d berühmt«, große Ver. r anfertigen c Dietrich t in Heyers 1858), daß lio pini und Schaden ge- verausgabt u vernichten. der Schaden ersorstmeister ' Diese Vögel Nun wurden m Theil aus mkästchen an- n, welche das mgen suchten; c eines Ober- Nai eine Anfand er ihre epfropft, und et abgebrochen mg unterzogen : gefressen." st die heutigen :e Schuldigkeit Zorstwirthschast und beunruhige m die Menschen rur zu unserin daß der Stau Käfer (Enger- zezieser aus der rschen, Trauben t, gar nicht ins hr zu wünschen, auf ihre Kosten i zu lassen. Lehrer i. P. servirung von bereitet werden. Zchweinesett und r heißes Wassff ,et man es mit trocknet, bringt ops und überlast Wasferbade untet 3, die allerdings Schmiere, die dnS .iirfte ausgetragen heile Colophomu« lze man bis M ■m, x--«« Theil pulvertsi k mit 100 Th°> °" m obigen LederB- eyda) in Gieß-»- 1897« MW E 8 l'a 1 «iffl jlOI M/urch Schaden wird man wohl klug, aber auch — arm. Ä O. E. W. Man sieht sich nie so sehr nach Bundesgenossen um, als wenn man im Unrecht ist. Sirius. Wie Viele würden sich glücklich fühlen, wenn sie wüßten, wie vielem Unglücke sie — entgehen. Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) Er war ausgestanden und stand zwischen ihr und dem Fenster, von dem sich seine kräftige Figur dunkel abhob. Das Mädchen war auf den kecken Ton heiter und ohne Zauder eingegangen, jetzt aber war doch eine gewisse Verlegenheit und Zaghaftigkeit über sie gekommen, und griff nach einem zierlichen Stichel, der unter den vielen Zangen, Scheren und Schabern auf dem Werktisch lag. Indem sie ihn spielend in der Hand bewegte, fragte sie mit leiserer Stimme: „Was soll ich ihr denn ausrichten?" „Das muß ich Ihnen ins Ohr sagen," entgegnete er, und da sie nicht von ihm zurückwich, brachte er sein Gesicht so nahe an das ihre, daß ihr krauses Stirnhaar ihn berührte. „Daß ich sie gern habe, müssen Sie ihr ausrichten, und daß sie Martha Wernicke heißt, und daß ich ihr heute zum ersten Mal, seit sie ein kleines Mädchen war, einen Kuß gegeben habe." Mit festen, muthigen Händen hatte er ihren Kopf ergriffen und drückte nun einen herzhaften Kuß auf ihren frischen, blühenden Mund. Einen Augenblick ließ sie sich's gefallen, dann aber machte sie sich los und sagte lachend, nicht zornig: „Sie sind ein unnützer Mensch!" „Unnütz ist nichts in der Welt, Fräulein Martha, das weiß kein Mensch besser, als ein Goldschmied. Sehen Sie, den Staub hier auf der Erde, das Waschwasser dort, wir schmelzen das alles mit ein, und es bleibt immer ein kleiner Rest von Gold oder Silber zurück. Und ich bin der Ansicht, so ist es auch mit den Menschen. So unnütz ist keiner, daß nicht ein wenig Edelmetall in ih-n steckte- man maß es nur herauszuholen wissen." „Da müßte ich Sie wohl auch einmal umschmelzen?" „Das haben Sie leicht. Sie brauchen mich nur anzusehen mit Ihren verflucht hübschen Augen, und ich schmelze wie das Loth in der Flamme." Noch einmal sah sie ihm voll ins Gesicht, als wollte sie die Probe machen auf seine Behauptung, dann wandte sie ^sich hinweg und sagte: „So, nun ist's aber genug. Da ist Ihr Frühstück, und ein andermal vergessen Sie's nicht wieder. „Wenn ich's dadurch fertig bringe, daß Sie mich hier wieder besuchen, dann hungere ich acht Tage." „Und wenn ich Sie verhungern lasse?" „Dann setzen Sie mir ein Denkmal und schreiben daraus: „Er starb um mich. Martha Wernicke." „Im Jahre des Unsinns. Guten Morgen!" Sie ging rasch zur Thür, die sie öffnete- er aber rief ihr noch nach: „Und wenn Sie die eine sehen, von der wir vorhin gesprochen haben, dann sagen Sie ihr noch, daß ich gar nicht so leichtsinnig wäre, wie ich aussehe. Und wenn sie mich möchte, dann sollte eine ganz reelle Sache dabei herauskommen, so eine Erweiterung der Firma zu Wernicke & Co." „Bestellen will ich's ihr, aber was sie antworten wird, das kann ich noch nicht sagen. Geschäftsangelegenheiten sind auch Sache ihres Vaters." Damit hatte sie die Thür geschlossen und stand in dem räucherigen Raume mit Ambos und Herd. Einen Augenblick horchte sie noch zu ihm hinein, dann athmete sie tief. Ein glückliches, sonniges Lächeln ging über ihr Gesicht - „Wernicke & Co." murmelte sie leise und nickte dazu. Nun trat sie auf den Corridor hinaus, wo sie wieder einen Moment nachsinnend zauderte. Sie überlegte, wohin sie ihr Glück am ersten tragen sollte, ganz heimlich, ohne es auszusprechen, einem Menschen zu, der eine theilnehmende Seele hatte. „Papa Busenius!" fuhr es ihr durch den Sinn. Rasch öffnete sie eine Thür, die der zum Werkraum im Corridor gerade gegenüber lag. Sie führte zu einem der dunklen Gelasse, an denen das Haus so reich war- eine der vielen, lichtlosen Treppen leitete auch hier in die Höhe, eine matte Helle drang sür gewöhnlich durch die Glasscheiben der Thür herein. Jetzt aber, da sie weit geöffnet war, kam ein stärkerer Tagesschein von den Fenstern des Corridors her. Deutlich war die gebrechliche Treppe zu erkennen, die an der linken Wand hinaufführte, ebenso deutlich eine zweite, die rechts daneben in die Tiefe ging. Auch das konnte man sehen, daß diese Stufen vor einer festen Wand plötzlich endeten. Offenbar war auch hier ehemals eine Thür gewesen, aber sie war vermauert 26 viele von um erber des mit Schritt auf der Treppe vernahm. Sie stutzte, als sie den Mann so plötzlich vor sich erblickte, er aber lachte, ein halb melancholisches, halb spöttisches Lachen, und sagte: „Sie brauchen sich nicht zu erschrecken, Fräulein Wernicke. Und guten Morgen auch." „Guten Morgen, Herr Neuert. Sie sind's, — ich hatte Sie nicht gleich erkannt," gab sie rasch gefaßt zur Antwort nur geholt? Hier auf dieser zur Antwort, aber seine Augen nicht bei seinen Worten war. doch. Da, an der Treppe hier. rufe ich um Hilfe." , ,.„6 s;. Die Worte brachten ihn zur Besinnung - er ueg kühler Helle erfüllte. Ein Einbau, der die eine Ecke am Giebel einnahm, höhte den Eindruck des Bewohnbaren. Eia Zimmer war hier hergerichtet, zu dessen braungelb gestrichener Thür zwei Stufen emporführten. Ein Fenster befand sich auch in ihr, doch war es von innen durch ein davor genageltes Brett fest geschlossen. Im Augenblick war sie offen- der Bewohner des Zimmers hatte am Fenster der Giebelwand im Bodenraum gestanden und wandte sich um, als er Marthas leichten Schmerzen?" Er lachte wieder das halb traurige, halb höhnische Lachen .... vorhin. „Eine Schramme, die in ein paar Tagen heil ist. Die macht mir nichts." „Wo haben Sie sich's Treppe?" „Nein, unten," gab er verriethen, daß seine Seele Dann besann er sich. „Ja, Sie müssen das Blut noch sehen können." Sie blick!e hinunter, aber ihre Augen vermochten nichts zu entdecken. Sie wandte sich ihm wieder zu, doch fand sie den Muth nicht, ihn Lügen zu strafen. Wieder stand er, schweigend und heftig athmend, ihr gegenüber, während seine Augen immer heißer brannten, sich immer tiefer, durstiger in die ihren versenkten. Ein beängstigendes Gefühl überkam sie, die Empfindung willenlosen Hingegebenseins an eine fremde Macht. Erst einmal hatte sie Aehnliches gefühlt. Als Dollar Jaksch vor ein paar Monaten zu ihr in das Zimmer getreten war, während die Eltern vom Hause fort waren, und lange mit ihr geplaudert hatte. Von ganz harmlosen Dingen, ohne diese seltsamen Pausen voll tiefen, geheimnißvollrii Schweigens, aber mit demselben unverwandt auf sie gerichteten, machtvollen Blick, der ihr die Freiheit des Denkens und Handelns zu rauben schien. Vergeblich suchte sie nach Worten, den Bann zu brechen. Endlich that sie eine thörichte, gleichgiltige Frage, nur um die eigene Stimme wieder zu hören. „Wo sind Sie eigentlich zu Hause, Herr Neuert?" „Nirgends!" rief er, und in seinem Lachen war M nur noch wilder, wüthender Hohn. „Auf der Straße, im Dreck, auf dem Mist — da ist mein Zuhause!" _ „Aber Sie müssen doch Eltern haben, eine Heimath? „Muß ich? Daun wird es ja wohl auch so sein. Nm daß sie nichts von mir wissen wollen. Eine Heimath? Nein, die habe ich nie gehabt und die werde ich niemals haben. Er sprach immer leiser, zwischen den 'Zähnen, und indem er die leidenschaftlichen Worte hervorstieß, bewegte er sich langsam, lautlos, Schritt vor Schritt auf das Mädchen hin, das zu zittern begann in furchtbarer Angst und doch den Fuß a" den Boden hilflos gefesselt fühlte. „Wenn ich nicht verhungert bin, ist's ein Zufall, und vielleicht wäre es am besten, m wäre verhungert. Nein, keine Heimath! Niemals! memai ■ Sonst, Mädchen, müßtest Du dabei sein, Du und Du allem. Mein müßtest Du sein und mir gehören." Jetzt war er unmittelbar vor ihr, sie suhlte letm glühenden Athem und sah die brennenden Augen dicht vor den ihren leuchten. Und bei den letzten Worten packte er p an den Schultern- die verwundete Hand ruhte wre ei> schwerer Hammer auf ihr, die Finger der anderen aber m spannten sie mit der Gewalt eines Schraubstocks -pl°6 da sie eine Gefahr nun wirklich vor sich erblickte, kam? Muth ihr zurück, um den sie bisher vergeblich gerungen ya - Sie schrie nicht auf- ganz ruhig, kühl, ein wenig ■ sagte sie: „Wenn Sie den Unsinn nicht lassen, Herr 1« ' und wollte an ihm vorüber, der an der anderen Seite weiter emporführenden Treppe zu. Er aber vertrat ihr den Weg. „Haben Sie's so eilig?" fragte er. „Das nun just nicht," entgegnete sie und blieb stehen. Doch obwohl er durch seine Frage den Wunsch ausgedrnckt hatte, mit ihr zu plaudern, fand er jetzt keine Worte. Schweigend, mit halb geöffneten Lippen hörbar athmend, stand er vor ihr, eine heiße Flamme leuchtete in seinen Augen, und zwischen den Brauen erschien eine tiefe, leidenschaftliche Falte. Sein Gesicht war sehr bleich, so weiß fast wie der Verband um seine verletzte Hand. Um die Stille zu unterbrechen, die sie beklemmte, wies Martha mit einer leichten, verlegenen Bewegung auf das verbundene Glied. „Was macht Ihre Wunde? Haben Sie worden, und nur ganz oben war eine Oeffnung gelassen, I ein kleines Fenster mit eisernen Sprossen. Martha kannte den Raum genau, jetzt aber, aU> ste die Thür wieder hinter sich schließen wollte, hielt sie erstaunt plötzlich inne. Von den untersten Stufen der niederführenden Treppe blinkte und flimmerte ihr etwas entgegen, und als sie neugierig hinunterstieg, sah sie, daß es die Stücke und Splitter von ein paar zertrümmerten Glasscheiben waren. Scheiben, die bisher in dem Fenster der vermauerten Thur aesessen hatten und jetzt zerbrochen am Boden lagen. Nachdenklich hob Martha ems der Stücke von der feuchten, steinernen Stufe empor. „Wunderlich," dachte ste köpf- I chüttelnd, „es sieht aus, als wäre das Fenster von innen I)er zerschlagen, sonst könnte doch nicht alles Glas hier außen liegen. Aber dort hinein kann ja Niemand kommen.' Doch nicht lange hielt sie sich mit Nachgrübeln aus. I Sie warf das Glas zur Erde, daß es klirreud noch einmal zerschellte- daun lief sie rasch die Stufen wieder empor, schloß die Thür nach dem Corridor hin und eilte nach oben. Hier mündete die Treppe dicht neben der Küche des ersten Stockwerks, und Martha ries einen freundlichen Morgengruß zu der Köchin hinein, die glühend vor Eifer an ihrem Herde liantirte. Doch trat sie nicht ein, sondern ging mit geflügelten Schritten weiter bett Corridor hinunter, als hebe und trage das Glücksgefühl sie über die Erde hin. Als sie am Zimmer des Assessors vorüberkam, öffnete sich die Thür, und er selbst trat heraus. Aber er schien das Mädchen kaum zu erblicken- zaudernd hielt er die Klinke der Thür in der Hand, als hätte er vergessen, was er gewollt, und schaute leeren Blickes gerade vor sich hin. Martha erschrak über seinen Anblick, er schien ihr um Jahre gealtert. Guten Morgen, Herr Assessor," sagte sie freundlichem warmer Ton des Mitleids klang aus ihren Worten. Jetzt richtete er die Augen auf sie, und ein Strahl des Erkennens leuchtete darin auf. „Guten Morgen, Fräulein Wernicke," gab er zur Antwort, und sie erschrak über die verzehrende Schwermuth in seinen Augen. Dann wandte er sich ab, seufzte tief auf und ging in das Zimmer zurück, dessen Thür er hinter sich schloß. Langsam schritt Martha nun vorwärts, die Haupttreppe des Vordergebäudes hinan. Wo sie endete, begann der mächtige Giebelraum des Hauses, in dem fünf Böden übereinander lagen, durch weite, offene Luken und schmale leiterähnliche Treppen mit gebrechlichem Handläufer mit einander verbunden. Hier in dem untersten Bodenräume zeigte sich noch ein schwacher Versuch, den Eindruck des Bewohnten durch schmückende Znthat zu erreichen. Waren Wände und Dächflächen auch einfach verputzt, so hatten doch die Holzpfosten, auf denen die Decke ruhte, und die beiden mächtigen Schornsteine, die den Raum — der eine schräg, der andere gerabe — burchzogen, einen Anstrich blauer Leimfarbe unb eine bescheibene Zierbe burch weiße unb braune Streisen — das obere Enbe erhalten. Ein einziges Fenster in Giebelwanb sanbte Licht herein, bas burch ben Reflex Anstrichs einen bläulichen Ton annahm unb ben Raum 27 eite weiter den Weg. lieb stehen, ansgedriickt ine Worte. : athmend, inen Augen, enschaftliche ast wie der wies ig aus das Haben Sie nische Lachen Tagen heil aus dieser seine Augen Lorten war. Treppe hier. rächten nichts doch sand sie >er stand er, nährend seine . durstiger in ; überkam sie, eine fremde . Als Doctor > Zimmer ge- t waren, und rlosen Dingen, eheimnißvollen : auf sie ge- :t des Denkens NN zu brechen, rage, nur um nd Sie eigent- hen war jetzt er Straße, im !" ine Heimath?" so sein. Nm seimath? Nein, iemals haben!" und indem er te er sich lang- ädchen hin, das och den Fuß °» nicht verhungert am besten, id) mals! niemals! und Du allein. e fühlte seine» »lügen dicht vor cten packte er sie ruhte wie ein rderen aber mm stocks PlbtzA' rblickte, kam der h gerungen hatte, wenig fpötbsch en, Herr Neuerh tg; er ließ dir Hände sinken und trat von ihr weg. Halb abgewandt murmelte er: „Sie haben ganz recht, es war Unsinn. Für unsereinen ist ja so was nicht. Nehmen Sie mir’S nicht übel aus." Ohne noch einmal zu ihr zurückzuschauen, ging er zu seinem Zimmer, stieg die beiden Stufen hinan und warf die Thür hinter sich schwer ins Schloß. Martha mußte noch einen Augenblick stehen bleiben, um sich zu fassen. Da die Gefahr vorüber war, begannen ihr die Kniee zu zittern. Aber nur ganz kurze Zeit gebrauchte sie, um sich wiederzufinden, um sich zu erinnern, weshalb sie hierher gekommen war. Und mit der Erinnerung an den Mann dort oben, zu dem sie Glück und Schmerz ihres jungen Lebens schon so oft hinaufgetragen hatte, fühlte sie eine Empfindung der Sicherheit und Freiheit beruhigend in sich emporwachsen. Rasch, nur einen halben, scheuen Blick noch auf die Thür werfend, hinter der Neuert verschwunden war, durchschritt sie den Bodenraum und stieg die zweite der Treppen flüchtigen Fußes hinan. Zu ihm, der dort oben hauste, zu dem Narren, dem Weisen, dem alten Busenius im dritten Bodenraum des mächtigen Giebels. Als der Assessor Shbel vor seinem Zimmer mit Martha zusammengetroffen war, hatte er eben nach schwerem Ringen den Entschluß gefaßt, zu Frau Henninger hinüber zu gehen und ihr zu sagen, was er seit dem vergangenen Abend gedacht und empfunden hatte. Die schwerste Nacht seines bisherigen Lebens lag hinter ihm. Vergeblich hatte er den Schlaf gesucht und ersehnt,- Stunde um Stunde war hingegangen, mit schweren Schlägen von den Glocken der Michaeliskirche ihm zugerufen, aber sein Geist hatte die Ruhe nicht gefunden- Seine Jugend, seine Vergangenheit stiegen in diesen Stunden schmerzvollen Wachens wieder vor ihm empor. Er sah sich als zartes, schwächliches, leicht erregbares Kind, das in der ernsten Atmosphäre des norddeutschen Pfarrhauses weltfern heranwuchs. Er sah die gütige Mutter, die sein Leben zu schützen suchte vor der Berührung mit der Außenwelt, den düsteren Vater, der strenge Lehren, — heilig schon darum für alle Zeit, weil sie aus diesem verehrten Munde kamen — ihm für die Zukunft einprägte in seine empfängliche Seele. „Des Menschen Rede sei ja, ja und nein, nein," hörte er ihn sagen, und es war ihm, als berühre die kühle, eingeschloffene Luft der kleinen Dorfkirche wieder seine Stirn. „Wer sein Wort bricht, ist ein Judas. Wer aber einen Eid zu brechen wagt, erwirbt sich die ewige Ver- dammniß. Es giebt nicht Heiligeres auf der Welt als einen Eid, als dieses feierliche Versprechen, abgelegt auf den Namen des Höchsten." Er hörte die Worte, er fühlte sie in seiner Brust. Sie hatten dort Wurzel geschlagen, hatten sein Wesen durchdrungen, waren ein Theil von seinem Selbst geworden. Er hatte denken und glauben gelernt wie sein Vater, aber er dachte und fühlte — seiner Natur gemäß, die jeden Eindruck der Außenwelt wie ein vielfaches Echo zurückgab — mit einer noch tieferen, noch leidenschaftlicheren Inbrunst. Und nun mußte er erfahren, daß die Frau, die er liebte, ihr Wort, ihren Eid, in die Hände des sterbenden Gatten feierlich geschworen, brechen wollte um seinetwillen. Ohne Zaudern, ohne Grübeln, dem Triebe der Leidenschaft gehorchend, ohne auf die Stimme des Gewissens in ihrer Brust zu hören. Er hätte sie verachten mögen, sich abwenden von ihr, • mit einem Male und für immer, ihr Bild, ja, die Erinnerung selbst herausreißen aus seiner gequälten Seele, aber — er liebte sie! Das war das furchtbarste, daß er sie lieben mußte trotz alledem. Lieben mit einer Sehnsucht, einer Hingebung, einem glühenden Verlangen, das erst vor wenigen Stunden zu seiner ganzen Stärke in ihm emporgelodert war. Solange er im Stillen ihr Bild in seinem Herzen getragen hatte, war der Strom der Empfindung eingedämmt und^sgezügelt gewesen- aber seit er wußte, daß auch sie ihn liebte, seit er sie an seinem Herzen gehylten, ihre Lippen geküßt,^den Duft ihres Haares getrunken hatte, war sein Blut zu Feuer geworden, das verzehrend, vernichtend durch seine Adern floß. Phantasiegestalten begannen ihn zu änstigen, als gegen Morgen der ermattende Geist in halbe Bewußtlosigkeit versank. „Ein Eid, ein Eid, ich hab' 'nen Eid im Himmel," hörte er eine heisere Stimme dicht an seinem Ohr sagen, und zugleich meinte er die Gestalt des Shylock vor sich zu erblicken, das Messer und die Waage in der Hand, mit heimtückischem Grinsen die Frage hinzufügend: „Soll ich auf meine Leele den Meineid laden?" Die Gestalt verdoppelte, verdreifachte sich, alle Drei nickten ihm zu und wiederholten unablässig dieselben Worte, bis zuletzt ein Schleier vor ihnen niedersank und die Erscheinung sich verwandelte. (Fortsetzung folgt.) Wandernde Sümpfe. Von F. Clemens. (Nachdruck verboten.) Eine wunderbare Mär kommt aus Irland. Das große Torfmoor von New-Rathmore bei Killarney hat sich in Bewegung gesetzt und bedroht die Umgebung auf Meilen in der Runde mit Vernichtung. Eine ganze Familie ist bereits in die Tiefe versunken. Das Torfmoor, fast eine englische Meile lang und breit, schiebt alles vor sich her. Zwar liegen noch keine Berichte über die Ergebnisse bezüglich der Ursachen der seltsamen Erscheinung vor, doch läßt sich an der Hand analoger Voraänge und einzelner, in den zu uns gelangten Mit- theilungen" enthaltenen Winke das Phänomen mit ziemlicher Sicherheit erklären. Vor allen Dingen muß man sich über die Natur des Torfmoors an sich klar werden. Unsere Torfmoore führen uns im Kleinen den Vorgang der Kohlenbildung vor. An Orten, wo der Untergrund kein Wasser durchläßt, oder doch so undurchdringlich ist, daß er das zufließende Wasser veranlaßt, beständige Ansammlungen von geringer Tiefe zu bilden, entstehen dieselben bei dem Vorhandensein eines ebenen Bodens, einer gleichmäßigen wenig hohen Temperatur, regelmäßigen Wasserzuflusses durch Bäche oder auch Regen und gewisser Säuren auf folgende Weise: Ein Teppich von Sumpfpflanzen bedeckt nach und nach den ganzen Wasserspiegel, die Ueber- bleibsel jeder absterbenden Generation der Pflanzen bilden allmählich auf dem Grunde des Platzes ein Lager, das mit dem Alter und der zunehmenden Menge immer dichter wird und sich schließlich durch chemische Wirkung mit der Zeit in eine gleichartige Masse verwandelt. „Durchschneidet man", sagt Saporta, „ein thätiges Torfmoor bis auf den Grund, so findet man drei wohl unterschiedene Schichten- die untere kohlige Schicht, die auf dem undurchdringlichen Boden ruht- die mittlere vom Wasser eingenommene Schicht, in welche die Wurzeln der dichtgedrängten Pflanzen eindringen, welche den Teppich der oberen Schichten bilden. Die Moose, Pinsen, Gräser und die schwachen kriechenden Sträucher, welche auf den Torfmooren wachsen, bilden einen künstlichen Boden, der nur mit Gefahr begangen werden kann, aber wegen der Menge zersetzter Pflanzenstoffe und des Wassers, das et enthält, dennoch fruchtbar ist. Große Bäume, ja selbst ganze Wälder können, durch diese Umstände begünstigt, sich auf einem solchen Boden erheben. Die Weiden, Zitterpappeln, Kiefern und Birken lieben solche Standorte und wachsen dort rasch empor - aber sie halten sich nur schwer auf dem beweglichen Boden- ihr Gewicht zieht sie nieder, ihre Stämme neigen sich, fallen um und werden unter der Krautvegetation begraben, die sie überzieht. So gelangen sie bis in die untere Schicht, in welche auch die lederartigen Früchte, die Reste von Thieren und alle möglichen an der Oberfläche verlassenen Gegenstände einsinken." Dieser Vorgang kann sich, wo das Terrain eben und günstig ist, auf ungeheuren Flächen abspielen, welche dann 28 einen trübseligen Anblick gewähren. Aus solchen Torfmooren oder Moorbrüchen ist jeder Schritt gefährlich. Der Betretet geht wie auf Gummi, und wenn er einsinkt, verschwindet er rettungslos in den schwarzen Abgrund. Aus obiger Schilderung ersehen wir, daß die Torsmoore durch die immer neu hinzukommenden Pflanzentheile beständig wachsen, das heißt, die filzige Schicht wird immer dicker, das Moor erhebt sich. Diese Erhebung kann eine so gewaltige sein, daß sie sich wie ein aussichtversperrender Wall zwischen ganzen Ortschaften aufthürmt. Roßmäßler berichtet über Fälle, in welchen Torfmoore sich in wenigen Jahrhunderten so bedeutend erhoben haben, daß Ortschaften, die an deren Rändern gegenüber lagen und sich bisher sehen konnten, dies jetzt nicht mehr vermögen. Wie ist es aber möglich, wird der Leser mit Recht fragen, daß das Torsmoor zum Hochmoor werden, also in der Mitte höher, als am Rande emporsteigen kann, ohne daß das Wasser der höher emporgestiegenen Mitte abfließt? Zur Erklärung dieser Erscheinung nehmen wir am besten das Beispiel des Badeschwammes. Gleich ihm besitzt das Torfmoor die Eigenschaft, sich voll Wasser zu saugen, die Flüssigkeit sestzuhalten. Vor allem zeichnen sich die zwischen den übrigen Pflanzen üppig wuchernden Moose durch die wasserhaltende Kraft aus, welche selbige bekanntlich auch in unseren Wäldern bethätigen, indem sie den Regen auffangen und aufbewahren, auf diese Weise den Bäumen auch in Perioden der Trockenheit das zum Wachsthum und Gedeihen nöthige Lebenselement sichernd. Sehr nahe liegt nun die Möglichkeit, daß sich solche filzartige, elastische, unsichere Schichten in Bewegung setzen können. Irgend ein Zufall trennt einen Theil vom Ufer los und erzeugt eine schwimmende Insel, deren Pflanzen- und Grasdecke so dicht ist, daß sie ganz den Eindruck eiuer wirklichen Insel macht. Wie Bommeli mittheilt, findet sich eine solche Insel auf dem See von Reunforn in der Schweiz, die von solcher Festigkeit ist, daß dort das Gras abgemäht und eingesammelt wird. Auch in Deutschland haben wir die Erscheinung eines schwimmenden oder wandernden Moores in dem schwimmenden Land bei Waakhusen, einem Theil des großen Teufelsmoores zwischen Lilienthal und Bremervörde, das noch wunderbarere Eigenthümlichkeiten aufweist. Auch hier handelt es sich um schwimmende Moorinseln, oder vielmehr um ein regelloses vagabondierendes Treiben der einzelnen Moortheile gegen- und durcheinander. Schon Plinius kannte das merkwürdige Naturwunder, und ein Rector Roth in Stade schrieb 1718 darüber: „Waakhusen hat einen gar besonderen Grund, mit Moor umgeben. Wenn hohe Wasserfluthen kommen und Sturmwinde wehen, so wird zwar das Moor vom Wasser überschwemmt, das fruchtbare Land aber nebst den darauf stehenden großen Buchbäumen wird von der verborgenen Fluth und dem Wasser, so unter dem Lande ist, hin- und hergetrieben, daß mancher Hausmann große Mühe haben muß, seinen Hof nebst den darauf stehenden Eichbäumen wiederum auf die vorige Stelle zu bringen.^ Während der Regentage des Herbstes saugt sich nach der Schilderung eines zeitgenössischen, offenbar ortskundigen Schriftstellers die Moorbodenlage voll von Wasser gleich einem Schwamm. Tritt nun Frost ein, so erstarrt das Wasser zu Eis. Die obere Moordecke ist sehr lose mit der braunen Unterschicht verbunden, es bedarf nur des Einflusses des Wassers und der Kälte, um sich von einander zu reißen. Die Moorschichten treiben hoch, haben nach unten keinen Halt mehr und leisten sich ein vagabondierendes Dasein. Die Gebäude der Bewohner sind errichtet auf „Wurten", die allmählich ausgeworfen und erhöht worden sind. Diese Wurten stehen fest, denn der aufgeschüttete Sand und Ballast hat den Torfboden derart niedergedrückt, daß er den Dünensandboden erreicht hat und auf demselben fest sitzt. Ist einmal diese Bodenschwere erreicht, dann hört freilich das Schwimmen auf. Aehnlich ist es auch mit den Landstraßen, die infolge der fortwährenden Aufschüttung von Sand fest liegen, während die Felder zu beiden Seiten sich heben. Ganz Waakhusen wackelt, wenn zur Zeit der Schneeschmelze das Treiben beginnt, und einen gar eigentümlichen Anblick gewährt es, wenn zu Beginn des „Umsturzes" die Aecker längs der Landstraße sich aufblähen, auseinander bersten und ein lustiges Vagabondenleben antreten. Das giebt eine gewaltige Verschiebung im Lande, denn kein Grundbesitzer weiß, ob nicht der schönste Baum vor seinem Lande plötzlich von der Wanderlust ergriffen wird, und vergnüglich seiner Wege schwimmt. Liegen Stege oder Brücken über den Gräben, so bleibt beim Hochwasser zuweilen das eine Ende derselben in der Tiefe stecken, während das andere Ende sich hinaus schiebt, hoch empor hebt und auf den schwimmenden Acker mie auf eine Anhöhe hinaufführt. All dieses Unheil richten die Gewässer der sonst so ruhigen Hamme an, welche das Moorgebiet durchfließt. Sie speist alle Kanäle und Gräben derart reichlich mit Wasser, daß dasselbe in das Moor tritt und aus demselben eine schwammähnliche Blase bildet, deren oberer, 8 bis 10 Fuß dicker Rand sich abhebt und in treibende Bewegung.geräth. Die Torflage der schwimmende« Wiesen ist oft so dünn, daß wenn ein Wagen darüber fährt, der Boden sich unter den Rädern und den Pferden senkt, hinter den Wagen sich aber wieder hebt. Die Häuser sitze« unter solchen Umständen natürlich nicht fest, sie verändern in jedem Frühjahre ihre Grundlage und müssen mittelst unter sie gesetzter hölzerner, etwa ein Meter langer Schrauben, je nach Bedarf in die Höhe gehoben werden, eine Prozedur, bei welcher die aus Fachwerk errichteten Gebäude derart beschädigt werden, daß'sie nach wiederholtem Aufschraube« neu gebaut werden müssen. Kein Zweifel nun, daß wir in dem wandernden Torfmoor von New-Rathmore eine gleiche ans ganz ähnlichen Ursache« entspringende Erscheinung vor uns haben. Alle Berichte stimme« darin überein, daß der Bewegung des Moores anhaltende Regengüsse voraus gegangen sind. Der „Badeschwamm" h«! vermuthlich die zu groß werdenden Wassermassen nicht mehr halten können oder doch der beständige Zufluß die Veranlassung zum Abfluß gegeben, worauf ja auch die Bemerkung in de« Berichten deutet: „Das Moor sei eingesunken und in Bewegung gerathen." Nach allen Seiten zerstreut sich die halbflüssige Tors- masse oder concentrirt sich je nach der Localität auf abschüssige« Terrain, wo sie dann wie ein dicker, träger Strom dahinrinnt, Thäler und Kessel, denen sie auf ihrem Wege begegnet, natürlich ausfüllend und alles darin befindliche in ihrem Schlamme be- grabend. In anderen Fällen können auch chemische Prozesse ben Anlaß zur Bewegung schlammiger Massen geben: Expansiouc» von durch Fäulniß oder andere Ursachen entstehenden Gase« Solche Ursachen wirken zum Beispiel bei den sogenannte« Schlammvulkanen, kegelförmigen Thotthügeln, wie wir fit u. a. in Sicilien, Java, Island und Südamerika finden^ Der Regen spielt auch hier insofern eine Rolle, als er btt in den „Kratern" der Kegel befindlichen Thonmassen aufweicht und in flüssigen resp. halbflüssigen Brei verwandelt, durch welchen die Gase bei ihrer Entweichung hindurch müssen um den sie deshalb in steter Wallung erhalten. Ist der Br» nun zähe, so vermögen ihn die Gase nicht zu durchdringe«, sie blähen seine Oberfläche zu großen Blasen auf, welche platze» und den Schlamm nach allen Richtungen umherspritzen. E findet also eine vulkanische Eruption im Kleinen statt, btt welcher oft sogar Erschütterungen des Bodens, sowie Damsi- und Feuererscheinungen nicht fehlen. Mit dem wandernde» Moor von Killarney stehen die Schlammmvulkane in '»eint Beziehung. Rcdaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ®i