ein Mann ltrüglichste r Gefühle, äffend — galanten findet nie Achtungen i folgende ann einen et er sich fast. Er d schwebt hungrig, be macht, Zeiten zu ppetitlos, (gestoßen. hat nur n Appetit : Flamme näher er auffälliger stets von e Augen em Tage, nichts, eidet sein n ansieht, ewöhnlich t Blinder >en Korb sehr viel normale t. Doch rklärung :r tüchtig eicht gar ^sonders Haben gewesen, erkt man icher der Ansehen h, kalte en nicht die sich mb diese i Bezug iensions- ochzeit): cht mehr i feinen : Unser- Zst Ihr öedaure bei ihm ceudig): igentlich alt sei, ßm. Der Majoratsherr. Roman von Natal? ». Eschstruth. (Fortsetzung.) „Mama, wäre es nicht gemein, wenn ich anders handelte? — Wulff-Dietrich ist mein Freund, — und Pia habe ich lieb!" „Darum eben! — grade darum!" seufzte Frau Johanna schmerzlich, dann aber erhob sie sich hastig, breitete mit strahlenden Augen die Arme aus und zog Fränzchen an die Brust. „Mein braves, edles, hochherziges Kind! wie bin ich so stolz auf Dich, ich sehe es selber ein, Du handelst recht, und auf eine Aenderung in der Lage der Dinge zu warten, halte ich jetzt, nach Allem, was wir an Pia erlebt, auch für nutzlos! Also an Papas Geburtstag!--je nun, wie Du willst, Gott wird Dich segnen dafür!" Fränzchen grub die Zähne in die Lippen, um nicht ihre innere Erregung zu verrathen. Sie lachte sogar und zuckte die Achseln. „Ich bitte Dich, Mütterchen, lobe mich nicht für Selbstverständliches, ich thue meine Pflicht- weiter nichts." „Ich weiß aber, was es Dich kostet, um diese Pflicht zu thun, — ich kenne das Opfer, welches Du bringst!" „Ein Opfer?" „Du opferst nicht nur das Herz, sondern gewissermaßen so, wie die Dinge liegen, auch das Majorat!" „Und wollte Wulff-Dietrich nicht dasselbe thun? Ich will mich nicht von ihm beschämen lassen, — ich will ihm zeigen, daß auch ich den Namen Niedeck mit Ehren trage! und ich will ihn auch noch übertrumpfen an Großmuth! — Er opferte das Majorat, um selber glücklich zu werden, — ich thue es, um Andere glücklich zu machen! — und dieser Gedanke ist meine Belohnung. So- das wäre erledigt, Samstag dm 18. Deeember M i NI ur Muth erkämpft das Leben, Muth die Freiheit! Nur Muth erkämpft das Glück, die Welt, das RechtI Höchstes Glück ist kurzes Blitzen, Fühl's und sprich: Auf Wiederkehr! Ließ es dauernd sich besitzen, Wär' es höchstes Glück nicht mehr. 'M Emanuel (Beißet. Mama, und nun wollen wir von etwas Anderem reden!" — Fränzchen strich sich noch einmal über die Stirn, als wolle sie Alles wegwischen, was soeben noch dahinter revoltirt, warf sich in eine Sophaecke, schlug das Bein über und steckte sich eine Cigarrette an. Und von Stund an ward Fränzchen wieder ganz die alte. Lustig, urwüchsig in Wort und Gesten, voll toller Einfälle und von freien, burschikosen Manieren, welche Pia seit jeher entsetzt hatten. Nur eines fiel der Gräfin auf, — sie küßte die Cousine nicht mehr, höchstens, daß sie die kleine, weiße Hand mehr respektvoll wie zärtlich an die Lippen zog. Nun war Fräulein von Nördlingen wieder genesen, und vorgestern erst hatte Tante Johanna an den Bruder geschrieben und ihm über die Erkrankung der Tochter berichtet, jetzt, da alle Gefahr vorüber, hoffte sie die Eltern nicht mehr durch die Nachricht aufzuregen. Die Rheinreise sei für kurze Zeit unterbrochen worden - — Willibald und Fränzchen würden morgen noch per Schiff nach Köln fahren und nach drei Tagen zurückkehren, um alsdann gemeinsam mit ihr und Pia nach Niedeck heimzureisen. Dort in der herrlichen Luft und ländlichen Stille werde sich die geliebte Patientin am schnellsten erholen, und erlaube sie, Tante Johanna, sich auch im Namen ihres Mannes die herzliche Bitte auszusprechen, ebenfalls nach Niedeck zu kommen, die Tochter pflegen zu helfen! Das Wiedersehen mit den Eltern werde die beste Arznei sein! ... —-- Nach Niedeck! Pias Wangen schimmerten in feinem Roth, als sie voll inniger Dankbarkeit die Hände der Tante küßte! Ja, nach der Einsamkeit von Niedeck sehnte sie sich mit der ganzen Inbrunst ihres ruhebedürftigen Herzens! Sie liebte es um dessentwillen, der es einst als Herr besitzen wird, den man schon jetzt im ganzen Land um diese Erbschaft beneidet und der ihr dennoch lächelnd entsagen wollte — um seiner Liebe willen! Fränzchen hat sich einen kleinen Schemel herzugetragen und sitzt zu Pias Füßen. Es beginnt zu dämmern- das letzte Abendroth weht wie zarte Duftschleier über den Himmel und erlischt. Graue Schatten sinken nieder, und die dichtlaubigen Baumkronen vor dem Fenster verdunkeln sich mehr und mehr. Bon fern her schallt der Straßenlärm- einzelne Gaslichter flammen auf, die kleinen irdischen Sterne, welche früher zur Stelle sind, wie ihre himmlischen Genossen im klaren Aether. Das zarte Profil Pias hebt sich grell von 590 - mit leiser, heiserer Stimme. „Willst Du nicht selber lesen?" dem dunklen Hintergrund ab. Sie hat das Köpfchen zurückgeneigt wie in schwärmerischer Sehnsucht, den Blick zum Himmel hebend. Kränzchen blickt schweigend zu ihr auf, sie weiß, an wen die Freundin denkt- nach jener bangen Stunde, in welcher man die Bewußtlose, Wulff-Dietrichs Brief in der Hand, emporhob und zu ihrem Lager trug, hatte sie vor Kränzchen und Tante Johanna kein Geheimniß mehr. Damals aber hatte sich der Liebe ganze hoffnungsvolle Leidenschaft in ihrem thränenüberströmten Antlitz gespiegelt, und heute lag eine so friedliche Ruhe auf demselben — eine Entsagung. Fränzchens Herz erbebt, noch einmal blitzt fern, ganz fern ein Sternlein der Hoffnung, noch einmal wallt die geglättete Flmh ihrer Empfindung auf, als habe ein Windstoß sie jäh getroffen. Pia sieht nicht mehr unglücklich aus! Leise, zaghaft legt die Kleine ihre starkknochige Hand auf dre sammetweiche Rechte der Cousine. //Pia!" Fräulein von Nördlingen erfaßt die Hand mit herzlichem Druck, fragend wendet sie das Antlitz. „Freust Du Dich auf Niedeck?" „Unaussprechlich!" „Hartwig hat maßlose Schulden hinterlassen, von welchen kein Mensch eine Ahnung hatte. Sollen sie bezahlt werden, ist sein Vater ruinirt. Es scheint, der leichtsinnige Bengel ist grade zur rechten Zeit gestorben, ehe er noch mehr Unheil anrichten konnte und selber kläglich zu Grunde gmg!" — „Entsetzlich! welch ein Glück, daß Wulff-Dietrich einst als Majoratsherr für seine Eltern sorgen kann! Siehst Du, Fränzchen, schon darum dürfte er nie den sündhaften Gedanken hegen, den Besitz an die Krone abzutreten, — dieses Opfer würde ich erst recht nicht annehmen, lieber sterben." Fränzchen neigte den Kopf abermals sehr tief. „Ja, die Dinge liegen plötzlich sehr, sehr fatal!" — Sie seufzte fätoer auf —: „Hartwigs Schulden kommen höchst unglück- "ch' “ aber . . Du mein Gott! Wulff hat doch seine schone Anstellung als Oberförster. Der Herzog würde ihm für den Verlust von Niedeck sicherlich eine schnelle CarriZre sichern — — " //Fränzchen !" Pia sprang mit entsetztem Gesicht empor: „Gott verhüte es, daß Ihr solch ein Unheil plant! es hieße mich zum Aeußersten treiben! — Glaubst Du, daß ich jemals ein solch ungeheures Opfer von einem Manne annehmen würde, welches mein ganzes Leben lang als unertragbare Schuld auf mir lasten würde? Nie! es hieße mein Glück durch centnerschwere, quälende Vorwürfe zermalmen!" Fränzchen drehte mechanisch die Daumen in ihrem Schooße zusammen und schüttelte den gesenkten Kopf. „Nein, nein, beunruhige Dich nicht, — es ist gar keine Möglichkeit mehr, daß Wulff - Dietrich freiwillig auf Niedeck verzichtet, — wenngleich es ein Unfug ist, denn das Majorat liegt so wie so in den letzten Zügen. Außer Dir giebt es keine vorschriftsmäßige Frau mehr für den Majoratsherrn von „Nein!" — das klang sehr kurz und energisch. „Nun, die Sache war sehr einfach. Hartwig stürzte in Hoppegarten und Onkel Rüdiger und Tante Melanie reisten auf die Depesche hin sofort ab. Wulff-Dietrichs Brief ward ohne Adresse nach Berlin gesandt, fa-id den Graf - welcher bei Freunden logirte, nicht auf und ward fälschlicherweise nach Niedeck zurückdirigirt. Dort glaubte man, das Schreiben sei an Pia gerichtet und schickte es ihm nach. - Du siehst, welche eine Verkettung der Umstände nöthig war, um das unglückselige Papier just in Deine Hände zu spielen. Wulff-Dietrich schreibt übrigens sehr verzweifelt." „Verzweifelt? Warum das?" //Fu, ich habe die Antwort auf mein Schreiben erhalten mrt welchem ich ihm seinen eigenen Brief, den er an seine Eltern gerichtet, übersandte. Er löst das Räthsel, wie dieses Schreiben an Pia gelangen konnte." - Fränzchen sprach . "Wenn er nun nicht Majoratsherr wäre . . wenn Niedeck an die Krone fiele?!" . "Das kann nicht geschehen, so lange ein Niedeck lebt, und Wulff- Dietrich ist der letzte seines Stammes. Warum mir mit solch unnöthigen Dingen das Herz schwer machen, Fränzchen? — Heber meine Liebe ist das Urtheil gesprochen und ich habe mich dem Spruch gefügt! Will denn Dein ^eues, liebes, redliches Herz noch immer gegen sein eigenes Empfinden ankämpfen? - Laß gut sein, Du braves Kind' A„welß ia, daß in Dir kein Falsch ist, daß Du mir das Glück nicht gestohlen hast, — — Gott selber gab es Dir! Hast Du neuerdings Nachricht von ... von ihm?" . Fränzchen war tief in sich zusammengesunken und hatte den Kops so sehr zur Brust geneigt, daß man ihr Antlitz nicht erkennen konnte, sie war hastig zurückgewichen, als Pia sich neigte, um sie voll Innigkeit zu küssen, und sie bebte leise zusammen, als die Lippen des jungen Mädchens zärtlich ihren Scheitel berührten. „Es wird sehr einsam sein, vielleicht langweilst Du Dich?" „Ich sehne mich nach Ruhe!" „Weil Du noch krank bist! Sowie Du aber neue Kräfte gesammelt hast, und die alte Lebenslust wiederkehrt, wirst Du Dich nach Zerstreuung sehnen!" „Nein, Fränzchen, ganz gewiß nicht, ich hoffe, daß Onkel mich nach Persien mitnimmt, dort kann ich ohne jeden lästigen Zwang fernab von allem Verkehr leben!" „Pia, Du wirst die Erinnerung überwinden, wirst heirathen und glücklich sein!" Wie beschwörend blickten die dunklen Augen zu ihr auf. Sie schüttelte sehr ernst und ruhig den Kopf. „Nein, niemals- ich gehöre zu den Mädchen, welche den Blumen gleichen. Für uns giebt es nur einen Lenz, — nur einen Origen holden Frühlingstraum. Fällt ein Raureif, so sterben wir daran. Nur nicht so schnell wie die Blaublümlein, nicht über Nacht. Bei uns Menschenblumen trifft der Todesfrost nur das Herz, und das steckt so tief verborgen, daß kein Menschenauge es sieht. Auch Du wirst darüber hinwea- sehen, Fränzchen, und wirst es den Rosen auf meinen Wangen nicht glauben, daß sie über einem Grabe blühen, wenn wir uns dereinst im Leben froh und guter Dinge Wiedersehen!" Fränzchen senkte den Kopf sehr tief. „Sage mir wahr und wahrhaftig, wirst Du Wulff-Dietrich nie vergessen?" „Nie, aber ich werde ihn ohne Groll und Bitterkeit an der Seite einer Anderen glücklich sehen." „Und wenn nun zu Dir ein Anderer käme, der Dich sehr, sehr lieb, ganz unaussprechlich lieb hätte?" „Das würde ich tief beklagen, denn er würde unglücklich werden wie ich." „Ist das Dein heiliger Ernst? könntest Du Deine Ansicht nicht doch noch ändern? wenn . . . nun . . . wenn ich nun zum Beispiel ein Mann wäre! Du kennst mich so gut, Du hast mich doch lieb, würdest Du mich dann auch nicht heirathen?" * Pia lachte, — zum ersten Mal lachte sie leise auf. „Welch ein Gedanke! Gott sei Lob und Dank, daß Du ein Mädchen bist, denn als Mann würdest Du ja in erster Linie Ma;oratsherr von Niedeck sein, und Du weißt"--xhte Summe erbebte plötzlich und ihr Antlitz war sehr ernst - "'ch 9a6e es mir geschworen, nie und nimmer den Majorats- Herrn zu heirathen!" K Fränzchen lachte auch, aber etwas eonvulsivisch. „Un- meinte nur, daß es vielleicht doch noch Menschen und Manner geben könnte, die Du lieb haben würdest! Wenn nun Wulff-Dietrich doch noch einmal käme ..." „Still, still von ihm! „Und wie löst er es? Erzähle mir! Es regt mich gewiß nicht mehr auf." — 591 - Mdeck. Der letzte dieser Art wird als trübseliger Junggeselle im Schloß der Ahnen sitzen, und die Herren Minister werden schmunzelnd auf den Tag warten, wo das Besitzthum der ausgestorbenen Familie an die Krone zurückfällt. — Lange genug haben wir es ja zu Lehen gehabt, nun ist die Sanduhr abgelaufen, — und das Geschlecht geht zu Grunde, weil — weil eine Mädchenlaune es also will!" „Fränzchen!! — bist Du denn nicht noch auf der Welt?" — das Backfischchen sprang auf und schritt erregt im Zimmer auf und nieder. //Ich! ja! ich bin noch da, — und die traurige Rolle, welche ich in der Familiengeschichte zu spielen habe, ist mir bereits zuertheilt, — von mir selber. Ich werde sie getreulich zu Ende führen, — glaube es mir. Ich weiß, was ich der Freundschaft und unseres Namens Ehre schuldig bin. — Und nun still davon, — die Sache ist nun erledigt und außerdem höre ich Mama kommen, welche wir mit erfreulicheren Themata unterhalten wollen, als wie mit dem Schreckgespenst des Majoratsherrn!" — Schon öffnete sich die Thür und die Gräfin stand auf der Schwelle. Fränzchen hielt in ihrer erregten Promenade inne und schwenkte mit jähem Ruck einen Sessel herum, der Mutter einen Platz neben Pia am Fenster zu bereiten. ,,Dachte ich es doch! sitzen die Mädels noch und feiern Dämmerstunde!" lächelte Tante Johanna, den Arm liebevoll um den schlanken Nacken der Nichte legend. „Nein, schelle noch nicht nach Licht, Fränzchen, es ist ja reizend gemüthlich, in die stille, warme Sommernacht hinauszusehen, ohne daß Nachtfalter und Rheinschnaken durch Lampenlicht in das Zimmer gelockt werden!" „Wir sehen ja auch zu unserer Arbeit!" versuchte Pia zu scherzen, dieweil Fränzchen schweigend von der electrischen Klingel zurücktrat und sich auf den Sessel der Mutter lehnte. „Ich bringe gute Nachricht!" fuhr die Gräfin mit ihrer weichen, etwas verschleierten Stimme fort. „Eine Nachricht, welche uns Alle soeben innig erfreut hat. Noch hatte ich nicht auf die Antwort Deines Vaters gerechnet, Pia, und doch traf sie soeben schon ein!" „Ein Brief von den Eltern? o gieb ihn mir, Tantchen, wenn keine Geheimnisse darin stehen!" „Jetzt könntest Du ihn ja doch nicht lesen, liebes Herz, also laß mich mündlich berichten! Vor allen Dingen haben Deine Eltern unsere Einladung angenommen und werden nächsten Donnerstag bereits auf Niedeck eintreffen l" „Hurrah, sie kommen!" jubelte Fränzchen laut auf, sie war plötzlich wie umgewandelt, schien ihre sentimentale Stimmung völlig vergessen zu haben und schwang sich mit kühnem Satz auf das Fensterbrett! „Brillant! alle Acteurs müssen für Papas Geburtstag zur Stelle sein!" „Und denk Dir, Pia, Deine Eltern kommen nicht allein, sic bringen sogar noch eine Ueberraschung mit!" „Eine Ueberraschung?" klang es ein wenig gedehnt und beinah a tempo aus dem Munde der beiden jungen Mädchen zurück. „Und was für eine! Dein Bruder Gert ist vor acht Tagen mit S. M. S. „Ariadne" aus der Südsee heimgekehrt und wird morgen einen mehrwöchentlichen Urlaub in die Heimnth antreten; er wird Deine Eitern begleiten und ebenfalls unser lieber Gast auf Niedeck sein!" „Nochmals Hurrah, doppeltes Hurrah!" rief Fränzchen, und ihre rauhe Stimme schnappte beinah über: „Das ist ja pyramidal! das ist einfach famos! Gert soll ein riesig fideles Huhn sein, der wird schon für Kurzweil sorgen! — Jux, trullullu! ich kann es gar nicht mehr abwarten, bis wir daheim sind!" und dabei fuchtelte sie mit ihren langen Armen durch die Luft und manipulirte mit den Beinen, daß sich ihre Gestalt gegen den Abendhimmel in geradezu grotesker Silhouette abhob. Und gleichsam als ob ihre Lustigkeit ansteckend wirkte, ward die Unterhaltung so lebhaft und heiter, wie sie seit jenen frohen Aßmannshäuser Tagen nicht mehr gewesen war, und als Friedrich meldete, daß das Abendbrod servirt sei, begab man sich in so animirter Stimmung zu Tisch, daß Graf Willibald seinen Augen und Ohren kaum trauen wollte. Die frohe Nachricht hatte außerordentlich günstig auf Pias Befinden eingewirkt. Sie lebte neu auf in dem Gedanken an das frohe Beisammenleben aus Niedeck, und manchmal stand sie, die Hände verschlungen, den Blick wie verklärt zum Himmel gehoben und .wiederholte leise: „Das stolze, alte Geschlecht soll zu Grunde gehen, weil eine Mädchenlaune es also will? — Nein, bei Gott, sie will es nicht! die Zeit kindischer Laune und kindischen Trotzes ist um!" Und wenn sie Nachts auf dem Lager lag, und der silberne Mondschein über das weiße Briescouvert glitt, welches seine Hand geschrieben, und welches das einzige theure Kleinod war, das sie von ihm besaß, — wenn sie es wieder und immer wieder an die Lippen drückte — und sein Bild so klar und makellos wie das eines Heiligen vor ihren Augen schwebte, 'dann gewann der Plan, welcher scheu und zaghaft in ihr zu reifen begann, immer mehr Gestalt und Farbe! Ja, was ihr zuvor wie ein Wahnwitz, wie eine absolute Unmöglichkeit erschienen, das hatte Fränzchens leise klagende Stimme urplötzlich ganz und gar verwandelt. Sie, die in den aristokratischsten Grundsätzen erzogen war, sollte um einer Laune, einer übertriebenen stolzen Phantasterei willen, eines der ältesten Geschlechter dem Untergang weihen? War ihr dieser Gedanke denn nicht schon früher gekommen? — Gewiß, er war es! uub doch hatte sie mit gleichgültiger Kälte die Hand, welche retten konnte, von diesem Geschlecht zurückgezogen. Jetzt aber war die Liebe gekommen und hatte sie mit tausend geheimen Fäden an den Letzten dieses Geschlechtes gebunden, fest, unlöslich, bis in den Tod getreu, — und was ihr fremd und interesselos gewesen, das deuchte ihr nun ein Stück von ihrem eigenen Ich, das war ihrl nahe getreten, wie nichts Anderes auf der Welt, für das empfand, fühlte und litt sie! Wulff-Dietrich kann als ehrenfester Mann nicht wieder um ihre Hand werben, — sie aber, die Schuldbewußte, Reuige kann ihm diese Hand wohl vergebungflehend entgegenstrecken ! Handelt sie unweiblich und keck? Nein, die Verhältnisse würden sie entschuldigen, — wenn ... ja, wenn Fränzchen nicht wäre! So lange aber wie die Kleine da ist, findet ja Wulff- Dietrich in ihr die Gemahlin mit sechzehn Ahnen, und so lange wie Fränzchen ihm treu bleibt, ist das Geschlecht der Niedecks noch nicht gefährdet. Liebt ihn Fränzchen aber wirklich, treu und echt? oder war ihre Begeisterung für den Vetter nur eine kindische Schwärmerei ohne Bestand? Wulff'-Dietrichs vornehm ernstes Wesen paßt so ganz und gar nicht zu Fränzchens Art, und sie, die Kecke, Uebermuths- tolle, kann sich wohl auf die Dauer nicht für einen Mann begeistern, welcher ihren Passionen und Extravaganzen in nichts gerecht wird. Ihr kindisches Gelächter gellt Pia noch immer wie ein Mißton in den Ohren, so lacht kein Mädchen, wenn es sich um das süße Geheimniß seiner Liebe handelt, — und außerdem ist es Pia seit jenem Tage aufgefallen, wie kühl und gleichgültig die Cousine von Wulff-Dietrich spricht! — Und alsdann . . . Ihr Jubel bei der Nachricht, daß Gert zum Besuch nach Niedeck kommt? Ach, wie gleichgültig, wie unbeschreiblich gleichgültig würde Pia der Besuch eines jungen, anderen Herrn sein — und wäre es selbst der des Königs! Fränzchen aber ist wie electristrt bei dem Gedanken an den jungen Marineoffizier, von dessen flotter Laune, Schönheit und Schneidigkeit sie gar nicht genug hören kann! Wie viel hat er schon erlebt! wie viel Interessantes gesehen und gehört! (Fortsetzung folgt.) 692 Gemeinnütziges. Gegen den Ofenranch in Stube«. Wenn ein sonst gut heizender Ofen oder Kochherd die Stube oder Küche plötzlich mit dichtem, erstickendem Rauch anfüllt, so hört man gewöhnlich als Erklärung: Die Sonne scheint kräftig auf den Schornstein und drückt den Rauch herunter. In der That aber wird die liebe Sonne hier zu Unrecht verdächtigt, und es ist gewöhnlich der Wind, der mit solcher Gewalt in den Schornstein dringt, daß der Rauch nicht hinauf gelangen kann, sondern in die bewohnten Räume zurückgepreßt wird. Man versuche darum den Ofenrauch dadurch zu beseitigen, daß man am oberen Ende der Schornsteine ein bewegliches Schlußstück anbringt, welches wie eine Windfahne vom Winde selbst gedreht und stets so gestellt wird, daß die Oeffnung nie dem Wind zugekehrt ist. Das nützt einige Zeit, aber nur so lange, bis das Schlußstück festgerostet ist. Jetzt hat man eine andere Construction ersonnen, bei der kein Theil des Schornsteins beweglich ist. Hierbei ist auf dem Schornstein eine Art Haube angebracht, die aus einer Anzahl von Metallstreifen besteht, die zum Theil über einander greifen. Hierdurch wird bewirkt, daß der Wind, er mag von welcher Seite immer kommen, nie mit voller Gewalt in die Oeffnungen fährt, sondern auf den Metallstreifen entlang gleitet und hierbei zwar noch eine saugende Wirkung ausübt. In Folge davon drückt der Wind den R mch nicht nur nicht in die Stuben, sondern je kräftiger er weht, um so energischer steigt der von ihm angesogene Rauch hinauf. Kümmel ins Brod gebacken, verleiht demselben einen besonders würzigen Geschmack. Noch intensiver und angenehmer und besonders die Verdauung günstig befördernd, wirkt der Kümmel dann, wenn er, wie der „Praetische Wegweiser^', Würzburg, schreibt (viertelst Abonnementspreis 30 Pfg.), zuvor abgekocht wird und dann erst sammt dem dazu verwendeten Kümmelwaffer mit dem Brodteige vermengt wird. So mache ich es seit mehreren Jahren, und meine Gäste loben alle den außerordentlich gewürzigen Geschmack meines Brodes. 4 * * Geflügel- und Vogelzucht. Die vollplattige Schwalbentaube stammt von der Nürnberger Schwalbe, der sogenannten Schmalzfee ab. Man trifft sie meist in Schwarz, Roth und Gelb. Eine schöne Muschelhaube ziert den Kopf. Farbige Federn der Haube sind ein Fehler. Die Beine sind behost. Unter den Flügeln sitzen bei ihr die sogenannten Schmalzkiele, und ausgebildete Federn mit öligem Inhalt, welcher sich leicht über das ganze Gefieder verbreitet und den Federn diesen schönen Glanz verleiht. Das Weiß hat deshalb auch einen mehr gelblichen Schein, die Taube greift sich weich und fettig an und ist deßhalb in Fabrikstädten nicht gut zu züchten, weil sich der Ruß zu sehr an den Federn ansetzt und das Thier sehr schmutzig aussehen läßt. — Nesteier, die nicht vom Frost zerbrochen und nicht mit frischen Eiern verwechselt werden können, werden auf folgende Weise hergestellt: Man bläst ein gewöhnliches Hühnerei aus, indem man an beiden Enden ein kleines Loch macht, und füllt dann die leere Schale mit einem dicken Brei von Gyps und Wasser. Der Gyps wird schnell hart und kann das Ei von der Henne nicht von den anderen unterschieden werden. Auch kann es wegen seiner Schwere eine Verwechselung von Seiten der Hausfrau nicht zulassen. — Enten gehen auch im Winter bei größter Kälte aufs Wasser,- dieses ist für ihr Gedeihen unentbehrlich. Man muß deßhalb Sorge tragen, daß, falls die Gewässer zufrieren, zugängige eisfreie Stellen bleiben. Bei geringem Froste ist ein vorzügliches Mittel hierzu das Einlegen von Reisigbündeln inS Waffer vom Uferrande aus. Durch Zurückziehen derselben am Morgen oder auch während des Tages wird eine dünne Eisdecke leicht entfernt. — Um den Pips tat den Hühnern zu vermeiden, wird folgendes einfache Mittel angewendet: Man gebe den Hühnern wöchentlich ein Mal gewöhnliches Salatöl (auf acht Stück Hühner werden etwa vier Eßlöffel voll gerechnet), welches am besten unter das zu einem Brei hergestellte Fütter gemischt wird. Wer dies befolgt, wird fich überzeugen, daß so behandelte Hühner nie vom Pips befallen werden. — Kanarienhähne erkennt man schon am Aeußeren von den Weibchen. Die Hähne sind intensiv gelber resp. dunkler gefärbt, namentlich um die Schnabelbasis, auf dem Scheitel und an der Kehle, sie haben auch einen etwas breiteren Kopf, stolzere Haltung und kräftigere Bauart. Das Weibchen ist stets blasser, zeigt um den Hals einen weißlich schimmernden, verwaschenen, kaum bemerkbaren Ring und auf dem Kopfe eine blaßgelbe statt hochgelbe Platte. — Futter für amerikansche Spottdrosseln. Amerikanische Spottdrosseln füttert man am zweckmäßigsten mit einem Gemisch von zerriebenen Möhren, mit Ameisenpuppen, gekochtem und feingehacktem Rinderherz, sowie einigen Mehlwürmern. Außer Mohrrüben kann man auch eingeweichtes, altbackenes und wieder gut ausgedrücktes Weißbrod verwenden, dem nebst Ameiseneiern und kleingehackten Fleischstückchen noch etwas Holunderbeeren, Ebereschen oder Corinthen zugesetzt. humoristisches. Ein Rachestreich Scheffels. Als Scheffel einst zur Stärkung seiner Gesundheit sich in Italien aufhielt, erhielt er von einem Freunde aus Deutschland einen unfrankirten Brief, in dem weiter Nichts stand, als „Mir geht es gut. Mit Gruß Dein . . . ." — Unmuthig über das hohe Nachporto, das er für diese kurze Nachricht zu zahlen hatte, packt der Dichter einen Feldstein von gewaltiger Schwere in eine Kiste und schickt diese dem Freund ebenfalls unfrankirt. Dieser aber, in dem Glauben, eine werthvolle Sendung erhalten zu haben, bezahlt mit Freuden das hohe Nachporto, öffnet die Kiste und findet zu seinem Entsetzen einen ganz gewöhnlichen Feldstein darin. An diesem aber haftete ein Zettel: „Bei der Nachricht von Deinem Wohlbefinden fiel mir beifolgender Stein vom Herzen. — Dein Scheffel." * * Vorsichtig. Professor Dusler, der auf der Straße einen Beamten trifft: „Sie sehen ja so verstimmt aus, Herr Müller?" — Müller: „Ja, denken Sie, ich habe gestern in einer Droschke eine Tasche mit 100 Mark liegen lassen. Das Geld ist so gut wie verloren!" — Dusler: „Dergleichen könnte mir nicht passiren. Wenn ich etwas in einer Droschke liegen lasse, merke ich mir immer die Nummer." • * * So war's nicht gemeint. Mann: „Der Hut ist sehr hübsch, den Du Dir da ausgesucht hast, aber ich meine, er paßt nicht ganz zu Deinem Kleid!" — Frau (entzückt): „Ach Männchen, Du wolltest mir wirklich auch noch . . ein neues Kleid kaufen?" * * * Häusliche Pflichten. „. . . . Meine häuslichen Pflichten nehmen mich eben zu sehr in Anspruch!" — „Was hast Du denn heute früh gemacht?" — „Zwei Badepromenadentoiletten ausgesucht!" — „Und was machst Du Nachmittags?" — „Da probir' ich sie an!" * * * Aesthetischer Standpunkt. Unteroffizier: „Eim jähriger, stehen Sie wie ein Soldat und nicht wie der Apollo von Belvedere, das beleidigt mein ästhetisches Gefühl!" Redaktion: K. tzcheyd». — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Gchcyda) in Gießen.