" wiederholte er streng- „es ist schon lange her. Wenn Dein Gatte aber auch jetzt nicht im Stande ist, Dich mit solchen Dingen zu versehen, so kann und darf er es nicht dulden, daß Du Schmucksacken trägst, die mit anderer Männer Geld gekauft wurden. Hast Du denn bereits alle Selbstachtung verloren?" Iris fühlte zwar, daß Robert Recht hatte, aber sie setzte ihrem Gatten eine kühne Stirn entgegen. „Arthur Kenyon ist ein alter Freund von mir- ich kannte ihn lange, ehe ich Dich kennen lernte," sagte sie mit Entrüstung. 230 ruht auf einem gestickten Kissen von purpurrother Seide, zwischen seinen Lippen hält er die Bernsteinspitze eines türkischen Nargileh. Es war schon völlig Mittag- allein dieses Schooßkind des Glückes hatte eben erst sein Frühstück eingenommen und pflegte nun der ihm nach dieser Anstrengung so nöthigen Fürsten, Gesandte u. s. w. Abweichend von den meisten amerikanischen Hotels, die dem Gaste nur ein kleines, spärlich möblirtes Zimmer zur Verfügung stellen, enthält das „Fifth Avenue Hotel" eine Anzahl Privat-Räume, die, allerdings für einen sehr hohen Preis, mit anstoßendem Schlafzimmer, eine höchst comfortable, elegante, in sich abgeschlossene, mit rafflnirtem Luxus ausgestattete Wohnung bieten. In einem dieser Privat-Räume liegt ein junger Mann der Länge nach auf einem schwellenden Sopha ausgestrcckt — ein Bild des Müßigganges. Der Kopf des Tagediebes Inhalt zu sich heranzog. , Mit halbverdrossener Miene begann der junge Mann jetzt die eingegangenen Briefe zu lesen; es waren größtenthm Einladungen zu Diners und Soupers, fashionablen Äbeno- gesellschaften und Privatbällen. „Zu viel der Süßigkeiten, murmelte er- „man wird solcher Dinge bald übecdrusiig- diese Art Gesellschaften werden eintönig, und ich hasse die Eintönigkeit." , Er warf die Briefe in die Muschel zurück, ergriff eine kleine mailändische Mandoline, die auf einem Tigerfell neben ihm lag, und zog sachte das elfenbeinerne Stäbchen uver die Saiten des Instruments. . Arthur machte in diesem Moment entschieden den ' druck eines spanischen Cavaliers. Eine Tanzmelodie, die am Abend zuvor in einem Theater untergeordneten Rang gehört hatte, war ihm durch den Kopf gegangen, und kleine Mandoline gab sie jetzt mit größter Genauigkeit wie / und wie die Vögel aus eines Zauberers Kasten wirveuc die Töne durch das heiße, duftende Gemach. , Der Mandolinen - Spieler lächelte selbstzufrieden, I Geiste sah er die Bühne mit ihren Lichtern und roedjfe Scenen, nebst den hübschen Gestalten der Ballettänzer / vor seinen, matten, 'halbgeschlossenen Augen: et JPie I Melodie ganz durch — ein leidenschaftlicher Freund de Mein armer Vater war, wie ich Dir oft sagte, Tanzlehrer und unterrichtete einst neben andern Zöglingen den Sohn einer spanischen Creolin und eines amerikanischen Vaters, den Erben einer großen westindischen Plantage. Es war dies Kenyon, der zum Zweck seiner Erziehung nach dem Norden gesandt worden. Ich war damals noch etn Kind, und mein Vater ließ mich oft mit dem Knaben tanzen, da er von mir weit leichter zu lernen schien als von ihm. Schon zu jener Zeit war er mir gut- er nannte mich scherzend seine Braut und machte uns eine Menge kostbarer Geschenke, die wir niemals ausschlugen. Später kam er uns aus den Augen- sein Vormund sandte ihn nach Europa- ich sah ihn erst wieder, als er mich vor einigen Wochen hinter den Coulissen aussuchte- er hatte mich auf der Bühne sofort erkannt. Er ist ein guter, harmloser Mensch- ich kann jetzt gerade so gut ein Geschenk von ihm annehmen wie srüher endete Robert spöttisch- I Ruhe. Auf einem Malachittisch neben ihm stand ein muschel- dama s war t Du, wie Du sagst, noch ein Kind - die förmiges, silbernes Gefäß, mit unerbrochenen Briefen gefüllt. eines Tan Meisters- jetzt hast Du die Kinderschuhe Die prächtigen Gardinen waren über die Kronglasschelben bereits ausgetreten — Du bist das Weib eines Ehrenmannes der Fenster gezogen, um das grelle Tageslicht zu dampfen. - Robert^ Greylocks, dessen Familie zur amerikanischen Die Temperatur dieses Gemaches stand, etwas über achtzig Aristokratie gehört!" Grad Fahrenheit, die Luft war mit feinen Parfüms ge- „Du bist übertrieben streng, Robert," entgegnete Iris, I schwängert. . auf welche die Worte des Gatten nun doch Einfluß aus- Diese für gesunre Lungen so unerträgliche Atmosphäre üb en etwas kleinlaut. war jedoch ganz nach Arthur Kenyons Geschmack. Von feiner 'Dies kann jedenfalls von meiner Gattin nicht gesagt kreolischen Mutter hatte er den Reichthum und dte neb en Serben" wat die beißende Antwort. I Passionen geerbt. Et liebt es, sich im Sonnenlicht und bei Die junge Frau errötete: „Ich mag Deine Tyrannei starker Ofengluth süßem Nichtsthun hmzugeben und die be- nicht länger9ertragen!" rief sie wieder heftig werdend, täubenden Düfte emzuathmen, die ihn an die Pracht der Alles hat ein Ende, selbst meine Geduld. Ich bin nun erst ewig blühenden Garten des Südens erinnerten. Pnftornffen mein n eiaenen Pfad zu wandeln - Du Von Gestalt war Mr. Kenyon lang und geschmeidig, sollst mich^ nicht 'länger daran hindern! Ich bin es müde, mit einer pantherähnlichen Grazie in allen seinen Bewegungen- in diesem elenden Haufe zu leben- ich habe die erbärmliche I er war noch jung, fast knabenhaft, mit olivensarbenem Teint, Existenz die ich als Dein Weib führe, sowie Deine nnauf- I scharfgeschnittenem Profil, trägen schwarzen Augen und einem hörliche^ Eifersucht satt! Ich wollte, ich brauchte Dein Gesicht klassisch schönen Kopfe, der von rabenschwarzem Lockenhaar nie wieder zu erblicken' Willst Du mir jetzt mein Arm- I umgeben war. ^nd neben?" Eine Zeit lang lag dieser verwöhnte Liebling des Reich- Sie suchte es ihm mit einer schnellen Bewegung aus thums fast regungslos da- fein Blick f°lgte durch ha bge- her fSfltih m reinen schlossene Wimpern den bläulichen Rauchwolken, die in Robert stieß die schwächliche Gestalt heftig zurück und zarten Ringeln aus dem Nargileh elnporstiegen, das_er au hielt den Schmuckgegenstand hoch in die Höhe. „Du wünschest dem Orient mitgebracht hatte. Endlich ließ er den Schlauch S in ffleSt nie wieder zu erblicken?" fragte er mit be- mit der Bernsteinspitze auf den Teppich niedergleiten, wand "n«-°üd7r Ruh- Ist das D-m Ernst, Iris?" sich auf d-m ,-id-n-n Kiffen um, gegen d-si-u Purpur - Mein vollständiger Ernst'" rief sie wüthend- „so I sein Gesicht wie Brouce abstach, und streckte trage s wahrer Himmel mich hört! Und noch mehr - noch weit Hand dem Malachittische °us- „Wie langweilig! murmelte mehr! — Gehe nach Colorado — gehe zum äußersten Ende | er vor sich hm, indem er die silberne Muschel mit der Erde — geh' und komm nie, nie, nie wieder zurück." Der unglückliche junge Mann wandte sich um und schritt auf die Thüre zu- an der Schwelle blieb er stehen, um noch einen letzten Blick auf das Zimmer zu werfen, in welchem die zerstampften Blumen zerstreut umherlagen — auf Iris, die, blaß vor Wuth, an das alte Sopha gelehnt stand. Noch hätte ein Lächeln ihres Mundes, ein inniges Wort ihn versöhnt und wieder zu ihr hingezogen- aber vergebens wartete er hierauf. An das sterbende Kind in der Wiege dachte er in diesem, dem traurigsten Moment seines Lebens nicht. „Dein Wunsch soll erfüllt werden, Iris," sagte er- „Du siehst mich jetzt zum letzten Male wandle Deine eigenen Bahn — lebe wohl — für immer! Und nun zu ihm!" Im nächsten Augenblick schloß sich die Thür, und Ins besand sich allein. 2. Capitel. Im Salon des „Fifth Avenue Hotels." Der Marmor - Palast, genannt das „Fifth Avenue Hotel" zu New York, ist eines der vornehmsten und eleganteft eingerichteten Gebäude - in seinen Räumen weilte schon Alles, was Amerika an Noblesse aufzuweisen hat — Präsidenten der Vereinigten Staaten, besuchsweise anwesende europäische meisten spärlich alt das ne, die, ostendem sich ab- Lohnung r Mann sgestrcckt igediebes c Seide, se eines chooßkind enommen nöthigen ; muschel- t gefüllt, lsscheiben dämpfen, r achtzig üms ge- Mvsphäre ion seiner ie noblen : und bei d die berocht der -schmeidig, oegungen; em Teint, mb einem iockenhaar des Reich- h halbge- :, die in as er aus n Schlauch n, wandte arpurfarbe cäge seine murmelte mit dem ,ge Mann öhtenthcils xn Abend- ßigkeiten'," becdrüssig- hasse die irgriff eine rfell neben >chen über i den Ein- die, die er en Ranges , und die feit wieder, wirbelten rieben- im wechselnden änzerinnen, spielte die :b der Musik — 231 a- hatte er sie unter den besten Lehrern in Europa betrieben. Ohne Zweifel hätte er durch die Ausübung dieser Kunst seinen Unterhalt erwerben können, wenn das Schicksal ihn nicht mit Reichthum überschüttet hätte. Noch lange, nachdem er die Melodie zu Ende gespielt hatte, ließ er die linke Hand, an deren kleinem Finger ein großer Edelstein blitzte, durch die Saiten schwirren- gedankenvoll sprach er vor sich hin: „Bei Gott! Wie unaussprechlich schön Iris aussah- das Töchterchen des alten Tanzlehrers hat die Verheißungen ihrer Kindheit mehr als erfüllt - jammerschade, daß sie sich an jenen Burschen wegwarf — an den halbverhungerten Skribenten mit seinem aristokratischen Gebühren. Er ist eifersüchtig auf mich. Ob er wohl weiß, daß ich sein reizendes Weibchen hätte haben können, wenn ich gewollt hätte? Ihr Herz brach fast, als ich auf Befehl des tyrannischen Vormundes nach Europa mußte- sie schluchzte an meiner Brust- sie küßte mich und weinte, bis ihre Aeuglein so roth waren, wie die eines Kaninchens. Das arme Ding hat mich nicht vergessen: ich erhielt die Ueberzeugung davon, als ich hinter den Coulissen zum ersten Male wieder mit ihr zusammentraf- sie wurde abwechselnd blaß und roth. Soll ich sie meiden oder ihrem eifersüchtigem Manne zum Trotze hier bleiben? Er ließ seine Mandoline wieder auf das Tigerfell hinabgleiten und grub seinen dunklen Kopf in das seidene Kissen, um mit Ruhe über das nachzudenken, was ihn jetzt am meisten beschäftigte. Ein farbiger Diener klopfte an die Thür - er trat ein und meldete: „Ein Herr wünscht Sie zu sprechen." „Sein Name?" „Er wollte ihn nicht nennen." „Nun, so führe ihn herein." Im nächsten Augenblick trat Robert Grehlock über die Schwelle des Gemaches- sein Gesicht war bleicher als gewöhnlich, seine buschigen Brauen zogen sich drohend über seinen Augen zusammen. „Ah —," stieß Kenyon überrascht aus, ohne sich nur zu erheben, ja, auch nur seine bequeme Lage im Entferntesten zu ändern. „Guten Morgen, Greylock- nehmen Sie Platz! Ihr Besuch ist mir ein Vergnügen- womit kann ich dienen?" Robert näherte sich dem Sopha- er athmete tief, ver- rieth jedoch noch nicht, was in ihm vorging. Sobald der Diener die Thür hinter sich zugemacht und die beiden Männer allein waren, zog der Gast ein goldenes Armband in Gestalt einer Schlange, mit Diamanten und Smaragden besetzt, aus der Tasche. „Sind Sie der Schurke, der meiner Frau dieses Ding geschickt hat?" rief er. Jetzt erhob Kenyon sich vom Sopha. „Dieses Ding da, mein werther Herr," antwortete er nachlässig, „schickte ich nicht Ihrer Frau, sondern meiner alten Freundin — der Künstlerin, als ein Zeichen meiner Bewunderung und Werthschätzung." „Ihre Unterscheidungen sind recht spitzfindig," höhnte Robert. Kenyon zuckte die Achseln und entgegnete: „Sie sind, wie es scheint, eifersüchtig- ich bedauere es. Weigerte die reizende Iris sich, mein Geschenk anzunehmen, daß Sie es mir in dieser Weise zurückbringen? In früheren Zeiten war dies nicht der Fall." „Ich — ihr Gatte, verbiete es Ihnen, meiner Frau Geschenke zu machen," erwiderte Greylock- „es ist dies eine Frechheit von Ihnen, die ich nicht dulden werde!" Kenyon lehnte sich an den Malachit-Tisch- er blickte den zornigen Gatten geringschätzend an und sagte: „Mein Herr, ich muß Sie bitten, Ihre Worte etwas sorgfältiger zu wählen- ich kannte die kleine Iris ja schon vor Jahren- wir waren damals die besten Freunde. Es thut mir leid um sie ~ verteufelt leid- ihr Mißgeschick in der Ehe ist für ihre vielen Bewunderer kein Geheimniß- sie hätte sich nicht wegwerfen sollen. Es ist Ihnen vielleicht nicht bekannt, daß ich ihr Gatte hätte sein können?" Die düsteren Augen Greylocks fielen in diesem Augenblick auf einen Ecktisch, auf dem ein dünner, zäher Stock lag. Sich auf diesen stürzen, das Rohr erfassen, mit der anderen Hand Arthur am Kragen packen und den Stock mit Wucht n Bewegung setzen, war das Werk einiger Sekunden. Kein Wort wurde gesprochen — kein Ausruf erscholl — schnell, wuchtig und unbarmherzig fielen die Hiebe des empörten Gatten auf seinen Nebenbuhler nieder. In wenigen Minuten war Alles vorüber. Das mit Diamanten und Smaragden besetzte Armband lag zerstampft auf dem Teppich, Kenyon daneben am Boden. Robert stand wie ein Rachegott neben dem Creolen. „Ich hoffe, dies wird genügen, Dich in die Schranken der guten Sitte und des Anstandes zurückzuweisen, Du frecher Bube!" stieß er hervor. „Ich wünsche, daß wir uns nicht wieder begegnen," und schritt dann zur Thür. Arthur wandte sich jetzt auf dem Teppich um und zischte dem sich Entfernenden, indem ein teufliches Grinsen seine Züge verzerrte, die Worte nach: „Sie sollen mir das mit dem Leben bezahlen!" Greylock lachte verächtlich, er entgegnete nur: „Ich werde noch lange mit Vergnügen an diese unsere Unterredung denken." Mit diesen Worten verließ er erhobenen Hauptes das Zimmer. „Mit dem wäre ich nun auch fertig!" dachte Robert Greylock halblaut. „Was nun? Jetzt stehe ich wieder vereinzelt da — vereinsamter als je." Dies war das Ende der Ehe, die dem jungen Manne so viel gekostet hatte! Seine Geschichte war indessen keine ungewöhnliche. Ein vielversprechender Jüngling von zwanzig Jahren, der einzige Erbe eines großen Vermögens, mit der Aussicht auf eine glänzende Laufbahn, hatte Robert sich in ein hübsches Gesichtchen verliebt- er hatte auf Erbe, Ehre und Luxus verzichtet, um ein Geschöpf zu heirathen, das jetzt seine Gefühle mit Füßen trat und ihm ins Gesicht höhnte. „Mein Vater that wohl daran," sagte er mit Bitterkeit zu sich selbst, „einen Sohn zu verstoßen, der sich dazu erniedrigen konnte, ein solches Weib zu erwählen- ich muß wahnsinnig gewesen sein, auf so muthwillige Weise mein Lebensglück zu zerstören. Jetzt sind mir die Augen geöffnet. Gott ist Zeuge meines Schwures, daß ich Iris für immer aus meinem Herzen verbannen will!" Ohne der bitteren Kälte zu achten, durchwanderte er ziel- und planlos die Straßen und versuchte vergebens, mit sich selbst über seine künftigen Schritte in's Reine zu kommen. Schiffe jeder Art lagen an den Werften, Oceandampfer und Handelsschiffe. Warum sollte er sich nicht auf einem einschiffen, um nie wieder in sein Heimathland zurückzukehren - Kaum hatte er diesen Gedanken erfaßt, als ihm das Colorado- Project plötzlich wieder in den Sinn kam. Dort konnte er vielleicht den Frieden wieder finden, den er in seiner Heimath verloren hatte. Aber wie sollte ec dorthin gelangen? Wo konnte er die zur Reise nothwendige Summe austreiben - sollte er sich an seinen Vater wenden? Vielleicht gab ihm dieser Geld, schon um ihn los zu werden! (Fortsetzung folgt.) Der Sommerschmtt der Stachel- und Johannisbeersträucher. Den meisten in richtiger Cultur befindlichen Beerensträuchern entsprießen, sobald die Wachsthumszeit beginnt, aus dem Wurzelstocke, sowie aus den vorhandenen Tragästen eine Menge junger Triebe, welche oft eine ziemliche Ausdehnung annehmen und beim kommenden Winterschnitt ganz oder zur Hälfte ihrer Länge der Scheere verfallen. Solche — 282 - Triebe ungehindert wachsen zu lassen, um später abgeschnitten zu werden, ist eine nutzlose Saftverschwendung der Pflanze, deren Säfte lieber zur besseren Ausbildung der Früchte, sowie des Tragholzes für das kommende Jahr verwendet werden sollten. Das Pinciren am Spalier- und Formobst ist ja auch zum gleichen Zwecke in allgemeiner Anwendung. Während der Wachsthumszeit hat man es in der Hand, das Verhältniß zwischen Holzwuchs, Früchteernährung und Vervollkommnung des Tragholzes für das kommende Jahr zu regeln. Von Ende Mai bis Mitte Juli ist die Zeit, wo man den Sommerschnitt der Stachel- und Johannisbeersträucher vorzunehmen hat, je nach den Umständen, wie viel die Vegetation vorgeschritten ist. Die vielen aus dem Wurzelstock emporwachsenden Triebe werden nach und nach bis auf diejenigen entfernt, welche als Ersatzfruchtsäfte bleiben sollen, letztere werden später auch noch entspitzt, sobald sie ein wenig länger geworden sind, als man im Winter schneiden würde. Zu gleicher Zeit, aber immer nach und nack, wie es das Wachsthum erfordert, werden auch alle einjährigen Triebe, welche aus den älteren Holztheilen kommen, entspitzt, dicht beisammenstehende auch durch Entfernen einzelner etwas gelichtet, damit die Augen der verbleibenden Zweigtheile sich gut ausbilden können und das kommende Jahr einen kräftigen Fruchtertrag ergibt. Es wird dadurch auch das verbleibende Holz des Strauches freier gestellt, Lust und Licht haben mehr Zutritt in das Innere des Strauches, die Früchte können sich somit besser ausbilden und aromatischer werden, als wenn sie sich in einem vollständigen Dickicht von Blättern und Zweigen befinden würden. Man hat auch darauf zu sehen, daß nur einjährige Triebe mitentfernt werden, welche sich zu nahe dem Boden zeigen, was besonders bei Stachelbeeren der Fall sein wird, denn solche Triebe müssen beim Winterschnitt doch auch entfernt werden. Selbstverständlich ist der erwähnte Sommerschnitt auch für die hochstämmigen Stachel- und Johannisbeeren erst recht am Platze, um eine gefällige, gleichmäßige Krone zu behalten und einer guten Fruchternte in Bezug auf Qualität sicher zu sein, worauf es bei dieser Erziehungsform besonders ankommt. Will man aber noch etwas mehr für die Ausbildung der Früchte thun, so entferne man bei allzureichem Fruchtansatze eine entsprechende Anzahl circa 4 bis 6 Wochen nach deren Ansatz. Es ist dies besonders bei Stachelbeeren sehr am Platze, wo an einem Stiel oft drei Früchte sitzen. Der scheinbare Verlust von Früchten wird durch die bessere Ausbildung der verbleibenden doppelt ersetzt- die letztere kann man übrigens durch fleißige Düngung während der Wachsthumszeit noch leicht unterstützen. GEernnNtziges. Neben dem Anbau von Busch- oder Krupbohnen sollte der Gartenbesitzer auch einige Beete mit Stangenbohnen in seinem Garten anlegen. Die Ernte von Buschbohnen ist von kurzer Dauer, während Stangenbohnen bis zum Herbst, bis sie vom Frost zerstört werden, reichlich tragen. Die unempfindlichsten unter den Stangenbohnen sind die sogenannten „arabischen oder Feuerbohnen", die gleichzeitig mit ihren rothen, zweifarbigen oder weißen Blumen eine Zierde jedes Gartens bilden und selbst in kalten Gegenden reiche Erträge liefern. Eine Gartenlaube, mit der rothblühenden Feuerbohne bepflanzt, gewährt einen lieblichen Anblick und berankt die Laube in kurzer Zeit. Vorzügliche Schneidebohnen sind Schlachtschwert und Korbfüller- im Ertrage sind beide gleich, letztere ist etwas früher und sind die Schoten etwas länger und zarter. Als empfehlenswerthe Prachtbohne nennen wir die früheste Zucker-Brech-Bohne, welche schon im August reift und die beliebte Riesen-Zucker-Brech- oder rheinische dickschotige Speckbohne. Von den Wachs-Stangenbohnen sind zu empfehlen: Wachs Mont d'or mit goldgelben, sehr zarten, feinschmeckenden Schoten ohne Fäden, Flageolet Wachs, die früheste unter den Wachsbohnen und gleichzeitig die beste Salatbohne. Eine werthvolle Einführung der letzten Jahre bildet die Wachsbohne „Kaiser Friedrich". Sie trägt 22 bis 25 Zentimeter lange, goldgelbe Schoten mit rosa Anflug, dieselben sind dickfleischig und ohne Fäden und können bis zum Herbst gepflückt werden. Der Schotenansatz ist ein äußerst reicher. In der That eine Brechbohne ersten Ranges. * * $ Zur Vertilgung der Stachelbeerraupen hat sich folgendes Verfahren sehr gut bewährt. Man nehme ein halb Pfd. Soda, ein halb Pfd. Schälseife, löse beides mit kochendem Wasser auf und gieße kaltes Wasser zu, sodaß es 12 Liter werden. Damit bespritze man die Stachelbeersträucher hauptsächlich von unten nach oben, weil die Raupe auf der Unterseite des Blattes sitzt. Nach 5 bis 10 Minuten wird mit kaltem Wasser nachgespritzt. Hierauf lege man Papierlagen unter den Strauch, schüttle die Raupen darauf ab und verbrenne sie. * * * Nichts befördert das Wachsthum der Himbeeren mehr, als eine reichliche Kopfdüngung im Frühjahre. Es ist dazu am Besten halbverrotteter Mist zu verwenden, wie solcher aus abgetriebenen Mistbeeten genommen wird. Das gießt nicht nur gute Düngung, sondern auch eine schützende Decke, welche verhindert, daß die feinen, flachliegenden Wurzeln so leicht austrocknen und daß der Boden während der Ernte allzu fest getreten wird. * * * Um den Epheu im Zimmer recht großblätterig und frisch ziehen zu können, Pflanze man ihn in fußhohe Kästchen, die gehörig mit Abzugslöchern versehen und halb mit Topsscherben gefüllt werden, damit das Wasfer gut abfließt und die Erde nicht sauer wird. Auf die Scherben kommt eine zollhohe Lage gute nicht zu schwere Gartenerde, dann eine dünne Lage von höchstens einem viertel Zoll Hornspähne, darauf wieder ein halber Zoll hoch Erde, und nun wird der Epheu eingesetzt und der Kasten vollends mit Erde gefüllt, doch muß wegen des Begießens */2 Zoll Raum bis an dm Rand bleiben. Der Epheu braucht nicht viel Pflege und nur dann Wasser, wenn die Erde oben trocken ist. Soll er recht treiben, so gibt man ihm eine Hand voll Kaffeesatz, aber das nicht zu oft, sonst übertreibt er sich und geht aus. * * * Die Stecklinge der Oleander müssen vorsichtig mit scharfem Schnitt vom Stamme gelöst und unverzüglich ins Wasser gesetzt werden, welches von Zeit zu Zeit durch Nachfüllen von frischem, stubenwarmem Fluß- ober Regenwasser zu ergänzen ist. Als Standort ist ein zugfreies, sonniges Fenster am geeignetsten. Sobald die Bewurzelung genügend vorgeschritten, wird der Zweig in einen mit humusreicher Lauberde gefüllten, nicht zu kleinen Blumentopf eingesetzt und stets nur mit lauem, weichem Wasser begossen. Sobald er in seiner Entwickelung weiter vorgeschritten ist, erweist sich das Gießen mit abgekühltem Kartoffelwasser als vorzügliches Treib- und Düngemittel. Mit Hilfe desselben habe ich einem jetzt zweijährigen Oleander zu solcher Ueppigkeit verhalfen, daß man ihn allgemein für vier- bis fünfjährig schätzt. C. JN. • * * Um weißen Topfrosen eine angenehme röthlich angehauchte Farbe zu verleihen, gieße man vor dem Erblühen em wenig Branntwein auf die Topferde. Jedoch muß 16 Quantität eine beschränkte sein, damit die Pflanze nicht etwa Schaden leidet. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl-schm Universitüts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.