BBS \ Pho.ta£r -.SNLLULULvU-MWZ Hi <;4B iÜM ■JsSmüJw 7JJ ertraue Gottes Vaterhänden, Wenn er den frömmsten Wunsch versagt; Was hier beginnt, wird dort vollenden, Wo Dir ein neues Leben tagt. Es ruh'» im engen Raum der Zeit Die Keime Deiner Ewigkeit. Tiedge. Nur zwei Tugenden giebt's. O, wären sie immer vereinet, Immer die Güte auch groß, immer die Größe auch gut! Schiller. Der Majoratsherr. Roman von Nataly v. Eschstruth. (Fortsetzung.) In dem sonnigen, noch unbelaubten Rebengang, welcher sich dicht am Rheinuser, gleichsam als terrassenartiger Garten des Gasthauses hinzog, hatte man ausgezeichnet dinirt, und je goldiger der schöne, echte Rheinwein in den gelben Gläsern funkelte, desto animirter ward die Stimmung der kleinen Gesellschaft. Fränzchens seliger Uebermuth kannte kaum noch Grenzen, und nur der ernste, erstaunte Blick aus Pias Veilchenaugen dämpfte immer noch die höchste Lustbarkeit und erstickte manch kleine Rüpelei in der Knospe. Der Graf hatte zum Entzücken seines Töchterchens wirklich ein paar Maulthiere und Esel auftreiben lassen, um den Weg bis Rüdesheim im Sattel zurücklegen zu können. „Gerade heute sei besonders starke Nachfrage nach Eseln gewesen!" hatte der Wirth schmunzelnd bemerkt, „mehr wie drei Stück, zwei Esel und ein Maulthier, könne er leider nicht beschaffen. Man einigte nun st i> sehr leicht dahin, daß die Gräfin mit Jungfer, Diener und Handgepäck im Wagen nachfahren solle, während Willibald das Maulthier und die beiden jungen Mädchen die Esel besteigen würden Unter großem Jubel rüstete sich die kleine Cavalcade. Ein Herr hatte soeben schon — per Esel — denselben Weg eingeschlagen und Kränzchen drängte voll Ungeduld, daß der Ritt beginne. Die weiten Regencaps wurden genial zum Reirkleid arrangirt, die Eseltreiber hoben die Damen ver gnüglich in den Sattel, der Graf setzte sich auf sein geduldiges „Vollblut" und mit Erlaubniß Johannas setzte sich die kleine Gesellschaft bereits in Bewegung, diewiel die Equipage später folgen und sie einholen sollte. Anfänglich, so lange noch die rechte Seite der Straße mit Häusern und Villen gesäumt war, ging die Sache ausgezeichnet. Die köstliche warme Frühlingsluft wehte balsamisch um die erhitzten Wangen; fröhlich lachende Menschen begegneten ihnen und nickten heiteren Gruß und seitwärts strömten smaragdgrüne Rheinwogen, Schiffe und Schifflein tragend, blauen Himmel und buntbelebte Ufer spiegelnd. Die Fahrstraße machte nun eine kleine Biegung und lag neben der majestätischen Breite des Stromes frei und geradeaus vor den Blicken. Fernhin sah man zwei männliche Gestalten schreiten, — neben ihnen ein Esel. Das Grauschimmelchen, auf welchem Pia Platz genommen, zuckte ein paarmal verdächtig mit den langen Ohren und hob jählings den Kopf, und während der Treiber harmlos mit seinen College» und Fränzchen plauderte, setzte sich Pias Reitthier plötzlich in stürmische Bewegung und galoppirte wie unsinnig davon. Alles rief und schrie. Der Treiber raste athemlos hinterher, — Pia, eine geübte Reiterin, riß den Durchgänger so gut sie vermochte, zurück, — umsonst, der Esel legte sich starr, mit gestrecktem Halse vor und jagte haltlos weiter. Weit zurück blieben die Anderen. „Wir müssen doch folgen! spornen Sie unsere Thiere an!" rief Fränzchen erregt, daß ihre Stimme überschnappte, — haute mit aller Wucht auf ihr Grauchen und animirte den Papa, ein Gleiches zu thun. Aber so störrisch wie Pias Esel sich im Durchgehen zeigte, ebenso hartnäckig verweigerten die anderen lieben Thiere eine schnellere Gangart. Alles Stoßen, Schlagen, Zerren half nichts, im langsamen Trott ging es fürbaß, so daß Fräulein von Nördlingen bereits hinter dem Staubwölkchen weithin verschwand. „Um Gotteswillen, es wird ihr ein Unglück passtren!" besorgte sich der Graf, und Fränzchen ward kirschroth vor Angst und Aufregung und drohte: „Ich springe ab und laufe zu Fuß hinter Lilian her!" Der Eseltreiber kehrte resigniert zurück. „Bitte, ängstigen sich die Herrschaften nicht!" bat er athemlos. „Der Hans läuft nicht weit! Er hat da vorn bei dem Herrn seine Grethe gewittert, und da muß er hinterher!" „Seine Grethe? wer ist seine Grethe?" „Der andere Esel, mit dem er in dem Stall steht, gnädiges Fräulein, die beiden gehen sonst immer zusammen. 838 aber heute ließ es sich beim besten Willen nicht machen! So ein Esel hat aber auch seine Treue und Anhänglichkeit, und ich glaube, der Hans schwämme schnurgrad durch den Rhein, wenn drüben seine Grethe schrie! — Na — jetzt hat er sie ja gleich erreicht! Das gnädige Fräulein hält sich großartig im Sattel, und wenn das Pärchen vereinigt ist, werden die anderen Herrschaften der Dame zu Liebe wohl auf uns warten!" „Da vorn geht ein einzelner Herr neben dem Esel! nur ein Herr?" „Jawohl, gnädiges Fräulein! er hat das Thier ge- miethet, um sein Handgepäck von ihm tragen zu lassen." „Ein junger Herr? etwa einer mit langen, blonden Haaren, welcher wie ein Maler aussah?" stieß Fränzchen athemlos hervor. „Nein, meine Dame — so sah er nicht aus, wenn ich mich recht erinnere; er war ein sehr großer, brünetter Herr in Jagdkleidung mit einem recht ernsten, stolzen Gesicht! Sicherlich hatte er Frau und Kinder daheim, denn für gewöhnlich benehmen sich die unverehelichten Herren ganz anders hier am Rhein, — dann schlagen sie mit Füßen und Händen um sich, so recht über die Stränge, wie man zu sagen pflegt!" „Hm, — und das that jener da vorn nicht?" „O bewahre! dem sah man den soliden Ehemann schon auf zehn Schritt weit an! da braucht sich die Herrschaft gar nicht zu besorgen! wenn das gnädige Fräulein bei ihm ankommt, dann wird ihm Fritze — was der andere Eseltreiber ist — schon die Sache von wegen Hans und Grethe klar machen, und wenn er dann Zeit hat, wird er schon Kehrt machen und die Dame zu uns zurückbringen!" Fränzchen athmete erleichtert auf. Wenn er ein verheiratheter Mann ist, so ist ja die Sache nicht gefährlich, und wenn er gar keine Aehnlichkeit mit dem frechen Maler hat, so braucht man sich wohl in der That nicht zu beunruhigen. Graf Willibald schien die Sache nicht tragisch zu nehmen. Er schien sich sogar über die drollige Situation, in welche „Lilian Luxor" gerathen war, zu amüsireu, und die treue Liebe des Eselpaares gedachte er sogar noch zu belohnen, wie er soeben schmunzelnd sagte und sich dabei nach dem Leib- und Magenfutter des wackeren Hans erkundigte. Da alles Prügeln, Raisoniren, Schmeicheln und Zureden nichts half, ergab sich Fränzchen schließlich auch in die Starrköpfigkeit ihres abgetriebenen Reitthieres, und beschränkte sich darauf, die kleine Seene, welche sich weit vor ihnen auf der Chaussee abspieite, so gut es ging mit ihren scharfen Augen zu beobachten. //Jetzt ist sie angelangt!" eonstatirte der Treiber vergnüglich, und Graf Willibald nickte „All right!" was er als Mr. Luxor zeitweise zu thun liebte! Capitel 15. Was reitest Du einsam durch den Wald? Der Wald ist langl — Du bist allein-- Du schöne Braut, ich führe Dich heim! Eichendorfs. Als sich das Grauschimmelchen so überraschend in Bewegung setzte, glaubte Pia es mit einem gewohnheitsmäßigen Durchgänger zu thun zu haben, welcher erst eine tüchtige Extrapromenade machen muß, ehe es ihn wohlgesittet in den Reihen seiner Genossen duldet. Da der Esel keine Lust zu besonderen Extravaganzen zeigte, weder ausschlug noch den Cours seitwärts in den Rhein ober Feld und Wald nahm, sondern mit zurückgelegten Ohren nur Pfeilgeschwind auf ebener Chaussee geradeaus jagte, wollte Pia ihn nicht in dieser Belustigung stören, sondern berechnete bereits voll Humor, wie viel früher sie in Rüdesheim eintreffen würde, als ihre Reisegenofsen. Sie hielt sich, so gut es gehen wollte, im Sattel, riß den Hut, welcher verschiedentlich zu fliegen drohte, vom Kopf und hielt ihn mit den Zügeln fest in der Hand. Die blonden Löckchen wehten im Luftzug wie ein Glorienschein, und der Haarknoten am Hinterkopf, welcher auf so ein Wettrennen nicht berechnet war, löste sich mehr und mehr und sank immer schwerer in den Nacken, bis die großen hellgelben Hornnadeln herausflogen und das Haar gleich einem schimmernden Goldmantel über den Rücken herabrollte. Das junge Mädchen konnte es nicht verhindern. Ihre Hände waren in Anspruch genommen und ein Toilettemachen bei diesem Tempo nicht möglich. Ein Paar Weinbergsarbeiter, welche ihr entgegenkamen, blieben mit weit aufgerissenen Augen stehen und starrten die seltsame Erscheinung an. Da aber die Reiterin weder um Hilfe schrie, noch ein ängstliches Gesicht machte, so glaubten sie sich nicht berechtigt, diese wilde Jagd aufzuhalten. Ein paar Wagen rollten ihr entgegen. Kutscher und Insassen wandten überrascht die Köpfe und starrten der Amazone nach, welche wie ein Märchenbild an ihnen vorübersauste. Und nun sah Pia dicht vor sich ein anderes Eselchen, welches langsam und geduldig ein wenig Handgepäck schleppte, dessen Eigenthümer sicherlich der große, schlanke Herr war, welcher leichtfüßig zur Seite schritt. Ein halbwüchsiger Junge, der Treiber, trottete gemächlich hinterher, sich damit amüsirend, einen ersten Maikäfer am Schwänze des Grauschimmelchens auf und ab klettern zu (affen. Dabei pfiff er vergnügt ein kleines Lied und wandte sich erst neugierig um, als der harte, eilige Hufschlag dicht hinter ihm erklang. „Hurrah! Der Hans!" schrie er mit schallendem Gelächter auf, und der Herr, welcher vor ihm schritt, wandte nun ebenfalls überrascht den Kopf. Schon sauste Pia heran. — Zu ihrem Staunen ging es aber diesmal nicht wieder in voller Fahrt an dem Trio vorüber. Der Esel stoppte plötzlich ab, — stieß einen heiseren Schrei triumphirender Freude aus und drängte sich im nächsten Moment so gesühlsinnig an den anderen, langohrigen Genossen an, daß Pia bei dem jähen Ruck doch noch das Gleichgewicht verloren hätte und aus dem Sattel geschleudert worden wäre, wenn der fremde Herr nicht in schnellem Sprung an ihrer Seite gestanden und sie schützend in den Armen ausgefangen hätte. Dieser unerwartete Wechsel des Tempos hatte die junge Dame unangenehmer berührt, wie der ganze Ritt. Einen Augenblick drehte sich Alles im Kreise vor ihren Blicken, — nach Äthern ringend, preßte sie die Hände momentan gegen die Schläfen und ihr Köpfchen sank schwer gegen die Schulter des Fremden zurück. Aber nur secundenlang währte die Betäubung, dann richtete sie sich hastig empor und blickte voll reizender Verwirrung zu ihrem Beschützer auf. ' Auge ruhte in Auge und es war, als läge eine unsichtbare, geheimnißvolle Macht in diesem Blick, welcher so fest und aufleuchtend hastete, als habe er in ganz Fremdem plötzlich etwas nahe Verwandtes, längst Bekanntes entdeckt. Pia ward dunkelroth und stammelte sehr verlegen ein paar Worte des Dankes, der Fremde aber zog höflich den Hut und lächelte. „Ich erachte es als einen ganz besonderen Vorzug, mein gnädiges Fräulein, Ihnen dienen zu können! Sie hatten das Mißgeschick, einen sehr ehrgeizigen Vollblüter zu besteigen, welcher seinen kleinen Collegen hier nicht vor sich sehen wollte! Wie bedauere ich, die unschuldige Veranlassung zu Ihrem beschleunigten Ritt durch meinen Gepäckträger gegeben zu haben!" Pia strich noch immer fassungslos die verwehten Goldlöckchen glatt. — „Ah, nun begreife ich erst die Ursache meines Wettrittes und fürchte, es wird schwer Halten, den - 83s Esel zur Umkehr zu bewegen, so lange er in seinem Gefährten hier einen Rivalen erblickt." „Ihre Angehörigen sind zurückgeblieben?" „Leider so weit, daß man sie kaum noch erkennen kann! Ich hätte nie gegaubt, daß ein Esel so fabelhaft laufen kann!" „Jetzt ist er die Sanftmuth und Trägheit selbst! s.hen Sie nur dieses Stillleben! ich glaube, wir haben es hiermit guten Freunden A la Castor und Pollux zu thun!" Der Fremde wies mit amüsirtem Gesicht auf die beiden Esel, welche dicht voreinander, Stirn gegen Stirn gelehnt, regungslos standen. „Gewiß, mein Herr! die Beiden gehörten ja auch zusammen!" lachte der Eseltreiber so fröhlich, daß seine weißen Zähne blinkten: „Hans und Grethe stehen in einem Stall und machen auch meist alle Partien zusammen! Wenn sie getrennt werden, faßt sie gleich der Jammer an, und ein paar Mal ist der Hans schon ganz weite Strecken zurück- galoppirt, um wieder bei seiner Alten zu sein!" Man lachte, und der fremde Herr trat zu dem Genannten heran, ihm anerkennend den Rücken zu klopfen. „Das ist brav! Auch ein Esel muß beweisen, daß es ein schönes Ding um die Treue ist! — — Sie befehlen wieder aufzusteigen, mein gnädiges Fräulein?" Pia hatte Prüfend nach dem Sattel gefaßt: „Ich muß doch meine Angehörigen wieder erreichen!" sagte sie, mit besorgtem Blick die große Entfernung messend, welche zwischen ihr und den Niedecks lag. Der Treiber grinzte: „Der Hans dreht alleine nicht wieder um, Fräuleinchen! Daraufhin kenne ich den Satan schon!" Pia blickte hilflos zu dem fremden Herrn empor und erglühte abermals unter dem Blick, welchen er auf sie richtete. „Befehlen Sie, mein gnädiges Fräulein, daß wir mit Ihnen umkehren?" „O, das wäre unbeschreiblich liebenswürdig!" „Nee, nee, — da wollen wir nur erst gar nicht den Versuch machen!" wehrte der Treiber mit resignirter Geste. „Die Grethe drängt nach dem Stall — hat den Weg zweimal heute gemacht und ist müde. Zu Hause giebt's Futter, das weiß sie." „Nun, versuchen wir's wenigstens! Wollen Sie wieder dem getreuen Hans die Ehre anthun und aufsteigen, gnädiges Fräulein?" Pia schüttelte hastig das Köpfchen, ohne die Hand, welche der Sprecher ihr hilfreich darbot, zu berühren. „Ich bin so weidlich durchgeschüttelt, daß ich vorziehe, ein Stückchen Wegs zu gehen!" „Wie Sie befehlen! Nun vorwärts, — kehrt!" Wohl ließen sich die Esel zwei Schritte zurücksühren, dann machten sie jedoch energisch Halt und strebten ihrer Heimath Rüdesheim zu. „Die Canaillen thun's nicht, — und wenn wir sie tobt schlagen! So ein Vieh hat auch Character!" schmunzelte der Junge. „Ich fürchte allerdings auch, meine Gnädigste, daß gegen diese Halsstarrigkeit selbst Götter vergebens kämpfen! Ich erlaube mir aber vorzuschlagen, daß wir ganz langsam unseren Weg fortsetzen und der Hoffnung leben, daß Ihre verehrten Reisegenossen etwas flotter zureitcn und uns einholen!" Pia sah ein, daß ihr nichts Anderes zu thun übrig blieb. „Wenn Sie gestatten, mein Herr, daß ich mich unter Ihren liebenswürdigen Schutz stelle, mache ich gern von Ihrem Anerbieten Gebrauch !" sagte sie, sich gewaltsam zu der sicheren Ruhe zwingend, welche sonst ihrem Wesen eigen war. Der Fremde verneigte sich mit vollendeter Eleganz. Einen Augenblick schien er zu zögern, — dann zog er mit schneller Bewegung abermals den Hut und klappte die Hacken zusammen. „Forstassessor Carl Hellmuth —!" stellte er sich vor. Fräulein von Nördlingen neigte lächelnd wie eine Königin, welche eine Ovation entgegennimmt, das Köpfchen, aber sie erröthete abermals bis auf den weißen Hals herab, als sie in ferne fragenden Augen sah. (Fortsetzung folgt.) Mittags- und Mitternachts-Schlaf. Von Dr. med. F. Blauvac. ----— (Nachdruck verboten.) KO. Nur allzu oft hört man im gesellschaftlichen Verkehr die Frage: „Schlafen Sie nach Tisch?" An normal gesunde Menschen sollte sie überhaupt nicht gestellt werden, denn nur alten, schwachen oder genesenden Personen ist ein kurzer Schlaf nach Tisch zu empfehlen. Haben sich nun aber gesunde Personen einmal daran gewöhnt, nach Tisch ein sogenanntes Verdauungsschläfchen zu halten, so darf dieses niemals über eine halbe Stunde ausgedehnt werden. Am besten wäre es schon, man legte allmälig diese Gewohnheit wieder ab, die für den Gesunden nicht nützlich ist, vielmehr höchst lästig wird, wenn einmal Geschäfts- oder Gesellschafts- Pflichten diesen Gewohnheitsschlaf unmöglich machen. Wie viele Personen haben auf Reisen diese Gewohnheit bitter büßen müssen, da sie derselben kein Genüge leisten konnten. Jeder Tagesschlaf ist für den gesunden Menschen nicht normal, nicht naturgemäß und nur nach außergewöhnlichen Anstrengungen ein natürliches Bedürfniß. Für Personen dagegen mit schwacher Verdauung oder schwachen Nerven ist der Schlaf nach Tisch oft eine Wohlthat, weil er das Verdauungsfieber lindert und die Nerven beruhigt. Niemals halte man den Nachmittagsschlaf nicht sitzend, sondern nur liegend, doch nicht etwa im Bette, sondern auf dem Sopha und in den Kleidern. Eine Hauptbedingung für die Erhaltung der Gesundheit ist die richtige Abwechslung zwischen Thätigkeit und Ruhe. Die Kräfte des Körpers und des Geistes können nicht immer angespannt fein; sie bedürfen periodisch der Ruhe und der Erholung. Das menschliche Gehirn ist es ganz besonders, welches in seinen hochwichtigen Functionen ermüdet und der Ruhe bedarf. Je mehr das Gehirn entwickelt ist, desto deutlicher unterscheidet man das Wachen vom Schlafen, während man beispielsweise bei den niedrigsten Thieren diese Zustände kaum oder gar nicht unterscheiden kann. Der Schlaf ist für die gesammte organische Natur ebenso nothwendig wie die Ernährung, denn nicht nur die Thierwelt, auch die Pflanzenwelt schläft periodisch, weil sich nämlich im Schlafe lebenbedingende Prozesse vollziehen, welche während des Wachens nicht vor sich gehen können. Der große Gelehrte Max von Pettenkofer hat zuerst entdeckt, daß der Mensch während des Tages verhältnißmäßig mehr Kohlensäure ausscheidet, als die Sauerstoffmenge beträgt, die er in derselben Zeit aufnimmt und zur Ergänzung und Bildung der ausgeschiedenen Kohlensäure, die aus Kohlenstoff und Sauerstoff besteht, verbraucht. Die unbedingt nothwendige Ausgleichung geschieht nun während des Schlafes, indem dann der Organismus nur halb so viel Sauerstoff verbraucht wie beim Wachen, dagegen doppelt so viel aufnimmt. Auch bei den Pflanzen ist es so- wachen dieselben, so kehren sie die Oberfläche gegen das Licht, saugen Kohlensäure ein und athmen Sauerstoff aus. Schlafen sie aber, so saugen sie Sauerstoff ein; daher verbessern Pflanzen tagsüber im Wohnzimmer die Luft, in der Nacht dagegen nicht, deshalb sind sie im Schlafzimmer streng zu vermeiden. So liegen also im Organismus selbst die Gesetze, welche den periodischen Schlaf fordern; denn das Schlafbedürfniß ist die Mahnung der Natur, daß die Zeit gekommen ist, wo das Mißverhältniß zwischen Verbrauch und Vorrath die äußerste Grenze gesunden hat. Gegen den natürlichen Schlaf ankämpfen oder ihn auf ein Minimum beschränken zu wollen, das ist gegen die Natur, 540 - also schädlich. Der Mensch erwacht von selbst aus seinem Schlafe, wenn die Sauerstoffansammlung den höchsten Punkt erreicht hat, die Natur selbst treibt ihn wieder zur Thätlg- keit. Deshalb soll man, wenn man Morgens erwacht, das Bett sofort verlassen, denn ein waches Liegen ist gegen die gesunde Natur und kann nur schädliche Folgen haben, und ein nochmaliges Einschlafen nach genügendem Schlaf erschlafft geradezu Geist und Körper, verursacht Unlust, Trägheit, Kopfschmerzen, erzeugt auf die Dauer Krankheit und Verkürzung des Lebens, denn nur bei energischem Stoffwechiel bleibt der Mensch gesund. . Es liegt auf der Hand, daß der Nachmittagsschlaf bei erwachsenen und gesunden Personen nach dem Gesagten nur schädlich sein kann, denn er unterbricht zu ungelegener Zeit den Stoffwechsel, er zwingt das Gehirn zu, einer Ruhepause, die es noch gar nicht verlangt, welche ihm gar nicht willkommen ist, denn es geht eine gewaltige Umänderung tn dem Gehirn vor. Die neuere Wissenschaft hat nämlich festgestellt, daß der Schlaf durch eine Aenderung im Blutlaufe des Gehirns hervor- gebracht wird, indem während des Schlafens das Gehirn blutärmer wird, welcher Umstand eben den Schlaf bedingt, hervorrust. Man hat bei Trepanirten wahrgenommen, daß das Gehirn während des Schlafens in ganz auffallender Weise zulammengefallen und blutleer geworden war. Indem das Gehirn blutärmer wird, beschränkt es seine eigene Ernährung, es stimmt also seine Kraftäußerung herab und damit aber auch als Centralorgan zu gleicher Zeit die Thätigkeit des gesummten Organismus. Bei jedem normal gesunden Menschen kommt also der Schlaf von selbst, wo dieses nicht der Fall ist, da sind die Gehirnnerven krankhaft gereizt. Jede Erregung des Gehirns bei Nacht bedeutet daher Schlaflosigkeit oder wenigstens unruhiges Träumen, der Sch'af wirkt aber nur dann stärkend und heilsam, wenn er ruhig ist. Wie lange man schlafen soll, das ist individuell, doch sieben bis acht Stunden sind für jeden gesunden Menschen völlig genügend. Mangel an Schlaf wirkt wie das Uebermaß desselben. Leider ist in unserer nervösen Zeit Schlaflosigkeit ein sehr verbreitetes Nebel. Nichts ist quälender und erschöpfender, als wenn man den nächtigen Schlaf als dringendes Bedürfniß sucht und ihn nicht findet. Es entsteht dann eine fieberhafte Aufregung, eine unangenehme Hitze und ein wüstes Jagen der Phantasie. Diesen höchst peinlichen Zustand verschaffen sich in der Nacht viele Personen, indem sie dem Nachmittagsschlafs zu lange fröhnen. Der Ausgleich zwischen Verbrauch und Aufnahme des Sauerstoffes ist am energischsten in den ersten zwei bis drei Stunden des Schlafes, folglich ist dieser dann auch am tiefsten. Ob diese zwei Stunden vor oder nach Mitternacht liegen, das ist ganz gleichgiltig. Je länger der Schlaf dauert, desto leiser wird er und geht dann schließlich in ein Halbwachen über. Beim normalen langsamen Erwachen wird zuerst das Gehör, dann das Auge und später erst die Bewegungskraft rege. So angenehm und stärkend ein ruhiger, gesunder Schlaf ist, so peinlich und schwächend ist die Schlaflosigkeit. Die Ursachen der letzteren können sehr verschieden sein, aber immer wirken sie auf das Gehirn ein, diese Thatsache ist bei der Heilung dieses Nebels nie außer Acht zu lassen. Chronische Schlaflosigkeit ist ein modernes Nebel, sie ist e n Privilegium der gebildeten Stände, denn wer nur körperlich arbeitet, der hat in der Regel einen gesunden Schlaf, denn seine Kraft wird durch Muskelarbeit verbraucht und für die Denkfähigkeit bleibt nicht genug Kraft übrig, daß sie aufregend oder gar schlafraubend wirken könnte. Wenn ein geistig Arbeitender durch Ueberanstrengung an Schlaflosigkeit leidet, weil seine Pflicht und sein Dienst ihn allzuoft bis tief in die Nacht hinein in Thätigkeit halten, so ist das bedauerlich, jedoch unverzeihlich ist es, wenn geistige Arbeiter sich freiwillig eine überlange tägliche Arbeitszeit auferlegen, denn sie werden vor der Zeit stumpf und alt. Wenn der Handarbeiter sogar die achtstündige Arbeitszeit verlangt, so müßte der geistig Arbeitende dieselbe erst recht inne halten. Wer es haben'kann, der benutze folgende Eintheilung: acht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung und acht Stunden Schlaf. Schlaflosigkeit, welche durch Gram, Sorge oder tiefe Trauer entstanden ist, kann nur durch Willenskraft und Ge- müthserheiterung geheilt werden. Die schönste, edelste und gesundeste Gemütsbewegung aber ist die Freude, sie ist das höchste Daseinsgefühl des Wohlseins, sie giebt Heiterkeit, Behaglichkeit und Schaffenslust. Ein durch Schlaflosigkeit bereits Geschwächter muß unbedingt seine Lebensweise ändern. Ein Wechsel des Ortes, andere Menschen, andere Luft wirken oft schon beruhigend und heilsam. Ist der Patient bereits vollständig heruntergekommen, dann bedarf es neben völliger körperlicher und geistiger Ruhe auch noch einer sorgsamen Pflege und einer guten Ernährung, indem man dem Kranken in Zwischenräumen von zwei bis drei Stunden immer größere Mengen von leicht verdaulichen Nahrungsmitteln zuführt. In leichten wie in schweren Fällen von Schlaflosigkeit sollen Schlafmittel vermieden werden. Leider aber greifen die meisten Patienten lieber nach solchen Gewaltmitteln, als daß sie auf natürlichem Wege durch Diät im weitesten Sinne sich von ihren Leiden befreien. Viele Menschen greifen zu Morphium oder Choralhydrat, wo ein einfaches H msmittel, wie kalte Umschläge auf die Stirn, Trinken von kaltem Baldrianthee oder kühlendem Fruchtsaft, schon schlafbringend wirken würde. Wenn Schlafmittel absolut nicht mehr zu vermeiden sind, so dürfen sie nwmals ohne ärztliche Verordnung angewandt werden. An Schlafmittel sich zu gewöhnen ist höchst schädlich, schon weil der Schlaf, den sie Hervorrufen, niemals so erquickend und stärkend ist wie der natürliche und weil die Gaben dieser Beruhigungsmittel immer mehr und mehr gesteigert werden müssen, wenn sie wirksam bleiben sollen. Vollständige Zerrüttung des Nervensystems aber ist die schreckliche und unausbleibliche Folge des Mißbrauches von Schlafmitteln. Humoristisches. Zweideutig. Theaterdirector: „Sie haben nun noch immer nicht den neuen Schwank geliefert, den Sie uns schon so lange in Aussicht gestellt. Es fehlt Ihnen wohl an der nöthigen Sammlung?" * * Die Professors-Köchin. „Also, Marie, Sie wollen uns verlassen?" — „Ja, Herr Professor — will einem Rufe nach Berlin Folge leisten!" * * * Mah nung. Junge Frau: „Was soll ich denn morgen kochen, lieber Oskar?" — Gatte: „Weißt Du was, liebes Weiberl, koche morgen einmal ausnahmsweise etwas zum essen!" * * * S o g e h t' s. Ich bat die Kleine um ihre Hand, Das war das End' vom Getändelt Und nun in meinem Unverstand Hab' Handel ich und — Händel! Carl Kock. Nedactivn: 8L Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ließen