8UH Du ! j ! t piuuci, •^KU er trau’ auf Gott — doch auch auf eig'ne Kraft; Gott s-gnet nur, was Du Dir selbst gerafft Ernsthaft streben, Heiter leben, Vieles schauen, Wen'gen trauen — Deutsch im Herzen, Tapfer und still, Dann mag kommen, Was da will! I. V. v. Scheffel. Der Mnjoratsherr. Roman von Nataly v. Eschstrnth. (Fortsetzung.) Capitel 12. Das Jagdschloß Rauenstein liegt wunderbar schön im Gebirge. Auf freiragender Felsgruppe erbaut, an drei Seiten von mächtigem, uraltem Hochwald eingeschlossen, gewähren die Frontfenstcr den Blick weit über die Berge, bis fern hin, wo sich das dunkle Wipfelmeer in blaue Schlerer hüllt und die zarten Linien der Gebirgsscheitel nebelgrau in den Wolken verschwimmen. Rauenstein seiber ist ein alter, Pittoresker Bau ohne Stil und Einheitlichkeit- die Laune eines längst verewigten Herrschers hat ihn aus dem Schutt einer Burgruine neu erstehen lasten, und anfänglich ganz in der Art des winkligen, spitzgiebligen Felsennestes gehalten, alsdann hat der Geschmack anspruchsvollerer Zeiten verschiedentlich daran herumgeändert und geflickt, hat hie und da einen Thurm oder einen kleinen Seitenflügel angebaut, und mehr dem Inneren wie dem Aeußeren Rechnung getragen. Dennoch sieht Rauenstein mit seinem grauen Zimmerwerk und den ungleichen Fensterchen und spitzen Giebeln unvergleichlich malerisch und schön aus, zumal wenn der regierende Fürst sein Domicil darin uufschlägt, in den so wildreichen Waldgrünven zu jagen. Dann klingt und schmettert das Hüfthorn durch die klare Bergluft, dann stampfen und wiehern die Rosse und traben die rothröckigen Reiter stolz über die knarrende Zugbrücke. Die Meute tobt an den Riemen und von dem Thurm flattert das Banner, weit über die Lande hin sichtbar. Im Sommer kann es kaum einen schöneren und idyllischeren Aufenthalt geben, als dieses alte Jagdschloß, im Winter aber gleicht es der verzauberten Königsburg, so weltvergessen und einsam liegt es im Todesschlaf unter weißem Bahrtuch und schön ist es auch dann, schön für Menschen, welche nicht der rauschenden Freuden, der betäubenden Abwechslung des Faschings bedürfen, um glücklich zu sein. Wer in sich den Himmel findet — kann die Erde leicht verschmähen — und wer an Gottes herrlicher Natur seine Freude hat, wer die Musen und die Wissenschaft zu sich zu Gaste bittet, der wird nie, selbst in dem verschneiten Bergschloß einsam und gelangweilt sein. Graf Wulff - Dietrich liebte seinen alten Rauenstein im Winter ebenso wie im Sommer und er hatte selten mit einem so nachdenklich ernsten, beinahe tro urigen Gesicht am Fenster gestanden wie heute, wo der Schneesturm einen undurchdringlichen Vorhang vor Berg und Thal hängte und die dunklen Tannen zur Seite des Schlößchens beinahe zu- sammcnbrachen unter der wetßglitzernden Last ihres Winterschmuckes. Wulff-Dietrich hielt einen Brief in Händen und der Inhalt, welchen er schon zum öfteren gelesen, stimmte ihn ganz besonders ernst. Seine Mutter berichtete ihm über den Hofball, welchen er so unbegreiflicherweise versäumt habe, denn der verstauchte Fuß würde sich doch per Wagen haben transportiren lassen, und seine Pflege dürfte im Elternhause wohl eine sorgsamere sein, als wie in dem alten Krähennest Rauenstein!" Und dann hatte die Gräfin in geradezu überschwenglichem Entzücken von Pia berichtet, von ihrer Schönheit, Anmuth und Klugheit, welche geradezu Sensation erregt habe! „Endlich einmal ein. Mädchen mit sechzehn Ahnen, welches nicht allein um dieser willen geheirathet zu werden braucht! Für Pia muß man sich begeistern, und Hartwig ist bereits der Schatten der schönen Schwägerin in spe! Wo bleibst Du, Wulff, um Dir diese Perle zu sichern? Mensch, ahnst Du nicht, was Du Dir eventuell entgehen läßt. Aber ganz abgesehen von ihrer Persönlichkeit, — bedenke, mein Sohn, daß Du keine Wahl hast und Pia auf jeden Fall heirathen mußt. Dein Fernbleiben scheint die Nördlingens aber verstimmt zu haben, denn sie haben sowohl meinen, wie Hartwigs Besuch nicht angenommen, und die Eltern markirten recht verschnupfte Stimmung. Das goldlockige Töchterchen ist unverändert bezaubernd--lieber 522 Wulff, wir würden sehr glücklich sein. Dein Glück nd das Majorat gesichert zu sehen! — Das Leben ist rasend theuer, Hartwig gebraucht so enorme Summen, daß wir wirklich nicht mehr mit den Zinsen auskommen können, — Papa mußte bereits zum Capital greifen und dabei lebt der Alte in Niedeck mit Weib und Kind so munter und lustig, daß gar kein Gedanke an eine baldige Erbschaft ist! Es wäre ja in einer Beziehung ganz gut, wenn Du überhaupt nicht heirathest, lieber Wulff, daß Du uns später einmal von den fürstlichen Einkünften des Majorats unterstützen könntest, denn von unserem Vermögen bleibt wohl kein Pfennig, wenn Willibald noch auf seinen Tod warten läßt! Aber es ist der Erbfolge wegen! Du und Hartwig seid die letzten Niedecks, einer von Euch muß vorschriftsmäßig heirathen, wenn der enorme Besitz nach Eurem Tode nicht an die Krone fallen soll. Hartwig würde Pia sofort mit Kußhand heim- führen, aber wovon sollen sie leben! — Das Mädel hat ja außer den sechzehn Ahnen radical nichts und Hartwigs kostspieliges Regiment, seine vielen noblen Passionen — es ist undenkbar, daß er ein Mädchen ohne sehr bedeutendes Vermögen heirathet. Aber Du, mein anspruchsloser, rührend solider Einsiedler, Du kannst ja ein armes Fräulein glücklich machen! In Rauenstein treten keine Anforderungen an Eu h heran, — Ihr lebt so märchenhaft billig dort, — Du kannst jetzt als selbstständiger Mann heirathen, also mußt Du es auch, mein Herzensboy, auf Dir bleibt es eben in jeder Beziehung hängen. Ich erwarte umgehend Nachricht, wann Du hier eintreffen wirst." Wulff-Dietrich seufzte tief auf und stützte den Kopf sorgenvoll in die Hand. Welch ein hartes, trauriges Mißgeschick! Das einzige Mädchen, welches er heirathen darf, und welches vielleicht sein Herz gewonnen und ihn glücklich gemacht hätte, dieses einzige ist ewig unerreichbar für ihn. Dort in seinem Schreibtisch liegt ihr Brief, in welchem sie ihm voll rührenden Vertrauens ihr armes, gequältes Herz erschließt! Sie liebt einen Anderen! Dieses Geständniß genügt, um ihre Wege für ewige Zeiten zu scheiden. Nie und nimmer würde Wulff-Dietrich nach diesem, ihrem Briefe um ihre Hand werben. Kein Räuber, kein Mörder würde alsdann schlechter sein, wie er, der um schnöden Goldes willen ein junges Menschenherz zertreten würde! Sie liebt einen Anderen! Und Wulff-Dietrich ist ehrenhaft genug, die heiligen Rechte dieses Anderen anzuerkennen! Hat er doch selber keinen höheren, besseren Glauben, als an die Treue und Lauterkeit der Liebe! Wehe ihm, wollte er die Braut aus dem Arm eines Anderen reißen, wollte er ihr armes, gebrochenes Herz als Kaufpreis für ein Majorat hinwerfen! Sie glaubt ihm, sie vertraut ihm! Könnte er sie täuschen und noch den moralischen Muth haben, ihr in das Auge zu sehen und Gefühle für sich verlangen, welche er soeben erst als frivol in ihr gemordet hat? Und doch, wie viel ist es, was man hier von ihm verlangt? Nicht ihn allein macht sie arm, auch die Eltern möchten möglicherweise darunter leiden, wenn er jung sterben sollte, ohne berechtigte Erben zu hinterlassen. Um ihn selber ist ihm nicht bange. Er kann das Opfer leicht bringen, denn er hat nie an dem Golde gehangen, er ist ein freier Mann, der auf eigenen Füßen steht und nie auf das große Erbe gewartet und gerechnet hat: aber die Eltern! Ach, Wulff-Dietrich kennt die Zustände in seinem Elternhause besser, als man es dort nur ahnt! Er weiß, daß man das große Vermögen verschwenderisch verbraucht und sich der großen Erbschaft getröstet. Er hat seit jener Scene, welche sich in der Parkruine zwischen den Eltern abspielte, offene Angen bekommen, und er verurtheilt den sündhaften Leichtsinn, welcher ohne Ueberlegung in den Tag hinetnlebt, auf das schroffste. Dennoch steht ihm als Sohn nicht zu, dem Vater Vorstellungen darüber zu machen. Aber was in seinen Kräften stand, um nicht an dem Ruin der Seinigen mitzuarbeiten, das hat er gethan und das wird er auch fernerhin thun. Wie aber soll er, wenn Pia ihm selbstverständlich Schweigen auferlegt, seine Weigerung rechtfertigen, sie nicht zu heirathen?! Ein tiefer Seufzer entringt sich seiner Brust. Er hat es Tag für Tag und Nacht für Nacht überlegt, und er kommt immer wieder zu demselben Entschluß: „Er darf es auf keinen Fall zugeben, daß er Fräulein von Nördlingen nicht heirathen will, er muß nur Gründe suchen, um sein Fernbleiben zu motiviren." Pia wird das Ihre thun, die Eltern gegen ihn einzunehmen, und eines Tages wird ihre Verlobung mit dem „Anderen" veröffentlicht. Dann ist seine Comödie ausgespielt. Mechanisch greift er zu Feder und Tinte und antwortet seiner Mutter: „Ich schreibe Dir umgehend. Dank für Deine so gütigen Nachrichten, — wenn aber meine Zeilen in Deine Hände gelangen werden, ahne ich nicht, denn wir sind zur Zeit durch den enormen Schnee von aller Welt abgeschnitten. Schon gestern ist meine Poststafette beinahe verunglückt, ich darf nicht wagen, abermals Boten nach der Stadt zu schicken, da Weg und Steg im Gebirge unpassirbar sind. Und kommt das Thauwetter, wird es abermals grundlos in den Thälern und sperrt uns von Neuem ab. Ich telegraphirte darum nur kurz, daß es unmöglich, zu kommen, — und dieser Brief bringt Dir später die Auflösung des Räthsels. Du weißt es aber vom vorigen Winter, daß ich auch eine Zeitlang hier gefangen saß, darum ließ mir der Herzog gnädigerweise den Telegraph einrichten. Meinem Fuß geht es besser, aber ich würde immerhin noch fahren müssen, und wie sollte ein Wagen jetzt von unserer Höhe herabkommen! Es freut mich, daß Fräulein von Nördlingen Euch so gut gefällt- auf ein Majorat wie Niedeck wartet wohl jede junge Dame gern, also lerne ich sie wohl immer noch rechtzeitig kennen!" Der Schreiber warf die Feder hin und schritt voll ruheloser Hast in dem Zimmer auf und nieder. Ein herrlicher Jagdhund erhob sich mit fragend klugen Augen von seinem behaglichen Ofenplatz und folgte dem Herrn leise hin und her wie ein Schatten. Es dunkelt, tiefe Stille zog über Schloß und Wald. Zum ersten Male empfand Wulff-Dietrich seine Einsamkeit. Es fröstelt ihn und ein Gefühl, ähnlich dem Heimweh, überkam ihn. Er starrte mit weit offenen Augen in das düstere, eichengetäfelte Zimmer hinein. Dort steht der Schaukelstuhl so traulich vor dem Kamin, — aber kein Mensch sitzt darauf, und das Feuer ist niedergebrannt und leuchtet nicht mehr. Neben dem mächtigen Kachelofen ist es nur Spielerei, und er hat nie Werth darauf gelegt, daß es erhalten wird, — aber heute vermißt er den behaglichen Schein. Ja, wenn jetzt lustige Flammen darin in die Höhe prasselten, wenn in dem Schaukelstuhl eine schlanke Frauengestalt läge, mit weißen, graziösen Händen, den eisernen Haken führend, um die Gluth zu schüren . . . Rothe Lichter zucken über das lächelnde Gesichtchen, goldene Löckchen glänzen über der Stirn, und Wulff-Dietrich tritt leise hinter sie und neigt sich, den schimmernden Nacken zu küssen . . . Sie lächelt, lehnt sich noch weiter zurück und blickt voll süßer Träumerei zu ihm empor. Er athmet den Duft ihres Haares, er fühlt die weichen, zärtlich fest umschlingenden Arme, Lord knurrt eifersüchtig und schmiegt sich an die Knie der schönen Herrin. — 523 — Wulff - Dietrich schrickt jäh zusammen und streicht mit der Hand über die Augen. Wie sehnt er sich nach dem Glück — und er soll ihm entsagen, damit auf alle Fälle einmal für die Eltern gesorgt ist! Pia kann er nicht heirothen, eine andere darf er nicht heimführen. Wahrlich nicht? Wulff-Dietrich richtet sich jählings auf und dehnt mit aufleuchtenden Augen die Arme. Opfert er jetzt um fremder Liebe willen das Gold, und würde zu schwach und feige sein, es dem eigenen Lebensglück nicht auch darzubringen? Verflucht sei die Stunde, in welcher er, um des Reich- thums willen, der Liebe entsagen wollte! Findet er die süße, blondlockige Fee, deren Bild ihm eben so wonnesam vorgegaukelt, dann wird er sie in sein Waldschloß heimführen, gleichviel, ob sie sechzehn Ahnen aufzuweisen hat oder nicht! (Forts, folgt.) bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannfaetnr, Dresden. Sämmtliche Schnittmodelle daselbst erhältlich. gediegenere Wirkung haben. Man No. 109 9t». 110. »0. 106 andere geworden. Die einfachen Grundformen der gegenwärtigen Mode haben in richtiger Consequenz die Ausschmückung mit den verschiedenartigsten Garnituren in den Vordergrund treten lassen, die namentlich für den Winter, wo lebhafte Farben weniger angebracht sind, unser Interesse beanspruchen — Besonders die Flachgarnituren in Form von Borten, Posamenten, Appli- cationen und Aufnäharbeiten sind hochmodern. Sie werden gleichmäßig über Röcke und Taillen vertheilt und ist die Auswahl in Bezug auf das „Wie" der Gar- nirung eine ungemein große. Unser Modell No. 109 bringt eine sehr hübsche Vorlage für ein einfaches, derartig garnirtes Kleid. Wie ersichtlich, werden Borten und Posamenten sowohl längs als quer gesetzt, je nachdem es für die Figur vortheilhaft ist. Applicationen und Aufnäharbeiten breiten sich meist dergestalt über das ganze Costüm aus, daß sie nach dem Taillenschluß zu am dichtesten sind und sich auf der Taille, hauptsächlich aber auf dem Rock, dann in leichtem Muster bauschig garnirten Taillen sind durch ziemlich anliegende und nur im Taillenschluß wenig liebt zu werden verspricht, denn sie wird nicht nur bei Kleidern angebracht, sondern man trägt sie sogar zu Mänteln und Jackets. Bei leichten Stoffen wird der Aermel immer noch sehr gern gepufft, gerafft oder in Querfältchen geordnet, wie an dem Gesellschaftskleid, Modell No. 110, zu ersehen ist. Diese elegante Vorlage dürfte für den Winter wohl öfters in Anwendung kommen; der reiche Besatz von Spitzen und Einsätzen kann auch durch einen mit breiten Streifen durchwebten Stoff ersetzt werden. Desgleichen giebt die Toilette Fig. 107 ein für die verschiedensten gesellschaftlichen Zwecke passendes Costüm wieder, an welchem besonders der linksseitige Schluß, der ja diesen Sommer so beliebt war, in neuer, eigenartiger Manier zur Geltung kommt, denn während die rechte Seite ziemlich glatt mit dem Oberstoff bespannt ist, wird die ganze Breite des Stoffes mäßiger Keulen- oder Puffenform gearbeitet und oben sehr oft mit einer kleinen, quer abstehenden Epaulette versehen, welche diesen Winter allgemein sehr beworben; durch alle diese Einzelheiten äußeren Umrisse der Erscheinung durchaus wählt sie in gleichfarbiger oder abstechender Seide und umrandet Kragen, Gürtel, Epaulettes, Falten, ja sogar die jetzt modernen Gürtelschleifen damit; kurz, man bringt sie so viel als möglich an. Diese Vorliebe für Garnituren zeigt sich sogar bei den sonst durchaus einfach gehaltenen Schneideikleidern, wovon Modell No. 106, welches eine elegante Promenadentoilette darstellt, ein beredtes Zeugniß ablegt. Hier ist Weste und Jacke reich mit Soutache benäht, während der Rock nur durch Steppnähte verziert wird. Die glatt anliegenden Schneidertaillen erhalten die Garnituren in Form von Husarenverschnürungen, großgemusterten Aufnäharbeiten oder den Mittelschluß entlang laufendenPosa- mentenborten aufgesetzt, und werden auch die Röcke fast ausnahmslosübereinstimmend garnirt. Zu all' diesen Kleidern sind die Aermel meist in eingereihte Formen abgelöst sind, wie gesagt, die große Veränderung, fpeciell was die äußeren Umrisse der Figur anlangt, vollzogen, fast ohne daß wir etwas davon bemerkten und jetzt, wo wir uns für den Herbst und Winter equipiren wollen, sehen wir mit Erstaunen den beträchtlichen Unterschied. Während im Vorjahre Taillen und Aermel und Röcke noch bauschend und abstehend waren, find sie in dieser Saison in allen Linien schlanker und anschmie- gender geworden. Weite Aermel kommen heute überhaupt nicht mehr in Frage, obgleich der bis oben glatt anliegende Aermel noch nicht der heutigen Modevorschrift entspricht. Auch die weiten Röcke werden durch engere, 3 bis 4 Meter weite ersetzt, deren unterer Rand nur 30 Ctm. hoch ist und wenig gesteift wird. Die reich und „ . auf gerafft und unter einem vollen befestigt. auch in allmähliger, schrittweiser Entwicklung zu einer bestimmten Form. So hat sich z. B. im Laufe des verfloffenen Sommers eine No. 107 der linken Schulter zusammen- Jahot von Spitzen und Gaze Die wechselnde Mode bringt oft große Ueberraschungen, wenn sie tn rechter Launenhaftigkeit für irgend eine Neuheit sich plötzlich entscheidet; häufig aber erreicht sie die augenfälligste Veränderung decken, sehr vortheilhaft. Ferner sind als Garnituren die längere Zeit in Vergessenheit gerathenen Passepoils zu nennen, welche durch ihre Einfachheit eine um so verlieren. Im klebrigen sind auch andersfarbige Einsätze für Taillen und Röcke gleichmäßig beliebt, und besonders für starke Damen sind die schmalen Längseinsätze, welche die Seitennähte des Rockes 524 Hosenschoner für Radfahrer. Practischer als die bloßen Hosenklammern sind die um das untere Beinkleid stulpenartig gelegten Hosenschoner. Ich trage, wie man dem „Practischen Wegweiser", Würzburg, schreibt, solche circa 15 Ctm. hoch und erhalte meine Beinkleider dadurch tadellos sauber von Schmutz und von Oelflecken. Da dieselben aber in Geschäften unverhältnißmäßig theuer sind (ich fand die billigsten aus Lodenstoff zu 2,50 Mk.), so lasst ich mir beim Anfertigen meiner Anzüge solche gleich vom Schneider mit- machen und zwar von demselben Stoff, was auch dem Aussehen sehr zu gute kommt. Macherlohn nebst Zuthaten (starkes Futter) 50 Pfg. für's Paar. Verschluß durch biet Haken und Oesen. * Entfernung von Oelflecken ans Lampenglocke«. Gieße zwei Löffel einer leicht erwärmten Auflösung von Pottasche in die Glocke, befeuchte damit die ganze Oberfläche, reibe die Flecken mit einem feinen leinenen Läppchen, spüle hierauf die Glocke mit reinem Wasser nach und trockne sie sorgfältig mit einem feinen, weichen Tuche ab. Durch diese Behandlung schwinden die Flecke und die Glocken erhalten wieder das ursprüngliche schöne matte Aussehen. * * Kitte« von zerbrochenem Porzellangefchirr. Man stoße ein Stück englisches Flintglas zu feinstem Pulver und reibe solches mit Eiweiß gut ab. Hiermit kann man Porzellan so fest kitten, daß es an derselben Stelle nie wieder zerbricht, nur muß man die Mischung auf einem Stein (wie der Maler seine Farben) außerordentlich fein reiben. Ein anderes Verfahren: Man rühre vier Theile Alabastergyps und einen Theil fein gepulverten Gummi arabicum mit einer kalt gesättigten Boraxlösung zu einem dicken Brei an. Dieser Kitt wird nach ein bis zwei Tagen marmorhart. * * * Selbstherftellu«g von Fleckwafser. Man löse ein halbes Pfund Soda auf und gieße das dann lauwarm auf ein halbes Pfund Chlorkalk, den man in einen großen Steintopf gethan hat. Wenn beides eben verrührt ist, gieße man im Ganzen 3 Liter warmes Regenwasser dazu. Hierauf wird der Topf gut zugedeckt und 24 Stunden stehen gelassen. Am andern Morgen schöpfe man das etwa obenschwimmende Dicke vorsichtig ab und gieße dann alles Klare ganz behutsam durch ein Sieb in einen anderen Topf, von dem aus man es hernach in Flaschen füllt, die man gut verkorkt. Man hat dann für wenige Pfennige einen recht ansehnlichen Vorrath an einem guten Fleckwasser, das alle Wein- und Obstflecken aus der Wäsche entfernt, wenn man die Wäsche einen Moment lang hineinhängt und sofort nachwäscht. * Feilster- ««d Spiegelscheibe« werden am einfachsten und schnellsten blank, wenn man, tote der „Praclische Wegweiser", Würzburg, schreibt, sie nach dem Waschen und Abtrocknen nochmals mit einem Klümpchen Seidenpapier abreibt. Dasselbe hinterläßt nicht eine Spur von Flocken, wie das bei Tüchern rc. unvermeidlich ist. * * * Einfache Prüfung der Kleiderstoffe bezüglich der Echtheit der Farbe. Lege ein Stückchen des zu prüfenden Stoffes gütige Tage an's Sonnenlicht und vergleiche nach dieser Zeit das dem directen Sonnenlicht ausgesetzte und das zurückbehaltene Stückchen miteinander. Lichtecht ist die Farbe nur dann, wenn teilte merkliche Farbenabweichung zwischen beiden Stoffen zu constatiren ist. Um den farbigen Stoff auf Waschechtheit zu prüfen, bringe man ein Stückchen in Seifenwasser und lasst es in demselben einige Male aufkochen, wäscht es darauf aus und läßt es trocknen. Unterscheidet sich das getrocknete Stück bezüglich seiner Färbung nicht von dem ungewaschenen, so kann man überzeugt sein, daß die Farbe waschecht ist Diese nur geringe Mühe verursachende Prüfung sollte Niemand versäumen, vorzunehmen. # * * Rehkeule auf französische Art. Die gespickte Rehkeule läßt man drei Tage in einer Marinade, die man aus einem Glase Rothwein, einem Glase Essig, etwas Salz, einer starken Prise Pfeffer, Thymian, Lorbeer, Zwiebel und etwas Olivenöl hergestellt hat, brät sie in Butter gar und richtet sie mit folgender Sauce an: Zwei gehackte Zwiebeln dünstet man in Butter braun, fügt etwas von der Marinade, ferner das Bratenjus und etwas Auflösung von Liebigs Fleisch- Extract bei, läßt diese Sauce 3/4 Stunde kochen und drückt sie durch ein Sieb, worauf man sie mit etwas Kartoffelmehl bindet und sie alsdann nochmals aufwallen läßt. Maßstab. Fritzchen (auf seinen corpulenten Onkel zeigend, der im Erker sitzt und die Zeitung liest): „Onkel Eduard hat wohl viel Geld?" — Papa: „Keineswegs, er bezieht nur eine angemessene Leibrente." — Fritzchen: „Muß die aber groß fein I" * * * Geistesgegenwart. Ein Herr unterhalt eine Gesellschaft durch Nebelbilder, indem er zu jedem Bilde eine Erklärung giebt. Plötzlich versagt der Apparat und die Leinwand erscheint völlig dunkel. Der Darsteller weiß sich aber zu helfen und erklärt: „Kampf zwischen Negern in einem Tunnel." * * * Stoßseufzer. Herr (zum Schusterlehrliug, der ihm ein Paar reparirte Stiefel bringt): „Die Stiefel sind aber schlecht geputzt. Die Wichse ist wohl knapp bei Euch!" — Schusterjunge: „Ach nee, — ich kriege jenug." Ein Phantast. Vertheidiger: „Wie sehr die Schilderungen des Haupt-Belastungszeugen als Uebertreibungcn schlimmster Art aufzufassen sind, beweist uns vor Allem dessen Aussage: Im selben Moment sei der Zug der Secundärbahn v o r b e i g e r a st!" * * ♦ Verschnappt. Gast: „In solch'einem großen Restaurant muß doch viel übrig bleiben?" — Wirthin: „I bewahre — einmal wird's doch aufgegessen!" * * Kindermund. Onkel: „Na, Hänschen, thust Du denn auch immer, was Dir die Mama sagt?" — Hänschen: „Gewiß, Papa thut's ja auch!" Literarisches Die Lieferungen 20 bis 22 der Neuen Folge der illustrirten Ausgabe von W. H«imt»urgs Roma««» und Novellen bnngm eine Fortsetzung der kleineren Erzählungen. „Der silberne Hirschfänger , der bereits in der 19. Lieferung begonnen hatte, führt zu einem versöhnlichen Abschluß. Bernhard, der natürliche Sohn des Fürsten, retter seinem Nebenbuhler, dem Erbprinzen, das Leben mit eigener Gefahr - und so wird der verkannte, unendlich verbitterte und leidenschaftlM junge Mann mit der Hand des von chm geliebten jungen Mädchens belohnt. In „Großmutters Whistkränzchen" erzählt die alte Dame eine Lebensepisode aus ihrer Jugendzeit. „Marianne Si-venmg ist ° f rührende Geschichte eines verwachsenen Mädchens, in dessen Herzen am einmal die Siebe aufgegangen ist. Die Lieferungen 22 bis 24 enthalten das erste Dritttheil des Romans „Haus Beetzen", der alsbald ourcy die treffende Characterzeichnung des Schlotzherrn und seiner Famui- das Interesse der Leser fesselt. Die Jllustrirung ist gleich deriemgen der früher erschienenen Hefte eine vortreffliche. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. Redaktion: 8L Schehda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch-