tet werden. :b vorsichtig ld, gegossen. n Kleister- u verfahren: tehälter mit Wachholder- eitig. Nach üren, damit ad ungesunde mgSpapier in, sondern x Luft, zum ddeutschland, r die Fenster h wegen eben lange aufbe- iigt. Ferner vie Kampher, um sie gegen in zu hüllen, gen der darin Zutzmittel sür en zum Lesen ottenfraß und blanchirt die [t sie hieraus ole. Sobald an Kartoffeln gießt etwas Fleischextract Ist das Gelt Linsenpuree chüssel. ewicht t)et- benn jetzt?" lenk' Dir, eS aeine Schulden .Was wünschen ein armer lchen geb' ich Sie denn ans ige bei Ihnen so betrübt aus, •ine Schwieger- - „Weiß der ßkalender mit- immer noch i° jetzt gib's dort denn bat, een -, der schtudirt a) in Gießen. 1897. Dienstag de» 16. Febril«. HI wir Q4 TOTrü MM inimnv.i ■ * chaust Du ein größ'res Glück stets neidisch an, Wirst Du Dein eig’ne# kleineres begraben; 9 Es hat nicht einen Garten Jedermann, Doch kann ein Jeder ein paar Blumen haben. Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) Ohne Kuß, nur mit einem festen Händedruck und einem kurzen Lebewohl gingen sie auseinander. Sie wußten, es war ein Abschied für lange Zeit, vielleicht für immer, und als sie in der Einsamkeit ihrer Zimmer nun Beide allein waren, da drang in dem Abendgrau und der tiefen Stille des alten Hauses mit grausamer Gewalt die Frage auf sie ein: „Werden wir uns Wiedersehen?" Die Wände gaben ihnen keine Antwort und die Bilder blieben stumm. Keine der überirdischen Mächte, die im Hause der Schatten walten sollten, verrieth ihnen die Zukunft, und immer banger, immer hoffnungsloser schien den beiden, von einander geschiedenen Menschen die ruhelos wiederholte Frage zu klingen: „Werden wir uns Wiedersehen?" Als Georg und Frau Henninger, die Treppen nieder- steigend, den unteren Bodenraum durchschritten hatten, war die Thür zu Neuerts Zimmer von innen leise geöffnet worden, und durch den Spalt hatten seine dunklen, brennenden Augen forschend hervorgespäht. Als er jedoch die Gestalten der Beiden erkannt hatte, war der Ausdruck der Spannung aus seinen Zügen gewichen, und er hatte die Thür wieder leise ins Schloß gelegt. Seitdem war eine halbe Stunde fast verstrichen, und er hemmte nun eine ruhelose Wanderung durch sein Zimmer. „Es ist eine Schande!" murmelte er. „Daß ein Kerl wie ich um solch' ein Weibsbild jammert, es ist eine Schmach!" Er fuhr sich mit der Hand durch das kurze Haar und sah nach der Uhr. Dann nahm er einen weichen, schwarzen Hut vom Nagel, stieß das Fenster aus und warf einen Blick auf die vielen Dächer und Giebel unter ihm, die in dem Dunst des Märzabends verschwammen und ihre festen Linien verloren. Er wandte sich bald wieder ab, nahm einen steinen Handkoffer vom Boden, trat hinaus, verschloß die Thür mit Sorgfalt und verließ das Haus. Sein Weg führte ihn in die Mitte der Altstadt zu einem stattlichen und alterthümlichen Gasthaus, vor dem eine rothe Laterne schon von Weitem grüßte. Eine warme, mit dem Gerüche von Bier und Speisen erfüllte Luft kam ihm entgegen, als er den Flur betreten hatte, und ein Geräusch von vielen, halbgedämpften Stimmen drang zu ihm her, als er einer braunen, zweiflügelicheu Thur sich näherte. Ein Portier, der ihn kannte, nick-e ihm zu und öffnete ihm. „Es geht bald los," sagte er dabei, Neuert aber gab keine Antwort. Er trat in einen großen, niedrigen, langgestreckten Saal, der schon ganz mit Menschen gefüllt war. Bon der Decke mit verräucherten Malereien hingen von weißen Kuppeln umkleidete Gasflammen nieder und beleuchteten die Reihen hintereinander anfgestellter Tische, von denen nur die beiden ersten mit roth und blau gewürfelten Tischtüchern bedeckt waren. Die Stühle waren so aufgestellt, daß die Sitzenden alle nach der am einen schmalen Ende des Saales aufgebauten Bühne hinüber blickten. Es war gedrängt voll, die Weiblichkeit überwog. An den beiden Ehrentafeln im Vordergrund saßen die Honoratioren, meist würdige Handwerksmeister mit Frauen und Familie, gut, wenn auch altmodisch gekleidet. Weiter zurück vorwiegend junges Volk: Mägde, Gesellen, hie und da eine Uniform. Die Männer tranken und rauchten, die Mädchen schwatzten, stießen einander an und lachten. Am Eingang war ein brauner Tisch als Kaffe aufgefteßt, ein Haufen von Silber- und Kupfergeld blinkte auf einem weißen Teller. Ein Mann von gedrungener Gestalt, mit einem sonnverbranntem Gesichte, dem heute künstlich gelocktes Haar einen theatralischen Anstrich gab, saß als Kassirer dahinter. Er begrüßte die Ankommenden und reichte ihnen blaue Zettel mit dem Programm, auf dem ein paar mächtige Gewichtsstücke und gekreuzte Eisenstangen als Abzeichen des Athletenclubs prangten. Um diesen Tisch hatte sich eine Schaar von jungen, kräftigen Männern gefchaart, die eifrig aufeinander einsprachen, oder in dem kleinen, hier freigebliebenen Raume mit dem schweren, wiegenden Gange der Kraftmenschen auf und nieder gingen, der dem der Seeleute verwandt ist. Neuert nickte ihnen zu und wechselte mit einigen von ihnen ein paar flüchtige Worte. Während er aber sprach, glitten seine Blicke zu den ersten Reihen der Zuschauer hinüber, und seine Lippen preßten sich zusammen, als er gesunden hatte, was er suchte. Dort, ganz nahe vor der Bühne, saß die Familie Wernicke, und in ihrer Mitte, als müßte es so fein, der Geselle, Fritz Köhler. Er hatte seinen Arm um die Lehne von Marthas Stuhl gelegt und beugte sich dicht zu ihr heran- die Gesichter der beiden jungen Menschen leuchteten in freudiger Helle. Die Eltern sprachen 74 miteinander und traten, als sähen sie die Annäherung nicht, die sie im Grillen wünschten. Die rechte Hand Neuerts preßte sich um den Ledergriff des Koffers, als wollte er ihn zermalmen- die Frage eines Genossen ließ er unbeantwortet und schritt jetzt an der Bühne entlang, unmittelbar vor der ersten Reihe der Zuschauer her zur anderen Seite des Saales hinüber. Er streifte im Gehen fast Marthas lichtblaues Kleid, aber er wandte den Blick nicht zu ihr hin und sprach keinen Gruß- mit zusammengebissenen Zähnen und geradeausblickenden Augen ging er vorüber. Die Backenmuskeln zuckten und arbeiteten auf seinem Gesicht, als bewegten die Kiefer sich krampfhaft unter dem Fleisch. Er durchschritt eine Thür in der genüberliegenden Saalwand und erreichte rasch den Garderoberaum für die Athleten. Hier war er noch allein, und ein stöhnender Seufzer drang aus seiner Brust. Einen Augenblick setzte er sich nieder, als überkomme ihn eine plötzliche Schwäche, und blickte starr auf eine dunkle Stelle im Fußboden. Dann öffnete er, sich zusammenraffend, den Koffer, holte das Athletengewand hervor und begann sich zu entkleiden. Er prüfte dabei seine Muskeln, ob sie gestählt genug seien- einmal erhob er auch den nackten Arm und schüttelte die Faust in der Richtung der Saales. Die lauten, sich nähernden Stimmen der Genossen hießen ihn eilen, und bald war der ganze Raum angefüllt mit frischen, jugendlichen Gestalten, die das moderne Gewand von sich warfen im frohem Gefühl, ihre Kraft und Schönheit an diesem Abend offen zeigen zu dürfen. Wie er als Erster die Garderobe betreten hatte, so war Neuert auch mit dem Ankleiden zuerst fertig und ging auf die noch leere, mäßig erhellte Bühne hinaus. Ein kleiner, lichter Fleck zeigte ihm das Loch im Vorhang, und nun Preßte er sein Auge dagegen und starrte unverwandt auf das leicht geröthete, von krausem Blondhaar umspielte Mädchengesicht in der ersten Reihe der Zuschauer. Einmal war es, als fühle sie diesen Blick, der schärf und hart wie ein geschliffenes Schwert zu ihr hinüberdrang- sie bewegte unmuthig den Kopf und strich mit der Hand über die Stirn. Dann aber lächelte sie wieder vor sich hin, ein stilles, gesammeltes Lächeln des Glücks. Musik begann draußen vor dem Vorhang zu spielen, ein seltsames Orchester von zwei Geigen und zwei Clarinetten. Ohne darauf zu hören, blickte Neuert unablässig hinaus- die Bühne fing an unter den schweren Gewichten zu erdröhnen, die von den Genossen jetzt hereingetragen wurden, — er vernahm es nicht und wandte sich nicht um. Erst als der Vorsitzende des Vereins zu ihm herankam und ihm die Hand auf die Schulter legte, zuckte er leicht zusammen und trat vopt Vorhang zurück auf die jetzt hellerleuchtete Bühne, wo die Kämpfer bereits im Halbkreis sich aufgestellt hatten. Neuert als einer der Kleinsten hatte seinen Platz nahe am linken Flügel, und indem er ihn einnahm, warf er einen scheuen Blick zu Fritz Köhler hinüber, der etwas nach rechts fast in der Mitte der Bühne stand. Dem Manne ebenso sehr wie seiner Tracht galt dieser Blick Neuerts- er wußte aus des glücklichen Nebenbuhlers eigenem Munde, daß Marthas Finger ihm das Gewand geziert hatten. Es war von dunklem Roth, mit satter, brennender Farbe vom helleren Fleischton der Tricots sich abhebend - auf der Brust und den Schultern aber verschlangen ein paar zierlich gestickte Rosenzweige mit blaßroth leuchtenden Blüthen sich anmuthig ineinander. „Ihm die Rosen, mir nur die Bornen!" dachte Neuert und kehrte den Blick wieder ab, um ihn an seiner eigenen Tracht hinuntergleiten zu (affen. Als einziger von allen Genossen trug er Tricots von einem feurigen Roth, ein schwarzes Wamms darüber ohne jeden Schmuck, ohne jede Blume, und von dieser diabolischen Tracht hob das blaffe Gelb seiner Haut an Gesicht und Armen sich fast leichenhaft ab. In glühendem Leben aber brannten seine Augen, und seine Sehnen spannten sich in verhaltener Wuth. Ein Glockenzeichen ertönte, der Vorhang rollte empor, eine heiße Welle von Menschendunst und Qualm strömte vom Saal auf die Bühne herein. Mit Gewichtübungen und Kraftproben leichterer Art begann das Spiel, um zu immer größeren Beweisen von Gewandtheit und Stärke vorzuschreiten. Schüchtern zuerst regten sich die Hände zum Beifall, bald aber erklang er lauter und stürmischer, und mit den Gesichtern der Athleten zugleich rötheten sich die der Zuschauer in wachsender Erregung. Ein Ringkampf war schon vorüber, ein Knabe von wenigen Jahren war von seinem Vater unter lautem Jubel des Publikums vorgeführt und mit einem auf die Bühne niederprasselnden Regen von Apfelsinen belohnt worden, als nach kleiner Pause der Vorsitzende wieder hervortrat und einen zweiten Ringkampf ankündigte. Fritz Köhler und Franz Neuert waren die Kämpfer, und nun stellten sie sich einander gegenüber, eine blonde, blauäugige Siegfriedsgestalt der eine, Loke, dem verderblichen, feindlichen Gotte, vergleichbar der andere. Nach Ringersitte reichten sie sich die Hände zum Gruß, dann nahmen sie Aufstellung, indem sie die in Kampfesübung gestählten Beine fest auf den Boden stemmten und die Köpfe vorbeugten wie zwei zum Angriff bereite Stiere. Mit Prüfenden, vorsichtigen Griffen faßten sie einander zuerst, bald aber packten ihre Hände fester, und ein wilder, leidenschaftlicher Kampf begann. Die Kräfte der Beiden schienen einander gleich- was der Eine an Wuckt und Größe des Körpers voraus hatte, ersetzte der Andere durch gelenke Gewandtheit. Ein paar Mal hob Köhler den Gegner in fester Umschlingung vom Boden empor und warf ihn, im Sturze selbst mit zur Erde gerissen, auf das erkrachende, Staubwolken in die Höhe sendende Podium nieder. Aber niemals gelang es ihm, des Gestürzten Schultern auf die Erde niederzudrücken und ihn so zu besiegen- immer wieder entschlüpfte Neuert seinen Händen und stand ihm gegenüber, scheinbar nicht zu ermüden, zu stets erneutem Kampfe bereit. Bisher war das Ringen nach den feststehenden Regeln vor sich gegangen- bei einem frischen Angriff seines Gegners aber fühlte Köhler, daß etwas Anderes, Besonderes ihm drohte. Mit gewandten Bewegungen, mit wohlberechneten Griffen drängte der Schlosser den Goldschmied immer näher an die Bühnenrampe, an die Reihe von Gasflammen heran, die eine glühende Hitze zu ihnen emporsandten. „Was wollen Sie?" flüsterte Köhler zwischen den Zähnen hervor. „Das werden Sie sehen!" knirschte der Andere. Die schrillen Klänge der Musik, die verworrenen Zurufe einer dichten Menge, die sich im freien Raume rechts vor der Bühne zusammengedrängt hatte, übertönten ihre Worte- nur die Bewegung der bleich gewordenen Lippen war im Saale zu bemerken, kein Ton kam über den Gluthstrom hinüber, den die Gasflammen zwischen Kämpfer und Zuschauer legten. Und jetzt machte der Schlosser sich bereit, zu einem erneuten Ansturm, zu einem Angriff, den Hunderte von Augen mit Spannung und Schrecken erwarteten. Wenn es ihm gelang, den Gegner zu werfen, hier an der Bühnenrampe, wenn er ihn niederschleuderte auf diese Kette von Flammen, wenn er ihn hinunterstürzte, kopfüber hinab in den Saal — „Fritz! Fritz!" erklang eine laute, angstvolle, weibliche Stimme von unten zur Bühne empor. Und mehr noch als der gleichzeitig ertönende Zuruf des Vereinsleiters, mehr als die drohenden Worte der Genossen, die mit ausgestreckten Händen auf ihn zustürzten, vermochte diese Stimme über den rasenden Kämpfer. Für einen Augenblick ließ Neuert von seinem Gegner ab und trat zurück, als wolle er den Kampf nach Regel und Vorschrift wieder aufnehmen. Die erregten Genossen schaarten sich wieder im Hintergründe um ihren Führer, die Musik spielte ununterbrochen ihren schrillen Walzer, und die Menge der Zuschauer, die sich in plötzlichem Schrecken zur Bühne herangedrängt hätte, zog sich, einer bebenden Welle gleich, langsam wieder zurück. Köhler allein erkannte es, daß Neuert auch jetzt nicht daran dachte, einen Kampf mit ihm fortzusetzen, der nicht mehr bedeuten sollte, als ein harmloses Spiel der Kräfte. Er sah die rothunterlausenen Augen sich entgegenglühen, und als der Andere nun wieder näher zu ihm herantrat, hörte er — 78 — die heiseren, auch jetzt nur ihm vernehmlichen Worte: „Was ich will, haben Sie gefragt? Sie sollen es sehen!" Und mit einem Sprunge wie ein Panther auf ihn zustürmend, packte Neuert ihn an der Gurgel, griff in sein Gewand, riß es in Fetzeu ihm von den Schultern, um dann wieder seinen Hals zu umklammern in fester, würgender, tödtlicher Um- schlingung. Sinnlos, schäumend vor Wuth, schleuderte er ihm dabei in leisen, zischenden Worten dH’ seinen Haß, all' seine Eifersucht ins Gesicht. „Dich ermorden will ich, Du Hund, dazu bin ich hergekommen. Hier vor ihren Augen, verstehst Du! Die Lumpen Dir vom Leibe reißen, die sie Dir geschenkt hat —" Der Vorsitzende war hinzugesprungen und hatte Neuert an der Schulter gepackt, die anderen Kämpfer drangen von allen Seiten auf ihn ein, ein verworrenes Rufen, wie fernes Brausen, klang aus dem Saale empor. Noch ehe jedoch der wilde, rasende Angreifer von seinem Gegner war hinweg gerissen worden, hatte dieser seine geballte Faust erhoben und ließ sie mit gewaltigem Schlage auf die Schläfe des Todfeindes, der ihm heute erstanden war, niederfallen. Nun lösten sich die zusammengekrampften, zuckenden Finger des Schlossers, die Augen verloren ihren Ausdruck, und hintenübertaumelnd sank er schwer zu Boden. Wie ein sieghafter Recke stand Köhler über ihm, die Hand noch erhoben, die blauen Augen im Feuer des Triumphs erglühend. Als aber der Vorhang, sich langsam senkend, die strahlende Siegergestalt den Blicken entzog, da preßte Martha den Kopf an der Mutter Schuller, und zwischen Lachen und Weinen flüsterte sie: „Mutter, Mutter, gefällt er Dir nicht auch ?" Achtes Capitel. Am nächsten Mittag reiste Georg ab, ohne die Geliebte noch einmal gesehen und gesprochen zu haben. Sie stand hinter der Gardine in ihrem Erker, als der Wagen vorfuhr, der ihn zum Bahnhof bringen sollte, und wartete vergeblich darauf, daß er zu ihrem Fenster emporblickte. Er sah vor sich nieder und stieg hastig ein, als fürchtete er, seinen Entschluß nicht ausführen zu können, wenn er noch einmal in die Augen sah, von denen er wußte, daß sie auf seinem Wege ruhten. Es war ein grauer, aber regenloser Tag, und indem Frau Ina auf die leer gewordene Straße hinunterblickte, gingen ihr die Worte durch den Sinn: „Zum Abschied- nehmen just das rechte Wetter!" Es war ihr ein schmerzlicher Trost, am Nachmittag den Spaziergang zu wiederholen, den sie am Abend vorher mit Georg gemacht hatte, und sie empfand es beinahe als Freude, daß auch der finstere Himmel, an dem immer schwere Wolken langsam dahintrieben, mit ihr zu trauern schien. Sie kam zeitiger heim, als am vorigen Tage, doch war die Dämmerung unter dem Wolkenschleier bereits ebenso weit vorgeschritten, und Frau Ina konnte die Gegenstände auf Flur und Treppe nicht genau mehr unterscheiden. So schrak sie heftig zusammen, als sie den Corridor zu ihrer Wohnung betreten hatte, und nur das Ohr, nicht das Auge ihr die Anwesenheit eines lebenden Wesens in ihrer Nähe verrieth. Ein klägliches, wimmerndes Stöhnen drang zu ihr Her, das wie das Klagen eines verwundeten oder gepeinigten Thieres klang. Trotz der Dämmerung schien Frau Henniger muthig auf die Treppe des zweiten Stockes zu, von der ihr die seltsamen, traurigen Laute zu kommen schienen. Und nun erkannte sie, daß es kein Thier war, das diese Klagelaute ausstieß; auf einer der untersten Treppenstufen saß die zusammengekauerte Gestalt eines grauhaarigen, bärtigen Mannes, der die Hände vor das Gesicht geschlagen hatte und ununterbrochen vor sich hin jammerte in unverständlichen, unarticulirten Tönen. Frau Henninger sprach ein paar milde, theilnehmende Worte zu ihm, doch schien er sie nicht zn hören, und erst als sie ihn leise an die Schulter berührte, blickte er ihr in das Gesicht. Jetzt wußte sie, wer es war- sie hatte den Taubstummen und sein Töchterchen, den Schützling der alten Caroline, mehrfach im Hause gesehen und stets ein inniges Mitleid mit diesem Manne empfunden, dem der Himmel zwei Üöstliche Güter auf einmal versagt hatte. Sein Jammer, dem er keine Worte zu verleihen vermochte, traf ihr Herz, das gerade in diesen Stunden dem Mitgefühl weit geöffnet war, und sie winkte dem Taubstummen, ihr in das Zimmer zu eigen. Hier machte sie Licht und bat ihn durch Geberden, ihr ein Leid zu vertrauen. Zuerst stieß er auch jetzt wieder eine thierischen, klagenden Laute aus, dann aber griff er, von vertrauter Gewohnheit geleitet, zu der Tafel, die er unter dem Rocke verborgen bei sich trug. Hastig begann er zu schreiben und reichte Frau Henninger dann, mit bebenden Fingern auf das Geschriebene deutend, die Tafel dar. „Hannchen krank! Mein Kind krank! Im Fieber, kann terben! Er, der Hund, Jaksch, der Hund, kein Erbarmen! Hat versprochen, will für Hannchen sorgen. Läßt mir das Kind jetzt sterben. Gott möge ihn strafen!" Gemischte Gefühle regten sich beim Lesen dieser Worte in Frau Inas Brust. Zuerst das Mitleid, zu gutem, hilfreichem Thun sie mahnend- eine jähe Ueberraschung daneben, die zugleich eine eigene, dunkel gehegte Empfindung zu bestätigen schien. Sie hatte sich's nicht gestehen wollen, daß ihre instinetive Abneigung gegen Jaksch, zu einem bestimmteren, wenn auch bisher nicht fest geformten Verdacht sich gesteigert hatte, zu dem Verdacht, ihr und dem Geliebten drohe Unheil von diesem Manne. Nun erfuhr sie, daß auch noch ein Anderer übel von ihm dachte, und ihn mit scheinbar verdientem Hasse verfolgte, und bei dieser Wahrnehmung bildete sich ihr eigenes Gefühl plötzlich zu einer heftigen, leidenschaftlichen Empfindung des Zornes und des Mißtrauens aus. Ja, der Gedanke fuhr ihr durch die Seele, ob nicht auch bei der Geistererscheinung, die sie erschreckt hatte, die sie jetzt aber bestimmt für das Werk eines Betrügers hielt, der Doctor seine Hand im Spiel gehabt hatte. (Fortsetzung folgt.) Hochgchängte Frucht. Novelle von H. Erlin. i (Nachdruck verboten.) Er wollte nicht. Da war nichts zu machen. Und somit drohte der schöne Plan, den Onkel Diefenbachs fünfzigjähriges Junggesellenherz ausgeheckt hatte, in Nebel zu zerfließen. Dieser arrogante Junge von Neffe...... Wenn er wenigstens verrathen möchte, was ihm eigentlich an dem reizenden Mädchen nicht paßte! Aergerlich paffte der Onkel dicke Rauchwolken vor sich hin, bis er sich soweit beruhigt hatte, um das bereits fallen gelaffene Thema wieder aufnehmen zu können. „Also es ist Dein letztes Wort, Willy, Du>illst meinen Lieblingswunsch nicht erfüllen . . . .?" „Aber Onkel......" Assessor Willy Diefenbach zuckte ungeduldig die Achseln.....„mußt Du mich denn gerade verheirathen? Mir ist Cousine Lotte wirklich gleichgültig, wie ich Dir schon so oft bewies." „So! Und warum denn? Du liebst ’ne Andere! Das wirds sein!" Laut lachend sprang der Neffe auf. „Ja, Onkelcheu, die Andere so wie die Eine und umgekehrt. Pah .... . ! . Er machte eine geringschätzeude Geste...... „Du weißt, wie ich über unsere besseren Hälften denke. Mich reizt kein Spalierobst, nach dem ich blos die Hände auszustrecken brauche, um es zu besitzen." „Na, na, mein Sohn", zweifelte Major Diefenbach da lächelnd, „es gießt auch recht hoch hängende Früchte!" „Mag sein! Aber Cousine Lotte gehört gewiß zum Spalierobst." Gähnend warf sich der Assessor in einen Lehnstuhl und griff nach der Zeitung, während der Onkel, grollend über den abermaligen Mißerfolg seiner Bemühungen, Willy für die kleine Lotte günstig zu stimmen, in Nachdenken versank. 76 tzeit Jahren schon war es sein innigster Wunsch gewesen, seinen Lieblingsneffen und seine LieblingSnichte miteinander zu verheirathen, damit das Geld hübsch in der Familie bliebe, und sich der Name Diefenbach standesgemäß weiter vererbe. Und um den Beiden Gelegenheit zu geben, sich ordentlich kennen zu lernen, hatte er es so zu arrangieren gewußt, daß sie zu gleicher Zeit besuchsweise einige Wochen in seinem Hause zubrachten. Was nützte das nun alles . . . . ? Wenigstens sollte jetzt zur Strafe ein kleiner Schreck die empörende Seelenruhe des Eigensinns aufrütteln! „Ich bezahle nie wieder Deine Schulden, mein Junge, merke Dir's." Gleichmüthig legte der Assessor seine Zeitung hin. „Blos weil ich die Cousine nicht heirathen will, Onkelchen? Sieh mal . . . ." ein feines überlegenes Lächeln zitterte um seinen flotten Schnurrbart .... „Du kannst doch wirklich nicht verlangen, daß ich mein ganzes Leben und meine goldene Freiheit diesem kleinen Mädel zu Füßen lege, nur weil es mir von meinem vieltheuren Onkel präsentirt worden ist. Aber mir fällt da etwas anderes ein . . . ." „Nun ....?" fragte der Major mit erneuter leiser Hoffnung. „Wenn absolut einer von den Diefenbachs heirathen muß .... heirathe Du, Onkelchen .... sei Du der edle Mensch!" „Laß die faulen Witze, wenn ich bitten darf!" war die gereizte Antwort auf diesen ungeheuerlichen Vorschlag. „Aber Onkel, ich bitte Dich, ich meine das sehr ernst . ." versuchte Willy nunmehr feurig seine Idee zu vertheidigen. „Ein Mann wie Du in den besten Jahren Major a. D stramme Haltung .... Cavalier . ... das jüngste Mädel beißt da noch an ... . Kleinigkeit! Onkel, was meinst Du .... ?" Aber Onkel meinte garnichts. Er rauchte wie ein Schornstein und las anscheinend dazu. Unzeitgemäße Scherze ignorirte er stets. Und während er so in die Zeitung hineinblickte, wurde sein Gesicht mit einemmale merkwürdig hell. Doch er schwieg weiter. Der Assessor machte noch einige vergebliche Versuche, das Gespräch in scherzhafter Weise fortzusetzen, dann trat er ans Fenster und sah gelangweilt in den Garten hinunter. Ah ... da war sie ja, um die man sich beinahe eine Stunde gestritten hatte .... Lotte von Mirstein spazierte mit ihrer Mama vor dem Hause auf und ab. Noch unter der Einwirkung des vorher Gesprochenen musterte er seine Cousine eingehender als sonst. Ein ganz niedlich Ding war sie. So wie alle! Das heißt, nein: das blonde Köpfchen mit den klugen Grauaugen konnte man interessant nennen. Dumm benahm sie sich auch nicht im Gegentheil Eine hübsche graziöse Figur mit weichen Katzenbewegungen besaß sie ganz entschieden Wie gesagt . ... sie war passable .... ihr größter Fehler bestand darin, daß gerade er sie heirathen sollte und mußte. Ob sie wohl sehr unglücklich sein würde, wenn er in drei Tagen wieder abreiste, ohne ihr Herz und Hand angetragen zu haben? Vielleicht, hoffentlich wußte sie von Onkels Plan gar nichts. Jetzt .... sie schaute zu ihm empor .... sie bemerkte ihn und wurde glühend roth. So roth wie man wird, wenn man verliebt ist, dachte er mit mitleidigem Lächeln und trat vom Fenster zurück. — Drei Tage später reiste der Assessor wirklich ab. In dem amüsanten Leben der Großstadt, das ihn bald wieder umfing, hatte er gar schnell den Onkel sammt seinen Plänen und Wünschen vergessen. Da erinnerte ihn nach beinahe acht Wochen ein Brief recht wundersam daran. „Komme sofort zu mir," hieß es darin, „habe Dir wichtige Mittheilung zu machen." Aeußerst .neugierig trat Willy umgehend die kleine Reise an. Was hatte der Alte vor .... ? Herzlicher denn je vom Onkel empfangen, fragte der Assessor sogleich nach den wichtigen Mittheilungen, die auch nicht lange warten ließen. Bei einem Glase Wein vertraute sie Onkel Diefenbach seinem Neffen an. „Junge .... Mensch .... ich hab mich nun doch noch entschlossen .... ich werde heirathen!" Willys Fassung gerielh in Gefahr. „Onkel .... wahrhaftig . ? Du ... . Wen denn ....?" „Lotten!" Wie elektrisirt fuhr der Assesfor in die Höhe. „Das junge Ding . . . . ? Na, nimm mir's nicht übel, Onkel . . . ." „Sie thut Dir wohl sehr leid, he? Bist nicht sehr höflich, mein Junge," unterbrach ihn der Onkel gutlaunig spöttelnd und nahm bedächrig einen Schluck Rothen, „na, macht nichts. Kannst Dir schon was erlauben, verdanke Dir ja sozusagen mein Spätsommerglück. Und darum sei ohne Sorge, Deinen Wechsel schmälere ich trotz meiner Heirath nicht." (Schluß folgt.) Literarisches M»la«chth0«S 400. Setmrtstag wird in jedem evangelischen Hause festlich begangen werden, wie es der Erinnerung an den treuen Freund und Mitkämpfer Luthers auch geziemt. Sehr willkommen ist zu dieser Gelegenheit ein Bild desselben, das eben im Verlage von G. Frey tag & Berndt, Wien VII/1 und Leipzig, erschien. Das edel aufgefaßte und künstlerisch durchgeführte Porträt ist nach einem guten Original angefertigt und gereicht der oben genannten Kunstanstalt nur zur Ehre. Bei der tadellosen Ausführung des Bildes ist der Preis von M. 1.—, zu welchem das, im Formate 45:59 Centim. gehaltene Blatt in jeder Buchhandlung, eventuell auch im Verlage G. Freytag & Berndt, Wien VII/1 selbst, erhältlich ist, ein sehr mäßiger zu nennen. Kleine Ausgaben des Porträts in der Größe 18:26 Ctm., die sich zur Vertheilung an die Bevölkerung, Schulkinder, Confirmanden rc. sehr gut eignen, kosten 20 Pfg., bei größeren Partieen auch weniger. Stint* und seine Pflegt. Von Sanitätsrath Dr. L. Fürst, Speeialarzt für Kinderheilkunde in Berlin. Fünfte, umgearbeitete und bereicherte Auflage. Mit 129 Abbildungen. Preis 4 Mk., in Original- Leinenband 5 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Das weitverbreitete, als vorzüglich anerkannte Werk des auf dem Gebiete der Kinderheilkunde als Autorität geschätzten Verfassers liegt in neuer (fünfter) Auflage vor, völlig umgearbeitet und dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entsprechend. Der Verfasser hat darin seine in 33jähriger Praxis gesammelten Erfahrungen über Hygiene und Krankenpflege des Kindes niedergelegt; er hat es in gewohnter Weise verstanden, exaete Wissenschaftlichkeit mit leicht faßlicher Darstellungsweise zu verbinden. Das Buch wird wie bisher jeder Familie in Freud und Leid ein zuverlässiger ärztlicher Berather sein und dazu beitragen, so mancher Mutter die Erziehung ihres Kindes zu körperlicher und seelischer Harmonie zu erleichtern. * * »atechiAm«» de* Mustk. Bon I. C. Lobe. SechSund- zwanzigste Auslage. In Original-Leinenband 1 Mk. 50 Pfg. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Das bekannte, populäre Buch „Katechismus der Musik" von I. C. Lobe hat bei den vielfachen Auflagen mehrmalige Verbesserungen erfahren, ohne welche es sich neben den neueren Erscheinungen auf gleichem Gebiet nicht hätte behaupten können. Durch Umstellung mehrerer Kapitel ist jetzt der Lehrstoff logischer geordnet, d. h. er ist in der Reihenfolge dargeboten, wie er gelehrt werden soll. Ein weiterer Vorzug der neuen Auflage besteht in der Verbesserung der Ausdrucksweise Lobes, sowie darin, daß die Erklärungen der sogenannten Verzierungen nach heutigen Anschauungen richtig dargestellt sind. Gegen den Schluß hin ist das Buch nicht unbedeutend erweitert worden, namentlich durch eine vollständige Aufzählung der Musikinstrumente, welche in den verschiedenartig zusammengestellten Orchestern verwendet werden, wobei sogar solche Instrumente Erwähnung gefunden haben, die heute nicht mehr im Gebrauch sind. Nach dem Gesagten darf der verjüngte „alte Lobe" mit gutem Gewissen allen Interessenten warm empfohlen werden. Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.