verscheidet nicht von daß die irsachende ickte Reh- man aus alz, einer nd etwas nd richtet in dünstet de, ferner i Fleisch- rnd drückt toffelmchl :en Onkel : „Onkel swegs, er :n: „Muß hält eine Bilde eine ) die Lein- 5 sich aber in einem der ihm sind aber Euch!" — >ie Schilde- :treibungcn llem dessen mndärbahn ;en Restau- t: „3 be- st Du denn Hänschen: r illustrirten llen bringen Hirschfänger", r einem ver- ■ürften, rettet er Gefahr — idenschaftliche en Mädchens e Dame eine ing" ist die i Herzen aus 24 enthalten lsbald durch iner Familie ch derjenigen Gießen. Der Majoratsherr. Roman von Rataly ». Gschstruth. (Fortsetzung.) Wochen waren vergangen, und ein sehr zeitiger Frühling lockte bereits Primeln und Veilchen zwischen dem jungen Wiesengrün hervor! Nie hatte die Welt so wonneschön und lockend vor den Blicken gelegen wie jetzt, und wenn Wulff- Dietrich an dem spitzbogigen Hochfenster stand und hinaus auf das lachende Land blickte, dann ward sein Herz weit und voll ungestümen Verlangens, hinauszuwandern in die schöne Gotteswelt und sich ihrer Pracht und Wunder zu freuen! Schon längst hegte er den geheimen Wunsch, einmal eine Rheinreise zu machen, eine echte, rechte Wanderfahrt durch das Land, ohne Roß und Wagen, nur mit dem Stab in der Hand als freier Bursch, welcher bleiben kann, wo ihm die Schönheit zuwinkt und welcher fröhlich weiterzieht, wenn es ihm zu Sinne steht. Sein Bruder Hartwig verbrauchte monatlich das Doppelte und Dreifache, was er zu einer solchen Reise benöthigt haben würde, und es wäre wohl nur gerecht gewesen, wenn die Eltern auch den ältesten Sohn einmal in die Welt geschickt hätten, wenn der jüngste kostspielige Bäder besuchte, oder zu den Rennen umherreiste. Graf Rüdiger aber hatte nie daran gedacht, unaufgefordert zu geben, und Wulff- Dietrich, welcher nie die Börse der Eltern in Anspruch genommen, hätte sich eher die Zunge abgebiffen, als den Eltern für sein Vergnügen Kosten aufzuerlegen. Er wußte ja, wie es daheim um die Finanzen stand und gerade das Geld, und die unwürdige, unverzeihliche Art, wie Graf Rüdiger es durch Entmündigung des völlig gesunden Vetters hatte an W Rii Elk 1 ji®O uiv l'aj'.illl fpäö; - EMJO U vo as Gebet ist, laß Dir sagen Und bewahr's im Herzen still, Beten ist ein schüchtern Fragen, Ob, was Du willst, Gott auch will. Vom Unglück erst Zieh ab die Schuld; Was übrig ist, Trag' in Geduld. Storm. sich bringen wollen, war die Veranlassung zu dem unheilbaren Riß, welcher ihn mehr und mehr von dem Elternhause losgelöst hatte. Nun, seitdem er den Gehalt eines Oberförsters bezog und in Rauenstein ein so zurückgezogenes, bescheidenes Leben führte, war es ihm möglich gewesen, aus eigenen Mitteln den Betrag für eine Reise zu ersparen, und wenn ja die Summe eine bescheidene blieb, so übte dennoch das Bewußtsein, sie eigenem Fleiß und eigener Kraft zu verdanken, einen ganz besonderen Reiz! Der Frühliyg am Rhein sollte ja so ganz eigenartig schön sein, und ein Urlaub war gerade in jetziger Zeit, wo er sozusagen schon einen Stellvertreter im Hause hatte, besonders leicht zu nehmen. Wulff-Dietrich hatte seinen kleinen Koffer gepackt und fuhr, das Herz voll jauchzender Wanderlust, zu der Bahnstation. Einen Abstecher zu den Eltern wollte er zuvor nicht mehr machen. Sie zürnten ihm ernstlich, daß er all ihren Befehlen nicht gefolgt war und erst in der Residenz erschien, als Pia von Nördlingen wieder abgereist war. Wie schwer war ihm das Alles geworden, aber es gab keine Wahl für ihn, und er hatte sich guten Muthes in sein unabänderliches Schicksal gefunden. Als er nun so allein im Wagen saß und unter den rauschenden Kronen des Waldes dahinfuhr, durchkreuzten ganz absonderliche Gedanken sein Hirn. Er überlegt, daß es recht hemmend und hindernd für einen jungen Mann sei, als Graf Niedeck zu reisen, denn der Begriff „Noblesse oblige“ war zu Fleisch und Blut in ihm geworden. Er war ein zu vornehm denkender Mann, um jemals seinen Namen — und sei es in noch so unbedeutender Weise, herunterzuziehen. Es gehört sich für einen Grafen Niedeck, in den ersten Hotels abzusteigen, gräfliche Trinkgelder zu geben, zu fahren anstatt zu gehen, kurzum, in jeder Beziehung standesgemäß anfzutreten. An den Träger eines solch distinguirten Namens stellt man schon von vornherein ganz andere Ansprüche, als wie an einen unbekannten Oberförster oder Forstassessor, welchem es Keiner verargen wird, wenn er so anspruchslos und bescheiden wie möglich seines Weges zieht. Wulff-Dietrich lachte schalkhaft vor sich hin, so über- müthig, wie es seinem ernsten Wesen sonst völlig fremd war! Auch dieser neue Gedanke reizte ihn an und machte ihm Freude. So muß es einem Prinzen zu Muthe sein, wenn er Krone und Ordensstern daheim läßt, und in den 526 ; grauen Mantel des Jncognitos schlüpft, nur mit dem Unterschied, daß der Prinz dabei lediglich einer fröhlichen Laune folgt, während Wulff-Dietrich, der künftige Majoratsherr und Erbe von Millionen, besorgt rechnen muß, wie er am besten und practischsten mit seinen spärlichen Mitteln haushalten kann. Wie sollte er sich aber nennen? Nach seiner Oberförsterei Raucnstein? Nein, diese dürfte allzu bekannt sein und ihn verrathen. Er war „Wulff-Dietrich Hellmuth Carl von Niedeck" getauft, anstatt sich wie sonst der beiden ersteren Taufnamen zu bedienen, sollten nun die beiden letzteren seine Reisegefährten sein. „Forstasseffor Carl Hellmuth" wollte er sich nennen, falls er benöthigt wäre, überhaupt einen Namen bekannt zu geben. Er lachte hell auf bei diesem Gedanken, und die Vogel jubilirten und zwitscherten über ihm im grünen Gezweig, als freuten sie sich mit ihm, als wollten sie voll glückseliger Lenzeslust dem jungen Herrn dieses Waldes eine glückliche Reise wünschen! * * * Vor dem Schloßportal von Niedeck scharrten die Rappen ungeduldig den feinen Kies, während eifrige Dienerhände beschäftigt waren, das Handgepäck, welches die gräfliche Herrschaft mit sich zu führen pflegte, in der Equipage unterzubringen. Im einfachen, aber sehr eleganten dunkelblauen Reisecostüm stand Pia von Nördlingen an der Steinmauer der Terrasse und blickte noch einmal mit schwärmerisch entzücktem Blick über das reizende landschaftliche Bild, welches sich vor ihren Augen entrollte, und ein Gedanke, welcher ihr in letzter Zeit das Herz schwer gemacht hatte, kam ihr auch jetzt und umflorte ihren Blick. Jetzt, seitdem sie Niedeck kennen gelernt und mit Herz und Seele dem Zauber dieses herrlichsten aller Besitze verfallen war, jetzt erst empfand sie voll und ganz, welch ein unsagbar großes Opfer ihr Wulff-Dietrich gebracht hatte. Wie schwer muß es einem Manne fallen, solch ein Erbe in Besitz zu nehmen, täglich die zauberische Schönheit solcher Heimath zu sehen und sie den och allein und einsam genießen zu müssen, ohne eine Gattin, welche mit ihm dieses Glück genießt, ohne ein Kind, welchem er alle Pracht und Herrlichkeit einst hinterlassen könnte, und warum? Nur darum, weil er zu edel und hochherzig gewesen war, um über ein gebrochenes Herz in dieses Paradies zu schreiten. Ach — und wenn er gar ahnte, daß dieses gebrochene Herz nie existirt hätte, daß der „Andere" nur eine Marionette ohne Fleisch und Blut war, welche in der kleinen Comödie, welche ihm der empfindsame Stolz und Trotz eines Mädchenherzens vorspielte, nur ihre wirksame Rolle vertreten mußte! Pia empfindet ihren Betrug von Tag zu Tag peinlicher, — und je mehr sie sich überzeugte, daß Graf Wulff-Dietrich jedes Mittel verschmähte, um sie zu einer Heirath zu zwingen, umsomehr imponirte er ihr und ward zu einer Edelgestalk, welche lebhafte Phantasie gar zu gern mit allen Tugenden schmückt. Das junge Mädchen wunderte sich im Stillen, daß Tante Johanna ihre Absicht, Graf Wulff nicht zu heirathen, auf das lebhafteste unterstützte. Seltsam, warum das? Das ganze Benehmen und Wesen der Tante bewies es ihr, daß sie nach wie vor ihrem Herzen in zärtlichster Liebe nahe stand. Johanna liebte Schloß Niedeck ebenso schwärmerisch wie Pia — was wäre da wohl natürlicher gewesen, als daß sie sehnlichst gewünscht hätte, die Nichte dereinst als Herrin all dieser Pracht zu sehen, — einer Pracht, welche die eigene Tochter Kränzchen ja doch nun und nimmer erben konnte. Der größte Theil des Baarvermögens ging auf Fränzchen über und machte sie zu einer sehr reichen Erbin, das Majorat aber mußte an den nächststehenden männlichen Erben fallen. Warum redete ihr Tante Johanna also so dringend ab den künftigen Majoratsherrn zu freien? Hoffw sie vielleicht auf eine Ehe zwischen ihm und Fränzchen? Sie sind ja Vetter und Cousine zweites Grades, und solche Ehen unter Verwandten sind niemals günstig, auch ist ein solcher Gedanke wohl gänzlich ausgeschlossen, wenn man Onkel Willibalds Gesinnung kennt. Ganz betroffen hat Pia einem Ausbruch seines leidenschaftlichen Hasses, welchen er gegen Rüdiger hegt, gelauscht. Das gutmüthige, glückstrahlende Gesicht des alten Mannes hatte sich zum Erschrecken verändert, als er von dem „teuflischen Anschlag dieses nichtswürdigen Schuftes" sprach! Ihn, den geistig vollkommen Gesunden, hatte der liebe Vetter in ein Irrenhaus sperren wollen, um das Majorat um etliche Jahre früher an sich zu reißen! Was war das anderes als ein Mord, ein lebendiges Begraben? — und nur um des elenden Geldes willen! „O, das gedenke ich ihm! und diese Stunde soll er mir noch entgelten!" hatte er voll glühenden Rachedurstes hinzugefügt und dabei leuchtete etwas in seinen Augen, das glich einem stolzen, sicheren Triumph. Pia begriff diesen Haß- aber sie verstand es nicht, daß Tante Johanna lieber eine Fremde hier in dem Schlosse schalten und walten sehen wollte wie die so innig geliebte Nichte. Oder wollte Willibald dadurch dem Neffen die vorschriftsmäßige Heirath unmöglich machen, damit Graf Rüdiger den Schmerz erleben müßte, das Majorat doch nur als „leihweises Gut" in den Händen des Sohnes zu sehen? Das würde Wulff-Dietrich immerhin doch schmerzlicher noch empfinden wie der Vater, und er verdiente doch keine Rache und Strafe, er war ein vortrefflicher, braver Mann, für den Pia beinah anbetende Verehrung empfindet! Der Sohn soll und darf nicht für die Schuld des Vaters büßen, das zu verhindern, wird der Dank sein, mit welchem sie ihre Schuld gegen ihn bezahlt! Wie viel Pläne und Ideen schwirren durch ihr Köpfchen! Am besten deucht ihr der Gedanke, später noch einmal in die Residenz zurückzukehren — später, wenn jede Heirathsidee von den Eltern aufgegeben ist, wenn sie selber die Braut oder Gattin eines Anderen geworden, — und eine Audienz bei der Herzogin nachzusuchen. Sie will alsdann der hohen Frau Alles beichten, will ihr das Herz ausschütten und die Schuld bekennen, welche sie gegen Wulff-Dietrich verpflichtet. Eine moralische Schuld. Sie war die Einzige, welche er heirmhen durfte, und sie wies ihn zurück. Sie hatte sich einem Anderen verlobt und der Graf ist selbstlos zurückgetreten, seine eigenen Interessen ihrem Glück zu opfern. Sein Edelsinn muß belohnt werden. Der Herzog wird zweifellos die Macht besitzen, die fatale Heirathsclausel in der Erbfolge der Niedecks abzuändern, da sie nicht mehr zu erfüllen ist- ehemals kannte man nur das kleine, enge Vaterland zwischen den herzoglichen Grenzpfählen, jetzt ist Deutschland wieder zu einem einzigen großen Vaterland verschmolzen, und darum müssen die Niedecks auch berechtigt sein, in dieser ganzen, deutschen Heimath nach einer Gemahlin zu suchen, welche sechszehn Ahnen aufweisen kann. Das wird alsdann nicht schwer fallen, und Gras Wulff- Dietrich kann sich eine Braut nach seinem Herzen wählen. Pia hat mit dem Eifer und der Phantasie eines Kindes diesen Plan ausgedacht- sie macht sich nicht klar, daß wohl die Niedecks selber derartige Schritte thun würden, läge die Erfüllung ihrer Wünsche in dem Bereich der Möglichkeit. Sie lebt sich in den schönen Gedanken ein, und beschwichtigt mit demselben jede Regung des Mitleids, welches sich in ihr Herz einschleichen will. -- 527 Gegenliebe bei mir, denn ich Haffe die verdammten Schmöker! Geh mal ein bischen zur Seite, Pia, daß ich die Fenster - spiegel sehen kann!" „Wozu das?" Fränzchen grunzte vor Vergnügen: „Ich lauere hier auf Kielmann, der den Frühstückstisch auf der Terrasse deckt, — wenn er das nächste Mal kommt, bringt er die Platte mit Fleischklößen — welche ich nicht mehr ausstehen — nicht mehr riechen kann!" „Nun und?" „Wenn er unter dem Fenster ist, schmeiße ich den Blumcnpott runter--wetten, daß Kielmann vor Schreck sammt seinen Klopsen auf der Erde sitzt?" ----Und dieses Fränzchen war fünfzehn, ja sechzehn Jahre alt! Auch jetzt blickte Pia der so stürmisch nahenden Base mit berechtigtem Mißtrauen entgegen. Fränzchen warf die langen Arme fuchtelnd durch die Luft, um sie einen Augenblick später in wildem Anprall um Fräulein von Nördlingens schlanke Gestalt zu schlingen. Gleichzeitig küßte Fränzchen mit derbem Schmatzen die zarten Wangen ab. „Aber, Kind! Du reißt mich ja um!" wehrte sich Pm athemlos: „Und wie oft habe ich Dir schon gesagt, daß ich die greulichen Küsse nicht leiden mag--" „Na, dann soll dies der letzte für heute fern!" lachte Fränzchen und leckte mit der Zunge behaglich über die Lippen, wie eine, der es recht gut geschmeckt hat. — „Warum stehst Du hier so alleine?" . „Ich warte auf Deine Eltern und Dich! — Dre Wagen stehen längst bereit." „Weiß ich! — Famos, daß es wieder los geht! und Gott sei Dank ohne die Schulbücher! Siehst Du, darum möchte ich vor Vergnügen gleich Purzelbock schießen, wenn es man bloß passend wäre!" Und Fränzchen schwang sich stattdessen auf die Ballustrade und baumelte mit den Füßen. Wie Alles an ihr, war auch die Stimme ein Erbtheil des Vaters, ebenso rauh und tiefklingend, ebenso unmelodisch wie die seine. „Wo hast Du Deinen Hut, Du Wildfang? willst Du vielleicht barhäuptig abreisen?" „Am liebsten thäte ich's! — Das komische Dmg aus dem Kopfe genirt mich ja nur! — Himmel, wenn ich solch eine Staatskarnette mit Bindebändern aussetzen sollte, wie I Mama! Oder solch einen Wandteller mit Federbüschen, wie j Du! — Gräßlich, ich glaube, die Feuerglocken stürmten, wenn ich so antreten würde! Aber komisch, Dir steht das Ungeheuer brillant! reizend! — wie ein Rittersräulein stehst Du aus, einfach zum Verlieben! Komm, gieb mir noch einen Schmatz!" Pia lachte und flüchtete zurück. „Ich glaube, Du bist über den Frühstückswein gerathen, Fränzchen! Jedem Primaner würden Deine verliebten Augen Ehre machen! — bitte, verschone mich mit Deinen Zärtlichkeiten!, Du weißt, daß ich sie absolut nicht leiden mag!" Comteßchen war gar nicht beleidigt. Sie verschränkte die großen, grobknochigen Hände auf dem Rücken: „Magst | Du mich nur darum nicht küssen, weil ich ein Mädchen bin? fragte sie mit viel Interesse! „Findest Du meine Zärtlichkeit nur darum langweilig? Und würdest Du sie lieber mögen, wenn ich anstatt einer garstigen Cousine ein flotter Vetter wäre?" Pia erröthete und zog die dunklen, femgeschwungenen Brauen ärgerlich zusammen: „Wie kannst Du nur so albern reden! Solche Gedanken passen sich noch gar nicht für em so junges Mädchen!" (Fortsetzung folgt.) Capitel 13. Den Feind zu überlisten, dazu gehört nicht viel! Ich hab mit ersonnen ein lustiges Possenspiel! Ich schaff' mir anderen Namen, schaff mir ein falsch Gesicht Und kreuzt er meinen Weg alsdann, — er kennt mich nicht. Aus dem Fastnachtsspiel von Meister Lenz. ■ Als Pia noch immer in Gedanken versunken an der | Ballustrade lehnte, hörte sie plötzlich schnelle, sehr kräftig I stampfende Schritte hinter sich und wandte jählings das Haupt. Ein junges Mädchen, schwankend zwischen Fräulein und Backsischchen, kam in grotesken Sprüngen, welche jedweder Grazie entbehrten, über die Steinterrasse herangaloppirt. Kurzgeschnittenes, dunkles Haar sträubte sich mehr, als daß es sich lockte, um die mächtige, viereckige Stirn, unter welcher eine nicht allzukleine Nase kühn in die Welt hinausstrebte. Große, sehr lebhafte Augen schauten frech wie bei einem kleinen Spatz der reizenden Cousine entgegen, und aus dem Mund, welcher in fröhlichem Lachen ungeheuere j Dimensionen annahm, blinkten zwei Rechen schneeweißer, kerngesunder Zähne. Fränzchen, Gräfin Niedeck! Nein, schön konnte man Comteßchen nicht nennen, es würde ein directer Mißbrauch des Wortes gewesen sein! Ihre ganze Figur war eckig, ungraziös, stets in sicht- | lichem Kampf mit den einzelnen Gliedern begriffen, dabei i sehr stämmig nnd robust, ohne merkliche Spur von Taille und ohne jedwede Anzeichen weiblicher Anmuth und Sanftheit. Der rüpelhafteste Bengcl würde in Gräfin Fränzchen sein täuschendes Ebenbild gefunden haben, — und doch lag auf den derben, häßlichen Gesichtszügen, welche unv.rkennbare Aehnlichkeit mit Graf Willibald zeigten, ein kindlich strahlender, frohsinniger und herzensguter Ausdruck, daß man dem kleinen Fräulein gern die größten Unannehmlichkeiten verzieh, wenn man in die schalkhaften Aeuglein blickte. Alle Kleidungsstücke, so elegant und chic sie auch die ersten Confectionshäuser lieferten, hingen wie geborgt um | Comteßchen herum, oder spannten in so ungebührlicher Weise, daß sie binnen kurzer Zeit aus allen Nähten platzten. Die Gräfin-Mutter, welche noch immer das Töchterchen allein und eigenhändig jeden Morgen ankleidete, lachte dazu. „Ja, was soll ich mit dem Wildfang beginnen, liebe Pia! ziehe ich ihr Kleider an, welche nach unseren Begriffen gut sitzen, so stöhnt sie, die Engigkeit sei nicht zu ertragen, und bei den ersten Turnübungen krachen alle Nähte; also lasse ich die Kleider so weit wie Säcke anfertigen, damit die kleine Hexe Platz hat, sich auszutoben!" Ja, das Austoben besorgte Fräulein Fränzchen gründlichst. Die langen „Schlumperkleider" genirten sie sichtlich und oft überraschte sie Pia, wenn sich die Kleine damit amüstrte, in wilden Sätzen und Sprüngen die Röcke zu schwingen, wie Kinder, welche sich aus dem Kleidcrschrank der Mutter costümirt haben. Das Lernen schien die junge Dame auch nicht sehr zu entzücken. „Mit Gouvernanten drangen wir schon gar nicht mehr bei ihr durch" — entschuldigte Tante Johanna mit beinah verlegenem Lächeln, als Pia überrascht den Hauslehrer anblickte —! „Da haben wir uns einen energischen, tüchtigen Pädagogen zu Hilfe geholt! und nun geht es etwas besser mit dem Studiren, wenngleich der Herr Candidat recht ungern daran denkt, Ferien geben zu müssen." Dennoch war Fräulein von Nördlingen überrascht, wie viel das arme Fränzchen lernte. Ja, sie überraschte die Kleine sogar einmal bei lateinischen Vocabeln. „Aber, Coustnchen, wozu braucht ein junges Mädchen denn Latein zu lernen?!" Fränzchen johlte auf und warf in einer Anwandlung hoher Lustbarkeit die Beine in die Luft, daß die Füße momentan auf dem Tisch ruhten. „Ja, weißt Du, mein Vater will's mal so! Ich glaube, er will sich der Frauenbewegung anschließen und mal ein Fräulein Doctor aus mir machen! Na, da findet er keine - B28 - OeineinniLtziger. Die Behandlung der weißen Wäsche. Tags vor dem Waschen weiche man, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, sämmtliche weiße Wäsche, welche man zuvor links gemacht hat, in lauwarmem Wasser ein. Am anderen Morgen wird dieselbe abgerieben, Alles gut angeseift in den dazu bestimmten Waschkessel gesteckt und so viel kaltes Wasser darauf gefüllt, daß die Wäsche eben damit bedeckt ist. Nun wird Feuer unter den Kessel gemacht, damit der Inhalt desselben langsam heiß wird. Ist der Eintritt des Kochens nahe, so wird Alles in ein Faß geschüttet und gründlich auf der linken Seite gewaschen, gewendet, ausgerungen und wieder angeseift. Dann wird der Kessel ausgewaschen, die Wäsche wieder hineingelegt, nochmals kaltes Wasser darauf gethan und die Wäsche gekocht. Ist dieselbe ein wenig abgekühlt, so geht es wieder an'S Waschen. Ist das mit Allem geschehen, so legt man die Wäsche in ein bereitstehendes Waschfaß, füllt nochmals kaltes Wasser darauf und läßt sie über Nacht ausziehen. Am nächsten Tage wird sie noch einige Male gespült, durch Blauwasser gezogen und zum Trocknen auf die Leine gehängt. Die so behandelte Wäsche wird blendend weiß. Die Waschbrühe kann noch zum Waschen der | bunten Sachen benutzt werden. * * * Stockflecken au# Glacehandschuhen. Wenn die Stockflecken nicht etwa die Farbe des Glacäleders bereits zerstört haben, lassen sich dieselben, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, mit Spiritus, dem einige Tropfen Salmiakgeist zugegeben werden, entfernen. Allerdings hängt das Gelingen vollständig von der Art der Farbstoffe, mit denen das Leder gefärbt ist, ab. V-vnEehteO. Gegen unbestellte Sendungen hat ein Zahnarzt in Münster ein probates Mittel angewandt. Vor einigen Tagen hatte, so schreibt derselbe, mein Dienstmädchen vom Postboten ein Packet aus Hamburg angenommen. Ich öffnete es und fand zu meinem Erstaunen zwei Kistchen mit Cigarren darin. Die beiliegende Rechnung hatte den gedruckten Vermerk: „Sie empfangen anbei zufolge meines Avises per Post franco ein Zwanzigstel hell, ein Zwanzigstel dunkel Donna Elvira Reinitas Mark 8." Mir war von einem Avis nichts bekannt. Da ich nun ein starker Nichtraucher bin, so wußte ich eigentlich nicht recht, was ich mit den Giftnudelelviras anfangen sollte. Da fiel mir ein, daß ich vor etwa zehn Jahren von einem Cigarrenfritzen in Bremen gleich für 28 Mk. Ante-Portas-Cigarren erhalten hatte. Damals schickte ich dem Hause für den gleichen Betrag Zahnpulver. Ob er davon für seine Angestellten Pfannkuchen gebacken hat, weiß der Kuckuck! Was aber Bremen recht ist, ist Hamburg billig! Ich nahm die Cigarren aus ihren Kistchen und that in jedes der letzteren zwei Fläschchen Mundwasser, legte eine Quittung bei: „4 Flaschen Mundwasser L Mk. 2, Mk. 8, Betrag in Cigarren erhalten. Zahnarzt H. P. 8. Theile Ihnen mit, daß ich enragirter Nichtraucher bin und auf weitere Sendungen verzichte," und sandte den Zauber in genau der Packung zurück, in welcher ich überrascht worden war. Bis jetzt schweigt Hamburg. Für meinen Schwiegervater habe ich ein billiges Weihnachtsgeschenk! Bei der Kartenlegerin. „IhrMann hat Neigung zur Untreue. Gehen Sie ihm ja auf Schritt und Tritt nach!" — „O, du liebe Zeit, mein Mann ist Landbrief träger!" Sie hat immer Recht. Sie (der nichts an ihrem Manne recht ist): „Aber, Oscar, wie kurz hast Du Dir die Haare doch schneiden lassen!" — Er: „Aber ich habe mir sie ja gar nicht schneiden lassen!" — Sie: „So! Nun, dann ist es aber höchste Zeit, daß Du Dir sie schneiden läßt!" Schwer zu befolgen.* Mutter: „Vor allem, Kind, sei mit den Dienstmädchen vorsichtig! Frag' Deinen Mann nach einiger Zeit, ob ihm das Mädchen gefalle — und sagt er Ja, dann thu' sie weg!" — Tochter: „Sagt er aber Nein?" — Mutter: „Dann thu' sie erst recht weg — dann liebt er sie heimlich!" * * * Der kluge Piccolo. „Herr Oberkellner, darf ich heute Abend in's Theater gehen, es wird nämlich ein Kellnerstück gegeben!" — „So, wie heißt es denn?" — „Die Piccolomini!" " » ♦ * Durchschaut. Redacteur: „Na, bringen Sie den neuen Roman?" — Schriftsteller: „Noch nicht- aber er ist bis zu dem Selbstmord meines Helden gediehen!" — Redacteur: „So, so, und da sind Sie wohl gekommen, um sich einen Vorschuß für das Begräbniß zu holen?" Aus der Schulzeit. In der „Jugend" veröffentlicht Ludwig Fulda die folgende hübsche „Schul-Reminiscenz": Als ich noch in die Schule lief, Da machten mir viel Pein Die Wörter, die den Genitiv Regieren im Latein; Man schwitzt, wenn man fie mundgelenk Herunterschnurren soll: Begierig, kundig, eingedenk, Theilhaftig, mächtig, voll. Doch als zuletzt mir starr und steif Die Regel saß im Ohr, Da sagte man, ich sei nun reif Und öffnete das Thor. O Freiheit, göttliches Geschenk! O, wie die Brust mir schwoll: Begierig, kundig, eingedenk, Theilhaftig, mächtig, voll! Begierig auf den neuen Tag Und kundig meiner Kraft Und eingedenk, daß jeder Schlag Des Herzens Wunder schafft; Theilhaftig eines Glücks, das nie Zerrinnt in leerem Schein, Und mächtig durch die Phantasie Und voll von Lieb' und Wein. Die Jahre flogen; es entflog Der Schleier meines Traums; Das Leben ward mein Pädagog, Und statt des Nectarschaums — Der Selbsterkinntniß flau Getränk Schlürft' ich mit stillem Groll: Begierig, kundig, eingedenk, Theilhaftig, mächtig, voll. Begierig auf gesunden Schlaf Und kundig mancher Roth Und eingedenk, wie zahm und brav Die Künste geh'n nach Brod, Theilhaftig einer Würdigkeit, Die steter Sorgen Frucht, Und mächtig durch verwund'nes Leid Und voll von Zweifelsucht. Was aber thut's? Ein neu' Geschlecht Lernt heute schon Latein Und übt der Jugend heil'ges Recht. Werd' ich begraben sein, Dann stürmt's mit lustigem Geschwenk In's Land hinaus wie toll: Begierig, kundig, eingedenk, Theilhaftig, mächtig, voll. Redaktionr K. «ch»»da. Druck und «erlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.