„Maie" aus- chland so hoch- s darin seinen cünen Schmuck s vom baumln Jedenfalls miergott, dem sonders heilig. die heidnische ) für sich be- örden srüherer d Verfügungen i. Man hielt // en finden wir che Frauenwelt sich alle feder- verden wollen, fahrung sollen angeben und nhweudige uw- cnke Hinweisen, anten Salon- ttingen (Werth se anschließen^ ..Bon Haus zu Adolf Mahns i versandt wird. i) in Gicß-n. Das Kind der Tänzerin. Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann. (Fortsetzung.) Sobald ich es wagen durfte, eilte ich nach der Alleh zurück. Kurz ehe ich diese erreichte, erblickte ich eine Frau, die langsam auf dem Trottoir nach dem Eingang zur Gasse hin schritt/ sie hatte das Aussehen einer auf der Lauer stehenden Person/ ein dichter Schleier verhüllte ihr dunkles Gesicht. Dennoch erkannte ich die Fremde auf der Stelle, und ich bin überzeugt, daß aueh sie mich wieder erkannte. Durch den Schleier hindurch hefteten sich ihre schwarzen Augen auf mich, und es schien, als ob sie mich anreden wollte/ sie unteiließ es indessen, wandte sich um und schritt rasch und geräuschlos davon. Ich flog durch die Gassen nach dem alten Haus und eilte die Treppe hinauf. „Nan! Nair!" schrie in aus vollem Halse. Oh welche Freude! Es war ihre zarte Stimme, die mir antwortete. /'Ist Jemand hier gewesen, Nan?" fragte ich, als ich oben angekommen war, „und wo ist die Großmutter?" „Es ist Niemand hier gewesen," antwortete sie zu meiner großen Beruhigung, „und die Großmutter ist krank/ st- liegt auf dem Bett." Ich verstand, was das zu bedeuten hatte. In dem Eckschrank befanden sich erbettelte Speiseüberreste/ Nan und lch begaben uns auf die Treppe hinaus, um unser Abendbrod einzunehmen, denn der Gin-Geruch in der Stube war fast belaubend/ ich gab Nan den schönen Apfel, den die Obst- verkäuferui an der Straßenecke mir geschenkt hatte. „Wie gut Da gegen mich bist, liebe, liebe Polly!" sagte die Kleine, indem sie sich dicht an mich schmiegte und ihre zarten Arme um meinen Hals schlang. Lange Zeit saßen wir in stummer Umarmung auf der Treppe. In dem Corridor unter uns war wie gewöhnlich besonders an- * gewissermaßen den Gemeinde 'eu erfundene öchen dagegen i Strauchbesen ihres inneren ( »gerechte und keine „Frucht sagte einmal: en, nun aber bäum." Wer i, der ist nach i den Wasser- Auch nach 1 werden die selbst in nicht- ne und andere losen Gottheit, ichen Christen- itag wieder in nd als gerecht I der Grünen" ündonnerstag" LoimerStaß 6tl 10. Juni. sCTnüf sH M S3e ähige Mädchen rfetzten Besen, zu verhindern nswandel an. ! in Uhlands t, hüte die Gedankn, die Du hast, Zuletzt ein ganzes Menschenglück gebrochen. W hi O/Jf Ein leichtes Wort, das achtlos ausgesprochen, Es wächst oft bis es mit Lawinenlast E. Scherenberg. ein Streit ausgebrochen, Männer und Weiber schimpften einander in fremden Sprachen. Allmälig brach die Dunkelheit herein. Der Leierkastenmann, welcher die anstoßende Dachstube inne hatte, kam staubbedeckt und müde die wackelige Treppe hinauf, hinter ihm Pietro, der einen Affen in rother Jacke und Mütze trug. Ich zwickte meinen Feind, als er vorüberging, boshaft ins Bein, was ihm einen lauten Schmerzensruf entlockte. In einem Zimmer weit unter uns wurde lustig gegeigt/ ich achtete indessen nur wenig darauf, sondern dachte beständig an die braune, dicke Frau und fragte mich, ob sie wohl noch immer draußen auf der Lauer stehe. Nan wurde endlich schläfrig/ ihr kleines Lockenköpfchen lehnte sich schwer an meine Schulter. „Komm, laß uns hineingehen," sagte ich, worauf wir uns in die Stube zurückbegaben, wo die Alte noch immer in trunkenem Schlummer auf dem Haufen Lumpen lag, dec ihr als Bett diente. Nan und ich streckten uns auf den harten Dielen unter dem „Skylight" aus, blickten durch die zersprungenen Glasscheiben zum nächtlichen Himmel empor und suchten die Sterne an dem tiefblauen Firmament zu zählen, bis wir endlich Beide einschliefen. Am folgenden Morgen geschah, was ich am meisten fürchtete/ Großmutter Serag schickte mich wiederum allein zum Betteln aus. Nan bat weinend, mich begleiten zu dürfen, und noch jetzt denke ich mit Entsetzen daran, wie die Alte mit ihrem Stocke zwischen uns fuhr und mich so heftig zur Thür hinausstieß, daß ich die Hälfte der Treppe hinabfiel. Als ich mich wieder erhoben hatte, blickte ich zurück und sah Nans kleines, liebliches Gesicht von Thränen benetzt an der Thür der Dachstube. „Adieu, Polly — liebe, gute Polly!" rief sie schluchzend. Ihre goldenen Locken wall-en um ihr kleines Gesicht/ ihr zerlumptes Kleidchen flatterte in dem Luftzug. Noch ein letztes Kußhändchen warf sie mir zu, bann zog das widerwärtige Weib sie unsanft in das Zimmer zurück. Oh Gott, ich hatte Nan zum letzten Male gesehen! An diesem Morgen lief ich in der ganzen Nachbarschaft der Alley umher und spätste allerwärts nach der braunen Frau/ ich fürchtete, sie möchte irgendwo in der Nähe lauern. Zu meiner großen Beruhigung aber war keine Spur von ihr zu entdecken/ ich fing beccits an zu hoffen, daß ihre Nachforschungen nach Nan erfolglos geblieben seien, trieb mich trotzdem beständig in der Nähe der Gaffe und des Hauses umher, obschon ich wohl wußte, daß ich wegen dieser 262 Vernachlässigung meines Tagewerkes grausam gezüchtigt werden würde- allein ich sah nichts Beunruhigendes. Stunde um Stunde verging; ich hatte noch keinen Cent eingenommen- ich entfernte mich endlich aus unserem Mertel, kehrte aber nach kurzer Zeit zurück und ging endlich nach Hause. Einer Katze gleich schlich ich die Treppe hinauf und öffnete die Thür der Dachkammer. Großmutter Serag befand sich allein darin, wie fast immer, auch heute bei ihrer Ginflasche. „Wo ist Nan?!" rief Ich athemlos. Sie blickte mich von der Seite an. „Wo ist das Geld, das Du eingenommen hast?" „Ich habe keins — keinen Cent!" schrie ich. „Wo ist Nan?" fragte ich wiederholt. In diesem Augenblick fielen meine Blicke auf den Eck schrank. Die Thür stand offen, und auf einem der Bretter gewahrte ich eine Rolle Geld — mehr als ich je in meinem Leben gesehen hatte. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen, und die grausame Gewißheit drang wie ein Dolchstoß in mein Herz. „Großmutter!" schrie ich, „wo hast Du das Geld her? Du hast meine Schwester an die fremden Leute verkauft — sie haben das arme Kind mit fortgenommen!" Die Alte rührte gleichmüthig ihren Gin um. „Was geht das Dich an?" stammelte sie- dann fügte sie energisch hinzu: „Ja, sie haben sie mit fortgenommen, und ich bin den Satansbalg nun für immer los!" Einen Augenblick stand ich wie versteinert da- dann stürzte ich auf die Alte zu und schlug ihr das Whiskyglas aus der Hand. „Wo sind die Leute? Die Leute, die Nan mit fortnahmen? Wie heißen sie und wo wohnen sie? Ich muß es wissen!" keuchte ich hervor. „Ich weiß nicht, wer und wo sie sind," antwortete die Alte mürrisch- „ich habe ein Recht, nach Gutdünken über das Kind zu verfügen- sie ist meine Enkelin, und ich bin zu alt, um länger für sie zu sorgen- es war eine Handlung der Barmherzigkeit, daß die Leute sie mir abnahmen." Ich glaubte ihr nicku, daß sie Nans Großmutter sei, verschwieg jedoch meinen Zweifel und legte mich auf's Bitten. „Sag mir, Großmutter, wann waren diese Weiber hier und was sagten fie?' bettelte ich und nannte die Alte bei Schmeichelnamen. Um mich zu beschwichtigen, antwortete sie: „Es war nur eine hier, eine dunkle Person mit verschleiertem Gesicht. Sie kam vor ungefähr einer Stunde herauf und sagte, sie suche ein kleines Mädchen, das sie auf der Straße gesehen habe. Sie wisse von einer Dame, welche die Kleine zu adoptiren wünsche- sie gab keinen Namen an, ließ sich auf keine Erklärung ein und sagte, daß Keines von uns das Kind je wieder sehen solle, daß die Kleine es aber sehr gut haben würde - sie solle wie das Kind reicher Leute gehalten werden. Ich nahm das Geld, welches sie mir bot, und sie nahm Nan und fuhr mit ihr in einer Katsche fort. Das ist Alles." Ich wußte, daß sie die Wahrheit sprach, und so jung ich war, hatte ich doch schon gelernt, daß es in dieser Welt ein unvermeidliches Schicksal giebt, gegen das man vergebens ankämpft, dem sich Alle unterwerfen müssen. In dieser ersten Nacht meiner Trennung von Nan gelobte ich mir, sie zu suchen. „Ich werde sie finden," sagte ich mir, „und sollten auch Jahre und Jahre darüber vergehen." Dieser Gedanke gemährte mir einen großen Trost. Am folgenden Tage stellte ich mich neben dem großen Kaufladen auf, vor welchem mich die eine der Frauen angesprochen hatte. Eine Eguipage nach der anderen kam vorgefahren, Hunderte von Damen gingen zu den großen Flügelthüren aus und ein, allein keine braune, blatternarbige Frau ließ sich mit ihrer schönen, lahmen Gebieterin am Arm erblicken, Niemand, der auch nur die emfernteste Aehnlichkeit mit derjenigen hatte, die ich so euisig suchte. Mit leeren Händen kehrte ich am Abend nach der Dachstube zurück. Großmutter bedurfte ja für den Augenblick keines Geldes- der Preis, den sie für Nan erhalten hatte, befand sich noch in dem Eckschrank. Was sie mit jenem Gelde angefangen erfuhr ich nie- ich hätte keinen Cent davon berührt, wäre ich auch am Verhungern gewesen- es war ja Blutgeld! Am nächsten Tage durchwanderte ich die unendlich langen Straßen, schaute zu unzähligen Fenstern empor blickte in alle vorüberfahrenden Equipagen, musterte allenthalben das Volksgedränge, das sich auf den Trottoirs hm und her schob — doch nirgends entdeckte ich eine Spur von Nan. Dies war der Anfang meines Suchens, das sich aus Wochen, Monate und Jahre ausdehnte, ohne den geringsten Erfolg zu haben. Die Zeit tröstete mich nicht um Nans Verlust- nichts vermochte ihren Platz in meinem Herzen auszufüllen. Das Elend in der Alley nahm zu. Die Raufereien und Schlägereien wurden häufiger, die Bewohner des Mieths- hauses fluchten immer lauter auf den alten wackeligen Treppen- Großmutter Serag trank immer mehr Gin, und die Treffes die ich Pietro und den übrigen Knaben der Gasse zu liefern hatte, nahmen an Heftigkeit beständig zu. Ich hatte die Alley von jeher gehaßt- nach Nans Verschwinden verabscheute ich sie mehr, als Worte auszudrücken vermögen. Ein Jahr verging, ein zweites und ein drittes schwand dahin, und noch immer war in meinem elenden Leben keine Veränderung eingetreten. Nach wie vor bewohnte ich mit Großmutter Serag die erbärmliche Dachstube, nach wie vor hatte ich Schläge und Mißhandlungen von ihr zu erdulden, war ich das Opfer der Sommerhitze, des Winterfrostes, des Hungers und der Entbehrungen. Und während dieser ganzen langen Zeit setzte ich meine fruchtlosen Nachforschungen nach der Entführten beharrlich fort. Während dieser ganzen langen Zeit begab ich mich nicht ein einziges Mal an mein verhaßtes Tagewerk des Bettelns auf die Straße, ohne an sie zu denken — ohne in bie fashionablen Läden und in die Equipagen zu blicken, die an mir vorüberrollten. Immer und überall stand ich aus der Lauer nach Nan. War sie tobt oder lebte sie noch? Diese Frage legte ich mir beständig vor, und dazu gesellte sich die weitere Frage, ob sie wohl glücklich sein mochte. Litt sie Hunger und Frost, und — oh! — hatte sie Polly vergessen? Im dritten Jahre war meine Sehnsucht nach dem Kinde noch stärker als im ersten - sie steigerte sich zu einem Fieber, das meinen vom Hunger ausgemergelten Leib und meine ruhelose Seele verzehrte. Nie werde ich einen Tag in meinem freudlosen Leben vergessen. Die Sonne schien hell auf die große Stadt hernieder- die Straßen wimmelten von Menschen, die alle froh und glücklich in die Welt zu blicken schienen. Unser Orgeldreher hatte sich mit Pietro und dem Affen sehr früh auf den Weg gemacht- die alte Obstverkäuferin an der Straßenecke sang stillvergnügt vor sich hin, als ich an ihr vorüberging und rieb ihre rothbackigen Aepfel mit einem wollenen Tuch. Ich selbst kam mir als das einzige elende Wesen auf der ganzen weiten Erde vor. An jenem Morgen hatte ich mich zum ersten Male geweigert, nach der Schnapsbude zu gehen und Gin für Großmutter Serag zu holen, war bei dieser Weigerung hartnäckig verblieben. Das Resultat war das gewesen, daß die Alte mich die Treppe hinabgestoßen hatte und mich jetzt jedes Glied meines mageren Leibes schmerzte- Mehr als je vermißte ich die kleinen Füße, die einst neben mir her trippelten, das zarte Händchen, das einst in meiner Rechten zu ruhen pflegte, wenn wir auf unser verhaßtes Tagewerk ausgingen. „Oh, Nan, komm zurück!" schluchzte ich einmal um das andere, als ich langsam durch die Straßen schlenderte, „nur einmal noch, nur für einen Augenblick zeige Dich meinen Blicken, dann will ich gern zufrieden sein!" Und endlich, endlich fand dieser Aufschrei meines armen Herzens eine Antwort. Ich hatte den besseren Stadttheil erreicht und stand vor dem Schaufenster einer Conditorei. Hungrig, müde und mit sehnsüchtigen Blicken schaute ich auf die Kuchen und andere guten Dinge, die hinter der großen Spiegelscheibe ausgehäuft lagen, als zwei junge Leute an mir vorüberstreiften. Der Jüngere, fast noch ein Knabe, wandte sich bei meinem Anblick betroffen um und blickte mich mit seinen munteren, blauen Augen mitleidsvoll an. „Armes, kleines Ding!" sagte er; „Du möchtest wohl ein wenig von dem Kuchen und dem Zuckerwerk da drinnen haben?" „Ja," antwortete ich. Er steckte die Hand in die Tasche, zog sie aber leer heraus; er schien nichts gefunden zu haben. „Komm, Deck!" rief sein Kamerad lachend aus; „wir kommen zu spät in's Hospital, die Vorlesungen haben bereits begonnen, und dann wird der Onkel ungehalten sein; Du hast kein Geld bei Dir?" „Ich habe mein Portemonaie vergessen," erwiderte der Jüngere; „leihe mir einen Vierteldollar. Bei Gott! Ich habe nie ein so erbarmungswürdiges Gesicht gesehen, als das dieses Mädchens." Der Aeltere gab ihm das gewünschte Geld, sagte aber mit überlegener Miene: „Einen Vierteldollar willst Du ihr geben? Welche Verschwendung! Wie närrisch, sich von dem Jammergesicht einer Straßenbettlerin bethören zu lassen; es gehört mit zu ihrem Gewerbe, eine klägliche Fratze zu schneiden." Mit gutmüthigem Lächeln streckte der „Dick" Genannte das Geld in die Hand. „Da, mein liebes Kind," sagte er freundlich; „siehst Du, um Deinetwillen habe ich Schulden gemacht; nimm das Geld und kaufe Dir Kuchen dafür. Wie heißt Du denn?" „Polly." „Polly? Wie weiter?" „Das ist Alles." „Wirklich? Das ist ja ein merkwürdig kurzer Name." „Wo wohnst Du?" „Um's Himmels willen, Dick, so komme doch!" rief der Aeltere ungeduldig; „hat man jemals einen so albernen Menschen gesehen, sich mit solch' einem Geschöpf in ein langes Gespräch einzulassen." Dies waren die letzten Worte, die ich vernahm, denn in demselben Augenblick erspähte ich in dem dichten Wagengewühl der Straße eine höchst elegante Equipage, die langsam an dem Punkt, wo ich stand, vorüberfuhr. Es war ein sogenannter Landauer. Die Pferde waren prächtige Thiere in glänzendem Geschirr, der Kutscher trug eine fashionale Livräe und hatte ein steifes, pompöses Aussehen. In der Equipage saß eine Dame mit einem Kind; sic trug eine reiche Toitette, Diamanten blitzten an ihrem Busen und in ihren Ohren, ein prächtiges Pariser Hütchen bedeckte ihre schönen Locken, die ihr hübsches, bleiches Gesicht umwallten. Ich erkannte sie auf den ersten Blick. Und das Kind neben ihr? Mein Herz pochte gewaltig auf und schien dann plötzlich still zu stehen. In veilchen- farbenen Sammet mit Spitzen und Stickereien gehüllt, während das Licht der Sonne auf ihre zarten, rosigen Wangen und ihre langen, goldenen Locken fiel, saß Nan wie eine Heine Lilie, als wäre sie mitten unter all diesem Luxus geboren, neben der Dame. Einen Augenblick stand ich wie versteinert da; daun aber sprang ich mit einem Schrei, der die Blicke aller Umstehenden auf mich lenkte, von dem Trottvir auf den von Wagen aller Art blockirten Damm. „Nan! Nan!" rief ich. Das Geräusch der Straße übertönte meine Stimme; das liebe Kind hörte und sah mich nicht. Nicht so die lahme Dame. „Nan! Nan! Nan!" rief ich wieder, so laut ich vermochte. (Fortsetzung folgt.) Wie einst im Mai. Novellette von M. C. Carpenter-Meyer. ------- (Nachdruck verboten.) Komm an mein Herz, Daß ich Dich wieder habe, Wie einst im Mai! „Nun wir Ihre Knochen wieder so weit zusammengeheilt haben, bleibt nichts mehr für uns Chirurgen, die Natur muß das Uebrige thun, lieber Freund. Ich rathe Ihnen, bis zum Sommer an die Nordsee zu gehen, Ihre Nerven sind total runter — dort leben Sie so ruhig wie möglich — keine Extravaganzen, keine Aufregungen — kein fashionables Modebad — nein, ein einsames Fischerdorf." Mit diesem wohlmeinenden Rath entließ mich Professor B. aus seiner Klinik und ich ging in die Verbannung. — Oede und verlassen lag der Strand des kleinen Fischerdorfes P. da, ein paar kreischende Möven, spielende Kinder, zur Zeit der Ausfahrt und Heimkehr die Fischer mit ihren Netzen und Körben, der Wechsel von Ebbe und Fluth und hin und wieder in der Ferne ein schwarzer Streifen — der Rauch eines Oceandampfers. Drei Wochen schon beobachtete ich dieses sich ewig gleichbleibende Bild und fühlte, wie die Kräfte langsam wieder- kamen trotz der frischen Märzluft, wenn nur die schreckliche Langeweile nicht gewesen wäre! Außer mir beherbergte P. zur Zeit nur noch einen Gast, einen reichen, spleenigen Amerikaner, wie meine Wirthin sagte, der ob seines finsteren, schweigsamen Wesens den Strand- bewohneru viel Stoff zu abenteuerlichen Gesprächen gab. Gesehen hatte ich ihn noch nicht. Da, als ich eines Nachmittags traumverloren am Strande lag, stand plötzlich ein junger Mann vor mir, der eine von mir vor einigen Tagen verlorene Brieftasche mit wichtigen Notizen in der Hand hielt und mir dieselbe mit artigen Worten reichte. Er war groß und schlank, man hätte ihn schön nennen können, wenn nicht ein so finsterer Zug auf seinem Gesicht gelegen hätte, wenn nicht die Augen so starr und unheimlich geblickt hätten. Ich sprach ihm meinen Dank für die Tasche aus, wir stellten uns einander vor und waren bald in eifriger Unterhaltung. Es war der „Amerikaner", wie sie ihn hier nannten, obwohl fein Name Bodinghausen echt deutsch klang. Wir trafen uns von diesem Tage ab öfter am Strande, ich fühlte mich trotz des großen Ernstes zu ihm hingezogen, erzählte ihm von meinem Leben, meinem Wollen und Können, theilnahmsvoll lauschte er all meinen Plänen, manch' guten, erprobten Rath gab er, nur über sich und seine Berhältniffe sprach er seltsamerweise niemals. War das Wetter gar zu schlecht, daß ich nicht hinaus durfte, so kam er zu mir. Wir spielten bann Schach oder Tarock und vertrieben uns die Zeit, so gut es eben gehen wollte, immer aber tag auf seinem Gesicht ein Ausdruck von Schmerz, es mußte ein schreckliches Etwas in sein Leben eingegriffen haben. — Woche auf Woche ging so hin. Es war Mai geworden und die ersten Sommergäste waren in P. eingezogen; auch meine Wirthin hatte noch zwei Damen aufgenommen. „Es sind feine Damen, Herr," sagte sie, „eine Mutter mit ihrer Tochter, einer jungen Capitänswittwe, deren Geist durch den frühen Tod ihres Gatten umnachtet. An der See sollte die Bedauernswerthe für ihre kranken Nerven Stärkung suchen." Gesehen hatte ich die Damen noch nicht, nur ab und zu hörte ich eine schöne, weiche Altstimme zur Begleitung einer Harfe schwermüthige Lieder fingen. Bodinghausen und ich saßen wie gewöhnlich beim Schach, als im Nebenzimmer deutlich eine Stimme sagte: „Evelyn, willst Du nicht einmal wieder fingen ?" Befremdet sah mich Bodinghausen an; ich erzählte ihm 264 von den neuen Mitbewohnern und dem schrecklichen Schicksal der jungen Frau. Der Zug von Bitterkeit und Verzweiflung auf seinem Gesicht trat noch schärfer als sonst hervor und leise sagte er: „Glückliches Wesen!" Starr sah ich ihn an — war auch er vielleicht einer jener glücklichen Unglücklichen? Doch ehe ich mein Befremden äußern konnte, ertönten von drüben her sanfte, volle Harfentöne und eine schwer- milchige Stimme sang: „Stell aus den Tisch die duftenden Reseden, Die letzten rothen Astern trag herbei, Und laß uns wieder von der Liebe reden Wie einst im Mai!" Es klang wunderbar durch die Abendstille, leise und geheimnißvoll rauschte die See, es wu-de wach, was tief im Herzen geschlummert: Wünsche, Erinnerungen, Hoffen und Sehnen regten sich — ein waches Träumen. „Es blüht und funkelt heut auf jedem Grabe, Ein Tag im Jahre ist den Tobten frei; Komm an mein Herz, daß ich Dich wieder habe Wie einst im Mai! Wie einst--" Schrill, mit einem entsetzlichen Schrei, ein Schrei, der das ganze namenlose Seelenleiden des unglücklichen Weibes verrieth, brach die Sängerin ab. Stumm, dem Gesänge lauschend, hatte ich am Fenster gesessen, jetzt erst blickte ich auf mein Gegenüber. Bodinghausen war anscheinend kraftlos in seinen Sessel zurückgesunken — meine Gegenwart schien er vergessen zu haben. „Komm an mein Herz, daß ich Dich wieder habe wie einst im Mai — Evelyn!" Leise, mit flehender Stimme wiederholte er die letzte Strophe des schwermüthigen Liedes. Ich wandte mich zum Fenster zurück — ich sühlte, hier war ich großem, schwerem Leid begegnet — das Lied oder die Sängerin mußte in irgend einer Beziehung zu ihm stehen. Nebenan blieb Alles still, auch Bodinghausen rührte sich nicht- lange saßen wir so stumm, da legte sich eine Hand auf meine Schulter, Bodinghausen stand vor mir und sagte: „Verzeihen Sie, die Erinnerung war mächtiger als ich. Ich danke Ihnen für Ihre Nachsicht, die Sie mir stets bewiesen, lassen Sie mich Ihnen zum Dank meine Geschichte erzählen. Es dauert nicht lange und Sie werden mich dann besser verstehen — und auch mich wird es erleichtern, wenn ich einmal einem Manschen mein Herzleid offenbaren kann." Er nahm mir gegenüber Platz und begann mit leiser, ruhiger Stimme: „Wie Sie mich kennen und sehen, bin ich ein gebrochener Mann, einer, der keine Hoffnung, keine Zukunft, keine Wünsche und kein Begehren mehr hat — aber ich war es nicht immer — es gab auch für mich eine Zeit, in der mir die Welt so schön und das Leben so verlockend erschien. — Meine Eltern waren arm, Arbeiter in einer großen Fabrik. Wir lebten das Leben der „Enterbten", dennoch waren wir glücklich — bis meine Mutter starb; mit ihr schwand der Sonnenschein aus unserm Hause. Mein Vater gerieth in schlechte Gesellschaft und ehe noch ein Jahr vergangen, war Alles dahin und die Noth bis auf's Höchste gestiegen. Da starb auch der Vater. Ein wohlhabender Mann, der Mitleid mit mir empfand, nahm mich darauf zu sich. Er meinte eS gut mit mir und gab mir Alles mit auf den Weg, was in seiner Macht stand. Ich erhielt eine gute, gründliche Erziehung und trat dann in sein Geschäft einer wollte meine Zukunft sichern. Aber es kam anders — er starb plötzlich. Seine Erben entledigten sich meiner- ich war ihnen eine Last- zum zweiten Male stand ich allein. Es ging mir wie V-elen — überall, wo ich mich um eine Stelle bewarb, ward mir der gleiche ablehnende Bescheid. Fast verzweifelt, kam ich auf den Gedanken, nach Amerika zu gehen, als Steward auf einem Dampfer gelangte ich hinüber und erlebte auch hier dieselben bitteren Enttäuschungen, bis endlich der Zufall mir zu einer guten Stellung verhalf. Mein Chef war einer der californischen „Goldkönige". Er hatte im Laufe der Zeit großes Vertrauen zu mir gefaßt und übertrug mir oft Privatangelegenheiten, die mich in sein Palais führten. Hier sah ich Evelyn Johnstone, seine einzige Tochter, die Erbin seiner Millionen, zum ersten Male. Sie liebte das Deutsche, da ihre Mutter eine Deutsche war, besonders, und ließ sich oft von mir über Deutschland erzählen, ich mußte ihr deutsche Bücher und Noten besorgen und sie auf dem Clavier zum Gesang begleiten. Die Stellung der jungen Amerikanerin ist viel selbstständiger, viel freier, aber gerade dadurch viel unantastbarer als die unserer deutschen Mädchen, und der arme deutsche Clerk wurde als ein Mann, der seine Augen zu Evelyn Johnstone erheben könnte, von Mr. Johnstone überhaupt nicht gerechnet — anders jedoch dachte Evelyn — Ich hatte, wie so oft, ihren Gesang begleitet, als sie noch ein Notenblatt auf das Clavier setzte. „Nur dieses noch, Mr. Bodinghausen, cs war meiner Mutter Lieblingslied und ist auch das meine." Ich spielte und sie sang: „Stell auf den Tisch die duftenden Reseden, Die letzten rothen Astern trag herbei, Und laß uns wieder von der Liebe reden Wie einst im Mai. Gieb mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke, Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei, Gieb mir nur einen Deiner süßen Blicke Wie einst im Mai!" Und als sie geendet — da war's um uns geschehen — Evelyn lag in meinen Armen — wir hatten uns ja so lieb! Nur wer den Stolz der amerikanischen Goldkönige kennt, kann ermessen, was unserer Liebe sicheres Schicksal. Evelyn gestand ihrem Vater die Liebe zu dem einfachen deutschen Clerk ein. Mr. Johnstone ließ mich in sein Privatcomptoir rufen. „Mr. Bodinghausen," sagte er, „Evelyn hat mir gesagt, daß Sie sie lieben, ich achte Sie hoch, aber meine Tochter wird nur einen Mann heirathen, der reich genug ist, ihrer Millionen nicht zu bedürfen — können Sie ihr das bieten, so sollen Sie mir als Schwiegersohn willkommen sein. — Und nun leben Sie wohl." Er reichte mir die Hand und übergab mir ein kleines Packet- es enthielt mein volles Jahresgehalt und einen Brief Evelyns. Sie schrieb: „Wir müssen uns trennen, Geliebter, versuche nicht, mich wiederzusehen. Gott geleite Dich - ich muß ohne Dich leben, aber werde bleiben bis zum Tode Deine getreue Evelyn." (Schluß folgt.) Hunroristisches. Schöner Trost. Frau N. bemerkt erst nach dem Umzuge in ihre neue Wohnung, daß die Wasserleitung sich außerhalb des Hauses im Hofe befindet. Sie läßt den Wirth rufen und hält ihm vor, daß er ihr diesen Uebelstand absichtlich verschwiegen habe. „Aber denken Sie doch daran, meinte dieser, „was Sie im Sommer für kühles Wasser haben werden!" — „Ja, aber im Winter muß ich immer durch den Schnee waten, um Wasser zu holen." — ,/^'cht doch, haben Sie gar nicht nöthig. Im Winter ist die Leitung regelmäßig zugefroren!" Redaction: L. Schryda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerci (Pietsch & Scheyda) in Gießen.