GM-tsr h« 11 Se-tmbtt It ii MM TOHD «i® wSIR Itl! 'tfflMenn selten auch nur die Güte fand Den Ort, Ivo die Dankbarkeit haust, ysr Es hat schon manchmal die offne Hand Besiegt die geballte Faust. Alb. Roderich. Die schönsten Augen. Novelle von Tarl Teschner. (Schluß.) „Vermnthlich haben diese Feinde ihn tückisch erwürgt, oder vergiftet!" sagte Bella grollend. „Noch gestern war er ja so gesund, wie ließe sich denn ein so rasches Ende erklären?" „Leise Kind, leise!" beschwichtigte die Alte ängstlich. „Es ist gefährlich, solche Worte zu sprechen. Ein Mord ist hier bald geschehen." „Nun ist mein Beschützer tobt!" klagte Bella mit bebenden Lippen. „Ich habe hier keinen Freund mehr, Noth und Verlassenheit werden mein Loos sein. Kaum weiß ich wohin. Aber gleichwohl, morgen früh muß ich fort. Noch diese Nacht behalten Sie mich, gute Neva!" Die Alte schüttelte traurig den Kopf. „Sie können nicht gehen, Kind . ." „Warum nicht?" „Sie sind 'nun bewacht. Man ließe Sie nicht über die Schwelle des Palastes . . ." „Oh! — Ich bin keine Sclavin ... ich bin nur hierher verlockt . . ." „Der Rajah Dholib hat befohlen, Sie seien gekauft. Es steht Ihnen nur noch frei, entweder sich als Wittwe das Haar abschneiden zu lassen und in ewiger Verbannung in einer Hütte zu leben, oder zu den anderen Frauen in sein Senana zu gehen. Dort gebricht es Ihnen an nichts, Sie haben schöne Kleider und Schmuck, können Stunden lang vor dem Spiegel sitzen, im Bade zubringen, in den Gärten wandeln, Süßigkeiten naschen, haben nichts zu arbeiten den ganzen Tag. Der Rajah ist ein ganz unwirrscher Mensch, der gleich den Scimetar zieht und einen niedersticht, aber wenn Sie klug sind, können Sie ihn weich machen wie Wachs und schmiegsam wie eine Liane. Sie sind ja schön!" „Nicht weiter!" rief Bella entrüstet. „Ich will solche Worte nicht anhören! Sie beleidigen mich! — Der Rajah soll kommen und ich werde es ihm ins Gesicht sagen, daß ich ein freies Mädchen bin, und er soll mich ziehen lassen! Ich verachte sein goldenes Sclavenloos, wie die schändliche Schmach einer unglücklichen indischen Wittwe!" Neva blickte mit fast spöttischem Mitleid auf die kühne Sprecherin. „Armes Kind," sagte sie, „was nützt es Ihnen, sich zu erzürnen! Sie werden den Rajah nicht zu Gesicht bekommen, bis Sie sich seiner Gnade gefügt haben. Man wird Sie zwingen . . ." „So will ich gleich hinaus!" erwiderte Bella, von Angst ergriffen. „Lieber in dunkler Nacht mich verirren, als hier noch länger verweilen . . ." Sie wollte forteilen. Neva faßte sie sanft an der Hand. „Versuchen Sie es nicht, Kind, um Ihrer selbst willen! Die Wächter würden Sie packen oder niederstechen! Es ist unmöglich, mit Gewalt durchzudringen! Ich rathe Ihnen aus ehrlichem Herzen, bleiben Sie hier ruhig, besinnen Sie sich über das, was Sie für Ihre Zukunft erwählen wollen! Die Stille der Nacht wird Ihr Gemiith sänftigen. Ich bin zu schwach, als daß ich Ihnen anders helfen könnte wie mit Trost!" Sie zog sich zurück. Bella blieb allein. Stolzer Zorn, Angst, weher Schmerz rangen in ihrer Seele. Lange verharrte sie regungslos, vor sich hinstarrend, mit krampfhaft verschlungenen Händen auf ihrem Sitze. Dann sprang sie auf und ging auf den Balkon hinaus. Sie blickte in die Tiefe. „Nein, lebendig sollen mich die Schurken nicht haben," flüsterte sie zwischen den Zähnen. „Wenn Sie kommen, mich zu holen, stürze ich mit dahinunter auf die Steinplatten..." Sie ging wieder ins Zimmer zurück, setzte sich in den Divan und versank in düsteres Brüten. Ihre Gedanken quälten sich ab, einen rettenden Ausweg zu finden, doch Alles, was sie ersann, erschien hoffnungslos. Der volle Mond zog herauf und machte die Nacht fast taghell. Sie blickte vor sich hin, bis die Ermüdung über sie kam und ihr die Augen zufielen. So entschlummerte sie, ohne ihr Lager aufgesucht zu haben. Und der entsetzliche Traum kam wieder, sie sah den Mann mit gezücktem Stahle vor sich . . . Plötzlich schrak sie aus dem Traume empor, wie von etwas Unheimlichem berührt. Sie öffnete die Augen. Ein Schatten bewegte sich an dem offenen Eingänge des Gemachs. Da schrie sie auf und sprang von ihrem Sitze. Der Schatten machte ein Zeichen mit dem Arme. Sie erkannte jetzt deutlich einen Mann von hoher Gestalt. 422 „Der Mörder!" rief sie voll Grauen und versuchte zu fliehen, doch ihre Füße waren wie gelähmt. „Still!" raunte ihr eine Stimme zu. „Ich bin kein Mörder." Es waren englische Worte. „Wer sind Sie?" fragte Bella, roch immer voll Schrecken. Der Mann näherte sich einige Schritte. „Erkennen Sie mich?" antwortete er in gedämpftem Tone. „Ich war der Leibwächter des Rajah, ich habe Sie schon in England gesehen und bin hier Führer der Palastwache. „Wenn Sie wollen, rette ich Sie!" Bella erkannte jetzt den Sprechenden, sie wurde ruhiger. „Darf ich Ihnen vertrauen?" fragte sie. „Wollen Sie mich nicht zum Tode führen?" „Ich schwöre, daß ich Sie retten will!" erwiderte er. „Sie dauern mich, weil Sie so jung und schön sind. Aber cs ist keine Zeit zu verlieren. Ich habe die Wache zur Feier des Durgafestes trunken gemacht, jetzt schlafen sie alle. Wenn sie aufwachen, ist es zu spät, und morgen sind Sie verloren, Unglückliche!" „Aber was soll ich thun?" fragte Bella mit stockendem Athem. „Fliehen, so schnell als möglich! Ich führe Sie sicher hinaus. Die Straßen sind wegen des Festes noch voll Menschen. Da geht man unbemerkt. Ich weiß, daß heute der Missionar gekommen ist, den der Rajah gerufen hat. Er rastet in der Herberge vor dem Thore. Zu dem bringe ich Sie. Weiter kann ich nichts thun." Bella war tief ergriffen vom Opfermuthe des jungen Kriegers. Der Drang nach Freiheit besiegte in ihr alle Bedenken. „Ich vertraue Ihnen," sagte sie hastig. „Führen Sie mich!" Sie hüllte sich in ihren Staubmantel. „Einen Schleier über den Kopf, dicht über das Gesicht!" bat er. „So, nun leise, keinen Laut!" Fast unhörbar gelangten Beide aus dem Palaste, durch die schlafenden Wächter, über die weiten Höfe, in die belebten Straßen, wo die Menge wilde Orgien feierte, in die stillere Vorstadt und auf die ganz verödete Landstraße. Die Pilgerherberge wurde glücklich erreicht. Der Missionar war der einzige vorhandene Gast, er saß noch wach, lesend bei einer dürftigen Lampe. Erstaunt blickte er auf die Eintretenden. „Jetzt sprechen Sie selbst! Ich muß fort! Wenn man mich entdeckte, müßte ich sterben!" sagte der Indier und wollte enteilen. „Noch einen Augenblick," bat das junge Mädchen. „Es ist mir schmerzlich, Ihnen nicht nach Gebühr für Ihre edle That danken zu kännen! Doch halt! eins kann ich thun!" Sie nahm rasch die kostbare Perlenkette vom Halle, die ihr Neva vom Rajah Gora gebracht hatte, und schlang sie dem jungen Athleten um den Hals. „Nehmen Sie dies zum Andenken! Ich werde Ihrer nie vergessen!" Er beugte sich tief herab und drückte den Saum ihres Mantels an seine Lippen, dann entschwand er. Der Missionar blickte noch immer in stummem Staunen auf die verhüllte weibliche Gestalt. Bella warf jetzt den Schleier zurück und redete. Deutsche Worte drangen zum Ohr des frommen Gottesstreiters. Hastig, in kurzen Zügen, schilderte ihm Bella ihre Erlebnisse. Er faltete unwillkürlich die Hände und nur mit einzelnen Ausrufen der Verwunderung und des Mißmuthes unterbrach er den Strom ihrer Mittheilungen. Zuversicht aber war es nicht, was sich in seinem Gesicht ausprägte, als sie geendet hatte. „Ich bin schon bestürzt genug gewesen," sagte er, „als ich heute bei meiner Ankunft das plötzliche Ende des Fürsten erfuhr, der unserer Mission wohl wollte und europäischer Cultur zustrebte. Was Sie mir erzählen, bestätigt nur meine Befürchtungen über seinen Nachfolger. Gott weiß, was mir von den Fanatikern beschieden ist. Doch ich bin ja den Fanatismus der Hindu bereits gewohnt. Nur weiß ich nicht, wie ich, der Hilflose, Ihnen weiterhelfen soll. Denn es ist offenbar, daß man bei der Entdeckung Ihrer Flucht nach Ihnen suchen, Sie verfolgen wird. Auch das Leben der Wächter ist vielleicht gefährdet. Doch ja, es giebt möglicherweise einen Ausweg aus der Noth! Der deutsche Forschungsreisende, welcher hier ist, könnte sich Ihrer Rettung annehmen. Er wollte das wilde Treiben in den Straßen Jeypurs sich ansehen und ich vermuthe, daß er bald in die Herberge zurückkommen wird." Während Beide noch sprachen, wurden Schritte vernehmbar. „Verbergen Sie sich schnell!" flüsterte der Missionar. „Es könnten Verfolger nahen! Hier, hinter diese Matte!" Bella that, wie ihr geheißen wurde. In wenigen Augenblicken hörte sie Jemanden eintreten und sprechen, und bei den Lauten dieser Stimme zuckte sie zusammen. „Es waren krause Bilder der Volkstollheit, die ich gesehen habe," hörte sie sagen. „Doch was ich erfahren habe, zwingt mich, morgen in aller Frühe weiter zu ziehen." „Wieder zurück?" fragte der Missionar. „Nein, nach Norden zu," antwortete der erste Sprecher. „Ich hörte, daß gestern eine englische Dame in dieser Richtung abgereist ist, und deren Spuren will ich möglichst rasch folgen. Hoffentlich erreiche ich sie endlich!" „Da würden Sie sich einen Gotteslohn erwerben, wenn Sie eine andere Dame in Ihren Schutz nehmen wollten," versetzte der Missionar. „Eine andere Dame?" „Jawohl. Keine Engländerin, sondern eine deutsche Landsmännin, die auf der Flucht ist." „Landsmännin? Auf der Flucht, wo befindet sie sich denn?" fragte der Reisende verwundert und gespannt. „Sie ist hier," sagte der Missionar und hob die Matte zur Seite. Bella trat hervor. Der Reisende blickte mit weitgeöffneten Augen wie auf eine Wundererscheinung. „Bella!" schrie er auf. „Bella Kranzler! Theuerste Freundin!" Er eilte auf sie zu und streckte die Arme nach ihr aus. Sie blieb unbeweglich stehen. x „Ich bin es," erwiderte sie befangen, mit fibrirender Stimme. „Sie, Herr Fendler, erwartete ich hier nicht zu treffen." „Aber ich, Bella, ich! Ich bin ausgezogen, Sie zu suchen! Ihr Vater theilte mir Ihre Adresse mit. In Puri forschte ich aus, daß zwei europäische Damen ins Innere gereist seien. Auf gut Glück schlug ich dieselbe Richtung ein, immer, bis nach Jehpur, konnte ich den Spuren folgen. Dank dem Allgütigen, daß ich Sie gefunden habe! Ich fühle mich reich belohnt!" Bella wurde durch den freudigen Ton, den Arno Fendler anschlug, in ihrer Ansicht über ihn irre. „Sie sagen, daß Sie mich hätten suchen wollen," erwiderte sie gemessen. „Wie geht das zu, da Sie doch verheirathet sind?" „Ich verheirathet? Mit wem?" „Nun, mit Röschen Pfeil." Er lachte, trotz des Ernstes der Situation. „Mit dem Moos-Röschen? Aber die wartet ja noch immer auf Einen, der ihrer würdig ist! Wer hat Ihnen dies Märchen ausgetischt?" „So ist es nicht wahr?" fragte Bella, mehr bestürzt als freudig. „Ich wiederhole Ihnen, es ist ein Märchen," antwortete Fendler. Bella empfand es wie eine tiefe Beschämung, daß alle, nst bis zur Tragik gesteigerten Folgen ihrer Entfernung aus England ihrem Glauben an Sallys Brief entsprungen waren. Sie verschob die näheren Mittheilungen auf eine gelegenere Zeit. Arno, der nun in ihren Augen völlig rehabilitirt war, erzählte noch, daß der alte Fürst in Hamburg zu seinen Vätern versammelt sei, daß sein Nach- 423 folger reine Wirtschaft gemacht habe, daß ihr guter Vater wieder im Amte, ihr Bruder Adjutant des Fürsten sei. Nun brach auch Bellas Herz in Jubel aus! Das Uebrige ist in wenigen Worten gesagt. Arno Fendler traf am nächsten Morgen, fußend auf die amtliche Empfehlung des deutschen Consuls in Bombay, ganz offen seine Reisevorbereitungen/ brachte seinen Schützling unbehelligt über die Grenze und in die Heimath, und führte Bella bald zum Traualtäre. Inmitten des höchsten Glücks aber gedachte die vom allem Weh Erlöste, frei von allem eitlen Stolze, der letzten Segensworte des Missionars an sie: „Und wenn Dein Selbstvertrauen Wie das auf Menschen bricht, So hab' auf Gott Vertrauen — Nur Er verläßt Dich nicht!" Seife. Von Martin Beck. ------- (Nachdruck verboten.) Justus Liebig sagte einmal, daß der Gebrauch an Seife die Culturhöhe eines Volkes bestimmen lasse. Statistischen Nachweisen zufolge wird in Deutschland die meiste Seife verbraucht/ den verwandten Engländern gebührt die zweite Stelle. Die Deutschen müßten also nach Liebig gegenwärtig die höchste Cultur besitzen. Vom Seifenstandpunkt aus betrachtet, dürfen sie diesen Anspruch aber doppelt erheben: bei ihnen findet die Seife nicht^nur die größte Verwendung, sie sind auch die Erfinder der Seife. Sieht man die Reinlichkeit als wichtigste Vorstufe zur geistigen Cultur an, so darf man behaupten, daß die eigenthümliche Bildungsfähigkeit und der rastlose Bildungstrieb der Deutschen mit ihrer uralten Erfindung und dem ersten Gebrauch der Seife in einigem Zusammenhang steht. Die Seife als germanische Erfindung hat mit dazu beigetragen, daß die Deutschen ein „Volk der Denker und Dichter" wurden. Als ein bisher unbekanntes und von den Germanen stammendes Product erwähnt zuerst Plinius die Seife. Er sagt, daß man sie als äußerliches Medicament und als Haarverschönerungsmittel gebrauche. Vorzugsweise werde sie aus Buchenasche und Ziegentalg bereitet. Man beziehe dieses fremde Erzeugniß, die Seifenkugeln und die Haarseife aus den eroberten germanischen Grenzprovinzen. Bei den Germanen gebe es harte und weiche Seife. Sie seien auch in der Herstellung der Seife weit erfahrener als die ihnen benachbarten Gallier. Auch Galenus spricht von germanischer Seife, die als Reinigungsmittel gebraucht wird. Später lebende Schriftsteller, z. B. die arabischen Aerzte, kommen häufig auf die germanische und gallische Seife zu sprechen. Sie empfehlen sie theils als äußerliches Arzneimittels, theils zum Waschen der Zeuge. Das letztere hatte man bisher nur mit großer Mühe auf verschiedene andere Weise bewirken können. Vorzugsweise trug man Wollstoff. Den hatte man anfänglich nur in Wasser eingeweicht, gerieben und gestampft, um ihn von Schmutz und Fett zu befreien. Eine ähnliche einfache Methode giebts jetzt noch bei Völkern, die eine tiefe Culturstufe einnehmen. Da wird die Wäsche in ein Gewässer gelegt und von den Frauen mit Stöcken geschlagen. Im Alterthum versuchte man sich dann diese Wäsche durch Anwendung einiger natürlichen Säfte zu erleichtern, die seifenartigen Stoff enthielten. Dazu benutzte man hauptsächlich das Struthium oder die Seifenwurzel, die, wenn auch nicht häufig, so doch fast in ganz Europa vorkommt. Ihre kriechende Wurzel schäumt, wenn sie im Wasser gerieben wird. Außer dieser Seifenwurzel benutzten die Alten noch den thierischen Gallenstoff und später das mineralische Laugensalz zum Lösen des Fettes und Schmutzens in den Wäschestücken. Dieses leistete weit bessere Dienste als Pflanzensaft und Thiergalle. Die Römer verwendeten es sogar bei ihren Gesundheitsbädern. Mit der Zeit entdeckten sie auch Mineralquellen, die genügend reinigendes Waschwasser hergaben. Die römischen Wollwäscher vermochten zuerst die deutsche Seife noch nicht so allgemein zu verwenden, wie sie es wünschten. Sie war zu theuer, da sie aus weiter Ferne durch römische Händler bezogen werden mußte. Und diese mußten sie von deutschen Hausfrauen zusammenkaufen, da die Seife nicht gewerbsmäßig hergestellt wurde. Außerdem litt die Güte der Seife durch den langen Transport. Zum Reinigen der Wäsche wendete man deshalb lange Zeit hindurch andere Substanzen an. Hauptsächlich benutzte man die Walkererde dazu, die damals allgemein nur „Kreta", nach der Insel, von der man die meiste bezog, genannt wurde. Davon kommt die heutige Benennung Kreide her. Die deutsche Seife versuchte man bald im römischen Staate nachzuahmen. Auch die Verbesserungen, die man bei den Germanen diesem Producte zuwendete, verfolgte man dort aufmerksam. Der an sich schön weiß ausfallende Ziegentalg gab der Seife eine angenehm weiße Farbe. Auch die ihm eigenthümlicke Härte und Festigkeit war ihr von Vortheil. Die Holzasche nahm mau nur von der Weißbuche. Man benutzte also die vorzüglichsten Rohstoffe. Den jetzigen Se-fenfabrikanten sind diese zu kostspielig geworden. Heutzutage nimmt man nur Rinds- und Schöpstalg zur Seifenbereitung. Denn es giebt jetzt tausendmal mehr Rinder und Schafe als Ziegen. Einst war das Ver- hältniß umgekehrt. Man hegte in alter Zeit in Deutschland viele Ziegen der Felle und Hörner wegen. Ruhig ließ man sie bei dem ungeheuren Waldreichthum den jungen Holzanflug benagen. Ueberall in Wald und Wiese gestattete man ihnen freien Spielraum. Das trug zu ihrer Vermehrung wesentlich bei. Erst 1339 kommt zum ersten Male in einer Urkunde im Münsterischen ein Verbot der freien Ziegenhütung deshalb vor, weil das Holz durch sie zu stark beschädigt werde. Und den Talg verwendete man früher nur zur Seifenbereitung, da man die Kerzen bei der einstigen stattlichen Bienenzucht stets aus Wachs herstellte. Fettabgänge, Reste von Talglichten und dergleichen mischte man nicht unter den Talg wie jetzt. Auch das machte die frühere Seife so vorzüglich. Der Name Seife soll von dem lateinischen Wort sevum, Unschlitt, Talg, herrühren. Der Seifenverbrauch der germanischen Länder war ein bedeutender. Das Tragen von Leinenhemden war noch nicht allgemein Sitte, obgleich dies die Germanen viel eher thaten als Griechen und Römer, die es erst von ihnen lernten. Die Wollkleider trug man auf dem bloßen Leibe. Das machte eine öftere Reinigung nöthig, die nur mit der Hand und unter Anwendung vieler Seife vor sich gehen konnte, denn die Walkmühlen, in denen man jetzt die Wollstoffe reinigt, treten erst seit dem zehnten Jahrhundert auf. Die Seife der alten Germanen wird der gewöhnlichen festen Hausseife ähnlich gewesen sein, die auf dem Lande noch hier und da von Bauersfrauen zum Hausgebräuche aus Talg mit Aschenlauge und Kochsalz in Form langer „Riegel" bereitet wird. Bei der allmälichen Erhebung vieler wirthschaftlichen Hantirungen zu Gewerben wurde auch die Seifenproduction zu einem gewerblichen Betriebe gemacht. Denn nun konnten die Handwerker, die ihrer nothwendig bedurften, sich nicht selbst mehr mit ihrer Herstellung befassen. So entwickelte sich bald das Seifensiedergewerbe. Das Mittelalter hindurch scheint in der Seifenproduction kein wichtiger Fortschritt gemacht worden zu sein. Man blieb nach wie vor bei der einfachen, aus bestem Material bereiteten und darum vortrefflichen Hausseife. Der Verbrauch an Seife war aber immer bedeutend. Das Gesinde bekam außer dem Lohne noch ein Seifengeld znm Kauf der nöthigen Seife. 424 In Nürnberg gab es Seifenschauer. Dort verkauften die Seifensieder in besonderen Ständen auf öffentlichem Markt. Die Seifenschauer gingen von einem zum anderen und drückten ihr Zeichen neben dem des Sieders auf, wenn sie die Seife für gut befanden. Erst dann durfte die Seife verkauft werden. Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert stand die Seifenfabrikation in höherer Blüthe als jetzt. Man suchte eine Ehre darin, die beste Seife mit peinlicher Sorgfalt zu bereiten und verwendete nur die feinsten Materialien dazu. Da gab es im Handel zahllose berühmte Sorten von Seife: Nervenseife, Hauptseife, Damascener-, Neapolitaner, Frankfurter Seife, Bononische (aus Bologna) Seisenkugeln, auch Pestseifenkugeln, Seife, „die Flüsse aus dem Haupte zu ziehen", „das Gedächtniß zu stärken" u. s. w. „Königliche Seifenballen" sollten das Gehirn stärken, Schwindel vertreiben und vor Schlag und fallender Sucht behüten. Die sogenannte „gute Seife der Frau von Altheim" war ein Liebling der Damen. Sie war aus viel Mandelöl, Bohnenmehl, Citronen u s. w. sorgsam bereitet. Sie „gab schöne Hände, doch müssen stets Handschuh dabei getragen werden." Auch die „gute Handseife der Gräfin von Hohen lohe" sollte glatte, schweeweiße Hände schaffen. In südlichen Ländern nimmt man statt des Talgs Olivenöl zur Seifenbereitung. Am berühmtesten war zu jener Zeit die Venetianische Seife. Diese hielt man für unübertrefflich, wie ein altes Buch sagt, weil die „Asche dazu von den bösen, wilden Türken Herkommen, so müssen sie scharf und besonders sehn." Die Holzasche gewann man nämlich aus afrikanischen, egyptischen und kleinasiatischen Holzarten. Man nahm in Italien aber auch nur das feinste Oel zur Seife, besonders gern das Apulische, und setzte ihm noch Mohnöl zu. Die vornehmste Venetianische Seife trug als Zeichen einen Halbmond oder eine Bärenklaue. Andere berühmte italienische Seifen wiesen das Bild einer Kugel, eines geflügelten Löwen, einer Kette, eines Tannzapfen, der Sonne, des Mondes, oer Sterne, eines Pelikans, Adlers, Greifen, einer Rose, einer Lilie u. s. w. auf. In Neapel soll der Seifen- und Oelzoll damals jährlich 104 000 Ducaten eingebracht haben. Einen mächtigen Aufschwung nahm die Seifenindustrie, feit der bekannte Pariser Chemiker Chevreul (geb. 1786), der sich um die Erforschung der Farben und Fette hochverdient gemacht, die Natur der Fette und demnach das eigentliche Wesen des Verseisungsprocesses kennen lehrte. Von anderer Seite unterstützte die starke Entwickelung der Sodaindustrie diesen Aufschwung. Von da an schritt die Seifenfabrikation staunenerregend vorwärts. Sie ist eines der wichtigsten und lohnendsten Glieder der chemischen Industrie geworden. Von hervorragender Bedeutung ist sie besonders in Frankreich, wo Marseille, Toulon und Lyon sorgfältig bereitete und mit wohlriechenden Substanzen vermischte Toilettenseifen liefern, England, dessen schwarze Pear - Seifenkugeln unübertrefflich sind, und Deutschland. Im Allgemeinen gilt aber, daß die Seife jetzt gering- werthiger dargeste'U wird, als früher. Man verzichtet ganz auf die Erzeugung von Kernseife. Das Vermögen der Seife, viel Wasser aufzunehmen, ohne ihr Aussehen wesentlich zu verändern, benutzt man, um recht billige Seifen herzustellen. Daran hat das Cocosöl viel Schuld. Aus ihm wird in Unmengen alabasterweiße, durchscheinende, leicht schäumende Seife fabricirt, die aber werihlos ist, weil sie schlecht löst. Auch sonst kommen viele Verfälschungen mit weißem Thon, scharfen Oelen und Salzen vor. Die besseren deutschen Fabriken liefern aber solidere Maare als die französischen, die mehr auf zierliche Form, augenfällige Färbung und verführerischen Wohlgeruch, als auf inneren, gründlich lösenden und doch die Haut nicht schädigenden (neutralen) Gehalt ihrer Seife achten. Gemeinnütziges. Steinpilz. Zeit der Bereitung 2 Stunden. 5 Personen. 3 Liter Pilze werden geschält (von kleineren benutzt man auch den Stiel mit), in große Würfel geschnitten, kurze Zeit in siedendes Salzwasser, dann mit einer geschälten kleinen Zwiebel in 50 Gr. kochende Butter gethan, etwas Mehl darüber gestäubt, Salz, Pfeffer, gewiegte Petersilie und 10 Gr. Liebigs Fleisch-Extract daran gethan. Man dünstet sie langsam weich und giebt zuletzt einige Löffel sauren Rahm an das Gemüse. Man servirt es gern zu Beefsteak, Coteletten und gekochtem Schinken. * * * Süße Tomatensauce. Ein Dutzend reife Tomaten werden gewaschen, mitten durchgeschnitten und die Kerne weg- gethan. Dann durchdünstet man sie in einem Stück frischer Butter, etwas ganzem Zimmt und Citronenschale, passirt sie durch, kocht sie dann mit einem halben Liter Weißwein und dem nöthigen Zucker auf, bindet sie mit einem Kaffeelöffel in Wasser verrührtem Kartoffelmehl, rührt sie noch einige Minuten auf dem Feuer und giebt sie zu Mehlspeisen, Puddings rc. Humoristisches. (Aus den „Fliegenden Blättern".) Der Rechte. Herr (zum Lebensretter, der seine Tochter aus dem Wasser gezogen): „Nehmen Sie sie zur Frau, edler Mann. . . Sie haben die nöthige Courage!" — Moderne Anzeige. „Verradelt bis ersten September. Dr. Kurpfuscher." — Uebertrumpft. „Jetzt hab' ich meine« Mann bereits so gezogen, daß er nie mehr den Hausschlüssel verlangt!" „Pah, da hab' ich meinen Mann noch besser gezogen^ der hat den Hausschlüssel stets bei sich und ist doch um neun Uhr zu Hause!" — Zeitgemäß. Strolch (zum Gefängnißwärter): „Bringen Sie mir, bitte, eine Postkarte mit Ansicht!" — Im Dorfwirthshaus. Gast: „Warum ist denn kein Stiefelzieher da?" Magd: , Da müss'n S' warten — der geht jetzt im zweiten Stock 'rum!" * * * Unverfroren. Bankier (einen Einbrecher ertappend): „Halt, Schurke — hab' ich Dich!" — Einbrecher: „Donnerwetter, jetzt bin ich eingegangen — (schnell gefaßt) — können Sie mir nicht die Adresse von einem tüchtigen Ver- theidiger sagen?" * * » Mädchen-Freundschaft. Ella: „Findest Du nicht, daß sich unsere Freundin Erna seit einem Jahre auffallend verändert hat?" — Stella: „Gewiß — aber sehr zu unserem Vortheil!" * * * Ballgespräch. Junger Mann: „Fräulein, sind Sie schon einmal in einem Tunnel verwechselt worden?" » * * Ein Schlanke!. „Nandl, gieb mir 'gschwind a' Busserl — mich friert's damisch in d' Füß'!" * * * Unter Freundinnen. Johanna: „O, Marie, denke Dir, Arthur hat sich mit mir verlobt!" — Marie: „Das überrascht mich nicht! Er sagte ja, als ich ihn zurückwies, daß er eine Dummheit begehen würde!" Redaction: 8L Sch-Yda. — Druck und «erlag der Brühl'schen Universttäts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.