LormerSta- de» IS. Rai. 1897. «ST DM MM Fata Morgana. Novelle von Sp. Rens. wußte ihm Dank für diese Zurückhaltung, obgleich ihr Herz aus banger Sehnsucht nach ihm schmerzlich klopfte. Heute sollte der neue Herr einziehen- festtäglich geputzt harrte unten die Dienerschaft seiner Ankunft. Der stille Todte dort oben brauchte ja Niemand mehr. Noch einmal schritt Therese abschiednehmend durch alle Gemächer des lieben, alten Hauses, das ihr so lange eine Heimath gewesen, in dem sich die sorgenden Mutteraugen auch für immer geschloffen. An manchem Fenster blieb sie stehen und schaute hinaus aus den im Abendwinv rauschenden Park, manchem Bild an den Wänden winkte sie wie einem alten Bekannten mit den Augen den letzten Gruß zu. Nun war sie in ihr Wohnzimmer getreten. Sorgsam verschloß sie dort die Schränke, fügte die Schlüssel zum großen Bund, mit welchem zugleich sie auch ihre Herrschaft in die Hände des neuen Herrn zurücklegte. Sinnend, als zöge die Vergangenheit noch einmal ganz an ihrer Seele vorüber, blickte sie umher. Jenes Nahüschchen dort hatte immer die fleißige Mutter benutzt, und m dieser Sophaecke würde Onkel Doctor nie mehr mit seiner Pfetse sitzen. Unwillig hob sie den Kopf. Wer kann sie in dieser Stunde stiller Weihe stören! , , Die alte Wartefrau war's, die ihrer Mission tm Schloß enthoben, bevor sie in die Stadt zu den verhe.ratheten Kindern zog, kam sich zu verabschieden. Therese, in ihrer sanften Rührung war heute sUgang- licher als sonst, und so fragte sie freundlich, wie die Alle nun zu leben gedenke. . . , . „Ach, gnädige Frau waren ja immer ,o gut und sen- gebig, haben meine schwachen Dienste wett über Gebichr befahlt," sagte diese unter unzählbaren Handküssen. „N" den Jahren, welche Gott sei es geklagt, ich den armen Herrn Baron pflegen mußte, konnte ich mtr em kleines Sümmchen ersparen. Biel ist es ja nicht, aber der Schwiegersohn hat auch sein Auskommen, mit) eine alte Frau, die mit einem Fuß schon im Grabe steht, braucht auch tncht mehr, als ein bischen Essen." e , . Die Thränen übermannten sie, sie trocknete sic ab, und dadurch verdeckte sie das schadensrohe Lächeln, das um ihren eingefallenen Mund zuckte. „Es ist mit dem guten, gnädigen Herrn doch recht schnell gegangen," begann sie nach einer Weile von Neuem. Wer hätte vor einer Woche noch gedacht, daß wir so bald eine Leiche würden im Hause haben. Und wie es doch in der Welt bunt zugeht. Hochzeit und Begräbuiß fallen oft zusammen. Der Eine weint, der Andere lacht. Von einem in schönes Alter ist des Lebens Krone; Nur dem, der sie verdient, wird sie zum Lohne! Wer lange trug des Daseins schwere Bürde Und alt sein Haupt noch ausrecht hält mit Würde, Siebt dadurch Zeugniß, daß er seinem Leben Bon Jugend aus den rechten Halt gegeben. Bodenstedt. (Fortsetzung.) VI. Noch ehe die Sterbeglocken es laut verkündet, wußte man überall im Städtchen, daß der Baron ausgelitten. In des Jugendsreundes treuen Armen war er verschieden, während Therese auf den Knieen liegend, die erkaltenden Hände in Thränen badete. Nun lag er zwischen Todtenkränzen von Rosen und weißen Lilien, aufgebahrt in der stillen, buchenumrauschten Ahnenhalle, der letzte seines alten Stammes, der einem entfernten, unbekannten Seitensproß endlich Platz gemach. Therese, wie eine dankbare Tochter dem treuesten der Väter nachtrauernd, stand doch mit einer gewissen, heiteren Ruhe an seinem Sarge. . f Warum sollte man dem Dulder nicht die schmerzlose Sülle gönnen, die ihn jetzt umgab. Hoch erhaben über alle Erdenqual lächelte er so friedlich, und sein letzter Hauch war ein Segenswunsch für sie gewesen. Warum Onkel Docior und Tante Machen sie nur so mitleidig betrachteten, so seltsame Blicke miteinander wechselten, mitten im Flüstergespräch stockten, sobald sie sich uaqete. Die Guten, sie trugen wohl Sorge um sie des Schicksals wegen, fürchteten, daß ihr das Scheiden von der Heimaths- stätte schwer falle. Ach, Keiner von Ihnen Allen ahnte ja das heimliche Glück, das ihr eine Waffe geworden war gegen jeden drohenden Schmerz. Sie hatte Walter so lange, drei Tage nicht gesehen, seine geliebte Gestalt, seine helfende Hand sogar am Sterbebett des Onkels vermißt. Verbot sein Zartgefühl ihm sich der Geliebten, die doch vor der Welt als eine trauernde Wittwe an der Bahre des Gatten stand, zu nahen? Sie 21s ob er den ungeheuren Treubruch wirklich Äug' in Auge fragen, begangen. Verstört blickte dämmerung sanken Bente, mit der sich eine müßige Stunde vertändeln ließ, für ein tugendloses Weib, dem man ungestraft nahen durfte. Sie stöhnte, während sie das Gesicht verhüllte, welcher der beleidigte Stolz mit dunkler Schamröthe bedeckt. Sie hatte an ihn geglaubt, seine Liebe war ihr Messias gewesen, der aus dunkler Grabesnacht sie erlöst, sie hinausgeführt zu lichten, sonnigen Höhen. Und jenes Mädchen sollte schon lange seine Braut sein! Jenes Mädchen, das er liebte, in dessen Armen er nun Derjenigen spottete, die so schnell seinen Schwüren vertraut. Jetzt schrie sie auf. Laut und gellend schallte es wieder in dem leeren Hause, das nur sie und den Todten umschloß. Nur nicht hierbleiben, nur fort von hier, zn ihm, ihn sie um sich. Die Schatten der Abendtiefer, bald wurde es Nacht. War zögerte sie noch. Wie gehetzt lief sie die Treppen herunter, an der Dienerschaft vorüber, die ihr verwundert nachblickte. „Wo kann die gnädige Frau nur so spät hingehen? Der neue Herr muß jeden Augenblick eintreffen; es gehört sich doch, daß sie ihn empfängt," hörte sie hinter sich leise sagen. Was fragte sie in diesem Augenblick danach, was sich schickte, was kümmerten sie die Menschen, die ihr doch immer Unrecht gethan. Staub flog ihr auf der Chaussee entgegen, lagerte sich wie eine graue Wolke aus ihr schweres Trauerkleid, dar lang und schleppend sie am schnellen Gehen hinderte. Wie endlos sich der sonst so kurze Weg ausdehnte. Noch immer keine Stadt, keine Lichter. Noch eine kurze Galgenfrist, eine Minute schwachen Hoffens, ehe ewige Finsterniß ihr entgegengähnte. Plötzlich stockte ihr Fuß. Dicht vor der Stadt, hart an der Chaussee, von dieser nur durch eine stachelige Weißdornhecke getrennt, lag des Bürgermeisters blumenreicher Garten, das Steckenpferd seiner Mußestunden. Noch war das Dämmerlicht hell genug, um ihn zu übersehen. In den breiten Kieswegen, die sich zwischen Rosenbeeten hindurchzogen, wandelte Mama Bürgermeister, den Strickstrumpf in den Händen, wohlgefällig hin und her. Der kleinen, runden Fran im blüthenweißen Häubchen und steif gestärktem Cattun- kleide galt jedoch nicht Thereses starrer Blick. Eine Stimme hatte sie gehört, deren Ton wie eine vergiftete Dolchspitze ihr ins Herz fuhr. In die Hecke hineingebaut, gegen den Garte» zu durch ein luftiges, weinübersponnenes Gelände geschützt, lag eine verschwiegene Laube, und dort darin flüsterte es. Sie drängte sich näher heran, unbekümmert darum, daß die Dornen ihr Hände und Gesicht zerstachen, griff sie in die Zweige. Nun wurde ein kleiner Durchguck frei. Ein Blick hinein, und jeder Hoffnungsschimmer, an de» sich ihr Herz schmeichlerisch geklammert, erlosch. Auf der weißen Gartenbank faß er, den sie bis heute als ihr Eigenthum betrachtet, und auf seiner Schulter ruhte der blonde Kopf eines Mädchens, das er umfangen hielt. „Nun mußt Du aber auch vernünftig fein, Kind, und mich nicht länger mit dieser thörichten Eifersucht quälen, hörte sie ihn sagen. „Ich leugne nicht, meine Fantasie war gefesselt, mein Geist geblendet, ein kurzer Sommernachtr- traurn!" Er seufzte, „er ist vorüber." „Und nun bist Du mir auch wieder gut?" „Ich war es Dir immer. Denke doch der vielen fröhlichen Stunden, die wir einander verdanken; so etwas vergißt sich nicht." , „Und Du wirft mir auch jetzt nicht mehr untreu werden« „Nein, das kann ich Dir fest versprechen. Emer zweiten Therese begegne ich nimmer!" Die Lauscherin draußen grub die Zähne in die Lippen. Ein kurzer Sommernachtstraum jene selige Zeit, wo er t? auf den Knieen Liebe und Treue für ewig geschworen. Fa Iw Bräutigam kann man freilich nicht verlangen, daß er in ein Todtenhaus heraufkommt." Grinsend hielt sie inne, aber als sie bemerkte, daß Therese ihr nur zerstreut zuhörte, beschloß sie deutlicher zu werden. „Gerade an dem Tage, als unser gnädiger Herr Baron starb, haben sie bei Bürgermeisters Verlobung gefeiert. Ei» ganz neues Kleid hat Fräulein Almachen dazu angehabt, und reizend soll sie ausgesehen haben, wie eine Weihnachtspuppe. Spät ist es geworden, weit nach Mitternacht; eine Gesundheit nach der anderen haben sie getrunken. Deshalb konnte man, als es unserem armen Herrn so schlecht ging, auch den Doctor nirgends finden. Beim Bräutchen hat er gesessen" , „Welchen Doctor?" Therese versuchte ungläubig zu lächeln, obgleich es ihr doch war, als ob eine eisige Hand ihr das zuckende Herz aus der Brust gerissen. „Welchen Doctor?" Gnädige Frau wissen doch recht gut, daß ich nur einen meinen kann. Wer anders, als der Doctor Senglin sollte denn der Bräutigam sein. Sie kennen sich ja schon lange, es soll eine alte Liebe sein, und nur Almachens wegen ist er ja aus Berlin hierhergekommen. Bei Bürgermeisters nähen sie auf drei Mafchiiien die Ausstattung, und im September wird Hochzeit gefeiert." „Das ist nicht wahr!" Therese hatte es herausgestoßen, aber ihre Stimme klang so rauh und heiser, so schrill wie der Ton einer jäh zersprungenen Glocke. „Nicht wahr?" sagte Frau Krause anscheinend tief beleidigt. „Ich werde mir doch nicht erlauben, Lügen aufzubringen. Die Verlobungskarten sind schon gedruckt, sie werden nur noch nicht umhergeschickt, weil es sich nicht paffen möchte, so lange der Herr Baron noch über der Erde steht. Arm in Arm sind sie gestern schon ausgegangen, und meine Tochter, die eben gekommen ist, um mir meine Sachen herunterschaffen zu helfen, hat selbst gesehen, wie der DoctorMmachen am Fenster geküßt hat. Doch, gnädige Frau sehen auf einmal so bleich ans wie der Kalk an der Wand Mein Gott, Sie fallen ja. Gnädige Frau sind unwohl! Wasser! Hilfe!" „Nichts, nichts!" Therese, die schwankend mit den Händen in die Luft gegriffen, stand wieder auf den Füßen, lehnte sich schwer gegen den runden Tisch. „Ein Schwindel, der mich oft befällt," fuhr sie mit schwerer Zunge langsam fort. „Gehen Sie, Frau Krause, wenn ich allein bin, wird mir stets schnell besser." „Aber gnädige Frau werden doch nicht verlangen, daß ich jetzt gerade gehe. Gnädige Frau können ja ernstlich krank werden." Neugierig und geschäftig umtrippelte sie die Alte, doch ein einziger Wink Thcresens genügte, um das Zimmer von ihr zu räumen. Nun war sie allein. Warum konnte sie nicht lachen über die dreiste Lüge, die man erfunden, um sie zu schrecken. Warum erschien ihr Walters Fernbleiben plötzlich in solch einem ganz anderen Licht. Wenn er sie wirklich liebte, es ehrlich meinte, wußte er nicht mit ihr ausharren wie und wo es auch sei. Verratheu! Betrogen! In den Staub getreten! schrie es gellend in ihr auf. Sie stürzte zum Fenster, riß eS auf, um nicht zu ersticken, doch die sanfte Stille des duftenden Juniabends war nicht dazu angethan, um den Sturm in ihrer Seele zu sänftige». Wenn der Donner grollen wollte, wenn feurige Blitze zündend niederzuckten, wenn der See vom Nordwind bis in seine Tiefen aufgewühlt, mißfarbene Wellen warf, ja dann würde das brennende Weh im Herzen das Hämmern und Stechen in "bett Schläfen betäubt und überwältigt werden. Die gerungenen Hände fest gegen die glühende Stirn gepreßt, stand sie da und rief sich jedes falsche Lächeln, jedes Liebeswort, mit dem er ihr Herz gestohlen, in die Erinnerung zurück. Für was mochte er sie gehalten haben? Mohl für das, was man von ihr sagte; für eine leichte — LIS — seine Küsse, falsch sein Herz. Eine trügerische Fata Mor- gana am Wüstensaum. Hatte sie eine unfreiwillige Bewegung gemacht? Erschreckt fuhr das Brautpaar auseinander. „In der Hecke hat etwas geraschelt, man konnte es deutlich hören," meinte Alma ängstlich. „Gewiß ein Eichhörnchen oder gar eine Fledermaus. Wie ich mich-fürchte." „Es ist nichts," beruhigte er sie. „Vielleicht ein Vogel, der verspätet zum Neste zurückkehrt." „Nein, nein, schon wieder rührte es sich, ich sehe etwas ganz Schwarzes in der Nähe," schrie Alma und sprang aus der Laube. Einen Augenblick blieb Walter allein. Was war es, das ihn wie mit magnetischen Ketten an diese Stelle band? Ahnte er, daß er nur die Hand auszustrecken brauchte, um einen dunklen Kopf zu berühren, eine schmale, eiskalte Hand zu fassen? Er zögerte. Doch da rief Alma, daß sie sich im dunklen Garten ängstige, so viele Strolche trieben sich in der Gegend umher, er möge doch kommen, und wenn auch widerstrebend, er ging. Taumelnd erhob sich Therese von ihren Knieen. Lebte sie wirklich noch? Warum war nicht ihr Herz unter diesem Schlag gebrochen? Nicht einmal wohlthuende Betäubung hatte die Natur mitleidig für sie gehabt. Ganz klar konnte sie denken, mit haarscharfer Deutlichkeit sich an Alles erinnern. Sie fühlte, wußte ganz genau, daß er ihre große, allgewaltige Liebe hingegeben um dieses Kindes willen, das sich vor Fledermäusen fürchtete in seiner Nähe. Was war das für ein Lärm? Kam er nicht vom Schloß her? Richtig, da donnerte das Viergespann über die Brücke, hielt vor der Rampe und die Dienerschaft brachte ihrem einziehenden neuen Herrn ein Hoch dar, der Alte oben hörte nichts mehr von alledem. „Hurra! Hurra! Nochmals Hoch!" Im Staub der einsamen Landstraße stehend, konnte sie die Stimmen deutlich unterscheiden. Nun rief auch Busse mit, der treue Busse, der sie in der letzten Zeit stets so eigen angesehen, als ob er ihr etwas zu sagen hätte. Und morgen, wenn sich die Pforten des Erbbegräbnisses geschlossen, wenn sie dort oben ihre letzte Pflicht erfüllt, dann sollte sie ein neues Leben beginnen. Ein neues Leben, in welches sie sich selbst und solche Erinnerungen mit hinein nahm. Schrill knarrte die Gartenthür und die Bürgermeisterfamilie schlug den Heimweg an. Alma hing an des Bräutigams Arm, und ihr weißes Kleid streifte fast die dunkle Gestalt, die sich scheu hinter einem schützenden Baumstumpf verbarg. Im Doctorhaus standen die Fenster offen, tanzende Mückcnschwärme umkreisten die brennende Lampe, kein Tabaksrauch vertrieb sie heute. Geschäftig eilte Fräulein Minchen hin und her, sorgsam legte sie ihr gutes, schwarzseidenes Kleid heraus und bürstete des Bruders Cylinder, Alles zum morgigen Begräbniß, das frühzeitig schon beginnen sollte. Sie hatte rothgeweinte Augen und seufzte jedesmal laut, wenn ihr besorgter Blick den alten Doctor streifte, der wie an Leib und Seele gebrochen in seinem Sorgenstuhl saß. „Ein Stück Herz begrabe ich mit ihm," hatte er gesagt und damit alle Trostgründe der Schwester abgewehrt. Fräulein Minchen war an das Fenster getreten, um die grünen Luftflügel für die Nacht einzuhängen. Ziemlich kühl erwiderte sie des vorübergehenden Brautpaares Gruß. „Da gehen sie hin," grollte sie, „und denken nicht daran, daß die arme Therese auch ein Herz hat, das sich durch Worte und Blicke bethören ließ. „Ich kann ihr nicht vor Augen treten, das Schicksal war stärker als ich." Solch' ein Schauspieler, ob er meint, daß man diesen wohlfeilen Entschuldigungen glaubte. Wie fest sich Alma an seinen Arm hängt, keinen Schritt geht sie wohl allein mehr über die Straße. Auf solch' einen unsicheren Bräutigam wäre man in meiner Jugend nicht stolz gewesen!" Das alte Fräulein schlug klirrend den letzten Fenfter- lügel zu. Sie mochte den Doctor, der nach einem flüchtigen Abschied auf der Rathhaustreppe gesenkten Hauptes nun dem Hause zuschritt, nicht noch einmal sehen. (Schluß folgt.) GeHneinnütziges. Aus Vierzig: Gins! Vierzig Pfund reines Fleisch, beste Stücke der Pampas-Rinder, sind erforderlich, um ein einziges Pfund des echten Liebigs Fleisch-Extract zu bereiten. Dieser Thatsache solle namentlich die junge Hausfrau stets eingedenk sein, die beim Würzen der Speisen mit dem Extract manchmal geneigt ist, des Guten zu viel zu thun. Schon eine ganz geringe Zuthat verbessert wesentlich den Geschmack der Suppen und Saucen, des Gemüses, der Ragouts, der Salate. Dungelgelb, nicht braun sei die Bouillon aus dem Extract. Ebenso: Wer aus dem Fleisch-Pepton der Compagnie Liebig, dieser für Kranke und Magenleidende so sehr geeigneten leicht verdaulichen Nahrung, Speisen herstellt, der sollte stets die in den Gebrauchsanweisungen und Kochbüchelchen der Gesellschaft vorgeschriebenen Mengen genau beachten. * * # Graham- oder Weizenschrotbrod. 1 Kg. Weizenschrotmehl, 250 Gramm gewöhnliches Weizenmehl und 40 bis 50 Gramm Preßhefe, zwei Eßlöffel Salz. Die Hefe wird in lauem Wasser aufgelöst und zum Aufgehen warm gestellt. Während dem wird das Weizenmehl mit heißem Wasser angerührt und gut vermengt. Nun gibt man das andere Mehl nebst Hefe hierzu und macht einen steifen, ja nicht flüssigen Teig. Man formt denselben in 1 bis 2 längliche oder- runde Brode, läßt diese an einem warmen Orte 1 bis 2 Stunden aufgehen und bäckt sie auf einem mit Mehl abgestäubten Bleche bei mäßiger Hitze so lange, bis an einer hineingestochenen Stecknadel kein Teig mehr kleben bleibt und das Brod hochgelb aussieht. Um eine schöne Kruste zu erzielen, bestreicht man es mit Wasser und schiebt es noch einmal in den Ofen zurück. * * * Mehlspeise aus altbackener Semmel. Man schneidet die altbackene Semmel in Würfel, röstet diese in Butter goldbraun und dünstet auf 4 Semmeln 12 geschälte und ebenfalls würfelig geschnittene Aepfel in Butter und Zucker halbweich. 6 Eidotter werden nun mit 100 Gramm Zucker, ‘/s Liter Milch und etwas Citronenschale verquirlt, Aepfel und Weiß- brodwürfel, wie auch noch 100 Gramm gereinigte Corinth en hinzugethan, der feste Eiweißschnee durch die Masse gezogen und die Mehlspeise in vorgerichteter Form eine gute Stunde gebacken, um mit einer guten Frucht- oder Weinsauce servirt zu werden. 0 ♦ * Bratwürste mit Pusfbohueu. 1 Pfd. große, weiße, trockene Bohnen werden in schwach gesalzenem Wasser weich gekocht,- ein leichtes gelbes Einbrennen von Fett und Mehl mit den ganzen oder zu Brei durchgetriebenen Bohnen vermischt, gesalzen, gepfeffert und angerichtet. Dieses Gericht muß ziemlich dick sein. Statt gebraten kann man die Würste auch bloS abgesotten dazu geben. * Nierensuppe. Man nimmt für 50 Pfg. 'Rindsnieren, kocht sie mit reichlich Waffer, Salz, etwas Wurzelzeug, einem Lorbeerblatt, einigen Gewürzkörnern weich, macht eine nicht zu braune Einbrenne von Butter, Fett und drei guten Löffeln Mehl, füllt sie mit der fertigen Brühe auf und schneidet die weichgekochten Nieren in Scheiben in die Suppe. * * * Irish Stew. Man nimmt 11/a Pfund Hammelfleisch, schneidet es in Stücke, pfeffert und salzt es, dann schält man — 220 2 Liter Kartoffeln und schneidet ste in Scheiben, ebenso für 5 Pfg. Zwiebeln. In ein Kafferol giebt man eine Schicht Kartoffeln, dann Fleisch, dann Zwiebeln und fährt so fort, zuletzt wieder Kartoffeln- gießt Wasser daran, bis es die Masse knapp bedeckt, deckt daS Kafferol zu und läßt das Gericht zwei Stunden dämpfen. * * * Das Verkitten der Futzbodenfugen, auf das in neuerer Zeit aus hygienischen Rücksichten hingewiesen wird, läßt sich leicht und dauerhaft durch eine Mischung von frischem Käse (sogenanntem Quark) und ungelöschtem Kalk bewerkstelligen. Man nimmt auf fünf Theile Käse einen Theil Kalk und setzt, wenn man den Kitt gefärbt zu haben wünscht, gelben Ocker, Terra de Sienna, Caput Mortuum oder andere Erdfarben hinzu. Dieser Kitt wird in den Fugen zu einer steinharten Masse, die sich nicht im Wasser auflöst und dem nassen Scheuern widersteht. Das Dichtmachen der Fugen ist um so dringlicher geboten, als die Füllböden (Zwischenböden) gar oft mit altem Schutt und Abbruchresten abgerissener Häuser vollgefüllt worden sind, in denen sich Krankheitskeime befinden können, oder die organischen Krankheitsträgern zur willkommenen Zuchtstätte dienen. Dem Ungeziefer behagen die Füllböden ebenfalls als Brutnest, woher es kommt, daß Häuser oft trotz aller Mühe nicht von unangenehmen Mitbewohnern aus dem Jnsecten- reiche frei zu halten sind. Das peinlich genaue Verkitten der Fußbodeufugen macht dem Uebelstande sofort eine Ende. * Um Metallgegenständen einen fast tiefschwarzen/ sich sehr gut bewährenden Anstrich zu geben, der sehr billig ist, schnell trocknet und ziemliche Hitze aushält, löst man pulverisirten Gummi-Asphalt in Terpentinöl auf und taucht die betreffenden Gegenstände in diese Lösung oder bestreiche sie damit. Die so lackirten Gegenstände erhalten ein sehr gefälliges Aussehen und die Lackirung ist sehr haltbar. * * Makartsträttste zu reinigen. Man bereitet aus weißer Seife, etwas Soda und warmem Wasser eine Lauge, in welcher man das Bouquet oder besser die einzelnen Gräser oder Wedel mehrmals hin und her schwenkt. Das Waffer, das Anfangs schnell schmutzig wird, muß oft erneuert werden. Auch beim Spülen ist wiederholter Wasserwechsel nolhwendig. Die Pampaswedel drücke man zwischen Tüchern vorsichtig aus und lockere sie durch häufiges Schütteln. Dann hänge man die einzelnen Stücke, auf Schnüre gezogen, an einer sonnigen Stelle frei auf, bis die Gräser locker und die Wedel glänzend weiß und dicht sind. * Wie kann mau eine Gypsfigirr mit Kupfer broneirett? Die Figur muß vorher gründlich gereinigt werden. Dann streicht man sie mit einem guten, leicht trocknenden Leinölfirniß an, und zwar mittels eines weichen Pinsels, und so oft, bis sie keinen Firniß mehr annimmt. Dann bereitet man einen Lack von 150 Gramm Leinölfirniß, 150 Gramm nicht spirituosem Copallack und 10 Gramm Terpentinöl, indem man den Leinölfirniß mit dem Copallack auf mäßigem Feuer vereinigt und das Terpentinöl hinzumischt Mit diesem Lack wird die Figur ein bis zwei Mal überstrichen, bis sie einen gleichmäßigen Glanz erhalten hat. Nach 24 Stunden, wenn der Ueberzug nur noch ein wenig klebt, überpinselt man die Figur mittelst eines weichen Pinsels mit Kupferbronce und reibt sie so lange, bis sie ein schönes, glänzendes Aussehen erhält, mit Watte. * * * Herstellung von Pauspapier. Man löst 10 Theile Paraffin in 90 Theilen Benzin oder stellt eine Mischung von Benzin tritt gebleichtem Mohnöl her, durchdrängt damit Seidenpapier gleichmäßig oder bestreicht es mit einer weichen Bürste. der Darbe itt der Wäsche. Essig sogleich zur Waschbrühe gegeben, erhält blaßrothe und'grüne, zum letzten Waffer gegeben stellt er veränderte hochrothe Farben wieder her. Soda erhält purpurroth und bleiblau- reine Potasche erhält und bessert Schwarz auf reiner Wolle. Ist Farbe durch Saucen verändert, so stellt Salmiakgeist, mit 12Lheilen Wasser verdünnt, sie wieder her; ist sie durch Alkalien verändert, so stellt Essig sie wieder her. * * * Wie find Wasserflaschen $« reinigen? Eine kleine rohe Kartoffel wird in feine Stückchen geschnitten, diese mit nur wenig Waffer in die Flasche gethan und umgeschüttelt. Schon nach wenigen Augenblicken wird man den guten Erfolg sehen und nach gehörigem Nachspülen vollständig klare« Glas haben. Vermischtes. Aberglaube in der Küche. In früheren Zeiten schrieb man einzelnen Speisen eine besondere Wirkung zu. Gebackene Hammelschwänze sollten Heiterkeit erzeugen und das Gedächtniß kräftigen. Schweinefleisch galt als ein Mittel gegen die Fallsucht. Gebratene Tauben sollten von trostbringender Wirkung auf den Genießenden sein- die Araber jedoch meinten, daß der Genuß von Taubenfleisch Fieber Hervorrufe. Hirschfleisch wurde allgemein für schädlich gehalten, besonders sollte es dumm machen. Dem Hasen rühmte man nach, daß der Genuß seines Fleisches schön mache. Msse sollten das Blut verdünnen und versüßen, und Mandeln vor Trunkenheit schützen. Granatäpfel, meinte man, erzeugen Liebe, Hagebutten dagegen Haß. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika hatten 1896 eine ungeheuer ergiebige Obsternte und überschwemmten Europa im vergangenen Winter mit Aepfeln, über deren Geschmack vielfach hin und hergerstritten wurde. Jedenfalls war plötzlich und unvermuthet besonders den deutschen Apfelzüchtern ein recht unangenehmer Nebenbuhler entstanden. Da wirb es gewiß großem Interesse begegnen, daß der »Praetische Rathgebrr Im Obst- nnö in seiner neuesten Nummer aus der Feder eines sachverständigen Landsmannes, des Herrn W. A. Richter, der im Staate Wisconsin am Michigansee lebt, eine eingehende Darstellung der Apfelausfuhr aus Nordamerka giebt. Danach ist die Einfuhr nach England allein von 606 394 Faß im Jahre 1894 und 206 906 Faß 1895 bis auf 1 238 422 Faß 1896 gestiegen und dabei ist die Statistik noch nicht einmal abgeschlossen. Außerordentlich lehrreich sind die Beschreibungen, in welcher Weise der Auskauf, die Verpackung, der Versand und Verkauf der Aepfel geschieht, — Vieles, sehr Vieles läßt sich für uns Deutsche daraus lernen - wir könnten das Geschäst genau so gut machen, wie die Amerikaner. Die Nummer des practischen Rathgebers im Obst- und Gartenbau, in der der Aufsatz enthalten, wird auf Wunsch gern umsonst zugelchmt von derBerlagsbuchhandlungTrowitzsch u. Sohn in Frankfurt a. v. Für Cacteenliebhaber. Die Cacteenliebhaberei ist s eit einigen Jahren in Deutschland und auch anderwärts wieder im Emporblühen begriffen, ein Erfolg, der wohl in der Hauptsache auf die rührige „Gesellschaft der Cacteenfreunbe" (Sitz Berlin) und auf die »Mävat«. schritt fttr «aeteentunbe'* (Neudamm) zurückzuführen ist. Auch ° e Wissenschaft hat sich naturgemäß in der letzten Zeit mehr mit dien eigenartigen, so lange stiefmütterlich behandelten Pslanzenfammi: » schäftigt. Nach langjährigen und eingehenden Studien in den 8™»* Sammlungen des In- und Auslandes hat sich der Vorsitzende „Gesellschaft der Cacteenkunde", Herr Professor Dr. C. f Berlin, entschlossen, ein derartiges Werk abzufassen; dasselbe «l<9 unter dem Titel „Gesammtbeschreibung der Eocteen (Monograp Caotacearam) von Professor Dr. Carl Schumann. Mit einer tu 8 Anweisung zur Pflege der Cacteen von Karl Hirscht", in 10'm«“ 8 zum Preise von je 2 Mk. reich illustrirt im Verlage von I. Reummw in Reudamm (Provinz Brandenburg). Alle zwei Monate wird Lieferung herausgegeben, deren erste soeben erschienen ist. Cm P bogen, welcher einen genauen Ueberblick über die Art des g M Werkes bietet, wird von genannter Verlagsbuchhandlung iedem j essenten umsonst und postfrei geliefert. Redaction: 8L Schetzda. — Druck und Berlag der Brübl'schen Miiverfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Sch-Yda) m «tat* In Frau tni Livrsediei kühlen 9 Schusterf der Leute Dan lange auf Al« ob ft gemerkt h Im Wurmstich Jahren d Herrichten, unter Spi vorgefund So sa schütter üppig wm und üben Selb Die Leute wenigen, i don jedem kalte Schn Tage