Das Kind der Tänzerin. Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann. (Fortsetzung.) Hannah Johnson erhob sich von ihrem Sitze und eilte durch das Schiff der Kirche dem Altar zu. Grimmiger Haß und hämischer Triumph sprachen aus ihren Zügen. Ihre Stunde war endlich gekommen. „Halt!" rief sie mit lauter Stimme. „Halt! Ich erhebe Einrede!" Wäre ein Donnerkeil plötzlich unter die Versammelten gefallen, so hätte die Bestürzung derselben nicht größer sein können. Iris Grehlock stieß einen wilden Schrei aus. „Rede nicht!" sagte sie mit flehender Stimme, indem sie ihre Hände ausstreckte, wie um die Worte ihrer Dienerin zurückzudrängen. „Um's Himmels willen, rede nicht, Hannah!" „Die Tage meines Gehorsams sind vorüber, Madame," antwortete Hannah Johnson trotzig. „Ich will reden und alle diese feinen Leute sollen mich hören. Die Wahrheit hätte schon längst an den Tag kommen sollen. Die Zwei sollen nicht zum Ehestand vereinigt werden, wenigstens nicht, bis Sir Gervase Greylock weiß, wen er zu heirathen im Begriffe ist. Das Mädchen an seiner Seite — ich schwöre es hier vor Gott! — hat keinen Schatten von Anrecht auf den Namen, den sie trägt. Robert Greylocks Tochter starb als Säugling und diese Kreatur hier wurde aus dem Abschaum einer großen Stadt — ja, buchstäblich aus der Goffe — aufgelesen und für Godfrey Greylocks Enkelin ausgegeben. Ich weiß, was ich sage, denn ich selbst habe sie vor ungefähr vierzehn oder fünfzehn Jahren einer alten, trunksüchtigen Hexe, die sich ihre Großmutter nannte, abgekauft." 1897. Hs«»M»ß de» 12. Avgvß ik a lih ■MUH®® <*=«!’ re ur das Streben macht aus Erden Glücklich. Regt Euch d'rum und ringt! Oft ift'S eine Lust, zu werden, Was zu sein nur Unlust bringt. G. W. So sind die Menschen! Sie suchen früh und spät Das Bittere im Kelche; Wer keine Plage hat, Der macht sich welche. Kotzebue. Hannah Johnson hatte ihre Rache schon vor Wochen geplant. Sie sprach kie verhängnißvollen Worte langsam und nachdrucksvoll und ließ dieselben wie Bomben mitten unter die aristokratische Versammlung fallen. Alle Anwesenden, selbst der Geistliche, standen wie versteinert. Polly war von ihrem Sitze aufgefahren, hatte sich aber unentschlossen wieder gesetzt- ihr Gesicht war aschgrau vor Bestürzung. „Hätten Sie nur in jener Nacht auf der Terrasse auf meine Worte hören wollen," fuhr Honnah Johnson zum Bräutigam gewandt fort, „so würden Sie diese Thatsachen schon früher erfahren haben. Es ist Ihre eigene Schuld, daß Sie von ein paar Weibern genarrt wurden. Um sich das Geld der Greylocks zu sichern, sah Roberts Wittwe sich genöthigt, ein Kind zu finden, welches die Stelle ihres eigenen tobten Kindes einnehmen konnte. Es war um die Zeit, als sie Ihnen die Briefe schrieb, Madame," sagte sie mit einem Blick auf Miß Pamela, die starr wie eine Statue dastand. „Wir waren fast mittellos. Wir fanden dieses kleine Mädchen auf der Straße bettelnd- sie hatte blonde Haare und blaue Augen, gerade wie Robert Greylock, und war hübsch genug, um die Herzen aller harten, alten Großväter in der Welt aufzuthauen. Ich verfolgte ihre Spur bis zu einem elenden Miethshaus, wo sie mit einer Schwester und einer alten Hexe wohnte, welche die beiden Kinder unter ihrer Obhut hatte, gab der Alten hundert Dollars — von Ihrem Gelde, Madame — und nahm das Kind mit fort. Anfangs machte uns die Kleine nicht wenig Verdruß, denn Tag und Nacht schrie sie nach ihrer Schwester, obgleich wir sie schlugen und mit narkotischen Mitteln betäubten. Endlich wurde sie krank- wir fürchteten schon, daß sie sterben würde, allein sie hatte ein zähes Leben, und als sie sich wieder erholte, schien sie die Vergangenheit vergessen zu haben. Wohl verlangte sie hin und wieder nach ihrer Schwester Polly- allein die Schläge, die sie von mir erhielt, eurirten sie bald gänzlich von dieser Unart. Wir fanden sie sehr talentvoll und gelehrig. Sie fand sich ohne Mühe in die Rolle, die sie zu spielen hatte, und nun brachte Mrs. Iris sie nach Greylock Woods und stellte sie Godfrey Greylock als seine Erbin, als das Kind seines tobten Sohnes, vor. Hahaha!" Gobfrey Greylock taumelte unb mußte sich an bem Altargitter fcsthalten- kein Auge hatte jemals einen solchen Ausdruck in seinem Gesicht wahrgenommen wie in diesem Moment. „Es ist eine Lüge!" schrie er mit heiserer Stimme. „Das Weib ist toll!" „Fragen Sie doch Ihre Schwiegertochter, ob es eine Lüge ist," höhnte Hannah Johnson mit einem Blick auf Mrs. Iris, welche vor Schrecken an allen Gliebe u bebend, das Gesicht in ihrem Spitzentaschentuch verbarg. „Sieht sie wohl aus, als ob es eine Lüge wäre?" Godfrey Grehlock ergriff die Wittwe seines Sohnes ungestüm beim Arm und rief: „Reden Sie! Bin ich alle diese Jahre hindurch Ihr Narr gewesen? Reden Sie! Ist die Geschichte wahr oder falsch?" Iris sah, daß Alles verloren, daß das Ende ihrer niederträchtigen Pläne und Lügen gekommen war. Sie machte daher keinen Versuch, zu leugnen, sondern sagte: „Es ist wahr. Warum sollte ich es jetzt noch in Abrede stellen? Sie allein sind schuld daran, Godfrey Greylock, Sie haben mich dazu getrieben. Ich war dem Hungertode nahe,- wie konnte ich ohne das Kind hoffen, von Ihnen eine Unterstützung zu erhalten? Unglücklicherweise war meine eigene Tochter schon Jahre vorher gestorben." „Ja, sie ließ sie sterbend zurück, als sie mit Arthur Kenhon durchbrannte," ergriff Hannah Johnson schadenfroh wieder das Wort. „Sobald die Beiden von Robert Greh- locks Selbstmord Kunde erhielten, heiratheten sie einander. Bald daranf trat ich in Mrs. Kenyons Dienst. Sie führte ein Katzen- und Hundeleben mit ihrem zweiten Manne. Sie brachten sein ganzes Vermögen und ihren eigenen Erwerb miteinander durch. Endlich ließen sie sich in einer westlichen Sradt scheiden und Jedes ging nun seinen eigenen Weg." „Verrätherin!" schrie Mrs. Iris. „Jetzt hast Du Alles gesagt- es bleibt nichts mehr zu verheimlichen übrig!" Godfrey Greylock stand einen Angenblick still, wie um alle seine Kräfte zu sammeln, um diesem vernichtenden Schlag die Stirn zu bieten- dann sah man ihn wanken und eine Hand ausstrecken — die Braut stieß einen entsetzlichen Schrei aus, den ersten und einzigen, vcr von ihren Lippen kam, und der Gebieter von Greylock Woods fiel, ohne einen Laut von sich zu geben, nieder und blieb, das Gesicht dem Boden zugewandt, regungslos liegen. Sir Gervase ließ die Hand seiner Braut los und eilte mit dem Geistlichen herbei, um den Gefallenen aufzuhebcn. Nie sollten diese stolzen Augen wieder im Zorn erblitzen- nie sollten sich diese strengen Lippen wieder öffnen. Wie zum Hohn fiel das Gesicht des gemalten Fensters auf sein graues Haar. Es bedurfte keiner Stimme, um die schreckliche Wahrheit zu verkünden- dieselbe war Allen offenbar. Der Schlagfluß, jener heimtückische Feind, der wie ein Blitz auf sein Opfer losstürzt, hatte sein Werk rasch nnd gründlich gethan. Alles war vorüber- regungslos, stumm, tobt lag Godfrey in den Armen Derer, die ihn aufgehoben hatten. Eine furchtbare Verwirrung entstand nun. Die hochzeitlich geschmückte Kirche war in einen Tempel des Todes verwandelt. Iris Grehlock stieß einen hysterischen Schrei aus, klammerte sich an Sir Gervase und rief: „Oh, Sie lassen mich doch nicht im Stiche! Sie werden doch nicht dulden, daß ich auf die Straße gesetzt werde, um zu verhungern!" Miß Pamelas Jammergeschrei war herzzerreißend. Unwillkürlich streckte die geisterhaft blasse Braut die Arme aus, um ihrer alten Großtante zur Hülse zu kommen- diese machte eine abwehrende Bewegung und murmelte: „Nein, nein! Komm mir nicht nahe! Rühre mich nicht an! Du hast ihn getödtet! Du bist seine Mörderin!" Ethel Greylock wankte wie von einem Schlage getroffen. Ste blickte ihre Tante, deren Abgott sie seit Jahren gewesen war, einen Augenblick flehentlich an- dann wandte sie sich schnell wie der Blitz von dem Altar weg, vor dem an diesem Tage keine Hochzeitsgelübde ausgetauscht werden sollten, und eilte mit Entsetzen in den Zügen durch die Menge und der Thür zu. Noch ehe sie dieselbe erreichte, sprang Polly von ihrem Sitz auf und umschlang sie mit ihren Armen. „Es war meine Absicht," schluchzte die treue Schwester, „mich niemals zu erkennen zu geben- obwohl ich Sie von Anfang an kannte. Und nun, meille liebe, theure Nan, kennst Du mich wirklich nicht — Deine Schwester?" Ethel Grehlock achtete in ihrer Seelenqual der ausgestreckten Arme Pollys nicht- sie erkannte nicht einmal das Mädchen, das ihr das Leben gerettet hatte und der Name, den sie als kleines Kind geführt, klang wie ein fremder Ton in ihre Ohren. „Nein, ich kenne Sie nicht," antwortete sie heiser, „ich habe keine Schwester." Mit diesen Worten schob sie Polly sanft bei Seite und eilte durch das Portal hinaus auf die Straße, die von einer Menge neugieriger Gaffer angefüllt war. Unmittelbar vor der Kirchenthür hielt eine Kutsche von Greylock Woods. Ethel näherte sich derselben und gab dem Bedienten auf dem Bock ein Zeichen. Derselbe sprang herunter und öffnete den Schlag. „Fahre mich so schnell wie möglich nach dem Herrenhause!" befahl sie mit heiserer Stimme. Sodann stieg sie ein und zog den seidenen Vorhang über das Fenster der Kutsche herab. Als Polly, die nachgefolgt war, die Thür der Kirche erreichte, flogen die Pferde bereits die Straße hinauf. Jetzt kamen auch die Hochzeitsgäste aus der Kirche. Auf jedem Gesicht war Bestürzung zu lesen, Niemand schien an die Braut zu denken — die falsche Creatur, die von einem gewissenlosen Weibe auf der Gaffe aufgelesen und schändlicher Weise dem aristokratischen, alten Greylock als seine rechtmäßige Erbin vorgestellt worden war. Sie stürzten alle in die Kutschen, um so rasch wie möglich hinwegzukommen von einem Orte, wo statt hochzeitlicher Freude der Tod an den Altar getreten war. Jeder schien überdies begierig, den Seinigen zu Hause die schreckliche Neuigkeit mitzutheilen. Polly vermochte sich nur mit Mühe dem Gedränge zu entziehen. Sie hatte den Befehl vernommen, den Ethel dem Kutscher gab, und machte sich nun eilig auf den Weg nach der Villa. Nan gehörte ihr jetzt wieder an. Alle ihre Freunde hatten sich von ihr abgewandt- selbst der Baronet hatte keinen Versuch gemacht, sie zurückzuhalten, als sie aus der Kirche eilte. Allerdings war er so von dem tobten Godfrey Greylock und der jammernden Iris in Anspruch genommen, daß er die Flucht seiner Braut wohl kaum bemerkt hatte. So mußte denn Polly selbst ihrer geliebten Nan nacheilen und sie in dieser Stunde der Verzweiflung und Seelenqual zu trösten suchen. Sie schlug den kürzesten Weg über die gefrorenen Salzwiesen ein. Nie war ihr der Pfad so unendlich lang vorgekommen. Sie flog mit der Geschwindigkeit eines Vogels über den schlüpfrigen Grund dahin, und dennoch war es ihr, als käme sie gar nicht von der Stelle. Endlich tauchte der braune Thurm des Herrenhauses vor ihren Augen auf. Sie stürzte in das Haus, wo die Dienstboten sich bereits in Gruppen versammelt hatten und sich flüsternd miteinander unterhielten, als sie geahnt, daß sich ein großes Unglück zugetragen habe. Die alte Hopkins eilte ihr entgegen. „Ist sie hier?" keuchte Polly. „Ja, sie ist hier — wenn Sie Miß Ethel meinen," antwortete die alte Haushälterin verwirrt und zusammenhängend. „Was ist vorgefallen? Können Sie es uns sagen? Sie kam vor einigen Minuten wie ein Geist hereingestürzt- kein Bräutigam, kein Großpapa, Niemand war bei ihr. Sie sah entsetzlich aus und wollte auf keine Frage Antwort geben, flog die Treppe hinauf und schloß sich in ihrem Zimmer ein. Ich pochte seither unablässig an die Thür und bat und flehte- doch umsonst, ich erhielt keine Antwort. Mein Gott, reden Sie! Ist der Baronet gestorben oder fortgelaufen? Hat die Trauung stattgefunden oder nicht?" „Die Trauung hat nicht stattgefunden," antwortete Polly. „Es haben sich schreckliche Dinge zugetragen, Mrs. Hopkins — die schlimmsten, die Sie sich vorstellen können. Allein kommen Sie mit mir, kommen Sie! Sie muß die 871 Thür öffnen, muß mit uns reden — sie ist in Verzweiflung, sie wird sich ein Leid anthun." „Gerechter Himmel! Was ist denn vorgefallen?" rief die alte Hopkins. „Es fand eine Unterbrechung der Ceremonie statt. Godfrey Greylock fiel tobt nieder. Sagen Sie den Dienstboten, daß sie das Hochzeitsfrühstück wegräumen, und sich auf den Empfang der Leiche ihres Herrn vorbereiten sollen." Mit diesen Worten flog Polly die Treppe hinauf und pochte leise an Ethels Thür. „Oeffnen Sie, meine Freundin, Miß Greylock!" bat sie mit zitternder Stimme- sie wagte es nicht, sie abermals „Schwester" zu nennen. Kein Laut ließ sich von innen vernehmen. Bitterlich weinend rief Polly: „Muth, meine theure Miß Greylock! Sie werden nicht verstoßen oder verlassen sein. Es ist ja nicht Ihr Werk — Sie wenigstens sind unschuldig. Oeffnen Sie einer Freundin, welche sie liebt, die Thür!" „Oh Gott! Sollte sie ihrem Leben ein Ende gemacht haben?" rief die alte Hopkins besorgt. „Ich habe schon von solchen Dingen gehört. — Hier ist ein Glas Wein für Sie, Miß Greylock — sie müssen schwach und erschöpft sein. Oeffnen Sie der alten Hopkins die Thür!" Sie lauschten, doch keine Antwort, keine Bewegung war zu vernehmen. Die Thür war fest verschlossen, und eine tödtliche Stille herrschte in dem Zimmer. Plötzlich vernahm sie Fußtritte hinter sich. Polly wandte sich um und erblickte Sir Gervase Greylock- sie warf ihm eilten vorwurfsvollen Blick zu, allein keine Bewegung seines Gesichtes verrieth, was in ihm vorging. „Wo ist sie?" fragte er. Die Haushälterin deutete auf die Thür und sagte: „Da drinnen, Sir. Sie will aber weder antworten, noch ausmachen. Ich fürchte, sie hat sich ein Leid angethan." Der Baronet rüttelte heftig an der Thür und rief: „Mache auf, Ethel!" Sie blieb inbeffen gegen seine Stimme ebenso taub, wie gegen die Stimme der Anderen. „Deine Freunde sind hier, Ethel — komm heraus!" rief er. Sie kam nicht und antwortete auch nicht. „Das geht nicht mit rechten Dingen zu," sagte der Barouet. „Treten Sie bei Seite!" Polly und die alte Hopkins gehorchten, worauf Sir Gervase die Schulter gegen die Thür stemmte und dieselbe aus ihren Angeln hob. Die Drei eilten nun in Ethels Zimmer. Die Wmtersonne schien durch die Fenster in das Gemach hinein. Auf dem Boden lagen das prächtige Atlaskleid, der Brautschleier und die Orangenblüthen — die gesammte Trauungstoilette, wie die Trägerin sie in wilder Hast von sich geworfen hatte. Das Zimmer selbst aber war leer. Eine andere Thür, die nach einem Ankleidezimmer und nach Pamelas Gemächern führte, stand weit offen, wie um den Weg anzndeuleu, den die Flüchtige eingeschlagen hatte. Die Drei liefen hin und her, suchten, riefen ihren Namen, allein Ethel blieb verschwunden. (Fortsetzung folgt.) Die Dienstmädchenfrage in den Vereinigten Staaten von Nordamerika.*) Es kann wohl ohne Uebertreibung gesagt werden, daß dieses Thema, die Dienstmädchenfrage, ein geradezu uner*) Wir entnehmen diesen interessanten Artikel mit Genehmigung der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart dem soeben erschienenen ersten Heft des neuen Jahrgangs der weltbekannten Familien- Zeitschrift „Jllustrirte Welt", die wir hiermit allen unfern verehrten Lesern bestens empfehlen möchten. Das brillant ausgestattete Heft sendet jede Buchhandlung auf Verlangen zur Ansicht ins Haus. Die Redaction. schöpflicher Gegenstand des Gespräches und der Erörterung ist, von einem Ende unseres Landes bis zum andern, vom Atlantischen Ocean bis zum Stillen Meere. Mit den männlichen Dienstboten, welche in einem Haushalt augestellt werden, Gärtner, Kutscher, Hausdiener, lassen sich, wie es scheint, die gegenseitigen Ansprüche, die Begriffe über deren Rechte und Pflichten viel leichter ordnen als mit den weiblichen. Freilich sind die erstgenannten auch in viel geringerer Zahl vorhanden, und dann wohnen sie meistens nicht im Hause, und ihre Arbeitsstunden haben eine gewisse Grenze. Es ist schon oft behauptet worden, daß auch in der Dieitstmädcheufrage nicht eher eine Lösung sowie Ruhe und Frieden eintreten würde, bis auch diese bei ihren Verwandten oder in einem andern Logis wohnen und so die übermäßig langen Arbeitsstunden abgeschafft werden könnten, während sie die Abende gewiß lieber bei Verwandten oder Freunden zubringen möchten als in der Einsamkeit und Einförmigkeit ihrer Küche. In manchen Gegenden von Südamerika gibt es bereits solche Einrichtungen, wie man uns erzählt. Köchinnen und Hausmädchen bestehen dort darauf, daß sie spätestens gegen acht Uhr Abends zu ihren Familien gehen können und vor sieben oder acht Uhr Morgens nicht wieder zu kommen brauchen. Es wird deßhalb in manchen Häusern eine Scheibe ans einem der Fenster genommen, um es dem Milchverkäufer ober bem Bäcker zu ermöglichen, ihre Waare abzuliefern, ohne bie Hausbewohner in ihrem Schlummer zu stören. Diese Dienerinnen werden gut bezahlt- man sagt ihnen jedoch nach, daß sie gewohnheitsgemäß Speisereste nebst Obst und Backwerk mit zu ihren Freunden nehmen, um diesen davon eine gute Abendmahlzeit aufzutischen. (Aehnliches kommt auch wohl anderwärts vor.) Dabei plagen sie sich keineswegs übermäßig mit Arbeit- selbst wo zwei bis drei Frauenzimmer zur Hilfe in einer Familie sind, muß noch eine andere Person zum Waschen kommen, und selten wird im Haus gebacken. Meistens sind es Farbige, die so in Dienst gehen- sie werden den Weißen vorgezogen, weil diese oft sich in noch höherem Grade unangenehm und fehlerhaft zeigen. In unfern Südstaaten hatten es vor dem Kriege die Hausfrauen leichter in Bezug auf Bedienung- das heißt in mancher Beziehung. Die natürliche Trägheit der Negerinnen, ihr Mangel au Ordnungssinn, ihre Vergeßlichkeit wird den Herrinnen wohl auch zu schaffen gemacht haben. Manche Gewohnheiten der schwarzen Köchinnen, zum Beispiel daß sie alle möglichen Dinge in ihren großen Kleidertaschen zu tragen pflegten, als da sind: eine Museatreibe und einen Frisir- kamm, eine Citrone und ein Stück Seife, ein Papierchen mit Pfeffer und ihren vielgebrauchten irdenen Pfeifenstummel, möchten wohl keiner Hausfrau in Nord ober Süb gefallen. Aber bie südliche Haushälterin hatte ein halbes Dutzeub zur Hülfe, wo bie nörbliche nur eine Person hat- bie Selavinnen würben von Kinbheit auf in einem besonderen Zweig der Hausarbeit unterwiesen und setzten einen gewissen Stolz darin, wenn sie sich auszeichneten und belobt wurden. Niemand beeilte sich in südlichen Haushaltungen, weder die Herrschaft, noch die Bedienung- in behaglichster Weise verliefen auf den breiten Veranden vor den Küchen die Vorbereitungen für die Mahlzeiten, das Rupfen des Geflügels, Verlesen von Gemüsen- und die anderen Arbeiten des Haushalts wurden da auch verrichtet, Waschen und Bügeln, Kleider und Teppiche klopfen, dazwischen tummelten sich die kleinen Wollköpfe, und die alten „Mammys" saßen im Schaukelstuhl dabei. Das Lochen und Schäkern, Plaudern und Singen schien durch die Arbeit kaum unterbrochen zu werden. Die jungen Negerburschen und die alten „Onkel", die zwischen dem Hause und Hof nebst Stallung eifrige Verbindung unterhielten, trugen ihr gutes Theil zu der allgemeinen Gemüthlichkeit bei. So verhielt es sich oft mit der Hausdienerschaft, bie nur unter bem Seepter einer hoch meistens feiner unb nachsichtigen Familie staub - anders war es auf dem Felde unter der Fuchtel des Aufsehers. Jetzt machen auch wohl die Hausfrauen im Süden bittere Erfahrungen durch- alte Neger- 372 englische Wort, welches sie lernen, ein deutsches vergessen. Kommen sie dann wieder zu ihren Landsleuten, so bringen sie öfters ein wunderliches Kauderwelsch zu Tage. Es gibt keinen Ofen mehr für sie, er ist jetzt ein Stove, sie gehen keine Treppe mehr hinauf, sondern up Stairs, sie hängen den Cloak in das Closet, statt den Mantel in den Schrank, und fegen den Carpet mit dem Broom, statt den Teppich mit dem Besen. Im Verkehr mit diesen Sprachverderberinnen kann man wohl gelegentlich in ähnliche Fehler verfallen, wenn man sich auch nach eigener Neigung und hauptsächlich der Kinder wegen stets Mühe gibt, sich die Muttersprache ungemischt zu be- wahren. Von den Mädchen aus germanischem Stamm ebensowohl als von den Schwedinnen behauptet man, daß sie am umgänglichsten sind, wenn sie noch nicht lange in Amerika waren, also noch grün sind, wie man das hier ausdrückt - später würden sie auch anspruchsvoller, unfügsamer, und das mag schon so sein. Die Dienstboten haben hier allerdings noch keine Schutz- und Trutzvereine mit Staturen und regelmäßigen Versammlungen, mit Aufrufen und Berichten in den Tagesblättern, aber sie müssen doch ihre Quellen haben, woher sie ihre Kenntniß des Dienstverhältnisses und der damit verbundenen Rechte und Pflichten schöpfen. (Schluß folgt.) köchinnen hört man zuweilen klagen: „Seit das hier mit dieser Freiheit im Gange ist, lernt kein einziges Negermädel mehr so arbeiten wie es sich gehört." In früheren Zeiten war in amerikanischen Familien des Nordens das Verhältniß zu den Dienstboten mehr patriarchalisch - sie aßen mit der Herrschaft an einem Tisch und nahmen an allen häuslichen Vorkommnissen Theil. Man nannte sie niemals „servants“, sondern „help“, von dem Hausmädchen hieß es nie: „Sie dient bei uns", sondern: „Sie lebt mit uns, sie wohnt bei uns." Noch jetzt sprechen manche Amerikanerinnen und auch Deutsche von ihren Mädchen in dieser Weise. Als aber die Bevölkerung sich ausbreitete, die Städte sich vergrößerten, und besonders die Einwanderung so viel neue Arbeitskräfte brachte, und überhaupt der europäische Ton sich mehr geltend machte, wurde es wesentlich anders mit solchen Auffassungen. Die jungen Irländerinnen, welche hier einzogen, um der Hungersnoth auf der grünen Insel zu entgehen, und die sich dann als Hausmädchen hier veiinierheten, waren im Ganzen nicht geeignet, diesem Stand besondere Achtung zu verschaffen. Sie hatten meistens auf den Gütern der großen Grundbesitzer im Felde gearbeitet, kannten von Hausarbeit rein gar nichts, wußten oft nicht einmal die Namen der einfachsten Küchengeräthe und zeigten sich zuerst fabelhaft unbeholfen und ungeschickt. Da wurden unter ihren plumpen Händen die Ränder der hübschen Teller und Tassen abgestoßen, das feine Glasgeschirr erhielt Sprünge oder ging in Scherben, geschälte Kartoffeln wurden in die Waschschüssel gelegt, neue Servietten zum Topfanfassen und gute Handtücher zu Scheuerlumpen verwendet. Nicht einige Minuten konnte man das Essen ihrer Obhut überlassen, ohne zu gewärtigen, daß cs in Grund und Boden verbrannt sein würde, wenn man es wieder erblickte. Eine deutschländische Hausfrau mit ihren in geregelten Zuständen ausgewachsenen Mägden kann sich wohl von solcher Misere kaum eine Vorstellung machen. Und doch konnte man auch diesen Unholdinnen nicht ganz die Theilnahme versagen- es war nicht ihre Schuld, daß sie in solcher Armseligkeit aufwuchsen- sie hatten dabei Heimweh nach den Ihrigen, nach dem Leben im Freien, nach den vielen Feiertagen der katholischen Kirchen, den Märkten und lustigen Gesellschaften, nav der milden Luft ihres Heimathlandes. Diese Abgeschlossenheit in der fremden Küche, wo es nur Arbeit gab und wo es niemals Feiertag war, mußte ihre Stimmung bedrücken und verbittern. Ihr ganzes Sinnen stand meistens darauf, recht bald genug Geld nach Irland zu schicken, um die Ihrigen Nachkommen zu lassen,- großartig ist die Summe der Beitrüge, die von diesen armen Mädchen ihren noch ärmeren Verwandten zugesandt wurden. Sie lernten sich später fügen in das Ungewohnte; manche wurden geschickt und fleißig, dabei gut gelaunt und anhänglich, aber im Allgemeinen hat sich das irländische Küchenmädchen recht unbeliebt gemacht, und seit Deutsche und Schwedinnen in großer (aber immer noch nicht genügender) I Anzahl zu haben sind, wird oft dem Gesuch in der Zeitung nach einem tüchtigen Dienstmädchen der Zusatz beigefügt: „Keine Irländerin braucht sich zu melden." Die Nachfragen kommen immer von den Hausfrauen- eine Merkwürdigkeit ist cs, wenn ein Dienstmädchen auf diese Weise einen Platz sucht. Zu den Stellenvermittlerinnen kommen stets mehr Damen, a:s mit häuslicher Hülfe versorgt werden können. Die schwedischen sowohl als die deutschen Mädchen zeigen sich viel anstelliger und auch williger in der Haushaltung als die Jrtänderinnen. Sie waren eben mehr im Hause beschäftigt und haben es einigermaßen gelernt, Sachen zu schonen und Anweisungen zu folgen. Wenn sie zu Amerikanern kommen, hat es oft seine Schwierigkeiten, daß sie sich mit den neuen Hausgenossen verständigen, aber man muß sich oft wundern, wie bald sie sich die nothwendigste Sprachkenntniß aneignen. Den deutschen Mädchen sagt man oft nach, daß sie für jedes \ V-rmriseht-s. Uever die Toiletten der Kaiserin für die Petersburger Reise schreibt der „Confectionär": Die Toiletten sind I sämmtlich durch die Kostbarkeit der Stoffe, die Eleganz des Schnittes, die Sorgsamkeit der Mache und die Abwechselung I in der Decoration und vielfach durch ganz besonderen Geschmack ausgezeichnet. Sie sind es, die bei den bedeutendsten Momenten der Reise, bei der Einfahrt, bei Galatafeln, beim Galahofball getragen werden sollen und zu zeigen haben, daß gegenüber den durchaus französischen Toiletten der russi- I sehen Hofgesellschaft die besten deutschen Arbeiten gleichwerthig I sind. Eine fliederfarbige Seidentoilette, mit einer reich mit Perlen bestickten, in Corseletform gearbeiteten Taille und einem faltenreichen Rocke, dessen Rand mit überstickten, blitzenden Spitzenauflagen bedeckt ist, wird übertroffen durch eine Seidentoilette aus rosafarbenem Damast mit reichem Schwertlilienmuster. Die Taille mit Kragen in der Art der | Maria von Medici hat eine leichte Goldstickerei in künstlerischer Linienführung und eine Garnirung aus Goldspitzen, die mit Brillanten besetzt sind. Der Rock dieses weithin wirkenden schweren Damastes ist absichtlich ohne Verzierung gelassen. Sehr kostbar ist eine aus schwerem Atlas hergestellte Hofballtoilette. Unter einem Ueberwuif aus stellenweise durchbrochenem weißen Atlas ist in zartem Rosa ein Atlasunterkleid. Die durchbrochenen Stellen sind mit Cremespitzen, welche mit Brillanten übersät sind, gemustert. Eine Wolke von rosa Creppelisse umgiebt den Ausschnitt der in ähnlicher Weise ausgestatteten Taille. Diese Toilette ist von großartiger Wirkung. Nicht minder effectvoll ist die Besuchstoilette aus zartem Liladamast mit weißen Medaillons, in welchen Rosenbüschel eingestreut sind. Während Rock und Jacket aus diesem Stoffe sind, ist eine weiße Atlasweste auf das Zierlichste und Reichste bestickt mit Rosenbüscheln und Lilablüthen in der feinsten Flachstickerei. Dieses Costüm erinnert in der Machart ganz an die Zeit Louis XVI. Die Stickereien dieser Toiletten stammen aus dem Atelier der Vorsteherin der Düsseldorfer Kunststickereischule, Frau Tina Frauberger, die Costümes sind aus dem Atelier des Hoflieferanten Heinrich Scheuer in Düsseldorf hervorgegangen. Katheder-Blüt he. „Die römischen Kaiser wurden alle mehr oder weniger ermordet!" Redaktion: SL S-Heyda. — Druck und «erlag der Brühl'schen UniverfltätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & S-heyda) in Gießen.