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Polly schwieg lange; vielleicht war cs die Hoffnungslosigkeit Dicks, was ihr den Mund verschloß. Endlich sagte sie mit leiser, aber fester Stimme: „Wer die Dame auch sein mag, Doctor, Sie sind ihr ebenbürtig. Und wer ihr Freier auch sein mag, sie kann, sic tvird nicht grausam gegen Sie fein!" „Diese Worte klingen sehr schmeichelhaft, Polly," erwiderte Dick lächelnd; „aber Du hast eine viel zu hohe Meinung von mir. Ich bin vollkommen überzeugt, daß sie sehr grausam gegen mich sein wird, wenn ich Narr genug bin, ihr Gelegenheit dazu zu geben; kommt es aber dazu, so wüßte ich nicht, wie ich das Leben ertragen sollte." „Oh!" rief Polly, „oh, wie leid thun Sie mir." „Du gutes, braves Kind!" versetzte Dick, gerührt von ihrem Tone. „Komm nun, ich will Dich nicht weiter mit meinen Sorgen quälen; laß uns nun von Dir selbst reden. Beim Himmel! Du wirst immer schwächer und hagerer! Polly, dieses Leben ist zu hart für Dich. Kommt Dir der Aufenthalt in des Doctors Hanse nicht sehr eintönig vor?" „Allerdings," erwiderte sie zögernd. „Sage mir doch, hat man noch nie von Lohn mit Dir gesprochen?" „Nein," stammelte Polly. Er vergaß einen Augenblick sein eigenes Weh über die Entrüstung, die fist seiner bemächtigte. „Das geht denn doch über Alles! Nenn Jahre lang bist Du die Sclavin dlefer Familie gewesen und hast nichts dafür erhalten als DsimerSta- ta 18. Full MM as Leben gleicht einem Buche; Thoren durchblättern es flüchtig, aber Kluge lesen es mit Bedacht, weil sie wissen, daß sie es nur einmal lesen können. Weit hieltst Du Thüren und Fenster offen, Das große Glück ist nicht eingetroffen; Verzag' deshalb nicht und hoffe noch. Vielleicht kommt es durch's Schlüsselloch. Alb. Roderich. Dein kärgliches Brod und Tante Emilies abgelegte Kleider! Diese Menschen haben nicht den geringsten Begriff von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Polly! Es ist Zeit, daß wir Deiner Sclaverei ein Ende machen; Du bedarfst einer Veränderung und Du sollst sie haben!" Polly sah wehmüthig und flehend zu Dick auf, daß sein Herz bei dem Anblick der verlassenen Waise weich wurde. „Dies ist die einzige Heimath, die ich je hatte," antwortete sie; „was würde aus mir werden, wenn ich dieselbe verließe?" Dick Vandines Gesicht nahm einen ernsten Ausdruck au. „Polly, ich kann Dir etwas bieten," sagte er; „es ist allerdings nicht viel, doch ist es weit besser, als die endlose, unbezahlte Sclavenarbeit in diesem Hause. Hier würoest Du eine Leiche sein, ehe Du Dein zwanzigstes Jahr erreichtest. Was denkst Du davon, diese Stadt gegen einen Landort wie — wie — Blackport zu vertauschen?" „Blackport?" keuchte sie, „der Ort, wo Sie wohnen?" „Ja," antwortete er mit gutmüthigem Lachen. „Du wirst dort Sonnenschein in Hülle in Fülle, sowie auch gesunde Seeluft finden, gerade die Dinge, deren Du am meisten bedarfst. Ich logire in einem altmodischen Gasthpf, der von einer sonderbaren, aber höchst achtungswerthen Frau gehalten wird. Vor zwei ober drei Tagen hörte ich zufällig Miß Poole sagen, daß sie eines Mädchens bedürfe, um den Gästen anszuwarten, ihr beim Nähen behülflich zu sein und dergleichen. Wie ich bemerkte, ist die Stelle keine glänzende, jedenfalls aber weit besser als die jetzige. Wenn cs Dir recht ist, so kannst Du mich noch heute Abend nach der Herberge begleiten; ich selbst bringe Dich dahin, mein armes Kind. Mercy Poole wird Dich gut behandeln und Dir Deinen redlich verdienten Lohn zahlen. Die Arbeit kamt nicht hart sein, denn der Gasthof ist nie überfüllt." Wenn Dick dem Mädchen die glänzendste, luxuriöseste Stellung angeboten hätte, so hätte ihre Ueberraschung, ihr Staunen ntcht größer sein können. Mit ihm zu gehen, unter einem Dache mit ihm zu wohnen, ihn täglich sehen zu dürfen, Lohn zu erhalten und sich eine kleine Summe zu ersparen, damit sie eines Tages die Mittel hätte, die unvergessene und noch tieftrauenbe Nan aufzusuchen — ihr Glück war zu groß. Thränen liefen über ihre Wangen nieder. „Es ist mehr, als ich zu glauben vermag," flüsterte sie; „ich fürchte, die Steeles werden mich nicht gehen lassen." „Meinst Du?" erwiderte Doctor Vandine lachend; „überlaß das mir, Polly! Alles, was Dtt zu thun hast, ist, Deine Siebensachen zusammenzupacken und Dich in Bereit- 822 schast zu halten, noch heute Abend mit nach Blackport abzureisen." Ein Kampf mit den Verwandten war unvermeidlich, allein Dick war entschlossen, denselben männlich für die Waise durchznkämpfen. Was zwischen dem jungen Arzt und den Steeles verhandelt wurde, erfuhr Polly nie- sie erhielt nur den Auftrag, ihre Sachen zu packen; sie eilte nach ihrer Dachkammer und begann, ihre wenigen irdischen Besitzthümer in ein Köfferchen zu legen, das man ihr zur Verfügung gestellt. Sie war im Begriff, die enge Straße, die lärmende Kinderschaar und die endlose, unbezahlte Sclavenarbeit hinter sich zu lassen- doch ach! nicht das Weh ihres Herzens — nicht die ewige Sehnsucht, und Verzweiflung, von der sie schon so lange gefoltert war. Diesen Gefühlen konnte sie nicht entrinnen; sie sank vor ihrem Bette auf die Kniee und schluchzte, als ob ihr das Herz brechen wollte. 19. Capitel. Sir Gervase. Sie hatte ihn einen Dummkopf genannt, ihn iusultirt, für einen Kramer von Blackport gehalten und draußen im Platzregen stehen lassen, während ec ihr Pferd hielt. Und es war der Baronet — ihr englischer Freier! Kein Wunder, daß ihr sein Gesicht so bekannt borge- kommen war- besaß ihr Großvater doch mindestens ein halbes Dutzend Photographien von ihm. Sie war stumm vor Aerger und Verdruß über sich selbst. Zum Glück ver- rieth er durch keine Miene, daß er ihre Bekanntschaft bereits gemacht hatte, sondern begrüßte sie wie eine völlig Fremde. „Willkommen im Aankeeiand und in unserer Eremitage!" stammelte sie endlich mit tiefem Erröthen. „Ich danke Ihnen- ich habe mich schon lange auf das Vergnügen dieses Augenblicks gefreut. Endlich wird mir das Glück zu Theil, meine schöne Cousine, von der ich schon so viel gehört habe, zu erblicken." „Wie steif und förmlich!" dachte Eihel bei sich selbst, „wenn er mir nur nicht zu langweilig ist." „Sir Gervase ist nicht zu Fremden, sondern zu Verwandten gekommen," sagte Godfrey Grehlvck- „wir müssen ihm zeigen, daß die Gastfreundschaft der neuen Welt durch die der alten nicht übertroffen werden kann: wir leben nicht ganz und gar wie Eremiten hier." Der junge Aristokrat warf lächelnd ein, daß man sich eine solche Einsiedelei wohl gefallen lassen könnte. Sobald sich eine Gelegenheit dazu bot, begann Ethel den Engländer mit kritischer Aufmerksamkeit zu betrachten. Er erschien ihr ganz und gar wie gewöhnliche Sterbliche- zicmlich hübsch von Person, war er in seinen Manieren einfach und durchaus nicht affectirt- er sprach wenig, seine Augen aber verriethen eine scharfe Beobachtungsgabe. „Dies ist nicht der Mann," dachte sie, „dem man mit einer Falschheit im Herzen oder einer Lüge auf den Lippen entgegentreten möchte." Verschiedene Gäste aus den Hotels und Villen von Blackport speisten au diesem Tage in Godfrey Greylocks Hause. Auch Doctor Vandine befand sich unter den Eingeladenen. Er hatte noch keine Ahnung von der Ankunft des Baronets, bis er den Salon betrat und von Miß Pamela den Güsten vorgestellt wurde. Der joviale ^utmüthige Dockor wurde plötzlich steif und kalt wie ein Stein- das Wesen und Benehmen des Baronets flößte ihm bald wieder Beruhigung ein. Seinem Aussehen nach hätte dieser Pair leicht für einen Ladenbesitzer von Blackport oder für irgend einen anderen anspruchslosen amerikanischen Gentleman gehalten werden können. „Nun, darf ich gratuliren?" flüsterte Vandine mit betrübter Miene Ethel zu. „Es ist durchaus keine Eile nothwendia," antwortete sie trocken. Bei Tische erhielt Doctor Dick zu seiner unaussprech- lichen Freude seinen Platz neben der schönen Erbin angewiesen Die Laune des Augenblicks gab dem Mädchen ein ihren Tischnachbar mit außerordentlicher Artigkeit zu behandeln. Nie war sie ihm so freundlich, so anmuthig erschienen. Ihr träumerisches Lächeln, das ihren Haaren ent« strömte Parfüm, die graziösen Bewegungen ihres Halses und ihrer mit Juwelen bedeckten Finger bezauberten und verwirrten ihn vollständig. Sie war sich des Unheils, das sie stiftete, entweder nicht bewußt oder innerlich zu sehr erregt, um darauf zu achten. Godfrey Greylock blickte unwirrsch drein, Miß Pamela warf ihrer Nichte besorgte Blicke zu- Sir Gervase aber der sich mit seinem Wirthe ruhig über englische Politik unterhielt, widmete seiner schönen republikanischen Cousine wenig Beachtung- augenscheinlich war es ihm völlig gleichgültig, an wen sie ihre Artigkeiten verschwendete. „Bah!" dachte Ethel, indem sie ihn verstohlen beobachtete- „er hat einen guten Appetit, aber kein Gefühl- er ist wie alle Anderen seiner Familie — langsam, schwerfällig, conventionell. Er ist nach Amerika gekommen, um Geld zu heirathen, um den sinkenden Wohlstand der englischen Greylocks mit dem Reichlhum des amerikanischen Zweiges der Familie wieder aufznbauen- es ist eine Convcnienz-Ehe, was er sucht — nichts weiter - sein Herz wird nie um eines Weibes willen brechen." Auf der anderen Seite des jungen Doctors saß ein invalider Richter aus einem der Hotels, der ihn mit endlosen Fragen über alle möglichen und unmöglichen Krankheiten und Krankheits-Symptome belästigte. Vandine, der sich lieber mit seiner Nachbarin unterhielt, sagte endlich ungeduldig: „Mein werther Herr, Sie gefährden nur Ihre Verdauung, wenn Sie bei Tisch von solchen Dingen reden. Sie verweilen zu viel bei Ihren Beschwerden, denken Sie nicht so viel an dieselben- manche Krankheit verdankt Ihren Ursprung einzig und allein der Einbildung." Dann wandte er sich zu Erhel und flüsterte ihr leise zu: „Dieser Mann ist mit fixen Ideen vollgepfropft! Der Himmel helfe ihm und Allen seinesgleichen!" Ethels Gesicht nahm schließlich einen ernsten Ausdruck an. Ideen?!" erwiderte sie mit leiser Stimme- ich kann dieses Wort nie vernehmen, ohne mich eines ernsten Anfalls dieser Art zu erinnern, mit dem ich selbst behaftet war- ich litt selbst einst, obwohl in ganz verschiedener Weise, an diesem wesenlosen Nebel." „Sie?" rief Vandine. „Ja," antwortete sie lächelnd- „doch dürfen Sie nicht etwa glauben, daß ich mit Hypochondrie behaftet war. Meine Schwäche war ganz eigenthümlicher Art. Als ich noch ein kleines Kind war, sagt Mama, hatte ich eine Krankheit und war lange Zeit von Fieberphantasien heimgesucht. Die Bilder, die sich während jener Periode meines armen Kopfes bemächtigten, die Gesichter, die ich in meinem Delirium erblickte, quälten mich später noch Jahre lang, wie Erinnerungen an wirkliche Dinge." „Seltsam!" „Nicht wahr? Als Arzt tvissen Sie sich die Sache vielleicht zu erklären. Da war besonders eine Gestalt, die mich wie ein häßl'ches Gespenst der Nacht meine ganze Kindheit hindurch verfolgte. Es war eine in Lumpen gekleidete alte Hexe mit drohend geschwungenem Krückstock, — eine unheimliche Creatur, deren graues Haar in wirren Strähnen um ihr Gesicht hing, und deren Auge in boshafter Wuth funkelte- sie schien mich beständig zu verfolgen." „Es ist klar, daß Sie nicht völlig von Ihrer Krankheit genesen waren," entgegnete Doctor Dick- „Ihre Phantasien entsprangen einem krankhaften Zustande des Gehirns!" „Wahrscheinlich- doch erschien mir Alles so wirklich, so ganz wie Dinge, die ich einst gesehen und gekannt hatte! fuhr Ethel träumerisch fort. „Da war ein zerbrochener Stuhl und ein kahles, schmutziges Zimmer, in welchem ich maussprechangewiesen, idchen ein, 'eit zu be- imuthig er- )aareu ent* ^es Halses berten und nheils, das zu sehr er- iiß Pamela 'Vase aber, che Politik en Cousine lllig gleich- hlen beob- in Gefühls m, schwer- mmeu, um r englischen n Zweiges cnienz-Ehe, : um eines s saß ein t mit end- jeu Krankunterhielt, e gesährden jen Dingen eschwerden, : Krankheit inbildung." leise zu: opft! Der usdruck an. ; ich kann en Anfalls t war- ich an diesem Sie nicht iftet war. Als ich ine Krankeimgesucht, nes armen i Delirium wie Er- die Sache Gestalt, die ine ganze rmpen ge- ickstock, — in wirren boshafter ,en." Krankheit Phantasien ms!" wirklich/ nt hatte!" abrochener welchem ich 323 — von der Hexe gefangen gehalten wurde, und andere häßliche Dinge, die ich jetzt vergessen habe. Da war auch ein Engel, der neben mir wandelte und mich tröstete und küßte; doch merkwürdiger Weise war mein Engel stets in Lumpen gekleidet, anstatt in schöne weiße Kleider." „Zogen Ihre Verwandten keinen Arzt zu Rathe?" fragte Doctor Dick. Ethel antwortete mit bitterem Lächeln: „Nein- Mama kurirte mich mittelst einer anderen Methode. Es wurde mir streng verboten, mit irgend Jemanden über diese Gespenster meiner Fieberphantasien zu sprechen. Ungehorsam trug mir grausame Züchtigungen ein- ich wurde zum Schweigen und zur Vergessenheit gezwungen. Dies war Mamas Methode, jener Idee zu begegnen, und sie erwies sich erfolgreich. Nach einiger Zeit erschien mir die Hexe und der Engel und alle die anderen Dinge unbestimmt- wie in Nebel gehüllt und schwanden endlich wie Phantome dahin." Das Diner war zu Ende. Als Ethel sich nach dem Salon begab, schob die alte Hopkins ihr ein Billet in die Hand. Dasselbe enthielt die Worte: „Wie ich höre, ist Sir Gervase angekommen - ich wünsche morgen bei Dir zu speisen und meine Bekanntschaft mit ihm zu erneuern- verschaffe Deiner armen Mama die nothwendige Einladung von dem Mann, der Dir nichts versagt, wie abstoßend er auch gegen Andere sein mag." Noch nie hatte Iris ihren Fuß in das Herrenhaus gesetzt. Was Godfrey Greylock wohl zu einer solchen Bitte sagen würde? Die Zeit zur Vorbringung derselben war günstig. Um ihren Großvater in gute Laune zu versetzen, entfaltete Ethel alle ihre Liebenswürdigkeit und Unterhaltungsgabe in dem Salon - sie war so freundlich gegen Doetor Dick, daß derselbe wieder neue Hoffnung zu schöpfen begann - sie ergötzte alle Anwesenden mit ihrem Gesang und Spiel- sie unterhielt sich in der zwanglosesten und anmuthigsten Weise, ausgenommen dem Baronet, dessen Gleichgültigkeit ihrer Kälte nichts nachgab. Unter allen Gästen war er der einzige, auf den ihre Schönheit und Anmuth keinen Eindruck zu machen schienen. Nachdem die Gesellschaft sich verabschiedet hatte, näherte sich Ethel mit schwerem Herzen, aber lächelndem Gesicht ihrem Großvater. Hier bot sich ihr eine vortreffliche Gelegenheit, ihm ihre Liebe zu Regnault zu gestehen, ihn um Verzeihung zu bitten und seine Einwilligung zu ihrer Verbindung mit dem Manne ihrer Wahl zu erflehen- allein Ethel konnte oder wollte nicht sprechen, ihre Lippen vermochten kein Wort über den Gegenstand, der ihrem Herzen am nächsten lag, hervorzubringen. Nach einigem Zögern begann sie: „Ich komme mit einer Bitte, Großpapa." „Sie ist Dir gewährt, mein Kind," antwortete der alte Herr. Nun trug sie den Wunsch ihrer Mutter nach einer Einladung auf den folgenden Tag vor. Godfrey Greylocks Stirn zog sich zwar in Falten - nach kurzer Ueberlegung sagte er indessen: „Nun sei es- um Deinetwillen will ich Deine Mutter an meinem Tische empfangen. Tante Pamela soll die Einladung schreiben, und Du kannst sie morgen früh nach der Rosen - Villa hinübersenden." Nun folgte die Bitte um die weiteren fünftausend Dollars das Jahr. Ethel trug dieselbe stammelnd vor, denn sie selbst fühlte das Ungebührliche einer solchen Forderung. , /,Sie thut wohl daran, Dich zu Ihrer Fürsprecherin zu machen," sagte Godfrey Greylock mit bitterem Lächeln - „sie ist habgierig und verschwenderisch, und doch — wiederum Deinethalben — soll sie Alles haben, was sie verlangt. Db sie wohl weiß, wie viel sie Dir zu verdanken hat? Sage ihr, daß ihr Einkommen verdoppelt ist, und vergiß nicht, daß sie Dir dafür zu Dank verpflichtet ist." ■_ Mit thränendeu Augen schlang Ethel ihre Arme um seinen Hals und drückte ihre frische, junge Wange an seine alte, verwitterte- „Du bist zu gütig gegen uns Beide, Großpapa — zu gütig!" sagte sic schluchzend- „wir sind bei Weitem nicht so dankbar gegen Dich, wie wir sein sollten!" Mit diesen Worten verließ sie ihn und begab sich nach ihren eigenen Zimmern. Das Frühstück wurde am folgenden Morgen auf der breiten, kühlen Piazza, mitten unter den tropischen Pflanzen, eingenommen. Ethel nickte Sir Gervase zu, als derselbe mit dem Hute in der Hand die Stufen heraufschritt und seinen Platz am Tische einnahm. Er kam eben von einer Morgenpromenade im Park zurück. Seine großen grauen Augen waren scharf wie die eines Habichts. Sie hatte ihn für anspruchsws gehalten, allein die Linien seines braunen Gesichts bekundeten nicht wenig Stolz. Er erwiderte ihren Gruß höflich und unterhielt sich dann ausschließlich mit Godfrey Greylock und Miß Pamela. Nach dem Frühstück wurden Pferde vorgeführt, und der Gebieter von Greylocks Woods erhob sich mit seinem Gast und seiner Enkelin zu einem Morgenritt. Ein Reitknecht folgte ihnen in respeetvoller Ferne. Sie ritten durch den kühlen grünen Park und kamen endlich zu einer mit wilden Reben umrankten Pforte. Der Reitknecht stieg ab, öffnete dieselbe, und die kleine Cavaleade galoppirte auf die sandige Landstraße hinaus, die zu dem halbmondförmigen Strand hinabführte. Ethel streichelte Sultanas Mähne und dachte an ihren Ritt vom vorhergehenden Tage. Ob Sir Gervase wohl auch daran dachte? Sie warf ihm einen ungeduldigen, forschenden Blick zu. Nein, er unterhielt sich mit Godfrey Greylock. Was für ein Mann war das? War er wirklich mit der Absicht, seine Cousine zu freien, nach Amerika gekommen? „Wie, wenn meine Befürchtungen überhaupt grundlos wären?" dachte Ethel, indem sie sich Mühe gab, das Lachen zu unterdrücken. So lange er bei seinem gegenwärtigen Benehmen gegen sie verharrte, hatte sie allerdings keine Ursache, sich zu beunruhigen. So ritten sie durch das alte Städtchen und längs des silbernen Halbmonds zurück zur heißen, sandigen Landstraße. Plötzlich galoppirte Godfrey Greylock, der über das Schweigen und die gegenseitige Zurückhaltung seiner Enkelin und des Baronets verstimmt geworden, mit dem Reitknecht voraus. (Fortsetzung folgt.) Genrekirirütziger. Vorsicht vei Speisereste«. In Anbetracht der warmen Jahreszeit sollten die Hausfrauen Folgendes beherzigen: Durch Zersetzung der Nahrungsmittel bilden sich, besonders schnell im Sommer, Gifte, die nicht nur schwere Erkrankungen, sondern auch den Tod verursachen können. Deshalb sollen Fischreste, die vom Mittag übrig geblieben sind, noch am Abend desselben Tages verzehrt werden- desgleichen Krebse. Starke Neigung zum raschen Verderben zeigen auch die Büchseneonserven, namentlich Sardinen in Oel, weshalb der Inhalt einer geöffneten Büchse nicht bis zum nächsten Tage aufbewahrt werden darf. Dieses Verfahren gilt auch für den Hummer. Alle übrigen Speisereste, wie solche von Fleisch, gleichviel ob gekocht oder gebraten, ferner Mehlspeisen re. müssen staubfrei aufbewahrt und so bald wie möglich verzehrt werden, da sie sonst mindestens zu Verdauungsstörungen führen, die in der heißen Jahreszeit leicht bedenkliche Folgen haben können. Speisen oder Speisenreste, die verdächtig aussehen oder sogar schon übel riechen, sind sofort zu vernichten. Leider herrscht vielfach die Unsitte, solche verdorbenen Lebensmittel den Auswärterinnen, armen Leuten oder reisenden Handwerksburschen und Bettlern zu überlassen, was eine gefährliche Art von Wohlthätigkeit ist und leicht die Bestrafung der Geberin nach sich ziehen kann, wenn diese Personen einmal durch den Genuß solcher Speisen erkranken. Die Hausfrauen sollten im Sommer 324 - Vermischtes sie und hülst die Erbsen aus. — Zunächst dämpft man den Blumenkohl in Wasser halb weich, gießt dann zwei Liter starke Bouillon aus Liebigs Fleischextract hinzu, salzt sic, gibt die anderen Gemüse, zuletzt die Schoten, hinein, zieht die Suppe, sobald die Gemüse sämmtlich weich geworden sind, mit 3 bis 4 Eigelben ab und richtet sie mit gerösteten Semmel Croutons, die man nach Belieben auch mit Butter bestreichen, mit geriebenem Parmesankäse bedecken und im Ofen bräunen kann, an. Redaction: 8L Scheyba. — Druck und «erlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. Kochen und Einkäufen stets daran denken, daß möglichst ! Juli würden Carolten, Kohlrabi, Bohnen, Blumenkohl und jeder Mahlzeit reiner Tisch gemacht werden muß. junge Erbsen geeignet sein. — Nachdem man die ersten drei * * * Arten putzte und sie in feine, nudelartige Scheiben schnitt Der Fang des Hechtes mit der Schleife. An i brichr man die einzelnen Röschen des Blumenkohls aus, säubert ....er langen und festen Stange wird oben ein Messingdraht sie und hülst die Erbsen aus. — Zunächst dämpft man den * * * Farcirte Zwiebeln (spanisches Gericht). Mehrere recht große Zwiebeln blanchirt man in kochendem Wasser, läßt sie abtropfen, höhlt sie in der Mitte aus und füllt sic mit Bratwurstfüllsel. Dann streicht man eine Pfanne mit Butter aus, bringt in dieselbe mit der Oeffnung nach oben die Zwiebeln, bestreut sie mit feingestoßenem Zucker und Salz, bedeckt sie mit Speckscheiben und gießt einen Löffel Cognac sowie ein halbes Glas aufgelösten Liebigs Fleischextract darüber. Man läßt die Zwiebeln über stillem Feuer, bis sie gar sind, worauf man die Sauce entfettet und das Gericht servirt. Eine Tragödin über die modernen Kostüme. Die ungarische Schauspielerin Frau Jaszai läßt sich in einer ungarischen Zeitschrift folgendermaßen über manche Excentrici- täten der Mode aus. Die heutige Mode mit ihren Auswüchsen ist an und für sich eine große Lüge, denn sie entspricht nach gar keiner Richtung den menschlichen Formen. Wir haben keine Berechtigung, in Toilettensragen auf unsere schwarzen I und broncefarbenen Schwestern herabzusehen. Auch die Nationaltrachten sind den unseren bei Weitem überlegen, und erst die zweckmäßige Kleidung der Frauen in China und Japan! Ich meine die weiten, fast schnittlosen Gewänder, deren überflüssiger Stoff übereinander geschlagen und durch breite Gürtel zusammengehalten wird,- in diesen Gürteln entfallen die Chinesen ihren Geschmack, ihre Prachtliebe, ihre Kunstfertigkeit." Be- [ züglich der Damenhüte sagt Frau Jaszai: „Die Kopfbedeckung kann die abenteuerlichsten Formen und Krümmungen »ach rechts, nach links, nach oben und unten annehmen, und sie wird nicht auffallen. Setze Dir aber einen Hut auf, der zu Deiner Kopfform paßt, sich ihr anschließt, und die Leute werden mit Fingern auf Dich weisen und Dich einen Sonderling nennen. Im Winter mögen uns die Ohren .abfrieren, im Sommer mag uns die Sonne verbrennen, aber wir müssen tragen, was uns einige neuerungssüchtige hysterische Millionärinnen vorschreiben. Ebenso unzweckmäßig und ungesund," heißt es weiter, „sind die Röcke, die wir tragen. Ich will damit keineswegs den revolutionären Hosen das Wort reden. Aber ich denke doch an jene weiten türkischen oder bosnischen Beinkleider, die so weitfaltig sind wie Röcke und nur um die Knöchel zusammeugehalten werden." In ihren weiteren Ausführungen bekundet sich die Dame übrigens als eine eifrige Anhängerin der modernen Bestrebungen für „Kleiderreform". Neutral. Sepp: „Na, Hiesl, für wen hast Du denn eigentlich Partei genommen bei der Rauferei am vergangenen Kirchweihfest? Für 'n Roßbauer oder für den Scharfenberger?" — Hiesl: „O, i' war neutral, i' hab' von beide' Partei'« Schlag' 'kriegt!" * * * Druckfehler. Durch Hüte brachte der junge Ehemann seine Frau zum Nachgeben. von der Stärke einer Claviersaire festgemacht. Die Länge des Drahtes darf höchstens vier bis vier und einen halben Fuß betragen. Man naht sich dem Hechte nur so vorsichtig wie möglich, senkt die Schleife, welche so weit sein muß, daß der Kopf des Fisches unberührt durch dieselbe durchgeht, so tief in das Wasser, daß der Hecht vor der Schleife steht. Nun wird die Schlinge dem Fische behutsam über den Kopf gezogen und sowie man zu seiner Mitte gekommen ist, faßt man die Stange mit beiden Händen und schnellt sie in die Höhe. Ist der Hecht zu groß, so wird ihm durch den Schneller der Leib so fest zugezogen, daß er ohne Mühe ans Ufer gezogen werden kann. (Bei dieser Fangart liegen wohl meistens zwei Möglichkeiten t>or; entweder sie gelingt — oder sie gelingt nicht.) * * * Möbelpolitur. Wenn man ein Drittel reines Baumöl und zwei Drittel Rothwein tüchtig durcheinander schüttelt und diese Mischung mit einem wollenen Lappen auf die zu renovirenden Möbel aufwischt, mit einem alten, weichen Leinen nachrcibt, so erscheinen dieselben wie neu. * * Möbelpolitur mit Milch. Feine Holzarten, wie Kirsch-, Pflaumen-, Nuß-, Apfel- und Birnholz, sowie die festen, ausländischen Hölzer werden am einfachsten mit Milch polirt. Nachdem die Möbel vom Schmutze und Staube gereinigt sind, nimmt man Milch, so frisch wie möglich, da dann die fetten Theile sich noch nicht abgesondert haben und streicht sie auf das Holz, worauf man mit einem wollenen Lappen so lange reibt, b s alle Feuchtigkeit verschwunden ist. Dieses Verfahren wird mehrere Male wiederholt. Die Milch hat vor dem Oele den Vorzug, daß sich der Schmutz nicht so leicht an die Geräthe hängt, daß sie keinen unangenehmen Geruch verbreiten und daß die Möbel gleich wieder gebraucht werden können. Bei neuen Möbeln wird das Einreiben wöchentlich wiederholt. * * Gitte gute Erbbeerbowle zu bereiten, dürfte sich zur Erdbeerzeit oft Gelegenheit bieten und wir wollen unfern Lesern das Recept hierzu nicht vorenthalte». Man bestreut einen Liter saftiger aromatischer Walderdbeeren oder Gartenerdbeeren je nach Geschmack mit einem halben bis einem ganzen Pfund feingestoßenem Zucker und deckt sie circa 3 bis 4 Stunden in einer porzellanenen Terrine gut zu. Danach werden einige Flaschen kalter,,.leichter Weißwein (die besten Sorten eignen sich sehr gut dazu) darüber gegossen und zwei Gläschen alter Cognac, eine halbe Flasche Champagner oder bei der öfteren Ermanglung derselben eine halbe Flasche kohlensaures Wasser. Nach kurzer Zeit ist die Erdbeerbowle fertig dazu gegeben. * * * Heidelbeeren ohne Zucker in Flasche» eingekocht. Dazu nehme man recht reife Beeren, fülle sie in Flaschen mit recht weiler Oeffnung, stelle solche unverkorkt in einen Kessel mit kaltem Wasser und diesen auf ein rasches Feuer, der Boden des Kessels muß mit Heu belegt sein. Man läßt sie vom Aufwallen an eine kleine halbe Stunde kochen und dann im Kessel kalt werden. Da die Beeren durch das Kochen zusammenfallen, füllt man aus einer Flasche die übrigen bis zwei Finger unter dem Rande nach, wischt sie dann recht sauber ab, verkorkt und versiegelt sie und bewahrt sie aufrechtstehend an einem dunklen Ort im Keller auf. * * Französische Suppe. 10 Personen. Bereitungszeit drei Viertel Stunden. Man wählt die für diese Suppe erforderlichen Gemüse je nach der Jahreszeit verschieden- im D, Roman «i Ethel ich Sie fn als wir u eisigem To „Seit kam mit ei ting in ein Nacht in ei „Sie meinte Eth> Ein fi doch antwo ständen, ui den Muth „Was „Doch nein mit wirklick hat sich ja ' Sie g( Der Baronc und ihn d 311 bemacht schwarzen § wie ein B i Reitknecht z „Nicht Sie hc Curve um Wiederum ,