, nach Amerika ’r gelangte ich Enttäuschungen, Stellung verhalf, i „Goldkönige", zu mir gefaßt die mich in sein ne, seine einzige ten Male. Sie mische war, be- chland erzählen, sorgen und sie ist viel selbst- :l unantastbarer arme deutsche lgen zu Evelyn tone überhaupt n — gleitet, als sie cs war meiner 7 en, »rücke, i, rs geschehen — uns ja so lieb! len Goldkönige heres Schicksal. dem einfachen mich in fern hat mir gesagt, meine Tochter :nug ist, ihrer ihr das bieten, amen sein. — rir ein kleines nd einen Brief versuche nicht, muß ohne Dich ue Evelyn." :rst nach dem sserleitung sich Sie läßt den esen Uebelstand : doch daran," kühles Wasser auß ich immer — „Nicht er ist die Lei- i in Gießen. SamsMß bt« 12. Juni. Ul W Rückert. Bescheidenheit, ein Schmuck des Mann's, steht Jedem fein, Doch doppelt Jenem, der Grund hätte, stolz zu sein, fcta. - - - Das sind die Weisen, Die durch Jrrthum zur Wahrheit reifen. Die bei dem Jrrthum verharren, Das sind die Narren. Rückert. Das Kind der Tänzerin. Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann. (Fortsetzung.) Die Dame fuhr plötzlich zusammen,- sie wurde leichenblaß — eine unbeschreibliche Angst malte sich auf ihrem schönen Gesicht- sie schlang den Arm um das liebliche Kind an ihrer Seite und rief dem Kutscher zu: „Schneller fahren!" Die muthigen Thiere zogen rasch an, und bald verlor sich der glänzende Landauer unter dem Wagengewühl. Ohne zu wissen, was ich that, lief ich dem Wagen nach und rief verzweifelt aus: „Halt! Halt!" Niemand achtete auf meinen Ruf. Ich gerieth unter ein Gewirr erbarmungsloser Räder- Pferdehufe klirrten rings um mich her. Jemand rief mir eine Warnung zu- ich glaube, es war der junge Mensch, der mir das Geld gegeben hatte- ich achtete jedoch nicht auf seine Stimme. Der Landauer entfernte sich immer weiter- ich vermochte ihn kaum noch zu sehen. Noch eine verzweifelte Anstrengung machte ich, ihn einzuholen. Mit lautem Aufschrei streckte ich den Arm aus, als ich plötzlich zur Erde niedergeschmettert wurde. Hufe und Räder gingen über mich hin — es schien, als ob mein dürrer Leib zu Brei zerquetscht werden sollte. Der Erste, der mir zur Hilfe herbeieilte, war der gut- müthige Jüngling - er zog mich unter den Hufen der Pferde hervor, und ich hörte ihn sagen: „Sie ist arg verletzt, das arme Geschöpf!" Eine andere Stimme antwortete in gereiztem Ton: //Es ist ihre eigene Schuld- den Kutscher trifft kein Vorwurf." „Wir müssen sie nach dem Hospital bringen. Gott sei Dank — da biegt eben eine Ambulanz in die Straße ein!" „Haltet die Kutsche an!" rief ich mitten in all meiner Qual- „die Equipage mit der Dame und — dem kleinen — Mädchen —" Dies waren die letzten Worte, die ich hervorbringen konnte, dann schwand mir das Bewußtsein. 9. Capitel. Ein Blatt aus dem Tagebuche einer Tänzerin. Nach einer Abwesenheit von sechs Jahren befinde ich, Iris Greylock, mich wiederum in New - Uork, das so viele schreckliche Erinnerungen in mir wachruft und das ich in meinem Leben nie wieder sehen zu müssen hoffte. Ich war genöthigt, meine letzten Schmucksachen zu verkaufen, um die Reise von New-Orleans zu bestreiten, meine Juwelen, die Trophäen so vieler errungener Triumphe. Das Herz blutete mir, als ich mich davon trennen mußte- allein ich brauchte Geld. Es find jetzt zwei Jahre verflossen, seitdem mein Elend begann. Während dieser ganzen Zeit habe ich Hannah Johnson nicht einen Dollar Lohn bezahlt- dennoch harrt sie bei mir aus, nicht sowohl aus Liebe zu mir, als vielmehr, weil sie auf eine nachträgliche Entschädigung hofft, wenn ich das harte Geschick, das mich jetzt niederbeugt, überwunden haben werde. Werde ich es je überwinden? Wir haben in einem unscheinbaren Viertel ein Kosthaus bezogen, in welchem der Tisch herzlich schlecht und die ganze Umgebung verdächtig ist. Arm und zugleich wählerisch sein ist ein doppeltes Unglück. Ich finde keine Worte, um meinen Abscheu auszudrücken, in welcher Gestalt sie sich auch offenbaren möge- seit ich Luxus und Wohlleben gekostet habe, ist meine Abneigung gegen Entbehrungen um das Hundertfache gestiegen. Wahrhaftig, ich vermag dieses Leben nicht länger zu ertragen, es muß etwas geschehen! Ich habe Hannah heute nach einem Wagen ausgeschickt - wir sind dorthin gefahren, wo ich einst mit dem armen Robert lebte und litt. Dort, so dachte ich bei mir, werde ich sicherlich Auskunft über unser Kind erhalten. Ein Dolchstich drang mir durch das Herz, als wir in die Straße einbogen, und ich bemerkte, daß das Haus, in dem wir gewohnt, verschwunden. Es war niedergerissen worden, um einem großen Geschäftslocal Platz zu machen. Arbeiter waren noch damit beschäftigt, den Schutt und die Trümmer hinwegzuräumen. Meine ehemalige Wirthin und ihre Dienerin Martha — wo waren sie? Vergeblich suchte ich die Arbeiter nach ihnen auszufragen. Ich hinkte in der ganzen Nachbarschaft umher, in der Hoffnung, Auskunft zu erhalten, doch Alles war vergeblich. Muthlos und niedergeschlagen ließ ich mich von - M - Hannah wieder in den Wagen heben, und als er sich wieder in Bewegung setzte, brach ich in ein fürchterliches Weinen aus. „Was soll jetzt werden? Oh, Hannah!" sagte ich unter Schluchzen zu der neben mir Sitzenden. „Ich habe diese lange, weite Reise gemacht, habe meine letzten Schucksachen verkauft, um Auskunft über das Schicksal meines Kindes zu erhalten, und was ist das Resultat? Die Wirthin und ihre Magd sind fort, Gott weiß wohin; die Arbeiter sagen, das Haus habe schon Monate lang vor dem Abbruch leer gestanden. Du würdest besser daran thun, mich meinem Schicksal zu überlassen." „Verlieren Sie den Muth nicht, Madame," antwortete Hannah; es giebt Kinder genug in der Welt, und für ein paar Dollars können Sie sich jederzeit eins kaufen." Hannah ist eine Engländerin von Geburt; ick war in England, als ich sie in meine Dienste nahm. Oh, jene schönen frohen Nächte im Covent Garden! Doch ich darf nicht an die Vergangenheit denken, es würde mir den Verstand rauben. Hannah ist klug und verwegen; jetzt aber giebt sie mir einen Wink, der mir zu gefährlich erscheint, als daß ich ihn ernstlich in Betracht zu ziehen wage. Ich fluche mir selbst wegen meiner kurzsichtigen Thorheit. Warum mußte ich das Kind im Stich lassen? Warum nahm ich es nicht mit, als ich vor sechs Jahren den Staub dieser Stadt von den Füßen schüttelte, warum bedachte ich nicht, daß es mir eines Tages von Nutzen sein könnte — daß eS mir eine Waffe wider die Grehlocks in die Hanv geben würde? Aber konnte ich wohl damals meinen baldigen Wittwenstand, mein künftiges Mißgeschick vorhersehen? Ich ließ das Kind in den letzten Athemzügen zurück; ich bin sicher, daß es schon längst tobt ist. Der Doctor sagte mir, daß es unmöglich am Leben bleiben könne. Und dennoch wage ich es ohne dieses Kind nicht, auch nur einen einzigen Schritt gegen die Verwandten Roberts zu unternehmen; ich hungere fast und sie schwelgen in Luxus. • * * Eine ganze Woche lang habe ich mich umsonst bemüht, Auskunft über den Verbleib meiner ehemaligen Wirthin zu erlangen. Das Theater, in welchem ich einst tanzte, hatte einen neuen Director. Ich muß sehr vorsichtig zu Werke gehen. Nicht um Alles in der Welt möchte ich haben, daß meine früheren Bekannten von meiner Anwesenheit in der Stadt Kunde erhielten, am allerwenigsten, daß sie erführen, weßhalb ich hierher gekommen bin. Selbst Hannah fängt an, entmuthigt zu werden, um so mehr, da wir genöthigt sind, an diesem elenden Platze unser Kostgeld im Voraus zu entrichten. „Es scheint, Madame," sagte sie diesen Morgen zu mir, „daß unsere letzten Hülfsmittel erschöpft sind." Sie wird mißmuthig; sie läuft wahrscheinlich bald auf und davon. * * * Heute ging ich mit Hannah aus, um mir etwas Bewegung zu machen. Ich darf unter keinen Umständen hier krank werden; es hieße das Maaß meines Ungemachs zum Ueberfließen voll machen. Ich schleppte mich bis zum Park; dort ließ ich mich erschöpft auf einem Sitz nieder. „Hannah!" so sprach ich, „bei meiner unglückseligen Gebrechlichkeit ist es mir unmöglich, durch's Leben zu gehen, und wer soll mir eine Equipage liefern, in der ich fahren kann?" „Die Grehlocks von Blackport, Madame," erwiderte Hannah. Ihre Worte veranlaßten mich zu tiefem Grübeln, aus dem ich endlich durch herannahende Fußtritte aufgerüttelt wurde; ich blickte auf und sah eine Kinderchaise, die ein Dienstmädchen vor sich her schob; ein anderes Kind hüpfte mit einem Reifen neben der Magd her, deren struppiges Aussehen mir schon von Weitem bekannt vorkam. Sie näherte sich, und ein zweiter Blick verschaffte mir Gewißheit; es war Martha, die Dienstmagd in dem Hause, das ich mit Robert bewohnt hatte. Als sie die Stelle erreichte, wo ich saß, erhob ich mich und klopfte ihr auf die Schulter. Das dumme Geschöpf hatte mich gar nicht bemerkt. „Martha!" sagte ich, indem ich auf das Kind in der kleinen Chaise deutete, „wo ist mein Baby? Was hast Du damit angefangen?" Nie sah ich eine so erschrockene Creatur! Natürlich erkannte sie mich; ich habe meine einstige Schönheit noch nicht ganz verloren. Mit einem wilden Aufschrei blieb sie vor mir stehen. „Gerechter Himmel! Und jetzt kommen Sie noch. Madame? Soll mich das Baby denn bis in den Tod verfolgen?" Dann faßte sie sich plötzlich Muth und blickte mich trotzig an. „Sie haben es ja selbst mit fortgenommen," sagte sie; „Sie wissen, daß Sie es thaten; ich erzähle es Allen, und Niemand zweifelte daran." Ich fühlte mich sonderbar bewegt. „Martha, wer hätte gedacht, daß Du so klug wärest?" sagte ich; „komm, setze Dich neben mich auf diese Bank und erzähle mir Alles." Sie gehorchte ohne Widerstreben und theilte mir mit, was geschehen, seitdem ich mich an jenem Abende aus dem Hause entfernte; sie verbarg mir nichts. Und als sie mir nun Alles mitgetheilt hatte, was sie wußte, als ich Alles erfahren hatte, was ich zu wissen wünschte, erhob ich mich mit einem freudigen Gefühl, das mir aus der Seele kam. „Martha, Du bist klug," sagte ich, „natürlich nahm ich selbst das Kind mit fort. Hielt irgend Jemand es für möglich, daß ich mein Kind im Stiche, lassen würde, als ich die Stadt verließ? Ich wollte Dich nur zur Strafe für Deine Nachlässigkeit ein wenig erschrecken; sei mir dankbar dafür, daß ich so nachsichtig bin. Und nun gehe hin in Frieden, Martha Du hast mir einen Dienst geleistet. Adieu!" Ich ließ sie, starr vor Verwunderung mir nachgaffend, auf dem Fecke stehen und hinkte, auf Hannahs Arm gestützt, weiter. „Es war mein Mann, der das Kind fort nahm," sagte ich meiner Gefährtin. „Was that er aber damit?" fragte Hannah. „Kannst Du es nicht errathen? Er begab sich in derselben Nacht nach Blackport, nahm aber das Kind nicht mit sich. Warum? Weil es gestorben war, ehe er die Stadt verließ." „Sie haben einen scharfen Blick, Madame!" rief Hannah. „Nun, höre weiter; er erzählte den ©einigen nichts von dem Tode seines Kindes, denn sonst hätten sie keinen Boten abgeschickt, um Mutter und Kind nach der Entdeckung von Roberts Leiche nach Blackport bringen zu lassen. Wie Martha mir mittheilte, sagte der Mann, der in dem Hause vorsprach, Godfrey Greylock habe ihm aufgetragen, mich und das Kind nach Grehlocks Woods zu begleiten. Der Bote kehrte mit der Antwort zurück, daß ich geflohen sei, und das Kind mit mir genommen habe. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Geschichte nie widerlegt worden." „Nun, Madame?" drängte Hannah athemlos. Godfrey Greylock ist einer der reichsten Männer in dem Staate und hat keine Erben," antwortete ich. Wir kehrten nach unserm Kosthaus zurück. //Jetzt gilt es einen kühnen Streich um Rang und Reichthum!" rief ich. Sodann ergriff ich eine Feder und schrieb folgende Zeilen an Miß Pamela Greylock zu Greylock Woods bei Blackport: „Mit gebrochenem Herzen, lebensmüde und voll unaussprechlicher Trauer um ihn, der mich einst liebte und dieser Liebe Alles zum Opfer brachte, schreibe ich diese Zeilen, um Sie, seine geliebte Tante, die, wie er mir oft erzählte, einst Mutterstelle an ihm vertrat, zu bitten, mir über seine letzte Unterredung mit Ihnen Mittheilung zukommen zu lassen. Sprach er von mir — sprach er von seinem kleinen, unschuldigen Kinde — that er es in liebevollen Worten? Wenn Sie das Herz eines Weibes besitzen, so gewähren Sie mir den Trost, mich wissen zu lassen, daß seine letzten Worte uns galten. Iris Greylock." - 26t — Heute erhielt ich folgenden Brief von Miß Pamela Greylock: „In der Unterhaltung, die mein unglücklicher Neffe in der Nacht seines Todes mit seinem Vater hatte, lehnte er entschieden ab, sich in irgend einer Weise über Sie zu äußern. Seines Kindes erwähnte er kaum. Als er im Begriff war, aus dem Hause zu stürzen, bat ich ihn, mir von dem Kinde zu erzählen,- er antwortete mir, er habe keine Zeit dazu. Von liebevollen Worten war keine Rede. Mein Neffe war mein Liebling- gegen das Schicksal seines Kindes kann ich keine Gleichgültigkeit erheucheln, die ich nicht fühle. Auch bin ich nicht der Ansicht, daß die Sünden Anderer an dem armen, kleinen Wesen heimgesucht werden sollen. Es hieß, daß die Kleine sehr krank war, als ihr Vater starb. Ist sie wieder genesen? Ist sie wohl? Gleicht sie meinem unglücklichen Neffen? Verstehen Sie wohl, daß ich diese Fragen auf meine eigene Verantwortlichkeit an Sie richte und ohne das Wissen oder die Zustimmung meines Bruders, der sich gegenwärtig im Auslande aufhält und der meine Handlungsweise sicherlich mißbilligen würde." Ich klatschte entzückt mit den Händen. Wer hätte das gedacht, daß der arme, gute Robert in seiner letzten Unterredung mit seinem Vater so discret sein würde? Natürlich verabscheut diese Miß Pamela schon meinen Namen- sie glaubt alle die schlimmen Dinge, die ihr über mich zu Ohren kamen. Jedes Wort in ihrem Briefe ist ein verdammendes Urtheil über die Wittwe ihres Neffen. Von den wenigen Dingen, die ich noch in meinem Besitze hatte, nahm ich ein zwei Jahre altes Zeitungsblatt und schnitt folgenden Passus heraus: „Mit tiefem Bedauern vernehmen wir, daß Mademoiselle Sylphide, die reizende Tänzerin, gestern Abend im Metropolitan - Theater einen schweren Unglücksfall erlitt. Sie fiel durch eine auf der Bühne angebrachte Fallthür und zog sich einen doppelten Beinbruch, wie andere ernstliche Verletzungen zu- es ist sehr zu befürchten, daß sie nie wieder im Stande sein wird, das Publikum mit ihrer Kunst zu entzücken." Diesen Ausschnitt schloß ich in einen an Miß Pamela adressirten Brief ein, der folgendermaßen lautete: „Meine Kleine ist von ihrer Krankheit völlig genesen- sie ist gesund und kräftig, das leibhaftige Ebenbild ihres unglücklichen Vaters. In ihr finde ich meinen einzigen Trost für die Vergangenheit, meine einzige Hoffnung für die Zukunft. Wie Sie aus dem beifolgenden Zeitungsausschnitt ersehen werden, wurde ich vor zwei Jahren von einem großen Unglück heimgesucht- ich unterhielt durch meine Kunst mich und meinen Liebling in Comfort, wenn auch nicht in Luxus, als die Nachlässigkeit meines Bühnenzimmermanns mich in einem einzigen Augenblicke um Ruhm und Existenz brachte, meiner triumphreichen Laufbahn für immer ein Ziel steckte. Hätte der Gedanke an mein Kind mich nicht aufrecht erhalten, so wäre mir der Tod erwünscht gewesen. Das Geld, das ich mir erspart hatte, schmolz rasch dahin. Ich veräußerte meine Juwelen und alle meine übrigen Werthsachen- jetzt, nach zwei Jahren, bin ich dem Verhungern nahe und sehe die Thore des Armenhauses sich meinem Kinde öffnen. Ich frage Sie, was soll aus Robert Greylocks Tochter werden, da ich, ihre verkrüppelte, hilflose Mutter, nicht mehr im Stande bin, für sie zu sorgen." * * * Heute erhielt ich zu meiner Freude einen Check auf dreihundert Dollars, nebst einer kurzen, kalten Epistel von Miß Greylock, worin sie Anspielungen auf eine gerechte Wiedervergeltung macht. Sie lehnt jede weitere Correspondenz mit mir ab, bis sie von ihrem Bruder hierzu ermächtigt ist, dessen Rückkehr demnächst zu erwarten steht. Sobald er ankommt, will sie ihn auf die dürftigen Umstände, in denen sich seine Enkelin befindet, aufmerksam machen. Die dreihundert Dollars werden genügen, um mich auS meiner augenblicklichen Verlegenheit zu befreien, und mir zu einem anständigen Wittwenanzuge zu verhelfen. Ich hatte nie um Robert Trauer angelegt- jetzt aber, sechs Jahre nach seinem Dahinscheiden, muß ich mich in den Wittwenschleier hüllen. Hannah hat einen Wagen bestellt- diesen Morgen besuchen wir die Läden. Ich erwarte einen harten Kampf, mit Herrn Godfrey Greylock- er ist von Borurtheilen eingenommen- sein Herz ist hart wie Diamant- er kennt keine Sentimentalität, wie seine Schwester- allein ich fühle eS, ich werde ihn doch besiegen, denn — das Kind wird bis dahin gefunden sein! (Fortsetzung folgt.) Wie einst im Mai. Novellette von M. C. Carpenter-Meyer. (Schluß.) Ich ging. Fünf endlose Jahre lebte ich das Leben eines Sclaven, eines Hundes, durchkostete alle Gefahren und Schrecknisse des wilden Daseins eines Goldgräbers, um das zu suchen, was des Lebens und der Welt Glück scheint — Gold! So oft ich auch muthlos ward — Evelyns Brief machte mich stark und das Schicksal, das bisher so hart gegen mich, überschüttete mich in einer verschwenderischen Laune mit Riesenerfolgen. Am Ende des fünften Jahres kehrte ich zurück nach San Francisco — ein reicher Mann. Von unendlicher Sehnsucht getrieben, eilte ich in das Palais Johnstone, leise betrat ich den Salon. Evelyn saß am Clavier und sang wie damals: „Gieb mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke. Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei, Gieb mir nur einen Deiner süßen Blicke Wie einst im Mail" Ich wußte, sie war mir treu geblieben, das Lied, es sagte es mir- mit einem Freudenschrei sank sie in meine Arme. Bier Wochen später wurden wir getraut. Alles Glück der Erde schien für uns in der kleinen Villa zu wohnen, wo wir die Flitterwochen verlebten. Später wollten wir auf Reisen gehen, Evelyn sollte die Welt sehen. Rein und wolkenlos war der Himmel unseres Glücks, nur, wenn wir von unserer Reise sprachen, ward Evelyn stets ernst. „Liebling, ich freue mich so sehr, Deine Heimath zu sehen, aber eine grausige Angst foltert mich vor dem Wasser, vor dem Ertrinken — —" Ihr Vater und ich suchten nach Möglichkeit diese Furcht zu bannen und Evelyn gab sich Mühe, ihrer Schwäche Herr zu werden. So stände» wir eines Tages, Abschied nehmend von ihrem Vater, an Bord des „Albatroß" als Passagiere für Deutschland. Evelyn äußerte keine Furcht mehr, nur an dem ängstlichen Forschen über Korkwesten, Rettungsgürtel und Boote sah ich, daß sie noch immer von dem unseligen Gedanken gefoltert wurde. Wir hatten eine wundervolle Ueberfahrt, herrliche, milde Maiennächte waren es, die wir auf dem Deck znbrachten und nur wenige Stunden noch trennten uns von dem Ziele unserer Reise. Es wurde von uns lustigen Cajütspassagieren, bte wir überaus gesellig zusamnien gelebt, beschlossen, noch zum Schluß eine kleine (Soiree zu veranstalten. Damen und Herren erfreuten uns mit ihren Talenten, es wurde declamirt, gesungen, Theater gespielt. Die Wogen der Fröhlichkeit schlugen hoch, auch Evelyn sang ein Lied, ihr Lieblingslied. Das einfache deutsche Lied erregte großen Beifall und sie sang auf vieles Bitten noch einmal den letzten Vers: „Es blüht und funkelt heut auf jedem Grabe, Ein Tag im Jahre ist den Todten frei; Komm an mein Her-, daß ich Dich wieder habe Wir einst im Mai!" — 268 ES war zum letzten Male. Kaum hatte sie geendet, als ein Hin und Her, ein Laufen und Schreien oben auf Deck begann. Plötzlich ertönte der entsetzliche, lähmende Ruf, der schrecklichste, den es auf See giebt — „Feuer!" — Es entstand ein wildes Chaos. Evelyn und ich eilten in die Cabinen, legten die bereitgehaltenen Korkgürtel an und stürzten nach oben. „Zurück!" donnerte des Capitäns Stimme uns entgegen, — „es ist nicht Platz für Alle, die Frauen und Kinder in die Boote, jeden Mann, der es wagt, vorzudringen, schieße ich nieder!" Ich küßte Evelyn zärtlich, sie vorwärts schiebend. „Geh, Evelyn, es ist die einzige Rettung für Dich — der Korkgürtel wird mich tragen, irgend ein Dampfer wird mich morgen früh finden. Geh mit Gott, mein Liebling, er wird uns wieder vereinen!" „Nein," sagte sie ruhig; jede Todesfurcht schien von ihr gewichen- „wo Du bleibst, bleibe auch ich, können wir nicht zusammen gerettet werden, so sterben wir zusammen, wie Gott will." Keine flehentliche Bitte konnte ihren Entschluß ändern. Ich schloß Evelyn fest in meine Arme und im nächsten Moment nahmen uns die rauschenden Wogen auf. Auf und nieder ging's, hundertmal schien es, als wollten uns die Wellenberge hinabziehen in die unendliche Tiefe, aber die Korkgürtel hielten uns auf der Oberfläche. Kein Stern leuchtete durch die finstere Nacht, der Mond war hinter schwarzen Sturmwolken verborgen, ich konnte Evelyns Gesicht nicht sehen, aber ihre fieberhaft um mich geschlungenen Arme hielt ich mit aller Kraft fest. „Fürchtest Du Dick, Evelyn? Sei unbesorgt, die Gürtel tragen uns sicher!" „Geliebter, ich fürchte nichts!" Eine Welle kam und riß uns mit sich fort, eine andere warf uns zurück, ich fühlte die Arme meines unglücklichen Weibes schwächer und schwächer werden — da riß eine Riesenwelle Evelyn aus meinen Armen. Ich versuchte fie zu halten — nichts als ihr gelöster Korkgürtel blieb in meinen Händen — da, dort — mit aller Kraft erreichte ich sie- an ihrem schönen, langen Haar, welches das Wasser gelöst, zog ich sie zurück in meine Arme. Vergebens waren alle meine zärtlichen Worte, vergebens meine Liebkosungen, — sie lag ohnmächtig in meinen Armen, nur der matte Schlag ihres Herzens zeigte mir, daß noch Leben in dem steifen Körper. Stunde um Stunde verrann, fester nur schloß ich die Unglückliche in meine Arme, da die Wogen mir den Gürtel entrissen, hatte der meinige unser beider Gewicht zu tragen. Meine Kräfte drohten zu erlahmen, eisige Kälte durchzog meinen Körper — ich fühlte, daß nur noch eine kurze Spanne Zeit mich von dem Moment trennte, wo Alles vorbei sein würde. „Evelyn, Evelyn!" rief ich immer wieder, doch keine Antwort erfolgte, nicht einmal den schwachen Herzschlag vermochte ich mehr zu spüren. Endlich ward es Morgen. Der Sturm hatte sich gelegt, die Wogen waren ruhiger geworden, der erste Schein der Dämmerung brach hervor, er gab mir neue Kraft, neue Hoffnung. Liebevoll richtete ich das Haupt, das ich in der grausigen Nacht so treu an meiner Brust gebettet, empor — das Weib, das ich während all' der schrecklichen, endlosen Stunden in aller Angst und Noth so zärtlich an mich gepreßt, war nicht daS meine, sondern eine fremde, tobte Frau! — Ausziehende Fischer fanden mich bewußtlos und nahmen mich auf in ihr Boot- — ich wurde gesund gepflegt, doch das Leben hat keinen Werth mehr für mich seit jener Maiennacht!" Genr-innützigeG. Kalbsbraten ä la Languedocienne. Ein saftiger Stück Kalbfleisch bestreut man auf allen Seiten mit Salz, Pfeffer und Mehl, bringt es mit etwas Butter in einer Kasserole auf's Feuer und begießt es während des Bratens fleißig mit einer Marinade, die man aus Olivenöl, zerstoßenen Sardellen, dem Saft einer Citrone und aufgelöstem Liebigs Fleischextrat hergestellt hat. Sobald das Kalbfleisch gar ist, servirt man es mit Allem, was sich in der Kasserole befindet, nachdem jedoch vorher die Sauce möglichst entfettet wurde. * * * Nierenschnitten. Uebrig gebliebene Kalbsniere wird mit Kalbsbraten, Petersilie, Zwiebel und Citronenschale fein gewiegt, mit einem Ei, Salz, Muskatnuß und etwas saurem Rahm zu einer streichbaren Masse angerührt und auf rasch in Milch getauchte Semmelschnitte gestrichen, in verklepperten Eiern umgewendet und in heißem Schmalz gebacken. * * * Weichschalige Eier. In Krankheiten des Eierstocks, besonders aber in dem Mangel an kalkhaltigen Stossen des Futters hat das Nebel seinen Grund. Das beste Mittel ist, dem Futter ein Gemisch aus zwei Drittel Kreide und ein Drittel phosphorsauren Futterkalk zuzumischen. * * * Die Geflügelwanze vertreibt man am einfachsten dadurch, indem man den sorgfältig gereinigten Stall, in welchem der alte Mörtel abgeschlagen werden muß, mit Petroleum bestreicht. Hunrspiftisches. Aus der In st ructions stunde. Unteroffizier: „Was hat der Soldat auf's Commißbrod?" — Rekrut schweigt. —• Unteroffizier: „Weiß Keiner, was der Soldat auf's Commißbrod hat?" — Alle schweigen. — Unteroffizier: „Anspruch hat der Soldat auf's Commißbrod — Ihr Esel!" * * * Schlau. „Johann, Sie haben den Kalender nicht gestellt!" — „Ach, ich wollte den Herrn Baron nicht daran erinnern, daß heute der erste und mein Lohn fällig ist!" * * * O diese Fremdwörter! „Der Kleine sieht ganz aus wie seine Mutter!" — „Ja, ausseh'n thut er wie seine Mutter — aber die Temperatur hat er vom Vater!" * * * Völlig nüchtern. Frau (zu ihrem eben heimgekehrten Gatten, Morgens früh 3 Uhr): „Gustav, Du bist betrunken!" — Gatte: „I—ch? Ich bin—n ganz nüchtern, nur ein bi—ischen aufgeregt! Wo sind meine — meine — Pantoffel denn?" — Frau: „Stehen bei der Commode." — Gatte (nachdem er eine Weile planlos umhergesucht): „Wo-o-° ist denn die Com—m—obe?" * * * Abwehr. Vater (Gedichte seines Sohnes lesend): „Wo Du das Zeug nur her hast?" — Sohn: „Oho, ich bin geborener Dichter!" — Vater: „Da muß ich bitten! Schiebt der den Unsinn gar seinen Eltern in die Schuhe!" * * * Spruch. Willst die Weiber kennen, Bester, Schau' nicht auf die Vogelnester Auf den Hüten im Gelock, Schau' Dir an den Saum am Rock. RedacNon: A. Schryda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) in Sicßm.