Samstag den 16. Januar 1897« m PhOti M!«.j s U 'M'M DEM IlJi jM/ie Bildung macht nicht glücklich — aber die Ein - bildung. & Wer Kinder läßt vom Gesinde erziehen, Nachdem sie entwachsen der Windel, Der murre nicht, ist ihm emporgedieh'n In ihnen ein rechtes Gesindel. G. W. Ein Verliebter will liebenswürdiger sein als er kann, und darum sind fast alle Verliebten lächerlich. M. F. Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kvhlrausch- (Fortsetzung.) Das gelbe, von oben herabsallende Licht jedoch verlieh ihr eine blasse Todtcnfarbe, so daß der erschreckte Beschauer keinen Stein, sondern das erbleichende Antlitz eines sterbenden Menschen zu erblicken meinte. Eine Draperie von schwarzem Sammt war um die Schultern der Büste gelegt, und dieser Gegensatz von Stoff und Stein erhöhte noch den Eindruck des Grausenhaften, den der plötzliche Anblick hervorrief. Kalt überlief es den Assessor, indem er den nie gesehenen Raum und seinen traurigen Inhalt betrachtete. Es war ihm, als greife von dort eine eisige.Todtenhand in das warme Glück seiner Liebe hinein, als wehe ihm Grabeshauch entgegen und vernichtete die Blüthen auf, seinem Wege. Seme Lippen vermochten nicht zu reden, ein Zittern erschütterte seine Glieder, und unverwandt blickte er auf das steinerne Bildniß. Jetzt aber unterbrach eine gedämpfte, ruhige Stimme wieder das Schweigen. „Es ist d;e Büste des Regierungsraths Henninger, eine gute Arbeit von Professor Küsthardt. Ich habe den Verstorbenen nicht gekannt, aber man sagt, sie sei ähnlich. Ursprünglich sollte sie aus dem Kirchhof aufgestellt werden, aber Frau Henninger wollte sich nicht davon trennen. Sie nahm sie hierher in diesen Erinnerungsraum als Zeichen einer Treue, die über das Grab hinausreicht. Sie wandte sich nicht um, die Wirkung ihrer Worte zu erforschen: die Büste betrachtend, sprach sie gleichmäßig weiter, ohne einen Blick auf das Gesicht ihres Zuhör'ers zu werfen, das sich mW und mehr entfärbte unter dem Einfluß lhrer grausamen Rede. . . r. ., „Sie hat ihm diese Treue geschworen und wrrd sie ,hm halten, wie ich sie kenne. Sterbend hat er den Eid von ihr gefordert, und sie hat ihn geleistet." „Geschworen? Einen Eid? Was reden Sie, was bedeutet das?" Jetzt wandte sie sich zu ihm, und em matter Ausdruck des Staunens erschien auf ihrem Gesicht. „Ich dachte, Sie wüßten das Alles von ihr.selbst. Sie hat ja doch sonst so großes Vertrauen zu Ihnen. Ich müßte mich also der Jn- discretion anklagen, aber die ganze Stadt weiß von diesem Eide: die Einen tadeln sie darum, die Anderen beklagen sie, aber Alle wissen, daß sie ihrem Manne auf seinem Sterbelager Treue geschworen hat über das Grab hinaus bis in alle Ewigkeit, und daß der Sterbende verheißen hat, als Geist wieder vor ihr zu erscheinen, wenn sie den Eid brechen sollte." Auch jetzt erhob sich ihre Stimme nicht zu größerer Kraft- der Ton ihrer Worte erinnerte an das gleichmäßige Niederfallen großer und schwerer Regentropfen, die eine melancholische Musik machen." . „Das ist nicht wahr!" schrie der Assessor auf. „Das kann nicht wahr sein, oder sie hätte^s mir gesagt!" „Es wird das beste fern, Sie fragen sie selbst. Da ist Frau Henninger war ins Zimmer getreten, lächelnd, mit einem Scherzwort auf den Lippen. Ein einziger Blick aber zeigte ihr den enthüllten Erinnerungsraum mit der Büste des Todten, zeigte ihr die lnchenhafte Blässe auf dem Gesichte des lebenden Mannes, den sie liebte. Rasch trat er ihr entgegen, nach Worten suchend. Aber wie er ihr in die Augen sah, die groß und fragend und doch mit dem Ausdruck eines mächtigen Vertrauens auf ihr gerichtet waren, da vermochte er nicht auszusprechen, was er gemeint hatte, ihr sagen zu müssen. „Nicht heute," stammelte er. „Fragen Sie mich nicht! Ein ander Mal, - später, — nicht heute!" Ohne Abschiedsgruß verließ er das Zimmer. Mit einem langen, schmerzlichen Blicke schaute Frau Henninger ihm nach. Dann trat sie auf die Gesellschafterin zu und fragte- „Was haben Sie ihm gesagt?" „Nur von dem Eide habe ich ihm erzählt, den Lre dem Verstorbenen geleistet haben. Ich meinte nicht, ihm etwas Neues damit zu sagen." „Es war kein Eid, Sie wissen das gut genug!"- Sre hatte es heftig hervorgestoßen, gleich aber gewann sie die Selbstbeherrschung wieder und fügte ruhig hinzu: „Doch es ist nun einmal geschehen, und nichts mehr zu ändern. Gehen 22 — «Uch sich der Hinteren Grenze des Grundstücks. Parallel zum Vorderbau, rechtwinklig zum Seitenflügel erhob sich dieses Gebäude eingeschossig und niedrig. So war die Grundfläche auf zwei Seiten völlig, hier hinten zur Hälfte etwa durch Baulichkeiten umschlossen. In der Umarmung dieser drei Wände von ver- schiedenerHöhe lag ein Hofraum, mehr lang als breit, an der freien Seite durch ein einfaches, altersgraues Holzgitter abgeschlossen, von dem eine Thür in den jetzt unter tiefem Schnee begrabenen Garten führte. Ein paar alte, hochgewachsene Akazienbäume reckten die beschneiten Aeste knorrig empor, Gesträuchgruppen waren halb in die Schneemasse versunken, langgestreckte, geradlinige Blumen- und Gemüsebeete zeichneten sich als flache Erhöhungen, riesigen Gräbern vergleichbar, undeutlich ab. Wie im ersten Stockwerk, so zog sich auch zu ebener Erde bis in die äußerste Tiefe des Gebäudes ein langer und schmaler Corridor, der von dem inneren Hof und brat daneben liegenden Garten her sein Licht empfing. Ganz hinten zur Linken des Ganges öffnete sich eine weiße, nur locker in ihren morsch gewordenen Angeln hängende Thür nach der Werkstätte zu, die in zwei Räume von ungleicher Größe zerfiel. Der erste von ihnen war sehr klein und durch ein einziges Feaster vom Jnnenhof her erleuchtet. Ambos, Blasebalg und Herd befanden sich hier, und der schwarze Ueberzug von Rauch auf den weißgetünchten Wänden erzählte von der Macht des Feuers, das auf der Schmelzstätte, auf dem niedrigen, vom^vieljährigen Gebrauch schon halbzerstörten Backsteinherd regierte. Die eigentliche Arbeitsstätte befand sich im zweiten Raum. Durch vier mit geriffeltem Glas verkleidete, dicht nebeneinander gelegene Fenster drang das Schneelicht des Wintertages hell herein, und mitten unter ihnen stand der Werktisch aus naturfarbenem, vom Alter ergrautem, von Rissen durchsetztem Holz. Er war der Beherrscher des Raumes. Trotzig sprang die mächtige Platte, die sich geradlinig an die Mauer atv schloß, weit vor in der Form eines halben Ovals. Aber die Linie des Ovals war durch vier halbkreisförmige Ausschnitte unterbrochen, und die wuchtige Holzmasse gewann so das Aussehen eines durchschnittenen Sternes. Vom freundlichen Glanze des Goldschmiedshandwerks zeigte sich nichts in dem einfachen Gemache mit seinen weißen Wänden. Die eiserne Goldwalze, die hochbeinig dastand, reckte die schwarzen Zähne ihres Radwerks hervor, ein röthlicher Staub ersüllte den Boden des großen Holzkastens auf der Polirmaschine. Nur an einer einzigen Stelle des Werktisches zeigte sich ein feines, goldenes Blitzen. Dort saß an diesem Februarmorgen ein junger Mann bei der Arbeit, ein Krauskopf, in der Mitte der Zwanziger vielleicht, mit der hellen Haarfarbe und den klaren, blauen Augen des niedersächsischen Stammes. Frohsinn und Gesundheit sprachen aus seinem freundlichen Gesichte, das hübsch und regelmäßig war. Er saß in einem der halbkreisförmigen Ausschnitte des Werktisches, nahe am Fenster. Der Feilennagel, ein viereckiger, vorn abgeschrägter Holzkeil mit einer Vertiefung in der Oberfläche war am Tisch in der Mitte des Ausschnittes befestigt, ein Schurzfell war darunter festgenagelt, so daß es einem offenem Beutel gleich herabhing, um die Abfälle des werthvollen Metalls aufzufangen und zu bewahren. Der junge Gesell war mit der Reparatur eines zer- „Es war nicht eher sicher, und Du hattest ihn ja noch zu Dir heraufbestellt." „Was hast Du zu berichten?" „Biel und wenig Gutes." „Verschließ' die Thür, setz' Dich und erzähle." Drittes Capitel. Die Werkstätte des Goldschmieds Wernicke befand in einem besonderen kleinen Anbau des Hauses an in das die dunkle Gestalt nun hiueinglitt, war dar Studir- zimmer des Doctors Jaksch. „Du kommst spät," sagte er mit gedämpfter, ungeduldiger Stimme. Gie schlafen, Fräulein Tietjens- es ist spät geworden- und I ich möchte allein sein." Mit wortlosem Neigen deS Kopfes gehorchte die Gesellschafterin- leise glitt ihre graue Gestalt hinaus aus dem Zimmer. Als Frau Henninger allein geblieben war, verriegelte sie die Thür, durch die Jene sich entfernt hatte - dann aber trat sie vor den Raum, der dem Anvenken des Verstorbenen gewidmet war, und blickte lange regungslos I hinein in den gelblichen Schimmer, der die Züge des Todten I umfluthete. Zuerst bewegten sich ihre Lippen ohne Laut, aber daun bildeten sie Worte, leise, kaum vernehmlich: „Es ist kein Eid gewesen, du weißt es. Ich versprach dir's in der Angst des Todes, weil ich meinte, daß ich nie aufhören könnte, dich zu lieben. Nun ist es geschehen, das Leben übt sein gewaltiges Recht. Mein Versprechen ist zu einer Kette geworden, die mir die freie Bewegung hemmt." Sie schwieg einen Augenblick und trat noch näher zu der Büste heran- ihr Gesicht gewann einen zornigen Ausdruck. „Aber ich will die Kette nicht tragen," sagte sie jetzt laut, „ich breche sie — heute, in dieser Stunde. Ich will leben, ja, ich will leben." Mit rascher Bewegung erhob sie die Hand zu der Ampel und löschte die Flamme, die darin leuchtete- noch ein kurzes Aufflackern, und tiefes Dunkel ersüllte den kleinen Raum. Eilig, mit unsicheren Schritten hatte der Assessor sich nach seinen Zimmern begeben, sobald er den Salon verlassen hatte. Er dachte nicht mehr daran, daß der Onkel oben nach ihm verlangt hatte und ihn erwartete. Hinter sich verschloß er die Thür und trat in dem unerleuchteten Gemach an eins der unverhüllten Fenster- die beiden Räume, die er bewohnte, lagen im Nebenflügel, der sich rechtwinklig an den Hauptbau anlehnte, g'eich am Anfang des langen Corridors. Wie das eine Fenster der Küche, so gingen auch die dieser Zimmer aus den Hof zur Seite der Hauses, und an die Scheiben gelehnt, blickte der Assessor lange Zeit hinunter auf die weiße Fläche, auf das Treiben des Schnees in der Luft. Dann ließ er die Vorhänge herunter, machte Licht und begann sich zu entkleiden. Als er sein Schlafzimmer betreten hatte und den Wandschrank öffnete, in dem er seine Kleider zu verwahren pflegte, fiel es ihm zum ersten Male auf, daß dieser Schrank durch die ganze Stärke einer mächtigen Mauer hindurch sich erstreckte, und daß er nach hinten zu nur durch eine dünne Wand geschlossen schien. Dort aber lagen die beiden Räume, in denen der Todte gelebt hatte und gestorben war, der Todte, der von heute ab, so meinte er, für immer zwischen ihm und seinem Glücke stand. Mit erneutem Schauder über die verderbliche Nähe schloß er die Thür des Schrankes, warf sich auf sein Lager und löschte das Licht. Aber kein Schlaf kam in seine brennenden Augen- er lag und wachte, wieder und wieder die Gedanken in seinem Kopfe wälzend, und starrte hinein in das Dunkel, das ihn umgab und das ihm in diesen Stunden wie ein Abbild seines zukünftigen Lebens erschien. Er lag und wachte und hörte die Glockenschläge, die vom Thurm der nahen Michaeliskirche zu ihm herüber drangen, doch er vernahm nicht, was in seiner Nähe geschah. Er ahnte den Schatten nicht, der in tiefer, finsterer Mitternacht das Haus der Schatten durchschwebte. Aus einem Zimmer des ersten Stockwerks kam er hervor, glitt an den Wänden entlang, öffnete die Thür eines schwarzen Gelasses und bewegte sich eine Treppe hinan, die darin emporführte. Uebec die Corridore des zweiten Geschosses nahm er seinen lautlosen Weg, um Halt zu machen yor einem Zimmer, das über dem des Verstorbenen lag. Ein ganz leises, dreimaliges Klopfen ertönte, kaum lauter als ein Hauch, die Thür öffnete sich, ein schwacher Lichtstrahl kam daraus hervor. Und in seinem Scheine verwandelte der Schatten sich in eine Gestalt, in die des Fräulein Tietjens, der Gesellschafterin von Frau Henninger. Das Gemach aber, aus dem der Lichtschein hervorkam, und 23 daS Studfi- ungeduldiger ihn ja «uch le." befand sich fies an der i Vorderbau, es Gebäude -che auf zwei Baulichkeiten nde von ver- , an der freien abgeschlossen, e begrabenen Lkazienbäume räuchgruppen gestreckte, ge- ich als flache eutlich ab. ch zu ebener i ein langer Hof und dm Ganz hinten nur locker in ür nach der :r Größe zer- tb durch ein et. Ambvs, der schwarze Aden erzählte nelzstätte, aus halbzerstörten zweiten Raum, nebeneinander ntertages hell Werktisch aus n durchsetztem trotzig sprang ie Mauer tm< Ovals. Aber fiörmige Aus- sse gewann so Vom freund- te sich nichts Wänden. Die die schwarzen Staub ersüllte ilirmaschine. ches zeigte sich esem Februar- Krauskopf, in tllen Haarfarbe hen Stammes. A freundlichen • saß in einem ches, nahe am n abgeschrägter äch-y war am ein Schnrzsell offenem Beutel vollen Metalls tut eines zerbrochenen Ohrringes eifrig beschäftigt, aus dem er eben mit Hilfe des KorneisenS einen zierlichen Brillanten entfernt hatte. Jetzt griff er nach oben, wo von der Decke ein Bündel ge- bogeren Drahtes, einem gekrümmten Roßschweif vergleichbar, herabhing, und befestigte sorgsam die zerbrochenen Theile des Schmuckstücks mit Hilfe des Drahtes aneinander. Dann zog er die Löthflamme, die herabgeschraubt vor ihm brannte, näher zu sich heran- eine Bewegung am Hahn, und sie loderte rauschend hoch auf, während er das Löthrohr zum Munde führte und mit dem feineren Ende hineintauchte in die Flamme. Von seinem kräftigem Athem zerrissen, fuhr die zerstäubte Gluth voll Ungestüm los auf das zierlich geschmiedete Metall, das er, in feiner Zange geschickt es haltend, ihrer schmelzenden, heilen-en, neue verbindenden Macht Preisgab. Die Hauptflamme aber ließ sich nicht bändigen- in freier Gluth, wild gemacht durch den Angriff des menschlichen Athems, in wechselnden Wellenlinien emporlodernd, flackerte sie wild auf und übergoß das Gesicht des Arbeiters mitten in der weißen Helle des Wintertages mit bewegtem, roth- gelbem Widerschein. Das Geprassel der Flamme und der Eifer der Arbeit ließen es ihn überhören, daß die Thür sich öffnete und eine Mädchengestalt zu ihm hereintrat. Sie trug auf einfachem Tablett eine Flasche mit Bier, ein Glas und einen weißen Teller, auf dem eine kräftige Butterschnitte von landesüblichem Schwarzbrot, mit Wurstscheiben gleichmäßig belegt, sich lecker Präsentirte. Jetzt war sie dicht neben ihn getreten und sagte lachend: „Wollen Sie denn mit Gewalt verhungern, Herr Köhler?" Ueberrascht hatte er aufgeschaut - einen Augenblick noch loderte die Flamme vor ihm frei und mächtig empor, dann sank sie auf einen Druck am Hahn in sich zusammen und ward zum kleinen, kaum bemerkbaren Licht. In den Augen des jungen Mannes aber zeigte sich ein Glanz von Freude und Laune: „Ja, Fräulein Wernicke," sagte er, „ich bin ganz und gar lebensüberdrüssig." „Du lieber Gott, warum denn das?" „Ich habe eine unglückliche Liebe," entgegnete er mit vergnügtem Gesicht. „Schon wieder?" „O bitte, es ist immer dieselbe!" „Das muß ja ein ganz hartherziges Frauenzimmer sein." „Ist sie auch." „Wissen Sie, da würde ich sie laufen lassen." „Sie läuft aber nicht." „Nein?" „Nein, sie bleibt immer da. So oft ich ihr sage: „Nun ist es aber genug, nun scher' dich zum Teufel!" sie geht nicht! Wenn ich von der Arbeit aufgucke, gleich steht sie vor mir und lacht mich an. Wenn ich eine Brosche mache, oder eine Kette, oder einen Ring — beim Ring besonders, da ist sie sofort hier neben meinem Platz und sagt mir leise in's Ohr: „Du, das wäre 'was für mich." Dann sagt sie nämlich auch du zu mir- das thut sie sonst nicht. Früher ja, wie sie noch ein kleines Mädchen war, mit langen Zöpfen, da war es wohl so. Jetzt aber, seit sie confirmirt ist worden —" „Na ja, da schickt sich's doch nicht anders." „Ja freilich, Sie sagen ja auch nicht mehr du zu mir und Fritz, wie Sie es früher gethan haben. Ganz so wje meine unglückliche Liebe." „Ich will Ihnen 'was sagen: Die Frauenzimmmer sind einander alle sehr ähnlich, so viel habe ich jetzt auch schon herans." „Das meint man nur, solange man keine gern hat. Dann wird das anders." „Wirklich?" „Jawohl. Dann denkt man auf einmal, es gäbe in der weiten Welt keine, die so schön und so gut und so nett wäre wie die, — wenn sie es auch vielleicht gar nicht ist. Und was man von den anderen denkt, das will ich gar nicht sagen." „Lassen Sie's auch lieber! Ich könnte es ihnen wieder erzählen." „Darauf würde ich pfeifen. Mir liegt nur daran, was die Eine von mir denkt, und wenn Sie der wiedersagen wollten, was ich von ihr halte, so rhäten Sie ein gutes Werk. Ich habe Sie schon darum biten wollen." (Fortsetzung folgt.) Winterliche Gesundheitspflege für ältere Leute. Von Dr. Hans Fröhlich. (Schluß.) Von allgemeinen Speiseregeln seien noch folgende den Bejahrtesten der Menschheit empfohlen: Während des Essens trinke man wenig. Man vermeide sehr heiße und sehr kalte Speisen oder Getränke, namentlich in rascher Aufeinanderfolge. Eine Bauernregel sagt: Kalt auf Hitz Macht matt und Schwitz, Warm und warm Hält Kraft im Arm Und auch im Darm. Man esse recht langsam. Mit vollem Magen gehe man nicht zu Bette, aber auch nicht mit sorgenvollem Kopfe zu Tische. „Zur Essenszeit scheuch Sorg und Leid!" Wenn je, so sehnt man sich im vorgeschrittenen Lebensalter nach einem ruhigen Obdach, nach einem gemüthlichen Heim. Man findet keine Freude mehr an dem längeren Aufenthalte in Restaurationen und Vergnügungslocalen. Am liebsten weilt man in der trauten Häuslichkeit. Diese bildet für die Alten die behaglichste Zufluchtsstätte vor allen Schädlichkeiten und gesundheitswidrigen Einflüssen des rauhen Winters. Daher soll das Binnenklima der Wohnung nach den Grundsätzen der Hygiene genau geregelt werden. Es darf nicht zu kalt und nicht zu warm sein- im Wohnzimmer betrage es 18 Grad Celsius, int Schlafzimmer 12 Grad. Frieren die Insassen trotzdem, so mögen sie sich lieber wärmer kleiden oder in's Bett legen, als mehr heizen. Stets sorge man für reichliche Zufuhr von frischer Außenluft. Die Alten mögen weder zu dicht am Ofen sitzen, noch zu dicht am Fenster oder wenigstens letzteres nach unten mit dicken Decken verhängen und sich um den Unterkörper eine Decke hüllen. Abends ist es am besten, sie sitzen, geschützt durch einen Lampenschirm, im Halbdunkel und lassen sich etwas vorlesen oder spenden in leicht plauderndem Tone Kindern und Enkeln aus ihrem schier unerschöpflichen Born reicher Lebenserfahrung. Willige und aufmerksame Hingabe der Angehörigen wird au solchen langen Winterabenden ein verklärend Licht auf den Lebensabend der Alten werfen. Dann werden sie sich in ihrer Häuslichkeit auch zufrieden und wohlig fühlen und es wird 'sich an ihnen der Spruch des Altmeisters Goethe bewahrheiten: Der ist am glücklichsten, er sei Ein König oder ein Geringer, dem In seinem Hause wohl bereitet ist! Von großer Bedeutung für die Beförderung der Gesundheit ist auch im vorgeschrittenen Lebensalter körperliche Bewegung. Diese stärkt Körper und Geist, befördert den Kreislauf der Säfte, das Athmen und namentlich den Schlaf. Für die Alten gilt das Wort der früheren Aerzte: „Dein erster Gedanke beim Frühaufstehen sei Spazierengehen." Natürlich ist bei der winterlichen Witterung Vorsicht nöth'g. Man athme draußen nicht durch den Mund, sondern stets durch die Nase, damit die Lüft erst erwärmt wird, bevor sie in die Lungen kommt. Aber man halte sich nicht Tücher zum 24 Geineinnütziges führen, das ich in den Schriften des bekannten und berühmten Oberförsters C. W. L. Glog erS, dem auch das große Ver- dienst gebührt, die ersten künstlichen Nistkästchen anfertigen zu lassen, entnommen habe: „Der Obersorstmeister Dietrich zu Grünhain im sächsischen Erzgebirge berichtet in Heyers „Allgemeiner Forst- und Jagdzeitung" (October 1858), daß auf seinem Bezirke zwei Rüsselkäferarten (Curcuho pini und Curculio ater) vom Jahre 1852 bis 1857 großen Schaden ge- than, und daß in diesen Jahren 1079 Thaler verausgabt worden, um die Feinde durch Menschenhände zu vernichten. Nach allen Ausgaben und aller Mühe dauerte doch der Schaden in vollem Maße fort und so beschloß der Oberforstmeister die Käfer durch Staare vertilgen zu lassen. Diese Vögel hatten bis dahin jene Gegend nicht bewohnt. Nun wurden aber in der Nähe der Fichtenpflanzungen, zum Theil aus Höhen von 3000 und mehr Fuß, 121 Staarenkästchen angebracht. Diese bevölkerten sich bald mit Staaren, welche das Futter für sich und ihre Jungen auf den Pflanzungen suchten; und als nun der Oberforstmeister in Gesellschaft eines Oberförsters und zweier anderer Forstleute Ende Mai eine Anzahl junger, fast flügger Staare untersuchte, fand er ihre Magen mit den genannten Rüsselkäfern vollgepfropft, und allen Käfern hatten die sorgsamen Alten die Rüssel abgebrochen. Ein alter Staar, der ebenfalls einer Untersuchung unterzogen wurde, hatte gar nichts anders als Rüsselkäfer gefressen." Da ich glaube annehmen zu dürfen, daß die heutigen Staare in dieser Beziehung nicht minder ihre Schuldigkeit thun, so schütze und hege man diesen für die Forstwirthschch so überaus nützlichen Vogel! Man verscheuche und beunruhige ihn nicht, und er wird immer zutraulicher gegen die Menschen werden, und gern unsere Gastsreundschaft nur zu unsem Vortheile annehmen. Schließlich will ich nun noch bemerken, daß der Stanr so riesig viele schädlichen Schnecken, Raupen, Käfer (Engerlinge), "Maulwurfsgrillen, Bremsen u. a. Ungeziefer aus der Welt schafft, daß der Schaden, den er an Kirschen, Trauben und noch wenigen anderen Gewächsen anrichtet, gar nicht inS Gewicht fallen kann, und es wäre daher sehr zu wünschen, daß alle Gemeinden sich veranlaßt fühlten, auf ihre Kosten den Staaren künstliche Wohnungen anfertigen zu lassen. Gießen, im Januar 1897 H. Curschmann, Lehrer i. P. Der Staar «nd seine Wohnungen. Daß der Staar einer unserer nützlichsten, einheimischen Vöael ist, habe ich in verschiedenen Artikeln der hiesigen Localblätter, in der Thierschutz-Zeitschrift und auch m der " „Landwirthschaftlichen Zeitung" zum Abdruck bringen lassen. Dabei habe ich stets besonders betont, daß er tn hohem Maße verdiene, daß ihm recht viele Nistkästchen zur Verfügung gestellt würden, was auch zu meiner großen Freude namentlich in unserer Stadt, in der im vergangenen Jahre wieder von Seiten des Thierschutzvereins und anderen verschiedenen Staaren- freunden 110 Kästchen aufgehängt wurden, geschehen ist- aber es ist dies auch in der Zukunft dringend nöthig zu thun, da die natürlichen Wohnungen der Staare- die hohlen Bäume, in Wald, Feld, Flur, Gärten u. s. w. immer mehr und mehr verschwinden. Gerade die Herren Forstbeamten räumen gewaltig mit den hohlen Bäumen im Walde auf- dagegen muß aber doch höchst lobend anerkannt werden, daß dieselben auch nicht versäumen, eine recht große Anzahl Staarenkästchen an ihren Waldbäumen anbringen zu lassen, um der Wohnungs- notb des überaus nützlichen Staares zu steuern. Gute Kautschukschmiere zur Conservrrung w Lever. Eine solche kann auf folgende Weise bereitet roeM Man nimmt 4 Loth Kautschuk, 6 Loth Schweinefett B 24 Loth Leberthran, legt das Kautschuk in heißes Wag, bis es weich geworden ist, dann zerschneidet man es in einer Scheere in möglichst kleine Stückchen, trocknet, M es mit den fettigen Substanzen in einen Topf und über 8 das Ganze auf einem heißen Ofen oder im Wasserbade mi öfterem Umrühren der völligen Auflösung, dre aller g etwas langsam von statten geht. Die Schmiere, die - Leder wasserdicht macht, kann mit einer Bürste aufgemg- werden. * * * LeVerlack. 6 Theile Mastix, 30 Theile Colophvnm und 12 Theile afrikanischen Copal schmelze man vis z völligen Vereinigung in einer Schale zusammen, Pulver dem Erkalten das Gemenge, setze noch ein Theil Pulven Benzoe hinzu und übergieße das Ganze mit. 100 9 Alkohol. Nach erfolgter Auflösung hat man obigen te Schutze vor Mund und Nase, oder lege sich gar jenen Maul- I korb, den Respirator, an. Denn hinter diesen ^genannten Schutzvorrichtungen kann die Ausathmungvluft nicht schnell aenuq entweichen und man athmet daher zum größten Theile immer wieder die schlechte, eben ausgeathmete Luft ein. Stürmt draußen der Ostwind, schlägt Schnee oder Regen prasselnd gegen die Fenster, dann bleibe man lieber daheim. Auch in der Häuslichkeit kann man sich Bewegung verschaffen. Herumhantiren in Stube und Küche, Auf- »nd Abgehen im Zimmer und besonders Treppensteigen bieten als Ersatz sehr gute körperliche Bewegung dar. Eine große Hauptsache für die Munterkeit des Geistes und Gesunderhaltung des Körpers rat Alter ist Gemuths, und Seelenruhe. Diese kann man erreichen, wenn man sich mit Energie gewöhnt, das Leben von einer wohlwollenderen, freundlicheren Seite aufzufaffen. Der denkende Sterbliche legt sich im vorgerückten Lebensalter die Frage vor: Was denn eigentlich das Glück sei, dem man '» der ^ugend nachjagt, und findet dann, daß die meisten Menschenkinder den irrigen Glauben hegen, der Andere sei glücklich. Und doch hat Jeder in seinem Innern verborgen einen wunden Punk , eine schmerzende Stelle. Aber auch die sich für unglücklich Haltenden besitzen immer noch etwas, um da^ sie beneidet werden, was das Glück von Anderen bilden wurde Em Blick auf den Verlauf seines Lebens zergt dem Menschen, daß die höchsten Güter hienieden Zufriedenheit und Gesundheit sind, zu deren Erhaltung bis in's höchste Lebensalter Jeder ein gut Theil selbst beitragen kann. Mögen diese unschätzbaren Güter auch im neuen Jahre allen lieben Alten in höchstem Maße beschieden sein! Wie wir aus sicherer Quelle vernommen haben, gebt der Herr Forstmeister Heyer von hier auch in dieser Beziehung mit einem schönen Beispiel voran, denn derselbe laßt ' auch in diesem Jahre wieder 80 Staarenkästchen, gewiß eine startliche Anzahl, in seinen Waldungen anschlagen, und wenn dieselben einmal alle bewohnt sind, woran nicht zu zweifeln ist, so schickt benannter Herr jährlich nahezu an 1000 Staaren auch zum Nutzen der Landwirthschaft auf die Felder und Wiesen, die da unzählige schädliche Geschöpfe, namentlich auf dem Felde die gefräßigen Ackerschnecken massenhaft vertilgen. Aber auch dem Walde nützt der Staar nach dem berühmten Naturforscher Lenz unendlich viel, denn er vernichtet erstaunliche Mengen der waldverderbenden Rüsselkäfer und füttert auch ferne Jungen mit solchen. Um dies noch näher und bestimmter zu begründen, will ich ein interessantes Beispiel an- Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch &