rng und gründlich mtralen) icrsonen. ran auch Zeit in Zwiebel iber ge- Liebigs ttt weich Gemüse, sachtem omaten re wegfrischer 'firt sie in und eelöffel einige Speisen, Der iochter edler erne Kur- reinen fiüssel besser doch (zum :Earte arum n S' end): nner- Ver- 'icht, llend zu Sie । a' eilte Da§ ies, »italteg Ira 14. extern»« M. -,7zZz/z, - -1 ' ! - - ’Ä-... dl'fc- ^D/as Buch des Lebens ist das größte Buch, Man schließt und öffnet's nicht nach seiner Wahl, 's?” Das Schönste drin — man liest es nicht zweimal, Des Unglücks Seite zeigt sich oft genug; Man wünscht das Blatt, d'rauf unf're Liebe stand, Schon hat des Todes Blatt man in der Hand. A. de Lamartine. Der schwarze Panther. Novelle von Wilhelm Fischer. ------- (Nachdruck verboten.) I. Ich bin ein leidenschaftlicher Circusgänger. Selten verfehlte ich eine Vorstellung. Von jeher interessirte mich die edle Dressurkunst. Die Späße der Clowns, die Trics der Artisten, Saltomortale, Badoutesprung, Parterrearbeit unterhalten mich mehr als irgend eine Schauleistung anderer Art. Selbstverständlich interessirten mich von jeher auch die Artisten. Sind das Prachtmenschen! Gutherzig und kühn, eigen und erfinderisch ist jeder von ihnen ein Original. Manche von ihnen blicken im Reiche der Künste auf eine Ahnenreihe zurück, wie sie eigenartiger wohl kaum aufzuweisen ist. Immer lustig und lebensfroh fällt es keinem von ihnen ein, etwa über die Neuerungssucht des Publikums, die das Höchste fordert, zu klagen. Zieht ein Trtc, eine Arbeit nicht mehr, so wird etwas Neues ersonnen und das „Publikum applaudirt" wieder. Das hat mich dem eigenartigen Völkchen gewonnen, und so kam es auch, daß ich allabendlich Circusgast bin. Seit einiger Zeit trat, im Circus S. eine spanische Thierbändigerin auf. Sie arbeitete mit mehreren erwachsenen Löwen, einigen Tigern, Leoparden und einem schwarzen Panther. Die Thiergruppe war großartig und vollendet- durch Kühnheit blendend aber die Dressur. Die Bändigerin, Consuela nannte sie der Zettel, war schlank, von tadellos junonischem Wuchs und hinreißend schön. Ich habe selten ein interessanteres Weib gesehen. Consuela bewies, daß Schönheit und Kühnheit gleich sieghaft sein können. Die großen Katzen waren sclavisch unterwürfig- auf den Wink ihrer Herrin gehorchten sie und leisteten das Unglaubliche. Der Ruhm der schönen Bändigerin füllte allabendlich den Circus. Etwa acht Tage nach ihrem ersten Auftreten nahm neben mir ein schlank gewachsener Herr, dessen Aeußeres den Artisten verrieth, Platz. Ich weiß nicht, wie es geschah, aber ich brachte ihn in irgend eine Beziehung zu der Artistin. Und so kam es denn auch, daß ich ihm mehr Aufmerksamkeit schenkte, als den Productionen der kühnen Spanerin. Ich bemerkte wohl, wie ein Schauer seinen Körper durchrüttelte, wie sein ohnehin bleiches und interessantes Gesicht noch bleicher, wie der düstere Ausdruck feiner schwarzen Augen noch brennender wurde, als Sennora Consuela in den Käfig der Bestien trat. Unverwandt, Alles um sich her vergessend, beobachtete der Fremde jede Bewegung, jeden Blick der Thierbändigerin. Die Arbeit der Löwen, Tiger und Leoparden war gethan. Der Panther wurde unruhig- fauchend duckte er sich in eine Ecke des Zwingers zum gewaltigen Sprung über den Kopf der Herrin, deren Gesicht mir und meinem Nachbar zugewendet war. Consuela gab der Bestie das übliche Zeichen. In diesem Augenblick stieß der Fremde neben mir einen kurzen, scharfen Pfiff aus, der in dem tausendstimmigen Schrei der Menge erstickte . . . Der Panther hatte die Bändigerin angesprungen- die Unglückliche sank in die Kniee - die Bestie stürzte sich mit einem Wuthgebrüll über sie, und ein Kampf auf Leben und Tod entstand, wie ihn entsetzlicher sich die Phantasie des Dichters nicht ausmalen kann. Von allen Seiten eilten mit eisernen Stangen bewaffnete Wärter der bedrängten Bändigerin zu Hilfe. Jeder stieß und hieb auf die Bestie ein, deren Wuth dadurch nur noch vermehrt wurde. Auch mein geheimniß- voller Nachbar betheiligte sich mit einer Sachkenntniß an dem Rettnngswerk, die mir den Thierbändiger verrieth. Die Seene, die jetzt folgte, war unbeschreiblich. Im Publikum brach eine Panik aus. Alles drängte nach dem Ausgang; markerschütternde Angstrufe ertönten. Kurz entschlossen ließ der Director den Käfigwagen aus der Manege rollen. Dies Manöver hatte den Erfolg, das geängstigte Publikum einigermaßen zu beruhigen, das mit todtbleichcn Mienen zitternd der Dinge harrte, die da kommen sollten. Auch mir schwankten die Kniee. Rings um mich her ein dumpfes Murmeln - fiebernde Erwartung. Vom Stalle her das furchtbare Gebrüll der Bestien- jetzt erdröhnte ein Gewehrschuß- Kampfgetön, dann ein secunden- — 426 — langes Schweigen . . . Ein geschminkter Clown stürzte in die Manege. Alles umringte ihn. „Sie ist tobt, zerrissen," schluchzte der Bajazzo, „die Vorstellung ist aus!" Tieferschüttert verließ ich das Circus gebäude . . . Als ich am nächsten Morgen — ich bin Rechtsanwalt — meinen Geschäften nachging, theilte mir ein befreundeter Staatsanwalt mit, daß sich noch in der Nacht der Polizeibehörde ein fremder Artist mit der Selbstbezichtigung gestellt habe, er sei an dem tragischen Tode seiner Frau schuld. Ich würde wohl, da man meine Sabkenntniß in Circusdingen kenne, mit der Verteidigung des Selbstdenuncianten ex officio betraut werden. Drei Tage später wurde die schöne Consuela unter zahlreicher Betheiligung der gesummten Bevölkerung beerdigt,- auch ich befand mich im Leichengefolge . . . II. Die Schlüssel rasselten, der Gefängnißwärter öffnete mir die Thür zur Zelle meines Clienten. Als ich eintrat, erhob er sich erwartungsvoll. „Ich bin Ihr Vertheidiger, mein Herr," stellte ich mich ihm vor. Ein apathisches Lächeln huschte über sein bleiches, ausdruckvolles Gesicht. Er war es, mein Nachbar im Sperrsitz, der Gatte der unglücklichen Thierbändigerin. Mit vollendeter Grazie, die in mancher Weise den Südländer auszeichnet, bot er mir Stuhl und Sitz an, während ein characteristischer Blick mir zugleich sein Bedauern aussprach, mich in einem solchen Raum empfangen zu müssen. Ich nahm Platz. „Mein Geständniß und meine Ueberzeugung, daß ich allein die Schuld, die absichtliche Schuld an dem Tode des verräterischen Weibes trage, stehen im Widerspruche zu der Thatsache Ihres Hierseins, Herr Rechtsanwalt." „Zwischen Ihrer Ueberzeugung und der unbedingten Wahrheit, die das Gesetz fordert, steht die Möglichkeit, daß Sie sich irren." Er machte eine abwehrende Bewegung, dann sagte er bestimmten, aber zuvorkommenden Tones, der mir den Weltmann verrieth: „Gestatten Sie, Herr Rechtsanwalt, daß ich Ihnen meine Schuld beweise." Ich blickte erstaunt auf. „Sie stießen allerdings den Pfiff aus," meinte ich. „Sie haben ihn gehört?" unterbrach er mich, indem er vom Bette aufsprang, auf dem er Mangels eines zweiten Stuhles Platz genommen hatte. „Ich war Ihr Nachbar im Sperrsitz," entgegnete ich. „Also werden Sie auch wissen, daß dieser Pfiff für die Bestie das Signal war, sich auf die Unglückliche zu stürzen?" „Das wird Niemand, Sie selbst nicht beweisen können. Uebrigens wird Ihre absonderliche, in den Annalen der Rechtspflege einzig dastehende Selbstanzeige durch Ihre Handlungsweise nach der Katastrophe dementirt. Sie waren es, der in den Käfig der Raubthiere stieg und die Bestie auf dem Körper der Unglücklichen tödtete. Daß Sie ein Mörder sind, hätten Sie uns zuerst zu beweisen- das aber dürste Ihnen schwer werden." „Ich werde es," und wieder huschte das melancholische, entsagungsvolle Lächeln über sein Gesicht, das zugleich einen Zug von solcher Entschlossenheit zeigte, der mir sagte: entweder ist dieser Mann der Mörder oder er ist ein Wahnsinniger, ein Opfer der Einbildung. Und so begann mich die räthsel- hafte Angelegenheit ungemein zu interessiren. Ich beschloß, mir volle Klarheit zu verschaffen." „Hören Sie meine Geschichte," fuhr er nach einer kleinen Pause der Ueberlegung fort. „Ich hoffe, Sie damit nicht zu langweilen, ich habe Vieles erlebt, mehr als Menschen von Mittelwerth sonst zu erleben pflegen. Mein Leben ist ein Drama von überraschenden Effecten, eine Tragödie, in welcher der Henker das Schlußwort spricht. Der Vorhang wird bald fallen, die Comödie muß bald aus sein. Ich fühle das, und es ist auch gut so. Ich bin bereit, abzustreifen, was irdisch an mir ist. Ist das Leben auch ein geniales Gefüge aus Reflexion und brutaler Dummheit — das Bestralische an ihm ist, daß der Mensch ein kluges Raubthier ist mit großen, ungezähmten Leidenschaften. Ich habe aus Beruf und Neigung die wildesten Bestien bezwungen- die Bestie in mir vermochte ich nie zu zügeln, denn ich bin Sanguiniker und unrettbar, trotzdem ich das Gute erkenne, doch — dem Bösen verfallen. Doch nun zur Sache. Ich bin aus vornehmem Hause, spanischer Grande, der vor seinem Könige den Hut aufbehält. Ich habe auf diese Ehre verzichtet. Der Weise setzt über die Form die Wohlfahrt des Bauches. Und so setzte ich es bei meinem Vater durch, daß er mich in Madrid studiren ließ. Ich hatte Neigung zur Kunst Aesculaps, ist sie doch einträglich, wie ich Neigung zur Aesthetik hatte, weil ich Künstler aus ganzer Seele bin; ich liebe das Schöne und Sie wissen doch „des Weibes Leib ist ein Gedicht." Um der Schönheit zu dienen, wollte ich das Bresthafte heilen. Ein Paradoxon in der That, dem meine Nerven nicht lange Stand halten sollten. Das erste Jahr studirte ich mit eisernem Fleiß in Madrid, dann zog es mich nach Nancy. Ich wollte Wesen und Geheimniß der Suggestion kennen lernen, in Wirklichkeit bereitete ich mich für den Beruf schon damals unbewußt vor, zu dem mich das Schicksal bestimmt hat. Wer mir damals gesagt hätte, ich würde einst der berühmteste und erfolgreichste Thierbändiger der beiden culturübcrtünchten Kontinente werden, ich hätte ihn mit diesen meinen beiden Fäusten niedergeschlagen. Ich lag bereits ein halbes Jahr meinen Studien in Nancy ob, als ich zur Erholung beschloß, einmal der berühmten Maimesse in Metz einen Besuch abzustatten. Dort gastirte in einem bedeutenden Circus unter seiner Assistenz seiner Tochter ein spanischer Thierbändiger. Der Ruf der Kühnheit des Vaters und der Schönheit der Tochter war auch zu uns gedrungen. Theils Neugierde, theils Interesse für den Landsmann war es, was mich veranlaßte, der Vorstellung der Beiden anzuwohnen. Als Vater und Tochter in der kleidsamen andalusischen Tracht in der Arena erschienen, die durch ein mächtiges Gitter abgesperrt war, ging es mir durch Mark und Bein. Sie war schön, märchenhaft schön, ich glaube jetzt, Herr Rechtsanwalt, schon damals begann mein Verhängniß." „Haben Sie eine Cigarette bei sich, ich lechze darnach!" meinte er, sich jäh unterbrechend. Ich beeilte mich, trotzdem es gegen die Gefängnißordnung verstieß, seinem Wunsche zu willfahren. Mit einem verbindlichen „gracia Sennor!“ zündete er sich die Cigarette an und verharrte einige Minuten, wie nachdenkend, im Genuß derselben- dann legte er sie tiefaufseufzend achtlos zur Seite. „Glauben Sie mir, Herr Doctor, ich habe mir damals mein Verhängniß suggerirt. Ich sandte dem Vater meine Karte nach der Vorstellung mit der Bitte in die Garderobe, dem Landsmann die ergebene Einladung zu einem kleinen Lunch nicht abzuschlagen. Er sagte zu und ließ mir liebenswürdig mittheilen, daß es ihm und seiner Tochter eine Auszeichnung wäre, der Gast eines Cavaliers zu sein, dessen Ahnen in der Geschichte seines Vaterlandes eine so bedeutende Rolle gespielt hätten. Wir trafen uns in einem großen Restaurant an der Esplanade. Consuela war damals 17 Jahre alt- wissen Sie, Herr Doctor, Sie haben deutsches Blut in den Adern, aber es wäre Ihnen vor der Schönheit dieses Mädchens in Wallung gerathell. Wie hold verschämt begrüßte sie mich als Landsmann, wie zitterte ihre kleine kräftige Hand in der meinen, wie erröthete sie, als sie meine heißen, brennenden, sehnsuchtsvollen Blicke gewahrte, mit denen ich sie verschlang! Bei mir war es die Liebe auf den ersten Blick. Das fühlte ich. Und ich sagte mir, dieses Mädchen wird dein Weib, koste es, was es da wolle. Ich war den — 42? ganzen Abend über außerordentlich aufgeräumt/ auch der Vater Consuelas wurde nach und nach gesprächig und mittheilsam, während es Consuela im Allgemeinen vorzog, uns zuzuhören. Nur hin und wieder beteiligte sie sich an der Unterhaltung, wenn es galt, irgend eine Bemerkung des Vaters zu bekräftigen oder zu erläutern. Ich erzählte, ersichtlich in dem Bestreben, das Interesse des schönen, interessanten Mädchens zu erwecken, von meiner Jugend, den tollen Streichen des Studenten/ ich glaube, ich habe die ganze Geschichte meines Hauses erzählt. Sie hörte mir mit großem Interesse zu/ hin und wieder traf mich ein seelen- voller, inniger Blick, oder sie lachte belustigt auf. Ihr Lachen klang mir wie Musik in die Seele. Sie duldete es, daß ich in der Leidenschaft der Rede oft ihre kleine Hand preßte. Da kam mir der wahnsinnige, liebestolle Gedanke, das schöne Weib zur Liebe, zur rasenden Leidenschaft für mich zu hypnotisiren. Heute weiß ich, daß ich diese Leiden schäft nur mir suggerirte. Aber sie war Spanerin, eine Castilianerin und hatte heißes Blut. Und ich war ein schöner, interessanter, feuriger Bursche mit artigen, wohlgeschulten Manieren. Es war also ganz natürlich, daß ich ihre Neigung gewann. Ich wußte an demselben Abend, daß sie mich liebte. Die Rose, die an ihrem Busen prangte, war bald mein eigen und Blicke heißer Liebe wechselten wir, während der Thierbändiger seelenvergnügt dem Wein zusprach und von den Gefahren seines Berufes erzählte. Ich horchte nur halb hin. „Sie haben auch mich gebändigt, Sennora," flüsterte ich dem schönen Mädchen zu. Da lachte sie melodisch auf und meinte, mit mir anstoßend: „Es lebe mein jüngster Löwe/ ich bin stolz auf ihn." „Was ist das Geheimniß der Thierdresfur, Sennor?" frug ich Consuelas Vater, denn, ich weiß nicht, wie es kam, jetzt erst interessirte mich das Handwerk. Das war dem Alten Wasser auf seine Mühle. Muth, Ausdauer, Liebe zur Sache, Studium des Characters der Thiere, erzählte er, seien die Grundbedingungen der Dressur und dabei verstieg er sich zu der Behauptung, daß ich jedenfalls in kurzer Zeit ein bedeutender Bändiger würde, denn ich hätte den Blick. Der Alte hatte Recht, ich bin der beste und erfolgreichste Thierbändiger aller Zeiten geworden. Mein System versagte niemals, glauben Sie mir. Als dec Vater Consuelas diese Bemerkung machte, die offen gestanden meinem Stolze nicht wenig schmeichelte, obwohl damals meine Seele nicht im Entferntesten daran dachte, daß ich jemals des alten Bändigers phrophetische Worte wahr machen würde, blickte mich Consuela mit so eigenthümlich forschenden Blicken an, als flehte sie mich an, dem Winke des Vaters zu folgen. Ich glaube, wenn ich gesagt hätte, ich will mit Euch ziehen, werden, was Ihr seid, sie wäre mir an den Hals geflogen. „Kommen Sie doch morgen um zehn Uhr zur Dressur- Probe, die Sache wird Sie interessiren," meinte sie verführerisch lächelnd. „Gewiß, meine Tochter hat Recht. Besuchen Sie uns/ es wird mir eine große Ehre sein, Sie, soweit es Sie interessirt, in meine Dressurgeheimnisse einzuweihen. Sie werden Ihre Freude an den großen Katzen erleben. Ich übe gerade einen neuen Tric ein und da geht es manchmal grimmig her. Sie haben doch starke Nerven?" sagte der Bändiger lächelnd, den stolzen, schwarzgefärbten Schnurrbart streichelnd. „Wie Eisen," renommirte ich. „Aber so ungefährlich, wie Sie es schildern, Sennor, scheint mir doch Ihr Beruf nicht zu sein." „Dreimal war ich dem Tode nahe und ein volles Dutzend Mal bin ich verwundet worden. Früher, als ich mir noch Muth trank, da wurde mir oft hart zugesetzt. Schließlich wurde ich Temperenzler und die Sache machte sich. Betrunken, entschuldigen Sie das Wort, Don Alonso, würde ich heute mich nicht mehr in den Käfig wagen. Man muß höllisch aufpaffen/ Katzen sind einmal Katzen/ es ist ihnen nicht zu trauen." „Auch mich fiel einmal eine Löwin an, aber es gelang mir, mich ihrer zu erwehren. Heute zittert sie, wenn sie mich in ihrer Nähe weiß," wandte sich Consuela an mich. „Glauben Sie, das Seelenleben der Thiere ist interessant und des Studiums werth. Furcht vor den Menschen, das ist der Grundzug des Thiercharacters, dem Auge des Thieres erscheint ja der Mensch größer als er ist. Unsere Kunst besteht nun darin, die Furcht Grundzug bleiben zu lassen, uns aber die Freundschaft der Thiere zu erwerben. Ist einmal in einem Thiere ein Haßgefühl erweckt, dann tritt über kurz oder lang die Bestie in ihr Recht. Und dies Recht fällt meistens unser Todesurtheil, das unnachsichtlich vollzogen wird." „Sennora, ich trinke auf Ihre Freunde im Raubthierzwinger," sagte ich, und sie stieß lachend mit mir an. Allmälig war es spät .geworden, wir entschlossen uns zum Aufbruch. Ich begleitete Vater und Tochter nach ihrem Hotel. Unterwegs bot ich Consuela meinen Arm an. Sie gab mir keinen Korb/ sie duldete es, daß ich ihren Arm an meine Brust preßte. Ich spürte sogar einen Gegendruck, und als ich mich verabschiedete, wußte ich, daß ich dem schönen Mädchen nicht mehr gleichgiltig war. Vom Glücke trunken schwankte ich in mein Hotel. Am anderen Morgen fand ich mich Präcis zehn Uhr im Circus ein, in dem ich Consuela schon anwesend fand. Sie begrüßte mich wie einen lieben Freund. Ich erzählte ihr, daß ich von ihr geträumt hätte. Da blickte sie mich wiederum so eigenthümlich forschend an wie am Abend vorher. „Träumen Sie ja nicht wieder von mir, Don Alonso, ich bin wie meine Katzen," meinte sie tiefernst. „Und wenn ich es dennoch wagte, Sennora?" kam es leidenschaftlich über meine Lippen. Sie that, als hätte sie meine Frage überhört. „Wissen Sie, daß wir mit dem Circus nach Nancy gehen. Ich hörte es heute Morgen von dem Director," lenkte sie das Gespräch ab. Ich klatschte vor Freude in die Hände/ sie erröthete, als sie mein Entzücken bemerkte. „Wir können heute nicht probiren, Don Alonso. Die Thier sind außerordentlich ermüdet. Ich muß sie schonen," begrüßte mich Consuelas Vater. „Ich schlage Ihnen daher eine kleine Spazierfahrt vor und dann sind Sie zum Diner mein Gast. Ich muß mich revanchiren. Wehren Sie sich nicht, Sennor, ich bin ein reicher Mann und kann mir schon ein wenig den Gastgeber erlauben." Ich willigte nach einigem Sträuben auf Bitten Consuelas ein. Und so ward Don Alonso de Melio, Grande von Spanien, der Gast eines Thierbändigers. Meine Ahnen haben sich an diesem Tage gewiß im Grabe herumgedreht. Das Verhängniß war dies Weib. Ich war so verliebt, daß ich meinen Aufenthalt in Metz noch einige Tage verlängerte. Dann reiste ich mit dem Versprechen, für Vater und Tochter eine bequeme Wohnung zu miethen, nach Nancy. Sie gaben mir das Geleit zur Bahn; beim Abschied glaubte ich Thränen in den nachtdnnklen Augen der schönen Geliebten zu sehen. Da war's um mich geschehen. Meine Ruhe war dahin. Ich verging vor Sehnsucht. Und von Nancy schrieb ich denn auch an Consuela einen lächerlich sentimentalen Brief, in dem ich meine Einsamkeit in den düstersten Farben malte . . . ." Der Gefängnißwärter trat ein. Meine Zeit war um. Ich verabschiedete mich herzlich von meinem Clienten und versprach, morgen wieder zu kommen. Ich gab ihm noch einige juristische Verhaltungsmaßregeln, dann schieden wir, ich darf sagen, als Freunde. (Fortsetzung folgt.) - 428 - Kaiser Wilhelm und die schöne Rostockerin. Unter diesem Titel erzählt Eugen Reichel die folgende Episode aus dem Leben Kaiser Wilhelms L: Bei der großen, durch nichts beeinträchtigten Verehrung, welche die ganze gebildete Welt und insbesondere das deutsche Volk für den ersten Kaiser des neuen Deutschen Reiches empfindet, wird die Darstellung einer bisher nur im engsten Kreise bekannt gewesenen, mir kürzlich durch einen Zufall bekannt gewordenen Episode aus dem Leben des edlen Fürsten überall aufrichtiger Theilnahme begegnen. In einem Sommer der sechziger Jahre, als außer dem Grafen v. Bismarck wohl noch Niemand an die Möglichkeit einer Gründung des Deutschen Reiches dachte, befand sich König Wilhelm als ein bereits mit dem Lorbeer des Siegers geschmückter Held in dem mecklenburgischen Seebade Heiligendamm, wo er als Gast des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin Erholung suchte. Um dieselbe Zeit hatte dort der Geheime Medicinalrath und Professor X. aus Rostock mit Frau und zwei blühenden Töchtern Aufenthalt genommen, denen von Seiten der adeligen Herren viel Aufmerksamkeiten erwiesen wurden. Aber der Mann der Wissenschaft hielt sich trotzdem von der vornehmen Gesellschaft fern und auch zu den Hofkreisen stand er in keiner näheren Beziehung. Wie schlichte Bürgersleute lebten die vier Personen in dem aristokratischen Winkel. Die jungen Damen waren noch nicht angekränkelt von Dem, was die meisten unserer modernen Frauen und Mädchen so sehr entstellt und nicht zum wenigsten dazu beiträgt, den Männern nicht nur die Heirathslust, sondern auch den Respect zu rauben, den sie gern für das in all' seiner Beschränkung, in seiner Schwäche und Schutzbedürftigkeit so liebenswerthe, aber heutzutage so selten liebenswürdige Geschlecht empfinden. Bescheiden widmeten sich die zwei Mädchen den kleinen Pflichten, welche ihnen in die freie Natur gefolgt waren- und oft genug konnte man Katharina, die jüngere, schönere der Schwestern, des Weges von dem nahen Doberan daherkommen sehen, in der Hand ein Bündelchen oder Päckchen tragend, welches Butter oder irgend etwas Anderes enthielt. So war Katharina eines Tages wieder in Doberan gewesen, um dort Butter für den Familientisch einzukaufen. In einem leichten Hellen Sommerkleide, das vom herrlichsten braunen Haar umrahmte Haupt mit einem anmuthigen Hütchen bedeckt, wanderte sie, leise vor sich hinsummend, durch den Buchenhain- in der linken Hand aber trug sie ein sackartig zusammengelegtes weißes Taschentuch, welches das soeben eingekaufte Pfund Butter umschloß. Wenn jetzt ein Maler die holde Erscheinung gesehen hätte, so wäre er wohl kaum der Versuchung entgangen, dies reizende Genrebild mit den Augen und dem Pinsel festzuhalten- denn dergleichen sieht man nicht alle Tage, weil eben Schönheit und Anmuth überall und jederzeit seltene Dinge sind. Aber ihr begegnete kein Maler- und so war sie unbehelligt fortgeschritten und konnte jetzt schon die ersten Villen von Heiligendamm durch das Buchenlaub schimmern sehen. Froh, die Mühe der Wanderung hinter sich zu haben, bückte sie sich zu Boden, um ein paar Waldblumen zu pflücken, mit denen sie gern ihr Zimmerchen schmückte. Bei dieser Beschäftigung hatte sie ein paar Minuten zugebracht- als sie jetzt weitergehen wollte, zuckte sie plötzlich zusammen, denn von Heiligendamm her kam der ihr wohlbekannte, von ihr herzlich verehrte König Wilhelm, nur von einem hinter ihm gehenden Diener begleitet, dahergeschritten. Leicht erröthend trat Katharina zur Seite und verbeugte sich mit einem tiefen Knix vor dem Könige. Dieser grüßte höflich zurück und blieb dann vor ihr stehen, sie eine Weile schweigend betrachtend. „Wie heißen Sie, mein Fräulein?" fragte er. Katharina nannte ihren Nameri. „Und Sie wohnen hier in Heiligendamm?" fuhr der König fort. „Papa verlebt alle Jahre die Ferien mit Mama, meiner Schwester und mir in Heiligendamm. Für gewöhnlich wohnen wir in Rostock." „Ist Ihr Herr Vater Offizier?" „Nein, Universitätsprofessor, Majestät." „So." Der König schwieg und fuhr mit seinem Spazierstock einige Male über den Sand des Weges, während Katharina klopfenden Herzens zu Boden blickte. „Warum sehen Sie mich nicht en, mein Fräulein!" nahm der König nach einigen Augenblicken wieder das Wort. Katharina sah empor und ihm frei in's Antlitz. „Wie schade, daß ich Sie heute zum ersten Male sehe," sagte jetzt der König. „Morgen schon reise ich von hier fort." Und dabei sah er sie wieder so seltsam bewegt an, daß Katharina auf's Neue die Augen zu Boden schlagen mußte. Dann reichte er ihr die Hand, welche Katharina ehrfurchtsvoll mit den Lippen berührte. „Es ist mir eine Freude gewesen, Ihnen zu begegnen - und es wird mich sehr freuen, wenn ich Sie morgen noch einmal sehen kann — bei meiner Abfahrt vielleicht — denn zu anderer Zeit wird sich kaum noch eine Gelegenheit finden," fuhr der König fort. Katharina verneigte sich und sagte: „Wie Majestät befehlen." „Ich befehle einer so jungen, schönen Dame nichts. Aber es wäre sehr hübsch von Ihnen, wenn Sie mir die Freude machen würden. Ich fahre allerdings etwas zeitig ab — um acht Uhr — und Damen pflegen um diese Stunde selten mit ihrer Toilette fertig zu sein." „Für einen verehrten Fürsten ist man zu jeder gewünschten Stunde fertig," versetzte sie schlagfertig, da die freundlichen Worte des Königs ihren Muth, ihr Selbstgefühl mehr und mehr gekräftigt hatten. „Ich danke Ihnen, mein liebes Fräulein. Und noch Eins: Wenn ich morgen abgereist bin, so lassen Sie sich in die von mir bewohnten Zimmer führen — man wird Sie ohne Weiteres einlassen, ich werde dafür sorgen. Im zweiten Zimmer werden Sie auf meinem Arbeitstisch ein kleines Andenken vorfinden." Er blickte ihr noch einmal tief in die Augen, dann zog er den Hut und schritt weiter. Katharina erzählte strahlenden Auges den Ihrigen, was sie erlebt hatte, und die Freude Aller war groß. Leichter ging ihr heute Alles von statten als zuvor - ja, sie fand noch Zeit, ihr neues seidenes Kleid mit einigen zierlich gearbeiteten Perlenschnüren zu schmücken, damit sie morgen um so schöner ihrem königlichen Verehrer gegenübertreten könnte. Trotz der Aufregung, in welcher sie sich befand, zwang sie sich, die Nacht über zu schlafen, um am andern Morgen nicht ermüdet und weniger frisch auszusehen. Sobald Katharina das Bett verlassen hatte, wurde sie von Mutter und Schwester mit größter Aufmerksamkeit angekleidet, und als die Schwester jetzt noch der Glücklichen einige Rosen in's Haar steckte, sah sie wirklich entzückend aus, so entzückend, daß beide Damen sich nicht enthalten konnten, die Strahlende zu küssen. Dann begaben sich alle Drei hinaus und mischten sich unter das Publikum, welches bereits erwartungsvoll am Wege stand und mit einem gewissen Staunen auf die sonst so schlicht gekleidete Katharina blickte. (Schluß folgt.) Humoristischs*. Das Juristen-Söhnchen. Peter (dem Auswendiglernen schwer fällt), nachdem sein Bruder Carl den Eltern einen langen Neujahrswunsch vordeclamirt hat: „Ich schließe mich dem Vorredner vollständig an!" Redaction: 8L Echeyda. — Druck und «erlag der Brühl'schen dkuiverfitätS-Buch- und Stetndruckerei (Pietsch & Scheyda) in Meßen.